Beziehungen zwischen Deutschland und Türkei

streicher

Ehrenmitglied
Mitglied seit
15. April 2002
Beiträge
4.765
Sie sind immer noch auf einem Talboden. Hätte sich die deutsche Regierung gegenüber den Affronts aus der Türkei und wegen der Festnahmen in der Türkei anders verhalten sollen? Welche Strategie soll sie in der Zukunft fahren?

Warum ich jetzt doch einen Thread zu den deutschtürkischen Beziehungen eröffne:
Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hat deutsche Touristen trotz der politischen Spannungen zum Urlaub in der Türkei aufgerufen. Politische Differenzen sollten weder Deutsche und Türken nicht davon abhalten, in das jeweils andere Land zu reisen.
Cavusoglu ruft deutsche Touristen zur Rückkehr in die Türkei auf
Was haltet ihr davon?
Seid ihr schon mal für einen Urlaub in die Türkei gereist?
Würdet ihr abraten, in der Türkei Urlaub zu machen?

(Man beachte die Kommentar zu dem kurzen Beitrag auf focus.de)
 

Marmeeark

Neuling
Mitglied seit
20. Januar 2018
Beiträge
2
Ich war über Silvester in Istanbul. Es gab keine Probleme bei der Ein- oder Ausreise und auch die Situation dort ist ganz normal. Ich finde die Medien übertreiben ein bisschen. Klar, ist das was Erdogan macht nicht so der hit aber das sollte man nicht an der Bevölkerung auslassen und deswegen nicht mehr in das Land reisen.

Grüße
 

streicher

Ehrenmitglied
Mitglied seit
15. April 2002
Beiträge
4.765
Das wäre die Großstadt, zu der ich am Ehesten reisen würde, die wohl auch als ziemlich liberal und weltoffen gilt.
Aber die Türkei mit der derzeitigen Regierung scheint es mit liberalen Denken und Weltoffenheit nicht mehr so zu haben. Vielleicht bekommen wir als Besucher nicht so viel mit, und wahrscheinlich würden wir es doch, wenn wir uns nur genauer umhören. Die Massenentlassungen in staatlichen Behörden, die Benachteiligung der Aleviten (mehr als 10 Millionen Mitglieder), die Benachteiligung der Kurden (mehr als 10 Millionen leben in der Türkei): das hinterlässt Spuren.

Ich kann mir auch gut vorstellen, dass man problemlos aus- und einreisen kann - als jemand, der einfach einen Urlaub machen will. Anders sieht es wohl wieder aus, wenn man dort eine Familie besucht, die ein Familienmitglied in der HDP hat.
 

Marmeeark

Neuling
Mitglied seit
20. Januar 2018
Beiträge
2
Das ist wohl möglich. Bei der Ausreise wollten sie lediglich meinen Laptop sehen bzw ich musste ihn kurz hochfahren und das wars.

Aber würde es wsl jetzt nicht mehr machen. Erdogan hat einfach n Schuss^^
 

streicher

Ehrenmitglied
Mitglied seit
15. April 2002
Beiträge
4.765
Labtop hoch- und runterfahren würde ich auch als Routinekontrolle abheften.

Zu "Erdogan und 'Schuss weg'": Als religiösen Fanatiker würde ich ihn durchaus einordnen, aber Religion kann auch Mittel zum Zweck sein. Machtversessen - ja. Sieht so aus, als ob er die Türkei in eine Diktatur umbauen möchte, in der oben genannte Gruppen zum Beispiel weiter benachteiligt werden. Hat er Großmachtfantasien? Scheint zumindest auch einiges an seinen Aktionen hinzudeuten.

Übrigens: Wegen der Türkei-Aggression gegen die Kurden in Syrien werden die 2004 an die Türkei verkauften Leopard-2-Panzer vorerst nicht nachgerüstet. Mich wundert, dass es nach den Spannungen zwischen den beiden Ländern und den Fehlgriffen der türkischen Regierung gegenüber der deutschen Regierung überhaupt in Frage kam.
 

streicher

Ehrenmitglied
Mitglied seit
15. April 2002
Beiträge
4.765
Einen Autokraten, der zum Staatsterroristen mutiert ist, braucht man nicht hofieren.

