Hartz 4 der Zweite

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nicolecarina

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Weil der ursprüngliche Hartz4-Thread so lang geworden ist, dass sich wohl kein Mensch mehr die Mühe macht, alle Seiten durchzulesen -
tätä hier der neue und quasi die Fortsetzung mit neuesten Erkenntnissen zur Un-Reform des Jahres.

http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/18573/1.html

Ergebnisse des mehr oder weniger freiwilligen Selbsterfahrungsbericht der Journalisten
 

samhain

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@nic

ja, habe ich schon gelesen.
für diese journalisten ist das bisher nur ein feldversuch, für millionen andere ab nächstes jahr bittere realität.

sarkastischer ausblick in die zukunft:

Die letzten Tage im Kanzlerbunker (I).

Nach der Verabschiedung von Hartz VIII sind in der Bundesrepublik schwere Unruhen ausgebrochen. Eine Zukunftsgeschichte aus dem Jahre 2007.
http://www.heise.de/tp/deutsch/kunst/lit/18549/1.html

:lol: :lol: :lol:
 

Don

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Moin,

ich habe mal den alten Thread als "wichtig" abgelegt; so dass ihr immer wieder auf den verweisen könnt.

mfg Don
 
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Ich kann noch ergänzend anfügen, wieviel Druck von der Agentur für Arbeit für den Rücklauf der AlgII-Bögen ausgeübt wird:
Einer Bekannten von mir wurde angedroht, wenn sie nicht innerhalb von 2 Wochen den Bogen einreicht, würde ihre Arbeitslosenhilfe für die Dauer von 2 Wochen gestrichen.

Erwähnenswert ist auch noch, dass man unter einer 0180-Nummer Hilfe beim Ausfüllen erhalten kann. 0180 ist doch nicht gerade billig, oder irre ich mich da? :?
 

forcemagick

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mehrwertnummer können mit tarifen belegt werden... die 0180 sind oft kostenlos oder einigermaßen günstig...

wie das im einzelnen bei der agentur aussieht weiß ich nicht..
 

samhain

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@the_wellknown_unknown

für alle die es betrifft:
die arbeitsämter gehen hier mit unlauteren mitteln vor. niemand darf dazu gezwungen werden vor ablauf der frist, und die ist am 1. werktag im neuen jahr, also dem 3.1.05, seinen antrag abzugeben!
hier detaillierte infos

Wie gehe ich gegen den Druck der Arbeitsagentur vor,
den Antrag auf Alg II möglichst bald abzugeben ?

Und was ist zu tun, wenn der Antrag bereits abgegeben wurde?

Vielen von uns flatterte in den letzten Tagen Folgendes ins Haus: „Um eine möglichst nahtlose Bearbeitung Ihres Antrages zu gewährleisten, bitten wir Sie, Ihren Antrag am…..in der Agentur…..um.....im…..vollständig abzugeben.....Dies ist eine Einladung nach § 309 Drittes Buch Sozialgesetzbuch (SGB III). Falls Sie ohne wichtigen Grund dieser Aufforderung, bei der Agentur für Arbeit vorzusprechen, nicht nachkommen (Meldeversäumnis), wird Ihnen ihre Leistung vom Tage nach dem Meldeversäumnis an für die Dauer von zwei Wochen nicht gezahlt….(bei besonderer Härte eine Woche).“

Nach § 309 SGB III müssen Arbeitslose einer Aufforderung zur Meldung zu folgenden Zwecken nachkommen: Berufsberatung, Vermittlung in Ausbildung und Arbeit, Vorbereitung aktiver Arbeitsförderungsleistungen, Vorbereitung von Entscheidung im Leistungsverfahren oder Prüfung der Voraussetzungen für den Leistungsanspruch.

Voraussetzung für eine Entscheidung oder Prüfung in Leistungsfragen ist, dass der Arbeitslose einen Antrag auf Alg II gestellt hat. Das muss er jedoch erst an dem Tag tun, ab dem er Alg II erhalten will, also z.B. am 1.1.2005. Die Agenturen sind also auch nicht berechtigt, die Leistungen zu kürzen, wenn man nicht kommt und schon gar nicht, wenn man kommt und den Antrag noch nicht abgibt. Solche Aufforderungen sind nicht rechtens. Dazu erklärt die Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit, Ilona Mirtschin, gegenüber dem Mitteldeutschen Rundfunk (www.mdr.de/nachrichten/reformen): „Wenn es in dem Brief nur um den Antrag geht, dann muss der Aufgeforderte den Termin nicht wahrnehmen. Rechtlich gibt es keine Grundlage dafür, dass die Arbeitslosen jetzt schon ihre Anträge abgeben müssen.” Es besteht also überhaupt keine Pflicht zum Besuch im Amt und zur Abgabe des Antrags.
Die Agentur ist verpflichtet, das Alg II für den Januar in voller Höhe auszuzahlen, selbst wenn der Antrag spätestens(!) am 3.1.2005 (wegen des Feiertags und des Sonntags) abgegeben wurde.

Abgesehen davon, dass die Software noch nicht vollständig installiert bzw. noch nicht einsatzfähig ist und sich bei den AntragstellerInnen noch einiges ändern kann, sollte dem Drängen der Arbeitsagenturen schon deshalb nicht nachgekommen werden, da der Antrag den Datenschutzbestimmungen nicht entspricht und somit eine Vielzahl von Fallen und Tücken enthält. Wer schnell ausfüllt, auf kompetente Beratung verzichtet und überflüssige Angaben macht, die aus Datenschutzgründen nicht gefordert werden dürfen, läuft Gefahr, dass ihm dies künftig zum Nachteil gereicht.

Achtung, wer seinen Antrag bereits abgegeben hat, sollte unbedingt nachträglich überprüfen, wo zuviel mitgeteilt wurde, das heißt: wo nicht erforderliche oder zu detaillierte Angaben gemacht wurden, die später Nachteile bringen könnten. (Wenn der Antrag nicht kopiert wurde, ist in der Arbeitsagentur ein Termin zur Einsicht in den Antrag zu vereinbaren.) Nach Auskunft aus dem Hause des Bundesbeauftragten für den Datenschutz gilt grundsätzlich: Nicht erforderliche Angaben dürfen nicht eingegeben werden und bereits eingegebene müssen umgehend gelöscht werden. Grundlage hierfür sind der verfassungsrechtlichen Grundsätze der Erforderlichkeit und der Verhältnismäßigkeit.

