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Hartz 4 der Zweite

Dieses Thema im Forum "Politik, Sozialkritik, Zeitgeschehen & Geschichte" wurde erstellt von nicolecarina, 16. Oktober 2004.

Status des Themas:
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  1. nicolecarina

    nicolecarina Erleuchteter

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    Weil der ursprüngliche Hartz4-Thread so lang geworden ist, dass sich wohl kein Mensch mehr die Mühe macht, alle Seiten durchzulesen -
    tätä hier der neue und quasi die Fortsetzung mit neuesten Erkenntnissen zur Un-Reform des Jahres.

    http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/18573/1.html

    Ergebnisse des mehr oder weniger freiwilligen Selbsterfahrungsbericht der Journalisten
     
  2. samhain

    samhain Ehrenmitglied

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    @nic

    ja, habe ich schon gelesen.
    für diese journalisten ist das bisher nur ein feldversuch, für millionen andere ab nächstes jahr bittere realität.

    sarkastischer ausblick in die zukunft:

    http://www.heise.de/tp/deutsch/kunst/lit/18549/1.html

    :lol: :lol: :lol:
     
  3. Don

    Don Ehrenmitglied

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    Moin,

    ich habe mal den alten Thread als "wichtig" abgelegt; so dass ihr immer wieder auf den verweisen könnt.

    mfg Don
     
  4. forcemagick

    forcemagick Forenlegende

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    thx don ;)
     
  5. the_wellknown_unknown

    the_wellknown_unknown Anwärter

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    Ich kann noch ergänzend anfügen, wieviel Druck von der Agentur für Arbeit für den Rücklauf der AlgII-Bögen ausgeübt wird:
    Einer Bekannten von mir wurde angedroht, wenn sie nicht innerhalb von 2 Wochen den Bogen einreicht, würde ihre Arbeitslosenhilfe für die Dauer von 2 Wochen gestrichen.

    Erwähnenswert ist auch noch, dass man unter einer 0180-Nummer Hilfe beim Ausfüllen erhalten kann. 0180 ist doch nicht gerade billig, oder irre ich mich da? :?
     
  6. forcemagick

    forcemagick Forenlegende

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    mehrwertnummer können mit tarifen belegt werden... die 0180 sind oft kostenlos oder einigermaßen günstig...

    wie das im einzelnen bei der agentur aussieht weiß ich nicht..
     
  7. the_wellknown_unknown

    the_wellknown_unknown Anwärter

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    Hab eben nachgesehen. Es ist eine 0180-1... 4,6 c/min. Also nicht die Welt. Gebührenfrei hätte ich besser gefunden.
     
  8. samhain

    samhain Ehrenmitglied

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    @the_wellknown_unknown

    für alle die es betrifft:
    die arbeitsämter gehen hier mit unlauteren mitteln vor. niemand darf dazu gezwungen werden vor ablauf der frist, und die ist am 1. werktag im neuen jahr, also dem 3.1.05, seinen antrag abzugeben!
    hier detaillierte infos

     
  9. the_wellknown_unknown

    the_wellknown_unknown Anwärter

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    Danke.
     
  10. semball

    semball Erleuchteter

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    Wer seinen Bogen nicht rechtzeitig abgibt (spätestens Anfang Dezember) kriegt halt im Januar kein Geld.
    Ist ja nun mal ein administrativer Aufwand; gerade wenn es sich um eine vollkommene Neuregelung handelt, können bei ALGII noch Komplikationen auftreten. Also sollten sich die Betroffenen im eigenen Interesse schnellstens zur Arbeitsagentur begeben und sich frühzeitig drum kümmern. Wer sich nicht rechtzeitig drum kümmert, muss es sich selber zuschreiben, wenn´s im Januar 2005 kein Geld gibt.

    Und bitte, 16 Seiten auszufüllen ist nicht zuviel verlangt, wenn man die Gemeinschaft um Hilfe ersucht. Soziahilfeempfänger kennen die Prozedur ja schon und sie ist auch notwendig, da es immer noch viel zu viel Missbrauch der Gemeinschaftshilfe gibt.
    Nebenbei, es werden ja vor allem Sozialhilfeempfänger von Hartz IV finanziell profitieren.

