Deutschland in der Armut? Nicht dass ich wüsste...

sillyLilly

Ehrenmitglied
Registriert
14. September 2002
Beiträge
4.158
Irgendjemand hat mal gesagt:

Wir Deutschen jammern auf hohem Niveau.


Ich fand das recht zutreffend.

Namaste
Lilly
 

Booth

Erleuchteter
Registriert
19. Oktober 2003
Beiträge
1.951
nicolecarina schrieb:
was ich damit sagen will: im vergleich zu jemandem dems gerade familie sowie das gesamte hab und gut weggeschwemmt hat geht es uns prächtig, keine frage, aber auch wir haben unseren überlebenskampf und die zukunft sieht für millionen eben gar nicht so rosig aus, falls wir uns auf unserem wohlstand etwa ausruhen wollten...
Genau das ist das Problem der meisten Menschen in dieser Gesellschaft. Sie führen eben NICHT einen Überlebens"kampf". Um in diesem Land zu "überleben" muss man überhaupt nicht kämpfen. Man muss nur sehr genügsam sein, und geduldig in der Behördenschlange stehen. Das genügt. Man darf sich ne kleine Wohnung suchen, und bekommt genug Geld um sich seine Lebensmittel und einfache Kleidung zu kaufen. Man bekommt sogar technische Errungenschaften, wie Waschmaschinen, Betten, Fernseher, etc bezahlt - obwohl die zum "überleben" nun wahrlich nicht taugen.
Was den Menschen dagegen sehr wohl fehlt, ist eine Perspektive. Sie vergleichen sich mit dem Durchschnitt dieser Gesellschaft und fühlen sich benachteiligt, weil sie nicht soviel konsumieren können. Und selbst diejenigen, die zum Durchschnitt gehören (also ne Arbeit haben, ihr Auto, Wohnung oder gar kleines Häuschen), fühlen sich benachteiligt, wenn ihr Nachbar mit nem dickeren Auto daher kommt, oder einmal mehr im Jahr in den Urlaub fährt...
Das sind die Probleme, die wir uns in unserem Leben in unserer Gesellschaft schaffen. Unser Problem heisst im Großen "mehr Geld". Schlicht und einfach. Fast egal, wieviel man hat, man ändert seine Lebensweise ratzfatz, daß man unmöglich meint, zurückstecken zu können. Und das Lebensziel heisst vor allem "mehr Geld". Wenn die Kinder das haben wollen, was ihnen die Konsumtempel einreden, dann heisst die einfache Antwort "mehr Geld". Nicht "mit Kindern reden". Nein, nein - das wäre ja anstrengend auf eine Weise, die zum nachdenken anregt. Statt dessen heisst es "mehr Geld".
Und daß gerade die vielen Linken in diesem Forum genau danach brüllen, das erschreckt mich teilweise enorm...
Sorry - ich hab mich ausnahmsweise mal aufgeregt, und werde dieses Posting mal NICHT überarbeiten, bevor ich "submit" klicke... denn ich muss mich wieder meinem "Überlebenskampf" widmen...

gruß
Booth

P.S. Sorry, daß ich manchmal nicht ohne Polemik kann - ich bin doch noch kein Vulkanier ;)
 

Franziskaner

Ehrenmitglied
Registriert
4. Januar 2003
Beiträge
4.790
Booth schrieb:

sorry, ich kürz den ersten Teil mal auf "mehr Geld" runter...

Nein, darum geht es nicht. Es geht nicht darum, immer mehr und mehr zu haben. Es geht darum, dass Solidarität nicht heissen darf, dass man immer bei den Schwächsten einspart und die Stärksten weiter entlastet. Es geht darum, dass die Reichen und Superreichen damit beschäftigt sind, ihr Vermögen am Staat vorbeizuschmuggeln und möglichst ohne Steuern zu leben - und dass solche "Annehmlichkeiten", die auch genau diese Leute nutzen: Ein ordentlich ausgebautes Strassennetz, Flughäfen, Opern, Schulen, Müllabfuhr...

