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schwindendes Vertrauen in die Demokratie

Dieses Thema im Forum "Politik, Sozialkritik, Zeitgeschehen & Geschichte" wurde erstellt von forcemagick, 29. Juni 2008.

  1. forcemagick

    forcemagick Forenlegende

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    function (void);
    man hört es immer öfter, liest es immer wieder, fühlt es vielleicht selber.
    "das ist keine demokratie mehr" "man sollte das ding demokratur nennen" "was hat das denn noch mit demokratie zu tun?"

    jetzt hat man eine schöne studie gemacht um herauszufinden weshalb die wahlbeteiligung so gering ist und man fand folgendes heraus:

    http://www.tagesspiegel.de/politik/div/Demokratie-Studie;art771,2561384#formular

    zwischen eu-verfassungsverträgen, die irgendwie nicht mehr so heissen, aber dennoch eine solche funktion haben, gesetzen, die aus brüssel vordiktiert werden, zunehmender überwachung, gebrochenen wahlversprechen, steuermittelverschwendung, falscher förderung und verschlimmbesserung, selbstgenehmigten diätenerhöhungen bei gleichzeitiger mittelstreichung an wichtiger stelle, und der teils bösartigen hetze gegen arbeitslose zerbröselt das gebälk der der deutschen demokratie.

    das vertrauen schwindet und eigentlich war es doch klar, es knirscht doch schon lang genug.. nur die politiker werden wieder einmal entsetzt und schockiert sein über die überraschenden ergebnisse der studie.

    und wen wunderst.. wenn die demokratie eh keine mehr zu sein scheint, dann haben auch extreme wieder oberwasser

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,560146,00.html
     
  2. Jadath

    Jadath Lehrling

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    Ich sehe das Problem aber auch darin, dass es heute einfach unmöglich ist, als Bürger oder Politiker zu all den Bereichen eine fundierte Meinung zu haben. Trotzdem soll man sich für neue Gesetze, Politiker oder Parteien entscheiden. Das ist das Problem mit der Demokratie. Obwohl die Mehrheit der Entscheidenden nicht wirklich Ahnung hat, bestimmen sie. Egal ob das nun im Parlament oder bei einer Wahl ist. Bei Wahlen kommt noch hinzu, dass wie über die Unzufriedenen eher dazu bewegt können werden, ihre Stimme abzugeben, auch wenn viele davon vielleicht zuhause bleiben. Die Zufriedenen bewegen ihren Hintern viel seltener, egal worum es geht. So kommen dann auch Entscheidungen wie in Irland zu stande, wo die eigentliche Mehrheit der Leute nichts gegen die EU hat, aber die Gegner absolut motiviert abstimmten.

    Wenn ich 100 Leute habe, die über etwas abstimmen sollen, und nur 2 sind wirkliche Kenner der Materie und vielleicht weitere 10-20 haben etwas Wissen, dann entscheiden aber 78 Unwissende. DAS ist das eigentliche Problem. Egal, ob dann die Entscheidung "gut" oder "schlecht" ist, die 78 werden sie nicht nachvollziehen können und fühlen sich ausgeschlossen oder "demokratiert". Die "Wissenden" fühlen sich entweder durch "Unwissende" überstimmt oder aber durch diese nicht verstanden. Wie lange das noch gut gehen kann?
     
  3. agentP

    agentP Forenlegende

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    Wobei ich mich jetzt schon ernsthaft Frage, was das alles mit Demokratie zu tun hat?
    Demokratie ist kein System, das garantiert, dass die "beste" Politik gemacht wird, sondern lediglich, eines, das erfreulicherweise einen Regierungswechsel ohne Guillotine ermöglicht.
    Wer mit der aktuellen Politik unzufrieden ist und sich als Lösung die Abschaffung der Demokratie und einen "starken Führer" wünscht, der hat irgendwie noch nicht kapiert, dass er dann richtig in der Patsche sitzt, wenn er mit dessen Politik auch nicht zufrieden ist.
    Leider schaffen es die "die Rechten" offensichtlich diese beiden Dinge erfolgreich miteinander zu verknüpfen und leider scheinen genug Leute darauf reinzufallen.
     