    Hoffe, NPD/PDS/DKP/DVU haben ihre Plakate (man konnte sie ja kaum voneinander unterscheiden) wieder abgehängt, tun das, was sie sonst noch tun (siehe Verfassungsschutzbericht, besonders der Teil über die Neo-SED ist besonders interessant) und stehen einer sachlichen Diskussion der Leute, die Deutschland wieder fit machen wollen, nicht mehr unnötig im Weg.

    @samhain:
    schön -na, sagen wir lieber 'passend'- das ich dich hier grad sehe. Du hattest mal in irgend´nem Thread geschrieben, Deutschland wäre das korupteste Land der Welt; jetzt habe ich aber in der ZEIT gerade über einen Standortbericht einer internationalen Wirtschaftsforschungskommision gelesen, das ein großer Standortvorteil Deutschlands gerade die niedrige Korruption sei. Soviel dazu.

    Und sonst noch:
    Ich hatte euch ja schon mal gebeten: Schaut mal ins Ausland. Viele Länder haben die Reformen, die wir gerade machen, hinter sich und sind gut damit gefahren. Über den Tellerrand blicken schadet nicht. Wäre jedenfalls sinnvoller als über Hitler-Schröder-Vergleiche zu lachen, besonders wenn sie von einem linksextremen Voll******* wie Jürgen Elsässer kommen.

    gruss semball
     
  11. indi-ffo

    indi-ffo Meister

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    du machst es richtig, immer schön ducken. macht den geringsten widerstand und bring am weitesten. aber nur bis es dich selbst erwischt.

    wie viele der Opel-Arbeiter, die heute vor der Entlassung stehen, dachten sie haben einen sicheren job weiß ich nicht, aber es war bestimmt die mehrzahl.
    solangsam kommt den bürgern in den "alten" Bundesländern wohl die erkenntnis, auch sie haben keinen Bestandschutz. das lächeln über die Idioten im Osten, vergeht ihnen langsam. die zeit der betriebspleiten, werksschließungen und verlagerung von arbeitsplätzen ins billige ausland ist noch nicht vorbei, sondern hat erst begonnen.
     
  12. Rupert

    Rupert Meister

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    Wenn ich mir einige Posts hier durchlese, dann bekomme ich den Eindruck, ihr schreibt Prosatexte für dramatische Theaterstücke.

    Da packt es ein Kanzler an, macht die unschönen Einschnitte, die vielleicht einige ihren jährlichen Italienurlaub kosten werden, und was passiert? Erschütterung. Endzeitstimmung in der am Rande der Anarchie stehenden Bananenrepublik Deutschland. Was wird am 1. Januar passieren? Wird die Welt mit dem Finger auf uns zeigen und sagen: "Jetzt seid ihr dran !" - Wohl kaum.

    Bisher haben Arbeitslosengeld und Sozialhilfe geholfen, den Lebensstandard zu halten. Lasst euch das wenigstens einmal auf der Zunge zergehen. Den-Lebensstandard-zu-halten. Nennt mir bitte ein Land auf der großen, weiten Welt, dessen Sozialsystem (falls vorhanden) dazu dient, den Lebensstandard der Empfänger zu halten. Ihr findet keines? Schade. Dann brauche ich mir wohl das Stellen der Aufgabe, ein Land zu finden, dessen Sozialsystem auch vor dem Hintergrund von riesigen Nettozahlungen an die EU, von Entwicklungshilfezahlungen in Milliardenhöhe und von innenpolitischen Subventionsbergen funktioniert, sparen.

