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Weniger Plastik Wagen oder wie man Müll wirklich los wird

Dieses Thema im Forum "Userblogs" wurde erstellt von streicher, 7. Dezember 2015.

  1. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Zum Thema "Futterneid":

    Bei einer größeren Verteilaktion bei foodsharing war ich mal dabei: zuerst wurden die Waren aus dem Auto gepackt und in zwölf Kisten getan, die in einer Reihe hingelegt wurde. Wie du sagst, es muss aktiv gemanagt werden und begleitet werden: klare Regeln, und übrigens Anmeldepflicht. Wer da war, wurde abgehakt. Jeder sollte sich aus verschiedenen Warengruppen etwas nehmen, so dass nicht etwa drei Personen nur die Frischwaren unter sich ausmachen und andere nur Joghurts bekommen. Man durfte sich erst Waren nehmen, wenn der "Startschuss" gegeben war. Es hat einigermaßen funktioniert.

    Von einer anderen großen Verteilaktion habe ich gehört, die an einer Baustelle erfolgte: dort haben sich dann Nichtmitglieder nebst den angemeldeten Personen auch bedient, zeigten dann aber bei Ansprechen keine Reaktion - ob sie sich dumm stellten oder die Sprache nicht verstanden, ist die Frage: sie haben sich die Taschen gefüllt und sind dann ganz schnell ab.

    Wie du schon sagst: ob eine solche Aktion erfolgreich wird, hängt davon ab, wie dreist oder nicht dreist bzw. ehrlich und korrekt die Nutzer sind, denn wenn es etwas umsonst gibt, mißachten leider doch immer ein paar Personen die Anstandsregeln.
     
  2. gaia

    gaia Meister

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    Ich glaube auch, dass das einige Probleme mit sich zieht.
    Viele Menschen sind ja ziemlich fordernd, selbst wenn es etwas umsonst gibt.
    Ich höre das immer aus Erzählungen über die Kleiderkammer hier.
    Selbst an das was man geschenkt bekommt werden Ansprüche gestellt(bsw. kommen da Leute in viel zu kurzen Abständen um sich wieder einzukleiden, beschweren sich über die Größen von geschenkten Reisetaschen, wollen wegen einem kleinem Loch im Futter wieder eine neue Jacke, lügen ganz einfach um mehr abzugreifen usw...
    Also braucht man ehrenamtliche Helfer, die sich dem aussetzen möchten.
    Ich persönlich könnte das echt nicht.
    Das mit dem Anfassen von Lebensmitteln, sehe ich auch als Problem- wenn die Kisten da nur wie eine Art Wühlkorb rumstehen.
    Mich persönlich stört es zB extrem, wenn die Leute in den Supermärkten ihre Erdbeeren umsortieren und damit bin ich sicher nicht alleine.
    Man fragt sich auch schon wer da eben vor einem schon am Lebensmittel war, mal eben kräftig darauf genießt hat usw.
    Man sollte also die Ksten nicht rumstehen haben, sondern Lebensmittel ausgeben, vielleicht sogar mit einer Höchstmenge( mit der Option eigenständig mehr zu geben)
    Ob diese Boxen dazu einladen, danach noch eben in den Supermarkt zu gehen kann ich nicht sagen- ich schätze aber das ein ganzer Teil der Leute danch in günstige Lebensmttelläden fahren. Ich habe jetzt keine Ahnung wo Hieber preislich eizuordnen ist und wie der so sortiert ist.
    ( das mit den Kirschen war sicher Einbildung...)
     
  3. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Die Leute kommen mit ganz unterschiedlichen Haltung zu einer Umsonstaktion hin. Die Einen machen es aus Idealismus, die Anderen, wie du sagst, wollen möglichst viel abgreifen, um nicht einzukaufen, wieder Andere wollen vielleicht sogar, im Falle von Kleidung, weiterverkaufen. Die Möglichkeit haben sie ja auf Flohmärkten. Auf denen kann man zwischendurch recht viel Geld machen: Freunde von uns haben neuerdings auf einem Hofflohmarkt Sachen (auch etwas Kleigung) für rund 500 € verkauft, allerdings aus eigenem Besitz. Sie haben die Dinge nicht vorher gratis abgegriffen. Wenn nun jemand gratis abgreifen kann, und dann die Möglichkeit hat, regelmäßig weiterzuverkaufen, kann das schon eine recht gute Geldmaschine sein.