  4. forcemagick

    forcemagick Forenlegende

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    function (void);
    erstaunlich.

    was haben verträge, die die eigene verfassung quasi ersetzen wobei das volk dabei nicht gefragt wird mit demokratie zu tun?
    was hat es mit demokratie zu tun wenn eine eurokratie gesetzesentwürfe in ein nationales parlament schießt und so gesetze entstehen, die von den vertretern eines volkes durchgenickt werden.
    was hat es mit demokratie zu tun wenn gesetze gegen den willen der meisten bürger gemacht werden?
    was hat es mit demokratie zu tun wenn ein vertreter des volkes wegen eines wahlversprechens überhaupt erst gewählt wird und dieses versprechen dann bricht?
    was hat es mit demokratie zu tun wenn die gelder des volkes verprasst werden und zu ungunsten des grossteils des volkes verschwendet werden?
    was hat es mit demokratie zu tun, wenn volksvertreter dem volk, dass sie ja gewählt hat, schaden?

    was ist demokratie eigentlich wenn all das mit demokratie nichts zu tun hat?

    eine herrschaft des volkes in unserem fall mittels gewählter volksvertreter, die ihrem gewissen verpflichtet im auftrag und interesse des volkes handeln scheint das ja nun nicht zu sein.

    ist demokratie also tatsächlich nur ein system das es uns ermöglich regierungen ohne guillotine abzusetzen wobei wir keine aussicht darauf haben, dass die neue regierung irgendwas anders macht als die davor?

    sind regierungen also nichts anderes als symbole?

    dann ist der wert der demokratie ja tatsächlich ein ziemlich geringer.

    genau das ist ja denn auch das problem, denn das scheinen ja immer mehr so wahrzunehmen.

    der wert der demokratie wird von immer mehr menschen in zweifel gezogen, denn eben punkte wie die oben genannten scheinen ja nicht viel mit demokratie zu tun zu haben und was bleibt ist das veränern des labels unter dem die eigentlichen entscheider im land ihre politik machen

    .
     
  5. Ein_Liberaler

    Ein_Liberaler Forenlegende

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    Steht wiedermal eine ganze Hälfte des demokratischen Spektrums, nämlich die rechte, unter Generalverdacht? Breiten wir wiedermal den Mantel des Schweigens über die Linksextremisten? ^


    Es gibt sogar die Meinung, daß wir für die Möglichkeit der unblutigen Regierungsablösung eine Garantie auf eine populistische, interventionistische und damit grundsätzlich eher schlechte Politik in Kauf nehmen.

    Ich vertrete ja die Ansicht, daß Menschenrechte viel wichtiger sind als die formale Demokratie, weil auch eine Mehrheit nicht alles darf. Aphorismus hat, wenn ich mich recht entsinne, mal darauf bestanden, daß zu einer echten Demokratie mehr gehört als nur Wahlen, nämlich auch Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit usw.
     
  6. forcemagick

    forcemagick Forenlegende

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    stellt man mithilfe von diversen manipulationen erfolgreich eine mehrheit her ist es nicht all zu schwierig auch die formale demokratie abzuschaffen.

    nicht umsonst haben sich hitler und konsorten dementsprechend geäußert dass sie sich "aus den arsenalen der demokratie bedienen um eben jene abzuschaffen".

    so kann man natürlich demokratisch die demokratie eleminieren und die menschenrechte gleich hinterherwerfen.

    insofern müssen menschenrechte und rechtsstaatlichkeit usw. durchaus das fundament einer demokratie sein.

    ob systeme mit blutiger regierunsablösung nun einen vorteil bieten möchte ich bezweifeln :D .
    ausser vielleicht den theoretischen vorteil, dass die regierung aus angst vor dem volkszorn sich schon keine größeren fehler erlauben möchte.. doch bekanntlich ist das für despoten ja selten ein grund sich zu benehmen.
     
