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Globale Einführung einer 2-Kind-Politik dringend notwendig

Dieses Thema im Forum "Politik, Sozialkritik, Zeitgeschehen & Geschichte" wurde erstellt von Rivale-von-Nogar, 3. Februar 2010.

  1. Rivale-von-Nogar

    Rivale-von-Nogar Meister

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    Nachdem die meisten von euch die ganze Zeit behaupten, dass sich aufgrund der Weltweit ständig sinkenden Geburtenrate auch die Situation angeblich verbessert und dadurch angeblich auch die Erdbevölkerung singt und die meisten von euch mir einfach kein Wort glauben, wenn ich euch erklären will, dass in Wirklichkeit das komplette Gegenteil der Fall ist, kommt jetzt das seit langem von mir angekündigte Rechenbeispiel, dass zweifelsfrei belegen wird, dass die Erdbevölkerung trotz sinkender Geburtenrate immer weiter ansteigen wird.

    Ihr spricht unter anderem davon, dass die Geburtenrate durch folgende Faktoren abgesenkt werden kann:

    - Bildung fördern
    - Den Frauen mehr Rechte gewähren
    - Mehr Verhütung ermöglichen
    - Das Sozialsystem verbessern
    u.s.w.

    Genau auf dieser Argumentation baue ich jetzt dieses ausführliche Rechenbeispiel auf:

    Nehmen wir den optimistischsten Fall an, dass von 1000 Leuten (die bisher keine Bildung hatten)
    jeden vierten innerhalb einer Generation der Zugang zu Bildung u.s.w. ermöglicht werden kann (Was natürlich völlig unmöglich ist. Aber selbst wenn, würde die Bevölkerung immer noch immer weiter ansteigen. Ihr müßt also davon ausgehen, dass die derzeitige Bevölkerungsexplosion sogar noch um ein vielfaches unberechenbarer ist.)

    Dann hätten wir praktisch von den 1000 Menschen, 250 Menschen mit viel Bildung, Rechte, Verhütung u.s.w. und 750 Menschen mit wenig Bildung, Rechte, Verhütung u.s.w.

    Bei den 250 Menschen ergibt sich dann eine durchschnittliche Geburtenrate von (sagen wir mal) 1,5 und bei den anderen 750 Menschen ergibt sich dann eine durchschnittliche Geburtenrate von (sagen wir mal) 3,0

    Das heißt: 250 Menschen mit viel Bildung u.s.w. bringen insgesamt 187 Kinder auf die Welt, die anderen 750 Menschen mit wenig Bildung u.s.w. bringen insgesamt 1125 Kinder auf die Welt.

    Das sind insgesamt 1312 Kinder (187 + 1125) Daraus ergibt sich eine Durchschnittsgeburtenrate von 2,624 da 1000 Menschen insgesamt 1312 Kinder bekommen haben.

    (Nennen wir die alte Generation mit den 1000 Menschen Generation A und die neue Generation mit den 1312 Menschen Generation B)

    Generation B besteht also aus 1312 Menschen von denen 187 Menschen viel Bildung u.s.w. haben und 1125 Menschen, die wenig Bildung u.s.w. haben.

    Nehmen wir auch hier wieder den optimistischsten Fall an, dass von 1125 Leuten (die bisher keine Bildung hatten) jeden vierten innerhalb einer Generation der Zugang zu Bildung u.s.w. ermöglicht werden kann.

    Dann hätten wir praktisch von den 1312 Menschen, 468 Menschen (1125/4 +187) mit viel Bildung, Rechte, Verhütung u.s.w. und 844 Menschen (1125*3/4) mit wenig Bildung, Rechte, Verhütung u.s.w.

    Bei den 468 Menschen ergibt sich dann wieder eine durchschnittliche Geburtenrate von 1,5 und bei den anderen 844 Menschen ergibt sich dann wieder eine durchschnittliche Geburtenrate von 3,0

    Das heißt: 468 Menschen mit viel Bildung u.s.w. bringen insgesamt 351 Kinder auf die Welt, die anderen 844 Menschen mit wenig Bildung u.s.w. bringen insgesamt 1266 Kinder auf die Welt.

    Das sind insgesamt 1617 Kinder (351 + 1266) Daraus ergibt sich eine Durchschnittsgeburtenrate von 2,464 da 1312 Menschen insgesamt 1617 Kinder bekommen haben.

