Zu den Regimestürzen in Nordafrika

Simple Man

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Naja, bislang hat sich ja nicht wirklich soviel geändert, das Militär hatte vorher de facto die Macht und hat es jetzt immer noch ... allerdings kann die symbolische Wirkung des Rücktritts Mubaraks natürlich demokratische und rechtstaatliche Reformen in Gang setzen ... die Richtung der Entwicklung wird imhO stark von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen ...

Aber so wie sich das Militär bisher verhalten hat, auch wenn es vielleicht keine homogene Einheit darstellt, habe ich zumindest die Hoffnung, dass Ägypten sich eher Richtung Türkei entwickelt, denn Richtung Iran ...

Wirkliche Prognosen kann man aber eh nicht treffen, dafür ist das ganze viel zu dynamisch ... und auch zu überraschend gekommen ...
 

Telepathetic

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Ganz wichtig ist, dass Mubarak nicht von einem anderen "Mubarak" abgelöst wird. Da die Demos der letzten Wochen von einem Volk bestritten worden sind, dass mehr Einfluß auf die Politik dringend braucht, kann ich mir gut vorstellen, dass ein neuer Mubarak, nur noch weitere Proteste auslösen würde, weil das Volk sich auf den Arm genommen fühlen würde. Die ägyptische Regierung wäre dumm, würde sie sich nur auf ihre eigenen rein egoistischen Interessen beschränken.

Die EU und die USA usw. können über eine geschickte Wirtschaftspolitik neuerliche, dem gesamten Ägypten nützliche Wirtschaftsbeziehungen aufbauen lassen.

Ein sattes Volk ist ein zufriedeneres Volk. Und damit auch weniger auf Revolte oder gar Revolution angewiesen.
 

DrJones

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ich hoffe auf eine stabile Demokratie mit mehreren gemäßigten Parteien, ohne Korruption und hoffe das religiöse Einflüsse möglichst weit außen vor bleiben
 

jones

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Ohne Korruption in der Ecke der Welt?

Die Korruption wurde im östlichen Mittelmeer erfunden...
 

Themis

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Du glaubst also, dass z.B. Griechenland niemals die Korruption spürbar reduzieren könnte?
 

jones

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Ich würde nicht sagen niemals.

Aber auf absehbare Zeit wird der eine oder andere gut platzierte Schein seine Wirkung in der Levantine nicht verfehlen. Egal ob in Athen, Ankara, Port Said, Haifa, Limassol oder oder oder.
 

Themis

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Hehe... ich gebe aber zu, das Ägypten noch einen langen Weg vor sich hat. Die müssen dort einen Staatsapparat komplett umstrukturieren und der Nachlass der repressiven Autokratie wird die Menschen dort noch lange beschäftigen. Und hier stellt die Korruption sicherlich mit die größte Gefahr für das neue Ägypten dar.

Es wäre aber fatal, den Menschen dort im Vorhinein das Recht und auch den Willen auf ein selbstbestimmtes Leben abzusprechen.
 

jones

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selbstbestimmt Leben will wahrscheinlich ein jeder Mensch und soll auch jeder erst einmal dürfen.


Aber ich kann mir ehrlich ein Ägypten ohne Bakschisch nicht vorstellen, das war keine Erfindung Mubaraks (auch wenn es unter ihm möglicherweise perfektioniert wurde). Denn gerade in Ägypten geht die Korruprion wenigstens bis nach Kleopatra zurück.
 

Themis

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Ja, und jetzt?
Lieber doch keine Demokratie in Nordafrika?

Ist die Korruption nicht dort stark, wo kein ausreichender Wohlstand, keine breite Bildung und kein funktionierendes, unabhängiges Rechtssystem bestehen?
Warum sollte Ägypten nicht in z.B. 15-20 Jahren diese Hürden genommen haben?
 

jones

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Dort wo keine breite Bildung usw herrscht ist die korruption oftmals nur plumper und offensichtlicher oder denkst Du etwa, daß man in Deutschland nie schmieren muß um bestimmte Stempel schneller zu bekommen?

Ich gönne den Agyptern wenigstens den Wohlstand, den es z.B. in Deutschland gibt, aber (leider) hat sich bisher jeder arabische Staatschef erstmal seine eignen Taschen gefüllt.
 

