Neuer Trend: "Viraler" Wahlkampf?

MisterNiceGuy

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Ich habe einen ähnlichen Thread auch schon in einem IT-Forum gestartet, weil das auch zum Thema passt, wollte aber auch hier darüber diskutieren...

Es geht mir um moderne Wahlkampfstrategien und darum, was die deutschen evtl. von dem aktuellen US-Wahlkampf lernen können hinsichtlich "viralen" Wahlkampfstrategien.

Barack Obamas Team nutzt nicht nur virtuos das Internet und alle modernen Medien (Blogs etc.), um seine Anhänger zu mobilisieren, sondern auch dazu, um sie dazu zu bringen, aktiv an seiner Kampagne mitzuarbeiten und sozusagen wie bei einem viralen Marketing das Ganze per Mund-zu-Mund-Propaganda weiterzutragen.

Was haltet ihr davon? Ist das die neue Art und Weise, Wahlkampf zu machen? Braucht man die klassischen Medien bald nur noch als Anhängsel zum eigentlichen Wahlkampf? Und ist das auch ein Vorbild für den Wahlkampf in Deutschland?

Hier ein paar erste Links zum Thema, die ich gefunden habe:

Ein paar aktuelle Links zum Thema:

SMS-Wahlkampf von Obamas Team:
http://berndroethlingshoefer.typepad.com/smc/2008/08/sms-von-barack.html

Mobilisierung 2.0:
http://edwohlfahrt.blogs.com/blogdog/2008/10/us-wahlkampf-mobilisierung-20.html

Blog zum US-Wahlkampf:
http://www.blog.prodialog.org/

Wenn jemand noch mehr Beispiele hat: Immer her damit :)
 

the_midget

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Viraler Wahlkampf hat (wenn er funktioniert) den Vorteil, dass man mit relativ einfachen Mitteln und wenig Aufwand viel erreichen kann. Da man von Menschen, die im Internet aktiv sind gemeinhin eine gewisse Offenheit und Innovationsfreudigkeit erwartet, liegt im Internet gerade für Obama eine Riesenchance. Zudem erreicht man über Blogs Multiplikatoren und Meinungsführer. Mit anderen Worten: Es wäre dämmlich diese neuen Kanäle nicht zu nutzen. Eine zweischneidige Sache bleibt das Ganze dennoch, da hier die Manipulationsgefahr sehr hoch ist.

gruß

midget
 

MisterNiceGuy

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Denkt ihr denn, dass man den viralen Wahlkampf oder eben diese neuen Strategien des Wahlkampfs auch so auf die deutsche Politik übertragen kann? Oder ist das hierzulande gänzlich unmöglich?
 

Hank_Gee

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Viraler Wahlkampf? JA!

@MisterNiceGuy

Ich antworte auf diese Frage mit einem klaren JA. Denn in einem anderen Forum erlebe ich momentan, wie ein Troll (geistig nun wirklich nicht ganz richtig im Kopf!) eine geradezu abartige Werbetrommel für 'seinen' nächsten Wunsch-Präsidenten rührt. Entgegen jeglicher Vernunft als Erlöser verehrt & angebetet, widert mich diese hierzulande nahezu absolut sinnlose Polit-Propaganda geradezu an. :don:

Und dieser Kerl ist dort leider nicht allein. Gut möglich, das seinesgleichen demnächst solcherlei Treiben auch im deutschen Wahlkampf startet. Dann eben, um Ugly Angie oder Steini zu glorifizieren.
 

agentP

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Das Problem dabei ist aber, dass die Rolle des Präsidenten in den USA eine andere ist, als die des Bundeskanzlers. Der Präsident ist ja schon von den Verfassungsvätern quasi als demokratischer Ersatzmonarch angelegt worden. Er ist ja nicht nur Chef der Exekutive, sondern auch neben der Flagge das wichtigste Symbol des Staates.
Deswegen wirkt ja auch der amerikanische Wahlkampf oft so bizarr, weil es manchmal eher darum geht, wieviel Ausstrahlung und Charisma der Präsident hat oder wie sehr sich die Menschen mit ihm identifizieren können, als darum, für was für eine Politik er steht . Manche Kandidaten haben sich ja ihre Kandidatur mit nur einem verpatzten öffentlichen Auftritt versaut.

Die Kandidaten müssen immer auch etwas von einem Popstar haben und das macht es einfach auch im Wahlkampf in diese Kerbe zu hauen in Zeiten in denen auch Popbands allein durch Werbung im Internet zu Erfolg kommen können.