    (Nennen wir nun die neue Generation mit den 1617 Menschen Generation C)

    Generation C besteht also aus 1617 Menschen von denen 351 Menschen viel Bildung u.s.w. haben und 1266 Menschen, die wenig Bildung u.s.w. haben.

    Nehmen wir auch hier wieder den optimistischsten Fall an, dass von 1266 Leuten (die bisher keine Bildung hatten) jeden vierten innerhalb einer Generation der Zugang zu Bildung u.s.w. ermöglicht werden kann.

    Dann hätten wir praktisch von den 1617 Menschen, 668 Menschen (1266/4 + 351) mit viel Bildung, Rechte, Verhütung u.s.w. und 949 Menschen (1266*3/4) mit wenig Bildung, Rechte, Verhütung u.s.w.

    Bei den 668 Menschen ergibt sich dann wieder eine durchschnittliche Geburtenrate von 1,5 und bei den anderen 949 Menschen ergibt sich dann wieder eine durchschnittliche Geburtenrate von 3,0

    Das heißt: 668 Menschen mit viel Bildung u.s.w. bringen insgesamt 501 Kinder auf die Welt, die anderen 949 Menschen mit wenig Bildung u.s.w. bringen insgesamt 1423 Kinder auf die Welt.

    Das sind insgesamt 1924 Kinder (501 + 1423) Daraus ergibt sich eine Durchschnittsgeburtenrate von 2,379 da 1617 Menschen insgesamt 1924 Kinder bekommen haben.

    (Nennen wir nun die neue Generation mit den 1924 Menschen Generation D)

    Generation D besteht also aus 1924 Menschen von denen 501 Menschen viel Bildung u.s.w. haben und 1423 Menschen, die wenig Bildung u.s.w. haben.

    Nehmen wir auch hier wieder den optimistischsten Fall an, dass von 1423 Leuten (die bisher keine Bildung hatten) jeden vierten innerhalb einer Generation der Zugang zu Bildung u.s.w. ermöglicht werden kann.

    Dann hätten wir praktisch von den 1924 Menschen, 857 Menschen (1423/4 + 501) mit viel Bildung, Rechte, Verhütung u.s.w. und 1067 Menschen (1423*3/4) mit wenig Bildung, Rechte, Verhütung u.s.w.

    Bei den 857 Menschen ergibt sich dann wieder eine durchschnittliche Geburtenrate von 1,5 und bei den anderen 1067 Menschen ergibt sich dann wieder eine durchschnittliche Geburtenrate von 3,0

    Das heißt: 857 Menschen mit viel Bildung u.s.w. bringen insgesamt 642 Kinder auf die Welt, die anderen 1067 Menschen mit wenig Bildung u.s.w. bringen insgesamt 1600 Kinder auf die Welt.

    Das sind insgesamt 2242 Kinder (642 + 1600) Daraus ergibt sich eine Durchschnittsgeburtenrate von 2,330 da 1924 Menschen insgesamt 2242 Kinder bekommen haben.

    (Nennen wir nun die neue Generation mit den 2242 Menschen Generation E)

    Generation E besteht also aus 2242 Menschen von denen 642 Menschen viel Bildung u.s.w. haben und 1600 Menschen, die wenig Bildung u.s.w. haben.

    Nehmen wir auch hier wieder den optimistischsten Fall an, dass von 1600 Leuten (die bisher keine Bildung hatten) jeden vierten innerhalb einer Generation der Zugang zu Bildung u.s.w. ermöglicht werden kann.

    Dann hätten wir praktisch von den 2242 Menschen, 1042 Menschen (1600/4 + 642) mit viel Bildung, Rechte, Verhütung u.s.w. und 1200 Menschen (1600*3/4) mit wenig Bildung, Rechte, Verhütung u.s.w.

    Bei den 1042 Menschen ergibt sich dann wieder eine durchschnittliche Geburtenrate von 1,5 und bei den anderen 1200 Menschen ergibt sich dann wieder eine durchschnittliche Geburtenrate von 3,0

    Das heißt: 1042 Menschen mit viel Bildung u.s.w. bringen insgesamt 781 Kinder auf die Welt, die anderen 1200 Menschen mit wenig Bildung u.s.w. bringen insgesamt 1800 Kinder auf die Welt.