Themis

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jones schrieb:
Dort wo keine breite Bildung usw herrscht ist die korruption oftmals nur plumper und offensichtlicher oder denkst Du etwa, daß man in Deutschland nie schmieren muß um bestimmte Stempel schneller zu bekommen?
Natürlich.
Ich meinte die Bildung als Schlüssel zu Wohlstand & Aufklärung.
Und in Deutschland ist trotz schwarzer Kassen bei der CDU, Mövenpickspenden bei der FDP und Pfusch am Kölner U-Bahn-Bau die Korruption kein fester Bestandteil des öffentlichen Lebens.

Ich gönne den Agyptern wenigstens den Wohlstand, den es z.B. in Deutschland gibt, aber (leider) hat sich bisher jeder arabische Staatschef erstmal seine eignen Taschen gefüllt.
Das lag aber am System. Und das soll ja in Ägypten und Tunesien weg! :wink:
 

jones

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Ist denn das System nicht in Afghanistanh abgeschafft worden? :lach2:
Und was ist mit Arafats Millionen? Ganz zu schweigen von all den anderen "lupenreinen Demokraten", die wir so haben...
 

haruc

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Es gibt keinen Nachweisbaren Zusammenhang zwischen Korruption und Geographie.

Ich glaube auch, dass die wirtschaftliche Situation Korruption nicht unbedingt verhindern kann. Das sieht man ja daran, dass selbst Leute, die im Geld schwimmen, anfällig für Schmiergeld sind.

Woher kommt Korruption sonst?

Bildung? Nein, ich glaube nicht, dass ein Mehr an Bildung Korruption verhindern kann. Warum sollte ein gebildeter Mensch auf ein Zubrot verzichten?

Die beiden isolierbaren Faktoren, die Korruption begünstigen sind daher meiner Meinung nach erstens eine zu lasche Gesetzgebung bzw die mangelhafte Verfolgung von Korruption. Wenn jemand straflos Schiergeld annehmen kann, dann wird er es auch tun. Zweitens die innere Haltung eines Menschen, die es ihm verbietet, Schmiergeld anzunehmen.

Werthaltungen kann man zwar durch Bildung und Erziehung begünstigen, aber manifestieren müssen sie sich doch immer noch durch Einsicht des Individuums.
 

vonderOder

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jones schrieb:
Ist denn das System nicht in Afghanistanh abgeschafft worden? :lach2:
Und was ist mit Arafats Millionen? Ganz zu schweigen von all den anderen "lupenreinen Demokraten", die wir so haben...
ja ja, das mit der Demokratie und den Demokraten...
 

Telepathetic

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Was für den Politiker das Schmiergeld, ist für den Handwerker das Schwarzgeld. Schwarze Schafe gibt's wohl überall und immer. Aber ab wieviel Unehrlichkeit wird ein Gemeinwesen zu stark belastet? Und: muß ein erkaufter Gefallen immer ein riesiger Nachteil für irgendwen sein?

Ach, da fällt mir Martin Walser ein:
„Deutsch bis ins Mark“ nennt der Schriftsteller Martin Walser die Angewohnheit, Manager an den Pranger zu nehmen. Deshalb nimmt er den ehemaligen Siemens-Chef Heinrich von Pierer vor dem Urteil im Schmiergeld-Prozess in Schutz und erklärt Korruption für eine lässliche Sünde.
Die Angst in voller Blüte
 

Goatboy

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[url=http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 schrieb:
Spiegel Online[/url]]Sie revoltierten, feierten und jetzt räumen sie auf: Die Demonstranten vom Tahrir-Platz in Kairo wollen ein ordentliches, ein sauberes Ägypten - im wahrsten Sinne des Wortes. Im Internet tauchen Aufrufe auf, einen Besen zu ergreifen und die Stadt zu fegen. Hunderte folgen der Aufforderung.
Das finde ich imponierend! Wer weiß, wenn die Menschen diese Einstellung beibehalten, kann es vielleicht wirklich etwas werden mit dem Fortschritt.
 

sercador

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Jetzt wird ersichtlich, warum die europäischen Politiker die "stabilen Zustände" in Nordafrika so geschätzt haben.
http://www.dw-world.de/dw/function/0,,83389_cid_14839376,00.html
Angesichts des massiven Flüchtlingsstroms aus Tunesien hat die italienische Regierung für die Insel Lampedusa den humanitären Notstand ausgerufen.
Soweit ich weiß, gab es mit allen Regierungen dort Abkommen, um die Flüchtlingsströme zu beschränken.
Tja, da wird Frontex noch ne Menge Arbeit bekommen.
 
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