    Ich finde das auch geschmacklos, wenn Leute die Früchte einfach umsortieren. Das passiert leider in Frischeabteilungen ständig. Ich frage mich, ob es von Laden zu Laden variiert, also irgendwie auch vom Kundenstamm abhängt.
    Deswegen ist mir die Ausgabe auf einem Markt manchmal recht sympathisch. Man muss manchmal halt geduldig Anstehen. :)
     
  4. gaia

    gaia Meister

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    Trotzdem macht sowas wie Lebensmittelausgabe oder Kleider verteilen( die Kleiderkammer gehört zu Camp Asyl) natürlich Sinn, aber eben kontrolliert und mit durchsetzungkräftigen Helfern.....
     
  5. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Wohin mit den Unmengen von Plastikmüll? Die Frage ist eine ständige - leider - aber dadurch, dass der zentrale Recyclinghof des Globus dicht macht, bekommt die Frage eine neue Nuance.
    Chinas Entscheidung ist mehr als angebracht. Soll Deutschland, soll die EU doch selbst mit ihrem eigens produzierten Müll klarkommen. Für die Volksrepublik waren die Millionen Tonnen von Plastikmüll ein weitergereichtes schwergewichtiges Problem. Der Schwarzmarkt des Plastikmülls florierte und der ganze Dreck musste in den eigenen Grenzen untergebracht werden. Und das geschah, zum großen Teil sogar illegal und unkontrolliert, ob auf Müllkippen oder bei der Entsorgung durch Verbrennung.
    Nun dürfen die BRD, dürfen die Staaten der EU, die EU selbst, sich noch engagierter mit dem Thema auseinandersetzen, wohin der Plastikmüll denn kommen soll. Werden andere Staaten für China in die Bresche geholt? Wird es zur Folge haben, dass die Plastikproduktion zurückgefahren wird? Mit welchen Strategien sollte die Politik dem Plastikmüllproblem begegnen: Quoten, Verbote, Steuern? Bioplastik? Wie steht es um die Recyclingkapazitäten? Ich hätte jetzt vermutet, dass diese im Inland schon jetzt an ihre Grenzen kommen.
     
  6. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Bioplastik ist, genauso wie biologisch abbaubar ein Feigenblatt, wenn nicht gar eine Art Etikettenschwindel, solange man sich nicht darüber klar werden will, unter welchen Bedingungen ein solcher Abbau passiert.
    Wir alle wissen, dass Kartoffelschalen und Papier verrotten können, nur tun sie das eben leider nicht unter den Bedingungen einer Müllkippe. Da mumifizieren sie eher, und macht man auf einer stillgelegten Müllkippe eine Probebohrung, dann findet man sie: Kartoffelschalen, mehr oder weniger im Originalzustand, 40-50 Jahre alt und Zeitungen, anhand derer man die Schicht datieren kann.
    Außerdem: Ist es nicht gerade der Zweck einer Verpackung, den Inhalt zu schützen? Da ist doch eine biologisch abbaubare Verpackung zumindest z.T. widersinnig.

    Das Recycling von Kunststoffen ist aufwändig und bis heute wenig ausgereift. Meistens können aus recycelten Kunststoffen nur minderwertige "Schrott"-Kunststoffe hergestellt werden, die kaum jemand haben will. Eines der wenigen Produkte aus ihnen sind Kunststoff-Paletten, die dann ihrerseits schnell wieder Müll sind.

    Mir leuchtet nicht ein, warum sich aus den Kunststoffen nicht wieder Grundstoffe herstellen lassen, die nahe oder identisch zu den Grundprodukten ("Rohöl") sind. Ich nehme an, dass dies zu teuer und/oder zu energieaufwändig ist.

