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Energiewende - aber wie?

Dieses Thema im Forum "Politik, Sozialkritik, Zeitgeschehen & Geschichte" wurde erstellt von gaia, 21. April 2018.

  1. gaia

    gaia Meister

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    Was den anfallenden Müll angeht, habe ich neulich dazu was Interessantes gelesen.
    Es ging dabei um die Energiewende und den abzudeckenden Energie- Bedarf.
    Am Beispiel Schweden.
    Diesem Artikel nach, landet ein verschwindend geringer Teil des Mülls der Schweden auf Deponien.
    Zum einen wird den Schweden "scharf" vorgeschrieben, wie sie mit ihrem Müll umzugehen haben( was immer das heißen mag).
    Und sie recyclen auf jeden Fall sehr gründlich.
    Aberzum anderen( und das ist das Interessante)nutzen sie ihren Müll zur Energiegewinnung. Sogar die Überreste werden vrwendet- für Straßenbau.

    https://www.trendsderzukunft.de/ene...t-wie-gut-eine-null-muell-stadt-funktioniert/

    Meine Frage wäre somit, ob das tatsächlich umweltfreundlich ist?
     
  2. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Die bei Verbrennung anfallende Asche war lange Zeit problematisch. Wenn sie in Schweden dafür eine Lösung gefunden haben, ist das sicher eine gute Sache. Somit kommt selbst die Asche wieder in einen Kreislauf, und es müssen weniger Rohstoffe von den Bergen oder aus den Tiefen geholt werden.
    Insgesamt wäre es wohl günstiger, wenn von Vornherein weniger Müll produziert würde, weniger verbrannt werden müsste, und der Energiebedarf gesenkt werden könnte. So fungieren diese neuen Verfahren eher als Optimierung. Und in der Hinsicht - an Müllverbrennung und Müllwiederverwertung wird fleißig geforscht und entwickelt. Irgendwo habe ich auch mal gelesen, dass aus dem entstehenden CO² wieder Brennstoff hergestellt wird. Ein Pilotprojekt steht in der Schweiz.
    Nebenher sind diese Verfahren, und sollten die Anlagen mal stehen und laufen, ziemliche Geldquellen. Und sie machen die Orte/Regionen möglicherweise unabhängig.

    Interessante Seite - "trendsderzukunft"...
     
  3. gaia

    gaia Meister

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    Das Faszinierende daran ist für mich, der Versuch einen Art vollendeten Kreislauf zu schaffen.
    So wie ich das verstanden habe, sind die Schweden was Wiederverwertung angeht auch gut dabei. Die haben einfach kaum Müll.
    und verbrennen bereits den Müll anderer Länder.
    Und das Gas wird auch verwendet-das habe ich auch gelesen,( ursprünglich gings mir dabei um Ernergiegewinnung- also die entstehenden Lücken, wen man eine große Stromquelle abstellt)
    Aber- Energiequelle in Schweden sind auch AKW's.
     
  4. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Dem nähert sich Schweden wohl etwas schnelleren Schrittes an als die BRD. Zwar ist die Statistik nicht aktuell, aber nach der Statistik dürfte wohl der Anteil der Atomenergie an der Gesamtenergieproduktion klar unter einem Viertel sein. Vielleicht schafft es Schweden tatsächlich über die energetische Nutzung von Biomasse und Abfällen, die Atomkraft zu ersetzen. Schon jetzt haben die erneuerbaren Energien bald die Hälfte des Anteils. Sicher: der Verbrauch Schwedens im Vergleich zu dem Verbrauch der BRD ist klein, hat ja auch nur knapp unter 10 Millionen Einwohner. Vielleicht fällt es Schweden auch deswegen etwas leichter, die Energieproduktion umzuschichten oder das Land sauber zu halten.
     
