Skandal: Kinderpornos im Priesterseminar

Die katholische Kirche sollte .... (Mehrfachnennungen zulassen!)

  • nach Ableben des Papstes aufgelöst werden.

    Stimmen: 0 0,0%
  • das Eheverbot für Priester abschaffen

    Stimmen: 0 0,0%
  • ihre Irrlehren und Dogmen abschaffen

    Stimmen: 0 0,0%

  • Anzahl der Umfrageteilnehmer
    0

Lunatic

Erleuchteter
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Traenenreiter schrieb:
Schade, daß 60 Jahre nach Hitler immer noch die Beeinflussung nachwirkt.
Ja aber was haben wir mit der Propaganda von damals zu tun? Davon haben wir doch garnichts mitbekommen und das es schon vorgekommen ist, dass ein Kirchenmann sich an Kindern vergeht ist doch auch keine Propaganda sondern wohl Fakt oder nicht?

Ich sage nicht, dass das die Regel ist, ganz im Gegenteil. Es gibt tausende von guten Priestern. Alle über einen Kamm scheren wollte ich nicht.

Aber wie oft kam es schon vor, dass Leute an die Öffentlichkeit gegangen sind, weil die Kirche solche Vergehen vertuscht? Gib mal bei Google Missbrauch durch Priester ein,..du wirst Dich wohl selbst wundern, was dabei rauskommt...
 

Paradox

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Das denke ich auch, ich wusste garnix von der damaligen Hetze gegen Priester (zumindest nicht mit dieser Begründung). Es geht auch nicht nur um die Taten selber sondern darum das die Kirche immer alles abstreitet und keine richtigen Untersuchungen zulässt. Außerdem habe ich vom Papst diesbezüglich auch noch nix gehört.
 

gloeckle

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Um was zum Topic zu sagen:

Gab es nicht erst letztens einen Riesenmissbrauchskandal in den USA?
Traenenreiters Argumentation ist lächerlich...
Wie Luna treffend bemerkt hat, ist den meisten hier die NS_Propaganda garnicht bekannt...

Und nun zum wichtigeren :):

/off: glk mein chat funzt nicht
Ich habe mich schon gewundert, dich hier immer schreiben zu sehen aber nie im Chat anzutreffen. Geht es nur über die Seite nicht oder ist der ganze Server zu?

Schreib mir doch mal ne PN...

Grüße, g-l-k
 
G

Guest

Guest
Hm schon ziemlich schlimm, was ich da bei der Faz lesen musste:

Faz schrieb:
1996: Ein 65 Jahre alter katholischer Priester aus Haren im Emsland wird zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe verurteilt. Der inzwischen pensionierte und in einem Kloster lebende Pfarrer soll sich acht Jahre lang in 225 Fällen an 14 Messdienern und Erstkommunikanten vergangen hatte.
Quelle und noch mehr Fälle von Kindesmissbrauch: http://www.faz.net/s/RubCD175863466...D8B86E2E535B869F4A~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Z
 

streicher

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@ Adamantios
Mit was für Mittel würdest du denn die "katholische Kirche schliessen" wollen? Und mit welchen Mitteln "die Dogmen abschaffen"? Das klingt erstmal nur nach roher Gewalt. Von dem zu verurteilenden Fall in Österreich und auch dem erwähnten Missbrauchsskandal in Boston kann man nicht auf die ganze Kirche schliessen: die Mitglieder selbst haben den Priestern den Boden unter den Füssen heiss gemacht. Sicherlich: solche priesterlichen Zusammentreffen haben ihren abgeschotteten Rahmen und was da über die Jahrhunderte gelaufen ist, tja... Wie es nun bei einer riesigen "Organisation" nun ist: innerlich gibt es fast alles: die kath. Kirche hat nunmal mehr als 1 Mrd Mitglieder. Welt und Kirche sind nicht zu trennen. Es gibt Machtkämpfe. Es gibt Anstand neben Ausuferungen. Es ist natürlich merkwürdig, wie leicht "Sünden" (wenn sie nun tatsächliche Verbrechen sind) vergeben werden können. Ebenso ist die Vorstellung einer Höllenqual absurd (glaubt die katholische Kirche noch selbst daran?). Kann es nicht auch sein, dass sich die Kirche von Innen verändert bzw. sich erneuert?


