Moses Hess - Vater von Kommunismus und Zionismus?

Aphorismus

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Ich habe neulich in dem herrlichen "Ultimativen Handbuch des Nutzlosen Wissens" folgendes gelesen:

Der Bonner Moses Hess erfand den Kommunismus; deshalb veröffentlichte die Akademie der Wissenschaften der DDR nur diejenigen seiner Schriften, die sich mit dem Zionismus beschäftigten.

Der Bonner Moses Hess erfand den Zionismus; deshalb veröffentlichte ein Professor der Universität Tel Aviv nur diejenigen seiner Schriften, die sich mit dem Kommunismus beschäftigten.

Moses Hess bekehrte in Bonn den Trierer Hegelianer Karl Marx zum Kommunismus und machte ihn zum Redakteur der Rheinischen Zeitung.

Moses Hess bekehrte in Eberfeld den Industriellensohn Friedrich Engels zum Kommunismus.

Moses Hess machte Karl Marx mit Friedrich Engels bekannt.


Hanswilhelm Haefs (1990): Handbuch des Nutzlosen Wissens S. 148.

Hat jemand von euch dazu irgendwelche Informationen? Ich finde es sehr seltsam, dass ich von diesem Menschen noch nie vorher etwas gehört habe, wenn er doch ganz offenbar einen nicht zu bestreitenden Einfluss hatte.
 

Aphorismus

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Bin ich blind, wo steht denn da, dass er der Schüler von Marx war? :gruebel:

Weil ich mir nicht sicher bin, wie genau die Zusammenhänge sind, habe ich ja diesen Thread eröffnet. :wink:

Ich glaube, es war komplizierter als ein simples Lehrer-Schüler-Verhältnis (zumal Hess ein paar Jahre älter als Marx gewesen ist).

So weit ich das bis jetzt verstanden habe war Hess bereits "utopischer Sozialist" bevor er Marx getroffen hat. Darüber hinaus hat Marx "Das Kapital" offenbar erst geschrieben, nachdem er Hess kennen gelernt und dieser ihm Friedrich Engels vorgestellt hatte.

Insofern kann man wohl eher davon ausgehen, dass Hess' Gedankenwelt "Das Kapital" beeinflusst hat als vice versa.

EDIT: Ich hoffe mal, dass vielleicht Jay-Ti da ein bisschen Klarheit (r)einbringen kann! :)
 

hives

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Interessantes Thema. Wenn man "Zionism on the Web" und den dort veröffentlichten Textauszügen glaubt, ergibt sich ein etwas differenzierteres Bild:

Hess was probably responsible for several "Marxian" slogans and ideas, including "religion is the opium of the people. He also is "credited" with Marx's notion that Jews were in love with money. However, Hess became reluctant to base all history on economic causes and class struggle, and he came to see the struggle of races, or nationalities, as the prime factor of past history. [...]
Hess's theory of history was more rooted in Hegelian idealism and cosmological mysticism than it was in Marxian dialectical materialism. He wrote:

The Messianic era is the present age, which began to germinate with the teachings of Spinoza, and finally came into historical existence with the great French Revolution. With the French Revolution, there began the regeneration of those nations which had acquired their national historical religion only through the influence of Judaism.

The social life-sphere, like the cosmic and the" organic, is divided in its development into three epochs, which in their intrinsic structure are analogous in all the three life spheres. The first manifestation of history, that of ancient Judaism and Paganism, is the paleontological epoch of social life. It corresponds, on the one hand, to the embryological epoch in the history of development of organic life on this earth, which terminated in the tertiary period with the birth of the present existing organisms; and, on the other hand, it is analogous, in the cosmic sphere, to the epoch of world formation, the age of comets and nebulae, an age which finally culminated in the birth and rise of the astral bodies.
weiter:
http://www.zionismontheweb.org/Moses_Hess_Rome_and_Jerusalem.htm
 

Lan_Zelot

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Im Internet hatte sich der nicht unbekannte und berüchtigte Norbert Marzahn mit diesem Thema beschäftigt. Einer seiner Anhänger (in diesem Forum kein Unbekannter) hat auch eine Kopie von Moses Hess, Rom und Jerusalem ins Netz gestellt.
Von daher würde ich befürworten, dass man den Thread wieder löscht, einige für die öffentliche Meinung zuständigen Stellen könnten ihn als Provokation verstehen.