    Das war alles bisher. Ab dem 1. Januar wird das Arbeitslosengeld II die lebensnotwendigen Bereiche abdecken. Wie, das reicht nicht für die teure Wohnung in zentraler Lage? Wo auf der Welt hat ein Arbeitsloser das Recht, vom Staat die Miete für eine teure Wohnung zu verlangen, die er sich vielleicht mit seinem vorherigen Job leisten konnte? Es existieren sicher auch preiswertere Wohnungen, die vielleicht nicht so günstig liegen, aber dennoch dem Lebensstandard angepasst sind. Krankenschwestern fahren täglich 100 Kilometer nach München und zurück, nur um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen; da werden die paar Kilometer mehr, die man im Übrigen auch mit dem Fahrrad zurücklegen könnte, doch kein Beinbruch sein.

    Wie semball bereits erwähnte, hilft die neue Arbeitslosengeld-Regelung besonders sozial schwächeren Familien. Jeder, der protestiert, weil er ein Stück von seinem Kuchen abgeben soll, damit die Ärmeren in unserer Gesellschaft auch ein Stückchen abbekommen, gleichzeitig aber über soziale Ungerechtigkeit schimpft, ist für mich schlichtweg unglaubwürdig. Jeder, der Lohndumping fürchtet, aber noch nicht gesehen hat, dass es bereits ganz in unserer Nähe ist - Spargelstecher aus Polen, Weintraubenpflücker aus Tschechien; die kommen jedes Jahr in die Region, sogar Professoren und Akademiker -, sollte die rosa Seifenblase, in die er über die Jahre geschlüpft ist, geschickt und schnell platzen lassen. Wer keinen Arbeitsplatz findet, der will keinen finden. Die von mir erwähnten polnischen und tschechischen Erntehelfer müssten nicht jedes Jahr kommen und uns tüchtigen Deutschen die Arbeit wegnehmen, wenn wir uns als Arbeitslose dazu erbarmten, selbst aufs Feld zu gehen, wenn auch für weniger Geld.

    Keiner muss wegen der Reformen verhungern. Arbeit findet sich überall. Stellt euch nur vor, wie schnell der Sumpf der Schwarzarbeit austrocknen würde, wenn hier die Bereitschaft, auch mit einem akademischen Abschluss simplere Arbeiten zu verrichten, wachsen würde. Zusätzlich eine Verschärfung der Strafen und schon wären viele Arbeitslose glücklich. Dass so ein Privatmann nicht sein ganzes Hab und Gut dafür geben möchte, nur damit sein Hof neu gepflastert wird, das kann, jedenfalls hoffe ich das, jeder nachvollziehen (oder würdet ihr in diesem Fall fürstlich entlohnen wollen, zumal ihr ja selbst schon sozial gerechter teilen müsst?).

    Das Hauptproblem liegt meiner Meinung nach im Lebensstandard, den wir uns über die Jahre einverleibt haben. Ein Gebrauchtwagen fährt genau so gut wie ein Neuer und Urlaub in der Heimat ist oft billiger und mit weniger Problemen verbunden als im Ausland. Probiert es aus, ihr werdet es merken.
     
  13. samhain

    samhain Ehrenmitglied

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    @semball

    stimmt aber nicht.
    wenn die frist nun mal bis ende bzw. anfang des jahres läuft, dann kann man denen, die innerhalb dieser frist ihren antrag abgeben, auch keinen strick daraus drehen.
    wie das die agentur mit ihren anträgen hinkriegt (wo noch nicht mal die software funktioniert :lol:) ist nicht das problem der arbeitslosen.

    :lol: ihr könnt euch ja gerne bei euren treffen unter "genossen" der schönfärberei hingeben, aber doch bitteschön nicht hier.

    ein paar rechenbeispiele (aber ich weiß, mit dem rechnen habt ihrs ja nicht so, wenn man sich alleine clements aussage, man könnte mit dem 1,-€ zuverdienst auf 1000,-€ kommen, ansieht).

    dazu folgendes, an den regelsätzen im westen u. osten orientiert:
    quelle:www.tacheles-sozialhilfe.de
    www.harald-thome.de

    hier rechnet ein betroffener, alleinerziehender vater mal nach:

    http://www.jungewelt.de/2004/10-02/004.php

    lesen "genosse", lesen...
    ich habe das lediglich zur diskussion da reingestellt, die tatsächliche aussage ist von dem Wirtschaftskriminalisten und Publizisten Uwe Dolata.