...nur noch durch Einsparungen bei den "Ärmsten" dieser Gesellschaft erhalten werden können. Ich hab Ärmste mal in Anführungszeichen gesetzt, weil wir uns denke ich alle einig sind, dass im Vergleich zur Armut in anderen Teilen der Welt es den Armen hierzulande noch ziemlich ordentlich geht.

Und wenn ich schon Arbeitslose durch verminderte ALG-Zahlungen zum Arbeiten animieren will, dann sollte das doch bitte nur in Zusammenhang mit einem Anbieten der entsprechenden Arbeitsplätze geschehen. Ein 50-jähriger gelernter Schlosser, der vor 2 Jahren arbeitslos wurde, wird auch wenn man ihn jetzt auf Sozialhilfeniveau runterstuft, seine private Lebensversicherung und die Spargroschen fürs Studium der Kinder anrechnet und was weiss ich noch, nicht attraktiver für den Arbeitsmarkt werden, oder?

Fordern ohne Fördern ist Ausbeutung, hat mir ein ehemaliger Chef mal beigebracht...

Sorry - ich hab mich ausnahmsweise mal aufgeregt, und werde dieses Posting mal NICHT überarbeiten, bevor ich "submit" klicke... denn ich muss mich wieder meinem "Überlebenskampf" widmen...

Es sei dir wie jedem anderen auch mal vergönnt, den Dampf abzulassen. Wenn ich auch persönlich glaube, dass du in diesem Fall nicht zu 100% richtig liegst. Aber wer weiss das schon so genau... :wink:
 

Rupert

Meister
Registriert
9. September 2004
Beiträge
241
An dieser Stelle möchte ich gerne meine Lieblingssatirikseite http://www.meinboesestagebuch.de zitieren.

Böses Tagebuch schrieb:
das problem ist, dass unsere gesellschaften immernoch insgeheim in schichten und klassen aufgeteilt ist. die unterschicht penetriert plattenbausiedlungen mit "monophonen" (was soll das überhaupt für ein wort sein?) klingeltönen. die obere unterklasse, sackhosenträger in sozialen brennpunkten beeindrucken mit "polyphonen" klingeltönen. noch etwas weiter oben, so in der mittelschicht versteht man es ganze kinosäle mit "real-music-tones" auf sich zu hetzen. tja, und wir liebe leser, die oberschicht, haben mittlerweile den stillen vibrationsalarm entdeckt. understatement ist alles.

http://home.arcor.de/meinboesestagebuch/tagebuch/1204/291204.html


Seit ich meinen Fernsehkonsum auf das öffentlich-rechtliche Programm beschränkt habe, fehlt mir komischerweise ganz und gar die Motivation, mir den neuesten Elektronikschrott in Mediamarkt anzutun. Wer den ganzen Tag vor der Bildröhre sitzt und sich die Clips antut, deren Qualität so langsam an die Singstunden im Kindergarten heranreicht, in denen fröhlich dem Konsum und der Habsucht gefröhnt wird, stumpft ab - und muss kaufen. Wie von Booth angesprochen, vererbt sich dieses Phänomen weiter und irgendwann wird schließlich nicht mehr über Kaufsucht (eine krankhafte Erscheinung) offen geredet, sondern sie wird als gesellschaftliches Ideal zelebriert - prost Mahlzeit.
 

Booth

Erleuchteter
Registriert
19. Oktober 2003
Beiträge
1.951
Neben dem aus meiner Sicht ersten Mißvertsändnis vieler Menschen in diesem Land, daß sie glauben, es gäbe hier eine grössere Anzahl von Personen, die echten "Überlebenkampf" leisten (dies tun witzigerweise am ehesten die illegalen Einwanderer hier, die zuweilen unter erbärmlichsten Zuständen hier hausen, sowie die Obdachlosen, welche aus zumeist sehr individuellen Gründen die ihnen zustehenden Sozialleistungen nicht in Anspruch nehmen, bzw darum kämpfen), nun ein für mich weiteres Mißverständnis:

Franziskaner schrieb:
Es geht darum, dass Solidarität nicht heissen darf, dass man immer bei den Schwächsten einspart und die Stärksten weiter entlastet.
Du scheinst zu glauben, daß das Staatsziel in Deutschland "Solidarität" heisst. Dem ist nicht so. Wir leben in einem kapitalistischen Ordnungssystem mit sozialer Abfederung, um die schlimmsten Auswüchse (welche man im 19. Jahrhundert life erleben konnte) zu vermeiden.
Es gibt KEINE staatlich verordnete Solidarität, und auch KEINE völlige "soziale Gerechtigkeit", auch wenn alle darüber reden, weil die Bildzeitung damit gut Auflage machen kann.
Wer dies will, will eine völlig andere Gesellschaft. Mit diesem Ziel habe ich überhaupt kein Problem. Hat aber wenig mit der (entschuldige den überspitzten Ausdruck) Winselei der meisten Menschen zu tun. Wenn alle wenigstens über das Gesellschaftssystem winseln würden... fein. Aber genau das tun die Menschen fast nie, wenn ich mit ihnen darüber rede.
Es sei dir wie jedem anderen auch mal vergönnt, den Dampf abzulassen.
Danke - bin schon wieder fast so ruhig wie Spock ;)

gruß
Booth
 

Franziskaner

Ehrenmitglied
Registriert
4. Januar 2003
Beiträge
4.790
Booth schrieb:
Du scheinst zu glauben, daß das Staatsziel in Deutschland "Solidarität" heisst.

Um das Mißverständnis gleich auszuräumen - Nein! Aber ich glaube, dass es das heissen sollte. Und das es das Ziel einer zivilisierten und entwickelten Gesellschaft sein sollte, sich dorthin zu entwickeln...

Danke - bin schon wieder fast so ruhig wie Spock ;)

na dann, live long and prosper :lol:
 

_Dark_

Ehrenmitglied
Registriert
4. November 2003
Beiträge
3.473
Hammerhand; SillyLilly schrieb:
Wir Deutschen jammern auf hohem Niveau.
ja, und zwar zurecht..

auf welchem niveau sollen wir denn in gottes namen sonst jammern??
auf dem eines inders im slum? auf dem eines rumänischen straßenkindes??

nein, die menschen in deutschland haben sich dieses niveau über jahrzehnte erarbeitet und es ist nur ihr recht auf diesem zu jammern..
wer das nicht tut, läuft nur in die hände der profigeilen arbeitgeber wie ackermann und konsorten...
alles andere wie auf hohem niveau zu jammern hieße die leistungen der letzten generationen in frage zu stellen - und das wäre unsinn
 

antimagnet

Forenlegende
Registriert
10. April 2002
Beiträge
9.676
unsre alterssicherungssysteme sind oder waren doch als generationen-vertrag gedacht. da sehe ich schon ein stück weit staatlich verordnete solidarität. die franzosen haben die egalité als staatsmotto. bei den polen war solidarnosc der umsturz, oder? so weit weg ist dieser gedanke in unseren breiten also nicht. so völlig anders ist die gesellschaft ist die gesellschaft nicht, die der solidaritäts-anhänger will. und die solidarität sieht der kritiker durch hartz 4 torpediert.

ich denke, solidarität lässt sich am besten durch absolute gleichstellung erzeugen. sowas wie 500€ bürgergeld für jeden und jeder zahlt 50% steuern. immer, jeder, keine ausnahme. dafür soll die wirtschaft einstellen und entlassen können, wen sie will und wann sie will, und zu den konditionen, die sie will. das wär für mich das maximum an sozialer gerechtigkeit, gewürzt mit genügend anreiz zu ordentlicher entrepreneurship...


wollt ich immer mal los werden... :wink:
 

Booth

Erleuchteter
Registriert
19. Oktober 2003
Beiträge
1.951
_Dark_ schrieb:
alles andere wie auf hohem niveau zu jammern hieße die leistungen der letzten generationen in frage zu stellen - und das wäre unsinn
Hmmmm - schonmal auf die Idee gekommen, NICHT zu jammern, sondern optimistisch nach vorne zu schauen, gerade WEIL wir (zumindest in den Industriestaaten) in der Vergangenheit einiges erreicht haben?

gruß
Booth
 

forcemagick

Forenlegende
Registriert
12. Mai 2002
Beiträge
6.038
entschuldigung aber zu optimismus gibt es doch keinen grund.