    Das sind insgesamt 2581 Kinder (781 + 1800) Daraus ergibt sich eine Durchschnittsgeburtenrate von 2,302 da 2242 Menschen insgesamt 2581 Kinder bekommen haben.

    Das sind jetzt insgesamt 5 Generationen – Zeit um Bilanz zu ziehen:

    Zuerst die positiven Aspekte:

    Generation A bestand aus 1000 Leuten. Davon hatten 250 Leute Bildung, Frauenrechte, Verhütung u.s.w. Das sind 25%

    Generation B bestand aus 1312 Leuten. Davon hatten 468 Leute Bildung, Frauenrechte, Verhütung u.s.w. Das sind 35,67%

    Generation C bestand aus 1617 Leuten. Davon hatten 668 Leute Bildung, Frauenrechte, Verhütung u.s.w. Das sind 41,31%

    Generation D bestand aus 1924 Leuten. Davon hatten 857 Leute Bildung, Frauenrechte, Verhütung u.s.w. Das sind 44,54%

    Generation E bestand aus 2242 Leuten. Davon hatten 1042 Leute Bildung, Frauenrechte, Verhütung u.s.w. Das sind 46,48%

    Das Bildungsniveau, die Frauenrechte u.s.w. sind also von Generation zu Generation gestiegen. So weit so gut.

    Nun zur Durchschnittsgeburtenrate:

    Generation A wies eine Durchschnittsgeburtenrate von 2,624 auf.
    Generation B wies eine Durchschnittsgeburtenrate von 2,464 auf.
    Generation C wies eine Durchschnittsgeburtenrate von 2,379 auf.
    Generation D wies eine Durchschnittsgeburtenrate von 2,330 auf.
    Generation E wies eine Durchschnittsgeburtenrate von 2,302 auf.

    Nachdem die Durchschnittsgeburtenrate von Generation zu Generation immer gesunken ist, gehen die meisten im ersten Moment davon aus, dass alles besser wird. ABER:

    Von Generation A zu Generation B ist die Bevölkerung um 312 Menschen gestiegen (1312 – 1000)
    Von Generation B zu Generation C ist die Bevölkerung um 305 Menschen gestiegen (1617 – 1312)
    Von Generation C zu Generation D ist die Bevölkerung um 307 Menschen gestiegen (1924 – 1617)
    Von Generation D zu Generation E ist die Bevölkerung um 318 Menschen gestiegen (2242 – 1924)

    Trotz all dieser vermeintlich positiven Daten ist die Bevölkerung von Generation zu Generation immer weiter angestiegen und das ist genau das, was die meisten unterschätzen.

    Wenn ich jetzt dieses Rechenbeispiel bis Generation Z fortführen würde, dann würdet ihr feststellen, dass sich die Durchschnittsgeburtenrate nie auf 2,0 einpegeln wird.

    Für alle Kritiker: …und wenn ihr euch heute die Erdbevölkerung anseht, dann werdet ihr feststellen, dass wir von einer globalen Durchschnittsgeburtenrate von 2,302 noch ziemlich weit entfernt sind. Ihr werdet ebenso feststellen, dass wir weit davon entfernt sind, dass 46,48% der Erdbevölkerung Zugang zu Bildung, Verhütung u.s.w. hat.

    Worauf sich wiederum schlussfolgern lässt, dass es in der Realität noch viel gravierender ist, als ich es hier in diesem Beispiel dargestellt habe. Zu guter letzt noch mal für alle, die dieses etwas komplexere und ausführlichere Rechenbeispiel nicht verstanden haben sollten – hier noch einmal das vereinfachtere Rechenbeispiel:

    …und wer jetzt weder das vereinfachte Rechenbeispiel noch das ausführlichere Rechenbeispiel verstanden hat oder einfach nicht verstehen will, dem kann ich leider auch nicht mehr weiter helfen. :roll:
     
  2. haruc

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    Da hast du dir aber viel Arbeit gemacht :)

    Ein paar Fragen:

    Was ist mit den Leuten, die sterben? Die hast du völlig ignoriert.
    Wie hoch ist die Säuglingssterblichkeit? Die hast du ebenfalls nicht berücksichtigt, da du von einer reinen Geburtenrate ausgehst.

    Nochmal: Es streitet niemand ab, dass die Erdbevölkerung wächst. Das muss man nicht durch konstruierte Rechenexempel nachweisen, sondern das kann man schlichtweg beobachten. Es geht hier in diesem Thread um die Frage, ob die globale Einführung einer 2-Kind-Politik ein probates Mittel ist, um die Weltbevölkerung auf einem stabilen Level einzupendeln.

