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Weniger Plastik Wagen oder wie man Müll wirklich los wird

Dieses Thema im Forum "Userblogs" wurde erstellt von streicher, 7. Dezember 2015.

  1. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Die Entscheidung ist noch nicht alt, und in der Rubrik "Small Talk" habe ich davon schon berichtet Experiment mit Ziel: mit möglichst wenig Plastik auskommen, aber hier in der Rubrik "Userblogs" ist es auch sichtbar für alle Leser, ob eingeloggt oder nicht: ich will Plastik vermeiden wo es auch geht. Und ich will möglichst wenig Müll produzieren. Damit stehe ich zum Glück im eigenen Haushalt nicht allein da. :)
    In diesem Blog will ich über meine (unseren) Erfahrungen berichten und bin natürlich für alle Beiträge offen und dankbar.
    Natürlich stellt sich auch die Frage, ob die Plastikvermeidung auch mit Verzicht einher geht, ob es anstrengend wird.

    Erstmal sei nur vom Einkauf die Rede.
    Wie viel Müll kann man allein schon vermeiden, wenn man nur bewusst darauf achtet, wenn man Plastikverpackungen und Tüten, aber auch Tetrapack vermeidet.
    In Sachen Lebensmittel lässt sich Plastikvermeidung ziemlich gut umsetzen. Obst und Gemüse kann man direkt auf das Band oder auf den Verkaufstresen legen, es wird doch ohnehin alles gewogen, und man hat dann die eigene(n) Tasche(n) dabei. Plastiktüten adé. Brot kann man sich direkt in eine Tasche legen lassen (man kann ja auch mal Papier sparen...). Käse und Wurstwaren gehen so allerdings nicht über den Ladentisch: das lassen die gesetzlichen Bestimmungen nicht zu. In der Hinsicht gibt es noch kaum eine zufriedenstellende Lösung. :O_O:

    Viele Waren gibt es in Plastik, aber auch in Glas. Dann halt stets die Glasvariante. Beispiele: passierte Tomaten, Milch, Sahne, Saft, Bier, Honig... Hier kann man sich natürlich auch die Frage stellen: bei welchen Produkten werden die Gläser wiederverwertet?
    Butter ist auch stets abenteuerlich verpackt, mit Alu in der Verpackung. Da habe ich mittlerweile eine Lösung gefunden: Fassbutter in Pergamentpapier.

    Jede Möglichkeit zu zapfen begrüße ich selbstverständlich. Aber dazu müssen die Läden in Reichweite vorhanden sein. Kaffeebohnen zapfe ich und mahle sie selbst. Nüsse auch. Haferflocken ebenso, die gibt es aber auch in Papier. In München kenne ich einen Laden, der das Zapfen anbietet (bisher rund 20 Produkte): der ist im
    Stemmerhof.
    In der plastikfreien Zone bringt man seine Behälter am Besten auch selbst mit.
    Ein Unverpackt-Laden öffnet in München ziemlich bald: OHNE, dort wird man einiges zapfen können... Ist zwar für uns nicht der nächste Weg, aber ab und zu...
     
  2. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Das kommt ja wie gerufen: heute landete eine Infobroschüre des Abfallwirtschaftsbetriebs München im Postkasten, mit dem Titel "Alles Müll? Abfall trennen und vermeiden in München". Die Rechnung ist einfach: sparen sich Haushalte Müll und damit auch Kosten für die Abholung, spart es auch dem Abfallwirtschaftsbetrieb Kosten und Arbeit.
    In der Broschüre wurde auch auf die Informationsseite hingewiesen, auf der Vorschläge zum verpackungsarmen Einkaufen zu finden sind. Sehr schön. :illu:
    Verpackungsarm einkaufen - in Minga
     
  3. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Die Broschüre habe ich auch gelesen.
    Der Haushalt meiner Kumpels (WG), in dem ich öfter mal koche, praktiziert seit Jahren eine ziemlich konsequente Mülltrennung. Das klappt ganz gut, allerdings haben sie es auch ziemlich einfach, denn die entsprechenden Recyclingtonnen stehen mehr oder weniger vor der Haustür.

