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Smartphones - und ihre weniger smarten Benutzer

Dieses Thema im Forum "Sie, Er und Es" wurde erstellt von Giacomo_S, 19. November 2012.

  1. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    In diesem Thread soll es einmal nicht um die technischen Aspekte von Smartphones gehen, sondern um den zwischenmenschlichen Umgang mit ihnen, aber auch mit dem Internet u.ä. Deshalb steht dieser Beitrag auch im Bereich "Sie, Er und Es".

    Als einer der ersten Computerioten, sobald sie für unsereiner bezahlbar waren, habe ich mich bereits früh mit ihnen beschäftigt (und sie programmiert). Da konnten manche das Wort "Kompjuhter" noch nicht einmal buschstabieren. Später, so um 1989, haben meine Computer-Freunde und ich vorausgesagt: "In 10 Jahren werden alle einen Computer haben, und alle werden sie vernetzt sein." Die anderen dachten "schon wieder so ein Sci-Fi-Spinner" und gingen zur Tagesordnung über. Tatsächlich kam es so.
    Was wir nicht vorhergesehen haben: Die Oberflächlichkeit im Umgang mit einer solchen Technologie, die eine Popularisierung zwangsläufig mit sich bringen würde.

    Smartphones (desweiteren mit SP abgekürzt) haben, der ständigen Verfügbarkeit, des kleineren Displays und winzigen Tastatur geschuldet, diesen Trend eher noch verstärkt. Das könnte mir egal sein. Sollen die Leute doch verblöden, wie sie wollen, betrifft mich ja nicht. Persönlich besitze ich nicht einmal eines. Nicht ganz ... oft genug betrifft es mich eben doch und darüber hinaus sind wir aller Teile einer Gesellschaft.

    Ein paar Beispiele:

    1. Der U-Bahn-Blockierer
    Werktags, morgens in der U-Bahn. Ein junger Mann, auf der "Überholspur" vor mir auf der Rolltreppe, tippt gleichzeitig auf seinem SP herum. Eh schon risky - er könnte stolpern und stürzen auf der Treppe. Am Ausgang der Treppe bleibt er plötzlich und sinnlos stehen. Ich laufe auf ihn auf. Muss ich mich bei so einem Trottel eigentlich noch - wenn auch nur per forma - entschuldigen ?

    2. Augen auf im Straßenverkehr
    Als Schulkind hat man mir noch beigebracht, im Straßenverkehr liest man keine Comics, auch auf dem Bürgersteig nicht. Bis heute mache ich das nicht, ich lese nicht im Straßenverkehr. Viele Benutzer von SPs scheint das weniger zu stören. Sie tippen auf ihren Gimmicks herum und überqueren dabei sogar noch Straßen.

    3. Prioritäten setzen
    Ich unterhalte mich mit jemanden, er bekommt eine Nachricht. Mitten im Gespräch tippt er "moment mal eben" die Antwort. Bin ich als reale Person eigentlich weniger beachtenswert als eine vernetzte ? Oder war das gerade eine dringende SMS von der Bundeskanzlerin ?

    4. Modernes Sozialleben
    Ein Abend in der Bar, in der ich arbeite. An einem Tisch haben sich fünf junge Leute herum. Unterhalten tun sie sich nicht. Jeder tippt auf seinen SPs herum. Warum haben sie sich eigentlich überhaupt getroffen, wenn sie sich sowieso nicht unterhalten ? Oder schicken sie sich gegenseitig Nachrichten ?

    5. Internet - Back to the Roots
    Allen neuesten Übertragungsgeschwindigkeiten und -kapazitäten zum Trotz scheinen viele HPs wieder bei Aufbaugeschwindigkeiten der Anfangsjahre angelangt zu sein. Nebst Werbung muss nun auch Twitter, Facebook und wasweißich aufgebaut werden. Dinge, die ich nicht benutze und nicht brauche und die offenbar viel Zeit benötigen. Sei's drum: Bei Seiten, die mich weniger interessieren, schalte ich ab, wenn mir das zu lange dauert.