    Außer Dir sind die meisten hier anscheinend der Meinung, dass diese Politik aus diversen moralischen, ethischen, rechtlichen, politischen und praktischen Gründen problematisch ist bzw einfach nicht funktioniert.
     
  3. Ein_Liberaler

    Ein_Liberaler Forenlegende

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    Die hat er völlig zu Recht ignoriert, weil er nur die Netto-Geburtenrate betrachtet. Was bringt die Bruttorechnung, wenn sowohl Netto- als auch Bruttozahlen rein fiktiv sind? Sie macht es nur komplizierter.

    Die Konstruktion des Modells determiniert die Aussagen des Modells. Wenn ich das Modell so baue, daß die Geburtenrate eine Funktion von Bildung, Frauenrechten, Verhütung und sozialer Sicherheeit ist und wenn ich die Annahmen so treffe, daß der Zuwachs an BFVsS nie ausreicht, die Geburtenrate auf 2.1 (oder unter Auslassung der Kindersterblichkeit 2.0) zu drücken, dann ist das Ergebnis immer eine wachsende Bevölkerung. Und eine wachsende Bevölkerung ist eine wachsende Bevölkerung. :egal:

    Das entscheidende an dem Beitrag sind die Annahmen, speziell die Annahme "Zuwachs an BFVsS reicht nicht". Statt ellenlang rumzurechnen, sollte man die Validität der Annahmen diskutieren, denn die Rechnung ist trivial...
     
  4. Rivale-von-Nogar

    Rivale-von-Nogar Meister

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    Nein die habe ich nicht Ignoriert. Wenn ihr mein Rechenbeispiel genau durchgeht, dann werdet ihr feststellen, dass ich die vorhergehenden Generationen eben nicht zu der jeweils nachfolgenden Generation dazu gezählt habe.

    Beispiel: Wenn eine Frau und ein Mann (also 2 Personen) 3 Kinder bekommen, dann ist die Familie um das 1,5 fache angewachsen. Der Tod von der Frau und dem Mann ist dabei schon mit einkalkuliert. Wäre es nicht miteinkalkuliert wäre die Familie um das 2,5 fache angewachsen.

    Oder mit anderen Worten: Solange die Frau (b.z.w. Mutter) und der Mann (b.z.w. Vater) am Leben ist, hat sich die Familie verzweieinhalbfacht (nachdem die 3 Kinder gezeugt wurden) und wenn die beiden eines Tages sterben, gibt es immer noch 1,5 mal so viel als ursprünglich.

    Säuglinge sterben hauptsächlich in der dritten Welt, wo jedoch zugleich die Geburtenrate unnormal hoch ist. Wenn z.B. ein Paar in Afrika 6 Kinder auf die Welt bringen und 2 Kinder sterben, dann ergibt sich daraus logischer Weise eine Geburtenrate von 4,0. Würde man die Kindersterblichkeit nicht berücksichtigen, müßte man in dem Fall sogar von einer Geburtenrate von 6,0 statt 4,0 ausgehen.
     
  5. Ein_Liberaler

    Ein_Liberaler Forenlegende

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    Das ist ein grandioses Mißverständnis. Natürlich ignorieren Sie die alte(n) Generation(en), und das ist auch richtig so, wenn Sie die Größe einer Generation berechnen... Wenn es um die Weltbevölkerung geht, ist es allerdings außerdem noch erheblich, wie viele Generationen gleichzeitig auf der Erde leben, es wären also Generationsfolge und Lebenserwartung zu berücksichtigen. Das ändert aber alles nichts an den fundamentalen Annahmen...
     
  6. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Immerhin geht es hier um globale Maßnahmen, die diskutiert werden. Ich frage mich auch, wie es sich auswirken würde, wenn global Verhütungsmittel zur Verfügung gestellt würden (und die Benutzung freilich erlaubt). Wäre dann der globale "Pillenknick" zu erwarten, oder vielleicht so eine Art "Pillenkurve"?

    Ebenso frage ich mich, wie es sich auswirken würde, wenn sozusagen auf einen Schlag die Homosexualität in jedem Land anerkannt würde (ich weiß, ist alles hypothetisch, trotzdem). Wie würde es sich in Sachen Geburtsrate, Familiengröße, etc. auswirken? Durchrechnen und vereinfachen können wir ja...
     