wie soll ich in der derzeitigen situation das jammern einstellen und durch optimismus ersetzen... das erscheint mir ein bisschen dämlich ;)

so in etwa als würde ich auf einem dampfer sitzen, der sinkt aber anstatt, dass ich nervös werde grinse ich und murmle vor mich hin "der herr wirds schon richten" ... ich fürchte das wird der herr nicht.

wie antimagnet schon sagt:
wir haben es hier mit verträgen zu tun und die werden massiv gebrochen... die frage ist weshalb... was geschieht hier? ist es dringend nötig diese verträge ( dazu gehört ja auch die arbeitslosenhilfe die teil einer versicherung ist in die wir eingezahlt haben weil wir eben anspruch auf diese leistung haben sollten ) zu brechen?
ich denke bevor diese verträge gebrochen werden wäre es dringend nötig gewesen erst mal andere möglichkeiten auszuschöpfen wieder geld in die kasse zu bekommen..
mit anderen worten... wer pleite ist kann sich halt kein kampfflugzeug kaufen, dass dann nicht bewaffnet werden kann weil es schrott ist.

dass wir nun einmal in einem kapitalistischem ordnungssystem leben ist für mich kein argument.
da wird das pferd von hinten aufgezäumt ( das scheint zwar so üblich ist aber nicht richtig so ) ... wir sind nicht als futter für die wirtschaft da, die wirtschaft ist unser versorgungssystem und wenn das nicht funktiioniert hat man nicht menschen zu opfern damit der dreck weiter funktioniert sondern das system muss modifiziert werden....

der staat ist nicht das erfüllungsinstrument des kapitalismus sondern der demokratische staat ist die selbstverwaltung der bürger dieses staates ( so ist es zwar nicht aber so sollte es sein das wird auch vom grundgesetz impliziert )

es gibt in der tat menschen, die in diesem land eine art überlebenskampf kämpfen... dieser kampf geht freilich selten soweit, dass im fall der niederlage der reale tod steht, aber in diesem kampf geht es schon um gesellschaftliche normalität oder eben ein leben in ausgesprochener bescheidenheit.
wenn es nur noch eine mahlzeit am tag gibt und wenn es kaum noch freiraum gibt sein geld auch mal für ein stück luxus auszugeben so ist das in einem land wie deutschland schon beschämend... gerade hinsichtlich des "was man hier aufgebaut hat" muss ich mich schon fragen weshalb wir es uns dann wieder so einfach wegnehmen lassen sollten.

ich gebe dir rech @booth, dass die meisten leute trotz allem mecker nie so weit gehen das system wirklich frontal anzugreifen.... das wäre meiner meinung nach mehr als überfällig... das problem ist der kapitalismus an und für sich und es wäre an der zeit für die menschheit endlich mal erwachsen zu werden anstatt das leben der menschen der hatz nach lächerlichen bedrucktem papier unterzuordnen.

ich finde es beschämend wenn menschen sterben oder leiden weil sie nicht genügend bedrucktes papier haben.




nein, die menschen in deutschland haben sich dieses niveau über jahrzehnte erarbeitet und es ist nur ihr recht auf diesem zu jammern..
wer das nicht tut, läuft nur in die hände der profigeilen arbeitgeber wie ackermann und konsorten...
alles andere wie auf hohem niveau zu jammern hieße die leistungen der letzten generationen in frage zu stellen - und das wäre unsinn

ich gebe dark nicht all zu oft recht ( wobei es doch immer wieder vorkommt ;) ) aber hier ist wieder einer jener denkwürdigen momente ;)

auf welchem niveau sollen die menschen jammern? sollen wir heiter zusehen bis wir endlich eine armut haben wie sie in z.b. indien üblich ist während gleich nebenan der bär tobt?
ist es nicht angebracht in anbetracht der entwicklung ( ich möchte hier mal kurz ein bild skizzieren in dem extremer reichtung neben extremer armut existiert in dem einerseits immer mehr menschen auf medizinische versorgung verzichten müssen, unregelmäßig mal mahlzeiten bekommen und in nicht unbeträchtlicher zahl in u-bahnhöfen etc. schlafen müssen ... in den usa ist das ja stellenweise schon so.... während auf der anderen seite menschen in flotten karren und mit cyberware behängt durchs leben jetten... ständig in kommunikation mit allem möglichen und vor geld nur so stinkend während wiederum zeitgleich ein riesiges heer an arbeitern praktisch unsichtbar bleibt, weil sie nicht mehr geld besitzen als eben nötig ist um sozusagen ins stasis zu existieren... arbeiten fressen schlafen arbeiten ) mal deutlich zu sagen, dass man das scheiße findet?

