guillaume affäre

Aghera

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Ich schreibe zur Zeit eine Seminararbiet über den DDR-Spion Günter Guillaume. Wie ihr wisst ist Willy Brandt nach der Verhaftung Guillaumes zurückgetreten. Brandt hat eine engagierte Annäherungspolitik gegenüber der DDR und weiteren Osteuropäischen Staaten geführt. Nach seinem Rücktritt wurde diese Politik auch fortgesetzt. Dennoch...meine These ist: Die Guillaume Affäre hat den Beziehungen zwischen der BRD und der DDR Nachhaltig geschadet.

Seid ihr ebenfalls dieser Meinung?
 

Simple Man

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Der Liberale schrieb:
Na klar, und das war auch gut so.
Wenn man das (und ich glaube mich erinnern zu können, auch einige andere Beiträge von dir, die einen ähnlichen Ton hatten) so ließt, könnte man den Eindruck gewinnen du seist kein Freund der Wiedervereinigung.
:O_O:
Gilt das (sofern es zutrifft) nur für die Wiedervereinigung wie sie im Endeffekt tatsächlich abgelaufen ist (es wurden ja, meiner Meinung nach, tatsächlich zahlreiche Fehler gemacht) oder auch für die "Idee" der Wiedervereingung "an sich"?
 

agentP

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Das kann ich da nicht rauslesen, simple. Die Verschlechterung der Beziehungen hat ja gerade den Kollaps des Ostblocks beschleunigt und zum Zusammenbruch geführt.
Mit besseren Beziehungen wäre womöglich mehr Handel getrieben worden und weniger aufgerüstet worden und die UdSSR und ihre Vasallen hätten ein paar Jahre länger durchgehalten.
 

Simple Man

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agentP schrieb:
Das kann ich da nicht rauslesen, simple.
:oops:

Scheiß selektive Wahrnehmung.

Wobei der Zusammenbruch des Ostblockes ja nicht unmittelbar (oder mittelbar) eine Wiedervereinigung zur Folge haben musste.

(Hach ... ich sollte hier erst nach der Frühstückspause und dem dort vertilgten Kaffee schreiben. :wink: )
 

agentP

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Wobei der Zusammenbruch des Ostblockes ja nicht unmittelbar (oder mittelbar) eine Wiedervereinigung zur Folge haben musste.
Nein, natürlich nicht, aber im Nachhinein ist man halt schlauer. :)
 

Aghera

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Die Verhältnisse zwischen beiden Staaten haben sich ja offiziell nicht verschlechtert. Nach Brandt Rücktritt hat die Regierung der BRD weiter Abkommen mit der DDR unterzeichnet und die beiden Staaten sind sich politisch näher gekommen. vgl. KSZE Schlussakte sowie die Eröffnung ständiger Vertretungen (Botschaften) in der BRD und der DDR. Dennoch kann die Enttarnung eines DDR Spions in unmittelbarer Nähe des Kanzlers nicht gerade Freudenjubel auf beiden Seiten entfacht haben. Ich hätte gern Ideen wo ich anfangen könnte zu recherchieren.

mfg
 

Ein_Liberaler

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Offtopic, aber da ich gefragt wurde: Mich stört lediglich die Art, wie die Wiedervereinigung vollzogen wurde. Ohne Guillaume Fortsetzung des Wandels durch Anbiederung (SPIEGEL), Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft, keine Abstimmung mit den Füßen, keine Wiedervereinigung. (Nur im worst case, natürlich.)
 

Winston_Smith

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@aghera

Kannst Du bitte die Bezeichnung "BRD" vermeiden? Dies ist nicht die offizielle Abkürzung für die Bundesrepublik.

Auch wen sich "BRD" teilweise in den Sprachgebrauch "reingemogelt" hat, ist er doch eine Schöpfung durch die DDR-Führung und wird meistens im Zusammenhang mit Anti-Deutschen-Parolen benutzt. (Schau Dir mal die Webseiten von Links- und Rechtsextremen Gruppen an....)

Du benutzt diesen Begriff sicherlich nicht aus diesem Grund. Allerdings wirkt es immer etwas merkwürdig....


ws
 

antimagnet

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die offiziellen abkürzungen find ich schlimmer.

wiki


um rauszukriegen, ob der begriff brd hauptsächlich von linken und rechten benutzt wird, reichts natürlich nicht, nur deren webseiten anzuschauen.
 

Ramses

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Aghera schrieb:
Die Verhältnisse zwischen beiden Staaten haben sich ja offiziell nicht verschlechtert. Nach Brandt Rücktritt hat die Regierung der BRD weiter Abkommen mit der DDR unterzeichnet und die beiden Staaten sind sich politisch näher gekommen. vgl. KSZE Schlussakte sowie die Eröffnung ständiger Vertretungen (Botschaften) in der BRD und der DDR. Dennoch kann die Enttarnung eines DDR Spions in unmittelbarer Nähe des Kanzlers nicht gerade Freudenjubel auf beiden Seiten entfacht haben. Ich hätte gern Ideen wo ich anfangen könnte zu recherchieren.

mfg
Hört sich auf alle Fälle spannend an. Mal ein paar Ideen von mir ...

- Was wurden für Verträge vor der Aufdeckung Guillaumes ausgehandelt? Könnten diese dann auch Hinweise auf zukünftige Verträge enthalten, die dann aber nicht entstanden sind?
- Für die ständigen Vertretungen muss es doch eine feierliche Eröffnung gegeben haben. Kann man noch Protokolle von Festreden bekommen und die dann noch analysieren? Wurde die Vereinbarung zu den ständigen Vertretungen vor Guillaumes Aufdeckung gemacht?
- Gab es eigentlich ein offizielles Statement vom DDR-Regime dazu?