  7. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Der Club of Rome sorgt aktuell für Kontroverse, da er sich für einen finanziellen Anreiz ausspricht, wenn Familien in den Industrieländern keine Kinder bekommen. In vielen Industrieländern sind die Fertilitätsraten ohnehin schon weit unter 2,0. In Italien könnte die Situation schon bald beinahe unheimlich werden.
    Weiterhin nur auf Wachstum und Innovation zu setzen, halte ich allerdings auch für zu kurzsichtig (Die verquere Logik des Club of Rome). Wir können uns nicht mit einer simplen Formel - "Wachstum+Innovation" richte schon alles - setzen.
    Und - deswegen soll die Welt auch unbedingt die 10 Milliarden erreichen? Nein, die Welt muss sich ernsthaft Gedanken machen, wie sie nachhaltiger wirtschaftet, und das muss nicht durchweg Wachstum heißen. Das wird es einfach irgendwann auch nicht mehr heißen können.
     
  8. Rivale-von-Nogar

    Rivale-von-Nogar Meister

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    Zur Zeit reicht es nicht einmal für 3 Milliarden. Die restliche Erdbevölkerung ist entweder unterernährt oder hungert.

    Für wie viele es reichen würde, wenn man alles gleichmäßig verteilen würde, weiß man nicht. Kann man auch gar nicht wissen, wenn man bisher alles den Markt überlassen und es zuvor noch nie ausprobiert hat.

    Deshalb ist „10 Milliarden“ schon wieder so eine Zahl, die man meiner Meinung nach völlig aus der Luft gegriffen hat.
     
  9. haruc

    haruc Ehrenmitglied

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    Mich würde mal interessieren, woher du deine Zahlen hast.

    Laut World Food Programme der UN haben gegenwärtig knapp 800 Millionen Menschen nicht genug zu essen. Zu bedenken ist zudem, dass seit 1990 die Zahl der Hungernden um über 200 Millionen gesenkt werden konnte, während gleichzeitig die Weltbevölkerung um 2 Milliarden gewachsen ist!

    Ja, mit Ungleichverteilung kann man immer schön verbale Manövermunition verschießen und sich gleichzeitig noch den scheinbaren moralischen Höhenvorteil sichern. Aber man macht es sich damit auch schrecklich einfach.

    Afrika könnte beispielsweise Lebensmittelexporteur sein - was es in der Vergangenheit auch war! Und etliche afrikanische Länder sind auch heute noch Lebensmittelexporteure.

    Da nimmt man als Pauschalerklärung gerne den subventionierten Export der Überschüsse aus dem Westen, der die afrikanische Landwirtschaft zerstöre. Das mag vielleicht ein Teil der Erklärung sein, aber es ist nicht der alleinige Grund.

    Denn: Wenn gehungert wird, ist Nachfrage da - also eine Chance für heimische Erzeuger, die aber offenkundig nicht genutzt wird. Da stellt sich die Frage: Warum?

    Beispiel Simbabwe: Simbabwe war lange Jahre Lebensmittelexporteur, bis Mugabe und seine Homiez die Farmer enteignet haben und das Land an irgendwelche inkompetenten Trottel verteilt haben. Folge: katastrophaler Einbruch der Lebensmittelproduktion.

    Im Sudan, in Somalia, in Nigeria usw toben Bürgerkriege, die ganze Landstriche verheeren und somit auch der Bevölkerung die Nährgrundlage entziehen - das ist aber nicht Schuld billiger Lebensmittelimporte.

    Und ganz allgemein haben auch viele Staaten in Subsahara-Afrika das Problem, dass es sowas wie den Schutz von Privateigentum, Rechtsstaatlichkeit und zuverlässige staatliche Institutionen nicht gibt. Folge: niemand will dort investieren. Und die Bauern vor Ort können keine Kredite auf ihr Land aufnehmen, weil es ihnen schlichtweg nicht gehört. Folglich können sie auch keine Investitionen tätigen, um die Produktivität zu steigern. Und wenn sie doch ein Mittel ersinnen, um dem Boden mehr Lebensmittel abzugewinnen, entscheiden irgendwelche Dorfälteste, dass diese Praxis nicht den Traditionen der Vorfahren entspricht und trampeln das Gemüse auf dem Feld platt.