Schon im Juli war in der Presse zu lesen, dass der Bundesdatenschutzbeauftragte, Peter Schaar, die Einhaltung der Datenschutzauflagen und die Änderung der Antragsformulare gefordert hatte. Dessen ungeachtet gingen die Fragebögen raus. Informationen, dass die Arbeitsagenturen seit dem 20.09.04 ein Informationsblatt bereithalten, in dem die datenschutzrechtlich beanstandeten Fragen aufgelistet sind, konnten so nicht bestätigt werden. Auf Bitten von Betroffenen in den Arbeitsagenturen Berlin-Neukölln und Berlin-Charlottenburg, ihnen ein solches Blatt auszuhändigen, stellte sich heraus, dass weder die AgenturberaterInnen noch deren Vorgesetzte das Infoblatt zum Datenschutz kennen. Ein solches Blatt liege nicht vor, es sei im Hause nicht bekannt.
Eine Anfrage beim Bundesdatenschutzbeauftragten in Bonn am 6. Oktober ergab schließlich, dass tatsächlich seit dem 20.09. ein Papier vorliege. Es handele sich dabei aber um eine 12-seitige so genannte Ausfüllhilfe, die von der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg formuliert wurde. Die Anregungen und die Kritik der Datenschützer seien darin zwar eingeflossen, die Ausfüllhilfe entspreche aber nicht ganz ihren Vorstellungen, und neue überarbeitete Antragsformulare gebe es voraussichtlich erst im Frühjahr. Darüber hinaus existiere ein weiteres zweiseitiges Papier, in dem man die heiklen Punkte aufgelistet habe.

Dass aber selbst die Ausfüllhilfe in den Berliner Agenturen nicht ausliegt, ärgert auch die Datenschützer. Insbesondere weisen sie auf folgende schwerwiegende Verstöße gegen den Datenschutz im Antragsformular hin, aufgrund derer die entsprechenden Daten nicht angegeben werden müssen.

Dies sind unserer Ansicht nach die wichtigsten Verstöße:

· Die im Haushalt eventuell lebenden verwandten und verschwägerten Personen müssen nicht angegeben werden (entgegen den Hinweisen der Bundesagentur).
· Wenn die AntragstellerInnen kein Bankkonto besitzen, müssen sie hierüber keine Bankbescheinigung abgeben.
· Die Bankverbindung des Vermieters sowie dessen Name und Anschrift müssen nicht angegeben werden.
· Angaben über Telefon und E - Mail sind ebenfalls freiwillig.
· Eine vorliegende Schwangerschaft muss nicht durch Mutterpass, sondern kann durch ein ärztliches Attest nachgewiesen werden. (Der Datenschutzbeauftragte: „Kopien werden nicht zur Akte genommen.“ – Die Bundesagentur will davon nur bei Vorlage des Mutterpasses absehen.)
· Wenn Kontoauszüge vorgelegt werden müssen, können die für die Antragsbearbeitung nicht relevanten Angaben geschwärzt werden.

Vor diesem Hintergrund raten wir dringend, vor dem Ausfüllen des Antrages sich die von den Datenschützern beanstandeten Fragen genau anzusehen und eine kompetente Beratung aufzusuchen. Auf den folgenden Internetseiten sind wichtige Hinweise zu finden: www.hartzkampagne.de, à Einzelfragen, à Datenschutz, à Auflistung datenrechtlicher Bedenken, à hier: Bundesbeauftragter für den Datenschutz und Ausfüllhilfe

Dieses Flugblatt wurde erstellt von der Berliner Kampagne gegen Hartz IV.
 

semball

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Wer seinen Bogen nicht rechtzeitig abgibt (spätestens Anfang Dezember) kriegt halt im Januar kein Geld.
Ist ja nun mal ein administrativer Aufwand; gerade wenn es sich um eine vollkommene Neuregelung handelt, können bei ALGII noch Komplikationen auftreten. Also sollten sich die Betroffenen im eigenen Interesse schnellstens zur Arbeitsagentur begeben und sich frühzeitig drum kümmern. Wer sich nicht rechtzeitig drum kümmert, muss es sich selber zuschreiben, wenn´s im Januar 2005 kein Geld gibt.

Und bitte, 16 Seiten auszufüllen ist nicht zuviel verlangt, wenn man die Gemeinschaft um Hilfe ersucht. Soziahilfeempfänger kennen die Prozedur ja schon und sie ist auch notwendig, da es immer noch viel zu viel Missbrauch der Gemeinschaftshilfe gibt.
Nebenbei, es werden ja vor allem Sozialhilfeempfänger von Hartz IV finanziell profitieren.

Hoffe, NPD/PDS/DKP/DVU haben ihre Plakate (man konnte sie ja kaum voneinander unterscheiden) wieder abgehängt, tun das, was sie sonst noch tun (siehe Verfassungsschutzbericht, besonders der Teil über die Neo-SED ist besonders interessant) und stehen einer sachlichen Diskussion der Leute, die Deutschland wieder fit machen wollen, nicht mehr unnötig im Weg.

@samhain:
schön -na, sagen wir lieber 'passend'- das ich dich hier grad sehe. Du hattest mal in irgend´nem Thread geschrieben, Deutschland wäre das korupteste Land der Welt; jetzt habe ich aber in der ZEIT gerade über einen Standortbericht einer internationalen Wirtschaftsforschungskommision gelesen, das ein großer Standortvorteil Deutschlands gerade die niedrige Korruption sei. Soviel dazu.

Und sonst noch:
Ich hatte euch ja schon mal gebeten: Schaut mal ins Ausland. Viele Länder haben die Reformen, die wir gerade machen, hinter sich und sind gut damit gefahren. Über den Tellerrand blicken schadet nicht. Wäre jedenfalls sinnvoller als über Hitler-Schröder-Vergleiche zu lachen, besonders wenn sie von einem linksextremen Voll******* wie Jürgen Elsässer kommen.

gruss semball
 

indi-ffo

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semball schrieb:
Wer seinen Bogen nicht rechtzeitig abgibt (spätestens Anfang Dezember) kriegt halt im Januar kein Geld.
Ist ja nun mal ein administrativer Aufwand; gerade wenn es sich um eine vollkommene Neuregelung handelt, können bei ALGII noch Komplikationen auftreten. Also sollten sich die Betroffenen im eigenen Interesse schnellstens zur Arbeitsagentur begeben und sich frühzeitig drum kümmern. Wer sich nicht rechtzeitig drum kümmert, muss es sich selber zuschreiben, wenn´s im Januar 2005 kein Geld gibt.

Und bitte, 16 Seiten auszufüllen ist nicht zuviel verlangt, wenn man die Gemeinschaft um Hilfe ersucht. Soziahilfeempfänger kennen die Prozedur ja schon und sie ist auch notwendig, da es immer noch viel zu viel Missbrauch der Gemeinschaftshilfe gibt.
Nebenbei, es werden ja vor allem Sozialhilfeempfänger von Hartz IV finanziell profitieren.

