...Unterdessen hat sich trotz der Zusage von täglich 1.400 zusätzlichen Nationalgardisten und der laut Präsident George W. Bush größten Hilfsaktion der US-Geschichte das Chaos in den Katastrophengebieten um New Orleans weiter verschlimmert. "Das ist eine nationale Schande", schimpfte der Sicherheitschef der Südstaatenmetropole, Terry Ebbert. Das Hurrikangebiet ist fast so groß wie Großbritannien.
In der Stadt herrschten anarchische Zustände. Scharen verzweifelter und hungriger Menschen flehten um Hilfe, Leichen verrotteten auf Bürgersteigen und bewaffnete Banden störten die sporadischen Hilfsbemühungen. Am Superdome brachen Kämpfe und Feuer aus.
...Der Polizeichef von New Orleans, Eddie Compass, berichtete, neben Raubüberfällen und Schlägereien sei es auch zu Vergewaltigungen gekommen. Der Chef der Polizei von Louisiana, Henry Whitehorn, sagte, er habe gehört, dass mehrere Beamte in New Orleans ihre Dienstmarke abgegeben hätten. "Sie sagten, sie hätten alles verloren und wollten jetzt nicht zurückgehen, um sich von Plünderern erschießen zu lassen."
Gouverneurin Kathleen Blanco erklärte Plünderern und Gewalttätern den Krieg. Die neu ins Katastrophengebiet eingeflogenen Nationalgardisten hätten Maschinengewehre, "und sie sind geladen", sagte sie am Donnerstagabend. Die Reservisten, zum Teil erst vor kurzem aus dem Irak zurückgekehrt, "wissen wie man schießt und tötet, und ich denke, das werden sie auch tun."
...In den verwüsteten Regionen fehlen vor allem Nahrungsmittel, sauberes Trinkwasser, Medikamente und Transportmittel für zehntausende Flüchtlinge. Leichen verwesen in den Straßen oder treiben im Wasser. Hinzu kommen die ausufernde Gewalt, die die Rettungseinsätze behindert, und Plünderungen. Der Direktor der Behörde für Katastrophenmanagement (FEMA), Michael Brown, sagte nach CNN-Angaben, seine Behörde versuche in New Orleans unter Kriegsbedingungen zu arbeiten.
...Eine weitere Hiobsbotschaft kam in der Nacht auf Freitag aus Texas: Eine der wichtigsten Anlaufstellen für die Hurrikan-Opfer ist überfüllt. Das Astrodome in Houston könne keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen, teilte das Rote Kreuz mit. Die Busse mussten andere Notaufnahmestellen anfahren...