  7. JimmyBond

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    was mich letztendlih aber wirklich an demokratien nervt ist, dass man als nicht-waehler gleich in die ecke der randgruppen-sympathisanten gestellt wird. "wer nicht waehlen geht, waehlt automatisch die extremisten" blabla

    wieso wird man in einem land, in dem freiheit angeblich grossgeschrieben wird, so verhemmt darauf geachtet, dass bloss jeder buerger waehlen geht.

    ich finde, wenn die wahlbereitschaft zurueck geht, isses deutlich genug, dass die menschen a) mit der politik und b) mit den laecherlichen wahlen, die eh nix bringen, unzufrieden sind.
     
  8. forcemagick

    forcemagick Forenlegende

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    an sich denke ich auch, dass nichtwähler, die ja eben nicht mehr wissen was sie guten gewissens wählen könnten, eigentlich ein deutlicher schwer mißzuverstehender hinweis darauf sind, dass etwas schief läuft.

    dummerweise sind posten und einkommen auch dann vergeben wenn nur noch ein bruchteil der bevölkerung diese durch wahlen legitimiert womit der nichtwähler also eigentlich kaum stört und das signal gern mal ignoriert wird.

    das problem ist, dass es in der politischen kaste wohl sehr vielen um nicht mehr viel anderes geht als den "sieg", "den posten" und die damit zusammenhängenden vergünstigungen.

    die idealistische vorstellung, dass der volksvertreter aus einer geradezu alturistischen überzeugung heraus für seine mitmenschen auszieht um in deren auftrag das beste zu machen, scheint einfach nicht zu stimmen.
     
  9. Shishachilla

    Shishachilla Ehrenmitglied

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    Oh Discordia!!!!
    Gibt es eigentlich ein unteres Level, bei der Wahlbeteiligung, bei dem dann die Wahl für ungültig erklärt wird?
     
  10. forcemagick

    forcemagick Forenlegende

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    http://de.wikipedia.org/wiki/Wahlbeteiligung
     
  11. Ein_Liberaler

    Ein_Liberaler Forenlegende

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    Es gibt nicht einmal weniger Wahlkampfkostenerstattung.
     
  12. agentP

    agentP Forenlegende

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    So, nachdem eine Maus offensichtlich ein paar Threads angeknabbert hat, stelle ich mal den Beiträg, den ich noch auf Platte hatte nochmal rein.

    Wurden wir denn bei der Verfassung die wir haben gefragt? Kannst du mir mal ein paar Völker nennen, die über ihre jetzige Verfassung abstimmen durften?
    Demokratisch gewählte Vertreter dürfen sogar durchnicken. Das ist kein Widerspruch zur Demokratie. Wenn man das anders haben wollte, dann wäre das vielleicht eine rechtliche Geschichte. Eventuell bräuchte man z.B. eine stärkere nationale Verfassung, die so etwas verhindert.
    Auch das gehört zu einer indirekten Demokratie dazu. Und es gehört zu einer Demokratie ohne echtes Mehrheitswahlrecht dazu, wo Parteien selten alleine eine Mehrheit erringen und immer Kompromisse eingehen müssen.
    Findest du denn dass in Demokratien mit reinem Mehrheitswahlrecht und direkterer Beteilugung des Wahlvolks, wie z.B. in England oder den USA "bessere" Politik gemacht wird.

    Hindert jemand die Wähler daran, so jemanden nicht mehr zu wählen? Ich denke nicht. Einfach kein Kreuz mach und gut isses. Was soll daran undemokratisch sein? Auch in einer Demokratie werden Menschen gewählt und manche Menschen sind Arschlöcher, auch in Demokratien.