Hoffe, NPD/PDS/DKP/DVU haben ihre Plakate (man konnte sie ja kaum voneinander unterscheiden) wieder abgehängt, tun das, was sie sonst noch tun (siehe Verfassungsschutzbericht, besonders der Teil über die Neo-SED ist besonders interessant) und stehen einer sachlichen Diskussion der Leute, die Deutschland wieder fit machen wollen, nicht mehr unnötig im Weg.
du machst es richtig, immer schön ducken. macht den geringsten widerstand und bring am weitesten. aber nur bis es dich selbst erwischt.

wie viele der Opel-Arbeiter, die heute vor der Entlassung stehen, dachten sie haben einen sicheren job weiß ich nicht, aber es war bestimmt die mehrzahl.
solangsam kommt den bürgern in den "alten" Bundesländern wohl die erkenntnis, auch sie haben keinen Bestandschutz. das lächeln über die Idioten im Osten, vergeht ihnen langsam. die zeit der betriebspleiten, werksschließungen und verlagerung von arbeitsplätzen ins billige ausland ist noch nicht vorbei, sondern hat erst begonnen.
 

Rupert

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Wenn ich mir einige Posts hier durchlese, dann bekomme ich den Eindruck, ihr schreibt Prosatexte für dramatische Theaterstücke.

Da packt es ein Kanzler an, macht die unschönen Einschnitte, die vielleicht einige ihren jährlichen Italienurlaub kosten werden, und was passiert? Erschütterung. Endzeitstimmung in der am Rande der Anarchie stehenden Bananenrepublik Deutschland. Was wird am 1. Januar passieren? Wird die Welt mit dem Finger auf uns zeigen und sagen: "Jetzt seid ihr dran !" - Wohl kaum.

Bisher haben Arbeitslosengeld und Sozialhilfe geholfen, den Lebensstandard zu halten. Lasst euch das wenigstens einmal auf der Zunge zergehen. Den-Lebensstandard-zu-halten. Nennt mir bitte ein Land auf der großen, weiten Welt, dessen Sozialsystem (falls vorhanden) dazu dient, den Lebensstandard der Empfänger zu halten. Ihr findet keines? Schade. Dann brauche ich mir wohl das Stellen der Aufgabe, ein Land zu finden, dessen Sozialsystem auch vor dem Hintergrund von riesigen Nettozahlungen an die EU, von Entwicklungshilfezahlungen in Milliardenhöhe und von innenpolitischen Subventionsbergen funktioniert, sparen.

Das war alles bisher. Ab dem 1. Januar wird das Arbeitslosengeld II die lebensnotwendigen Bereiche abdecken. Wie, das reicht nicht für die teure Wohnung in zentraler Lage? Wo auf der Welt hat ein Arbeitsloser das Recht, vom Staat die Miete für eine teure Wohnung zu verlangen, die er sich vielleicht mit seinem vorherigen Job leisten konnte? Es existieren sicher auch preiswertere Wohnungen, die vielleicht nicht so günstig liegen, aber dennoch dem Lebensstandard angepasst sind. Krankenschwestern fahren täglich 100 Kilometer nach München und zurück, nur um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen; da werden die paar Kilometer mehr, die man im Übrigen auch mit dem Fahrrad zurücklegen könnte, doch kein Beinbruch sein.

Wie semball bereits erwähnte, hilft die neue Arbeitslosengeld-Regelung besonders sozial schwächeren Familien. Jeder, der protestiert, weil er ein Stück von seinem Kuchen abgeben soll, damit die Ärmeren in unserer Gesellschaft auch ein Stückchen abbekommen, gleichzeitig aber über soziale Ungerechtigkeit schimpft, ist für mich schlichtweg unglaubwürdig. Jeder, der Lohndumping fürchtet, aber noch nicht gesehen hat, dass es bereits ganz in unserer Nähe ist - Spargelstecher aus Polen, Weintraubenpflücker aus Tschechien; die kommen jedes Jahr in die Region, sogar Professoren und Akademiker -, sollte die rosa Seifenblase, in die er über die Jahre geschlüpft ist, geschickt und schnell platzen lassen. Wer keinen Arbeitsplatz findet, der will keinen finden. Die von mir erwähnten polnischen und tschechischen Erntehelfer müssten nicht jedes Jahr kommen und uns tüchtigen Deutschen die Arbeit wegnehmen, wenn wir uns als Arbeitslose dazu erbarmten, selbst aufs Feld zu gehen, wenn auch für weniger Geld.

Keiner muss wegen der Reformen verhungern. Arbeit findet sich überall. Stellt euch nur vor, wie schnell der Sumpf der Schwarzarbeit austrocknen würde, wenn hier die Bereitschaft, auch mit einem akademischen Abschluss simplere Arbeiten zu verrichten, wachsen würde. Zusätzlich eine Verschärfung der Strafen und schon wären viele Arbeitslose glücklich. Dass so ein Privatmann nicht sein ganzes Hab und Gut dafür geben möchte, nur damit sein Hof neu gepflastert wird, das kann, jedenfalls hoffe ich das, jeder nachvollziehen (oder würdet ihr in diesem Fall fürstlich entlohnen wollen, zumal ihr ja selbst schon sozial gerechter teilen müsst?).

Das Hauptproblem liegt meiner Meinung nach im Lebensstandard, den wir uns über die Jahre einverleibt haben. Ein Gebrauchtwagen fährt genau so gut wie ein Neuer und Urlaub in der Heimat ist oft billiger und mit weniger Problemen verbunden als im Ausland. Probiert es aus, ihr werdet es merken.
 

samhain

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@semball

Wer seinen Bogen nicht rechtzeitig abgibt (spätestens Anfang Dezember) kriegt halt im Januar kein Geld.
stimmt aber nicht.
wenn die frist nun mal bis ende bzw. anfang des jahres läuft, dann kann man denen, die innerhalb dieser frist ihren antrag abgeben, auch keinen strick daraus drehen.
wie das die agentur mit ihren anträgen hinkriegt (wo noch nicht mal die software funktioniert :lol:) ist nicht das problem der arbeitslosen.

Nebenbei, es werden ja vor allem Sozialhilfeempfänger von Hartz IV finanziell profitieren.
:lol: ihr könnt euch ja gerne bei euren treffen unter "genossen" der schönfärberei hingeben, aber doch bitteschön nicht hier.

ein paar rechenbeispiele (aber ich weiß, mit dem rechnen habt ihrs ja nicht so, wenn man sich alleine clements aussage, man könnte mit dem 1,-€ zuverdienst auf 1000,-€ kommen, ansieht).

dazu folgendes, an den regelsätzen im westen u. osten orientiert:
Durchschnittliche ALG II –Leistung
Regelleistung,allein stehende Person
West /Ost
331 € 345 €

angemessene Miete +Betriebskosten

+274 € + 274 €

Heizpauschale Gasheizung

+36 € + 36 €

durchschnittliche ALG II –Leistung eines Alleinstehenden

=655 € =641 €

Clements Netto Soll

–1000 € -1000 €
---------------------
=359 h =345 h notwendige Stunden im Monat

Das bedeutet:um Clements Netto-Soll von 1000 € zu erreichen,müssten die ALG II –Leistungsbezieher im Westen 79,6 und im Osten 82,9 Wochenstunden arbeiten.
:lol:

Bei einer 38,5 Std./Woche ließe sich bei Clements Tarif von 1 € Mehraufwandsentschädigung ein
Einkommen von ....erzielen:

durchschnittliche ALG II –Leistung eines Alleinstehenden

=641 € =655 €

max.mögliche Mehraufwandsentschädigung (4,33 Wo x 38,5 Std.=167 Std.)