Viel Glück und viele Ideen für die Seminararbeit!!


@Winston: Tatsächlich?? :O_O: Was ist dann die offizielle Abkürzung für die Bundesrepublik? Nur ein "D"?? Wie bist du zu der Info gekommen? *neugier*
Ich habe das Gefühl, dass dieses Kürzel - auch wenn es falsch sein sollte - schon so in der Sprache integriert ist, dass man es so schnell nicht mehr rausbekommt. Und es ist wirklich im Gebrauch von einem sehr weiten Umfeld, nicht nur in radikale Gruppen.

EDIT: Okay, Anti hat es mit seinem Link gut erklärt. Danke!! ... man lernt eben (fast) jeden Tag etwas neues 8)
 

Aghera

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danke Ramses für deine Ideen. Viele Punkte über die gegenseitigen Anerkennung der Hoheitsgewalt auf dem jeweiligen Staatsgebiet und der Unabhängigkeit bis zum Austausch von ständigen Vertrtungen wurden im Jahre 1972 im Grundlagenvertrag beschlossen und dann später 1974 auch ausgeführt. Aber vielleicht sollte ich dort noch stärker zwischen den Zeilen lesen.

@winston

danke für deine anmerkung :roll:
 

agentP

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Kannst Du bitte die Bezeichnung "BRD" vermeiden? Dies ist nicht die offizielle Abkürzung für die Bundesrepublik.

Auch wen sich "BRD" teilweise in den Sprachgebrauch "reingemogelt" hat, ist er doch eine Schöpfung durch die DDR-Führung und wird meistens im Zusammenhang mit Anti-Deutschen-Parolen benutzt.
Inoffiziell ist richtig, aber zumindest bis zur Wiedervereinigung war es definitv allgemeiner Sprachgebrauch. Selbst meine Lehrer an einem bayerischen Gymnasium haben das in der Regel benutzt, auch wenn natürlich auch immer wieder darauf hingewiesen wurde, daß es keine offizielle Abkürzung ist. Oder wie in der Diskussion zum zitierten wikipedia-Artikel geschrieben wird:
"Viele Westdeutsche empfanden BRD allerdings als logische Abkürzung der Bezeichnung ihres Staates und verwendeten sie wertfrei. Den Versuch, sich von der DDR abzugrenzen, erschien ihnen eher als lächerlich. Ansonsten wurde häufig Bundesrepublik als beste Kurzbezeichnung des Staates empfunden."
 

Mr. Anderson

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Allerdings. Die Abkürzung BRD ist recht geläufig. Ich benutze das Kürzel selbst noch, vor allem wenn ich von Westdeutschland vor der Wiedervereinigung rede.
Bei mir ist das womöglich eine Folge davon, daß viele Fernsehzeitungen bei deutschen Filmen, die 1949-1990 produziert wurden, die Kürzel BRD und DDR als Produktionsland angeben, und nur außerhalb dieser Zeitspanne "D".
Und die sind ganz sicher nicht antideutsch ;)

@topic: Was die Guillaume-Affäre betrifft: dazu nur mal der Kommentar, daß ich die Annäherungspolitik von Brandt durchaus als richtig bewerte, weil sie dazu beigetragen hat, den Kalten Krieg zu entschärfen. Ob ein Ausbleiben der Guillaume-Affäre nun die Wiedervereinigung gefährdet hätte, ist eh rein spekulativ, aber ich wage zu behaupten, daß sie darauf keinen wesentlichen Effekt gehabt hat. Nur mal mein Senf dazu.
 

Elbee

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Zu dieser Aktion hatte sich Markus Wolf geäußert, der dabei eine wesentliche Rolle gespielt hatte. Einen Spiegel-Artikel mit kurzem Exkurs dazu findet man hier www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,359844,00.html

Die Affäre hatte erhebliche Konsquenzen, und das mit Gießkannenprinzip. Nicht nur Willy Brandt hat das betroffen, sondern auch die politische Großwetterlage Westdeutschland <> DDR. Es hat das Vertrauensverhältnis, das sich gerade aufgebaut hatte, ins Tiefste erschüttert und das konnte man damals nicht gut finden, weder im Westen noch im Osten. Die ohnehin im Westen sehr kritisch aufgenommene Tatsache, dass andauernd DDR-Flüchtlinge an der Zonengrenze erschossen wurden, beeinträchtigte das Bild der DDR, ein halbwegs menschenrechtlich-orientierter Staat zu sein. Die später sich zuspitzende Ost-West Eskalation, die mit dem Nato-Doppelbeschluss einen unwürdigen Höhepunkt fand, wurde durch diese Affäre mit Sicherheit eher begünstigt. Ein äußerst dunkles Kapitel "Schlapphutaktionen".

Zum Begriff BRD: Nein, in Westdeutschland wurde dieses Kürzel kaum verwendet. Selbst die sich gern als Neusprech-Instanz bemühende BILD setzte "DDR" in Anführungszeichen, um das Missfallen dieser sprachlichen Zurechtstutzung auszudrücken. Wenn BRD heute im Sprachgebrauch ist, dann ist es ein Tribut an die Ostdeutschen.

Es ist nicht unerheblich, wie die Dinge beim Namen genannt werden. Wer das übrigens abstreitet, weiß entweder nichts über Begriffe und deren Bedeutung oder tut das gerade absichtlich.
 
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