  5. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

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    In Schweden ist die erste eRoad gebaut worden, das ist eine Straße mit einer Stromschiene, mit der Fahrzeuge beim Fahren aufgeladen werden sollen.

    https://www.eike-klima-energie.eu/2...r-km-um-die-globale-erwaermung-zu-bekaempfen/
     
  6. gaia

    gaia Meister

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    Warum denke ich jetzt nur an die in meiner Stadt geplante Wiederneueinführung der Straßenbahn.....
    Trotzdem- der Unterschied zu hier( Deutschland) scheint mir zu sein, dass diese Energiepolitik Sinn macht.
    Die AKW' liefern noch ihren Anteil, ein großer Energieliefernt, ist aber Wasserkraft.
    Deutschland deckt ja( nach der fogenden Statistik )ca 14 % aus Kernernergie ab, aber ca 40% aus Kohle.....
    Die Frage aller Fragen bleibt, wie wir unsren Energiebedafr abdecken möchten, wenn wir weder Kohle noch AKW's wollen?
    Naja. Das ist irgendwie keine Kleinfrage mehr, sorry.

    [​IMG]
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. April 2018
  7. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Regensburg? Will wieder die Tram einführen...

    Würde es zum Beispiel Sinn machen, alte Deponien wieder zu öffnen, nach Rohstoffen zu filtern und dann zu verbrennen?

    Es würde hierzulande den Energiewechsel erleichtern, wenn wir es irgendwie schaffen würden, den Verbrauch tatsächlich etwas zurückzufahren. Aber auch dann stellt sich die Frage - wie?

    Das sind alles keine kleinen Fragen mehr. Vielleicht sollten wir ein neues Thema eröffnen. Lassen sich hier im Forum eigentlich Themen absplitten? Ich frage mal unseren legendären Boardadmin. :illu:
     
  8. Boardadmin

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    Und hiermit erledigt - bitte weiter im Text.
     
    gaia gefällt das.
  9. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Die Graphik ist echt interessant. Nun steht nur das Vorjahr in Klammern, aber die Trends dürften ersichtlich sein - weg von der Kohle, hin zum Erdgas?! Man bekommt beim Umweltbundesamt einen etwas anderen Eindruck: Erneuerbare Energien in Zahlen. Generell ist ja der Zuwachs an Erneuerbaren durchaus begrüßenswert. Gerade bei der Windenergie kann es allerdings auch ein wenig aufstoßen: gerade in Norddeutschland stehen riesige Wälder von Windrädern. Schön ist das nicht. Das Recycling der Anlagen scheint noch nicht zufriedenstellend gelöst. Manch Artenschützer bringen die Windräder auch auf die Palme, denn die Windflügel forderten schon manch Greifvogel das Leben.
    Und dann der Energiemais: auf spektrum.de wurde Mais mit einer ökologischen Wüste verglichen, und das nicht zu unrecht. Mehr Mais führt zu weniger Arten, insbesondere Vögel.
    Biomasse ist allerdings weiterhin stark im Kommen. Soll damit energetische Konstanz hergestellt werden? Eine sehr umstrittene Strategie. Den Atomstrom zu ersetzen stellt eine langjährige große Herausforderung dar.
     
  10. haruc

    haruc Ehrenmitglied

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    Da gibt es grob drei Wege - einen gangbaren und zwei riskante.

    1. Ausbau von Photovoltaik und Windenergie. GEwinnung von Energie aus fließenden Gewässern ist in Deutschland bereit weitgehend ausgeschöpft. Zwingend notwendig hierzu ist aber, dass man ausreichend zuverlässige Speicher hat, da die Sonne bekanntermaßen eigentlich nur dann scheint, wenn man eh nicht so viel Strom braucht. Der Knackpunkt ist hier die Speichertechnologie.

    a) Die Idee, eine Flotte von E-Autos als fahrende Puffer zu benutzen ist auf den ersten Blick verlockend, auf den zweiten Blick aber sehr dämlich, da völlig unpraktikabel. Denn sie bedeutet im Endeffekt, dass die Autos tagsüber aufgeladen werden müssen (wenn die Sonne scheint und Wind weht) und nachts die Autos angezapft werden. Damit das System funktioniert, müssen E-Auto Besitzer morgens mit leeren Batterien zur Arbeit fahren wollen. Man kann sich an einer Hand ausrechnen, wie viele Leute darauf Lust haben.