+167 € +167 €

max.mögliches mtl.Einkommen

=808 € =822 €

jetzt zu den angeblich profitierenden sozialhilfeempfängern.
dabei wird unterschlagen, das diverse einmalige beihilfen in zukunft nicht mehr gezahlt werden.

bisherige regelung:

BSHG –Leistung /Kind 7 –13 J.
(für Regelleistungsbedarf und
Einmalleistungen)
an:Regelsatz NRW

192,00 € ---> Regelsatz Kind 7 –13 J.
+ 24,00 € --> Bekl.Pauschale
+ 25,00 € --> einm.Leistungen
= 241,00 € -> Summe mtl. Leistungen
+10,22 € ---> nicht angerechnetes Kindergeld nach §
76 Abs.2 Nr.5 BSHG
=251,25 € --> Summe mtl.Haben

unter Alg II:

ALG II –Leistungen /Sozialgeld
Kind bis 14 J.
(für Regelleistungsbedarf und
Einmalleistungen)
an:Regelleistung /West

=207,00 € Summe mtl. Haben

Unter ALG II gibt es eine Leistungsabsenkung für die gleichen Leistungskomplexe (Hilfe zum Lebensunterhalt und Einmalleistungen)von 44,22 € . Es findet somit sehr wohl eine erhebliche Leistungssenkung statt.
quelle:www.tacheles-sozialhilfe.de
www.harald-thome.de

hier rechnet ein betroffener, alleinerziehender vater mal nach:

Das Hexeneinmaleins der Bundesregierung

Seine »Sozialreformen« sind gar nicht so unsozial, sagt Bundeskanzler Gerhard Schröder, Sozialhilfeempfänger würden bessergestellt. Walter Spilka* aus Erfurt hat nachgerechnet und stellt fest: Im Prinzip stimmt’s, allerdings ...

Guten Tag! Ich bin alleinerziehender Sozialhilfeempfänger und möchte Sie einladen, sich anzusehen, wie sich »Hartz IV« auf meine Haushaltskasse auswirkt. Wenn Sie Arbeitslosenhilfe- oder Sozialhilfeempfänger sind, werden Sie sehen, mit wieviel weniger Sie ab 2005 tatsächlich auskommen sollen, und wenn Sie arbeiten, werden Sie sehen, was Sie wirklich erwartet, wenn Sie langzeitarbeitslos werden und Ihre Wertgegenstände versetzt und Ihre Ersparnisse bis zur Freibetragsgrenze aufgebraucht haben...
http://www.jungewelt.de/2004/10-02/004.php

Du hattest mal in irgend´nem Thread geschrieben, Deutschland wäre das korupteste Land der Welt
lesen "genosse", lesen...
ich habe das lediglich zur diskussion da reingestellt, die tatsächliche aussage ist von dem Wirtschaftskriminalisten und Publizisten Uwe Dolata.

@Rupert

Wie semball bereits erwähnte, hilft die neue Arbeitslosengeld-Regelung besonders sozial schwächeren Familien. Jeder, der protestiert, weil er ein Stück von seinem Kuchen abgeben soll, damit die Ärmeren in unserer Gesellschaft auch ein Stückchen abbekommen, gleichzeitig aber über soziale Ungerechtigkeit schimpft, ist für mich schlichtweg unglaubwürdig.
genau das gegenteil ist der fall. bist du nicht in der lage dich umfassend zu informieren?

aber dir gehts ja wohl eher darum, selbstgefällig deine neoliberalen statements hier loszuwerden.

es wird immer so gerne auf das ausland verwiesen, aber wie sich die lebensumstände dort für die menschen verschlechtert haben, das verschweigt man.
gerade in england, das immer als vorbildhaft hingestellt wird, wurde massiv privatisiert (mit den nach sich ziehenden, entsprechend steigenden preisen), die löhne wurden gekürzt und das gewerkschaftswesen nahezu zerstört.
jugendliche haben, ausser in einfachen dienstleistungsjobs, keine aussichten. england hat die längsten arbeitszeiten europas. miese löhne, die kaum jemand auf einen grünen zweig kommen lassen und schlimme arbeitsbedingungen sind die regel.

die kluft zwischen arm und reich hat sich auch in großbritannien verbreitert.
die reichsten zehn prozent der bevölkerung verfügen heute über den größten anteil am nationaleinkommen seit 1988, dem höhepunkt der Thatcher-regierung.

und genau das wird einem als nachahmenswert verkauft.
immer am unteren rand orientieren, gelle?
 

forcemagick

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samhain schrieb:
ein paar rechenbeispiele (aber ich weiß, mit dem rechnen habt ihrs ja nicht so, wenn man sich alleine clements aussage, man könnte mit dem 1,-€ zuverdienst auf 1000,-€ kommen, ansieht).
also samhain das ist ja ganz üble polemik ;) natürlich geht das ... wenn der arbeitslose 30 tage jeweils 24 stunden arbeitet kann er es auf stolze 720 flocken bringen.. na wenn das mal nichts ist ;)

die leute sind nur nicht bereit ein bisschen initiative zu zeigen und zu arbeiten... ;) dass du das nicht endlich mal einsehen willst ;)

du störrischer du ;)
 

forcemagick

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Rupert schrieb:
Wie semball bereits erwähnte, hilft die neue Arbeitslosengeld-Regelung besonders sozial schwächeren Familien. Jeder, der protestiert, weil er ein Stück von seinem Kuchen abgeben soll, damit die Ärmeren in unserer Gesellschaft auch ein Stückchen abbekommen, gleichzeitig aber über soziale Ungerechtigkeit schimpft, ist für mich schlichtweg unglaubwürdig. Jeder, der Lohndumping fürchtet, aber noch nicht gesehen hat, dass es bereits ganz in unserer Nähe ist - Spargelstecher aus Polen, Weintraubenpflücker aus Tschechien; die kommen jedes Jahr in die Region, sogar Professoren und Akademiker -, sollte die rosa Seifenblase, in die er über die Jahre geschlüpft ist, geschickt und schnell platzen lassen. Wer keinen Arbeitsplatz findet, der will keinen finden. Die von mir erwähnten polnischen und tschechischen Erntehelfer müssten nicht jedes Jahr kommen und uns tüchtigen Deutschen die Arbeit wegnehmen, wenn wir uns als Arbeitslose dazu erbarmten, selbst aufs Feld zu gehen, wenn auch für weniger Geld.
da komm ich mir ja doch immer wieder vor wie auf dem verkehrten schiff ;)

die reichen müssen ja nicht wirklich mit einschnitten leben... für besserverdiener gibt es ja sogar steuererleichterungen ;) wie schön.. schimpft sich steuerreform... davon profitiert der bürger ja ach so sehr... naja wenn man halt was hat ;)

klar gibt es die spatenstecher aus polen und die weintraubenpflücker aus tschechien... bei denen ist der verdammte euro ja auch noch ein bisschen was wert ;) .. dummerweise haben wir hier mietkosten zwischen 450 und 700 euro als normal anzusehen und da komm ich halt nicht weit wenn ich für nen euro oder lass es fünf sein in der stunde arbeite..

