Südsudan wird unabhängiger Staat

Mr. Anderson

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Ganz unbeachtlich ist es vielleicht nicht: Vom 9. bis zum 15. Januar fand ein Referendum über die Unabhängigkeit des Südsudan statt. Der Südsudan war seit dem Ende des Bürgerkrieges 2005 eine autonome Region des Sudan.

Laut dieser Seite sind zur Zeit (als ich diesen Beitrag schreibe) 100% der Stimmen aus dem Norden und 98,7% der Stimmen aus dem Süden ausgezählt, und von den gültigen Stimmen sind wiederum 98,81% für eine Sezession.

Die Flagge des neuen Landes (dessen Name übrigens noch nicht feststeht) wird offenbar jene der SPLA/M (Sudan People's Liberation Army / Movement):


Der Südsudan macht ca. 1/4 der bisherigen Fläche des Sudan (2,5 Mio km²) aus; die Einwohnerzahl ist wohl umstritten; die SPLA/M spricht von 11-13 Millionen; ansonsten findet man auch Angaben zwischen 5,6 und 9,7 Millionen. Der Sudan insgesamt hatte 2010 (laut CIA World Fact Book) 43,9 Mio. Einwohner.

Präsident Omar al-Baschir hatte im April 2010 angekündigt, das Ergebnis des Referendums anzuerkennen; spätere Äußerungen anderer Regierungsmitglieder lassen Raum für Zweifel; siehe dazu auch der deutsche und englische Wikipedia-Artikel.
 

Atlan

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Südsudan wird unabhängiger Staat

Heute, am 9. Juli 2011, wird in Afrika sich der Südsudan vom Sudan abspalten und als völkerrechtlich eigenständiger Staat in der internationalen Staatengemeinschaft wiederfinden.

Vorbei ist die Zeit des Rassismus, der Religionsunterdrückung, aber auch des Bürgerkrieges. Soweit zu positiven Beschreibung der Situation.

Jedoch sind immer noch nicht viele dringende Probleme gelöst; allen voran die Grenzstreitigkeiten um Southern Kordofan, die Verwaltung von Blue Nile, der Rückzug der SPLA aus Blue Nile (die noch die südlichen Teile um Kurmuk besetzen) und die Ölverteilung. Der Süden leidet unter mangelnder Infrastruktur und Verwaltung. Jedoch ist die UNO nicht untätig. Gestern wurde das Mandat für UNMISS via Resolution legitimiert.

Wünschen wir dem Staat alles Gute, vor allem gute Berater!
 

Laokoon

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Alles Gute zur Geburt. Hoffentlich kann das ein Beispiel für ansatzweise Überwindung kolonialer und postkolonialer Probleme und Strukturen sein. Wobei sich die Zuversicht bei mir da in Grenzen hält. Trotzdem, alles Gute!
 

Goatboy

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Wäre das nicht ein guter Staat für private Investoren? Viel Öl, bisher keine Raffinerien, die einzige für den Export geeignete Pipeline führt durch den Sudan - klingt doch eigentlich vielversprechend, oder?

Insgesamt aber teile ich Laokoons Skepsis. Es wäre sicher erstaunlich, wenn es im Südsudan nun wenigstens einigermaßen funktionieren würde.
 

Atlan

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Soviel Öl haben die gar nicht. Es wird geschätzt, dass der Vorrat 15 Jahre hält. Damit macht sich eine eigene Ölpipeline über Kenia obsolet. Desweiteren ist die Ölqualität auch nicht sehr hoch. Beide Staaten können nur gemeinsam. Und sie wissen das.

Aber warten wir mal ab.

Übrigens, Öl ist nur ein Teil der Probleme. Falls Abyei und Southern Kordofan doch noch dem Süden zufallen sollte, verliert der Norden auch einen Großteil seiner Landwirtschaftsflächen. Ich selbst sitze grade in Blue Nile, dieser hat einen SPLM-Governeur und ist aber nördlich von 1-1-56... Tja. Mal schauen, was morgen wird. Und was hat Blue Nile? Chromite, Gold, Seltene Erden...

Wie schon angedeutet: Meine Meinung ist, dass das Öl nur ein Teil der zukünftigen Konflikte ist.
 

Goatboy

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Aber gibt es denn überhaupt berechtigte Hoffnung darauf, dass die beiden Länder in Zukunft auch nur halbwegs miteinander auskommen? Der Sudan wird über die Abspaltung nicht sehr erfreut sein und wenn man sich historische Beispiele geteilter Staaten ansieht, muss man feststellen, dass sie selten händchenhaltend durch die Weltgeschichte laufen. Da wäre doch ein kalter Frieden unter gegenseitiger Nichtbeachtung schon geradezu erstrebenswert. Eine wirtschaftliche Zusammenarbeit klingt doch allzu unwahrscheinlich, oder?
 

streicher

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Leider sind die Nachrichten aus diesem jungen Staat äußerst schlecht, denn ein blutiger Bürgerkrieg martert das Land:

DIE WELT: UN beklagen entsetzliche Verbrechen im Südsudan


SPIEGEL ONLINE:
Ein Bericht der Afrikanischen Union offenbart das Ausmaß der Kriegsverbrechen im Bürgerkrieg im Südsudan: Mord, Vergewaltigung - und Kannibalismus.
Kriegsverbrechen im Südsudan: Die Liste des Grauens


DIE ZEIT:
Die UN beschuldigen vor allem die Regierung einer Politik der verbrannten Erde und der systematischen Vergewaltigung und Ermordung von Zivilisten. Zwar hätten beide Seiten Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen. Im vergangenen Jahr hätten jedoch die Truppen von Präsident Salva Kiir und verbündete Milizen die größte Schuld auf sich geladen.
Frauen vergewaltigen statt Sold


African Union Peace and Security Council:
http://www.peaceau.org/en/article/communique-of-psc-571st-meeting-at-the-level-of-heads-of-state-and-government-on-the-situation-in-south-sudan
 

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