Berichterstattung / Mediendiskussion

nicolecarina

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force schrieb:
wie kommt es, dass die medien scheinbar gesteuert sind, dass sie so konform laufen mit dem system obwohl doch eigentlich die medien einigermaßen gut gegen manipulation geschützt sind? es ist ja nicht so, dass in unserem land ( im gegensatz zu z.b. italien wo el presidente ja auch gleich der größte medienmodul im lande ist ) der kanzler einfach in die redaktion stürmen könnte um zu sagen "he... das schreibt ihr so nicht!!"

ich sehe hier eine wirkung der so gern beschworenen segensreichen eigenschaften der unsichtbaren hand, die ja bekannterweise die dinge lenkt.

es macht marktwirtschaftlich sinn genau diese art von sendungen zu bringen, die eben gebracht werden... es macht marktwirtschaftlich sinn uns in dieser realität zu halten, uns etwas zu geben über das wir uns aufregen können.
Ausgehend von Force´s Post im Hartz-Thread möchte ich gern mal Meinungen zu genau dieser Fragestellung diskutieren.

Da ich selbst in der Medienbranche arbeite, gibt es hin und wieder ganz deutliche Beispiele dafür, dass eben nicht alles gedruckt wird, was die Journalisten so schreiben. Vor allem die Freien müssen sich glaube ich noch stärker entscheiden: Vogel friss oder stirb, soll heißen, entweder ich schaffe es mit eigenen Themen - und dazu braucht es langen, langen Atem, gute Kontakte und Profil - oder ich mach halt schweren Herzens mit, weil´s halt sonst nichts gibt. Und was sind das dann für Themen? Meist unreflektiert übernommen von Nachrichtenagenturen und Pressebüros, das was halt reinkommt oder der hundertste Bericht über Sinn und Unsinn eines Fitnesstudios, Reiseberichte oder was ausgelaugte Mediennutzer sonst noch gerne konsumieren. Bad news passen da gut rein, da fühlt sich jeder gleich ein bisschen verstanden, kann sich aufregen und fühlt sich etwas lebendiger als noch am Arbeitsplatz vorher. So sieht für die meisten wohl die Realität aus. Kein Wunder gibt es unter klassischen Freien die größte Solidarität.

So, demgegenüber steht der Pressekonzern, der klip und klar entscheidet, was ins Blatt kommt - und zwar nach wirtschaftlichen Kriterien. Stimmt der Verkauf oder die Anzeigenqutoe nicht, werden da von heute auf morgen Leute entlassen - Freie zuerst, außer sie dienen der Redaktion seit 20 Jahren. Vor allem Anzeigenblätter sind auf Ihre Kunden angewiesen. Das muss Journalist erst mal lernen, der interessiert sich nämlich im Regelfall für ganz andere Themen, weshalb bis vor einigen Jahren und in vielen Redaktionen heute noch, die kaufmännische Abteilung strikt von der Redaktion getrennt war, um eben die geistige Freiheit zu sichern. Diese Freiheit ist so kaum mehr gegeben, die Grenzen zwischen Werbung und Journalismus verschwimmen so, dass sich sogar ein neuer Berufszweig gebildet hat: die PR-Fachleute, die oft genug früher auf der anderen Seite des Schreibtisches gesessen haben. Vor allem bei Medien, die täglich erscheinen, macht diese Trennung aber unbedingt Sinn, weil der Redakteur sonst nämlich überfordert ist. Und das ist er aufgrund der Info-Flut die bewältigt werden will eh fast immer: der Kleintierzüchterverein will die Hocketse angekündigt wissen, der Polizeibericht soll noch redigiert werden und dann muss da noch ein Foto her und dort noch der Termin nachgefragt werden - das ist journalistischer Alltag.