wen wunderts wenn die leute da dann nicht so wahnsinnig begeisterungsfähig sind ;)

löhne müssen sinn machen was wir nicht brauchen ist eine sklavenkaste im land, die billigste jobs ausführt ( erntehelfer... na bitte wie oft im jahr kann man denn erntehelfer machen? kann man davon dann genug zur seite legen, dass es für den rest des jahres auch noch langt? das erinnert mich an meine oma, die mir vor 20 jahren noch ein zehn-pfennig-stück in die hand legte mit den leicht trotteligen worten "gibs nicht auf einmal aus" :lol: )

wer keinen arbeitsplatz findet will keinen finden? darf ich deine adresse an 9 millionen bürger weitergeben, damit sie bei dir mal anklopfen um sich von dir haarklein erklären zu lassen wie sie sich richtig bemühen um einen job zu finden ;) ... da hättest du glaub ich ganz schön zu tun ;) ...
ich meine klar wer arbeiten möchte der kann das tun... man kann z.b. kostenlos irgendwelche arbeiten machen... aber es geht halt dummerweise um bezahlung...

jobs müssen vergütet werden...
 

Rupert

Meister
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samhain schrieb:
genau das gegenteil ist der fall. bist du nicht in der lage dich umfassend zu informieren?
Gut unterstellt ist besser als objektiv beurteilt, wie?


aber dir gehts ja wohl eher darum, selbstgefällig deine neoliberalen statements hier loszuwerden.
Definiere bitte neoliberal - oder informiere dich umfassend über den Begriff, bevor du ihn verwendest -, vergleiche ihn nochmals mit meinen Aussagen und sag mir dann, ob du immer noch der Meinung bist, dass ich ein selbstgefälliger Statement-Abgeber bin.


es wird immer so gerne auf das ausland verwiesen, aber wie sich die lebensumstände dort für die menschen verschlechtert haben, das verschweigt man.
gerade in england, das immer als vorbildhaft hingestellt wird, wurde massiv privatisiert (mit den nach sich ziehenden, entsprechend steigenden preisen), die löhne wurden gekürzt und das gewerkschaftswesen nahezu zerstört.
Wo liegt also dein Problem? Habe ich irgendwo behauptet, dass wir uns an England orientieren sollen? Nein, ich habe gesagt, dass wir doch mal über unseren Tellerrand hinausschauen sollten, England nimmst du mir als Beispiel vorweg, sehr lobenswert. Im Vergleich zu anderen Nationen leben wir nämlich noch so gut wie im Schlaraffenland, was unser Sozialsystem angeht.
-> Miete und das Lebensnotwendigste werden bezahlt
-> Es gibt einen Freibetrag, den man ansparen kann und nicht aufbrauchen muss
-> Es besteht die Möglichkeit, zusätzlich etwas hinzuzuverdienen, das machen die 1 Euro-Jobs möglich; so wurde einer weiteren Expansion der Schwarzarbeit vorgebeugt
-> Der Staat stellt umfassende Möglichkeiten zur Information zur Verfügung, damit im Nachhinein keiner sagen braucht, er habe es nicht verstanden. Wer Probleme mit dem Ausfüllen hat, kann das örtliche Arbeitsamt konsultieren und bekommt Hilfe.


jugendliche haben, ausser in einfachen dienstleistungsjobs, keine aussichten. england hat die längsten arbeitszeiten europas. miese löhne, die kaum jemand auf einen grünen zweig kommen lassen und schlimme arbeitsbedingungen sind die regel.
Dabei wäre ganz relevant zu wissen:
a) Welche Ausbildung die genannten Jugendlichen haben
b) Ob du jemals schon von der Dienstleistungsgesellschaft gehört hast und
c) Die Quelle, die dir das gerauscht hat
Hierzulande kann man, wenn ich richtig informiert bin, studieren, woraufhin sich doch die ein oder andere Chance bietet, nicht als Verkäufer beim Lidl zu versauern. Dass man mit Hauptschulabschluss nicht mehr weit kommt, sollte wohl landläufig bekannt sein; das aber auf alle Jugendlichen zu beziehen, ist schlicht und ergreifend Panikmache.

Die "miesen Löhne", von denen du sprichst, sind aber nicht nur in England bemerkbar. Ich würde sagen, seit den 80ern existiert ein Trend, die Löhne niedriger und die Produkte teurer werden zu lassen (jaja, die 80er ... da gab's solche Reformbrut wie Schröder noch nicht, was?). Das als Folge der Reformen in England zu sehen, zeugt von, nun ja, einem gewissen Mangel an anderen Kausalitätenketten. Schau dir doch die Preisentwicklung hier an - Löhne sind immer nur dann mies, wenn die Preise zu hoch sind. Siehst du das nicht auch als internationales - oder zumindest westliches - Phänomen oder schiebst du es tatsächlich auf die Thatcher-Reformen?


die kluft zwischen arm und reich hat sich auch in großbritannien verbreitert.
die reichsten zehn prozent der bevölkerung verfügen heute über den größten anteil am nationaleinkommen seit 1988, dem höhepunkt der Thatcher-regierung.
Du liebe Güte, die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich in GB verbreitert. Siehe oben, das ist nicht auf bösartige Reformvorgänge zurückzuführen, sondern auf die Mentalität der Konzerne, die sich verändert hat. Als sie noch am Anfang standen, das Geld brauchten, der Chef noch nicht im Glasfensterkomplex in New York sitzen konnte - da berechnete man Löhne und Preise fair. Heutzutage haben einige Herren wohl die Bodenhaftung verloren. Aber bevor ich hier der Schönmalerei (ja, damals ...) beschuldigt werde ...
Und dass die Reichen immer reicher werden, das ist auch ein logischer Vorgang. Schließlich vermehrt sich Kapital immer besser, je größer es wird. Ein angespannter Arbeitsmarkt im Westen tut sein Übriges. Wenn das Volk kein Geld mehr hat, wo soll es denn bleiben?


und genau das wird einem als nachahmenswert verkauft.
Dingeling, da hat wohl jemand meinen Post (absichtlich?) falsch interpretiert.


immer am unteren rand orientieren, gelle?
Es ist auf jeden Fall gut zu wissen, was man hat. Wer von sozialem Kahlschlag spricht, sollte wissen, wie sehr woanders schon gerodet wurde.