    Kannst du das bitte näher erläutern? Ich weiß nicht worauf du hinaus willst.
    Was ist denn auf das Volk bezogen "Nutzen" und "Schaden". Mir sind eher Leute suspekt, die behaupten sie wüssten was "dem Volk" nutzt und was im schadet.
    Solche selbsternannten Heilsbringer haben bisher noch immer mehr Leid gebracht als sonst irgendwas
    Mein Volk besteht aus Individuen mit ziemlich vielen unterschiedlichen Vorstellungen, was ihnen schadet und was ihnen nutzt.

    Die Frage sollte sich allerdings durch einen Blick in ein halbwegs vernünftiges Lexikon klären lassen.

    Und versteh mich nicht falsch: Die Punkte die du aufzählst, die stören mich im Prinzip auch. Meine ideale Demokratie wäre föderalistischer, direkter und vermutlich würde ich ein Mehrheitswahlrecht vorziehen, aber
    nur weil meine Spielart der Demokratie sich nicht durchsetzt, spreche einer anderen Varianten nicht gleich ab überhaupt eine zu sein und ich versuche zumindest zu differenzieren,
    welche Probleme sich aus der Regierungsform ergeben und mache sie nicht grundsätzlich für alles verantwortlich, was schief läuft. Und das ist es was mich aus dieser Pauschalkritik stört und es ist auch das,
    was Demokratiefeinde immer wieder polemisch ausnutzen.

    Im Spiegel war neulich übrigens ein schöner Artikel, in dem ich mich recht gut wiederfand und der, selten genug, nicht nur kritisierte, sondern sogar ganz konkret Vorschläge machte, wie man manches optimieren könnte.
     
  13. Magna

    Magna Erleuchteter

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    Hmmja...

    Das erste was mir einfiel, als ich diesen Thread las, war eine Geschichte über Nussriegel. Eine nette alte Dame schrieb dem Hersteller "Lieber Herr X, ihre Blariegel schmecken seit neustem ranzig. Ich bin sehr enttäuscht."
    Die aktive Pressestelle meldete sich bei ihr: "Liebe alte Dame, schicken Sie uns doch den Rest Ihres schrecklichen Riegels zu, wir sorgen für leckeren Ersatz."
    Und die Dame schrieb zurück: "Hab ich aufgegessen."
    Die Story ist passiert. Und noch viele ähnliche. Die Moral von der Geschicht: Wenn mans trotzdem frisst, kanns nicht so schlecht sein, oder?

    Wie viele Menschen, die sich beschweren, versuchen ihr Glück wohl an der richtigen Stelle? Bei den Politikern des Kreises, oder der Stadt vielleicht. Oder auch direkt bei der Pressestelle der CDU? Warum eigentlich nicht?
    Und wenn man sich dafür von den Parteien zu wenig vertreten fühlt, dann gründet man halt eine. Warum nicht?
    Und warum wird in diesem Land dauernd gejammert und keiner steht auf und wehrt sich aktiv dagegen? Warum ist "Nichtwähler" eine Alternative? Diese Alternative sollte Auswandern sein. Aber solange wir alle schön brav auf unseren Hintern sitzen bleiben und jammern, aber nicht aufstehen, nicht wählen, nicht selbst etwas unternehmen, muß doch alles bleiben wie es ist. Wir futtern unseren Riegel.

    Wählen, das ist die geringstmögliche Form der Partizipation. "Ich möchte lieber Kernkraftwerke." "Ich will nicht, dass mein Bruder nach Afghanistan geht." Wer nicht wählt, der protestiert nicht, der sagt ja zu allem, was die Politik so tut. Das ist keine Stimme für rechts, das ist überhaupt keine Stimme.

