Wieso hasste Hitler Kommunismus?

Jooasia

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Wenn ich es richtig verstehe, hasste Hitler die Juden unter anderem deswegen, weil der Grunder des Kommunismus eben der Jude war (Karl Marx) und Hitler den Kommunismus hasste.

Warum hasste aber Hitler den Kommunismus, der selbst doch eine Diktatur war, mit der Ausnahme, dass im Kommunismus eine Partei an der Spitze stand und im NS eine einzige Person. Ich kann es z. B. verstehen, warum die USA den Kommunismus hassten (die USA war/ist fur die Freiheit der Menschen, und der Kommunismus unterdruckte sie), aber was stoerte Hitler am Kommunismus?

:D [/b]
 

dkR

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Dass das Konzept Herrenrasse nicht mit dem Konzept "alle Menschen sind gleich" des Kommunismus vereinbar ist.
 

Ein_Liberaler

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Der Kommunismus träumt von der Zerstörung des Gegenwärtigen und der Schaffung von Neuem, der Nationalsozialismus von der Wiederherstellung einer als glorreich empfundenen Vergangenheit. Der Kommunist glaubt, sich vom Unterdrückten zum Herren aufzuschwingen, der Nationalsozialist glaubt, ein in seinen Ansprüchen bedrohter Herr zu sein.

Natürlich besonders in der damaligen weltpolitischen Konstellation.
 

Jooasia

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Danke fur die Antowerten. Ich glaube, dass die von dkR ausschlaggebend ist. Danke noch mal!

Ich frage noch nach:

Hat die Rassentheorie davon ausgegangen, dass alle Menschen, die nicht Deutsche sind, schlechter sind, oder dass nur die Menschen aus dem Osten Untermenschen sind?

Denn so viel ich weiss, hasste Hitler vor allem diejenigen aus Osten? Er meinte, dass sie Untermenschen sind. Aber woraum ausgerechnet diejenigen? Weil sie zivilisatorisch zuruck waren? Nur deswegen?
 

Mr. Anderson

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„Kommunismus“, so wie Marx ihn beschrieben hat, ist übrigens eine utopische Gesellschaftsform, in der nicht nur ausreichend Produktionsmittel vorhanden sind und jeder Mensch sich nach seinen Fähigkeiten einbringen kann, sondern auch der Staat vollkommen aufgelöst ist. Der letztgenannte Punkt wird immer wieder gerne übersehen.

Marx stellte allerdings die These auf, dass das Kommen des Kommunismus durch Einführung des Sozialismus (also auch der Herrschaft der Arbeiterklasse) beschleunigt werden würde.

Da die KPdSU und Konsorten vorgaben, der Lehre von Marx zu folgen, wären sie auch niemals auf die Idee gekommen, das System, das sie dort errichtet hatten, als „Kommunismus“ zu bezeichnen. Auch in den Schulen des Ostblocks wurde unterrichtet, dass man den Sozialismus (nicht etwa den Kommunismus) eingeführt hätte und dass der Kommunismus vielmehr als Fernziel galt.

Im Übrigen glaube ich nicht, dass Hitler Zeit darauf verschwendet hätte, tatsächlich den Kommunismus zu hassen, da der Kommunismus, wenn überhaupt, eine viel zu fernliegende, utopische Aussicht war.
Allerdings sah er wohl seine eigenen Ziele von den Bestrebungen der sog. kommunistischen Parteien bedroht.

Die antikommunistischen Parolen und Lehren im Dritten Reich – und auch im Kalten Krieg – basieren also weniger auf einer abweichenden Meinung über Marx' „Kommunismus“, sondern bedienen sich vielmehr einer gewissen (hauptsächlich propagandistisch motivierten) Begriffsbesetzung.
 