Nun wollte ich noch ein paar Wörtchen zu deinem Walter-Spilka-aus-Erfurt-Text verlieren.

Zunächst wäre es von großem Nutzen, wenn man erführen, was der werte Herr Spilka von Beruf ist. Schließlich schreibt er:

Spilkas Walter schrieb:
Nach heutigem Sozialrecht kann SoziaIhilfeempfängern, die mit ihrem Geld notorisch nicht auskommen oder zumutbare Arbeit nicht aufnehmen, die laufende Hilfe zum Lebensunterhalt von derzeit 282 Euro pro Monat (Thüringen) für längstens drei Monate auf etwa zwei Drittel gekürzt werden
Damit sagt er doch indirekt, dass er Gefahr läuft, seine Gelder gekürzt zu bekommen, weil er zumutbare Arbeit nicht annimmt. Nun müsste man wissen, was für Herrn S. aus E. so unzumutbar ist. Aber der Vollständigkeit halber wurde das weggelassen. Schön.


Allerdings werden wir laut dem Rundschreiben des Sozialamts ab 2005 keinen Anspruch mehr haben auf eine verbilligte, im Haushalt übertragbare Monatskarte zur Benutzung der Erfurter Verkehrsbetriebe; nicht nur die bisher vom Sozialamt getragene Hälfte von monatlich 16,25 Euro ist ab 1.1.05 von uns selbst zu tragen, sondern die Karte verteuert sich auch von 32,50 Euro auf 39 Euro.
Zwei Gesichtspunkte wären hierbei zu berücksichtigen:
a) Die Tatsache, dass die Erfurter Verkehrsbetriebe ihre Preise erhöhen, konnte vom Sozialamt nicht vorhergesehen werden. Daher ist diese Verteuerung nicht direkt auf die Hartz IV-Reform zurückzuführen. Würde man nach diesem Strickmuster vorgehen, könnte man jede Verteuerung auf die Reform schieben.
b) Warum benötigt Familie Spilka eine Karte zur Benutzung der Verkehrsbetriebe, wenn doch die Tochter des Hauses ein Fahrrad finanziert bekommen hat? Da ich davon ausgehe, dass Herr Spilka selbst auch eines besitzt (wenn ihr kritisieren wollt, überlegt bitte, ob ihr jemanden kennt, der keines besitzt), frage ich mich ernsthaft, wofür ein Fahrrad benötigt wird, wenn man gleichzeitig eine Dauerkarte für die Erfurter Verkehrsbetriebe braucht.
Ergo: 273 Euro mehr in der Monatsrechnung


Allerdings werden wir laut dem Rundschreiben des Sozialamts ab 2005 keinen Anspruch mehr haben auf Weihnachtsgeld in Höhe von 124 Euro (62 Euro für meine Tochter und 62 Euro für mich).
Sozial gerecht. Wenn Beschäftige auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten müssen, warum sollten dann Sozialhilfeempfänger, die nicht in die Gemeinschatfskasse einbezahlen, ein solches erhalten?
Ergo: 124 Euro mehr in der Monatsrechnung


Wir haben entsprechend über 17 Monate verteilt 609 Euro an einmaligen Beihilfen erhalten; knapp 430 Euro aufs Jahr gerechnet und knapp 36 Euro pro Monat.
So so, und diese einmaligen Ansprüche kann man als jedes Jahr wiederkehrende Kosten in seinen Finanzplan einbringen. Schauen wir sie uns genauer an:
"Beihilfe zur Anschaffung von Ersatz meiner Matratze" - Gut, die Matratze wird also nicht mehr so schnell kaputt gehen
"Anschaffung von Ersatz meines Waschmaschinenanschlußschlauchs" - Die Waschmaschine funktioniert auch wieder
"Anschaffung von Ersatz meines Kühlschranks" - Der Kühlschrank auch; so langsam haben wir die ganze Inneneinrichtung durch
"Beihilfe zur Anschaffung eines Fahrrads" - Geschenke vom Sozialamt; will ich auch
"Anschaffung eines Fernsehgeräts" - Urplötzlich braucht Herr Spilka ein Fernsehgerät
"neuen Staubsauger kaufen im Wert von 29 Euro" - Was man so alles an Neuem übers Jahr braucht
"Reparatur meines Küchenherds" - Was bleibt noch übrig, was man reparieren könnte? Achja:
"Reparatur des Fahrrads meiner Tochter" - Geht ja heutzutage alles schnell in die Brüche

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, Herr Spilka hat sich noch schnell alles reparieren und erneuern lassen, was man dank der Ansprüche machen lassen kann, und behauptet dreisterweise, dies sei jedes Jahr notwendig.
Ergo: 394 Euro mehr in der Jahresrechnung (die Trauerfeier ist natürlich berechtigt, da so was stets unvorhergesehen passieren kann)


Daraufhin startet Herr Spilka den Versuch, den steten Lochfraß seiner Geldbörse zu stoppen:

"Das Mittagessen in der Schule, das pro Schultag 1,55 Euro kostet, entsprechend pro Jahr (etwa 200 Schultage) etwa 310 Euro und somit knapp 26 Euro pro Monat, reduziert natürlich die Haushaltskosten"

Prima, denkt man sich, doch dahinter steckt nichts weiter als die Behauptung, die Portionen seien zu klein für seine Tochter. Das ist nun eine Behauptung und ich behaupte, die Schule wird die Portionen gerecht bemessen, da ein voller Magen auch guten Leistungen zuspricht.
Ergo: 156 Euro mehr in der Monatsrechnung


Rechnet man die Dinge dazu, die meiner Meinung nach unnötigerweise aufgeführt wurden, kommt man zu folgendem Ergebnis:

-1232+947 = -285
Auf den Monat gerechnet hat Herr Spilger also knapp 24 Euro weniger. Was er nicht angibt, ist etwa der Konsum von Genussmitteln, die Höhe des Taschengeldes usw.. Zieht man diese Überlegung hinzu, schrumpft das Minus ins Kleinkarierte oder gar ins Positive. Die Situation ist also weit nicht so dramatisch, wie in der "Jungen Welt" dargestellt.


@forcemagick:

Neben der Vergütung der Position als Erntehelfer bekommst du ja auch noch dein AGII. Natürlich ist das keine Arbeit fürs ganze Jahr, aber für eine gewisse Zeit im Jahr schaffst du dir so ein kleines Zusatzeinkommen.

Dass die Mietpreise hierzulande relativ hoch sind, das ist mir bekannt. Aber je kleiner die Einkommen werden, umso geringer müssen - empirisch gesehen - auch die Mieten werden, denn ein Vermieter würde nichts mehr verdienen, wenn sich - salopp gesagt - keine Sau mehr ein Zimmer leisten könnte.

