Börsencrash - Finanzkrise

IMplo

Großmeister
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Ja, aber meinetwegen ohne die Kapitalismus-Erwähnung.

Geld sollte einen realen Wert haben und nicht Gegenstand von Spekulation und unmotivierter Wertschätzung sein.

In welchem System es seinen realen wert hat, interessiert mich da eher am Rande, denn vom System hängt dieser Wert nicht ab.

Greetz!
IMplo
 

agentP

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Das meinte ich. Es gab (und gibt womöglich) sowohl kapitalistische Systeme, in denen die Währung gedeckt war /ist und ich vermute mal, dass es auch nicht-kapitalistische Systeme gibt, die keine Währungsdeckung haben.
Insofern bezweifle ich, dass das eine wirklich direkt etwas mit dem anderen zu tun hat.
 

IMplo

Großmeister
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Nun, Spekulationen basieren durchaus auch auf Währungsschwankungen und schaden der Volkswirtschaft schon dadurch, daß dem jew. Geldgewinn nichts Produktives gegenübersteht, also doppelt negatives Nullwachstum quasi ^^

*weiß nicht, wie ich das besser ausgedrückt bekomme...*

Solche Geschäfte hätten durch gedeckte Währungen keine Basis mehr.

IMplo
 

agentP

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Solche Geschäfte hätten durch gedeckte Währungen keine Basis mehr.

Schon. Aber diese Geschäfte sind ja nicht "der Kapitalismus". Der hat sich auch schon vor diesen "Kasinogeschäften" ganz wohl gefühlt und daher bezweifle ich, dass man ihn mit der Abschaffung dieser Geschäfte "bekämpfen" kann wie du schriebst.
Kapitalismus beschreibt doch in erster Linie nur ein Wirtschaftssystem und lässt doch erstmal völlig offen was für eine Währungspolitik betrieben wird.
 

Ein_Liberaler

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So ist es. Solange es verschiedene Währungen gibt, ist natürlich Spekulation gut und nützlich. Spekulanten sorgen dafür, daß Währungen zu ihrem tatsächlichen Wert getauscht werden. Überall da, wo die Politik versucht hat, den Wert der Währung festzulegen, hat es massive Probleme gegeben, sobald sie soviel Ungleichgewicht erzeugt hatte, daß sie es nicht mehr ausgleichen konnte - das ist wie mit einem Staudamm. Die Asienkrise kam dadurch zustande, daß die asiatischen Währungen an den Dollar gebunden waren und nicht frei schwanken durften, bis die offiziellen Wechselkurse eines Tages so absurd waren, daß keine Nationalbank sie mehr stützen konnte und die Korrektur statt über Jahre in ein paar Wochen erfolgte.

Entgegen weitverbreiteter Meinung hat übrigens auch Gold keinen objektiven Wert. Nichts hat einen objektiven Wert, jeder Wert ist subjektiv. Der Nutzen des Goldstandards besteht darin, daß sich die Goldmenge nur noch sehr langsam vermehrt - seinen Wert hat Gold aber von seiner Nutzung als Zahlungsmittel, als Geld.
 

IMplo

Großmeister
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Sorry, wenn das so unkompliziert ist, warum ist dann eine Währung nicht gedeckt? Ich behaupte mal, daß dies deswegen so ist, weil schon viel mehr Geld im Umlauf ist, als man an realem wert dagegen halten kann.

Wieviel Prozent der Goldvorkommen weltweit beträgt wohl das (nur bspw.) US-amerikanische Staatsdefizit (Summe der Staatsschulden)?

Wieviel Prozent machen sämtliche Staatsschulden des Planeten aus?

Wieviel Prozent würden sie ausmachen, wenn es nur gedeckte Währungen gäbe?

Halte ich für eine interessante Frage...

Greetz!
IMplo
 

agentP

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Vielleicht weil man sich selbst unter rrenommierten Wirtschaftswissenschaftlern nicht einig ist, ob eine Deckung, z.B. durch Goldreservern nicht mehr Schaden anrichtet als Nutzen.
Der Nachteil von Golddeckung, so sagen die einen (und da sind keineswegs nur Verfechter eines kapitalistischen Systems darunter, btw.), dass dann möglicherweise das Wachstum der Wirtschaft durch die Kopplung ausgebremst werden kann und der Staat auch keine Möglichkeit hat durch Eingriffe in den Geldmarkt zu regulieren. Anderseits gibt es marktwirtschaftlich orientiere Ökonomen, die der Meinung sind, dass der Staat ja sowieso die Finger raus lassen soll und darin kein Problem sehen.

Ich hoffe meine laienhaften Versuche drücken jetzt den anwesenden Vertragsamateuren und Profis nciht die Tränen in die Augen, aber wenn sie sich nicht äussern sind sie selber schuld.
 

Ein_Liberaler

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Wenn die Währung gedeckt ist, kann der Staat nicht so hohe Schulden machen. 1914 hat D die Golddeckung aufgegeben, um den Krieg führen zu können. Der 1870/71er Krieg mußte noch wegen Geldmangels beendet werden. (Moltke hatte Paris nicht beschießen wollen, aber die französische Regierung weigerte sich, Frieden zu schließen. Als Preußen das Geld ausging, befahl Bismarck die Bombardierung.)

Seit Keynes gibt es die Theorie, daß hohe Schulden und Inflation (wieviel, ist strittig) allgemein gut für die Wirtschaft sind.