    Man kann als "Müllschlamper" nur staunen, wie wenig Restmüll übrig bleibt, wenn der Müll in die nur wichtigsten Bestandteile Biomüll, Kunststoffe, Papier, Glas, Metall, Restmüll getrennt wird.
    Das Verfahren ist Routine. Dosen muss man kurz (kalt) ausspülen, sonst fangen sie, insb. im Sommer, das Stinken an (Katzenfutterdosen).

    Problematisch wird's dann eher in kleineren Detailfragen:

    1. Verbundstoffe
    Das Einwickel"papier" vom Metzger, außen eindeutig Papier, innen glatt beschichtet. Was ist das? Papier? Kunststoff?
    Abziehdeckel vom Joghurt, außen Kunststoff, innen "metallisch". Metall? Kunststoff?
    Tetrapack: Letztlich auch so eine Ökosauerei.

    2. "Exotische" Pfandflaschen
    Manchmal bringen Freunde ungewöhnliche Pfandflaschen mit. Mittlerweile sagen wir: Entweder Du nimmst das Leergut gleich wieder mit, oder alles, was ich nicht unmittelbar in der Nähe wieder los werde (und da gibt's nur einen PENNY), landet, Pfandflasche hin- oder her, im Altglas. Denn anderenfalls sammeln sich die Exoten dort über Monate und Jahre an.

    3. Altfett
    Beim Entfetten von Brühen, in Öl eingelegte Waren u.ä. sammeln sich schon mal Fette an. In den Mülleimer schütten ist meist nicht gut (kann beim Beutel entleeren auslaufen und ist dann eine ziemliche Sauerei), in den Ausguss gießen ist aber auch nicht gut (die Fette können in der Abwasserleitung aushärten und diese dann verstopfen).
    Derzeit sammle ich Altfette in einem Kanister - was natürlich auch nur eine vorübergehende Lösung ist, denn irgendwann ist das Ding ja voll. Vielleicht sollte ich bis dahin Kontakt mit einem Gastronomen aufnehmen, der über eine Altfettentsorgung verfügt.
     
  4. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Wir haben dann irgendwann nur noch dort einwickeln lassen, wo Kunststoff von Papier getrennt werden konnte. Manche Bäcker wickeln das Brot ebenfalls in ein Papier, das kunststoffbeschichtet ist, zum Beispiel der Hofpfister, du kennst ihn. :)
    Allerdings kann man sich die Arbeit machen, Kunststoff vom Papier zu trennen. Wir bringen, da wir uns ja dem Kunststoff entsagen wollen, stets eine Stofftasche mit.
    Das ist ja auch das Ärgerliche. Deswegen kommt in unser Haushalt nur noch Joghurt im Pfandglas.

    Sicherlich taktisch eine kluge Lösung. Für den Gastronomen fällt der Kanister mehr oder weniger kaum ins Gewicht.
    Ich habe mal recherchiert, wie das denn andere machen. Einige sammeln das Fett in einer Flasche und werfen es dann in den Hausmüll. Halte ich für keine gute Lösung.
    Andere wiederum entsorgen Fette und Öle im Biomüll. Die Kritik ist wohl, dass es die Kompostierung erschwert.

    Was schlägt die Abfallwirtschaft München vor?
    Na also, passt doch.

    Aber der Landkreis Schweinfurth schlägt anderes vor:
    Kostenlose Abholung zwei Mal im Jahr: das ist nett.
    Auf der Seite werden Fette und Öle, trotz natürlicher Herkunft, als wassergefährdend eingestuft. Muss man sich bewusst machen.
     
  5. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Sicher richtig, nur: Leider kommt, u.a. aus wirtschaftlichen Gründen, für meine Freunde und mich nur ein Discounter in Frage, und die haben eine solche Ware nicht.
    Im Grunde noch besser (und auch simpel): Joghurt selbst machen.
     