    @Rupert

    genau das gegenteil ist der fall. bist du nicht in der lage dich umfassend zu informieren?

    aber dir gehts ja wohl eher darum, selbstgefällig deine neoliberalen statements hier loszuwerden.

    es wird immer so gerne auf das ausland verwiesen, aber wie sich die lebensumstände dort für die menschen verschlechtert haben, das verschweigt man.
    gerade in england, das immer als vorbildhaft hingestellt wird, wurde massiv privatisiert (mit den nach sich ziehenden, entsprechend steigenden preisen), die löhne wurden gekürzt und das gewerkschaftswesen nahezu zerstört.
    jugendliche haben, ausser in einfachen dienstleistungsjobs, keine aussichten. england hat die längsten arbeitszeiten europas. miese löhne, die kaum jemand auf einen grünen zweig kommen lassen und schlimme arbeitsbedingungen sind die regel.

    die kluft zwischen arm und reich hat sich auch in großbritannien verbreitert.
    die reichsten zehn prozent der bevölkerung verfügen heute über den größten anteil am nationaleinkommen seit 1988, dem höhepunkt der Thatcher-regierung.

    und genau das wird einem als nachahmenswert verkauft.
    immer am unteren rand orientieren, gelle?
     
  14. forcemagick

    forcemagick Forenlegende

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    also samhain das ist ja ganz üble polemik ;) natürlich geht das ... wenn der arbeitslose 30 tage jeweils 24 stunden arbeitet kann er es auf stolze 720 flocken bringen.. na wenn das mal nichts ist ;)

    die leute sind nur nicht bereit ein bisschen initiative zu zeigen und zu arbeiten... ;) dass du das nicht endlich mal einsehen willst ;)

    du störrischer du ;)
     
  15. forcemagick

    forcemagick Forenlegende

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    da komm ich mir ja doch immer wieder vor wie auf dem verkehrten schiff ;)

    die reichen müssen ja nicht wirklich mit einschnitten leben... für besserverdiener gibt es ja sogar steuererleichterungen ;) wie schön.. schimpft sich steuerreform... davon profitiert der bürger ja ach so sehr... naja wenn man halt was hat ;)

    klar gibt es die spatenstecher aus polen und die weintraubenpflücker aus tschechien... bei denen ist der verdammte euro ja auch noch ein bisschen was wert ;) .. dummerweise haben wir hier mietkosten zwischen 450 und 700 euro als normal anzusehen und da komm ich halt nicht weit wenn ich für nen euro oder lass es fünf sein in der stunde arbeite..

    wen wunderts wenn die leute da dann nicht so wahnsinnig begeisterungsfähig sind ;)

    löhne müssen sinn machen was wir nicht brauchen ist eine sklavenkaste im land, die billigste jobs ausführt ( erntehelfer... na bitte wie oft im jahr kann man denn erntehelfer machen? kann man davon dann genug zur seite legen, dass es für den rest des jahres auch noch langt? das erinnert mich an meine oma, die mir vor 20 jahren noch ein zehn-pfennig-stück in die hand legte mit den leicht trotteligen worten "gibs nicht auf einmal aus" :lol: )

    wer keinen arbeitsplatz findet will keinen finden? darf ich deine adresse an 9 millionen bürger weitergeben, damit sie bei dir mal anklopfen um sich von dir haarklein erklären zu lassen wie sie sich richtig bemühen um einen job zu finden ;) ... da hättest du glaub ich ganz schön zu tun ;) ...
    ich meine klar wer arbeiten möchte der kann das tun... man kann z.b. kostenlos irgendwelche arbeiten machen... aber es geht halt dummerweise um bezahlung...

    jobs müssen vergütet werden...
     
  16. Rupert

    Rupert Meister

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    Gut unterstellt ist besser als objektiv beurteilt, wie?


    Definiere bitte neoliberal - oder informiere dich umfassend über den Begriff, bevor du ihn verwendest -, vergleiche ihn nochmals mit meinen Aussagen und sag mir dann, ob du immer noch der Meinung bist, dass ich ein selbstgefälliger Statement-Abgeber bin.