Dann gibt es noch die Hype-Medien-Macher und die "BWLer" unter den Medienleuten, die möglichst große Namen, Kameras und Bussi-Bussi wollen - die wenigsten schaffen das und viele landen deshalb in der Brisant-Redaktion als Moderatorin und grinsen zu den wie ich finde allerunglaublichsten Nachrichten noch munter in die Kamera. Nicht weil sie Hoffnung machen wollen, sondern weil das die Ignoranz und der Aberwitz unserer Zeit ist. Nachdenklich macht mich das aber schon. Zum Beispiel wenn ich so was erlebe (ebenfalls ein Zitat aus dem Hartz-Thread):

"nic" schrieb:
...das beste beispiel für dieses gehabe hatte ich neulich: von einem kindergarten machte ich zwei berichte: einmal über die wirklich originelle sprachförderungsgruppe mit einer handpuppe und den zweiten über die aktion, bei der eine erzieherin mit einigen kindern schildern malte, die sie auf einem spielplatz aufstellen wollen, auf dem viele hunde hinkacken. ide hundekacke-story wurde sofort abgedruckt, die geschicht über die sprachförderung musste ich erst nochmal anfragen und hab sie schließlich einfach in eine rubrik gepackt, ohne die keine ausgabe erscheint. sprich, sie mussten sie fast drucken. jedenfalls regte sich die erzieherin dann auch künstlich darüber auf, dass da so unterschiede im nachrichtenwert gemacht werden. schließlich sei hundekacke unerfreulich genug und man solle doch lieber endlich mal die andere geschicht bringen. ich glaub ja, obwohl sie im inhalt recht hatte, dass sie angst vor der eigenen courage bekommen hat, aber das ist wieder eine andere geschichte

Nun ist es fatal, den Medienkonzernen schlicht böse Absicht unterstellen zu wollen, so ist es glaube ich nicht in allen Fällen. Vielmehr entwickelt sich da aus verschiedenen Faktoren eine ganz eigene Dynamik, der man sich erst entzieht, wenn man ein Wochenende depressiv auf der Couch gehangen hat oder weil der Magen weh tut, weil was besseres kommt oder weil die Kündigung da ist. Ansonsten bleibt wie gesagt kaum Zeit zum drüber nachdenken, es macht sich vielmehr einfach dumpfes Unbehagen breit. Der Journalist, von Haus aus leidenschaftlich mit seiner Schreibere verbunden, flexibel und neugierig, prüft eben alles und merkt lange nicht, dass ihn andere schon längst vor den Karren gespannt haben - vornehmlich die Leute, die ihre Pressemeldungen schon vorgefasst und mit Foto liefern. Die gibt es immer häufiger und so wird immer weniger selbst recherchiert sondern eher korrigiert und weitergeleitet. Glück für alle Propagandisten, die oftmals lediglich vond er Überforderung der Redakteure profitieren.

Für echte, tiefer gehende Recherchen bleibt oft kaum Zeit oder eben Geld. Zumal der Leser scheinbar nicht mehr als 120 Zeilen zu einem Thema lesen will und dazu ein möglichst actionreiches Foto in Hochglanz sehen möchte. Viele bekommen gar hysterische Anfälle am Telefon, wenn sie ihren Text nicht in der nächsten Ausgabe lesen können. Soviel zum Thema freier Beruf und Pressefreiheit :roll: :wink:

Für viele Journalisten klassischer Schule - und da fällt im Fernsehen allerhöchstens noch ein Herr Kienzle als couragiert auf - stellt sich die Frage: Quantität statt Qualität? Oder mit gutem Beispiel vorangehen und wieder aufs Handwerk und Denken setzen? Auch auf die Gefahr hin, dass ich nicht an jeder Ecke einen Abnehmer finde? Befriedigender ist das schon muss ich sagen. Ganz klar gibt es in großen Pressebüros auch eindeutige Seilschaften, beim kleinen Blatt fängt es mit dem Handel- und Gewerbeverein an, der seine Macht als größter Anzeigenkunde schon ganz gut zu nutzen weiß und nicht selten den Kollegen das Leben schwer macht, bzw. an Kündigungen indirekt beteiligt ist. Ein Beschwerdetelefonat in der Redaktion reicht unter Umständen schon, um in klammen Zeiten die gesamte Redaktion in Aufruhr zu versetezn. Meist wird der Betreffende Schreiber dann erst gar nicht mehr gefragt.

In diesem Zusammenhang ist übrigens das neue Buch von Rossen sehr interessant: Meine Sonntage mit Sabine Christiansen
http://www.shortbooks.de/ShortBooks...cfm?BookID=543&PP_ID=358354&ref=!&0 &PK=543

Kurzes Zwischenfazit: Nicht alle Medienmacher sind sich im Alltag bewusst, in welcher Dynamik sie stecken, sollten es meiner Meinung nach aber mehr denn je sein, denn so öffnet man Manipulation und Desinformation Tür und Blatt...