    Was meint ihr ?
    Sollte es einen Knigge für neue Medien geben ? Steht der zu erwarten ? Oder ist das nur eine Zeiterscheinung ? Weil alles, was neu ist, erst einmal übertrieben wird ?
     
  2. dkR

    dkR Forenlegende

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    Ich halte das für den natürlichen Lauf der Dinge bei neuen Formen der Unterhaltung.
    Das gleiche Phänomen gab es wahrscheinlich bei Einführung des Radio, Fernseher, Plattenspielers, der Computerspiele und des Walkmans. Ich denke, dass wird sich mit der Zeit auf ein gesundes Maß einpedeln, genauso wie nicht jeder nur vorm Fernseher hockt, wird nicht jeder 24h auf Facebook posten.
     
  3. haruc

    haruc Ehrenmitglied

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    Ich sehe das etwas anders als dkR. Bisher haben sich alle neuen Kommunikationsmittel vom Zeitpunkt ihrer "Einführung" an immer ausgebreitet und sind immer tiefer in praktisch alle Lebensbereiche eingedrungen. Irgendwann galten sie als Standard und man konnte ihre Verfügbarkeit voraussetzen, sofern sie nicht zwischenzeitlich von einem Mittel abgelöst wurden, das die Aufgabe noch wirksamer erfüllt hat.

    Das war bei Buch und Zeitung auch so, die ja zwischen 1450 (Buch)/1700 (Zeitung) und quasi jetzt DAS Masseninformationsmedium waren (natürlich mit dem Prozess einer Demokratisierung ab dem 18. Jahrhundert). IN 50 Jahren vielleicht wird es keine regulär erscheinenden Papierbücher mehr geben, sondern nur noch ebooks. Um sicher zu gehen, dass die Nutzer keinen Schindluder mit den BÜchern treiben werden sie ausschließlich auf den Servern einer Rechteverwertergesellschaft gehostet und auf Anfrage auf ein Mobiles Gerät gestreamt. Der Besitz von Papierbüchern wird ab dem Jahr 2030 offiziell als "Ökoverbrechen" gelten, weil man wertvolle Rohstoffe vorenthält, die nicht wiederverwertet werden können. ( ;) )

    Das Smartphone ist meiner Meinung nach eine Zwischenstufe. Die Endstufe werden wahrscheinlich sowas wie Brillen oder Kontaktlinsen sein, die man über Gedankenströme steuert und die mit Körperwärme betrieben werden. Niemals ablegen, niemals aufladen, niemals ausfallen.

    Das löst natürlich keines der nervigen Probleme, die wir heute mit Smartphonezombies haben. Die Auslagerung des menschlichen Gedächtnisses auf eine Cloud im Internet sowie die Raum-Zeit Entkopplung von Kommunikation wird wohl weiter voranschreiten - mit allen Neuro- und Entwicklungsbiologischen Konsequenzen ("Verblödung", Mangelhafte Entfaltung des Charakters).

    Der technische Fortschritt wird in Verbindung mit geschicktem Marketing dafür sorgen, dass die Menschen immer neue Geräte kaufen, die immer leistungsfähiger sind, und einem das Leben immer leichter machen, zumindest scheinbar. Es entwickelt sich ein Suchtmuster, das dazu führt, dass die Dinger auch dann benutzt werden, wenn man es nicht will oder sich bewusst ist, dass es schlecht ist. Mobile Kommunikationsgeräte werden irgendwann in nicht all zu ferner Zukunft genau so zur Grundausstattung des Menschen gehören wie heute Socken und Hemd.

    Wahrscheinlich wird die Menschheit nicht am Krieg sterben, sondern an Übergewicht und Verdummung, herbeigeführt durch generationenlanges Nichtgebrauchen des Gehirns.

    Insofern: Huxley 1, Orwell 0.

    Hoffentlich irre ich mich gewaltig.
     