    Wo liegt also dein Problem? Habe ich irgendwo behauptet, dass wir uns an England orientieren sollen? Nein, ich habe gesagt, dass wir doch mal über unseren Tellerrand hinausschauen sollten, England nimmst du mir als Beispiel vorweg, sehr lobenswert. Im Vergleich zu anderen Nationen leben wir nämlich noch so gut wie im Schlaraffenland, was unser Sozialsystem angeht.
    -> Miete und das Lebensnotwendigste werden bezahlt
    -> Es gibt einen Freibetrag, den man ansparen kann und nicht aufbrauchen muss
    -> Es besteht die Möglichkeit, zusätzlich etwas hinzuzuverdienen, das machen die 1 Euro-Jobs möglich; so wurde einer weiteren Expansion der Schwarzarbeit vorgebeugt
    -> Der Staat stellt umfassende Möglichkeiten zur Information zur Verfügung, damit im Nachhinein keiner sagen braucht, er habe es nicht verstanden. Wer Probleme mit dem Ausfüllen hat, kann das örtliche Arbeitsamt konsultieren und bekommt Hilfe.


    Dabei wäre ganz relevant zu wissen:
    a) Welche Ausbildung die genannten Jugendlichen haben
    b) Ob du jemals schon von der Dienstleistungsgesellschaft gehört hast und
    c) Die Quelle, die dir das gerauscht hat
    Hierzulande kann man, wenn ich richtig informiert bin, studieren, woraufhin sich doch die ein oder andere Chance bietet, nicht als Verkäufer beim Lidl zu versauern. Dass man mit Hauptschulabschluss nicht mehr weit kommt, sollte wohl landläufig bekannt sein; das aber auf alle Jugendlichen zu beziehen, ist schlicht und ergreifend Panikmache.

    Die "miesen Löhne", von denen du sprichst, sind aber nicht nur in England bemerkbar. Ich würde sagen, seit den 80ern existiert ein Trend, die Löhne niedriger und die Produkte teurer werden zu lassen (jaja, die 80er ... da gab's solche Reformbrut wie Schröder noch nicht, was?). Das als Folge der Reformen in England zu sehen, zeugt von, nun ja, einem gewissen Mangel an anderen Kausalitätenketten. Schau dir doch die Preisentwicklung hier an - Löhne sind immer nur dann mies, wenn die Preise zu hoch sind. Siehst du das nicht auch als internationales - oder zumindest westliches - Phänomen oder schiebst du es tatsächlich auf die Thatcher-Reformen?


    Du liebe Güte, die Kluft zwischen Arm und Reich hat sich in GB verbreitert. Siehe oben, das ist nicht auf bösartige Reformvorgänge zurückzuführen, sondern auf die Mentalität der Konzerne, die sich verändert hat. Als sie noch am Anfang standen, das Geld brauchten, der Chef noch nicht im Glasfensterkomplex in New York sitzen konnte - da berechnete man Löhne und Preise fair. Heutzutage haben einige Herren wohl die Bodenhaftung verloren. Aber bevor ich hier der Schönmalerei (ja, damals ...) beschuldigt werde ...
    Und dass die Reichen immer reicher werden, das ist auch ein logischer Vorgang. Schließlich vermehrt sich Kapital immer besser, je größer es wird. Ein angespannter Arbeitsmarkt im Westen tut sein Übriges. Wenn das Volk kein Geld mehr hat, wo soll es denn bleiben?


    Dingeling, da hat wohl jemand meinen Post (absichtlich?) falsch interpretiert.


    Es ist auf jeden Fall gut zu wissen, was man hat. Wer von sozialem Kahlschlag spricht, sollte wissen, wie sehr woanders schon gerodet wurde.


    Nun wollte ich noch ein paar Wörtchen zu deinem Walter-Spilka-aus-Erfurt-Text verlieren.