Nur zur Information!
Hier einige Zitate aus "Rom und Jerusalem", von denen ich mich persönlich distanziere. Ich habe mich bewußt bemüht, nur die harmlosesten Stellen zu zitieren.
Wikipedia meint: »Hess wichtigstes Werk ist das 1862 erschienene Rom und Jerusalem, eine Grundlegung des späteren Zionismus.«
Mods, falls für dieses Forum ungeeignet, bitte meinen Beitrag löschen!

...
Der Völkerfrühling hat mit der französischen Revolution begonnen; das Jahr 1789 war das Frühlingsäquinoxium der Geschichtsvölker. Die Auferstehung der Todten hat nichts Befremdendes mehr zu einer Zeit, in welcher Griechenland und Rom wieder erwachen, Polen von Neuem aufathmet, Ungarn zum letzten Kampfe rüstet, und eine gleichzeitige Erhebung aller jener unterdrückten Racen sich vorbereitet, die, abwechselnd von asiatischer Barbarei und europäischer Civilisation, von stupidem Fanatismus und raffinirter Berechnung misshandelt, missbraucht und ausgesogen, dem barbarischen und civilisirten Hochmuthe der herrschenden Racen im Namen eines
höhern Rechts das Herrscherrecht streitig machen.
...
Die Stimmen, welche heute von allen Weltgegenden her für die nationale Wiedergeburt Israels laut werden, finden ihre Rechtfertigung zunächst im jüdischen Cultus, im nationalen Wesen des Judenthums; sodann in der allgemeinen Entwicklungsgeschichte der Menschheit und deren Resultat: in der gegenwärtigen Weltlage.
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Ich leugne die Thatsache nicht, dass im alten Testamente von einer solchen Unsterblichkeit keine Rede ist. Wenn Sie aber dieses Stillschweigen über einen so wichtig scheinenden Punkt unsern heiligen Schriften zum Vorwurfe machen, so vergessen Sie wieder den Gesichtspunkt, von welchem aus der jüdische Genius diese Schriften produzirt hat, den Gesichtspunkt der heiligen Geschichte, den genetischen Gesichtspunkt, der niemals das Individuum von seinem Stamme, die Nation von der Menschheit und die Schöpfung vom Schöpfer trennt. - Sie vergessen, dass derjenige Theil unsrer heiligen Schriften, worin von Unsterblichkeit keine Rede ist, zu einer Zeit entstand, als die jüdische Nation noch nicht untergegangen war, und darum auch noch keine Auferstehungsgedanken haben konnte. - Der jüdische Unsterblichkeitsglaube ist von seinem national-humanitären Messias-glauben unzertrennlich. Erst mit dem Messias und seinem Reiche, sagt R. Jochanan, ist das Ziel der Schöpfung erreicht. Alle Propheten, fügt er hinzu, haben in ihren Verkündigungen das Messiasreich vor Augen; was das Heil im künftigen Leben betreffe, das wisse nur Gott allein. - Auch im spätern rabbinischen Judenthum konnte die Idee des zukünftigen Lebens, obgleich von den Rabbinen stets urgirt, niemals zu einem ausgeprägten Unterschiede von der Idee des Messiasreiches gelangen.
...
Selbst dem Urchristenthume, so lange seine Schöpfer noch nicht vom Judenthume und seinem nationalen Geschichtscultus abgefallen waren, lag noch die jüdische Volksidee zu Grunde, welcher die Auferstehung der Todten, das himmlische Reich und die zukünftige Welt nichts Anderes bedeuteten, als die messianische Zeit der Wiedergeburt Israels, das Gottesreich oder das, Reich des Geistes, dessen Ankunft noch in den Evangelien, in dem ächt jüdischen „Vater unser“ erwartet und erfleht wird. Auch des jüdischen Geistes letzte Offenbarung über Leben und Tod, das, was Spinoza darüber lehrte, hat nichts mit jener krankhaften, atomistischen Unsterblichkeit gemein, welche das einige Leben bald spiritualistisch, bald materialistisch in Staub auflöst, und das egoistische Chacun pour soi zum höchsten Religions- und Moralprinzip erhebt. Kein Volk ist von diesem Egoismus weiter entfernt, als das jüdische. Bei den Juden hatte stets der Grundsatz der solidarischen Verantwortlichkeit seine volle Geltung1. In den Sprüchen der Väter wird sogar jene bürgerliche Moral des Chacun pour soi als gemeines Laster gebrandmarkt2.
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Es ist Zeit, ruft ihnen ein französischer Demokrat zu, dass Ihr auch an Euch selbst denkt, und an Eurer eignen Wiedergeburt zu arbeiten beginnt.