    DAS sind die dringenden Probleme, die angegangen werden müssten, um wirklich etwas zu bewirken. Wenn man Afrika dauerhaft helfen will, muss man dort eine zuverlässige Staatlichkeit aufbauen - und nicht kostenlos Milchpulver und Dosenfleisch hinschicken.


    Aber natürlich ist es viel einfacher - und je nach ideologischem Hintergrund auch verlockender - die Schuld alleine dem bösen Westen in die Schuhe zu schieben. Das Doofe daran ist: Der Lösung des Problems kommt man damit nicht näher.
     
  10. dkR

    dkR Forenlegende

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    Das würde eventuell in Entwicklungsländern Sinn machen. Statt Kinder als Substitut für Sozialsysteme und Altervorsorge gibt es bei Kinderlosigkeit genug Geld um auch ohne über die Runden zu kommen.
     
  11. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Blos: wer zahlt's? In den Entwicklungsländern bräuchte es tatsächlich Anreize für die Familien, den Weg der Geburtenkontrolle zu gehen - in Afrika liegt die Fertilitätsrate bei einem stattlichen Durchschnitt von 4,7. Jedoch haben noch immer (laut UN) über 200 Millionen Frauen keinen Zugang zu modernen Mitteln der Familienplanung. Dann kann man gleich auch hinterherfragen, wie es um die Aufklärung zur modernen Familienplanung steht, und natürlich auch, wie sehr sich in den jeweiligen Staaten überhaupt darum bemüht wird, die Bevölkerungsentwicklung in ihrem Wachstum zu bremsen und die Lebensqualität der eigenen Bevölkerung zu steigern. Zudem darf man wohl nicht unterschätzen, dass die Vorstellungen der örtlichen Bevölkerung möglicherweise einen Aufklärungsversuch konterkarieren, wie harucs Beispiel zur Mehrproduktion andeutet.
     
  12. dkR

    dkR Forenlegende

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    Wer zahlt´s in den Industrienationen? Und wozu?
    Man wird schon fürs Kinderkriegen bezahlt, jetzt soll man plötzlich auch bezahlt werden, wenn man keine bekommt?

    Alles was ich sage ist, dass die Bevölkerungsexlosion in der 2. und 3. Welt ein größeres Problem für den Umweltschutz darstellt als die ohnehin schrumpfende Bevölkerung in der ersten Welt.
     
  13. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Die Bevölkerungsexplosion gibt es fast nur noch in der Dritten Welt. Zwar wächst die Bevölkerung in Schwellenländern noch, aber die Fruchtbarkeitsraten der großen Schwellenländer weisen auf eine ganz andere Entwicklung hin: Indien 2,3; Brasilien 1,9; Indonesien 2,4; Südafrika 2,3; China eh nur 1,6; Mexiko 2,2. Für die Umwelt türmen sich dort die Probleme u.a. durch die Industrialisierung und enormen Ressourcenverschleiß.

    Aber ja: in den Entwicklungsländern ist der Bevölkerungsdruck enorm und die Armut, fehlende Perspektiven gepaart mit Ausbeutung der Ressourcen verschärft ihre Randlage. Armutsreduktion, in vielen Formen, nicht nur in finanzieller Hinsicht, würde dort einiges bewirken und sicher die Bevölkerungsexplosion abmildern, keine Frage.

    Yep. In der BRD wäre das eine widersprüchliche Maßnahme.
    Und alle Industrieländer betreffend: durch Anreize die Bevölkerung noch zusätzlich "künstlich" zu reduzieren, bringt die Industrieländer eben auch in eine prekäre Lage, denn dann nimmt die junge Bevölkerung anteilig noch mehr ab. Wie soll langfristig die Versorgung der Rentner gestemmt werden, wenn die Bevölkerung relativ rapide schrumpft? Für die Industrieländer wäre es einfacher, wenn die Bevölkerung zwar abnimmt, aber eben nicht rapide. Von daher halte ich den vorgeschlagenen Anreiz des "Römischen Clubs" für nicht sinnvoll.
     