  4. Ein_Liberaler

    Ein_Liberaler Forenlegende

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    Socken und Hemd gehören bereits nicht mehr zur Grundausstattung.
     
  5. dkR

    dkR Forenlegende

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    Du siehst das zu pessimistisch, wie bei jedem neuen Medium wird sich die Nutzung und Interaktion einpendeln. Dass die Leute ihre Smartphones halt mal ein paar Stunden/Tage abschalten und einfach weg sind.

    Gerade durch die ständige Verfügbarkeit nahezu jeder Information muß man lernen, die relevanten Daten rauszufiltert und zu interpretieren. Wenn man nur ein paar wenige Daten hat, kann man sich das quasi sparen.

    Eigentlich bezog ich mich eher auf den Punkt, dass die Leute angeblich nicht mehr miteiander reden, das war doch sonst nicht anders. Abends hockt man vorm Fernseher, davor andächtig ums Radio, wahrscheinlich rief der Buchdruck und die Erfindung der zeitung den gleichen Effekt hervor. Und trotzdem ist die Zivilisation nicht untergegangen (wobei, wenn ich mir so das Mittagsprogramm ansehe....).

    Bücher werden eher nicht aussterben, das eBook-Model mit dem DRM-Quatsch wird Schiffbruch erleiden, wie die Film- und die Musikindustrie davor, aus den gleichen Gründen.
    Was wegfallen wird ist Radio und Fernsehen, aber gut Tontafeln mit Keilschrift sind ja auch außer Mode.
     
  6. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Es ist nichts dagegen zu sagen, sich zurückzuziehen, um sich mit sich selbst zu beschäftigen, das gab's in der Tat schon immer. Das habe ich auch nicht gemeint.

    Einmal saß ich - noch zu reinen "SMS-Zeiten" - mit Freunden abends in einem Szene-Café. Alle tippten nur noch auf ihren Gurken herum, das wurde mir dann irgendwann zu blöd. Also holte ich mir eine Zeitung, und begann Zeitung zu lesen.
    Daraufhin beschwerten sie sich: Wie könne ich jetzt in ihrer Anwesenheit Zeitung lesen, man habe sich extra getroffen und das sei unhöflich.

    Ehrlich gesagt hatte ich meine Freunde nicht für so blöd gehalten, sich auch noch selbst derart zu demaskieren.
     
  7. DrJones

    DrJones Ehrenmitglied

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    Ich war kürzlich sehr überrascht als ich in München im Augustiner Keller saß. Gegenüber der Stammtisch mit dem typischen Publikum aus älteren Männern, die vor ihrer Maß Bier saßen. Die Kleidung traditionell, die Gesprächsthemen so zeitlos wie immer. Plötzlich zog einer sein Smartphone raus. Ich zog bereits leicht überrascht eine Augenbraue hoch und war dann doch ziemlich baff als auch die anderen am Stammtisch ihr Smartphone präsentierten...
     
  8. Hans_Maulwurf

    Hans_Maulwurf Großmeister

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    Grade in diesem Punkt unterscheiden sich die Smartphones von den vorhergehenden Medien. Bei Zeitung und Fernsehen gab es nie den Zwang immer und überall dabei zu sein.
    Heute wird oft vorausgesetzt dass du immer überall zu erreichen bist.

    Ein Bekannter wurde kürzlich Montags auf der Arbeit angesprochen warum er am Freitagabend (so um 23 Uhr) nicht an sein Telefon gegangen ist!
    Ich selber muss mich in meinem Freundeskreis, mangels Facebook selber um Partyeinladungen kümmern.( Was im Zweifel auch eine gute Ausrede ist :zwinker: )

    Ich sehe es nicht ganz so düster wie haruc aber die Tendenz geht schon in die Richtung.
     
  9. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Unverschämtheit !

    Mittlerweile sage ich zu sowas: Bezahlt mir ein Handy - und Bereitschaftsgeld, dann gehe ich auch dran !
     
