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Schlaumeier: Der Staat soll helfen

Dieses Thema im Forum "Politik, Sozialkritik, Zeitgeschehen & Geschichte" wurde erstellt von Giacomo_S, 18. März 2008.

  1. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Jetzt auf einmal, wenn sich alle Schlaumeier und Besserwisser verzockt haben ... dann sollen WIR ALLE wieder bezahlen.
    Wo sind sie jetzt, die "Selbstheilungskräfte des Marktes", die "Eigenverantwortlichkeit" usw. usf.
    Warum soll denn eigentlich die Allgemeinheit jetzt einmal mehr die Suppe auslöffeln, die einige wenige uns eingebrockt haben ?

    Bankenkrise: Ackermann ruft Regierungen zu Hilfe
     
  2. Simple Man

    Simple Man Forenlegende

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    Momentan scheinbar Schilda ...
    Es wäre ja auch schön gewesen, wenn denn der Herr Ackermann oder die Herren von Spiegel-Online gesagt hätte, was genau die Zentralbanken, die Regierung und die Banken tun sollen, um das Vertrauen herzustellen ...

    Den Markt jetzt mit Liquidität zu überschwemmen, wie es die Amerikaner getan haben und wahrscheinlich tun werden, halte ich für den falschen Weg, denn schlußendlich wird die Krise so nur weiter hinausgezögert. Die FED hat sich eh in eine unmögliche Lage hineinmanövriert. Im Zuge des Irak-Krieges und der bisherigen Markterschütterungen wurde bereits soviel Geld in den Markt gepumpt, dass es für sie gar keine wirksamen Maßnahmen mehr gibt. Da hat die EZB bisher die bessere Arbeit geleistet ...

    Dass wir alle die Suppe auslöffeln müssen ... nun, dazu wird es imo über kurz oder lang eh kommen ... klar kann eine mögliche Rezession hinausgezögert werden, doch umso härter wird sie dann später alle treffen ...

    Interessanterweise gibt es aber auch Menschen, die hier eher die Gefahr einer Deflation, denn die Gefahr einer Inflation respektive Stagflation sehen:

    Eine maskierte Deflation, eine absehbare Rallye und eine Echo-Bubble
     
  3. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Ach ja ? Wenn es uns dann sowieso trifft, dann zahlen wir eben jetzt nix.
    Es ist ja ohnehin unabwendbar.

    Komisch nur: Wenn's um den Verdienst des kleinen Mannes geht, dann heisst es sparen, Gürtel enger schnallen, Kräfte des Marktes, Konkurrenzfähigkeit.

    Aber wenn wir den Karren, den die ganzen Klugscheisser in den Dreck gefahren haben, wieder flott machen sollen - dann geht's auf einmal um den Sozialismus !

    NEIN DANKE !

    Sollen Herr Ackermann, die Manager ... jetzt sollen diese Fuzzis mal bitte ihr Portemonnaie aufmachen und die Zeche bezahlen.
    Und wenn das Risiko ist, es ginge hart auf hart - SCHEISS drauf !
    Wir kleinen Leute haben ohnehin nix mehr zu verlieren ! Wir werden nicht auch noch die Vermögen der Wichtigtuer mit unserem Geld retten !
     
  4. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Ehrlich gesagt, hätte ich mir hier einen Beitrag vom Liberalen gewünscht, er ist doch sonst immer einer der schnellsten.
    Irgendetwas in der Art wie: "Überlassen wir das doch den Selbstheilungskräften des Marktes".
     
  5. Simple Man

    Simple Man Forenlegende

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    Momentan scheinbar Schilda ...
    Also, was ich mit meiner Aussage meinte, war folgendes: Es trifft eh alle, imo ... diese Krise könnte sich ausweiten, trifft dann irgendwann die Realgütermärkte und dann den Arbeitsmarkt ...

    Btw: Dieses Eingreifen, dass der Herr Ackermann fordert, könnte natürlich damit begründet werden, dass dann die Krise abgemildert wird und sich somit nicht oder nur schwächer auf die Realgütermärkte in Form einer Rezession auswirkt ...