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Die Deutschen hassen weniger die Religion der Juden, als ihre Race, weniger ihren eigenthümlichen Glauben, als ihre eigenthümlichen Nasen. - Weder Reform, noch Taufe, weder Bildung, noch Emancipation erschliesst den deutschen Juden vollständig die Pforten des socialen Lebens, Sie suchen daher ihre Abstammung zu verleugnen.
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Der jüdische Stamm, auf den schon im Alterthum fremde Völkerschaften einstürmten und ihn fast gänzlich aufrieben, würde in der Zerstreuung unter Völkern, die unsern Stammesgenossen oft nur die Wahl zwischen Apostasie oder Tod liessen, längst im grossen Meere der indogermanischen Völker untergegangen sein, wenn er seinen Typus nicht stets wieder in seiner Integrität, reproducirte. - Wenn das Judenthum seine Unsterblichkeit der Fruchtbarkeit seines religiösen Genies, so hat dieses selbst die seinige der Fruchtbarkeit und Unverwüstlichkeit des jüdischen Stammes zu verdanken.
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Für die Unverwüstlichkeit der jüdischen Race in Mischehen mit indogermanischen Stämmen kann ich Ihnen aus eigener Anschauung ein Beispiel citiren. Bekanntlich ist bei Kreuzungen zwischen Indogermanen und Mongolen der mongolische Typus vorwiegend; der russische Adel, der nur wenig mongolisches Blut in sich aufgenommen hat, trägt doch noch heute den mongolischen Typus. Unter meinen Gesinnungsgenossen befindet sich ein russischer Adeliger, der, wie alle echt russischen Bojaren, seine mongolische Abstammung durch seine Gestalt, seine indogermanische, dagegen durch seinen feinen Geist verräth. Dieser Freund hat eine polnische Jüdin geheirathet und mit ihr viele Söhne bekommen, welche sämmtlich einen auffallend jüdischen Typus haben.
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So wenig ich ein Vorurtheil gegen meine eigne Race haben kann, welche die grösste Rolle in der Weltgeschichte gespielt hat, und eine noch grössere in Zukunft zu spielen berufen ist, eben so wenig kann ich jenes andre gegen die heilige Sprache unserer Väter gutheissen, in Folge dessen man das Hebräische aus dem ganzen jüdischen Leben, und zuletzt auch noch auf dem Friedhofe durch deutsche Inschriftten verdrängen möchte. - Die hebräischen Gebete haben mich stets erbaut. Das Echo von tausend Generationen, die sie täglich aus bedrängtem Herzen zum Himmel auf steigen liessen, klingt mir aus ihnen entgegen. Selten verfehlen diese rührenden Gebete ihre Wirkung auf diejenigen, die sie verstehen.
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...,obgleich ich dem Judenthum bereits fern stand, meinen jüdisch-patriotischen Gefühlen Ausdruck geben wollen in einem Schmerzensschrei, der jedoch bald wieder in der Brust erstickt worden ist durch den grössern Schmerz, den das europäische Proletariat in mir erweckte.
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Dem alten Junghegelianer Dr. Arnold Ruge, der schon dem „Communisten-Rabbi Moses“ seinen Abfall von der „Idee“ nicht verzeihen konnte, war dieser „Materialismus“ vollends ein Greuel.
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Mir stellte sich inzwischen seit dem Beginne des italienischen Krieges ein wirklicher Zusammenhang zwischen meinen Racenstudien und jenen modernen Nationalitätsbestrebungen heraus, die seit diesem Kriege einen so mächtigen Aufschwung genommen haben.
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Mein Messiasglaube war damals, was er heute ist, der Glaube an die Wiedergeburt der welthistorischen Culturvölker durch Erhebung der Gesunkenen auf das Niveau der Höherstehenden. Heute, wie zur Zeit, als ich meine ersten Schriften herausgab, glaube ich noch, dass das Christenthum ein grosser Schritt auf dem Wege zu jenem erhabenen Ziele war, welches die Propheten als messianische Zeit geschildert hatten. Heute, wie damals, glaube ich auch noch, dass diese grosse, weltgeschichtliche Epoche mit Spinoza im Geiste der Menschheit aufzutauchen begann. Aber ich habe nie geglaubt und nirgend gesagt, dass dlas Christenthum das letzte Wort der heiligen Geschichte der Menschheit, oder auch, dass mit Spinoza diese Geschichte abgeschlossen sei.