    Zunächst wäre es von großem Nutzen, wenn man erführen, was der werte Herr Spilka von Beruf ist. Schließlich schreibt er:

    Damit sagt er doch indirekt, dass er Gefahr läuft, seine Gelder gekürzt zu bekommen, weil er zumutbare Arbeit nicht annimmt. Nun müsste man wissen, was für Herrn S. aus E. so unzumutbar ist. Aber der Vollständigkeit halber wurde das weggelassen. Schön.


    Zwei Gesichtspunkte wären hierbei zu berücksichtigen:
    a) Die Tatsache, dass die Erfurter Verkehrsbetriebe ihre Preise erhöhen, konnte vom Sozialamt nicht vorhergesehen werden. Daher ist diese Verteuerung nicht direkt auf die Hartz IV-Reform zurückzuführen. Würde man nach diesem Strickmuster vorgehen, könnte man jede Verteuerung auf die Reform schieben.
    b) Warum benötigt Familie Spilka eine Karte zur Benutzung der Verkehrsbetriebe, wenn doch die Tochter des Hauses ein Fahrrad finanziert bekommen hat? Da ich davon ausgehe, dass Herr Spilka selbst auch eines besitzt (wenn ihr kritisieren wollt, überlegt bitte, ob ihr jemanden kennt, der keines besitzt), frage ich mich ernsthaft, wofür ein Fahrrad benötigt wird, wenn man gleichzeitig eine Dauerkarte für die Erfurter Verkehrsbetriebe braucht.
    Ergo: 273 Euro mehr in der Monatsrechnung


    Sozial gerecht. Wenn Beschäftige auf Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten müssen, warum sollten dann Sozialhilfeempfänger, die nicht in die Gemeinschatfskasse einbezahlen, ein solches erhalten?
    Ergo: 124 Euro mehr in der Monatsrechnung


    So so, und diese einmaligen Ansprüche kann man als jedes Jahr wiederkehrende Kosten in seinen Finanzplan einbringen. Schauen wir sie uns genauer an:
    "Beihilfe zur Anschaffung von Ersatz meiner Matratze" - Gut, die Matratze wird also nicht mehr so schnell kaputt gehen
    "Anschaffung von Ersatz meines Waschmaschinenanschlußschlauchs" - Die Waschmaschine funktioniert auch wieder
    "Anschaffung von Ersatz meines Kühlschranks" - Der Kühlschrank auch; so langsam haben wir die ganze Inneneinrichtung durch
    "Beihilfe zur Anschaffung eines Fahrrads" - Geschenke vom Sozialamt; will ich auch
    "Anschaffung eines Fernsehgeräts" - Urplötzlich braucht Herr Spilka ein Fernsehgerät
    "neuen Staubsauger kaufen im Wert von 29 Euro" - Was man so alles an Neuem übers Jahr braucht
    "Reparatur meines Küchenherds" - Was bleibt noch übrig, was man reparieren könnte? Achja:
    "Reparatur des Fahrrads meiner Tochter" - Geht ja heutzutage alles schnell in die Brüche

    Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, Herr Spilka hat sich noch schnell alles reparieren und erneuern lassen, was man dank der Ansprüche machen lassen kann, und behauptet dreisterweise, dies sei jedes Jahr notwendig.
    Ergo: 394 Euro mehr in der Jahresrechnung (die Trauerfeier ist natürlich berechtigt, da so was stets unvorhergesehen passieren kann)


    Daraufhin startet Herr Spilka den Versuch, den steten Lochfraß seiner Geldbörse zu stoppen:

    "Das Mittagessen in der Schule, das pro Schultag 1,55 Euro kostet, entsprechend pro Jahr (etwa 200 Schultage) etwa 310 Euro und somit knapp 26 Euro pro Monat, reduziert natürlich die Haushaltskosten"

    Prima, denkt man sich, doch dahinter steckt nichts weiter als die Behauptung, die Portionen seien zu klein für seine Tochter. Das ist nun eine Behauptung und ich behaupte, die Schule wird die Portionen gerecht bemessen, da ein voller Magen auch guten Leistungen zuspricht.
    Ergo: 156 Euro mehr in der Monatsrechnung