    Ich muss sagen, ich bin da ziemlich unsicher ... im Grunde will Ackermann, dass wieder Vertrauen in den Markt geschaffen wird ... durch die Kursrutsche nehmen die Investoren eine abwartende Haltung ein, sie erwarten einen weiteren Kursrutsch und verursachen diesen damit wieder ... selbsterfüllende Prophezeiung, könnte man fast sagen ...

    Nur Liquidität in den Markt zu pumpen, hilft da nicht ... wenn die Leute nicht anlegen wollen, dann werden sie das auch nicht tun, nur weil da mehr Geld auf dem Markt ist ... im Grunde dreht sich hier vieles wieder um Unsicherheiten und ich weiß im Moment nicht, wie die ZBs und der Staat diese beheben wollen ... klar, der Staat könnte selber als Investor auftreten und so die Kurse stützen und andere Anleger dazu bringen, ihr Geld zu investieren ... nur fürchte ich, dass viele Aktien eh überbewertet sind und das Problem so nur wieder verlagert wird ... und die Unsicherheit, die bzgl. des Dollars besteht, wird so nur noch verstärkt, imo ...

    Ich fürchte fast, das muss ausgesessen werden ... wir haben es hier imo nicht mit einer Deflation zu tun, bei der Keynes'sche Maßnahmen helfen könnten (und irgendwie habe ich das Gefühl, dass Ackermann in diese Richtung tendiert), sondern eher mit einer Stagflation ... zuviel Geld auf dem Markt und verdammt viele Unsicherheiten ...
     
  6. Ein_Liberaler

    Ein_Liberaler Forenlegende

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    Tja, tut mir leid, ich hänge nicht die ganze Zeit vor dem PC... Ansonsten sehe ich das so wie Simple: Der Spaß ist vorbei. Die letzte Geldspritze von 200 Milliarden muß man mal mit dem amerikanischen BIP vergleichen, um zu erkennen, wie wenig das in Wirklichkeit war. Sie können den Boom nicht ewig künstlich am Leben halten, je länger es gelingt, desto schlimmer wird die Rezession - denn die Rezession ist die Heilungsphase. In der Rezession werden die Fehleinvestitionen des Booms liqudiert. Wir werden die bitteren Früchte einer jahrzehntelangen Inflation ernten.

    Kann mir übrigens einer sagen, was Ackermann eigentlich vom Staat will?

    Und natürlich bin ich der Ansicht, daß sich die Regierungen raushalten sollten.
     
  7. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Ich vermute, er will eine soziale Marktwirtschaft: Gehen Spekulationen im großen Stil fehl, dann sollen wir das alle zahlen, das ist sozial.
    Wird mit Spekulationen Gewinne erzielt, dann verdienen wenige, das ist dann der Markt.

    Er kann nur eines meinen: Geld.
    Unser Geld.
     
  8. ConspirIsee

    ConspirIsee Meister

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    ganz doofe frage: wenns noch mehr noch heftiger innerhalb der finanzmärkte kracht, in wie weit kann/wird das dann den normalen Arbeitnehmenden Forenposter "auffallen" bzw. welche auswirkungen hatt das "gemeine" volk zu erwarten?
     
  9. bstaron

    bstaron Großmeister

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    Natürlich ist es eine Schweinerei was der Herr Ackermann da wieder mal fordert. Es ist auch klar warum: Damit der Betrug des wertlosen Geldes nicht komplett auffliegt. Selbstverständlich sind echte Libertäre schon lange gegen diese Praxis des "Bailout".
    http://en.wikipedia.org/wiki/Bail_out_(finance)

    Das ist ja nicht das erste mal, das passiert immer wieder. Man muß sich nur ansehen wer die Trümmer aufsammeln kann. Bei Bear Stearns wars mal wieder JP Morgan. Schon komisch das genau diese Banken nie platzen, also die alten wie Morgan, Chase etc. Wieder mal eine große Umverteilung von unten nach oben.
     
  10. dkR

    dkR Forenlegende

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    Wer außer dem Staat kann überhaupt helfen?
    Ich hab zugegeben keine Ahnung, aber staatliche Schadenbegrenzung hört sich sinnvoller an, als den Karren völlig gegen die Wand knallen zu lassen und dabei feixend zuzuschaun, wie die Wirtschaft den Bach runtergeht.
     