@Mods: können wir denn ein Unterforum für Mediendiskussion aufmachen?
 

antimagnet

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@Mods: können wir denn ein Unterforum für Mediendiskussion aufmachen?
ich denke, dieser thread reicht erst mal. bin aber für vorschläge offen... - d.h. ein unterforum können hier eh nur die admins aufmachen...


ich sehe hier eine wirkung der so gern beschworenen segensreichen eigenschaften der unsichtbaren hand, die ja bekannterweise die dinge lenkt.
ein gutes stichwort - die unsichtbare hand.

dieses modell besagt eben, dass es gerade nicht einer zentralen lenkung bedarf. sondern menschen verhalten sich auch ohne zentrale lenkung so, als wären sie von einer unsichtbaren hand geleitet.

nic hat ja die situation der journalisten sehr gut beschrieben - sozusagen an der quelle sitzend kannman das von ihr ja auch erwarten.

medienkonsonanz ist eben nicht zentral gelenkt, sondern entsteht auch durch individuelle entscheidungen. was nicht uferloser medienkonzentration tür und tor öffnen soll - ganz und gar nicht. nachrichtenwerte hat nic ja auch schon angesprochen - an denen müssen sie sich halt orientieren, und wenn eine geschichte kaum nachrichtenwert hat, kommt sie auch nicht in den nachrichten.

die verflechtung von pr und journalismus kann sich natürlich shocn zu einem armutszeugnis für journalisten ausweiten - wenn sie die gelieferten texte nur noch von hinten kürzen und den rext einfach übernehmen. und die einflussnahme wichtiger werbekunden ist ein armutszeugnis für die redaktion bzw. den verleger. aber es steht in deutschland jedem frei, über welche medien er sich informieren will. und in zeiten des internets ist man dabei nicht mal auf die großen verlage angewiesen.

dumm nur, wenn die privaten seiten auch nur gülle verzapfen. da muss man dann sein brain anschalten... sollte man sowieso.

zur verflechtung von pr und journalismus: barbara baerns hat schon vor ein paar jahren herausgefunden, dass ca. zwei drittel aller artikel pr-induziert sind. würd mich ja mal interessieren, wie das heute ist...
 

Parzifal

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Ich habe auch mal gehört, das Springer Leute einen Vertrag unterschreiben müßen, indem steht, daß sie nichts böses über Israel und den Zentralrat schreiben dürfen.

Wenn man noch bedenkt, daß viele ihre Informationen von den Nachrichtenagenturen erhalten, und da gibts ja nicht so viele. Also alles aus 2. Hand.
Dann wie schon erwähnt, der Finanzielle Aspekt, es wird gedruckt was Geld bringt.


Auch Fällt mir zum Thema Medienmanipulation immer der Fall Sebnitz ein.
Da ist ein kleiner Junge im Schwimmbad ertrunken, die Mutter hat die Aufsichtspflicht verletzt und dann einfach gesagt das wahren Nazis die ihren Sohn umgebracht haben.
Schupps wars in der BLÖD und alle haben es abgeschrieben, dann wurden leute willkürlich verhaftet.

Letzten endes hat alles überhaupt nicht gestimmt, aber wenn man das Wort Nazi hört springen alle mit ein und Singen gemeinsam ihre Hasstriaden. (Möchte diese Menschen jetzt nicht in schutz nehmen, nur ist es schon Komisch das sie zum Feindbild hochstilisiert werden auf das man nach belieben einschlagen kann. Ohne Nachzuprüfen ob es stimmt.)
 

Paradewohlstandskind

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Tja Adam Smith´s unsichtbare Hand ist zwar nciht gottgelenkt, wie er meint, sondern eben marktgelenkt. So hackt die eine Krähe der anderen kein Auge aus. Wer viele Exemplare von seiner Zeitung verkaufen möchte, muß kräftig an der Werbetrommel rühren. Kräftig an der Werbetrommel kann nur rühren, wer viele Anzeigenkunden hat. Viele Anzeigenkunden hat nur wer sich wirtschaft- und industriekonform verhält und am besten das schreibt, was Arbeitgeberpräsidenten oder Manager wollen, dass die Masse liest. So verwundern einen doch nicht, daß als der Spiegel zu 50% aus Werbung bestand das linke Spektrum fast vollkommen verlassen hat und zusammen mit der ehemals "Kleinen Leute Partei" SPD gemeinsame neoliberale Sache macht. Zudem hat die SPD so viele Zeitungen unter ihren Fittichen, wie keine andere Partei in unserem Land, was natürlich auch zu einer gewissen Koformität der Zeitungslandschaft beiträgt.