    Mir gefällt es aus diversen Gründen nicht in Deutschland. Da ich keine Möglichkeit sehe, meine Situation langfristig zu verbessern, will ich langfristig weg. Und alle, denen es hier auch nicht gefällt, sollten das auch tun. Oder ihre Situation verändern. Aber um Himmels Willen, hört doch endlich alle auf eure Riegel zu futtern, wenn sie scheiße schmecken!

    Liebe Grüße,
    Magna
     
  14. JimmyBond

    JimmyBond Ehrenmitglied

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    also nach dem motto: "if you cant join'em, leav'em"?

    nicht viele menschen haben die moeglichkeit im ausland neuanzufangen, zumal es sicherlich schwer werden koennte woanders ne politik zu finden, die einem gerecht empfunden wird. soll man dann sein lebenlang davon rennen?

    und nicht jederman hat die moeglichkeit eine eigene partei zu gruenden, noch dazu ist man geschaffen, um lange zeit in der politik zu bestehen.

    letztendlich sehen die optionen recht bescheiden aus. man kann auf gewaltfreier ebene waehlen, nichtwaehlen, auswandern, akzeptieren und dennoch laeuft es aufs gejammere hinaus.

    nein, ich werde nicht weglaufen. ich kann aber auch nicht dagegen ankaempfen. ich werde weiterhin meine ekligen riegel futtern und in 50jahren gemuetlich sterben...
     
  15. Guest

    Guest Guest

    Demokratie war ursprünglich ein Schimpfwort der herschenden Elite und des Adels . Das griechische "demós" bedeuted ursprünglich Talg-Abschaum der beim Auskochen von Schaffett entsteht und abgeschöpft wird.
    Herrschaft des Abschaumes (Volk wäre "hoi polloi" als Opposit zu "kaloi" der Oberschicht).

    Erst im Laufe der Zeit hat sich der Begriff Demos zu Volk gewandelt.

    Trotzdem wird die Sichtweise klar. Die Schicht der Herrschenden - die eigentlich von uns bezahlt und bestimmt werden dieses Land für uns und in unserem Sinne zu verwalten (egentlich bessere Hausmeister) - haben es gewagt sich über den Souverän zu erheben und stattdessen das Volk zu regieren.

    In der Folge bedeutet Demokratie heute

    1. Du wählst (mehr oder weniger direkt) den Diktator deines Vertrauens, der - wenn er einmal an der Macht ist - macht was er will, ohne daß du die nächsten Jahre was dagegen unternehmen kannst, ohne gleich den Reichstag anzuzünden.

    2. Dieses System ist - durch die Austauschbarkeit der Parteiprogramme, die Durchdringung durch Interessengruppen und der völligen Korruption und Verfilzung - soweit in sich geschlossen, daß es egal ist wen du wählst.

    A: Die Parteien halten sich einen Dreck an die Wahlversprechen
    aufgrund denen du sie gewählt hast.

    B: Randparteien haben keine Chance - wenn sie reinkommen werden
    sie sofort domestiziert (siehe Grüne) oder überstimmt (siehe den Rest).

    3. Wir heute tatsächlich die Herrschaft des Abschumes haben.

    Die einzige Konstante in diesem Spiel: Es wird alles teurer und schlechter.
     
  16. agentP

    agentP Forenlegende

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    Auch das haben ja die alten Griechen und alle Generationen dazwischen schon festgestellt. Ein Wunder dass es die Menschheit trotzdem soweit geschafft hat. :rofl:
     
  17. Booth

    Booth Erleuchteter

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    Interessant ist aber, daß fast alle Menschen die Ungerechtigkeiten nur da wahrnehmen oder beanstanden, wo sie selber die Benachteiligten sind... nicht dort, wo sie selber diejenigen sind, die einen Vorteil gegenüber anderen erhalten.
    Krieg war ursprünglich Alltagsmittel in der Politik... und Weib ein normaler Begriff für Ehefrau... interessant ist sowas schon... aber wirklich wichtig ist, was wir heute mit den Begriffen verbinden.
    Ähm... "haben es gewagt sich zu erheben" klingt so, als wäre es je anders gewesen. Wieso immer dieser Quatsch "früher war alles besser"?