  11. Ein_Liberaler

    Ein_Liberaler Forenlegende

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    Der Staat kann auch nicht helfen, er kann die Sache nur rauszögern. Je weiter er sie rauszögert, desto schlimmer wird die Rezession.
     
  12. dkR

    dkR Forenlegende

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    Aber das ist dann nach der nächsten Wahl und damit uninteressant :e_u_t:
     
  13. _Dark_

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  14. Sentinel

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    Wie heißt es doch so schön: This System cannot be reformed!

    Da kann Merkel so jämmerliche Augenwischereien wie Leitzinssenkungen noch so hoch loben.

    The Conquering Winds of Moriah come to blow ... :-%:
     
  15. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Nun, da sich ja zwischenzeitlich auch die Politik mit diesen aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten beschäftigt hat, befinde ich mich ja in bester Gesellschaft. :geifer:
    Die dahinterstehende Fragestellung bleibt: In wieweit soll und kann der Staat eine fehlgelaufene Situation mit Steuergeldern korrigieren ?

    Interessant, dass Ackermann hier den Begriff "die reale Wirtschaft" verwendet, die vor Krisen geschützt werden soll. Bedeutet das nicht im Umkehrschluss auch: Es gibt eine "irreale" (surreale ?) Wirtschaft, die hier betroffen ist ?
    Ob der pragmatische Ansatz auch wirklich seine Berechtigung hat - daran lässt sich zweifeln. Wenn große Unternehmen trotz guter Gewinne 1000ende von Leuten entlassen oder trotz großzügiger Subventionen ganze Standorte vorzeitig wieder auflösen, welchen Sinn soll es dann noch machen, ihnen dafür auch noch Geld hinterher zu werfen, dass die Masse so mühsam aufgebracht hat ?
     
  16. Ein_Liberaler

    Ein_Liberaler Forenlegende

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    Natürlich gibt es eine surreale Wirtschaft: Den ganzen Kasinokapitalismus, der gerade baden geht. Wenn es möglich wäre, die reale Wirtschaft zu retten, hätte das sicher Sinn. Man stelle sich vor, man hätte die Weltwirtschaftskrise verhindern können, indem man den ausbeuterischen Kapitalisten ein paar Milliarden Steuermittel hingeworfen hätte. Der Nutznießer wäre der einfache Mann gewesen. Nur klappt das nicht, also sollte es unterbleiben. Wie soll man denn Fehlinvestitionen von zukunftsträchtigen Investitionen unterscheiden, wenn nicht durch die Pleite?
     
  17. wintrow

    wintrow Erleuchteter

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    Ich denke das es gut ist das derzeit soviel an der Börse den Bach runter geht.
    Natürlich würd es nicht nur die Amis treffen sondern auch uns, da wir ja wirtschaftlich mit ihnen verflochten sind und etwa 20% unsere Exporte in die USA gehen. Aber wie Liberaler bereits erwähnte wird die Rezession ein Selbstheilungswert haben. Viele dubiose Geschäfte, Fehlinvestitionen etc werden in den kommenden Monaten aufgedeckt werden. Was der Staat tun kann ist viel bessere Kontrollinstitutionen zu schaffen um zukünftige Wahninvestitionen wie die WestLB gemacht hat zu verhindern. Die Bafin hat wohl die ganze Zeit gepennt.
     
  18. Booth

    Booth Erleuchteter

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    Aus meiner Sicht ist ein erheblicher Grund für diese Krise wieder das von mir schon länger als äusserst mangelhaft angesehene "Kunden"verhalten.

    Ein erheblicher Teil der jetzigen Krise beruht ja auf dem Boom des amerikanischen Immobilienmarkts und damit zusammenhängenden "Investitionspaketen", die einige Finanzjongleure geschnürt haben, und wo unter anderem viele Kredite/Hypotheken von Immobilienbesitzern steckten, die jene Kredite niemals werden zurückzahlen können.