Ähnliches gilt für öffentlich-rechtliche Programme, also fast staatliches Fernsehen (um genauer zu sein: systembejahendes Fernsehen). Und as Privatfernsehen ist ja sogar aus dem Schoß des Kapitalismus geboren und damit sicherlich kein Muttermörder, keiner schneidet die Brust ab, an der er saugt.

Dies führt dazu, daß kritische Zeitungen (Junge Welt, Jungle World, konkret, bahamas, Phase 2, Freitag, etc.) entweder sauteuer sind oder ständig Angst haben müssen den Laden dichtzumachen.

Da Casear Springer seine antisemitsichen Pappenheimer kannte verbot er ihnen vorsichtshalber die deustche Öffentlichkeit aufzuhetzen. Da kann man mal wirklich sagen: Danke Bild!
 

Talpa

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Parzifal schrieb:
Ich habe auch mal gehört, das Springer Leute einen Vertrag unterschreiben müßen, indem steht, daß sie nichts böses über Israel und den Zentralrat schreiben dürfen.
Journalisten des Springer-Verlags (Bild, Welt) dürfen keine Kritik an den den USA (inklusive Israel) üben. Denn kurz nach dem 11. September wurde in die Arbeitsverträge die Verpflichtung zu "Solidarität mit den USA" aufgenommen.
http://www.axelspringer.de/inhalte/pressese/inhalte/presse/unternehmen/283.html
http://www.fitug.de/debate/0111/msg00196.html
Das, liebe Leute, ist nichts anderes als Zensur und Gedankendiktatur.


Zur Unabhängigkeit der Medien kann ich nur lachen. Ich hab meine Ausbildung bei einem grossen Schweizer Medienkonzern gemacht und schon als Lehrling begreiffst du, wie der Hase läuft:
-Keine kritischen Artikel über Grosskunden
-Keine kritischen Artikel über Berufskollegen/Konkurrenz
-Keine Artikel, welche dem "allgemein bekannten Weltbild" widersprechen.

Schlussendlich wird an der Redaktionssitzung der Inhalt besprochen. Das letzte Wort hat der Chefredakteur. Und der sitzt meist mit dem Verleger und/oder dem Kapitalgeber in der selben Zunft/Loge/Partei.


Massenmedien sind niemals unabhängig und unparteiisch.
 

_Dark_

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Talpa schrieb:
Massenmedien sind niemals unabhängig und unparteiisch.
ist das denn schlecht??
es gibt doch eigentlich keine objektive wahrheit..
sie wird immer verfälscht, beeinflusst und der eigenen sichtweise angepasst..
ich will eine zeitung lesen, in der meine meinung dargestellt wird, weshalb ich auch keine junge welt lese..
die junge freiheit aber auch nicht, weil sie mir zu rechts ist..

ich finde die faz ganz nett, die hat wenigstens etwas niveau..
gut, bestimmte teile darin sind auch nur neoliberal und mainstream, aber insgesamt finde ich sie nicht schlecht, ebenso wie die nzz...
 

Talpa

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Ach, hier noch die Unternehmensgrundsätze der Axel Springer AG:

Unternehmensgrundsätze

Die fünf gesellschaftspolitischen Essentials, 1967 von Axel Springer formuliert, nach der Wiedervereinigung 1990 geändert und 2001 ergänzt, sind Bestandteil der Satzung der Axel Springer AG. Sie beschreiben ein freiheitliches Weltbild.

1. Das unbedingte Eintreten für den freiheitlichen Rechtsstaat Deutschland als Mitglied der westlichen Staatengemeinschaft und die Förderung der Einigungsbemühungen der Völker Europas;

2. das Herbeiführen einer Aussöhnung zwischen Juden und Deutschen, hierzu gehört auch die Unterstützung der Lebensrechte des israelischen Volkes;

3. die Unterstützung des transatlantischen Bündnisses und die Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika;

4. die Ablehnung jeglicher Art von politischem Totalitarismus;

5. die Verteidigung der freien sozialen Marktwirtschaft.

Die Unternehmensverfassung definiert gesellschaftspolitische Grundüberzeugungen, gibt aber keine Meinungen vor.
http://www.axelspringer.de/inhalte/geschich/inhalte/as/grundsae/grundsae.htm

Dass diese Richtlinien gerade als "Sicherung der journalistischen Unabhängigkeit" gepriesen werden, treibt mir fast die Tränen in die Augen.
 