@ Traenenreiter
Was da geschehen ist, wiedert mich an. Aber, es ist nach wie vor ein Ausnahmefall - nicht mehr. Aber wenn man die Artikel in Beiträgen so liest, könnte man meinen, ein Pfarrer, der sich nicht an Kindern vergeht, wäre die rühmliche Ausnahme.
Warnung vor einem Generalverdacht gegen eine Gruppe, die mal kurz in einem geschlossen Raum ist. Das darf nicht sein. Allerdings fragt man sich, ob die Aufklärungsquote von solchen Fällen nicht auch gering ist.

Schade, daß 60 Jahre nach Hitler immer noch die Beeinflussung nachwirkt.
Es wundert einen vieles. Mich wundert zum Beispiel, dass ein Gottesbild akzeptiert wird, dass laut der Bibel, welche in mancher Hinsicht ein "Schwarzbuch" ist, ganze Genozide "angeordnet" hat. Man stösst auf absurde Widersprüche in der Glaubenswelt. Diese Natur des göttlichen Gerichts - hat es das Seine zum Verfolgungswahn in Mittelalter, im Dritten Reich und beispielsweise Uganda beigetragen (dort nennen sich Rebellen "Widerstandsarmee des HERRN" (Lord's Resistance Army - LRA) und fallen ein wie in der Bibel beschrieben die verfeindeten Völker: sie töten und entführen)?
 

Traenenreiter

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Seit wann wirkt Propagande nur, wenn man von ihr aus erster Hand gehört hat??????

Ich fasse es nicht, denkt einfach nochmal drüber nach!!!

LTI - einfach mal das Buch lesen!
 

Gestreift

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Traenenreiter schrieb:
...Aber, es ist nach wie vor ein Ausnahmefall - nicht mehr...
Woher weiß du das? Hast du das wissenschaftlich untersucht?

Nicht alle Dinge, die passieren, werden publik gemacht.
 

Gestreift

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@ agentp

Nein, habe ich nicht wissentschaftlich untersucht.

Hast Du Zweifel an der Richtigkeit der Aussage? Was ist deine Intention? Willst Du mich auf etwas aufmerksam machen?

Ich bleibe dabei, dass nicht alles publiziert wird, was geschieht.
 

agentP

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Tränenreiter hat keinen "wissenschaftlichen" Beleg dafür, daß es eine Ausnahme ist und du hast keinen, daß es nicht die Ausnahme ist.
Noch gilt allerdings in der zivilisierten Welt der Grundsatz: "Unschuldig bis zum Beweis der Schuld" und insofern finde ich Traenenreiters Vermutung sehr viel unproblematischer. Ganz abgesehen davon, daß sie einfach wahrscheinlicher ist, denn je weiter verbreitet Mißstände sind, desto weniger wahrscheinlich ist, daß sie geheim gehalten werden können.
 

Gestreift

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@ agentp

Nee, so nicht.

Ich habe nicht geschrieben, dass ich meine, es handele sich nicht um Ausnahmen. Ich habe nur gefragt, woher Traenenreiter das weiß? Wie Du schon richtig dargestellt hast, hat er überhaupt keine Beweise für seine Behauptung.

Ich wollte ihm aber nicht das Gegenteil beweisen oder selber behaupten, dass es sich um ein Massenphänomen handelt und nicht nur um Ausnahmen.

Mir geht es eher um das Prinzip. Einigen hier im Forum täte es imho ganz gut, wenn sie den Konjunktiv benutzen würden.

Traenenreiter hätte ja auch schreiben können: "Ich glaube, es handelt sich um Ausnahmen."


Abgesehen davon, gibt es wohl überhaupt keine neueren Zahlen zu diesem Phänomen. Festzuhalten bleibt, dass der sexuelle Missbrauch offenbar weltweit auftritt und sich die Kirche sich genötigt sieht, Richtlinien zum Vorgehen bei Missbrauch aufzustellen und Hilfsangebote für Opfer einzuführen.

Kann man hier auch was drüber lesen: http://www.kna.de/doku_aktuell/chr_paedophilie_reaktionen.html

Diese Entwicklung, das Kinder sexuell missbraucht werden, ist ja kein Phänomen, das alleine auf die Kirche zutrifft. Wahrscheinlich nimmt weltweit der sexuelle Missbrauch an Kindern zu.