  10. gaia

    gaia Meister

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    Nabend Giacomo,
    habe den Thread eben erst endeckt und erstmal recht breit gegrinst über deine Aufzählung... :)

    Ich habe auch schon nachgefragt, warum man eigentlich in eine Kneipe geht, wenn man doch lieber via smartphone mit irgendwelchen Leuten tippen möchte. Die Antwort war, dass man sich so aussuchen kann mit wem man kommunizieren möchte und das der Typ neben einen eben nicht so interessant ist...Nur so ein halb besoffener Langweiler eben.....
    Aber das Gleiche ist ja zu beobachten wenn eine Freundesgruppe zusammen sitzt. Ich kann's auch nicht wirklich nachvollziehen, ich finde eine Kommunikation über das Tippen läuft doch etwas anders ab, als spontaner Austausch durch gesprochene Worte.
    @drk
    Naja- aber wenn Kommunikation stattgefunden hat, dann nicht über die Möglichkeit einen Text zu korrigieren um auf eine bestimmte Art und Weise rüber zu kommen. Und wenn man wegging, ging es auch darum mit den anwesenden Leuten zu reden ( und eben nicht stattdessen mit xy zu schreiben)
    Außerdem führt das Lesen eines Buches oder meinetwegen ein Film doch automatisch zu einem Gespräch.
    Ob die Zivilisation nun untergeht weiß ich nicht, aber ich habe schon das Gefühl das eine unschöne Veränderung statt findet.
    Ich merks an meinen 16 jährigen, der kein smartphone hat und keins will, weil er andere Interessen hat. Er nutzt( wie ich) FB- um da was auszumachen( was ja quasi nicht mehr möglich ist, da alle nur noch zocken) oder mit seinem Vater oder alten Freunden( die weiter weg wohnen) Kontakt zu halten- aber er würde sehr gerne mit seinen Schulkollegen etwas Reales unternehmen. Um die Häuser ziehen, ins Kino gehen.... Nur sind die mit dem Internet mehr als ausreichend beschäftigt.
    Das Smartphone festigt dass, weil einem der Kontakt ans netzt ja nie verloren geht.
    Ob es einen Knigge erfordert?
    Naja, dass vielleicht nicht gleich- aber ich denke man sollte sich schon wehren. Die Aktion mit der Zeitung passt da schon ganz gut.
    Ich schätze man muss eben auch klar machen, dass einem die ständige Anwesenheit der smartphones stört.
    Ich bin mal gespannt wie das mit dem von uns geplantem Kinobesuch wird- am Ende habe ich dann eine smartphone Lichtshow( bin ja durch Sohn vorgewarnt), während ich den Luxus dieses Kinobesuchs genießen möchte.....Schön blöd, für die, die sich das antun.
     
  11. haruc

    haruc Ehrenmitglied

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    Das kann man so 1:1 nicht vergleichen, weder quantitativ noch qualitativ. Fernsehen und Radio waren lange Zeit nur zu bestimmten Tageszeiten verfügbar, insofern ist die 24/7 Verfügbarkeit von Inhalten ein recht junges Phänomen. Anders bei Druckereierzeugnissen: Die waren zwar prinzipiell immer Verfügbar, aber hier hat die ganz einfache Tatsache, dass die Augen irgendwann ermüden der Nutzungsdauer einen Riegel vorgeschoben. Zudem haben alle diese Medien eins gemeinsam: Der Kommunikationsstrom läuft in eine Richtung. Der Zuschauer/hörer/ Leser ist immer nur Konsument. Um die Inhalte selbst aktiv zu verarbeiten, muss er das Gespräch mit Anderen suchen.
    Anders beim Smartphone: Hier ist der Nutzer gleichzeitig Rezipient und Produzent; die Einseitigkeit der Kommunikation ist weitgehend aufgehoben und der Drang zum Austausch ist sehr vermindert, weil dieser bereits (mehr oder weniger parallel) während der Nutzung stattfindet.