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Das Leben ist ein unmittelbares Produkt der Race, die ihre socialen Institutionen nach ihren angeborenen Anlagen und Neigungen typisch gestaltet. Aus dieser ursprünglichen Lebensgestaltung entsteht die Lebensanschauung, welche allerdings auf das Leben zurück wirkt, aber nur modifizirend, nicht schöpferisch einwirkt und niemals fähig ist, den ursprünglichen Typus, der, stets wieder hervorbricht, wesentlich umzugestalten. Die germanische Race war es, die der christlichen Welt ihr spiritualistisches und materialistisches Doppelwesen aufdrückte.
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- Also nicht die Lehre, die Race gestaltet das Leben. Auch ist es nicht die Lehre, welche das biblisch-patriarchalische Familienleben, die Quelle des jüdischen Cultus erzeugt hat, sondern das patriarchalische Leben der jüdischen Stammväter ist vielmehr der schöpferische Grund der Bibelreligion, welche nie etwas Anderes war, als ein aus Familientraditionen sich fortbildender nationaler Geschichtcultus. Vor dem Erscheinen der germanischen Rasen auf dem Schauplatz des Welttheaters gab es überhaupt nur zweierlei Cultusarten-. einen Natur- und einen Geschichtscultus. Jener hatte in Griechenland, dieser in Judäa seinen classischen Ausdruck gefunden. Wie der griechische Cultus die vollendete Natur zur Darstellung brachte, so offenbarte das Judenthum das Gesetz Gottes in der Geschichte. Mit dem Auftreten der germanischen Racen hörte der Natur- und Geschichtscultus auf. An seine Stelle trat die Apotheose des isolirten Individuums. Das Christenthum fand in den nordischen Racen als Naturanlage vor, was bei ihm selbst nur eine Folge des Unterganges der antiken Nationalitäten, eine Manifestation ihres Todes war: ich meine jene Lebensanschauung, die weder in der Natur, noch in der Geschichte ein einheitliches Band, ein göttliches Leben, sondern überall nur isolirte Existenzen erblickt. So lange die germanischen Racen in Europa herrschten, konnte kein nationales Leben zur Entwickelung kommen.
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Ein andrer Engländer lasse sogar die heutige englische Dynastie direkt von der David'schen abstammen, und der Stein, auf dem der Kopf unsres Erzvaters Jakob geruht hatte, als er von der bekannten Jakobsleiter träumte, bei der Krönung der englischen Majestäten eine Hauptrolle spielen. Ein dritter endlich stelle grossmüthig alle englischen Schiffe zur Disposition der Juden, die nach Palästina zurückkehren wollen. ... Der Gedanke, von unserm Vaterlande wieder Besitz zu ergreifen, konnte daher überhaupt erst zu einer Zeit ernstlich in Betracht kommen, in welcher jene Starrheit bereits gebrochen ist. Und sie ist es heute wirklich; nicht nur bei den aufgeklärten, sondern auch bei den frommen Juden und Christen.
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Die Masse wird nirgend durch Verstandesabstraktionen zu Fortschritten bewegt, deren Triebfedern überall viel tiefer liegen, als selbst die socialistischen Revolutioäre wussten. Bei den Juden weit mehr noch, als bei Nationen, die auf ihrem eignen, Boden unterdrückt sind, muss die nationale Selbstständigkeit jedem politisch-socialen Fortschritte voran gehen.
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Die civilisirten Völker bereiten sich vor zur gemeinsamen Ausbeutung der Natur, mittelst einer auf die Errungenschaften der Wissenschaft sich stützenden Arbeit, welche keiner vermittelnden Schmarotzer mehr bedarf, und sie daher auch nicht mehr aufkommen lassen wird. Sie bereiten sich vor auf diese neue Aera (nicht mit der preussischen. zu verwechseln) durch die Erkämpfung eines freien nationalen Bodens, durch die Vernichtung jeder Racen- und Klassenherrschaft von aussen und von innen, durch eine freie Association aller Produktivkräfte, in welcher der feindselige Gegensatz voll Kapitalistenspekulation und produktiver Arbeit gleichzeitig mit jenem voll philosophischer Spekulation und wissenschaftlicher Arbeit schwinden wird.
...
Quelle: Auch vom Inhalt dieses Links und seines Gedankengutes distanziere ich mich.
Hier wird gezeigt, dass die Gedanken von Moses Hess bis in die Gegenwart wirken:
hagalil.com schrieb:
Neben aller mystischen Ausweitung der messianischen Idee geht es es im politischen Kern darum, in der kommenden Zeit die Herrschaft Roms durch die Herrschaft Judäas abzulösen. Das Regime der Gewalt soll der Herrschaft der Gerechtigkeit weichen.
Siehe: http://www.hagalil.com/judentum/geschichte/juden-31.htm
 