Und abschließend noch was zu den Fallzahlen.

Im 1995 erschienenen „Buch der Schande“ stehen im Blick auf sexuellen Kindesmißbrauch folgende Zahlen: „Die realistischsten Schätzungen gehen davon aus, daß zwei Prozent der katholischen Priester im Lande die Tat deshalb begehen, weil sie sich ständig zu Kindern hingezogen fühlen, und daß weitere vier Prozent solche Neigungen gelegentlich oder in zweiter Linie verspüren. Die höchste Schätzung für protestantische Geistliche beläuft sich auf etwa die Hälfte - zwei bis drei Prozent.“ (14) Wunibald Müller nennt für den katholischen Bereich ähnliche Zahlen, nämlich daß „ca. zwei Prozent der katholischen Priester in den USA fixierte Pädophile bzw. Ephebophile“ sind... Darüber hinaus gibt es weitere vier Prozent Priester, die... »vorübergehend an heranwachsenden Jungen oder Mädchen interessiert sind und sich ihnen zum Teil auch nähern.
Quelle
 

InsularMind

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Ich bin ja wirklich kein Freund der katholischen Kirche, und eigentlich wären alle 3 Optionen sinnvoll, aber ich will mal nicht so sein und habe die Mitte genommen.
Das Eheverbot begründet sich ja auf irgend einer uralten Regel, mit der man im Mittelalter verhindern wollte, dass Grundbesitz der Kirchen an eventuelle Sprößlinge von Priestern abfallen würde, zumindest hab ich sowas mal gelesen. Heute wäre das nicht mehr nötig, da die Priester dieses 'Kirchenland' sowieso nicht mehr besitzen.
Ob das der exakte Grund ist weiß ich aber nicht, wahrscheinlich gibt es da noch zusätzlich glaubensrelevante Gründe.

Dass aber katholische Priester, die dann endlich heiraten könnten, weniger dazu neigen, sich an Kindern zu vergreifen, das glaube ich wiederum nicht, bei Denen, die pädophil / infantophil / ephebophil sind.
Die werden nicht plötzlich heterosexuell, weil die Option des Heiratens möglich würde.

Ausgehend von den Missbrauchsfällen hat sich meine Ansicht über die Katholiker nicht wesentlich verändert, auch nicht zum noch Übleren hin, denn diese Dinge kommen in allen möglichen Schichten vor; Priester mögen vielleicht zum Kreis derer gehören, die leicht in die Nähe oder ins Vertrauen von Kindern gelangen können, aber auf der Basis kann man ebenso die Lehrer als auch die Kinderärzte am Schlawittchen packen.

Dass sich die katholische Kirche nicht sehr schlau darüber gemacht hat, was Homosexuelle von Pädophilen unterscheidet, ist ihr aus Nachsicht auf den traditionell verankerten Lernunwillen noch fast zu verzeihen, immerhin gab es den großen Irrtum, dass Homosexuelle gleichzeitig Pädophile seien, auch in weiter Verbreitung der allgemeinen Gesellschaft lange genug.

Was hier Jemand schrieb, es gäbe immer weniger Fälle von Kindesmissbrauch finde ich etwas gewagt dargebracht -- mach mal die Augen / Ohren auf und informiere Dich über die Dunkelziffern in dem Bereich.

http://www.gegen-missbrauch.de/new.php?link=start_new.php

Ich finde auch, dass 320 000 missbrauchte Kinder pro Jahr viel zu Viele sind. Eigentlich ist 1 längst viel zu Viele !!!
 

Mother_Shabubu

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@InsularMind: Die Macher dieser Seite haben es nur leider versäumt, Argumente für diese Zahl zu liefern und somit ist höchstens die Anzahl der Stellen glaubwürdig und wahrscheinlich nicht einmal die. Ich halte allerdings auch nicht viel davon, dort irgendwelche Zahlen anzugeben, die nur für den Boulevard von Bedeutung sind. Denn wie Du ganz richtig schreibst: Jedes mißbrauchte Kind ist eines zuviel. Bloß ist es einem Kind ziemlich egal, ob es eines von zehn oder von hunderttausend Opfern ist, es braucht in jedem Fall die gleiche Hilfe. Im Kampf gegen den Mißbrauch hilft die Aufmerksamkeit von uns allen auch mehr als irgendeine Zahl.