    Und diese Pakete, bestehend aus zig Krediten(Hypotheken, waren ja nichts weiter als ein Produkt - und dieses Produkt wurde hauptsächlich von Banken gekauft. Und zwar, weil es tolle Produkteigenschaften besaß (hohe Rendite) und die Ursache/Herkunft/Produktionsherstellung dem Kunden schlicht scheissegal war. Mit anderen Worten... Banker kauften diese Pakete, ohne auch nur zu fragen, was für halbseidende Bestandteile in diesem Produkt steckten - und welcher Verkäufer weist schon auf Risiken eines Produkts hin, wenn er nicht gefragt wird - selbst gesetzliche Vorschriften landen ja maximal als 4-Punkt-Schrift auf dem Bibelgroßen Beipackzettel auf Seite 678.

    Für mich eigentlich alltägliches Verhalten im gesamten Wirtschaftsbereich. Zum bescheissen gehört neben dem Betrüger nunmal die Dummheit oder Leichtgläubigkeit (oft genug ausgelöst durch simple Gier) des Kunden.

    Ich habe ehrlich gesagt auch mit dem "Rest" der Wirtschaft wenig Mitleid. Die Banker sind doch nicht die einzigen, die sich untereinander bescheissen. Das findet (und fand zu allen Zeiten) überall statt. Dieser Umstand ist auch keine Frage des Wirtschafts- oder Politiksystems. Es ist offenbar eine Verhaltensweise, die bei Menschen ständig vorkommt. Der eigene Vorteil wird über vieles (manchmal sogar alles) gestellt. Das beginnt bei jedem von uns, der mit simpler Schnäppchenjagd dem Billigsten auf der Spur ist - völlig egal, welche Umstände dazu beitrugen, aus dem Produkt dieses Schnäppchen zu machen.

    Solange wir Menschen Wirtschaft dermaßen kurzsichtig betreiben, solange werden wir uns auch immer wieder gegenseitig bescheissen. Ständig im kleinen Maßstab und oft genug im großen Maßstab. Und manchmal passieren dann halt so kleine Kollateral-Katastophen. Quasi wie im richtigen Leben.

    Ich seh in dem Vorfall jedenfalls nicht im geringsten ein aussergewöhnliches oder unerwartetes Vorkommnis.

    gruß
    Booth
     
  19. wintrow

    wintrow Erleuchteter

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    @booth
    Tja da muss ich dir wohl recht geben. Und um ehrlich zu sein wird ich mich am liebsten in der Börse hinstellen und Beifall klatschen für soviel Blödheit und Geldgeilheit und das das schief gegangen ist. Nur traurigerweise sind es die normalen Steuerzahler die am Ende wieder den Kopf hinhalten sollen. Davon abgesehen wenn sich das in der USA noch verschlechtert trifft das auch unsere Wirtschaft wieder.

    Es ist einfach unglaublich wie Börsenmakler wie den Geld umgehen was sie nicht mal selber erwirtschaftet haben. Die haben gar keinen Bezug mehr zu Geld und dessen Wert. hauptsache Rendite...aber das trifft ja leider in der Realwirtschaft genauso zu.
     
  20. Angel of Seven

    Angel of Seven Ehrenmitglied

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    Ich auch nicht, es ist nur eine frage der Zeit bis der ganze Mist komplett zusammenbricht.
    Zu den Kunden möchte ich allerdings bemerken das die "Kreditverkäufer" vor Ort, für ihre Provision über Leichen gehen. Die wissen ganz genau das so ein Fantasieprodukt niemals bezahlt werden kann. Und ich behaupte mal das die Leute in den höheren Etagen das auch wussten. Den einfach gestrickten Kunden wird was vorgegaukelt, das sieht man ja hier auch bei den Versicherungsdrückern.
    Es ist einfach so,.... das ein System, egal welcher Art, wo Unehrlichkeit, Lüge und Gier ein wichtiger Bestandteil des Ganzen bedeuten, früher oder Später zum Untergang verdammt ist. Wenn man so will... ist das ein einfaches Naturgesetz, dessen Gültigkeit gerne verdrängt wird....... :?


    edit: lustig... :) nachdem ich das geschrieben habe kam diese Meldung:

    OECD erwartet Konjunkturcrash in USA -
    Öl- und Goldpreis stürzen in Rekordtempo



    LG


    AoS