  6. Semiramis

    Semiramis Großmeister

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    Vielleicht eine simple Nachfrage, aber ich verstehe nicht so ganz, warum ihr überhaupt versuchen wollt, zB Joghurt-Deckel in ihre verschiedenen Bestandtheile zu zerlegen (was, nebenbei, eh nicht geht ohne größere Aktionen wie Erhitzen/Verbrennen ...)
    Deckel von Plastik-Joghurtbechern: wie ihr schon richtig schreibt: ein Verbundstoff. verschiedene Kunststoffe, Binnenstrukturgitter (die Waben) und aufgedampftes Aluminium mit zT einem weiteren Kunstoff-Schutzüberzug. Da gibts keine verschiedenen Schichten, die man einfach voneinander lösen könnte.
    Die Deckel von Joghurtgläsern sind allerdings auch: Eine Metalllegierung mit Kunststoffbeschichtung nach Außen und Gummierung nach innen (lässt sich genausowenig einfach "auseinandernehmen") - in welcher Hinsicht ist das besser?
    (Die Mehrfachverwendung bei Gläsern mit Deckeln ist dann auch noch mal eine fragliche Sache. Unbegrenzt kann mans nicht wiederverwenden - die Zahl der tatsächlichen Handelsdurchläufe dürfte eher klein ausfallen, und bei Deckeln noch mehr als bei den Gläsern. Ob sich der dafür getriebene Aufwand (Rücktransport, Spülen und desinfizieren, neu ettiketieren, + Ausschuss (Glasbruch, schadhafte Deckel mit Kratzern - ob Deckel überhaupt wiederverwendet werden, weiß ich nicht) energietechnisch (!) überhaupt rechnet, ist noch eine andere Frage...)
     
  7. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Es wäre natürlich schön, wenn man dazu Statistiken fände. Leider habe ich nur Beiträge zu Getränkeflaschen gefunden.
    Mehrwegflaschen aus Glas können bis zu 50 mal wiederverwendet werden. Ihr Nachteil: der Transport ist schwieriger, denn sie sind schwerer und zerbrechlich.
    Mehrwegflaschen aus PET können bis zu 25 mal wiederverwendet werden. Sie sind leichter und unzerbrechlich. "Dampft" Kunststoff grundsätzlich?
    Die Zahlen sprechen auch energietechnisch für die Pfandvariante.

    Einwegflaschen: sie können gleich getrennt werden, müssen aber stets neu produziert werden. Wem also die Ressource Mineralöl nicht sympathisch ist, wird Einweg so oder so meiden wollen.
    Decken werden übrigens bei Pfandbehältern wiederverwertet, nur nicht so oft.

    Was also tun? Ich würde sagen, dass man auch darauf achten könnte, dass lange Transportwege nicht mehr notwendig werden. Man kauft Produkte aus der Region.

    Leider häufiger Nachteil: Kosten für den Verbraucher...
     
  8. Semiramis

    Semiramis Großmeister

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    Hm, jetzt bin ich ratloser als zuvor. Darf ich nach den Intentionen dahinter fragen? Im Moment erscheint mir das wie ein mehr oder weniger zusammengewürfelter Haufen aus verschiedenen Annahmen und Ausgangsproblematiken, aus denen sich die Vorschläge ergeben. Schwierig insbesondere, wenn verschiedene Ausgangsannahmen in ihrem Resultat kollidieren.
    Also konkret: Soll es darum gehen, möglichst wenig Müll zu produzieren?
    In diesem Fall erklärt sich der Nutzen, denke ich, natürlich von selbst. Mehrweg und auf Verpackungen, wo sie überflüssig sind, verzichten, scheint ein naheliegender Ausgangspunkt.
    Geht es um "energietechnische" Bilanz? Da erscheint Mehrweg dann doch kein guter Weg mehr zu sein. Einstampfen und neu produzieren kann mitunter energietechnisch sinnvoller sein.
    Und was Kunststoffe angeht: Darf man nach den Gründen fragen, die Euch bewegen, darauf rigoros (und nicht nur bei überflüssigen Sachen wie Einkaufstüten) darauf verzichten zu wollen? Wenn ich euch richtig verstehe, geht es zudem ausschließlich um "mineralöl-basierte" Kunststoffe (was ja nicht auf alle zutrifft - aber, zugegeben, auf die meisten, die heute im Umlauf sind).
    Was das Aluminium angeht, verstehe ich ein Verzichten ebenfalls nicht - außer natürlich die wirklich unschöne Verwendung von Folien beim Backen, das muss tatsächlich nicht sein.

    Vielleicht bin ich hier im Thread so etwas wie der "advocatus diaboli" mit diesen Fragen - aber die stelle ich mir beim Lesen des Threads. Würd mich freuen. :)
     
  9. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Es ging uns gar nicht so sehr ums Zerlegen, sondern vielmehr um die Frage - wenn man denn schon Müll trennt - zu welcher Müllsammlung man solche Verbundstoffe denn hinzufügen soll.