InsularMind schrieb:
Dass aber katholische Priester, die dann endlich heiraten könnten, weniger dazu neigen, sich an Kindern zu vergreifen, das glaube ich wiederum nicht, bei Denen, die pädophil / infantophil / ephebophil sind.
Die werden nicht plötzlich heterosexuell, weil die Option des Heiratens möglich würde.
Ganz bestimmt nicht, sonst gäbe es nicht so viele verheiratete Kinderschänder.
 

Highwaydog

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@lithium... bist du irgendwie... "geistig angeschlagen"?
lithium schrieb:
bei so einem realitätsfremden glauben muss man ja pervers werden. das christentum ist schon lange eine gefahr für schwache menschen. es zieht sie an und gibt ihnen eine imaginäre obhut. lächerlich.

jedoch ist der grund für dieses pädophile verhalten der mönche fast logisch. wer sich solange "selbst" seine natürlichen sexuellen triebe verbietet, muss ja in perversen gedanken enden
will dir ja wirklich nix böses, aber dass der Glauben realitätsfremd ist, ist nicht die Schuld der Begründer der Religion... der Grundgedanken des Christentums ist Nächstenliebe (ihr wisst schon, keine körperliche Liebe), und dass dieses Ziel nicht eingehalten werden kann, liegt an den Menschen - so wie ich oder auch du...
und wir sehen, dass das gar nichts mit dem Thema zu tun hat.
Schwache Menschen werden nicht gezwungen, ans Christentum zu glauben...
wie gesagt, der Fehler liegt bei den Menschen, die sich eben nicht bewusst sind, was es heißt, wenn sie sagen "ich will Mönch/Priester/..." sein...
aber dass sie gar nicht anders könnten, ist eindeutig falsch und eine unüberlegte Aussage, denn wenn man sich bewusst ist, warum man Priester werden will, dann ist es auch zu erwarten, dass diese Ziele eingehalten werden.
Und wenn das halt nicht klappt, dann trägt allein der einzelne Priester schuld daran...

ich habe nich gevotet, weil ich nicht find, dass die katholische Kirche aufgelöst werden müsste...
wir haben in der Schule die katholischen und evangelischen zusammen im Reli-Unterricht, und unsre evangelische Lehrerin hat auch gemeint, sie wünschte, die evangelischen hätten irgendetwas, das sie näher am Glauben hält...

tja, wie auch immer... was stört mich, was andere Menschen machen, die vielleicht vorgeben, das gleiche zu glauben, es aber nicht tun?
tatsache ist, dass man einfach nicht mehr ein (katholischer, aber auch allgemein) Christ ist, wenn man all-die-üblen-Dinge tut, da kann man noch so oft Pfarrer sein, das ändert dann nix dran, dass man sich dem Glauben dann eben quasi abgewendet hat - denn wäre dem nicht so, würd man sich die Sache ja vorher besser überlegen...
 