immer wieder wird das gemosere als gewimmer abgetan... solange bis der soziale konflikt dimensionen annimmt, die wirklich anlass zum weinen geben...

wollen wir wirklich die zunehmende kriminalität weiter anschüren?
kriminalität ist meiner meinung eine art unerklärter bürgerkrieg, wenn die kriminalität ein gewisses maß überschreitet...

wenn ich mir die usa ansehe so würde ich von einer ungelenkten, permanenten revolution sprechen... diese revolution hat kaum einheitliche ziele ( der große erfolg der desolidarisierung? ) und zeigt sich meist in hirnloser gewalt... und diese entwicklung hin zu immer mehr brutalität ist bei uns doch auch zu bemerken...

nein ich glaube nicht daran, dass es so schnell zu einer politischen revolution kommen wird.. dazu sind wir schon zu amerikanisiert und "individualisiert" ( in anführungszeichen weil ich diese art von individualisierung nicht als positiv sehe, andererseits aber durchaus der meinung bin, dass das individuum gefördert werden sollte... doch ich meine tatsächliche individuen und nicht konsumaffen wie sie in konsumterrorsystemen so gern gezüchtet werden )
 

sillyLilly

Ehrenmitglied
Registriert
14. September 2002
Beiträge
4.158
so in etwa als würde ich auf einem dampfer sitzen, der sinkt aber anstatt, dass ich nervös werde grinse ich und murmle vor mich hin "der herr wirds schon richten" ... ich fürchte das wird der herr nicht.

ich finde deinen Vergleich unpassend.

Wenn ich mir Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern anschaue, dann sehe ich eher einen Dampfer auf dem angesagt wurde, dass das Kapitänsdinner nur für wenige Gäste zugänglich ist ...... das tägliche Frühstücksbuffet teurer geworden ist, so dass sich viele Leute nur noch ein einfaches Frühstück leisten können..... die Fahrt gedrosselt wurde um Kraftstoff zu sparen .... die einfachen Kabienen geteilt werden .... und ähnliches ....
Nach wie vor ist es aber ein Luxusliner, wenn man ihn mit den umliegenden Booten, die teilweise völlig überladen durch die See tuckern und kurz vorm kentern sind, vergleicht.

Wenn sich nun die Leute auf dem Dampfer aus dem Fenster hängen ... wild übers Deck laufen und sich in die Rettungsboote setzen .... schreien, dass das Boot am Sinken ist .....
wirkt das auf die Passagiere der Ruderboote die sich sonst noch durch die See quälen ziemlich albern.
Ohne Frage ..... es gibt luxuriösere Dampfer als der auf dem wir sitzen .... aber in relation zu den Schiffen die so unterwegs sind ... ist das angeblich sinkende Schiff immer noch in der oberen Luxusklasse anzusiedeln.

Insofern ist schon fraglich, ob das Jammern wirklich angebracht ist.
Was nützt in so einer Situation?
Wildes hin und herlaufen und "Das Schiff sinkt" schreien, scheint mir weder hilfreich noch angemessen.