Dazu kommt, dass wir weder unseren Kanzler wählen, noch unseren Bundespräsidenten, sondern wir wählen Parteien und Parteiprogramme und die wird man auch mit viraler Werbung nicht unbedingt sexy dastehen lassen können.

Ich bin mir daher nicht sicher, ob das bei einer Bundestagswahl in Deutschland so effektiv sein könnte, was natürlich nicht heissen soll, dass virale Werbung im Wahlkampf nicht ein Thema sein kann, nur halt längst nicht in dem Masse, wie bei einer amerikanischen Präsidentschaftswahl.
 

Hank_Gee

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@agentP

Mir ist durchaus bekannt & bewußt, das unser System sich (auch und gerade beim Wahlkampf) sehr von dem der Vereinigten Staaten unterscheidet.

Allerdings muß ich anmerken, das mit der Amerikanisierung unserer Gesellschaft auch der deutsche Wahlkampf in den letzten Jahren einer gewissen Veränderung unterlag.

Besonders bei Endlos-Kanzler Helmchen vs Gerd war doch zu merken, das es nicht mehr allein um CDU vs SPD ging. Für manche zählte das Motto "KOHL MUSS WEG" letztendlich mehr als die Wahlkampfaussagen und diversen Ankündigungen.

So merkte ich persönlich etwa, das einige überzeugte Gerd-Anhänger anschließend von der rot-grünen Ökosteuer ziemlich überrascht wurden!
(Andererseits hätten Helmchen & sein Finanzhai Big-Braue Theo mit hundertprozentiger Sicherheit in den folgenden Jahren ebenfalls immer wieder die Autofahrer zur Kasse gebeten)

Und das unsere Politiker wohl nichts im Container der DeMol-Deppen oder in endlosen Fernsehserien der Marke Schlechte Drehbücher, geile Blondchen verloren haben, dürfen wir auch nicht vergessen.
 

agentP

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Für manche zählte das Motto "KOHL MUSS WEG" letztendlich mehr als die Wahlkampfaussagen und diversen Ankündigungen.
Ja, bei Schröder gegen Kohl standen sich auch zwei "Persönlichkeiten" gegenüber und Schröder wurde auch nicht von ungefähr der "Medienkanzler" genannt. Nur wüsste ich im Moment nicht recht, wer im Moment genung Charisma hätte, damit man das auf dieser persönlichen Ebene aufziehen könnte. Die von dir genannten Merkel und Steinmeier imho ganz sicher nicht.

Allerdings muß ich anmerken, das mit der Amerikanisierung unserer Gesellschaft auch der deutsche Wahlkampf in den letzten Jahren einer gewissen Veränderung unterlag.
Na das würde mich ja schon interessieren inwiefern unser Wahlkampf "amerikanisiert" wurde. (Ganz abgesehen davon, dass ich diesen Begriff an sich schon diskutierbar finde).
 

Hank_Gee

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@agentP

Ja gut - ich gestehe offen ein: Manchmal sind Vergleiche fußlahm und hinken gewaltig. Sicherlich sind SPD-Retter Steinmeier und die Zonenwachtel keine sonderlich großen Lichtgestalten. Auch haben sie für gewöhnlich keine solchen chaotischen Gestalten wie Madame Palin zur Seite. Denn gegen diese Dame kann nicht mal Tatort-Ossi Sodann in den Reihen der Linken so richtig mithalten.

Und vielleicht war ich auch durch die schlechte Erfahrung Kohl -> Schröder zu sehr verleitet, den damaligen deutschen Wahlkampf mit der Schlacht McCain vs Obama zu vergleichen. Schlußendlich wird nämlich auch der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten kaum großartige Verbesserungen für sein Land bringen.

Und das ist leider die größte Ähnlichkeit...
 

MisterNiceGuy

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agentP schrieb:
Na das würde mich ja schon interessieren inwiefern unser Wahlkampf "amerikanisiert" wurde. (Ganz abgesehen davon, dass ich diesen Begriff an sich schon diskutierbar finde).
Naja, es stimmt schon, dass unser Wahlkampf immer mehr medienzentriert wurde, das aber schon seit vielen, vielen Jahren. Was bei uns noch fehlt, ist eben genau das, was ich in diesem Thread eigentlich meinte: Die Neufokussierung auf die ganz modernen Medien, d.h. auch das Internet und die Web2.0-Portale. Anderswo hat man mir dieses Buch hier empfohlen, kennt das zufällig jemand: http://www.amazon.de/Von-Botschaft-...s=books&qid=1225701712&sr=8-1&tag=ask12020-21
 