Paradewohlstandskind

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_Dark_ schrieb:
ich finde die faz ganz nett, die hat wenigstens etwas niveau..
gut, bestimmte teile darin sind auch nur neoliberal und mainstream...
Welche Teile von Schirrmachers Zeitung für Deutschland sind denn nicht rechtskonservativ und neoliberal. Eine Zeitung, die nur die Recihen und Wohlhebanden im Blick hat. Ist mir persönlich zu einseitig. (Allein schon die Schriftart zeigt doch woher der Wind weht!)
 

Talpa

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Paradewohlstandskind schrieb:
Aussöhnung zwischen Juden und den Erfindern der industriellen Vernichtung treibt Dir die Tränen in die Augen?
Ich sagte "fast".
Aussöhnung kann nur freiwillig und beidseitig stattfinden.
Wichtiger aber finde ich den zweiten Teil. Dies ist purer Zionismus. Oder haben andere Völker keine Lebensrechte?

Ebenso bedenklich ist die Ergebenheitsnote an die USA und die pro-europäische Ausrichtung.

Man sollte sich dessen einfach bewusst sein, wenn man Massenmedien konsumiert.

Dass andere Medienhäuser ähnliche oder z.T. gar noch extremere "Unternehmensleitbilder" (sprich: Dogmen, Tabus) pflegen, ist selbstredend...
 

Parzifal

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Ist es da nicht verwunderlich, wie man auch nur Ansatzweiße auf die Idee kommen könnte, daß ganze Presse- und Politsystem sei Jüdisch/ Zionistisch?

Auch ist die Ausrichtung, wie Talpa schon sagt bedenklich. Gerade als "freie Presse" sollte man eigentlich Neutral und Krtisch sein und nicht voreingenommen und in eine bestimme Richtung laufend.
 

Paradewohlstandskind

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Die FAZ, die taz und die SZ sind sicherlich nicht proisraelisch und diese drei bilden doch die meinugsbildende Speerspitze im deutschen Pressewesen.

In diesen Grundsätzen steht ja nicht, dass andere Länder bzw. Völker keine Lebensrechte haben, sondern damit ist vielmehr gemeint, dass diese Zeitung das Existenzrecht Israels anerkennt, was nicht von allen Presseorganen so gehandhabt wird. Dieser Grundsatz ist aus geschichtlicher Sicht auch richtig, wenn man auf den strarken Einfluss dieser Zeitung auf die Meinungsbildung in Deutschland blickt. Springer tat dies weil er seine Pappenheimer kannt. Ich bin kein Freund der BILD. Am Rande: Ich bin ein Freund Israels.

Ich bin froh, wenn die größte deutsche Boulevardzeitung den latent vorhandenen Antisemitismus nicht auflodern lässt, denn die Macht dazu hätte sie, man betrachte nur die Hetze gegen die Studentenproteste in den späten sechziger Jahren.

Ich halte es für eine Behauptung bei der die Beispiele fehlen, dass das ganze (!) deutsche Pressewesen in "jüdischer" Hand sei. Zudem halte ich es nicht für sehr sinnvoll alte antisemitische Argumente aufzuführen, die genauso in der dumpfen Nationalzeitung bzw. in "Mein Kampf" stehen. Das deutsche Pressewesen ist so frei, dass sogar Zeitungen, wie die "Junge Freheit" oder eben die "Nationalzeitung" ihren Platz am Bahnhofsbuchhandel finden. Die proisraelischen Zeitungen sind doch nur "Bild", "konkret", "Jungle World" und bahamas, dagegen stehen viele andere, wo palästinensische Terroristen immer noch als Freiheitskämpfer tituliert werden. (taz, FAZ u. a.).

Ich sehe in den Sätzen Parzifals eine Vereinfachung, wie sie von tumben Rechten oft vorgenommen werden.
 

Parzifal

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Paradewohlstandskind schrieb:
Ich sehe in den Sätzen Parzifals eine Vereinfachung, wie sie von tumben Rechten oft vorgenommen werden.
Da spricht eben manchmal der naive Tor in mir.

Ich meine ja nur, daß manche diesen Eindruck gewinnen könnten.
 