Namaste
Lilly
 

nicolecarina

Erleuchteter
Registriert
6. Juni 2003
Beiträge
1.659
bleibt die frage weshalb die fahrt nicht mehr voll unterstützt werden kann - denn eigentlich gibts für jedes schiff genug treibstoff und was taugt ein schiff, dass nicht mehr fährt? auch egal ob ruderboot oder qmII.

dann bleib ich doch lieber an land :wink:
 

Booth

Erleuchteter
Registriert
19. Oktober 2003
Beiträge
1.951
antimagnet schrieb:
unsre alterssicherungssysteme sind oder waren doch als generationen-vertrag gedacht. da sehe ich schon ein stück weit staatlich verordnete solidarität.
Das Umlageverfahren war niemals ein "Solidaritäts"prinzip. Es war schlicht notwendig, weil nach dem zweiten Weltkrieg kein Geld da war. Wie sollte man also die damals ja durchaus existierenden Rentner bezahlen? Da hat sich dann der schlaue Adenauer halt gedacht "Kinder kriegen die Leute sowieso immer". Im Prinzip falsch gedacht. Aber berechnet wird ja die Rentenauszahlung ja nicht nach einem Solidaritätsprinzip, sondern nach Deinen Einzahlungen.
Das ganze System ist weder ein Versicherungssystem (da Dein Geld, was eingezahlt wird, sofort wieder ausgezahlt wird) noch ist es ein Solidaritätssystem. Im Prinzip ist es nichts weiter als eine Steuer, die nur nicht so heisst.
Und genau so sollte das ganze System meiner Meinung nach auch in Zukunft genannt werden. Steuerliche Altersversorgung.
die franzosen haben die egalité als staatsmotto.
Was eher "Gleichheit" bedeutet, und im Sinne der Menschenrechte verstanden werden kann.
Aber prinzipiell habe ich nicht das geringste gegen eine andere Gesellschaft. Habe ich schon mehrfach behauptet. Nur haben wir eben keine andere Gesellschaft. Wenn man die Gesellschaft verändern will, fände ich das super. Aber ich kann mir kaum vorstellen, daß dies mit dem üblichen Gejammere klappt.
Gerade diejenigen, die die Gesellschaft verändern wollen, sollten aus meiner Sicht um eine optimistische Blickweise bemüht sein. Denn ich bezweifel, daß man mit einer pessimistischen Blickweise (und einhergehendem Gejammer) viele Menschen mitreissen und überzeugen kann, etwas neues zu wagen.
ich denke, solidarität lässt sich am besten durch absolute gleichstellung erzeugen
Ich denke, Solidarität lässt sich nicht einfach "erzeugen". Die Menschen müssen sich entwickeln, damit sie mehr und mehr verantwortlich im Sinne einer solidarischen Gemeinschaft handeln. Mit den heutigen Verhaltensmustern der meisten Menschen lässt sich eine solidarische Gesellschaft nicht per Dekret einrichten. Die Gesellschaft würde sehr schnell zerfallen, da auf der einen Seite zuviele raffen würden, und auf der anderen sich zuviele hängen lassen würden.

Aber es steht all denjenigen, die fest an einer sofortigen Umsetzung glauben, frei (also Euch), dafür zu werben... nur fürchte ich, geht das zwischen der SMS-Klingeltonwerbung unter ;)

forcemagick schrieb:
entschuldigung aber zu optimismus gibt es doch keinen grund.
Entschuldigung, aber diese Aussage halte ich für Mumpitz ;) Wenn ich mir anschaue, wie sich die europäische Gesellschaft im Vergleich von vor dreihundert Jahren gewandelt hat - dann kann ich gar nicht anders, als optimistisch sein :)
Der essentielle Unterschied zwischen uns: Du denkst, Umwälzungen müssten in Monaten oder wenigen Jahren realisiert werden. Ich denke, daß das gar nicht geht, sondern viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte notwendig sind.

gruß
Booth
 

nicolecarina

Erleuchteter
Registriert
6. Juni 2003
Beiträge
1.659
Der essentielle Unterschied zwischen uns: Du denkst, Umwälzungen müssten in Monaten oder wenigen Jahren realisiert werden. Ich denke, daß das gar nicht geht, sondern viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte notwendig sind.

und ich denke, wir leben in einer zeit, in der aufgrund technologischen fortschritts, forschung und wissenschaft etc neuerungen so schnell wie noch nie umgesetzt werden können.

sicher gilt dies beschränkt für vorurteile und sonstige überzeugungen, ich hoffe aber nicht, dass es noch viele flutwellen braucht, bis auch der letzte gemerkt hat, dass wir gesamtpolitisch auf dem falschen weg sind.

