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Hambacher Forst, Diesel-Gate, Mia ham's satt und Co.

Dieses Thema im Forum "Politik, Sozialkritik, Zeitgeschehen & Geschichte" wurde erstellt von streicher, 6. Oktober 2018.

  1. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Die Rodung des Hambacher Forsts wurde durch richterlichen Beschluss gestoppt, die Aktie von RWE ist auf Talfahrt.
    Das Tauziehen um Dieselnachrüstungen nach den Manipulationsvorwürfen geht weiter. Den Konzernen die alleinige Schuld zuzuschreiben, scheint zu einfach, aber der Geldturm, den die vielen Käufer in der Summe zusätzlich bezahlt haben bzw. der Mehrausstoß, der verleugnet wurde, hat die Konzerne noch kein schlechtes Gewissen beschert. Hier in Bayern sind ja bald Wahlen - die AfD zum Beispiel fordert auf ihren Plakaten, dass man die Autoindustrie schützen müsse. Gegen den Verkehrskollaps sind sie auch - laut Plakate.
    Und heute gab es eine Großdemo in München: mia ham's satt - Bauernhöfe statt Agrarfabriken, etc.. Die Großdemo richtete sich übrigens auch gegen den Verkehrskollaps, höchstwahrscheinlich mit ganz anderen Strategien als die AfD.

    Kann es sein, dass die Auseinandersetzungen emotionaler werden bzw. auch, dass sich Anzeichen mehren, dass sie härter ausgetragen werden, wenn es zum Beispiel um "Umwelt versus Wirtschaft" geht?
     
  2. gaia

    gaia Meister

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    276
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    Ich finde eigentlich, es wird wieder besser. Gerade an den ganzen Demos sieht man das. Da ist jetzt fast täglich irgendwo eine.
    Gestern sind hier schätzungsweise 4000 für eine Großdemo zusammen gekommen. Alles ganz normle Leute die sich solidarisch zeigen wollten.
    Das geschieht jetzt überall, Die Proteste im Hambacher Forst scheinen Rekorde zu sein, eine Solidisierung mit den Baumbesetzern. Sogar die Polizei da zeigt teilweise ihr Verständnis. Ich finde ein großer Teil der Bevölkerung rückt zusammen.
    https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-10/hambacher-forst-demonstration-rodung-rwe-armin-laschet
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Oktober 2018
  3. haruc

    haruc Ehrenmitglied

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    Ich finde, dass gerade das Beispiel Hambacher Forst nicht dazu taugt, die These zu belegen, dass es weniger emotional und weniger hart zugeht. Im Gegenteil: Bei den Protesten um den Hambacher Forst geht es primär um Bauchgefühl und ganz wenig um Tatsachen. Und ob unterirdische Tunnels und Baumhäuser, die von Militanten besetzt werden, die mit Molotovcocktails um sich werfen ein Zeichen dafür sind, dass es weniger hart zugeht, ist auch eher fraglich.

    Was mich so an der Sache stört:
    1.Da sichert sich ein Konzern im Rahmen der geltenden Gesetze das Recht, Braunkohle schürfen zu dürfen. Und dann kommen da irgendwelche Leute, denen das nicht passt, und meinen, aufgrund ihres Bauchgefühls die Rechte Dritter für ungültig erklären zu dürfen. Und die Medien rennen denen klatschend hinterher. Da fragt man sich doch, welche Gültigkeit Recht, Gesetz und Entscheidungen der Regierung noch haben, wenn man diese - je nach politischer Wetterlage - beliebig über den Haufen werfen kann.

    2. Es wird so getan, als würde RWE aus reiner Profitgier den Wald roden. Das mag sicherlich eines der Motive sein. ABER: Es gibt momentan auch keine Alternative. Braunkohle - die immerhin 25% der deutschen Grundlast bereitstellt - abschalten würde das europäische Stromnetz zum Zusammenbruch bringen. Unsere Nachbarn sind wegen der Energiewende eh schon ziemlich angepisst. Eine solche Aktion, die ja wieder ein deutscher Alleingang zum Wohle der Menschheit wäre, wäre nicht mehr vermittelbar.

    Achso, es entbehrt natürlich nicht einer gewissen Komik, dass die Erlaubnis für die Rodung damals von einer grünen Ministerin erteilt wurde.
     
  4. gaia

    gaia Meister

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    Naja- es war ja von härter die Rede. Emotional sind sie schon die ganzen Demos, aber das ist ja gut und normal. Es geht eben nicht immer ums kühle Rechnen.
    Erst heute kam ich mit meiner Psychio- Therapeutin wieder ins Gespräch. Thema war die Demo am Samstag hier war und wie toll das ist zu beobachten, wieviele Leute zusammen kommen um für das einzustehen, was sie sich für ihr Zukunft wünschen.
    Das ist so der Gegenpol zu den Aufläufen wie jetzt in Dortmund.
    Was den Hambacher Forst angeht, so wollte ich gar nicht auf das Ziel der Demo hinaus, sondern darauf wie die Bürger doch zusammenstehen können, wenn ihnen etwas wichtig ist.
    Und ich finde auch, dass das das Recht der Bürger ist.
    Das ist gerade irgendwie der Tenor den man kurz vor der Wahl hier in meiner Ecke auffängt.
     
  5. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    middleearth in otherland
    Wie grün sind die Grünen? Hier in Bayern wirbt die ÖPD damit, dass "Orange" das neue "Grün" ist. Kein Wunder, die Ansätze, die die ÖPD verfolgt, sind weit radikaler gedacht, wie zum Beispiel "Postwachstum".

    Aber zum Hambacher Forst: das waren schon wirklich ein harter Konflikt, der handfest ausgetragen wurde. Die Rechtsgrundlage sieht wohl so aus, dass im Großen und Ganzen aufgeschoben wird und Aufhebung der Aufhebung erfolgt. Die Suchmaschine Ecosia macht wohl RWE ein Angebot, den Wald abzukaufen. Das Angebot wird RWE sicherlich zu niedrig sein.

    Was die Besetzer und deren Befürworter betrifft: orientieren sie sich am großen Ganzen? Für sie ist die Apokalypse die weltweite Klimaerwärmung, mit Folgen, die nur abgeschätzt werden können, aber die man in Ansätzen sehen und spüren kann.
    Oder sie wird doch ganz konkret sichtbar an Lebensräumen, die absaufen, wie die Malediven zum Beispiel. Wenn die Klimaerwärmung auch nur zur Hälfte menschengemacht wäre, mit welchem Recht, könnte man fragen, lässt man einen Staat absaufen? Was greift da? Gibt es keinen Mechanismus, der dafür sorgt, dass Inselstaat nicht links liegengelassen werden kann.
    Nein, so haben die Aktivisten nicht argumentiert - sie wurden gefeiert und zugleich als Terroristen angesehen - mit Bezug auf DIE WELT, die das Stichwort Ökodiktatur in die Feder nimmt - welche droht denn gerade, die angeheizte Umwelt mir ihrer "Ökodiktatur" oder sehen einige die menschengefeilte Ökodiktatur auf die Menschen zukommen?

    Egal, wo man die Energiewende hinwenden will, letztendlich wäre viel geholfen, wenn man ernsthaft darauf hinzielen würde, den Gesamtverbrauch zu senken. Aber da könnte es sogar sein, dass sich alle an die Nase packen müssen.