    b) Stationäre Batterien könnten als Puffer dienen, würden aber die sich jetzt schon anbahnende REssourcenknappheit nochmals erheblich verschärfen. Es gibt schlichtweg nicht genug Lithium, Kobald und andere nötige Metalle, um das zu realisieren. Zumindest nicht ohne dritten Weltkrieg. Und danach bräuchten wir eh keine Sorgen mehr um Strom zu haben. Zudem würden wir uns auf Gedeih und Verderb von China abhängig machen, was in der strategischen Perspektive keine gute Idee ist.
    Daher scheidet die Idee ebenfalls aus.

    c) Umwandlung von elektrischer Energie in einen anderen Energieträger, beispielsweise Wasserstoff oder Methan. Diese Technologie wird immer interessanter, da die großtechnische Realisierung vor der Tür steht. Damit wäre unsere Energiewirtschaft von Rohstoffen aus Übersee praktisch unabhängig. Der Wirkungsgrad ist zwar niedriger als bei der direkten Verwertung der elektrischen Energie bzw der Speicherung in Batterien, dafür sind die wirtschaftlichen, ökologischen, politischen, menschlichen, sozialen und ethischen Gesamtkosten deutlich geringer.

    Wir sehen, dass es nur mit dem Ausbau erneuerbarer Energien nicht getan ist. Dazu gehört ein schlüssiges Gesamtkonzept, das aber bisher nicht vorliegt. Die Gründe hierfür sind ideologischer und - zu einem kleineren Teil - technischer Natur (siehe Punkt 1 c) )

    Hinzu kommt ein eklatanter Konstruktionsfehler des EEG: Der Einspeisevorrang erneuerbarer Energien. Das dient im Prinzip nur dazu, schöne Statistiken zu erzeugen. Seit Jahren feuern wir Milliarden an Steuergeldern in Erneuerbare Energien, und tatsächlich steigt der Anteil der EE, aber leider verbessert sich die CO2-Bilanz Deutschlands nicht wesentlich. Das liegt daran, dass für jeden Solar- und WIndpark im Hintergrund ein konventionelles Kraftwerk mitläuft und CO2 emittiert, ohne den daraus gewonnenen Strom einspeisen zu dürfen. Bisher ist die ganze Energiewende nur einer der teuersten Taschenspielertricks der deutschen Geschichte.

    2. Ausbau der Energiegewinnung aus Abfall und Biomasse. Diese Formen der Energiegewinnung sind relativ günstig und zuverlässig, da grundlastfähig. Allerdings ist Deutschland schon an seiner Kapazitätsgrenze angekommen: Die Deutschen Abfallheizkraftwerke müssen mittlerweile Müll aus Italien, Polen, Frankreich und Großbritannien importieren, um überhaupt zu laufen. Der Grund ist, dass in Deutschland zu wenig Müll erzeugt wird. Und der Müll, der erzeugt wird, ist dank Mülltrennung von so schlechter Heizqualität, dass man gelegentlich auch mal alte Telefonbücher oder ein paar tausend gelbe Säcke verheizen muss, damit der Ofen nicht aus geht. Das ist jetzt kein Witz.

    Aber mit der Verbrennung ist es noch nicht getan: Es fallen bekanntermaßen grob zwei Sorten von Asche bei der Verbrennung an: Die grobe Asche, die im Ofen auf dem Rost liegen bleibt (darin sind dann u.U auch mal Fahrräder, Gasflaschen usw enthalten) und die Flugasche (die im Filter aus dem Abgasstrom entfernt wird). Die grobe Asche wird gesiebt und nach Metallen durchsucht, die, je nach Marktpreis, abgeschieden werden. Mittlerweile lohnt es sich, Metalle wie Kupfer, Zinn, Blei, Lithium, Mangan, Cadmium etc. abzuscheiden. Der Rest der Asche wird als Zusatz von Spezialbeton (für bestimmte ANwendungen, etwa im Bergbau zur Verfüllung alter Stollen) genutzt und somit aus dem Verkehr gezogen. Klar ist auch hier, dass das keine Lösung ist, die unendlich lange funktionieren wird. Aber einige zehntausend Jahre dürften drin sein.