haruc

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Mr.Anderson schrieb:
Die antikommunistischen Parolen und Lehren im Dritten Reich – und auch im Kalten Krieg – basieren also weniger auf einer abweichenden Meinung über Marx' „Kommunismus“, sondern bedienen sich vielmehr einer gewissen (hauptsächlich propagandistisch motivierten) Begriffsbesetzung.
Richtig. Man darf dabei nicht die unmittelbare Vorgeschichte aus den Augen lassen: in den 1920er und 1930ern glaubten viele Leute in Deutschland, dass die sozialistisch/kommunistisch inspirierten Aufstände und Revolutionen im Herbst und Winter 1918/19 die deutsche Niederlage im Ersten Weltkrieg verschuldet hatten ("Dolchstoßlegende": Im Felde unbesiegt... Dabei waren die Aufstände Symptom des militärisch-gesellschaftlichen Zusammenbruchs, nicht die Ursache).

Man konnte damit den Sozialismus indirekt für die allgemein miserable Situation nach Kriegsende mitverantwortlich machen. Das wurde dann auch entsprechend von der Propaganda, insbesondere der der extremen Rechten, ausgenutzt.

Zudem war die sozialistische Revolution in Russland und der darauf folgende blutige Bürgerkrieg noch frisch im Gedächtnis.

Der Sozialismus/Kommunismus bot sich einfach als Feindbild aller liberal- bürgerlichen, konservativen oder reaktionären Vorstellungen an. Man konnte demnach damit rechnen, dass antikommunistische Propaganda auf breite Zustimmung stoßen würde.
 

Ein_Liberaler

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Mit gleichem Recht könnte man nun behaupten, der Iran sei kein Gottesstaat, da ja selbst nach seiner eigenen Überzeugung nicht Gott das Land regiert, sondern seine Sachwalter. Ein Staat, der von einer kommunistischen Partei diktatorisch regiert wird, deren erklärtes Ziel die Verwirklichung der Marxschen Ideen ist, ist ein kommunistischer Staat. Alles andere ist Spiegelfechterei.
 

Mr. Anderson

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Mit gleichem Recht könnte man nun behaupten, der Iran sei kein Gottesstaat, da ja selbst nach seiner eigenen Überzeugung nicht Gott das Land regiert, sondern seine Sachwalter.
Die naheliegendste Analogie wäre eher ein anarchistischer Staat. Ein Gottesstaat ist eine Bezeichnung für einen Staat, der die politische Legitimität der Herrschaft aus der Religion ableitet. Im übrigen behauptet wohl auch der Iran selbst, eine Theokratie zu sein. Der Begriff der Theokratie beißt sich auch nicht mit dem eines Staates. Ein „kommunistischer Staat“ hingegen wäre ein Widerspruch in sich.

Edit: Ich wüsste auch nicht, welchen Erkenntnisgewinn man davon hätte, ein Attribut, das sich auf eine utopische, staatsfreie Gesellschaftsform bezieht, einem Staat anzuheften, von dem wir wissen, dass er die Kriterien nicht erfüllt, von dem die Einwohner und die politischen Führer dies ebenfalls wissen und sogar öffentlich verkünden, und – hier lehne ich mich vielleicht auch nicht zu weit aus dem Fenster – über die sowohl wir als auch die große Mehrheit der entsprechenden Parteiführung wissen, dass der Kommunismus (und vermutlich sogar der Sozialismus nach Marx) in Wirklichkeit gar nicht ihr Ziel ist.

Was in den Ländern des Ostblocks jedoch stattfand, war die Verstaatlichung von Produktionsmitteln (weitgehend nach Marxschem Vorbild) und eine de facto Diktatur, womit m. E. die Bezeichung „sozialistische Diktatur“ durchaus gerechtfertigt ist.
 

Jooasia

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Okey. einiges habe ich von den Posts verstanden. (Ich muss mehr Deutsch lernen, um alles zu verstehen ;p)


Zwei weitere Fragen haben sich mit aufgedrangt:

a) Und warum wollten die USA in den Jahren des Kalten Krieges den Kommunismus sturzen? Ging es ganz einfach darum, dass sie an die kommunistischen Ideen nicht glaubten? Dass sich z. B. ein Staat ohne Regierung halten kann? Oder ging es den Amerikandern um etwas mehr?

b) Und was die Dolchstosslegende betrifft- ich habe etwas davon gelesen, aber habe es nicht verstanden. Da stand irgenwas davon, dass die Deutschen den Kommunisten fur die Niederlage am 1. Weltkrieg verantwortlich machten.

