Ist der Islam satirefähig?

jones

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Genau das geschieht doch in Afghanistan...

Aber ich habe immer über Eigentum geschrieben. Wenn jetzt Leute in deinem Eigentum sind, hast du Sklaven.

bezog sich auf:
Dir ist klar, dass mit dieser Argumentation schlussendlich auch das Erschlagen von Leuten begründet werden könnte?
 

Simple Man

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jones

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Du hattest etwas vom Erschlagen von Menschen geschrieben.
Und Bücher, wie gut und wertvoll Sie auch immer sein mögen oder wie ehrenwert die Idee, die hinter ihnen steckt auch ist, sind Papier und Druckerschwärze.
 

Winston_Smith

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@Jones:

Du machst es Dir mit der Frage zum Eigentum zu einfach. Natürlich darfst Du mit Sachen, die dir gehören, machen was Du willst. Aber wenn Du etwas (halb)-öffentlich verbrennst steckt dahinter auch eine Ablehnung dieser Sachen. Als damals in den USA Frauen ihre BHs verbrannt haben, haben sie das getan um ihre Ablehnung zu zeigen. Das geschah jetzt mit dem Koran oder wenn im Stadion ein gegnerischer Fanschal verbrannt wird.

ws
 

Telepathetic

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Simple Man schrieb:
Naja, im Wesentlichen will ich sagen, dass es beim Verbrennen von Büchern um die Idee, die das Buch repräsentiert, geht, nicht um die Sache "Buch" selber.
Es geht also nicht um die Sache "Buch", sondern um die Idee dahinter, die aber in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich ausgelegt wird.

Ich vermute, dass die Muslime in Mazar-i Scharif nicht auf die Einschränkung der Meinungsfreiheit reagiert haben, sondern auf die Verbrennung der Worte ihres Propheten. Durch die Worte des Propheten offenbart sich für sie die einzig richtige Anleitung, um ein gottgefälliges Leben führen zu können. Eine Verbrennung des Korans ist für sie gleichbedeutend mit einer 100%igen Ablehnung ihrer Weltsicht.

"Ist der Islam satirefähig?" - Ja, aber nicht in den Augen der Attentäter in Mazar-i Scharif.
 

wintrow

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Naja wenn ein brennender Koran den Gott schon gefährdet, dann kann es kein alssomächtiger sein :mrgreen:

Jetzt mal ehrlich was für eine Perversion soll das sein das man gottgefällig und religiös sein soll um in den Himmrl zu kommen.
Ein nichtreligiöser Mensch mit einem guten Charakter der ein immer anderen Geholfen hat kommt trotzdem nicht in den Himmel...so ein Schwachsinn
 

Gilgamesh

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Ich denke, dass die aufgebrachte Menge in Mazar-i Scharif zu Hauf bildungslose Analphabeten waren, die sich aufgrund ihres beschränkten Horizontes nur auf primitiver Ebene wehren konnten.

Rein religiös betrachtet steht es dem Gläuigen nicht zu, Andersgläubige zu lynchen, nur weil ein vermeintlicher Vertreter deren Gruppe sich in Blasphemie übt. Es ist nämlich so, das jeder religös tun und machen kann was er will und wenn einer den Kran verbrennt, dann liegt es nach seinem natürlichen Abscheiden bei dem Gott des Koran, sollte er existieren, über diesen Menschen zu richten. Aber erst nach seinem Ableben und während er lebt, hat kein anderer Mensch über dessen Leben oder Tod zu entscheiden.

So sieht das nämlich aus.
 

Themis

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Richtig.
Ist aber natürlich trotzdem ein Problem, wenn vermeintliche "Glaubensbrüder" in ihren Gedanken und ihren Handlungen stark eingeschränkt sind, egal ob es sich dabei um einen Bauern aus Mazar-i Scharif oder irgendeinem religiösen Hetzer aus der neuen Welt handelt.
 

Telepathetic

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Vielleicht lässt sich ja auch diese Gleichung aufstellen: Je gebildeter und (selbst-)kritischer, desto satirefähiger. Aber wo sind die Genzen zwischen einer Kritik an einem Mißstand und einer Beleidigung?

Wenn jemand z.B. ein exkrementelles Video mit mir als Star hochladen würde, um zu zeigen, dass meine Beiträge im Forum Sch**** sind, dann hätte ich Schwierigkeiten damit, diese Botschaft aus dem gezeigten Geschehen herauszufiltern. Ich würde eine offenkundige persönliche Beleidigung sehen.

Und das Selbe wäre der Fall, wenn jemand ein von mir geliebtes Buch verbrennen würde. Sagen wir mal, es würde Hesse's Steppenwolf verbrannt, weil das Buch Drogenkonsum bewirken könnte. Ich wäre durch die Tat verärgert und würde nach Gerechtigkeit rufen. Allerdings würde ich deswegen nicht zum Mörder werden .. und wegen des Videos auch nicht.
 

sercador

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Satirische Medien allüberall verdienen selten gutes Geld. Ihre Rechtsnawälte allerdings schon. Die Titanic z.Bsp. veröffentlicht immer wieder gerne die Klagen, die gegen ihre Inhalte geführt werden.

Es ist also nicht nur eine Frage des Bildungsstandes, sondern auch der Streitkultur. Wenn man sich auf die örtliche Justiz nicht verlassen kann, wenn es Gerechtigkeit sowieso nur in der Jenseitsvorstellung gibt, dann kommt es zwangsläuig zu diesen Gewaltexzessen.
Imho muss man festhalten, daß wir in diesem Punkt zwar gemeinsam in einem Raum leben, aber noch lange nicht in der gleichen Welt.