    DAs Problem beim thermischen Recycling von Abfall ist, dass die daraus gewonnene Energiemenge umso geringer wird, je weniger Müll erzeugt wird. Also auch hier eher eine komplementäre Technologie.

    Bei Biomasse ist das Problem ähnlich gelagert. In Klärwerken wird ja bereits das Faulgas aus den Faultürmen abgezweigt, um daraus Energie zu gewinnen. Mehr ist praktisch nicht drin. Man müsste extra Energiepflanzen anbauen, um daraus Energie zu erzeugen, aber auch das führt zu neuen Problemen: 1. Das moralische Teller-Tank-Dilemma, 2. ökologische Probleme: Landwirtschaft, insbesondere so wie sie in den letzten Jahrzehnten betrieben wird, zerstört die Ökosysteme nachhaltig. Seit 1990 ist die Anzahl von Insekten (und Vögeln) im ländlichen Raum dramatisch eingebrochen. Ursache ist nicht nur der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln, sondern auch von extensiver Bewirtschaftung der Flächen. Jeder Quadratmeter wird ausgequetscht, da bleibt wenig Raum für Biodiversität. Eine gute Lebensgrundlage für ein reichhaltives Ökosystem sieht anders aus.

    3. Fusionsreaktoren. Wenn wir weiterhin Energie haben wollen, die Kohle uns zu dreckig und die Kernkraft zu gefährlich ist, dann kommen wir, so wie es im Moment aussieht, am Fusionsreaktor nicht vorbei. Ob jemals was daraus wird, weiß man nicht.


    Der eingangs erwähnte "gangbare" Weg ist imho übrigens Option 3. Fusionsreaktoren bergen praktisch keine Risiken und liefern unvorstellbare Mengen an Energie. Der Rest (Erneuerbare Energien und Energiegewinnung aus Abfall und Biomasse) wird bestenfalls komplementär bleiben, egal wie man es dreht und wendet. Wir brauchen grundlastfähige Energiequellen, die können Photovoltaik und Windkraft nicht bieten. Alle Speicherkonzepte sind entweder nicht umsetzbar oder politisch nicht gewollt (zb. Wasserstoff als SPeicher).
     
  11. gaia

    gaia Meister

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    Vielen Dank für die ausführliche Antwort, haruc :)
    @streicher
    Ja, die Tram soll wieder fahren. Mir ist aber noch nicht klar wie genau das alles laufen soll.

    Windräder: die haben einfach mehrere Nachteile und sind dann von Tierschützerseien eher abzulehnen. Ganz zu schweigen, dass die Natur langfristig verschandeln. Vor allen müssen riesige Flächen dafür herhalten und eben: Windkraft erfordert Wind.
    Das gleiche Problem Betrifft Solar. Weiß eigentlich einer wie man Solarzellen entsorgt?
    Bisher würden die erneuerbaren Energien, die uns zur Verfügung stehen, schonmal als große Träger unser zukünftigen Energieversorgung ausfallen.
    Das erscheint mir gerade irgendwie unlogisch. Ich verstehe nicht, warum an elektrische Energie etwas anderes umwandeln sollte. :bahnhof:
    Hier wird um mich herum gerade etwas unruhig. Später mehr.
    Ich hoffe ja auch auf einen AKW Abschalten Befürworter und dessen oder deren Argumente.
     
  12. haruc

    haruc Ehrenmitglied

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    Nun, vielleicht ist das in meinem Beitrag oben etwas untergegangen. Die Sache ist: Energieversorgung muss zuverlässig sein, d.h. Energie muss zu dem Zeitpunkt und an dem Ort verfügbar sein, an dem sie gebraucht wird. Energie aus Sonne und Wind kann das in der jetzigen Form, nämlich der Direkteinspeisung, nicht gewährleisten, da beispielsweise Photovoltaikanlagen nur zwischen März und Oktober und da nur zwischen 11 Uhr morgens und 16 Uhr mittags einigermaßen effektiv Strom erzeugen - wenn das Wetter mitspielt.