Die Botschaft, die deine Großmutter dir mit dem Pfennigstück vermitteln wollte, lautete, denke ich, dass du mit deinem Geld sparsam umgehen sollst. "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert", so ging der Spruch doch, oder? Vor 20 Jahren konnte man sich damit auch noch eine Kleinigkeiten kaufen ... heute ... wohl kaum mehr.

Sieh es von der positiven Seite. Jetzt, wo man auch wieder aufs Feld muss und echte Arbeit kennen lernt, wird einem erst richtig bewusst, wie gut es uns eigentlich noch geht. Dieses Wissen kann den Lebensabend sicherlich angenehmer gestalten; denn man vermisst etwas Gutes erst dann, wenn man es nicht mehr hat ... und man weiß es umso mehr zu schätzen, wenn es wieder zurückkommt. Klingt vielleicht nach rosa Wolke, aber nach einem so langen Beitrag sah ich es als passendes Schlusswort. ;)
 

forcemagick

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Rupert schrieb:
@forcemagick:

Neben der Vergütung der Position als Erntehelfer bekommst du ja auch noch dein AGII. Natürlich ist das keine Arbeit fürs ganze Jahr, aber für eine gewisse Zeit im Jahr schaffst du dir so ein kleines Zusatzeinkommen.

Dass die Mietpreise hierzulande relativ hoch sind, das ist mir bekannt. Aber je kleiner die Einkommen werden, umso geringer müssen - empirisch gesehen - auch die Mieten werden, denn ein Vermieter würde nichts mehr verdienen, wenn sich - salopp gesagt - keine Sau mehr ein Zimmer leisten könnte.

Die Botschaft, die deine Großmutter dir mit dem Pfennigstück vermitteln wollte, lautete, denke ich, dass du mit deinem Geld sparsam umgehen sollst. "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert", so ging der Spruch doch, oder? Vor 20 Jahren konnte man sich damit auch noch eine Kleinigkeiten kaufen ... heute ... wohl kaum mehr.

Sieh es von der positiven Seite. Jetzt, wo man auch wieder aufs Feld muss und echte Arbeit kennen lernt, wird einem erst richtig bewusst, wie gut es uns eigentlich noch geht. Dieses Wissen kann den Lebensabend sicherlich angenehmer gestalten; denn man vermisst etwas Gutes erst dann, wenn man es nicht mehr hat ... und man weiß es umso mehr zu schätzen, wenn es wieder zurückkommt. Klingt vielleicht nach rosa Wolke, aber nach einem so langen Beitrag sah ich es als passendes Schlusswort. ;)
naja meine großmutter meinte es wohl etwas anders ;) sie war in der tat schon etwas gaga damals ;) ...
und für 10 pfennig hat man nen kaugummi aus dem automaten bekommen... das wars dann aber auch schon ;)

aber anyway...

der punkt ist doch dass es in meinen augen absolut nicht wünschenswert ist solche arbeitsmaßnahmen noch zu begünstigen...

man zahlt den leuten algII und zwingt sie dann ( weil das ja nicht viel ist ) auch noch für einen minimalen zugewinn jobs anzunehmen, die nicht wirklich was bringen...
dafür kann sich aber wer auch immer wirkliche arbeitskräfte sparen... es müssen keine straßenreiniger tariflich eingestellt und bezahlt werden wenn ich das doch auch von arbeitsamtskräften machen lassen kann..

damit werden doch letztlich jobs vernichtet....

es läuft doch hier offensichtlich was fürchterlich schief und es kann doch nicht die lösung sein wenn man jetzt billige arbeitskräfte rekrutiert ...

ausgedehnt auf die wirtschaft nimmt das doch bizarre formen an... stell dir vor man kann demnächst auch als automobilhersteller günstigste hilfkräfte für einen euro die stunde haben.. warum sollte dann noch ein hilfsarbeiter zu einem einigermaßen fairen lohn eingestellt werden?

ich möchte bezweifeln, dass es den lebensabend versüßt wenn man rückblickend sagen kann "ich habe für nen euro die stunde auf dem feld geschuftet, mir schwielen geholt mir mein kreuz ruiniert und alles was ich dafür bekommen habe war dieses dumm t-shirt" ;) ..
klar das ist ironisch...

dass sich die kluft zwischen arm und reich verbreitert ist resultat der industrie, aber dies reformen begünstigen das ja auch noch... das problem ist doch auch dass man das geld nicht von den reichen nimmt sondern eben von den ärmeren fordert, dass sie einschnitte hinnehmen...
 

samhain

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@Rupert

Die "miesen Löhne", von denen du sprichst, sind aber nicht nur in England bemerkbar. Ich würde sagen, seit den 80ern existiert ein Trend, die Löhne niedriger und die Produkte teurer werden zu lassen (jaja, die 80er ... da gab's solche Reformbrut wie Schröder noch nicht, was?). Das als Folge der Reformen in England zu sehen, zeugt von, nun ja, einem gewissen Mangel an anderen Kausalitätenketten. Schau dir doch die Preisentwicklung hier an - Löhne sind immer nur dann mies, wenn die Preise zu hoch sind. Siehst du das nicht auch als internationales - oder zumindest westliches - Phänomen oder schiebst du es tatsächlich auf die Thatcher-Reformen?
eins greift ins andere, die sog. "reformen" in großbritannien und die zugeständnisse der politik an die wirtschaft sind nicht zu trennen.

...Die Ursache für die starke Zunahme der Armut auf den britischen Inseln liegt zu einem beträchtlichen Anteil in der Wirtschafts-, Steuer- und Sozialpolitik der Regierungen der 1970er und 80er Jahre.
In den 80er Jahren befand sich Grossbritannien in einer wirtschaftlichen Rezession; die Investitionsraten der Industrie und Wirtschaft verringerten sich und das Risiko der arbeitenden Bevölkerung, arbeitslos zu werden, stieg merklich an. Die Regierung unter Premierministerin Margaret Thatcher begegnete dieser Entwicklung mit einer Wirtschaftspolitik, die später als Thatcherismus in die Geschichte Einzug hielt.
Die Theorie war, "daß Steuersenkungen für Einzelpersonen und Unternehmen hohe Wachstumsraten hervorbringen würden, von denen letztlich auch die Armen profitieren würden," (Giddens 1995, S. 256). Die Einkommens- und Reichtumsverteilung wurde den Mechanismen des Marktes überlassen, doch der erhoffte Erfolg trat nicht ein. Die wirtschaftliche Entwicklung liess sich nicht stimulieren.
Jonathan Bradshaw zufolge waren die Lohnunterschiede in Grossbritannien 1990 aufgrund dieser Entwicklung höher als zu jedem anderen Zeitpunkt innerhalb dieses Jahrhunderts (vgl. Bradshaw 1998, S. 334).
Gleichzeitig fand eine Verschiebung von Vollzeit- zu Teilzeitbeschäftigung statt...
Du liebe Güte, die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich in GB verbreitert. Siehe oben, das ist nicht auf bösartige Reformvorgänge zurückzuführen, sondern auf die Mentalität der Konzerne, die sich verändert hat.
das ist sehr wohl auf die reformvorgänge zurückzuführen, die, genau wie auch jetzt hier, nach dem motto "gib es der wirtschaft und hols dir von denen, die es eh schon nicht üppig haben, wieder", gestrickt sind.
wer leistet denn der mentalität der konzerne vorschub, wer öffnet ihnen tür und tor, wenn nicht die politik?