    Rechnet man die Dinge dazu, die meiner Meinung nach unnötigerweise aufgeführt wurden, kommt man zu folgendem Ergebnis:

    -1232+947 = -285
    Auf den Monat gerechnet hat Herr Spilger also knapp 24 Euro weniger. Was er nicht angibt, ist etwa der Konsum von Genussmitteln, die Höhe des Taschengeldes usw.. Zieht man diese Überlegung hinzu, schrumpft das Minus ins Kleinkarierte oder gar ins Positive. Die Situation ist also weit nicht so dramatisch, wie in der "Jungen Welt" dargestellt.


    @forcemagick:

    Neben der Vergütung der Position als Erntehelfer bekommst du ja auch noch dein AGII. Natürlich ist das keine Arbeit fürs ganze Jahr, aber für eine gewisse Zeit im Jahr schaffst du dir so ein kleines Zusatzeinkommen.

    Dass die Mietpreise hierzulande relativ hoch sind, das ist mir bekannt. Aber je kleiner die Einkommen werden, umso geringer müssen - empirisch gesehen - auch die Mieten werden, denn ein Vermieter würde nichts mehr verdienen, wenn sich - salopp gesagt - keine Sau mehr ein Zimmer leisten könnte.

    Die Botschaft, die deine Großmutter dir mit dem Pfennigstück vermitteln wollte, lautete, denke ich, dass du mit deinem Geld sparsam umgehen sollst. "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert", so ging der Spruch doch, oder? Vor 20 Jahren konnte man sich damit auch noch eine Kleinigkeiten kaufen ... heute ... wohl kaum mehr.

    Sieh es von der positiven Seite. Jetzt, wo man auch wieder aufs Feld muss und echte Arbeit kennen lernt, wird einem erst richtig bewusst, wie gut es uns eigentlich noch geht. Dieses Wissen kann den Lebensabend sicherlich angenehmer gestalten; denn man vermisst etwas Gutes erst dann, wenn man es nicht mehr hat ... und man weiß es umso mehr zu schätzen, wenn es wieder zurückkommt. Klingt vielleicht nach rosa Wolke, aber nach einem so langen Beitrag sah ich es als passendes Schlusswort. ;)
     
  17. forcemagick

    forcemagick Forenlegende

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    naja meine großmutter meinte es wohl etwas anders ;) sie war in der tat schon etwas gaga damals ;) ...
    und für 10 pfennig hat man nen kaugummi aus dem automaten bekommen... das wars dann aber auch schon ;)

    aber anyway...

    der punkt ist doch dass es in meinen augen absolut nicht wünschenswert ist solche arbeitsmaßnahmen noch zu begünstigen...

    man zahlt den leuten algII und zwingt sie dann ( weil das ja nicht viel ist ) auch noch für einen minimalen zugewinn jobs anzunehmen, die nicht wirklich was bringen...
    dafür kann sich aber wer auch immer wirkliche arbeitskräfte sparen... es müssen keine straßenreiniger tariflich eingestellt und bezahlt werden wenn ich das doch auch von arbeitsamtskräften machen lassen kann..

    damit werden doch letztlich jobs vernichtet....

    es läuft doch hier offensichtlich was fürchterlich schief und es kann doch nicht die lösung sein wenn man jetzt billige arbeitskräfte rekrutiert ...

    ausgedehnt auf die wirtschaft nimmt das doch bizarre formen an... stell dir vor man kann demnächst auch als automobilhersteller günstigste hilfkräfte für einen euro die stunde haben.. warum sollte dann noch ein hilfsarbeiter zu einem einigermaßen fairen lohn eingestellt werden?

    ich möchte bezweifeln, dass es den lebensabend versüßt wenn man rückblickend sagen kann "ich habe für nen euro die stunde auf dem feld geschuftet, mir schwielen geholt mir mein kreuz ruiniert und alles was ich dafür bekommen habe war dieses dumm t-shirt" ;) ..
    klar das ist ironisch...

    dass sich die kluft zwischen arm und reich verbreitert ist resultat der industrie, aber dies reformen begünstigen das ja auch noch... das problem ist doch auch dass man das geld nicht von den reichen nimmt sondern eben von den ärmeren fordert, dass sie einschnitte hinnehmen...
     