    Wenn diese Anlagen aber Strom erzeugen, kommt es u.U. zu Überschüssen, die gar nicht gebraucht werden und entweder verheizt werden, oder mit Verlust ins Ausland verkauft werden. Es wäre sinnvoller, diese Überschüsse für den späteren Gebrauch, etwa wenn die SOnne nicht mehr scheint und kein Wind weht, aufzuheben. Dazu bedarf es einer Speichertechnologie, die dies zu leisten imstande ist.

    Wie ich oben dargelegt habe, sind die derzeit diskutierten Ideen zur Speicherung von Elektrischer Energie in Batterien sehr kurzsichtig und keineswegs zukunftsähig. Jetzt gigantische Summen in den Aufbau einer nationalen "Batterie" zu stecken würe Milliaren kosten und uns alle fünf bis sieben Jahre weitere Milliardenbeträge abverlagen, mal davon abgesehen dass die dafür notwendigen Rohstoffe bei Benutzung der jetzigen Technologie in dem Umfang schlichtweg nicht verfügbar sind.
    Batterien als Speichertechnologien lösen das Problem nur teilweise und verschieben es eine Stufe nach hinten. Denn die mangelhafte Distribution ist damit noch immer nicht gelöst.

    Daher ist es aus meiner Sicht in der Gesamtbetrachtung nachhaltiger, günstiger und schlichtweg sinnvoller, die anfallende überschüssige Elektrische Energie in einen anderen Energieträger umzuwandeln und die Energie so zu speichern. In Form von Gas kann Energie über Jahre hinweg verlustfrei gespeichert werden. Deutschland verfügt über ein gut ausgebautes Gasnetz, wodurch die Verteilung der Energie auch ohne Nord-Süd-Trasse problemlos möglich wäre. Bei Bedarf könnte die so gespeicherte Energie wieder völlig CO2-Neutral in bereits bestehenden Gaskraftwerken oder in eigens dafür eingerichteten Brennstoffzellen wieder in elektrische Energie umgewandelt werden.

    DAS wäre meiner Meinung nach der einzig gangbare Weg, um mit Hilfe von Photovoltaik und Windenergie eine grundlastfähige und nachhaltige Energieversorgung aufzubauen.

    Es stimmt, dass bei jeder Umwandlung (Strom->Gas, Gas-> Strom)etwa 30% der Energie verloren gehen. ABER das ist nur auf den ersten Blick ein Gegenargument. Denn was wäre die Alternative? Die Alterative wäre, dass wir die Energie gar nicht nutzen oder zum Schaden der Produzenten und Steuerzahler irgendwie verscherbeln.

    Es ist rein theoretisch denkbar, dass wir irgendwann so viel Solar- und WIndenergie produzieren, dass wir aus dem Überschuss genügend "Speichergas" erzeugen, um auch für "laue Zeiten" (also früher Morgen, Abend, Nacht, Winter) genügend Energiereserven vorrätig haben.

    Der angenehme Nebeneffekt einer solchen wasserstoffbasierten Energiewirtschaft wäre, dass man aus dem Reservoir auch den Treibstoff für unsere Autos, Omnibusse, Flugzeuge, Schiffe usw abzweigen könnte. Und das ganz, ohne in Konkurrenz zur Nährmittelherstellung zu treten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. April 2018
  13. gaia