Was sollen denn die Kommunisten konkret gemacht haben, dass man sie fur diese Niederlage schuldig macht?/ wie sollen sie dazu gefuhrt haben, dass das Deutsche Reich den 1. Weltkrieg verlor?
 

haruc

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Joosaia schrieb:
Und warum wollten die USA in den Jahren des Kalten Krieges den Kommunismus sturzen? Ging es ganz einfach darum, dass sie an die kommunistischen Ideen nicht glaubten? Dass sich z. B. ein Staat ohne Regierung halten kann? Oder ging es den Amerikandern um etwas mehr?
Die Ursachen für den Widerstand gegen den Kommunismus liegen in den Prinzipien und philosophischen Grundlagen der beiden Systeme. Aus ihnen ergeben sich antagonistische Weltbilder, das heißt: Sichtweisen auf die Welt, die sich gegenseitig widersprechen oder ausschließen.

Die politische Kultur der USA (und des demokratischen Westens) beruht auf bürgerlich-liberalen Grundwerten, wie sie sich aus der Aufklärung ergaben. Dazu gehören zum Beispiel Menschenrechte, Presse-, Meinungs-, Versammlungsfreiheit, politische Teilhabe des Einzelnen, Recht auf Besitz usw.
Der Kommunismus ist die Verneinung all dessen.

Die westlichen Mächte haben den Kommunismus deswegen bekämpft, um seine Ausbreitung zu verhindern ("Containment-Politik"), da die Ausbreitung des Kommunismus letztendlich auch die eigenen Grundwerte und Freiheiten bedroht hätte. Man darf nicht vergessen, dass sozialistische Systeme grundsätzlich dazu neigen, autoritär, und damit freiheitsfeindlich zu sein.

Das oftmals vorgebrachte Argument, dass es den USA nur um Absatzmärkte ging ist Blödsinn, denn die Länder, um die gekämpft wurde, waren wirtschaftlich völlig uninteressant. Die Kosten standen in keinem Verhältnis zu den Gewinnen.

Und was die Dolchstosslegende betrifft- ich habe etwas davon gelesen, aber habe es nicht verstanden. Da stand irgenwas davon, dass die Deutschen den Kommunisten fur die Niederlage am 1. Weltkrieg verantwortlich machten.

Was sollen denn die Kommunisten konkret gemacht haben, dass man sie fur diese Niederlage schuldig macht?/ wie sollen sie dazu gefuhrt haben, dass das Deutsche Reich den 1. Weltkrieg verlor?
Gegen Kriegsende, im Oktober 1918, als der Krieg für Deutschland eigentlich längst verloren war, bekam die deutsche Flotte den Befehl, noch einmal auszulaufen, um in einer letzten Schlacht "ruhmreich" unterzugehen. Die deutschen Matrosen wollten aber nicht mehr in einem Krieg sterben, der schon längst entscheiden war. Deswegen haben sie gemeutert. Kurz danach (11.11.1918) endete der Krieg, und Deutschland hatte verloren.

Bei diesen Rebellionen spielten insbesondere sozialistisch geprägte Personen eine wichtige Rolle. Nach dem Krieg wurde dann behauptet, dass diese Rebellionen die Niederlage verursacht hätten. Und weil besonders viele Sozialisten an den Rebellionen beteiligt waren, konnte man die Schuld für die Niederlage den Sozialisten in die Schuhe schieben.
 

Jooasia

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Was heisst:, dass besonders viele Sozialisten an den Rebellionen beteiligt waren?

Du meinst, viele Sozialisten waren unter den Matrosen? (konnten Sozialisten uberhaupt zu Matrosen werden?

Oder meinst du einfache Menschen,(Sozialisten aber keine Matrosen), die die Matrosen dazu geschurft haben, zu meutern?
 
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