    M.E. ist der erste Schritt, der hier zu leisten ist, Verfahren zu entwickeln, die die Bezeichnung "Kunststoffrecycling" auch verdienen. Parallel muss die Industrie - so sie schon nicht auf Kunststoffe verzichten oder deren Umfang erheblich reduzieren kann - genötigt werden, sich auf eine Reihe einheitlicher Kunststoffe zu beschränken, die dann gelabelt und sortiert werden können.

    Für den Consumer-Bereich halte ich ein Pfandsystem für das mittelfristig aussichtsreichste Verfahren, den Rückfluss in den Griff zu bekommen.
    Bei den Dosen und Kunststofflaschen funktioniert das ja auch: 0,25€ sind ein ordentlicher Pfand, und sie werden fleißig eingesammelt, während die klassische Pfandflasche eher stehen bleibt. Hier in München sehe ich gelegentlich sogar Leute, die in den Plastikcontainern nach Pfandflaschen wühlen - es gibt ein durchaus ökonomisches Interesse, das einzusammeln, also passiert es auch.
    Warum kann nicht auf einer Schnitzelschale genauso 0,25€ Pfand sein und es gibt einen Pfandautomaten dafür?
     
  7. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Vor Jahren gab es Sensationsmeldungen von Maschinen, die Kunststoff wieder in Öl verwandeln könnten. Sogar für den Heimbedarf. Die Industrie scheint dafür noch kein großes Gefallen an den Tag gelegt zu haben, also wird es zu teuer bzw. auch zu wenig gefördert sein.
    {Konverter verwandelt geschmolzenes Plastik zu Öl; Energie aus Plastikmüll}

    Mir wird auch ein wenig unwohl dabei, wenn in Zukunft mehr Bioplastik hergestellt werden würde, denn wahrscheinlich müssten dann demzufolge mehr Monokulturen angelegt werden, die dann zum Verpackungszweck gebraucht werden, zum Beispiel Mais. Plastikvermeidung (soweit möglich) und Kreislaufwirtschaft (also qualitativ hohes Recycling) würde mir auch besser gefallen. Es ist halt auch die Frage, ob alles in Plastik abgefüllt werden muss, oder ob nicht etwas vermehrt zum Beispiel auf Glas zurückgegriffen werden könnte. Gerade Plastik mit Weichmachern hat gesundheitlich gesehen einen schlechten Ruf.
    Die Idee der vermehrten Pfandrückgabe halte ich für gut. Andererseits könnte auch Plastikverpackung vermieden werden, wenn die Leute mehr frisch einkaufen würden. Fehlen die Möglichkeiten? Ist es Gewohnheit, die davon abhält? Oder ist doch der Preis die Hürde?
     
  8. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Not macht erfinderisch. Die Initiative der Great Bubble Barrier probiert Plastik auf dem Weg in die Ozeane den Weg zu versperren (und vorher aufzusammeln).

    Wie viele Millionen Tonnen Plastik mittlerweile den Weg in die Ozeane gefunden haben und dort allmählich in Kleinstpartikel zerfallen, kann man grob schätzen. Es ist so viel, dass sich Unternehmen daran machen, Geld daraus zu schlagen. Zum Beispiel die plastic bank, die sich den Begriff des "social plastic" auf die Fahne schreibt. Ressource: Plastikmüll statt Erdöl. Ein bisschen Grobes, also weniger als die Spitze des Eisbergs, fischt die plastic bank schon raus.
     
  9. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Die Läden, die Produkte, die man eher im Supermarkt bekommt, verpackungsfrei anbieten, führten eigentlich einige Zeit eher ein Mauerblümchendasein, wie zum Beispiel das Twelve Monkeys (netter Name, guter Film - gab wohl auch mal eine Bar mit dem Namen in München...). Sie sind wahrscheinlich auch nicht jedermann sympathisch, wenn sie zum Beispiel "kampfvegan" anmuten.
    Aber verpackungsarm bis verpackungsfrei macht doch Schule. So gibt es wohl immer mehr Läden, auch Supermärkte wie zum Beispiel basic, die sich mit der Möglichkeit probieren, dass sich Kunden Produkte selber abfüllen. Vielleicht ziehen ja noch andere Supermärkte nach.
    Man würde nicht nur Müll vermeiden, sondern man könnte vielleicht sogar Hausgeld sparen, da nicht mehr so viele Hausmülltonnen (etc.) gebraucht würden.
     