Numen

Neuling
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zum Nachdenken

Aus derStandard.at

Josef Haslinger über Fakten und Fiktion, einen Stoff, der keinen literarischen Zugang lässt und sexuelle Kontakte mit Priestern im Stiftskonvikt, das er in den 60er-Jahren besuchte
***
Immer wenn in Österreich bekannt wird, dass katholische Priester wieder einmal ihren Sexualtrieb nicht im Zaum halten konnten, klingelt bei mir das Telefon. Das hat mittlerweile Tradition, und das wird wohl Zeit meines Lebens so bleiben. Nach den Vorfällen im Priesterseminar von St. Pölten war es wieder einmal so weit. Ich bin nicht ganz unschuldig daran, dass ich zu diesem besonderen Status kam.
Im Jahre 1995 wurde der damalige Wiener Kardinal und Erzbischof Hermann Groer beschuldigt, er habe sich, als er noch Erzieher in einem Klosterinternat war, an Zöglingen sexuell vergangen. Ich las die Beschuldigungen und wusste, dass sie stimmten. Ich war selbst in jungen Jahren mit der Sexualität von Priestern in Berührung gekommen. Diese nebelige Atmosphäre, in der sich religiöse Nähe, päda- gogischer Gehorsam, freundschaftliche Gefühle, schleimige Anbiederung und sexueller Erfahrungsdrang unauflösbar miteinander vermischen, kannte ich aus eigener Erfahrung.
Was mich stutzig machte
Dass der Zögling erst fünfzehn Jahre nach den Vorfällen in der Öffentlichkeit damit herausrückte, verstand ich gut. Auch ich hatte lange mit niemandem darüber gesprochen. Was mich jedoch stutzig machte, war das Alter des Missbrauchsopfers. Als die sexuellen Übergriffe stattfanden, war er nämlich kein Kind mehr, sondern schon 18 Jahre alt. In diesem Alter hätte mich kein Priester mehr zu irgendeiner sexuellen Handlung genötigt. Ich hätte ihn an seinem Ding geschnappt und vor den Abt des Klosters gezerrt. Ich war nicht 18, ich war 12 Jahre alt gewesen, als die Priester mich in die Sexualität einführten.
Ein paar Tage, nachdem ich das Interview mit den Anschuldigungen gegen den Kardinal gelesen hatte, rief mich ein Journalist an. Er habe gehört, sagte er, es gebe einen Text von mir, in dem ich beschreibe, wie ein Priester einen Zögling vergewaltige. Ich erklärte ihm, dass es sich um keinen autobiografischen Bericht, sondern um einen fiktionalen Text handle. Das sei ihm klar, sagte der Journalist, er wolle den Text trotzdem lesen.
Na, mach schon, trau dich
Ich hatte die Kurzgeschichte "Die plötzlichen Geschenke des Himmels" in den frühen Achtzigerjahren geschrieben. Kaum hatte ich sie losgeschickt, wurde mir mulmig zumute. Ich ließ es zu, dass ein fiktionaler Text in faktualen Zusammenhängen gelesen wurde. Ich war drauf und dran, nicht den Text selbst, wohl aber die Leservereinbarung mit dem Text zu ändern. Und damit in gewisser Weise doch den ganzen Text. In der Geschichte berichtet ein Icherzähler, dass er als Klosterzögling von seinem Religionslehrer, einem gewissen Pater G., vergewaltigt wurde. Wörtlich heißt es darin: "Er legte mir sein wulstiges Fleischstück wie eine geweihte Hostie auf die Zunge, lächelte mich an dabei, sagte, na, mach schon, trau dich nur. Ein schaler, nichtssagender Geschmack, ein wenig Ekel. Da stieß es mit einem Mal in meinen Mund hinein, zuckte hin und her, ich konnte ihm nicht mehr entkommen. Mein Kopf wurde von hinten gegen das Haarbüschel gepreßt, es reckte mich, wenn der Religionslehrer auf meinen Gaumen stieß, die Speiseröhre hinabschlüpfen wollte . . ."
In der Folge, so die Geschichte, sei der Icherzähler aus dem Klosterinternat abgehauen, ohne jemandem die Gründe dafür plausibel machen zu können, warum er ins Kloster nicht mehr zurückkehren wolle. Um aber dennoch darüber erzählen zu können, wandte der Text einen literarischen Trick an. Er tarnte sich als ein spätes Geständnis an einen Freund: "Nie habe ich von Pater G. erzählt, aus Angst, man könnte mir anmerken, daß ich sein Kind geblieben bin. Bis heute bin ich diesen Geschmack in meinem Mund nicht losgeworden. Ganz plötzlich, ohne daß ich es im voraus ahne, stellt er sich ein. So auch das letzte Mal, als ich bei Dir war, obwohl ich keinen Mann wüßte, bei dem ich lieber wäre. Da beginne ich alles einzureißen, was eben aufgebaut wurde, komme vom Hundertsten ins Tausendste, nur um diese gemeinsame Ebene loszuwerden."
Was ist eigentlich vorgefallen?
Obwohl ich den Text mit der Anmerkung veröffentlichte, dass es sich um keinen Wirklichkeitsbericht, sondern um eine fiktionale Erzählung handle, hatte ich danach erheblichen Erklärungsbedarf. Man verstand die Anmerkung so, dass der Text nicht exakt wiedergibt, was vorgefallen war. Umso mehr wollte man wissen: Was ist eigentlich vorgefallen? Wer ist Pater G.?