Paradewohlstandskind

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Es wäre schön, wenn man Eindrücke mit Argumenten untermauert, ansonsten befindet man sich auf Skinheadniveau, die durch Lautstärke fehlende Argumente kompensieren möchten. Außer der BILD wirft die deutsche Medienlandschaft ein ganz anderes Licht. So leicht kann man sich doch keine Meinung BILDen. Da verstehe ich die Verführbarkeit der Deutschen schon wieder ein bißchen besser.
 

nicolecarina

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antimagnet schrieb:
dieses modell besagt eben, dass es gerade nicht einer zentralen lenkung bedarf. sondern menschen verhalten sich auch ohne zentrale lenkung so, als wären sie von einer unsichtbaren hand geleitet.
Das ging mir dazu auch durch den Kopf. Trotzdem liegen da ja sicher auch - mehr oder weniger berechenbare - Ursachen oder Prinzipien zugrunde, beispielsweise in der Psychologie verwurzelte. Und sicher gibt es oder entwickelt sich im Laufe der Zeit dann eben eine Art System, in dem jemand doch relativ bewusst die Geschicke zu seinen Gunsten lenkt. Das macht eigentlich auch jedes Individuum so, erst recht ein großer Konzern. Wenn jetzt noch eine Mehrheitsmeinung dazu kommt und der Konzern gut mit einem Verleger kann, dann haben wir bereits die Konstellation, die zu weitere Verschwörungstheorien Anlass geben kann.

Dass hier schon nicht mehr objektiv gearbeitet werden kann, muss nicht sein - kommt auf die Person des Verlegers an.

Aber dass Bild solche Klauseln im Arbeitsvertrag hat - hab ich grad zum ersten Mal gehört - das führt die Pressefreiheit ja mehr als ad absurdum und füttert jeden Glauben an einen Usraelitischen-Vernichtungsfeldzug gegen die freie Meinung. 8O

zur verflechtung von pr und journalismus: barbara baerns hat schon vor ein paar jahren herausgefunden, dass ca. zwei drittel aller artikel pr-induziert sind. würd mich ja mal interessieren, wie das heute ist...
Kommt ganz drauf an, wie PR definiert ist. Da gibt es die Meldungen des SPD-Büros und dann der wie ich finde bereits kompromittierende Anruf, für welchen der unzähligen Wahlkampftermine der OB-Kandidatin ich mich denn jetzt entschieden hätte. Grade aus dem Tiefschlaf erwacht, sammelte ich tapfer und relativ zügig meine Gedanken, und vermittelte dem Pressesprecher, dass ich ehrlich gesagt erst noch mal alle meine Termine sichten und ordnen müsse, dass das nicht wenige seien und ich mich da erst noch entscheiden muss, worauf er kleinlaut meinte, dass das in Orndung sei. Ich hatte aber trotzdem schon fast Kopfschmerzen, denn hier wird bereits heftig manipuliert meiner Meinung nach und ich glaube, die meisten Kollegen reagieren nicht so zickig wie ich....

Alle Termine, Einladungen, Programm und sonstigen Meldungen die die Redaktion für die ich kürzlich noch schrieb erreicht haben, waren vorgefasst von einer Partei, einem Verein, einem Kindergarten, etc und immer präsentierte sich der Urheber selbstverständlich im besten Licht.

Die meisten Organisationen leisten sich heute Pressesprecher - also auf auf "Recherchetour" erfahre ich immer öfter bloß noch das, was man mich erfahren lassen will. Auf konkretere Anfragen gibt es oft keine Antworten mehr, weil "Cheffe" eben auch grade gar nicht da ist. "Wir schicken Ihnen aber unsere neue Broschüre..."

Die einzige Chance, das zu Umgehen, ist

- möglich alle Beteiligten des Unfalls ausfragen (Polizei, Fahrer, Zeugen, Busfahrer der vorbeikam und Passantin) und sich dann ein Bild machen

und vor allem

- vor Ort recherchieren.

Und weil das oft wie ich bemerkt habe gar nicht so richtig ohne großen Aufwand geht, mache ich doch lieber gleich seriöse PR, die wird auch besser bezahlt...