    Kürzlich las ich einmal in einer Zeitschrift, was für ein fragwürdiger Verbundstoff beispielsweise so ein Tetra-Pack heutzutage ist. Offenbar besteht das ding aus bis zu sechs verschiedenen Schichten, Pappe, Kunststoff, Aluminimum inklusive. Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was das alles soll?! In meiner Kindheit wurde Milch z.B. im Wachskarton geliefert, das ging doch auch! Und sicherlich einfacher zu entsorgen, als derartige Verbundstoffe.

    Nicht jeder kocht ein, und nicht für jeden lohnt sich das. Da einer meiner Kumpels für seine WG allerdings regelmäßig ziemliche Mengen an Lebensmitteln von der Tafel holt, habe ich das Einkochen für mich entdeckt.
    Deshalb sammeln wir Schraubgläser - und aktuell haben wir eher einen Mangel an diesen, als zu viele.
    Ordentlich behandelt, kann man sie ziemlich oft wiederverwenden.
     
  10. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Ganz generell gesagt möchte ich Müll vermeiden. Das äußert sich zum Beispiel durch:
    • Vermeidung von Tüten beim Einkauf (insbesondere bei Gemüse und Obst)
    • Vermeidung von Obst und Gemüse in Dosen und auch Gläsern, lieber frisch (am Besten selbst geerntet...)
    • Kauf von Produkten in Mehrwegbehältern (Pfandrückgabe)
    • Vermeidung von Produkten, die aufwendig in Plastik verpackt sind, zum Beispiel manche Süßwaren
    • Für manche Produkte, wenn möglich und vorhanden, bringe ich eigene Behälter mit um abzufüllen
    • Kauf von Produkten, die unaufwendig verpackt sind, zum Beispiel Butter in Pergament anstatt in Verbundverpackungen
    • Bei Toiletten- und Reinigungsartikel, etc. suchen wir auch immer nach Lösungen ohne (viel) Verpackung (Zapfen von Waschmittel, Papierrolle nicht in Plastik verpackt, etc. )
    Die Gründe sind verschieden: einerseits möchte ich nicht so oft zur Mülltonne rennen, andererseits denke ich mir, je weniger Müll, desto sauberer die Umwelt (und damit meine ich nicht nur die natürliche...).

    Aluminium wie Plastik will ich grundsätzlich vermeiden. Wie oft und wie schnell und einfach wird Aluminium als Verpackung hergenommen (Pausenbrot, Weihnachtsschokolade, etc.). Aluminiumgewinnung (aus Bauxit) ist sehr umweltschädigend. Aluminium selbst ist als Metall chemisch gesehen recht unedel. Es hat auch nicht gerade den Ruf, für die Gesundheit unbedenklich zu sein.

    Zum Energieaufwand für Einweg und Mehrweg: ja, da bedarf es einer Analyse, denn den Energieaufwand zu bilanzieren, ist schon ziemlich komplex.

    Aber es gibt ja Organisationen, Ämter und Institute, die sich damit befassen. :)
    Ökobilanzen <<<<< >>>>> Ökobilanz für Getränkeverpackungen
     
  11. streicher

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    Um Plastik- oder Alutuben zu vermeiden, habe ich Zahnputztabletten ausprobiert: die gibt es auch in einer Papiertüte verpackt und landen zuhause in einem verschraubten Glas. Wenn man jahrzehntelang mit Zahnpasta geputzt hat, ist auch eine Zahnputztablette eine Erfahrung. Ich hatte erstmal Respekt vor dem bevorstehenden Geschmack, aber der passte. Mittlerweile benutze ich die Tabletten doch schon einige Monate. Die Feuerprobe war dann die Zahnreinigung und der prüfende Blick der Zahnärztin. Kurz gesagt: alles in Ordnung. Allerdings tut die Zahnseide freilich auch das Ihre...
     