Um Klartext zu sprechen: Pater G. war eine fiktionale Zusammenführung von drei Personen, mit denen ich im Alter von 12 bis 14 Jahren sexuelle Kontakte hatte. Ich bin aus dem Konvikt des Zisterzienserklosters Stift Zwettl nie abgehauen, sondern ich habe immer nur geträumt davon. Die sexuellen Kontakte mit den Priestern haben mich zweifellos verstört, und ich habe tatsächlich lange Zeit darüber mit niemandem gesprochen. Andere konnten darüber sprechen. Und so kam mir mein erster sakraler Sexualpartner, wenn ich das so ausdrücken darf, noch in der Klosterzeit abhanden. Er wurde in ein anderes Kloster, in dem es keine Zöglinge gab, zwangsversetzt. Dass ein Mitschüler seinen Eltern von seinen Erlebnissen erzählt hatte, fand ich mutig. Aber ein wenig hielt ich es auch für einen Verrat.
Ein Priester musste das Kloster wechseln
Der Skandal hielt sich damals in Grenzen. Ein Priester musste das Kloster wechseln. Warum, das hat die Gemeinde nie erfahren. In der Zeitung war darüber nichts zu lesen gewesen. Und was meine Sexualität betraf, so gab es bald zwei andere, die an die frei gewordene Stelle nachrückten. In mir hatten sie die richtige Wahl getroffen. Ich schwieg weiterhin beharrlich. Als ich später zu schreiben begonnen hatte, war mir schnell klar, dass mir ein besonderer literarischer Stoff zur Verfügung stand. Lange Zeit wollte ich einen Roman darüber schreiben. Aber der Stoff sperrte sich. Er war so tief in mir verankert, dass er mir keinen literarischen Zugang ließ. Einerseits war es mir unvorstellbar, darüber auf weniger als vierhundert Seiten sprechen zu können, andererseits fand ich nicht einmal einen Anfang. Und je länger ich wartete, desto fragwürdiger wurde dieses Thema.
Mittlerweile war ich verheiratet und aus der Kirche ausgetreten. Die innere Bedrängnis und Verstörung, die in den Erinnerungen an meine Klosterzeit wach geblieben waren, wurden allmählich von dem Gedanken überlagert, dass es nicht darum gehen könne, den Priestern ihre Sexualität vorzuwerfen. Wie war das, was ich als Kind empfunden hatte mit dem, was ich nun, zwölf Jahre später, empfand und dachte, vereinbar? Da kam mir die Idee mit dem Brief an einen Freund. Aus dem jahrelang herumgewälzten Gedanken an einen Roman war eine Kurzgeschichte von fünf Seiten geworden.
"Der liebe Gott sieht alles"
Zu dieser Zeit lud mich die Salzburger Literaturzeitschrift "salz" ein, einen Beitrag zu veröffentlichen. Ich schickte "Die plötzlichen Geschenke des Himmels" und bekam als Antwort einen Brief, in dem mir erklärt wurde, dass die Redaktion den Text nicht veröffentlichen könne, weil die Zeitschrift salz von Land und Stadt subventioniert sei und in Salzburg die Kirche in der Öffentlichkeit einen hohen Stellenwert habe. Interessant an dieser Absage war die Unverblümtheit, mit der sich hier eine Literaturzeitschrift als willfähriger Speichellecker des Erzbischofs outete. Der Text wurde schließlich in einer deutschen Anthologie veröffentlicht, die den Titel trug "Der liebe Gott sieht alles", und später doch auch noch in Salzburg, in der Zeitschrift erostepost, die dem Text auch einen Preis zusprach. Und das wäre es dann auch schon gewesen, hätte ich "Die plötzlichen Geschenke des Himmels" im Jahre 1995 nicht noch einmal veröffentlicht. Ganz Österreich war mit der Empörung über Kardinal Groer beschäftigt und über andere Priester, die nun ebenfalls beschuldigt wurden, Kinder sexuell missbraucht zu haben. Und ich hatte mich in die Nesseln gesetzt. Man wollte nicht über meine Kurzgeschichte mit mir sprechen, sondern man wollte wissen, wer hinter der Geschichte stehe. Man wollte Namen und Adressen. Man wollte diesen Priestern öffentlich nachstellen. Und ich war nicht bereit sie zu verraten.
Die Kurzgeschichte hatte einen starken moralischen Unterton. Sie war anklagend. Sie sollte die Verstörungen des Kindes zum Ausdruck bringen, aber sie sagte nicht die ganze Wahrheit. Ich muss mir heute eingestehen, dass es viele Möglichkeiten gegeben hätte, die damaligen sexuellen Kontakte abzuwehren und zu unterbinden. Ich habe diese Möglichkeiten nicht genutzt. Im Gegenteil: Ich habe die Kontakte von mir aus gesucht. Nicht angeboten, dazu war ich zu schüchtern, aber gesucht. Und ich habe sie in gewisser Weise als Auszeichnung empfunden.
Es ist nicht nur eine Last