Naja gut, Lokaljournalismus macht aber größtenteils doch noch Spaß, deshalb werde ich auch da dabei bleiben denk ich mal. Aber nicht mehr als Halb-Außendienstler und Kontakter für potentielle Anzeigenkunden. Der Spaß ist nicht mein Ding. Sondern als Jounalist, der genau hinguckt, niemand einfach per se in die Pfanne haut oder brüsk kritisiert sondern eben ein möglichst umfassendes Bild des Geschehens abgibt. Und vor allem die Initiativen vor Ort zeigt, die nämlich ein bei weitem hoffnungsvolleres Bild abgeben als das, was tagtäglich in der Tagesschau zu sehen ist. Und da frag ich mich dann schon, woran liegt es, dass es im Kleinen noch ganz gut klappt im großen aber derart aus dem Ruder läuft? Doch eine Verschwörung? :roll:

dark schrieb:
ich will eine zeitung lesen, in der meine meinung dargestellt wird,
Weshalb liest Du dann überhaupt Zeitung? Ist das nicht bissi fad wenn man alles schon vorher weiß? 8) :lol: :wink:
 

Ein_Liberaler

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Die Bergische Morgenpost hatte bis vor kurzem auch noch Titel in Fraktur - ich wüßte nicht, was dagegen spricht. Fraktur und Sütterlin verboten hat immerhin - Hitler. Mancher kann's eben einfach nicht lesen...

Und wo schreibt Smith eigentlich, die unsichtbare Hand wäre "gottgelenkt"?
 

Paradewohlstandskind

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Ein_Liberaler schrieb:
Die Bergische Morgenpost hatte bis vor kurzem auch noch Titel in Fraktur - ich wüßte nicht, was dagegen spricht. Fraktur und Sütterlin verboten hat immerhin - Hitler. Mancher kann's eben einfach nicht lesen...

Und wo schreibt Smith eigentlich, die unsichtbare Hand wäre "gottgelenkt"?
Zu Fraktur:
Ich habe nichts dagegen, doch es lässt erahnen woher der Wind weht, dies ist nur ein Nebenargument. Meine hauptpunkte lässt Du außer acht.

Zu Smith (Orginalzitat):

Als die vorsehung die erde unter eine geringe zahl von herren und besitzer verteilte, da hat sie [...] Von einer unsichtbaren hand werden sie geführt.

Gut.. statt Gott war es halt dann die Vorsehung. Ich setzte es mal mit IHM gleich. Wahrscheinlich meinte er sogar die göttliche Vorsehung.
 

Parzifal

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Paradewohlstandskind schrieb:
Es wäre schön, wenn man Eindrücke mit Argumenten untermauert
Ich habe den Eindruck der Springer Verlag ist in der Hand einer USraelischen - Zionistisch- Neoliberalen Gruppe aufgrund dessen, daß die Mitarbeiter einen Vertrag unterschreiben müßen, in dem jede Kritik an Israel und den USA untersagt ist.
Und der Springer Verlag ist nicht gerade ein kleiner Verlag. Auch wenn man hierbei an Aussagen von "Prominenten" denkt, die meinten, wenn die Bild ein paar Tage lang druck macht muß man einfach nachgeben. (Hier noch einmal das von mir schon erwähnte Beispiel Sebnitz.)

Das könnte eigentlich für manchen zur Meinungsbildung langen.


Und zur Fraktur und Sütterlin, finde Schade es schade, daß man das nicht mehr beigebracht bekommt. Ich kann es noch lesen, habe auch alte Sagenbücher daheim. Ist im grunde eigentlich nicht so schwer.
Nur Schreiben kann ich es nicht.
 

Ein_Liberaler

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Parade, Deine Hauptargumente interessieren mich nicht. Die FAZ ist liberalkonservativ, das ist unübersehbar und muß Dir keineswegs gefallen, das sehe ich völlig ein. Mich interessiert hier lediglich Dein Verhältnis zur Fraktur. Wahrscheinlich hast Du recht, und es gibt wirklich keine linke Zeitung, die Fraktur verwendet - schließlich hat man sich dem Fortschritt verschrieben.

Beim Smith wäre ich für eine Kapitelangabe dankbar. Oder alternativ für ein Zitat ohne Kürzung. Ich meine nämlich nicht, daß Smith die unsichtbare Hand für ein aktives Eingreifen Gottes oder der Vorsehung hält, und daß er sogar schreibt, es wäre gleichsam als ob eine unsichtbare Hand usw.

@ Parzifal:

Ich bin damals ja immer mit Opas Frakturbibel in den Konfirmandenunterricht gegangen. Die alte Übersetzung gefiel mir besser...
 
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