  14. Rivale-von-Nogar

    Rivale-von-Nogar Meister

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    Hier habe ich ein sehr interessantes Video gefunden, das zweifelsfrei beweist, dass die derzeitige Bevölkerungsexplosion auch durch Zuwanderung nicht gelöst werden kann.

    https://www.youtube.com/watch?v=Ouy0LKuML3o

    Eine 2-Kind-Politik wäre also nach wie vor das einzige wirksame Mittel

    Nun es ist Offenkundig, dass derzeit 3 Milliarden Menschen auf der Welt weniger als 2 Dollar am Tag verdienen. Diese Tatsache ist unter anderem aus dem Video zu entnehmen, welches ich hier verlinkt habe.

    Wenn hier auf einmal die Rede von 800 Millionen die Rede ist, dann wird hier von den ärmsten der Armen ausgegangen, denn wie gesagt – zur Zeit sind es 3 Milliarden, die weniger als 2 Dollar pro Tag verdienen.

    …und die eigene Bevölkerung hungert

    Durch eine Einführung einer 2-Kind-Politik wäre schlicht und einfach genügend Essen für jeden da.

    …und umso weniger Menschen es in der dritten Welt geben würde, desto weniger Missstände würde es in dieser Art geben. Durch die Einführung einer 2-Kind-Politik könnte das auf völlig friedfertige Weise herbeigeführt werden.

    Als erstes muß mal die 2-Kind-Politik weltweit eingeführt werden und erst dann kann man zuverlässige Staatlichkeit aufbauen. Hat ein Fass ein Loch, muss dieses auch erst einmal gestopft werden, ehe man Wasser rein kippen kann.

    Mit Anreizen alleine wird man in den Entwicklungsländern nicht weiter kommen. Man muss es den Leuten schlicht und einfach verbieten, mehr als 2 Kinder zu zeugen. Höchstens eine Kombination aus Verbot und Anreizen. Aber Anreize alleine reichen nicht aus.
     
  15. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Das einzige Land, welches eine rigorose Geburtenbeschränkung durchgeführt hat, ist die VR China. Eine Diktatur. Ein einziger Staat. Demokratien werden das nicht tun (Jetzt wäre natürlich interessant, wie hoch die Geburtenraten in Staaten sind, die eher den Demokratien zugerechnet werden, und wie hoch die Geburtenraten in Staaten sind, die systemisch zu den Autokratien oder Diktaturen zugerechnet werden).

    Von daher ist meine Frage - ich glaube erneut - auf welcher Grundlage und mit welcher Legitimation eine solche Regelung durchgesetzt werden soll. Es gibt kein Gremium, welches so eine gesetzliche Regelung weltweit durchsetzen kann.

    Auf die Begriffe "Freiheit" und "Menschenrechte" wurde schon oft hingewiesen, ließe sich aber natürlich nochmal erörtern...
     
  16. Rivale-von-Nogar

    Rivale-von-Nogar Meister

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    Ich habe mir erlaubt an dieser Stelle noch einmal mein Rechenbeispiel zu zitieren, weil ich darauf recht stolz bin :)

    Als Diktatur würde ich das jetzt nicht bezeichnen. Eher eine Plutokratie wie im Westen auch.

    Nun zur Zeit gibt es ohnehin keine Demokratien auf der Welt. Denn die Regierungsformen, die wir beispielsweise derzeit in Europa oder Amerika haben würde ich eher als Plutokratie als als Demokratie bezeichnen. Abgesehen davon kann man auch in Demokratien jedes Gesetz einführen, wenn genügend Menschen hinter dieser Sache stehen würden.

    Stimmt, bis jetzt gibt es noch kein Gremium, die so etwas durchsetzen kann. Da müsste natürlich erst einmal eins geschaffen werden. B.z.w. In der UN-Vollversammlung oder auf einen G-20-Gipfel könnte so etwas rein theoretisch auch beschlossen werden.
     
  17. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Dein Rechenbeispiel macht Eindruck, keine Frage.
    2015 lag die Fruchtbarkeitsrate bei rund 2,4.

    Die UN-Vollversammlung hat keine Zähne. Da werden zwar schon Beschlüsse gefasst, die einige, vielleicht sogar die Mehrheit der Staaten durchaus befolgen. Wenn allerdings Länder ausscheren, hat die Vollversammlung nicht die Möglichkeit sie zu sanktionieren oder in irgendeiner Weise zu zwingen (höchstens durch ein wenig "Shaming" mal an den Pranger zu stellen).