  12. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Man kann seinen Becher für den Kaffee-to-go selbst mitbringen. Ist das etwas Besonderes? Nein, ist es nicht. (Habe ich mir am eigenen Arbeitsplatz angewöhnt. Bin nicht allein damit.) Laut Becherowski liegt es noch nicht sehr im Trend.
    Die Müllproduktion mit *-to-go-Bechern ist eigentlich der Wahnsinn.
    Deutschland trennt - so schlecht nicht - bei steigender Müllproduktion. :santamotz:
     
  13. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Kennt ihr die Initiative foodsharing? Die Initiatoren haben sich zum Ziel gesetzt, Lebensmittel von Lebensmittelbetrieben aller Art zu retten und sinnvoll zu verteilen. Dass viele Lebensmittel sinnlos weggeworfen werden, in Haushalten, in Lebensmittelbetrieben, usw., wissen wir.
    Das ist Wahnsinn. Doch wie tritt man diesem Problem effektiv entgegen?
    Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft setzt dabei auf Aufklärung und freiwilliges Ändern des Verhaltens: Wie viel werfen wir weg?.
    Frankreich geht dabei einen anderen Weg (auch obiger Artikel aus der SZ). Das Parlament hat im letzten Jahr ein Gesetz durchgewunken, dass Großhändlern verbietet, Lebensmittel wegzuwerfen oder unbrauchbar zu machen. Kleine Händler sind von dieser Regelung nicht betroffen. Gehen die beiden Staaten völlig unterschiedliche Wege? Das kann ich mir auch wieder nicht vorstellen.
    Die foodsharing-Initiative hat bislang Fuß in Deutschland, Österreich und in der Schweiz gefasst. Ob Frankreich eine ähnliche Initiative hat? foodsharing wird jedenfalls dort Fuß fassen wollen.
    Es wäre ja zu schön, wenn in D und anderswo das Wegwerfen von Lebensmitteln signifikant zurückgehen würde.
     
  14. Ein_Liberaler

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    Die Frage ist, wieviel wir produzieren. Soviel, daß es gearde reicht, oder soviel, daß es mit Sicherheit reicht? Dann wird ein Teil weggeworfen. Und warum auch nicht? Sicher, es soll keinen Spaß machen und nicht selbstverständlich werden, aber die Alternative zum Wegwerfen ist Mangel.
     
  15. zerocoolcat

    zerocoolcat Forenlegende

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    Also ich sehe Plastikmüll gerade im Einfamilienhaushalt als eins der geringsten Probleme... bei uns in Ö kommt alles, was Verpackungskunststoff ist, in den "gelben Sack", der wird gratis vor der Tür abgeholt. 12 solcher Säcke bekommt jeder Haushalt (gestaffelt nach gemeldeten Bewohnern) im Jahr, wer mehr braucht, muss nachkaufen.

    Was für mich als Kleinunternehmer jedoch wöchentlich an Verpackungskunststoff in meinem Betrieb anfällt, ist unglaublich, das wären 2 gelbe Säcke pro Woche...
    Jedoch fällt mir auf, dass die meisten "Füller" irgendwelche Zertifizierungen haben, dass sie einfachst wiederverwertet werden können usw., gerade wenn sie "artgerecht" gesammelt werden.

    Das von Streicher angeführte Experiment, in einem Haushalt möglichst wenig Plastikmüll anfallen zu lassen, fällt da meiner Meinung nach in die "Tropfen im Meer"-Kategorie...


    Lebensmittelverschwendung ist wiederum ein Thema, das mich sehr stört, gerade, weil vielen Supermärkten hier (vom Firmenvorsitz) verboten ist, nicht verkaufte Frischware zu verschenken.
    In unserem kleinen Ort bin ich in der glücklichen Lage, Fleisch, Eier, Saft, Milch und auch manches Gemüse direkt hier vom Bauern oder im Regionalmarkt kaufen zu können. Natürlich ist da eines klar: Sonderwünsche gibts da keine! Was er diese Woche hat, kannst du haben. Da kannst du nicht mit Rezept kommen, sondern du suchst dir dann daheim das Rezept zu dem, was er frisch hatte. Und teurer ist das ganze auch nicht als im Supermarkt, schon gar nicht, wenn man die Qualität vegleicht.

    Aber klar, ganz Mitteleuropa auf eine Wirtschaft von Kleinbetrieben, wie dem Greisler vom Opa noch, umzustellen, wär zwar die Lösung, aber quasi unmöglich; die Leute wollen IMMER ALLES bekommen können, vermutlich weil es ihnen von den Supermarktketten so angelernt wurde...

    Mangel? Du meinst wie Hunger? Das glaub ich nicht...nur weil du mal statt Fleisch eine Mehlspeise machen musst, ist das noch kein Mangel...
     