selbst strategen bei daimlerchrysler wissen, dass der rießige konzern etwa 3 monate braucht, um den kurs zu ändern - das ist gar nicht mal viel zeit für soviele menschen, maschinen und regelungen.

zeigt zwar, wie straff die firma tatsächlich geführt ist - für jedes pflaster muss ein antrag mit personalnummer gestellt werden - aber: es geht, wieso dann nicht auch gesellschaftlich?
 

forcemagick

Forenlegende
Registriert
12. Mai 2002
Beiträge
6.038
gerade wenn ich mir die europäische gesellschaft ansehe kommt mir enorm das kotzen...

was haben wir denn?

eine undemokratische eu in der nicht vom volk legitimierte kommisare gesetze machen, die dann oft gegen die stimme des parlaments ( das ja die eigentliche volksvertretung ist, die aber die regierung der eu nicht gewählt haben sondern diese regierung, die von anderen zusammengestellt wird allenfalls bestätigen ) gültig werden und auf die einzelnen nationen niederregnen wie das wort gottes... das heißt ein nicht durch mich legitimierter ( wenn ich in deutschland wähle so ist ja letztlich unter einbeziehung meiner stimme etwas legitimiert oder nicht ) rat schreibt meinem parlament und meiner regierung vor was sie zu tun hat.
wenn es nicht gerade die eu ist, die demokratie aushebelt, dann ist es die wto ( den auch die abkommen, die dort beschlossen und abgeschlossen werden haben bindenden charackter ... gesetzgebung ohne einbeziehung des parlaments.. und das einzige problem ist es dann noch dem eigenen parlament zu verklickern, dass man dies und jenes halt jetzt umzusetzen hat. ).
elster,biometriepässe, flugdatenweitergabe, zwangsarbeit, teuro... und das ist nicht besorgniserregend?

na ich weiß nicht.

in deutschland und in europa ja weltweit tun sich momentan sachen, die sind meiner meinung sehr wohl besorgniserregend.

um nochmal auf die armut zurückzukommen bzw. um auf das bild des sinkenden schiffs zurückzukommen.

sicherlich ist der vorgang des niedergangs noch relativ langsam.. das wasser steht noch nicht bis zu den oberen kabinen, aber dennoch stehen schon diverse untere kabinen unter wasser.

es ist doch nicht zu leugnen, dass die zahl derer, die armenküchen nutzen gestiegen ist.

wir kommen doch nicht drum herum, dass gemeldet wird dass 15 prozent der jugendlichen in relativer armut leben.

mit kommt das schon ein bisschen so vor wie die szene aus erik der wikinger in der die bewohner von atlantis west auf ihrer sinkenden insel sitzen und beahupten, dass das alles panikmache sei während ihnen das wasser schon über die füße schwappt... wie war da noch der berühmte satz "die westlichen notenbanken werden den dollar stützen und.... " ;)

wir haben "reformen" und keine positive wirkung.. ganz im gegenteil... seit jahren erzählt uns der kanzler nun dass es zum aufschwung kommen wird... jetzt wackeln die posten von eichel und clement... es schwingt wohl doch nicht so... die frimenpleiten haben satte zuwächse, die arbeitslosenzahlen klettern munter weiter, die kaufkraft sinkt ( und das weihnachtsgeschäft konnte wohl auch nur deswegen laufen weil die leute monatelang konsumzurückhaltung praktiziert haben und es weihnachten haben krachen lassen.... das gleicht kein mieses jahr aus )

wie gesagt ich muss nicht erst mit dem hals im wasser angekommen sein um schon mal zu bemerken, dass es den bach runtergeht.....

ich habe kürzlich eine lustige werbung im grenzgebiet gehört.. ein herr mit eindeutig tsechischem zungenschlag erklärt da also dass man so supergünstig autos in eger kaufen könnte bei soundso....
bis zu 30% billiger...

donnerwetter dacht ich mir... das ist lustig.... da werden die autohändler hier bei uns schäumen, denn der freund aus dem nachbarland kann seine auto ja auch wesentlich billiger beziehen und kann sie natürlich auch wesentlich billiger verkaufen.. die deutschen händler werden also ganz schnell aussterben weil sie da einfach nicht mithalten können...