Ich wurde in die geheime, aufregende Welt der Sexualität eingeführt. Ein Penis, der ejakuliert. Wenn man zwölf Jahre alt ist, will man das endlich einmal sehen. Und ich habe es gesehen. Dass es katholische Priester waren, die mir diese Welt eröffneten, mag ungewöhnlich sein. Aber sie waren ja nicht die einzigen. Ich hatte zu Gleichaltrigen und Älteren dieselben Kontakte wie andere auch. Ich war kein sozial gestörtes Kind, das völlig hilflos dem Triebleben sakraler Päderasten ausgeliefert war. Ich war verstört, natürlich, weil ich zu dieser Zeit ja auch noch ein sehr religiöser Mensch war und selbst Priester werden wollte. Aber der Text erscheint mir heute nicht mehr ganz ehrlich, weil er nicht über alle Gefühle Auskunft gibt. Es ist nicht nur eine Last, ein solches Geheimnis mit sich herumzutragen, es ist auch etwas Besonderes.
Und ich verstehe, dass eine Gesellschaft Päderasten keinen Freibrief ausstellen kann. Aber ich weiß auch, dass sie zärtlich sind, fürsorglich, liebevoll und weitaus weniger egoistisch als man sich das gemeinhin vorstellt. Ich wurde von diesen Erwachsenen sicherlich ausgenutzt, aber ich fühlte mich auch ernst genommen. Wir sprachen ja nicht nur über Sexualität. Einer der dreien schrieb Gedichte. Ich kann heute noch eines seiner Gedichte auswendig. Und einmal sprachen wir über das Thema eines Schulaufsatzes, den ich zu schreiben hatte. Als wir uns das nächste Mal trafen, übergab er mir einen maschinengeschriebenen Zettel, auf dem er sich Gedanken zu diesem Thema gemacht hatte. Es waren die Gedanken eines Erwachsenen. Ich baute sie in den Schulaufsatz ein, und da wurden sie plötzlich meine eigenen Gedanken. Sie brachten mich weiter.
Dichtung ist eine Möglichkeit
Ein Grund, warum ich dem Text diese starke moralische Diktion verpasste und warum ich es zuließ, dass der Text im Zusammenhang mit der Groer-Affäre noch einmal veröffentlicht wurde, war meine spätere Abneigung gegen die Kirche. Was ich erlebt hatte, ließ sich zu einem starken Argument zuspitzen. Und das tut der Text. Auf seine Weise. Die Fiktion steht nie jenseits des faktualen Geschehens. Sie ist auch ein realer Wirkfaktor. Dichtung ist auch eine Möglichkeit, sich zu wehren.
Und wenn man sich erfolgreich gewehrt hat, was dann? Dann tritt einem der Werkzeugcharakter von Dichtung plötzlich deutlich vor Augen. Dann kann man erkennen, dass Dichtung nicht ein Gegenbild, sondern ein Teil der Wirklichkeit ist. Was die drei Priester mit mir taten, war alles in allem sicherlich kein bedeutender pädagogischer Beitrag, aber möglicherweise war der Beitrag anderer, die mich schlugen und nicht einmal als Sexualpartner ernst nahmen, noch deutlich geringer.
Homosexualität und Doppelmoral
Wenn es um praktizierte Sexualität, erst recht um Homosexualität, im Bereich der katholischen Kirche geht, ist die Empörung meist so groß, dass man zwei simple Fragen, die normalerweise auf der Hand liegen, zu stellen vergisst: Wie alt waren die Beteiligten? Und: Wurde jemand gegen seinen Willen in sexuelle Praktiken verstrickt? Beim aktuellen Fall im Priesterseminar von St. Pölten waren alle Beteiligten älter als zwanzig Jahre. Und bislang wurde gegen keinen der Vorwurf der Vergewaltigung erhoben. Der strafbare Tatbestand dürfte sich auf den Download von Kinderpornos beschränken. Das muss verfolgt werden. Nicht weil der Konsum, sondern weil die Produktion von Kinderpornos ein Verbrechen ist und man diese Produktion nur stoppen kann, wenn man den Markt ruiniert. Aber das Hauptproblem ist ein ganz anderes, es ist eines der kirchlichen Moralität. Ich habe gegen die Homosexualität im Priesterseminar von St. Pölten nichts einzuwenden. Ich habe allerdings erhebliche Einwände gegen einen Bischof, der die Homosexualität zum Teufelswerk erklärt. Nicht die Homosexualität, sondern die Doppelmoral der Schwarzröcke zerstört die Kirche.
Das könnte mir eigentlich egal sein. Ist es aber nicht. Wenn ich der Kirche auch in keinem religiösen Sinne mehr verbunden bin, habe ich doch in den letzten Jahren großen Respekt vor ihrer Flüchtlings- und Sozialarbeit entwickelt. Das ist das Werk einer Randgruppe in der Kirche, aber diese kommt als erste unter die Räder, wenn die Austrittswelle aufgrund der desaströsen Moral von Bischöfen wie Kurt Krenn weiter anhält und in der Folge die Finanzmittel neu verteilt werden. Als erstes werden nicht Priesterseminare sondern Flüchtlingsheime geschlossen. Und dann hätte nicht die Sexualität, sondern die kirchliche Doppelmoral ihr Teufelswerk getan.