  18. samhain

    samhain Ehrenmitglied

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    @Rupert

    eins greift ins andere, die sog. "reformen" in großbritannien und die zugeständnisse der politik an die wirtschaft sind nicht zu trennen.

    das ist sehr wohl auf die reformvorgänge zurückzuführen, die, genau wie auch jetzt hier, nach dem motto "gib es der wirtschaft und hols dir von denen, die es eh schon nicht üppig haben, wieder", gestrickt sind.
    wer leistet denn der mentalität der konzerne vorschub, wer öffnet ihnen tür und tor, wenn nicht die politik?

    http://www.hausarbeiten.de/faecher/hausarbeit/soe/4734.html

    von sinkenden mietpreisen ist da nicht die rede- speziell in london sind die preise explodiert.
    wer sich das nicht leisten kann, der muss eben auf eines der schmuddligen "estates" ausweichen, die wahre ghettoqualität haben, auf wohnungen/häuser, in denen aufgrund der schlechten qualität eigentlich keiner wohnen will (sollte) oder landet gleich auf der straße.


    von schlaraffenland würde ich nicht reden, die zunehmende zahl von kindern und erwachsenen (was sich in zukunft noch verschärfen wird), die in die suppenküchen strömen (sind wohl zu faul zum kochen), die ebenfalls zunehmende zahl von kindern, die auf staatliche unterstützung angewiesen sind,die zunehmende zahl von obdachlosen, spricht wohl eine andere sprache.

    und wenn von dem "zuverdienst" nichts übrig bleibt, weil man alles selber bezahlen muss?

    quelle: mdr.de

    uhh ja, wie konnte ich die vergessen...
    die dienstleistungsgesellschaft, der silberstreif am horizont- die wirds richten.

    nur wer diese ganzen dienstleistungen in zukunft noch in anspruch nehmen soll bei immer weniger geld in der tasche...

    kennst du leute die in diesem bereich (selbstständig) arbeiten?
    ich ja, und immer wieder kriege ich zu hören, das die leute immer zurückhaltender werden, was die inanspruchnahme von dienstleistungen angeht.

    am beispiel der call center, kann man schon mal einen vorgeschmack auf diese dienstleistungsgesellschaft kriegen.
    der nachfolgende artikel ist von 2000 und die neueste entwicklung ist, das man in diesem bereich auch "outsourct"- callcenter in billiglohnländern machens noch günstiger.

    http://userpage.fu-berlin.de/~hagen66/akartikel.htm
     
  19. forcemagick

    forcemagick Forenlegende

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    function (void);
    was die callcentrerpest angeht... die sind ja fast schon das gegenteil von dienstleistung...

    inzwischen wird ja support immer mehr von irgendwelchen freien callcentern übernommen, deren dienstleistung firmen gemietet haben... ruft man dort an passiert immer wieder das gleiche... anruf, ärger mit dem nervigen vorselektierendem computer, inkompetenter callcenter mitarbeiter ( woher soll der das jetzt auch wissen ) und schließlich hat man als anrufender kunde ein nerviges und nichtssagendes abwieglungsgespräch geführt....

    auf der anderen seite werden callcenter immer wieder für nervende werbemaßnahmen eingesetzt ( irgendwelche leute rufen einen halt an und versuchen einem irgendeinen käse aufzuschwatzen... im extremfall wird sogar versucht zu betrügen... "drücken sie zur bestätigung die eins." was dann schon mal 60 euro kosten kann.)
     
  20. bstaron

    bstaron Großmeister

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    Das ist aber ein Widerspruch in sich. Warum werden dann nicht dort Gelder eingespart, Gelder an EU, Entschuldung auf unsere Kosten und andere Geschenke? Warum spart man an den Schwächsten? Ganz einfach. Die wehren sich nicht.
     
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