    gaia Meister

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    Also als eine Art Ersatz für die fehlende Speichermöglicheit, als Übergang bis wie "bezahlbare" Batterien herstellen können, die noch dazu kein Entsorgungsproblem haben. Oder vielleicht auch generell.
    Da ich mit Physik und Chemie so rein gar nichts am Hut habe, liest sich Umwandlung für mich ein wenig wie Zauberei...:hexe2:
    Aber mir ist theoretisch klar, dass das möglich ist.
    Wie schauts mit der Entsorung aus? Windräder sind sicher für die Ewigkeit gedacht, also stehen die Betonpeiler eben.
    Aber Solar- Module?
    Trotzdem kann man imho nicht komplett auf erneuerbare Energie setzen. Das ginge vielleicht in Ländern in denen Waserkraft eine größere Rolle spielt, aber Wind und Sonne?
    Müllverbrennung- ist der Schweden Hype diesbezüglich dann falsch? Das hat sich alle toll gelesen- der nahezu perfekte Kreislauf- alles wird gebraucht. Ich dachte wir hätten hier ein Müllproblem?
    Biomasse: Ich habe so meine Probleme damit, aus den Gründen die Du angeführt hast. Und auch "moralischer" Sicht- irgendwie. Ich meine Aber selbst Greenpeace sieht diesen Weg wohl kritisch.
    Seit Beginn des Jahres 2007 müssen Kraftstoffe in Deutschland einen Mindestanteil Biokraftstoff enthalten, derzeit 1,2 Prozent bei Benzin und bei Diesel 4,4 Prozent. Bis zum Jahr 2020 strebt die EU einen Anteil der Biokraftstoffe von mindestens zehn Prozent am Gesamtabsatz an, um die Abhängigkeit vom schwindenden Rohöl zu mildern. „Wir sehen diese Entwicklung sehr kritisch“, sagt Andree Böhling von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Anders als bei der Versorgung mit Wärme und Strom tauge Biomasse noch nicht für eine großflächige Versorgung mit Kraftstoffen, sagt Böhling. In keinem anderen EU-Land gebe es eine solche Regelung. „Die erneuerbaren Energien sollen es in allen Bereichen sofort richten – das ist kurzsichtig gedacht.“
    Kurzfristig würde ich unterstreichen wollen.
    Also- reden wir über Fusionsenergie.
    welche Vor und Nachteile gibt es hier?
    Für mich ist diees Thema interessant, weil ich Teenager der 90ger war. Schulisch auf dem sozialem Weg, war man irgendwie einfach grün.
    Wir haben auf ungebleichtem Paper und mit Tinte geschrieben. :tauben:Keiner hat sich Gedanken über Lücken in der Energieversorgung gemacht. Man war gegen etwas, was einem als umweltfeindlich bekannt gemacht wurde :fliegen:
     
  14. streicher

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    Die Abfallmenge für Solarmodule ist in Deutschland noch relativ gering, wie wird aber in den nächsten Jahrzehnten deutlich steigen. Das Recycling von ordentlich abmontierten Modulen ist wohl weitgehend unproblematisch. Sobald aber Module beschädigt sind, können Gifte austreten, denn bei vielen Modulen werden Cadmium und Blei verwendet. Deswegen sprechen sich einige aus der Branche sehr gegen die Verwendung dieser Metalle aus.
    In der TU-München wurde noch vor einigen Jahren an kohlenstoffbasierten Solarmodulen geforscht. Ich weiss nicht, wie weit die Forschung da gediegen ist. Das Recycling wäre einfacher, die Anwendungen deutlich vielfältiger (Taschen und Kleidung könnten das Smartphone aufladen, etc.). Der Wirkungsgrad war jedoch im Vergleich zu herkömmlichen Techniken deutlich niedriger.

    Wegen Energie aus der Brennstoffzelle: hier in München gibt es noch ein Carsharingangebot mit Fahrzeugen, die die Brennstoffzelle nutzen: beezero. Allerdings wird dieses Angebot Ende Juni eingestellt. Sehr schade! Gerade solche Konzepte sollten von staatlicher Seite mehr unterstützt werden. Aber von staatlicher Seite wird wohl noch zu viel Rücksicht auf herkömmliche Unternehmen und Antriebe genommen.

    In Hessen gab es kürzlich die erste Probefahrt eines Wasserstoffzuges. Ebenso sollen in Niedersachsen Dieselzüge durch Wasserstoffzüge von der Firma Alstom ersetzt werden.

    Was den Energiemais angeht, scheint zumindest eine Alternative gefunden zu sein, die den Boden eben nicht so auslaugt: die Silphie. Die kann sogar in Mischkulturen angepflanzt werden und Unkraut wird beim Anbau der Silphie scheinbar nicht mehr als Laster betrachtet.
     