Sentinel

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Lan_Zelot schrieb:
Einer seiner Anhänger (in diesem Forum kein Unbekannter) hat auch eine Kopie von Moses Hess, Rom und Jerusalem ins Netz gestellt.

Steh ich da alleine auf dem Schlauch, wen meinst Du?


Lan_Zelot schrieb:
Von daher würde ich befürworten, dass man den Thread wieder löscht, einige für die öffentliche Meinung zuständigen Stellen könnten ihn als Provokation verstehen.

:?: Sie sprechen in Rätseln, Ehrenwerter.
 

Aphorismus

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Lan_Zelot schrieb:
Im Internet hatte sich der nicht unbekannte und berüchtigte Norbert Marzahn mit diesem Thema beschäftigt. Einer seiner Anhänger (in diesem Forum kein Unbekannter) hat auch eine Kopie von Moses Hess, Rom und Jerusalem ins Netz gestellt.

Von daher würde ich befürworten, dass man den Thread wieder löscht, einige für die öffentliche Meinung zuständigen Stellen könnten ihn als Provokation verstehen.

Weil irgendein depperter Nazi Stuß geredet hat soll man sich hier nicht mehr mit historischen Persönlichkeiten beschäftigen dürfen? Mir scheint, dir ist der Sinn für die Realität etwas abhanden gegangen.

Zu deinen Zitaten aus "Rom und Jerusalem":

Die müssen -- wie immer -- im Kontext betrachtet werden. Siehe Seite 20 von diesem .pdf hier, das fand ich so oder so sehr aufschlußreich.

In der Rhetorik und Begrifflichkeit ist das Buch von Hess in die Sprache aus der Mitte des 19. Jahrhunderts eingekleidet (Volksgeist, Rasse, Ewigkeit, Ruhm, usw.), die sich auch beim Historiker Heinrich Graetz finden lassen, war doch Hess ein Bewunderer von Graetz, mit dem er korrespondierte.

Hess benutze Begriffe wie Rasse und Volk offenbar um klarzustellen, dass der zu schaffende jüdische Staat nicht nur eine Heimat für alle gläubigen Juden, sondern vor allen Dingen auch für die von der Ethnizität her jüdischen Menschen, sein sollte. Da das Buch die erste überlieferte Artikulation für einen Judenstaat ist, spielt es natürlich eine Rolle in der Entwicklung des Zionismus. Das Buch ist von 1862 -- der von Nathan Birnbaum geprägte Begriff 'Zionismus' erst aus dem Jahre 1890.
 

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