Ich verfolge diesen Thread mit großem Interesse und möchte mich auch kurz einmischen.
Ich finde es schade, dass ihr euch nicht von Anfang an auf eine gemeinsame Definition von Freiheit geeinigt habt, oder zumindest mal deutlich gemacht habt, was ihr darunter versteht. Deshalb kann ich hives nur zustimmen, wenn er darum bittet, die eigenen Vorstellungen von Freiheit kundzutun, damit man weiß, worüber der andere eigentlich spricht.
Deshalb zunächst mein Verständnis des Begriffs: Wenn ich von Freiheit rede meine ich: Kann ich wollen was ich will?
Mir geht es also nicht um die Handlungsfreiheit (Ich tue das, was ich will.), sondern um die Willensfreiheit.
Völlig unerklärlich war mir der letzte Post von Alien, der den eigentlich wesentlichen Punkt der Fragestellung beiseite wischt und ihn als Haarspalterei abtut. Wie war das noch mit der Nutzung des Gehirnvermögens? Begrüßt habe ich hingegen die Äußerung von Tarvoc hinsichtlich der Unschärferelation. Keine Ahnung, was er sich dabei gedacht hat. Vermutlich hat er sie wirklich nur als direkte Replik auf gloeckles Feststellung gesehen, der, obwohl er die Unschärferelation kennt, leider immer noch von einer determinierten Welt ausgeht. Physikalisch betrachtet gibt es dafür aber keinen Anhaltspunkt.
Allerdings hat Tarvoc mit seiner Bemerkung ganz wesentlich zu der Gesamtdiskussion beigetragen, denn er hat uns aufgezeigt, dass diese letzlich ins Leere laufen muss. Die Erwähnung der Unschärferelation sollte uns bedenken lassen, dass wir an einen Erkenntnishorizont gelangt sind, an dem wir nicht mehr wissen, warum etwas passiert. Das Ursache-Wirkungs-Prinzip ist nicht mehr vorhanden.
Was hat Quantenphysik denn mit Freiem Willen zu tun?
Lasst mich kurz erläutern, warum ich diesen Punkt für so wichtig erachte. Insbesondere auch deshalb, weil mir die ganze Sache zu sehr von der philosophischen Seite angegangen wird.
Ich behaupte einfach mal, dass unser Bewusstsein im Gehirn entsteht. Ich kann zwar nicht in Gänze ausschließen, dass es ein Bewusstsein gibt, dass unabhängig vom Gehirn besteht; ich möchte aber nicht weiter darauf eingehen, weil ich dann den Pfad der althergebrachten Wissenschaft wohl in Gänze verlassen würde. Die Sache mit dem Bewusstsein ist deshalb wichtig, weil der Willen quasi Teil des Bewusstseins ist. Wäre er das nicht, wüsste ich gar nicht, dass es so etwas wie einen Willen gibt.
Wenn ich mir vor Augen führe, dass sowohl das Gehirn und die dort stattfindenden Prozesse den Regel der Quantenphysik unterliegen, dann kann und darf man diesen Gesichtspunkt nicht außer Acht lassen.
Könnt ihr euch damit einverstanden erklären, wenn ich sage, dass das Gehirn im wesentlichen mit elektrischen Impulsen arbeitet, die durch biochemische Prozesse hervorgerufen werden?
Wenn nein, dann könnt ihr aufhören weiterzulesen.
Wenn ja, dann könnt mir auf diesem finsteren Pfad der Erkenntnis folgen.
Wie ich bereits sagte, gibt es im Gehirn elektrische Impulse. mit anderen Worten ausgedrückt: Da fließt wohl ein elektrischer Strom.
Da fängt das Elend schon an. Ich würde meinen Hintern drauf verwetten, dass niemand wirklich weiß, was elektrischer Strom eigentlich ist. Aber das sei nur nebenbei bemerkt.
Nehmen wir uns mal die biochemischen Prozesse vor. Hier sind so allerhand Substanzen am wirken, die allsamt aus Atomen und noch viel kleineren Teilchen bestehen, für die sämtlich die Annahmen der Quantenphysik gelten.
Allein schon dieser Umstand führt dazu, dass wir derzeit keine gesicherten Aussagen treffen können, warum irgendetwas auf einer ganz grundlegenden Ebene passiert. Insofern sind auch gesicherte Aussage hinsichtlich eines freien Willens nicht möglich.
Erst die Gewissheit darüber, warum etwas passiert, u. a. wie ein Willen entsteht, würde es uns ermöglichen der Sache auf den Grund zu gehen.
Damit wir uns nicht missverstehen, sei noch folgendes bemerkt. Ich möchte meinen Beitrag als Hypothese sehen und lasse mich gerne eines besseren belehren. Obwohl mein Beitrag sehr destruktiv ist, möchte ich niemanden davon abhalten weiterzudiskutieren. Ich werde weiterhin gespannt mitlesen.