agentP

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Schlußendlich wird nämlich auch der erste schwarze Präsident der Vereinigten Staaten kaum großartige Verbesserungen für sein Land bringen.
Da sind seine Möglichkeiten auch sehr beschränkt. Zum einen wegen der relativ strengen Gewaltenteilung, zum anderen, weil sein Einfluss im eigenen Land auch durch die ausgesprochen föderalistische Struktur der USA nicht so groß ist, wie sich der Europäer das gemeinhin vorstellt.
Ich denke aber ganz davon abgesehen, würde es ziemliche Auswirkungen auf die amerikanische Gesellschaft haben, wenn tatsächlich ein Afroamerikaner Präsident würde. Schon allein weil ich mir Vorstellen könnte, dass eine ziemlich Signalwirkung hätte.


Naja, es stimmt schon, dass unser Wahlkampf immer mehr medienzentriert wurde, das aber schon seit vielen, vielen Jahren.
Ja bestimmt. Das hat aber imho eher mit der (technischen) Entwicklung zu tun, als mit dem Einfluss einer fremden Kultur.
 

IMplo

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Ich halte von Wahlkampf generell nichts!

Wahlkampf ist ein Synonym für:

!! nicht eingehaltene versprechen !!

Solange das so ist, ist mir recht schnuoppe, welche Methoden angewandt werden - es geht eh nur um möglichst breiten Absatz von gefälligen Lügen!

Greetz!
IMplo
 

agentP

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Weißt du wovon ich nichts halte?
Wenn in einem Thread ein paar Leute ausnahmsweise mal eine halbwegs sachliche Diskussion führen und dann wieder irgend ein Dork seine polemischen Stammtisch-Plattitüden einstreuen muss.
:roll:
 

Angel of Seven

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agentP schrieb:
Weißt du wovon ich nichts halte?
Wenn in einem Thread ein paar Leute ausnahmsweise mal eine halbwegs sachliche Diskussion führen und dann wieder irgend ein Dork seine polemischen Stammtisch-Plattitüden einstreuen muss.
:roll:
Für alle die nicht wissen was ein "Dork" ist (ich wusste es auch nicht):

Dork

Ein Dork ist ein Trottel, besonders im Computerbereich oder Rollenspiel. Sieht meist hässlich aus und haust in einer versifften Bude mit alten Pizzakartons. Der Dork will aber überall mitmischen und mitreden, obwohl er keine Ahnung hat.

http://www.mundmische.de/entry/show/1769/

:flucht:
 

agentP

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Ich bin ja nun ein alter (Online-)Rollenspieler und habe daher auch den Begriff, aber ich kenne das aber eigentlich nur im Zusammenhang mit dem 2. Satz. Das das den Beigeschmack im ersten Teil der Erklärung haben kann, war mir nicht bewusst und daher war das auch nicht so gemeint.
 

MisterNiceGuy

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agentP schrieb:
Ja bestimmt. Das hat aber imho eher mit der (technischen) Entwicklung zu tun, als mit dem Einfluss einer fremden Kultur.
Aber warum tun sich die deutschen Politiker so schwer, von den Amis zu lernen, wenn es um Internetwahlkampf geht, um mal indirekt das Buch zu zitieren, dass ich schon genannt hatte?

Hast Du mal gesehen, wie der Podcast von Merkel aussah? Zum weglaufen. Oder die Versuche der FDP, Internetfernsehen zu machen? Obama hingegen spielt wie ein Meister auf der Klaviatur sämtlicher web2.0-Portale, youtube usw.
 

Winston_Smith

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Ein großes „Problem“ in Deutschland ist, dass viele Ihre politische Meinung als Privatsache ansehen. Um einen Internethype wie bei Obama zu wecken, muß eine gewisse „Fanbase“ vorhanden sein. Wer also ein Fanvideo, Shirts, Fanplakate o.ä. von z.B. Merkel erstellt, der gibt seine politische Meinung öffentlich preis. Und das wollen viele einfach nicht.

Was momentan an web2.0ligen Sachen passiert, ist eher ein müder Versuch der Parteien, hip zu sein. Um aber „viral“ zu funktionieren, braucht man Fans und Multiplikatoren. Und die gibt es in unserer Bevölkerung nicht.

Insgesamt scheitert es bei uns aber auch schon an den Kandidaten. Mal ehrlich: Kohl, Schröder, Merkel und Stoiber sind nicht vergleichbar mit Reagan, Clinton, Bush, Obama, McCain usw. Die US-Kandidaten sind Charaktere mit Charisma. Da ist es leichter, ein Fan zu sein.
 

MisterNiceGuy

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