_Dark_ schrieb:
das ist ja genau das.. ich kann jetzt nur von meinen erfahrungen ausgehen, aber die waren: die produktion wird nicht in die tschechei verlagert (obwohl es nur 100km wären), die arbeitsplätze der leute werden gesichert, vorarbeiter werden übertariflich bezahlt, usw..
das ist der verantwortungsbewusste mittelstand von dem ich hier spreche, und dieses ackermann gezockse..
Ich gebe zu, vielleicht habe ich etwas überzeichnet. Nicht alle Firmen handeln so. Außerdem ist eine Betriebsverlagerung nicht immer sinnvoll, die "billigere" Auslandsproduktion ist oft genug ein Mythos, der aber von den "jung-dynamischen" BWLern nur zu gern vertreten wird.
Der Grund dafür ist, daß der Faktor Arbeit nur ein Faktor von vielen ist, die den Preis eines Produkts bestimmen, andere Faktoren aber gleich sind oder auch teurer (z.B. Wartung).
So hat z.B. der bekannte Batterienhersteller VARTA vor Jahren die Produktion von Malaysia wieder zurück nach Deutschland verlagert.
Sie haben nämlich festgestellt, daß das, was sie in Maylaysia mit 400 mitarbeitern machen, in Deutschland mit 40 zu machen ist (bessere Maschinen, bessere Leute, weniger Ausschuß, weniger Qualitätskontrolle usw.). Und so billig sind dann die Malaien auch wieder nicht.
Leider ist das nicht immer so. Vor Jahren haben wir in China in 2 Fabriken Luftmatrazen produziert (für Siemens, die Handy-Luftmatratzen).
Obwohl die Fertigung von meinem damaligen Partner auch nach sozialen Gesichtspunkten ausgewählt wurde, sind die Bedingungen, unter denen die Leute arbeiten, nach europäischen Maßstäben ein Hohn.
Die eine Fabrik galt für dortige Verhältnisse als vorbildlich: 10 Stunden-Tag, Werkskleidung, Mittagspause mit freier Verpflegung, Mineralwasser für alle. Aber ansonsten: Gefährliche Maschinen ohne Schutzvorrichtung, teilweise freier Zugang auf die Elektrik, Schneidemaschinen...
In der Packstation hockten die herum und füllten am Boden die Kartons - nicht mal Tische hat man denen spendiert.
Im Druck wurde mit lösungsmittelhaltigen Farben gearbeitet - ohne Abzugsanlage, gerade mal ein paar Deckenpropeller liefen da.
Die Arbeiter, die da rumliefen, hatte alle gelbliche Augen: Deren Leber war schon angegriffen. Wer dort arbeitet, stirbt nach 10 Jahren an Leberkrebs - das schert da keinen. China hat genug Menschen, und die nächsten stehen schon an, um diesen Job zu haben.
Wie es in der anderen Fabrik aussah, darüber möchte ich gar nicht mehr nachdenken, ganz zu schweigen von denen, die ganz ausfielen...
Aus diesen Gründen produzieren viele Markenfirmen nicht direkt in Entwicklungsländern. Beispiel ist hier Nike.
In den USA, wo nur entwickelt wird, machen die den Popanz: Fitness für die Mitarbeiter, Park zum spazieren gehen, große, lichte Räume...
Wo die Schuhe hergestellt werden, in Thailand, sieht es anders aus.
Direkt macht sich Nike daran nicht die Finger schmutzig, das läuft immer über einen zwischenhändler, Sub-Produzenten usw.
Und wenn ein findiger Journalist die Arbeitsbedingungen ausgräbt, dann kann Nike immer sagen: Wir haben das über Firma XYZ gemacht und von alldem nix gewußt. Der Lieferant arbeitet inzwischen nicht mehr für uns.
Auch der Siemens-Auftrag wurde letztlich wohl aus diesem Grund überhaupt nur an uns vergeben, hätten die auch sicher selbst produzieren können. Aber sie wollten eben nicht, das auf die soziale Firma siemens etwas zurückfällt, wenn mal jemand dahinter kommt, wie die schönen Luftmatratzen denn eigentlich hergestellt werden.
All das ist ein scheinheilige Doppelmoral, und das meine ich mit Ausbeutung.