    Insofern finde ich, dass man mit Recht behaupten kann, dass die moderne Kommunikationstechnologie (Smartphones sind da ja nur das offensichtlichste Stück) nicht nur technisch neuartig ist (was ja offensichtlich ist), sondern auch auf die Kommunikationsformen der Menschheit einen massiven Einfluss ausübt. Sowohl auf die digitale als auch die analoge Kommunikation.
     
  12. Guest

    Guest Guest

    Erstmal hinkt der Buch/Zeitung/Radio Vergleich, das sind Einbahnmedien (ROM - read only)

    Allerdings kann ich keinen großen Unterschied erkennen, zwischen jemanden, der in der U-Bahn ein Buch/Zeitung liest oder jemanden, der die Zeitung online auf seinem Smartphone liest (oder was anderes daddelt).

    Was die Kommunikation von Leuten betrifft, die an einem Tisch sitzt, das ist schon was anderes.

    Klingt jetzt vielleicht komisch, aber ich denke, daß reden überbewertet ist.
    Wenn wir ehrlich sind, haben wir normalerweise eigentlich nicht viel substanzielles zu sagen. Aber wen Leute nix zu sagen haben, fangen sie oft an zu reden.
    Übers Wetter, über Fußball..
    Frauen klassisch über Beziehungen, Kinder und Schuhe.

    Dieses Reden ist eigentlich keine wirkliche Kommunikation, bestenfalls belangloser Smalltalk den man auch sein lassen könnte. Reden nur um des Redens willen, weil sich Leute komisch vorkommen, wenn sie zusammensitzen und nix sagen.

    Gibt vielleicht Ausnahmen - zwei Bergbauern in einer Wirtschaft die beide stundenlang stumm ins Bier schauen - ist aber eher selten.

    Das SP entbindet davon, weil man tut ja was. Kann sich in sich selbst zurück ziehen und anderem nachgehen.

    Warum man sich dann mit anderen in einer Kneipe trifft (wo man meistens sowieso wegen der lauten Musik kaum vernünftig kommunizieren kann) ist meiner Meinung nach nur ein soziale Konvention - das macht man halt so.

    Ich denke vieler dieser tradierten Muster und Konventionen sind gerade dabei aufzubrechen, und wie immer hat die Generation an der Bruchlinie ein Problem damit.

    Warte mal die nächste Generation ab, die findet nix dabei, wird aber versuchen mich zu steinigen, wenn ich mir daneben eine Kippe anzünde.



    :D
     
  13. haruc

    haruc Ehrenmitglied

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    Nee, Reden ist ein ganz zentraler Aspekt des sozialen Zusammenhalts und damit der Gesellschaft- gerade auch dann, wenn man nichts Substanzielles zu sagen hat. Und natürlich ist das "wirkliche Kommunikation", weil ja allerhand Informationen zwischen Menschen ausgetauscht werden. Selbst der simpelste Smalltalk schafft unweigerlich eine art sozialer Beziehung zwischen zwei Menschen. Und dieser soziale Kitt geht halt verloren, wenn man nicht miteinander redet.
     
  14. gaia

    gaia Meister

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    Ja, ich sehe das wie Haruk,
    dieser sogenannte smalltalk ist ja oft auch nur der Beginn "tieferer" Kommunikation. Eine Art abtasten, ob es funtioniert mit dem anderen.

    So kann der Beginn eines Gespräches über das Wetter alle möglichen Themen zur Folge haben, wenn es eben passt.

    Ich finde jetzt die "schöne neue Welt" so wie sie momentan ist auch nicht grundsätzlich schrecklich ( und Parallelen zu dem Buch siehe ich nur im Ansatz), aber der Verlust zwischenmenschlicher Begegnungen fällt mir schon auf.

    Das macht sich an vielen Kleinigkeiten fest- eine davon ist eben, dass man sich nicht dem Gegenüber zuwendet, sondern seinem SP.