  16. Ein_Liberaler

    Ein_Liberaler Forenlegende

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    Nein, Mangel. Nicht das bekommen, was man sucht, acht Supermärkte abklappern, etwas kaufen, was man eigtl. nicht will. Das Ggmittel ist übrigens bekannt, Hamstern. Sofort nach Öffnung rein in den Aldi und die ganze Palette von dem tollen Himbeeryoghurt kaufen, bevor wieder nur noch Kirsche übrig ist.

    Die Tafeln haben übrigens darunter zu leiden, daß Wegwerfen kaufmännisch keinen Sinn hat und die Märkte diese friktionellen Verluste immer geschickter minimieren.
     
  17. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Die mangelnde Bereitschaft der Märkte hat auch andere Gründe, z.B. juristische. Ein Händler, der verdorbene oder ekelerregende Waren "in Verkehr bringt" - und zu letzterem gehört auch das Verschenken - macht sich strafbar.
    So gesehen ist das Verteilen abgelaufener Ware an die Tafeln immer auch eine Gratwanderung.
     
  18. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Wenn man sich im Internetz umhört, wer Plastik meidet und aus welchem Grund, kristallisiert sich auch noch ein anderer Grund heraus, warum einige Plastik (u.a.) meiden. Minimalismus. Lieber ein oder zwei Öle statt zig Kosmetikartikel im Badezimmerschränkchen, lieber eine oder zwei Seifen statt diverse Duschgele, Schampoos, Spülungen. Die denken gar nicht mal in erster Linie an die Umwelt, sondern an sich selbst, nach dem Motto: Weniger ist mehr, eben auch weniger Müll jeder Art.

    Geschäfte, die "plastikfrei" ihre Produkte anbieten, führen unter dem Meer an Geschäften und Supermärkten eher ein Mauerblümchendasein. Allerdings würde es mich auch nicht wundern, wenn sich daraus durchaus ein Trend entwickelt.

    In einem Laden in unserer Nähe gibt es ältere Frischwaren zum halben Preis - einen letzten Tag lang.
    Es sind eben nicht unbedingt Produkte, die schlecht oder verdorben sind, die weggeworfen werden, sondern viele Produkte, die beim Mindesthaltbarkeitsdatum angelangt sind, die den Weg in den Müll finden (müssen). Diese Produkte sind ja noch genießbar: das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum.

    Und was die Haushalte betrifft: Manch Lebensmittel kann man ja durchaus auch noch verwenden, wenn die "ihre beste Zeit" vorüber ist. Brot und Semmeln zum Beispiel. Wenn es hart geworden ist, lässt es sich durchaus noch verarbeiten: Semmelknödel, Semmelbrösel, Croutons, Einlegen in Milch + weitere Verarbeitung -> Verwendung als Nachspeise, Bratlinge,...

    Am Einfachsten ist hier in der Stadt, auf den Märkten Saisonales und Regionales zu stoßen. Aber es bieten durchaus einige Ketten Regionales und Saisonales an: Alnatura, Tengelmann, Basic, Rewe und wie sie alle heißen. Vielleicht ginge das Anlernen auch andersrum.
     
  19. zerocoolcat

    zerocoolcat Forenlegende

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    ...aber das ist ja genau das Üble heutzutage: dass der Kunde zuhause schon festlegt, was er haben WILL, statt im Geschäft das zu kaufen, was es jetzt frisch gibt. Ist doch wurscht, ob man genau das Joghurt bekommt, das einen gelüstet, oder obs überhaupt Joghurt gibt?! Dafür gibts frische Marillen (aber nur heute und morgen), oder was saisonal hat grad anfällt etc...

    Mein Kritikpunkt ist halt die "Ich WILL. JETZT. GENAU DAS. haben!"-Mentalität.
    Ob das Ernährung betrifft, Content (im und abseits des Internet) oder Konsum in einer anderen Form.
    Keiner kann mehr was anfangen mit etwas, das ihm nicht reinpasst.
     
  20. Ein_Liberaler

    Ein_Liberaler Forenlegende

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    Okay, das ist dann eine normative Aussage. Die Schwierigkeit ist dann immer, wie man die Normen genau formuliert und was genau man verbieten, erschweren, besteuern und was man fördern will.