    Diejenigen, die bestimmen können, wer welche Mittel bekommt, haben sich eigentlich immer meisten gegeben, wenn sie irgendwie nur konnten (und meist konnten sie). Das ist menschlich - das ist sogar natürlich. Der ganz normale Egoismus unter den Lebewesen.

    Die Tatsache, daß es (und leider auch nur in eher wenigen, reicheren Ländern) sowas wie Sozialsysteme gibt, zeigt, daß wir eben nicht mehr rein instinktiv handeln. Wir bemühen uns, Werte und anschließend dazu halbwegs passende "Systeme" zu finden, sodaß wir nicht mehr rein auf den persönlichen Vorteil bedacht sind.

    Aber Tatsache ist auch, daß wir Menschen einfach noch nicht so weit sind. Die meisten werden immer (auch oder insbesondere) ihren persönlichen Vorteil in einer Stellung suchen... und finden. Und dabei werden dann allzu oft (zu große) Nachteile anderer in Kauf genommen.

    Es spielt keine Rolle, welches "System" Du suchst... die Menschen werden noch eine Weile brauchen, sich von diesem "Instinkt" stärker abzukoppeln.

    Das Hacken auf "die da oben" fällt mir für mich ausschließlich in die Kategorie der "kognitiven Dissonanz" - man beschimpft andere, würde aber selber ähnliches tun, bzw tut sogar ähnliches in kleinerem Rahmen.
    (Un-)Freiwillige Abgabe Deiner Verantwortung an andere.

    Aber... man hat die Chance, diese Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft doch wahrzunehmen, oder sich die Verantwortung anderer übertragen zu lassen, was sicher nicht leicht ist... aber... ganz ehrlich... das wollen die meisten ja gar nicht.

    Und ja - ganz klar - Verantwortung kann und wird für persönliche Zwecke mißbraucht... nur... wer macht das nicht?

    Zusatz: Und auch ganz klar... damit die Menschen voran kommen, muss man dies immer wieder anmahnen und den Finger da hinzeigen, wo Verantwortung mißbraucht wird. Allerdings... ist es töricht anzunehmen, daß dies nicht passieren würde, oder man selber besser wäre... oder gar auszublenden, wo man selber bereits heute Verantwortung in kleinem Maßstab für persönliche Zwecke mißbraucht. Die selbstgerechte Art, mit der soviele Nicht-Politiker über die Politiker richten (wie auch hier) - die geht mir mindestens so auf den Senkel, wie das Verhalten der Politiker. Wenn auch nur die Hälfte dieser Kritiker im eigenen Rahmen so handeln würde, wie man es von den Politikern erwartet, wär dies eine völlig andere Welt.

    Und... ich kann mir auch kein momentanes Land vorstellen, in welchem das besser funktionieren soll.

    gruß
    Booth
     
  18. Magna

    Magna Erleuchteter

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    Nicht ganz. Es gibt auch und immer die Möglichkeit sich zu wehren, indem man politisch aktiv wird. Ich glaube, der Gedanke, dass man dazu geschaffen wird oder nicht, ist grundlegend falsch. Man will das oder nicht. Und wenn man das nicht will, dann findet man vielleicht eine andere Möglichkeit. Zum Beispiel über die Medien oder die Kunst zumindest seine Ansichten öffentlich zu machen.

    Ich erwarte nicht, dass jemand davonläuft, wenn er nicht will. Aber die Möglichkeit auszuwandern gibt es durchaus für gar nicht so wenige Menschen.

    Gejammer ist das einzig inakzeptable für mich. Ein kleines Übel kann ich ignorieren, gegen ein großes muß ich vorgehen. Aber dieses "dazwischen", das zeugt doch eigentlich davon, dass wir hier doch vom kleinen Übel reden, oder?