Gruß
Numen
 

DietmarSziel

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was verwundert Euch denn an diesen Sachverhalten, es steht doch geschrieben," lasset die Kindlein zu mir kommen," ...lol.............
DER SCHWARZE FÜRST :twisted: :evil:
 

arius

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16. Juli 2003
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Am 20.8. wurde bekannt, dass dem Vatikan die Ausschweifungen in St.Pölten schon seit 2 Jahren bekannt sind, warum wurde nichts früher unternommen ?

Die homosexuellen Ausschweifungen im St. Pöltener Priesterseminar waren sowohl dem Vatikan als auch der österreichischen Bischofskonferenz bereits seit zwei Jahren bekannt. Das berichtet der Südwestrundfunk unter Berufung auf mehrere Zeugen.


http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,314173,00.html

Hat vielleicht jemand die Sendung gestern gesehen und kann genaueres sagen ?
 

samhain

Ehrenmitglied
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heute themenabend auf arte:

Dienstag 12. Oktober 2004

20:45
Verbrechen Kindesmissbrauch


ARTE F


Pädophilie-Skandale erschüttern zunehmend unsere Gesellschaft. Familienväter, Lehrer und Priester sitzen auf der Anklagebank. Nach welchen Kriterien urteilen die Gerichte? Kann man die Täter therapieren? Wie die Opfer schützen? Was unternimmt die Kirche gegen pädophile Priester? Der Themenabend geht diesen Fragen nach.


Dienstag 12. Oktober 2004

20:45
Sünder in Soutanen


ARTE F


Thema des ersten Beitrags ist das wohl größte Tabu


der Kirche: der Kindesmissbrauch durch Priester...


Dienstag 12. Oktober 2004

21:35
Pädophile - wegsperren oder therapieren?


ARTE F


Ist die Pädophilie eine Geisteskrankheit? Wenn ja, ist


sie therapier- oder gar heilbar? Wer sind die Pädophilen?

http://www.arte-tv.com/de/Programm/72,group=252.html
 

TheUnknown

Großmeister
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768

I WANT YOU !

:lol: :lol: :lol: :lol: :lol: :lol:

Sry... aber,...
Die kath. Kirche ist doch sowiso nur mehr lachhaft.
Peinlichkeiten über Peinlichkeiten ...
Kein Wunder das sich die jungen Priester an Kindern und sich Gegenseitig vergreifen wenn eine Beziehung zu einer Frau mit sofortigem Rausschmiss geahndet wird.
Da muss man ja irgendwann perver... äähhh .... konvertieren!

Amen
 
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