...Die sozialpolitischen Neuregelungen ab 1980, wie der Wegfall bestimmter Unterstützungen für Langzeitarbeitslose und Studenten oder der Stopp des Wohnungsbauprogrammes und der Wohnungsbauhilfe sowie der Abbau unterschiedlicher, zuvor staatlich finanzierter Dienstleistungen führte zu einer raschen Zunahme der Armutsbetroffenen, einem starken Anstieg der Realmieten, die auch bisher von Armut verschonte Schichten in ihren Bann zog und zu einem desolaten Zustand der Gesundheit breiter Schichten der Bevölkerung Grossbritanniens der Wegbereiter war...
http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/soe/4734.html

von sinkenden mietpreisen ist da nicht die rede- speziell in london sind die preise explodiert.
wer sich das nicht leisten kann, der muss eben auf eines der schmuddligen "estates" ausweichen, die wahre ghettoqualität haben, auf wohnungen/häuser, in denen aufgrund der schlechten qualität eigentlich keiner wohnen will (sollte) oder landet gleich auf der straße.

Dass die Mietpreise hierzulande relativ hoch sind, das ist mir bekannt. Aber je kleiner die Einkommen werden, umso geringer müssen - empirisch gesehen - auch die Mieten werden, denn ein Vermieter würde nichts mehr verdienen, wenn sich - salopp gesagt - keine Sau mehr ein Zimmer leisten könnte.

Im Vergleich zu anderen Nationen leben wir nämlich noch so gut wie im Schlaraffenland, was unser Sozialsystem angeht.
von schlaraffenland würde ich nicht reden, die zunehmende zahl von kindern und erwachsenen (was sich in zukunft noch verschärfen wird), die in die suppenküchen strömen (sind wohl zu faul zum kochen), die ebenfalls zunehmende zahl von kindern, die auf staatliche unterstützung angewiesen sind,die zunehmende zahl von obdachlosen, spricht wohl eine andere sprache.

Es besteht die Möglichkeit, zusätzlich etwas hinzuzuverdienen, das machen die 1 Euro-Jobs möglich...
und wenn von dem "zuverdienst" nichts übrig bleibt, weil man alles selber bezahlen muss?

"Ein-Euro-Job" kann teuer werden

Empfänger von Arbeitslosengeld II müssen alle Kosten selbst bezahlen, die ihnen durch ihren "Ein-Euro-Job" entstehen. "Zum Beispiel müssen sich die Menschen davon ein Monatsticket für öffentliche Verkehrsmittel kaufen, damit sie ihre Arbeitsstelle erreichen", sagte eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit.

Ein-Euro-Jobs wenig attraktiv
Ein Pressesprecher des Bundeswirtschaftsministeriums bestätigte auf Anfrage von MDR.DE, dass Erwerbslose auch für ihre Arbeitskleidung aufkommen müssten. Die Betroffenen sollten mit den ein bis zwei Euro pro Stunde nur für ihren Arbeitseinsatz entschädigt werden.

Mitarbeiter regionaler Arbeitsagenturen schließen nicht aus, dass das verdiente Geld komplett wieder für den Job verbraucht werden muss. ALG-II-Empfänger hätten dann trotz "Ein-Euro-Job" nicht mehr Geld in der Tasche, als wenn sie nicht arbeiten würden. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte zu den momentan diskutierten "Ein-Euro-Jobs" gesagt, diese seien als Beitrag gedacht, "erst einmal eine Not zu lindern."
quelle: mdr.de

Ob du jemals schon von der Dienstleistungsgesellschaft gehört hast
uhh ja, wie konnte ich die vergessen...
die dienstleistungsgesellschaft, der silberstreif am horizont- die wirds richten.

nur wer diese ganzen dienstleistungen in zukunft noch in anspruch nehmen soll bei immer weniger geld in der tasche...

kennst du leute die in diesem bereich (selbstständig) arbeiten?
ich ja, und immer wieder kriege ich zu hören, das die leute immer zurückhaltender werden, was die inanspruchnahme von dienstleistungen angeht.

am beispiel der call center, kann man schon mal einen vorgeschmack auf diese dienstleistungsgesellschaft kriegen.
der nachfolgende artikel ist von 2000 und die neueste entwicklung ist, das man in diesem bereich auch "outsourct"- callcenter in billiglohnländern machens noch günstiger.

Call Center und die Schattenseiten der Dienstleistungsgesellschaft
http://userpage.fu-berlin.de/~hagen66/akartikel.htm
 

forcemagick

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was die callcentrerpest angeht... die sind ja fast schon das gegenteil von dienstleistung...

inzwischen wird ja support immer mehr von irgendwelchen freien callcentern übernommen, deren dienstleistung firmen gemietet haben... ruft man dort an passiert immer wieder das gleiche... anruf, ärger mit dem nervigen vorselektierendem computer, inkompetenter callcenter mitarbeiter ( woher soll der das jetzt auch wissen ) und schließlich hat man als anrufender kunde ein nerviges und nichtssagendes abwieglungsgespräch geführt....

auf der anderen seite werden callcenter immer wieder für nervende werbemaßnahmen eingesetzt ( irgendwelche leute rufen einen halt an und versuchen einem irgendeinen käse aufzuschwatzen... im extremfall wird sogar versucht zu betrügen... "drücken sie zur bestätigung die eins." was dann schon mal 60 euro kosten kann.)
 

bstaron

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Rupert schrieb:
Bisher haben Arbeitslosengeld und Sozialhilfe geholfen, den Lebensstandard zu halten. Lasst euch das wenigstens einmal auf der Zunge zergehen. Den-Lebensstandard-zu-halten. Nennt mir bitte ein Land auf der großen, weiten Welt, dessen Sozialsystem (falls vorhanden) dazu dient, den Lebensstandard der Empfänger zu halten. Ihr findet keines? Schade. Dann brauche ich mir wohl das Stellen der Aufgabe, ein Land zu finden, dessen Sozialsystem auch vor dem Hintergrund von riesigen Nettozahlungen an die EU, von Entwicklungshilfezahlungen in Milliardenhöhe und von innenpolitischen Subventionsbergen funktioniert, sparen.
Das ist aber ein Widerspruch in sich. Warum werden dann nicht dort Gelder eingespart, Gelder an EU, Entschuldung auf unsere Kosten und andere Geschenke? Warum spart man an den Schwächsten? Ganz einfach. Die wehren sich nicht.
 
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