@simple man: Keine Meinungsäußerung kann den Tod oder das Leiden eines anderen Menschen rechtfertigen. Ich erinnere an das berühmte Voltaire-Zitat.
 

Winston_Smith

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Vielleicht lässt sich ja auch diese Gleichung aufstellen: Je gebildeter und (selbst-)kritischer, desto satirefähiger.
Ich weiß nicht, ob Bildung hilft. Der Karrikaturen-Kofferbomber hat studiert. Und wenn sich mal wieder jemand im Vatikan künstlich aufregt, macht das ein kein dummer Mensch.

Vielleicht ist es eher eine Frage von Selbstvertrauen und innerer Stärke? Wer mit sich selbst zufrieden ist, der kann damit leben, wenn jemand über ihn einen Witz macht. Und wer von seiner Sache/seinem Glauben/seinem Verein überzeugt ist, der kann auch mit Satire leben.

ws
 

Gilgamesh

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Lassen wir doch mal antimagnet die Sache statistisch beleuchten:

Unter den unmassen an Menschen gibt es auch Mengen, die auf bestimmte Reize entsprechend reagieren.

Sowie sich keine 30 Menschen für die Koranverbrennung finden ließen, so existieren sicher auch irgendwo 30 andere Menschen, die dafür Morden!

Und ich bin mir sicher, dass überall auf der Welt irgendwelche Menschen für alles mögliche Morden würden oder auch empfänglich währen, für alle möglichen Gedanken.

So arbeiten Regierungen und so arbeiten auch Geheimdienste, um nicht nur Unruhen zu stiften, sonder auch politisch daran zu erstarken bzw solches Eigenheiten politisch zu mißbrauchen...
 

antimagnet

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ich wüsste nicht so recht, was ich da jetzt statistisch machen soll - finde das auch wenig zielführend.

dass es immer ein paar idioten gibt, die auf entsprechende reize entsprechend reagieren - damit hast du bestimmt recht. man sollte auch nicht vergessen, dass der entscheidende schlüsselreiz zum ausrasten vielleicht weniger ein verbrannter koran oder ein karikatur ist, sondern die fernsehkamera, die die proteste aufnimmt.
 

sercador

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antimagnet schrieb:
dass der entscheidende schlüsselreiz zum ausrasten vielleicht weniger ein verbrannter koran oder ein karikatur ist, sondern die fernsehkamera, die die proteste aufnimmt.
Bzw. der Einpeitscher, der die Aufregung lostritt und seine Mitspieler, die für die entsprechenden TV-Bilder sorgen.
Insofern könnte dieser Coup in Masar-il-Sharif ein Werk der Taliban sein. Eine Botschaft an die ISAF-Truppen.
Warum schreib ich "könnte"? :gruebel:
 

hives

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Hatten wir das hier schon?
The mainstream US media, to their credit, had denied Jones the publicity he was hunting, and treated him like a mess on the footpath. Not so Karzai.

As a result of his intervention, a vast number of Afghans came to learn of Jones's actions, of which they otherwise would have remained blissfully ignorant. [...]
For a leader in his position, to denounce Jones (and the US and UN for not dealing with Jones) might seem a good way of dispelling the claim he is a puppet, and winning over Taliban supporters. One hopes he realises how dangerous it is to play with matches near a fuel dump.
Karzai supplies oxygen to US Koran-burner
 

Telepathetic

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Freispruch im Verfahren um Koran-Schändung

Aus Seiten des heiligen Buches des Islams hatte er Papierflugzeuge gefaltet, die er auf zwei Gläser als Symbole der Zwillingstürme des World Trade Centers in New York warf. Das Gericht befand, dass diese Nachstellung der Anschläge vom 11. September 2001 gegen Terrorakte und nicht gegen die Gemeinde der Muslime gerichtet gewesen sei.
„Es ist doch nicht verboten, ein Buch bei sich zu Hause zu verbrennen“. Sein Verteidiger hatte Freispruch gefordert. „Seit der Französischen Revolution 1789 ist in Frankreich die Gotteslästerung abgeschafft“, sagte er.
 

Nali3

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Also ich glaube nicht das dieses "Kulturvolk" bzw. die Menschen seiner Realigion mit Satire umgehen können - zumindest was die Religion betrifft.
Natürlich da einige davon ausgenommen. Kenne auch ein paar die die Witze zumindest hinnehmen ohne gleich auszurasten...

Gesund kann so ein strenger Anhang an einen imaginiären Freund aber nicht sein. Vor allem wenn man gleich alles als Angriff auf die eigene Religion bezieht und sich beleidigt fühlt. Gesundes Mittelmaß wie ich immer sage ist wichtig!
 

streicher

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Und - ist er's nun oder ist er's nicht?

Noktara.de lebt ein Beispiel vor. FAQ.

Bassem Youssef war in Ägypten ein gern gesehener Satiriker mit eigener Show, allerdings hatte die militärische Elite nach Mursi mit ihm ein echtes Problem. Doch nach Mursis Sturz durch das Militär wuchs der Druck - und irgendwann wurde er zu groß. Den Amtsantritt des Ex-Generals Abdel Fattah al-Sisi als Präsident verulkte Youssef schon nicht mehr.

Über Youssef wurde eine Doku gedreht: Tickling Giants.[/quote]
 
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