    Gemütlich, ganz genau. Die Riegel sind halt eigentlich ganz okay. Wenn die wirklich Schimmeln oder Grünspan ansetzen würden, dann würdest du vermutlich schreiend weglaufen.
    Ich persönlich spiele gerade mit dem Gedanken an ein bisschen Aktionismus. Ohne Parteien oder einer NGO beizutreten. Und wenn alles nichts wird, dann nehm ich die Beine in die Hand. Aber so schlecht ist unser System nicht, wenn wir mal zurückblicken in die Geschichte (siehe Booth). Ich bin auch für Verbesserung, ich komm nur nicht drauf wie. Ich glaube durchaus an unsere Demokratie, ich halte das Konzept nur nicht für die Lösung. Wenn jemand die ideale Gesellschaftsform findet, möge er sich bei mir melden.

    Liebe Grüße,
    Magna
     
  19. Ein_Liberaler

    Ein_Liberaler Forenlegende

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    Den Gedanken, unsere Sozialsysteme würden zeigen, daß wir nicht mehr so sehr auf den eigenen Vorteil bedacht sind, finde ich ganz drollig - no offence meant.

    Gerade die Sozialsysteme sind doch von Anfang an, seit Bismarck sie eingeführt hat, nichts anderes als die Standardwährung beim Stimmenkauf.

    Ich weiß auch nicht, ob die Menschen jemals aufhören werden, ihren persönlichen Vorteil zu suchen und ob das überhaupt wünschenswert ist. Viele suchen natürlich heute schon viel eher den ihrer Kinder als den eigenen...

    Diese Unterstellung finde ich ziemlich unverschämt.
     
  20. Booth

    Booth Erleuchteter

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    Was ich so nicht behauptet habe, aber egal ;)
    Interessant, daß manchmal ein Vorhaben mit einem egoistischen Ziel, also einer egoistischen Ursache auch nicht-egoistische Wirkung erzielen kann ;) - und das Gleiche gilt leider umgekehrt.
    Da fehlen die wesentlichen Eingrenzungen. "Nur" den eigenen Vorteil? Oder "auch"? Mit Akzeptanz "extremer" Nachteile anderer? Oder nur "moderater" Nachteile? Oder "kleiner" Nachteile? Die wie genau zu definieren sind? Es ist ein schweres Thema, und prinzipiell wird niemals ein Lebewesen seinen natürlich Egoismus ausschalten können - aber wer sagt sowas auch, ausser vielleicht ein paar Extrem-Kommunisten ;)
    Was letztlich auch einen eigenen Vorteil beinhaltet, da man als Eltern offenbar darin eine Befridigung findet. Nur ist dies eben nicht unbedingt zum Nachteil anderer... zumindest nicht zum Nachteil der direkt Betroffenen - wobei... manchmal auch wiederum doch, wenn man als Eltern über Ziel hinaus schießt, und zu viel für die eigenen Kinder will... was die selber gar nicht wollen.

    Das mit dem Egoismus ist ganz bestimmt ein sehr kompliziertes Thema, und ich hoffe, ich habe es nicht zu einfach dargestellt. Wenn doch - sorry :)
    Für mich ist diese Unterstellung eine selbstverständlichkeit. Es ist eine Akzeptanz der menschlichen Natur. Und ja... Politiker sind auch nur Menschen. Und die Kritiker ganz sicher auch.

    Worauf gründet sich Dein Reflex? Glaubst Du tatsächlich, daß "die Politiker" (die es als einheitliche Masse ja genauso wenig gibt, wie "die Kritiker") mehr an ihrem persönlichen Vorteil interessiert sind, als andere? Bzw... daß es gar Menschen gibt, die gar nicht an ihrem persönlichen Vorteil denken und danach handeln? Denn genau das wird ja kritisiert... oder was sonst?

    gruß
    Booth