Zur Causa "Özil": wenn sich eine Person des öffentlichen Lebens mit einem Autokraten ablichten lässt, muss er damit rechnen (gerechnet haben), dass er für diese Entscheidung kritisiert wird. Außerdem muss er damit rechnen, dass er zur Politik eines Autokraten Stellung beziehen sollte. Und dann kann weitere Kritik die Folge sein.

Sollte die BRD mit Imamen und Moscheen der Ditib genauso umgehen, wie es die Regierung in Österreich tut?
 

gaia

Meister
Mitglied seit
20. Mai 2010
Beiträge
349
Ich finde den Umgang mit Özi nach dem peinlichen Abgang der deutschen Nationalmannschaft einfach mies.
Vorher hat sich kaum jemand daran gestört, dass er schon länger Kontakt zu Erdogan hat. Da war auch dem DFB länger bekannt. Özi war da eben der Prügelknabe.
Und dann Erdogan: ich denke dass der Umgang mit ihm nicht so leicht ist. Stimmt, man soll und darf ihn nicht hofieren, aber zugleich muss man überlegen, warum ihn der größere Teil der Deutsch/ Türken die gewählt haben, sich für ihn entschieden haben.
Erdogan hat vieles was Atatürk veranlasst hat wieder rückgängig gemacht. Sowas wie Kopftuchverbote an den Unis. Die Türken sagen, dass Erdogan sich auf Augenhöhe mit denen begibt, die auf die Türkei herab sehen.
Das ist schon gerade ziemlich verfahren das deutsche Verhältnis zu Türkei......
 

hives

Ehrenmitglied
Mitglied seit
20. März 2003
Beiträge
3.649
Vorher hat sich kaum jemand daran gestört, dass er schon länger Kontakt zu Erdogan hat. Da war auch dem DFB länger bekannt. Özi war da eben der Prügelknabe.
Ganz unabhängig davon, wie man die Nähe zu Autokraten beurteilt, kam es mir auch ein wenig so vor, als ob er so eine Art Blitzableiterfunktion eingenommen hat, so als hätten sich viele gefreut, nun endlich den gemeinsamen Nenner für alle Fußball- und Integrationsprobleme gefunden zu haben, oder so ähnlich. Es ist eben auch einfacher und unproblematischer, sich über irgendwelche VIPs aufzuregen als eine ausführliche Stellungnahme zur Türkeipolitik unserer Bundesregierung zu verfassen.
 

gaia

Meister
Mitglied seit
20. Mai 2010
Beiträge
349
Ganz unabhängig davon, wie man die Nähe zu Autokraten beurteilt, kam es mir auch ein wenig so vor, als ob er so eine Art Blitzableiterfunktion eingenommen hat, so als hätten sich viele gefreut, nun endlich den gemeinsamen Nenner für alle Fußball- und Integrationsprobleme gefunden zu haben, oder so ähnlich. Es ist eben auch einfacher und unproblematischer, sich über irgendwelche VIPs aufzuregen als eine ausführliche Stellungnahme zur Türkeipolitik unserer Bundesregierung zu verfassen.
Ja genau- mich hats echt genervt.
Özil hat sicher nicht politisch korrekt gehandt, seine Erklärung war ja, das seine Landsleute in Deutschland ihn gewählt haben und er es deswegen respektvol fand den Kontakt zu Erdogan aufrecht zu hakten und dass es dabei nicht um Politik ging. Offensichtlich hat ihn auch niemand die Jahre vorer mal beseite genommen- oder Konzequenzen angedroht.
Erdogan betreffend habe ich das hier heute gefunden:
Kemalismus in der Kritik
Abrechnung mit Atatürks Republik
Der Gründervater steht für die säkulare Türkei, in der Religion zur Privatsache degradiert wurde. Mit der AKP bekommen Islamisten die Chance auf Revanche.

Die Türken fühlen sich nicht als gleichwertig betrachtet und Erdogan schürt das Feuer ja ständig, so sammelt er seine Anhänger.
Und zeitgleich hat die Türkei die USA wohl inzwischen Spenden bereffend überholt.
Wenn man als Erdogan wieder vom Podest holen wlll, muss man erreichen das seine Anhänger genauer hinsehen.



.
 
Oben