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Religiöse Absonderlichkeiten

Dieses Thema im Forum "Religion und Glauben" wurde erstellt von Aphorismus, 8. März 2008.

  1. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

    Beiträge:
    703
    Registriert seit:
    16. Oktober 2010
    Carl Gustav Jung hat das Konzept des Archetypus entwickelt. Archetypen bezeichnen Bereiche in der Psyche des Menschen, die in allen Menschen gleichermaßen zu finden sind. Menschliche Kulturen haben sich unterschiedlich entwickelt, aber sie basieren alle auf den Archetypen. Die Archetypen selbst sind unbewußt, sie werden nur in symbolischen Bildern erfahrbar. Jung hat auf die Existenz von Archetypen geschlossen, als er viele motivische Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen in Träumen, Überlieferungen und eben auch in Religionen gefunden hat. Religiöse Erfahrung gehört laut Jung zu den Archetypen.

    Das klingt nicht danach, dass die Menschen Religion, bzw. religiöse Erfahrung hinter sich lassen können. Andererseits erkenne ich nicht, inwiefern die Ansicht, die Erde sei 6000 Jahre alt, in einer religiösen Erfahrung wurzeln kann. Ich verstehe auf einer intellektuellen Ebene, dass man eine Vision des Friedens haben kann, die die gesamte Persönlichkeit durchdringt und an der man alle seine Entscheidungen anlehnt. Ich kann die Idee verstehen, dass die Vision von Frieden so zwingend überzeugend sein muß, dass sie sich auf der Erde mit der Zeit verbreitet und immer mehr Menschen ihre Entscheidungen an dieser Vision anlehnen. Das mag Jahrtausende dauern, aber immerhin verbreitet sie sich. Aber wo kommen die 6000 Jahre her, die sich nicht auf eine Vision für die Gemeinschaft der Menschen beziehen, sondern zur Geologie gehören?

    Was ich damit sagen will: auch wenn Religion immer ein Teil der Menschheit sein wird, so lassen sich doch die Bestandteile religiöser Lehren analysieren, kategorisieren und in entsprechende Fachbereiche aufgeteilen und dort weiter erforscht werden. So ein bißchen wie das im Westen ja schon geschehen ist und unbedingt aufrecht erhalten werden muß. Denn auch ich habe keinen Bock auf mehr irrationale Religiöse, die alles Erreichte über den Haufen werfen. Momentan gibt es den Versuch in den Reihen der Traditionellen, das Christentum wieder stärker zur Geltung zu bringen, nicht zuletzt als Gegenbewegung zum stärker werdenden Islam. Während ich dem einerseits zustimme, auch nicht zuletzt wegen des stärker werdenden Islam, und weil ich leicht nostalgische Erinnerungen an Weihnachten in der Familie, und der schönen Stimmung überall habe, so bin ich auf der anderen Seite auch skeptisch, weil ich ein rein an der Schrift orientiertes Christentum ablehnen muß. Ein modernes, aufgeklärtes Christentum vielleicht.
     
  2. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    middleearth in otherland
    Die 6.000 (bis 10.000) Jahre ergeben sich rein rechnerisch. In den Büchern Mose und in den Chroniken sind Altersangaben von biblischen Personen angegeben, bis zu Adam und Eva. Mit Hilfe dieser Altersangaben wird ein ungefähres Alter der Erde errechnet. Alle Erzählungen und Mythen der Bibel werden als Tatsachenberichte angesehen.

    Die Diversifizierung der christlichen Religion scheint überall im vollen Gange zu sein. Das hängt sicher damit zusammen, dass man sich von der zentralistischen Ausrichtung der katholischen Kirche abkehrt. Gerade die katholische Kirche wurde und wird in vielen freichristlichen und auch pfingstlichen Gemeinden als ein großes Übel betrachtet. Gegen die katholische Kirche, aber durchaus gegen die evangelische Kirche grenzen sich viele Gemeinden entschieden ab. Nicht umsonst wurde der Papst schon vielfach als Antichrist prophezeit. Das ist durchaus interessant, sind es doch die Großkirchen, die letztendlich den Kanon der Bibel vorgegeben haben, und auf diesen Grundlagen nährt sich letztendlich jede dieser Freikirchen oder sonst so kleinen Hausgemeinden.
    Diese Diversifizierung geht allerdings durchaus oft einher mit einem strengen Glaubensleben, und sogar mit Abgrenzung nach Außen. Das kann durchaus als Reaktion geschehen, oder mit dem Ziel, Christentum wieder erstarken zu lassen. Ich würde sogar vermuten, dass solche Großveranstaltungen wie "Pro Christ" genau diese Ziele verfolgt. Außerdem dürften die dahinter agierenden Verbände anstreben, auf die Politik Einfluss zu nehmen. Dass sie auf die Bildung Einfluss nehmen, darf man auch nicht unterschätzen, denn ca. 100 Schulen unter freikirchlicher Schirmherrschaft gibt es in der Deutschland schon. Und in den dort leitenden Köpfen ist die Erde nur 6-10.000 Jahre alt.
    Nach außen geben sich viele dieser Gemeinden modern, sozial engagiert, musikalisch. Und für den Neubekehrten können die ersten Erfahrungen durchaus als positiv empfunden werden, insbesondere die intensive und regelmäßige Gemeinschaft. Doch wehe dem, der in die vielfältigen Quereleien in der Führungsebene gerät oder ein wenig andere Ansichten verbreitet oder vielleicht sogar Kompromisse sucht bzw. Dinge anerkennt, die überhaupt nicht der Linie seiner Gemeinde entsprechen, oder dem eine Tat unterläuft, die die jeweilige Gemeinde als Sünde ansieht. Dann kann eine solche Gemeinschaft, die so lieb erschien, schnell mal Zähne zeigen oder die betreffende Person ausschließen, Kontakte verbieten und dergleichen mehr. Und zur Diversifizierung: viele dieser Gemeinschaften entstehen durch Abspaltung. Ist ja eigentlich seit den Anfängen nichts Neues.
    Das kennt auch der Islam seit Beginn seiner Chimäre, denn auch er hat aus älteren Religionen Elemente unter "ein Dach" gebracht - der Islam wird sicherlich von den Freikirchen als Bedrohung empfunden. Es würde also nicht wundern, wenn hierzulande zunehmend eine religiöse Rechte erstarkt.