sicher das betrifft vor allem händler im unmittelbaren grenzgebiet... so wie es bäckern, fleischern, fachmärkten und werkstätten, tankstellen und was weiß ich nicht schon erging so ergeht es auch den autoverkäufern....

je mehr tschechen oder polen die möglichekeiten nutzen, die ihnen die eu gibt, desto mehr werden in den grenzgebieten die deutschen, steuerzahlenden unternehmen eingehen.
nichts gegen die tsechen oder die polen, die nutzen halt ihre möglichkeiten, die wären ja wohl auch mit klammersack gepudert wenn sie es nicht täten.
aber das ist eines der probleme der eu-osterweiterung und der starken gefälle in dieser eu und das war vorhersehbar.
anstatt aber dass diese vorhersehbaren folgen gemildert wurden hat uns der herr verheugen immer wieder was erzählt von wegen der gewaltigen chancen im grenzgebiet...

ja wie?

welche chancen?

die realistische chance endlich arbeitslos zu werden?

prima.

in diesen regionen steht das wasser schon besonders hoch....

tsechische oder polnische anbieter sind in allen bereichen billiger und absolut außer konkurrenz...
sie haben andere nebenkosten als wir und sind ja nicht auf den kopf gefallen und bringen natürlich gute qualität.
geh ich zum tschechischen konditor, so bekomm ich dort genauso leckerein wie hier... nur kostet es nicht mal die hälfte....
 

nicolecarina

Erleuchteter
Registriert
6. Juni 2003
Beiträge
1.659
geh ich zum tschechischen konditor, so bekomm ich dort genauso leckerein wie hier... nur kostet es nicht mal die hälfte....

das ganze hat natürlich system wie ein beitrag in plusminus gestern abend zeigte. es ging um medikamente, die einmal in deutschland, einmal in polen und einmal in tschechien eingekauft wurden - man ahnt es schon: das preigefälle zwischen den ländern - vor allem deutschland/tschechien - betrug bis zu 50%.

die apothekerin aus görlitz hat zwar immer mehr kunden, die sich von ihr polnische beitpackzettel übersetzen lassen wollen, meinte aber - die gute - sie könne sich das nicht erklären, dass dort die medis billiger verkauft werden.

der mann von der pharmaindustrie hatte eine einfache, erfrischend ehrliche antwort: man passt den verkaufspreis dem lohnniveau bzw der kaufkraft eines jeweiligen landes an, fertig aus. es handelte sich übrigens um die genau die selben präparate, die dort in der gesamtsumme um zwei drittel günstiger zu bekommen waren.

hier der plusminus-link:
http://www.daserste.de/plusminus/beitrag.asp?iid=289

ach weils so schön passt:
der zweite beitrag zeigte, wie unternehmen durch angestellten-dumping ihre gewinne maximieren:

http://www.daserste.de/plusminus/beitrag.asp?iid=290

weniger lohn für die rendite^^
 

Booth

Erleuchteter
Registriert
19. Oktober 2003
Beiträge
1.951
Komisch... Eure letzten Antworten bestätigen meine Annahme eigentlich ziemlich deutlich.
Folgende kurze Hinweise noch:

nicolecarina schrieb:
und ich denke, wir leben in einer zeit, in der aufgrund technologischen fortschritts, forschung und wissenschaft etc neuerungen so schnell wie noch nie umgesetzt werden können.
Technisch gesehen ja. Bei der Einstellung der Menschen an sich, wage ich das zu bezweifeln. Egal, wie hoch Deine Technik entwickelt ist. Die Wertevorstellung der breiten Masse zu ändern dauert seine Zeit. Und wie ich sagte... das dauert aus meiner Sicht viele Generationen.

forcemagick schrieb:
was haben wir denn?
Im Vergleich zu 1990 oder 1980? Zumindest in Westdeutschland dasselbe in grün.
Im Vergleich zu 1690 oder 1680? Muss ich das ernsthaft alles aufzählen? Bestimmt nicht... :)

gruß
Booth
 
Oben