  15. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

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    Nein, sie sollten nicht staatlich unterstützt werden. Die Technik sollte sich durchsetzen können, weil sie tatsächlich besser ist als die alte Technik. Künstliche Kaufanreize, wie im Solarbereich, oder Zwangsfinanzierungen wie das EEG zeigen doch deutlich das diese Methode nicht funktioniert. Wird die Subvention weggenommen, steigen die Preise, Firmen sind nicht mehr fähig sich ohne die Finanzspritze zu halten, also gehen sie bankrott. War da nicht die Fa. Solarworld, der es so gegangen ist?
     
  16. haruc

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    Keine Zauberei. Im Prinzip könnte man das mit Elektrolyse machen. Das kann man sich in etwa so vorstellen: Man hat eine Wanne voller Wasser und an beiden Enden hängt je ein Metallplatte im Wasser. Die eine Platte ist mit dem Pluspol eines Stromkreises verbunden, die andere mit dem Minuspol. (in anderen Worten: Die Wasserwanne ist Teil des Stromkreises). Gbt man nun Strom auf die Metallplatten, so flitzen Elektronen durch das Wasser. Trifft so ein Elektron ein Wassermolkül (H2O), so wird dieses Molekül augespalten. Dabei entsteht elementarer Sauerstoff (O2) und elementarer Wasserstoff (2 H2). Beides sind Gase, die man abscheiden kann.

    Andere Verfahren wandeln beispielsweise Wasser und CO2 aus der Atmosphäre in Methan um. Methan ist der Hauptbestandteil von Erdgas und kann in das nationale Gasnetz eingespeist werden. Es gibt auch Brennstoffzellen, die mit Methan funktionieren.

    Leider haben auch Windräder eine eingeschränkte Lebensdauer. Irgendwann wird das Material müde und das Windrad (vor allem der Pfeiler) muss aus Sicherheitsgründen ersetzt werden. In Dänemark sind bereits die ersten Windräder lange vor Ende des geplanten Lebenszyklus zusammengebrochen - weil sie falsch konstruiert waren. Von der Gesamtbilanz her gesehen waren diese Windräder (und alle, die ähnlich konstruiert sind) ein Schlag ins Wasser.

    Nein, der "Schweden-Hype" um die Müllverbrennung ist nicht falsch. Bei uns wird das seit Jahren so gemacht, nur bekommt es keiner mit. Deutschland hat, wie Schweden, Norwegen, Schottland, die Beneluxstaaten, Österreich und die SChweiz ein Deponieverbot für Hausmüll, d.h. Hausmüll darf nur noch nach entsprechender Vorbehandlung (i.d.R. Verbrennung) deponiert werden.

    Der Vorteil ist, dass man mit einem Fusionsreaktor aus einem völlig ungefährlichen Rohstoff, (vereinfacht) Wasserstoff, unvorstellbare Mengen an Energie gewinnen kann. Und bei der Wasserstofffusion entstünde als einziges Abfallprodukt elementares Helium - ein chemisch praktisch inertes Edelgas, das man einfach so in die Atmosphäre abblasen kann.

    Der Nachteil ist: Die Technologie ist noch Jahrzehnte davon entfernt, marktreif zu sein. Und sie ist ziemlich teuer.

    Aber es wird eines Tages funktionieren. UNd dann müssen wir uns nicht mehr über Erdöl, Biomasse, Atomendlager und Solarzellen den Kopf zerbrechen.

    Ja und nein. Prinzipiell stimme ich zu, dass Subventionen böse sind und verboten gehören. Aber es gibt jenseits der Erzeugung von Shareholder Value noch andere Zwecke von Unternehmungen, beispielsweise die VErfügbarkeit strategischer Ressourcen oder Schlüsseltechnologien.