    Dabei geht aber der Mensch neben einem verloren.
    Der halb besoffene Langweiler, den ich erwähnt habe, der ältere Herr oder die Mutter der man in den Bus helfen könnte....Der Typ der an der Bushaltestelle eingschlafen ist....
    Und weil man dann so beschäftigt damit ist, sich nach der interessantesten Unterhaltung umzusehen, die der Moment gerade bietet, vereinsamt der eine oder andere trotz SP oder all der Technik die ihn umgibt. Und nebenher geht dabei die Achtsamkeit auf den anderen verloren. Und die, die etwas Beachtung brauchen könnten, werden nicht mehr gesehen.
    Natürlich ist nicht das SP allein Schuld an dieser Entwichlung. Aber der Umgang damit bestätigt die Richtung in der wir uns bewegen.
     
  15. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Einer meiner Freunde hat eine "militante" Umgehensweise mit Smartphone-Zombies (nette Wortschöpfung, haruc !) im Straßenverkehr entwickelt.
    Er rennt sie halb über den Haufen und entschuldigt sich dann.
     
  16. gaia

    gaia Meister

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    :)

    Solange der SP -Besitzer sein SP nicht "aus Versehen" zu Boden schmeißt vielleicht eine kleine Erziehungsmethode....
     
  17. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Du hast in deinem ersten Post fünf Situationen geschildert. Ich wollte noch "Schule" und "Universität" ergänzen.

    Erstmal zur "Schule":
    Vor 25 Jahren hatten weder Lehrer (oder Betreuer) noch seine 25 SchülerInnen ein Smartphone, nun hat der Lehrer eines und seine (möglicherweise 30 Schülerinnen). Einerseits wird gezockt, andererseits muss manch Schüler oder manch Schülerin stets auf seinen Smartphone blicken, ob nicht doch eine Nachricht aus dem Freundeskreis eingetrudelt ist, vielleicht sogar aus der Parallelklasse 9b, in welcher selbstverständlich die Benutzung eines Smartphones auch untersagt ist.
    Was hilft zum Beispiel? Das habe ich mir sagen lassen:
    - Smartphone muss in den Spind (wenn es so etwas gibt)
    - bei Benutzung wird es abgenommen (und Eltern holen es ab)
    - Smartphone muss beim Lehrer vorne in ein Körbchen abgegeben werden
    - Gerät muss aus sein
    Aber, aber: die Konflikte um die diversen Smartphones sind - auch bei obigen Maßnahmen - dauerhaft vorprogrammiert, quasi handelt es sich um einen Kampf gegen Windmühlen.

    Und wie lassen sich übrigens Smartphones im Gebrauch von Taschenrechnern unterscheiden? - Taschenrechner werden nicht gestreichelt.
     
  18. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    In der Bibliothek, in der ich oft verkehre, schoss vor kurzem in Sachen SP-Benutzung ein junger Mann den Vogel ab: Auf der Herrentoilette.
    Am Urinal hielt er in der einen Hand (aktiv) seinen Schniepel, in der anderen (aktiv) das Smartphone. o_O
     
  19. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    :plemplem:
    Oh Mann, wie will er sich dann die Hände waschen, wenn er sich bei allem an seinem Smartphone festhalten muss... Fällt wahrscheinlich aus dem Programm.

    Dass eine Person auf ihr Smartphone fokussiert ist, wird freilich auch rücksichtslos ausgenutzt - bis zu kriminell.
    Zum Beispiel schlägt eine Person einem Smartphone-Nutzer, der tippend den Bürgersteig entlang läuft, die Hand von unten nach oben, so dass das Opfer sich selbst mit dem Handy trifft, während eine zweite Person, alles abgesprochen, gerade von der Seite die Szene auffängt.
    Oder: Eine erste Person lenkt einen Nutzer ab, indem sie, in der U-Bahn stehend an ein Fenster schlägt. Der Nutzer schaut auf, und währenddessen reißt ihr eine zweite Person auf dem Bahnsteig das Smartphone aus der Hand und rennt davon.
     
  20. Simple Man

    Simple Man Forenlegende

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    Momentan scheinbar Schilda ...
    :gruebel:
    Häh?

    Und dann?