    Der UN-Sicherheitsrat wird kein Interesse daran haben, der Vollversammlung mehr Zähne zu verleihen. Die behalten sie lieber für sich, insbesondere die "Großen Fünf", die Vetomächte. Von denen braucht nur ein Staat ausscheren, und ein Beschluss kommt nicht zustande. Aber sollte man den Vetomächten das Schicksal der Welt überlassen?

    Die G-20: da wird aber alles, was nicht G-20 heißt, sich bevormundet fühlen beziehungsweise wenig bis kein Interesse daran haben, sich einem Diktat der G-20 zu fügen.
     
  18. Rivale-von-Nogar

    Rivale-von-Nogar Meister

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    Wenn die Geburtenarmen Staaten geschlossen hinter dieser Sache stehen würden, könnte man so etwas sehr leicht durchsetzen. Die Geburtenarmen Staaten sind zugleich die wirtschaftlich mächtigsten Nationen. Es könnte ein endlos großer Druck aufgebaut werden. Aber die Geburtenarmen Staaten stehen noch nicht mal geschlossen hinter dieser Sache. Es steht bis jetzt noch nicht mal zur Debatte. Das ist das, was sich noch ändern muss.
     
  19. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    15. April 2002
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    middleearth in otherland
    Zur Debatte steht es in diesem Forum, und jeder Leser kann sich einklinken und beitragen. :)

    Ok, rein theoretisch und undifferenziert:
    Die geburtenarmen, zugleich (wahrscheinlich) reichen Staaten sollen also die geburtenreicheren, zugleich (tendenziell) ärmeren Staaten zwingen? Auf die Kurzformel gebraucht: Die armen Staaten sollen sich dem Diktat der reichen Staaten fügen (übrigens incl. ehemalige Kolonialmächte)? Warum sollten sie eigentlich nicht nach einer Gegenleistung fragen? Die reichen Staaten sind übrigens auch die Staaten mit dem tendenziell größeren ökologischen Fußabdruck, zur zum Beispiel. Ach so, und sie brauchen übrigens Rohstoffe.

    Was ist denn der "endlos große Druck", der aufgebaut werden soll bzw. das endlos große Druckmittel?

    Wir werden wohl um eine Ethikdebatte nicht herumkommen...
     
  20. Rivale-von-Nogar

    Rivale-von-Nogar Meister

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    492
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    26. April 2006
    Ja hier im Forum schon, aber auf der weltpolitischen Bühne nicht :)

    Kurz gesagt „Ja“. Denn die initiative kann im Grunde genommen – wenn überhaupt – nur von den geburtenarmen Staaten ausgehen.

    Die Amerikaner haben fast die ganze Welt bereits jetzt schon auf moderne Weise kolonialisiert. Auf ein Gesetz mehr oder weniger käme es auch nicht mehr an.

    Das ist auch so ein Punkt. Wir brauchen die Rohstoffe aus der dritten Welt und darum wäre unter anderem dieses 2-Kind-Gesetz so wichtig. Denn umso mehr Menschen in der dritten Welt leben, desto mehr beanspruchen Sie ihre Rohstoffe für sich.

    Ganz einfach – die Zuwanderungspolitik in der westlichen Welt. Bis jetzt sind „nur 60 Millionen Menschen“ auf der Flucht. Das wird sich aber in den nächsten Jahren und Jahrzehnten noch gewaltig ändern. Gerade die geburtenreichen Staaten betreiben bereits jetzt schon eine gigantische Auswanderungspolitik.

    In den nächsten Jahren und Jahrzehnten werden diese geburtenreichen Staaten eine noch intensivere Auswanderungspolitik betreiben, als es ohnehin schon der Fall ist. Wenn sich der Westen jetzt und in Zukunft weigert Einwanderer b.z.w. Flüchtlinge aus Staaten aufzunehmen, die sich nicht an das 2-Kind-Gesetz halten, würde dadurch in den nächsten Jahrzehnten ein ganz enormer Druck auf die geburtenreichen Staaten aufgebaut werden.

    In allen geburtenreichen Staaten ist man bereits jetzt schon auf eine intensive Auswanderungspolitik angewiesen. In den nächsten Jahren und Jahrzehnten ist man dies erst recht. Aller spätestens dann wären diese Staaten dann dazu genötigt sein, diese 2-Kind-Politik einzuführen, weil Sie sich ansonsten noch besser gegenseitig auf die Füße treten, als wie es ohnehin schon der Fall ist.