    Beim Brennstoffzellenauto liegt meiner Ansicht nach das Problem vor allem darin, dass es eine "henne-Ei", Technologie ist. Man braucht die Infrastruktur, um die Fahrzeuge zu betreiben, und man braucht die Fahrzeuge, damit die Infrastruktur sich rentiert. Es steht außer Zweifel, dass das Brennstoffzellenauto, vor allem in weniger dicht besiedelten Gebieten, dem EBatterieauto klar überlegen ist. Gäbe es genügend Wasserstoffzapfsäulen, hätten wir bereits ein paar zehntausend Brennstoffzellenautos herumfahren. Dann würden auch Tankstellen gebaut werden, und die Leute würden sich eher für ein Brennstoffzellenauto entscheiden.

    Das Problem ist in diesem speziellen Fall also weniger, dass die Technik an sich nicht durchsetzungsfähig wäre, sondern dass sie momentan schlichtweg uninteressant ist, da eine Systemkomponente (Wasserstoffzapfsäulen) fehlt. Gerade deswegen wären solche "Anstupser" bei Pionierprojekten sinnvoll und richtig. Das hat nichts mit unfairem Wettbewerb zu tun (wie es bei dem gescheiterten Aufbau einer Solarindustrie war) sondern überhaupt erst damit, die Sache ins Rollen zu bringen. Wenn es erst mal alle 20-30 Kilometer eine H2-Zapfsäule gibt, braucht man auch keine Subventionen mehr.
     
  17. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

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    Was ich nicht verstehe, ist warum es der Staat sein muß, der anstupst. Warum kann es nicht eine Bank sein? Grüne Banken, das heißt Banken mit ökologischer Ausrichtung, sind bereits etabliert. Und selbst die Banken, die nicht primär ökologisch ausgerichtet sind, haben das ökologische Thema längst aufgegriffen. Da wird sich doch jemand finden lassen, der ohne staatliche Vermittlung oder Anweisung, das Aufstellen von H2-Zapfsäulen finanziert, so dass wenigstens mal der Anfang gemacht ist.
     
  18. haruc

    haruc Ehrenmitglied

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    Muss ja nicht der Staat sein. Wurde halt im Beitrag vorher genannt. Wichtig ist aber, dass irgendwer einen Anreiz gibt, eine H2-Infrastruktur aufzubauen. Eigentlich müssten ja die Autohersteller ein riesen Interesse daran haben. Aber die deutschen Autobauer in ihrer Tranfunzeligkeit verpassen das natürlich und rennen nachher jahrzehntelang jammernd hinterher, während irgendein Staatsbetrieb in China (der mit Milliarden vollgepumpt wurde) satte Gewinne einstreichen wird.
     
  19. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

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    Politiker können ja zwischen Industrie und Bank(en) vermitteln. Und die Hersteller von H2-Zapfsäulen könnten dann einen gewichtigen Fehler in E-Zapfsäulen vermeiden. Der CCC hatte es geschafft, Ladesäulen zu hacken, so dass es möglich ist, auf Kosten anderer zu tanken. Zugegeben, dürfte nicht so oft vorkommen, aber ist auch nicht unmöglich. Hier, in der Gegend, in der ich wohne, sind einige Ladesäulen an abgelegenen Plätzen installiert. Mal abgesehen davon, dass diese Plätze nur am Tage sicher wirken, können sie nachts gehackt werden. Das Smartmeter hat wohl auch solche Probleme. Kann gehackt werden und ist damit nicht sicher.
     
  20. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Da steckt die digitale Bezahlung an Ladestationen noch in den Kinderschuhen. Digitale Bezahlung wird wohl immer mit diesem Risiko zu leben haben. Die Telekom plant wohl, für den Aufbau eines flächendeckenden Netzes von Ladestationen für die e-Mobilität ihre Verteilerstationen zu verwenden. Das wäre natürlich ein ganz schön großer Schritt nach vorn. Vermütlich würde die Telekom sich bei digitaler Sicherheit nicht die Blöße geben wollen. Würde der Aufbau eines solchen Netzes eventuell auch mit der Installation von weiteren Kameras einhergehen, um eventueller Randale entgegenzuwirken? Ich halte es für denkbar.

    Generell stellt sich auch die Frage, ob die neuen Techniken die Möglichkeiten bieten, die Energieversorgung dezentraler zu organisieren. Ist die Energieversorgung zentralisiert organisiert, ist sie eben auch verwundbarer.