  10. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

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    Man kann Eierkartons wiederverwenden. Oder man kauft Eierkartons aus Plastik, wenn es sowas gibt. Ich glaube, in den späten 80ern oder frühen 90ern ist schon dazu aufgerufen worden, Eierkartons wiederzuverwenden.

    Plastiktüten kann man auch wiederverwenden, jahrelang. 10 ct kostet eine im Supermarkt.

    Heute beim Einkaufen habe ich einen Coffee-To-Go-Becher gesehen. Im Prinzip ist ja Kaffee selber kochen und in der Thermoskanne mit auf Arbeit nehmen günstiger, aber wer seinen Kaffee lieber an der Tanke oder beim SB-Bäcker am Automaten zieht, der kann mit dem To-Go-Becher hunderte Einwegbecher sparen. Und bezaht trotzdem genauso viel!
     
    streicher gefällt das.
  11. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Oder bezahlt sogar weniger: verschiedene Geschäfte und Betriebe (darunter auch die Deutsche Bahn) gibt Preisnachlass, wenn man seinen eigenen Becher mitbringt (manchmal ganze 20 ct).
    Bis wir zu einer Wiederverwendgesellschaft werden, ist noch ein langer Weg. Besonders kann man aus einigen alten Sachen wieder ganz neue Dinge herstellen (wäre etwas für unsere Kreativrubrik). Es gibt übrigens auch Technikfreaks, die ihre eigene Plastikwiederverwertmaschine gebaut haben - zum Nachbauen. Ist vielleicht nicht Jedermanns Sache...

    Was wir auch in unserer Biotonne unserer Wohngemeinschaft immer wieder vorfinden, ist in Plastik abgepackte Lebensmittel. Mir ist nicht klar, wie die Leute darauf kommen, diese Lebensmittel nicht aus ihrer Verpackung herauszuschälen. Immerhin soll der Tonneninhalt kompostiert werden. Schon öfters habe ich Plastik herausgefischt, außerdem haben wir deswegen schon mit Plakaten darauf aufmerksam gemacht (was immer vom Hausmeister bestätigt wurde, der dann ein eigenes Plakat angebracht hat). Es wird weniger, aber es kommt immer wieder mal vor. Letztendlich landet der Plastikmüll auf unseren Böden und dann als Mikroplastik wieder in unseren Mägen. So weit denkt aber nicht jeder. Erkenntnis ist manchmal ein erstaunlich langwieriger Prozess. Da geht es ja sogar um einen selbst.
    Ein Artikel des SPIEGEL nimmt sich diesem Problem an: Mikroplastik durch Biomüll - Sie, ja, Sie sind das Problem!
     
  12. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Und mir ist nicht klar, warum jede Salatgurke in Schrumpffolie eingeschweißt sein muss. Wozu es Petersilie und Schnittlauch in der Plastikschale geben muss, statt im Bund. Warum es ein 3er-Pack Paprika geben muss, statt lose.
    Das alles ist für den Einzelkunden noch handelbar.

    Aber trenn das mal, wenn - wie bei uns kürzlich geschehen - eine ganze Palette mit eingeschweißten Gurken ankommt!
     
  13. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

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    16. Oktober 2010
    Bei der Menge an Informationen, die einen heutzutage umwerben, wundert es mich nicht, wenn alle auf unterschiedlichem Wissensstand sind. Und mit der Anwendung des Wissens verhält es sich dann wahrscheinlich mit dem Rauchen. Also, selbst wenn alle davon wissen, dass falsch entsorgtes Plastik irgendwann als Mikro-Plastik wieder im Körper landet, fangen nicht alle an, ihren Müll richtig zu entsorgen. Das Beispiel hinkt insofern, weil Nikotin süchtig macht, Entsorgungpraktiken aber nur eingeübt sind. Da sollte das Einüben besserer Praktiken leichter fallen.