Das US-Staatsdefizit steht meines Erachtens in keinerlei Zusammenhang mit den Goldvorräten, eben weil der Dollar nicht gedeckt ist.
 

Ein_Liberaler

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Mehr Geld im Umlauf als es gibt ist ein Widerspruch in sich. Das Problem ist, daß ständig mehr Geld geschaffen wird - die Inflation.
 
G

Guest

Guest
Schau dir den Film an, und du wirst sehen, daß es kein Widerspruch ist.

Von - sagen wir mal - 1000 Euro die im Umlauf sind, sind höchstens 100 existent, der Rest ist nur von den Banken zusamenphantasiert.

edit:

ach ja, Island steht kurz vor dem Staatsbankrott, wenn kein Wunder geschieht - das Notstandsgesetz wurde schon ausgerufen. Pakistan dürfte als nächstes fällig sein.
 

Ein_Liberaler

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Was soll das sein, existentes geld? All unser Geld ist zusammenfantasiert. Der kleinere teil von der EZB, der größere von den Geschäftsbanken, soweit ich das beurteilen kann. Da sit nichts, nur Nullen und Einsen auf einem Server.

Der Witz ist, wenn ich das recht verstehe, daß Geldscheine nicht das Geld an sich sind, sondern ein Anspruch auf einige dieser Nullen und Einsen, die das wahre Geld sind. Höchst komplizierte Materie, mir schwirrt da schnell der Kopf.
 

Aphorismus

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Goldstandard wieder einführen. Fed abschaffen oder - zur Abwechslung mal - regulieren. Unnötige Kriege beenden. Den Markt sich soweit selbst regulieren lassen, dass Immobilien das kosten, was jemand bereits ist, für sie zu zahlen - und keinen Cent mehr. Keine leichtfertige Kreditvergabe a la Fannie Mae und Freddy Mac mehr.

Dieses ganze Geldreingepumpe ist eine Luftnummer. Das kriegen wir allesamt eins zu eins zurück, und zwar als Inflation. Um mal ein Beispiel Ron Pauls anzuführen: Wenn ich eine Immobilie für vier Mio. Dollar kaufe und der Wert angeblich auf fünf Mio. Dollar gestiegen ist, mir die Käufer aber nur maximal drei Mio. Dollar bieten, dann ist das Haus auch nur drei Mio. Dollar wert. Basta. Die 700 Milliarden Dollar finanzieren solche Luftschlösser. Völlig daneben das Ganze.

Fed abschaffen, Bernanke und Greenspan bauen offensichlich ohnehin nur Scheiße. Goldstandard wieder einführen. Oder sich damit abfinden, dass alles vollkommen zusammenbricht und sich verkriechen. Ich wette einen virtuellen Kasten Bier, dass der Dow Jones vor Jahresende auf unter 9.000 Punkte fällt und der Dax unter die 5.000er-Marke. 1929 war für Anfänger.

Ron Paul mag zwar eine etwas zu große Nähe zu paranoiden Verschwörungsheinis a la Jones haben, aber im Moment scheint mir das so ziemlich der einzige, halbwegs rational denkende Mensch mit Überblick in Washington zu sein. Die Schreckensvisionen im Eingangspost dieses Threads mit FEMA-Konzentrationslagern für Regierungskritiker, Bürgerkrieg und haste nicht gesehen halte ich allerdings für ziemlich halbgaren Schwachsinn.
 

Ein_Liberaler

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Ja. Fragt sich nur, wie die Auswirkungen der aktuellen Krise auf die reale Wirtschaft gering gehalten werden können - aber das ist wahrscheinlich eine akademische Frage, angesichts des wirtschaftlichen Durchblicks der Regierungen.
 

tweety

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Ganz eng wird es jetzt für Staaten wo der Wert der Banken das Bruttoinslandsprodukt übersteigt (z.B. Grossbritannien, Frankreicht etc.)Wie sollen diese Staaten die Banken stützen?
Die Krise wird uns alle noch sehr, sehr teuer zu stehen kommen. Eine globale Wirtschaftskrise scheint nicht mehr vermeidbar.
 

IMplo

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Das ganze könnte SO weitergehen...

Die Regierungen der Welt erkennen, daß diese Geldblase unser gesamtes System staatsübergreifend gefährdet.

In einer Vollversammlung ala UNO beschließen die Staaten der Welt, sich gegenseitig alle Schulden zu erlassen und die Geldsumme aus dem "Markt" zu nehmen. Das sollte einige "Luft-Billionen" entfernen, die Staaten wären vorerst schuldenfrei. Zudem wird die Erhebung von Zins und Zinseszins endgültig abgeschafft. Eine geliehene Summe Geldes wird mit einer festen Prämie für den Kredit bezahlt. Nichtstun mit Geld wird weniger interessant.

Greetz!
IMplo
 

Ein_Liberaler

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Ich fürchte, das Geld, das Staaten einander schulden, ist der kleinste Teil.

Was ist der Unterschied zwischen Prämie und Zins? Ist die Prämie unabhängig von der Laufzeit des Kredits? Oder was passiert, wenn die Frist verstreicht?
 

IMplo

Großmeister
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Diese Prämie wird, ähnlich dem Zins, bis zu einer prozentualen Höchstmarke für das Verleihen einmalig erhoben. Ab dieser Marke werden Forderungen nach "Wucher"-klausel ungültig/anfechtbar.

Kann nun jemand nicht regelmäßig zahlen, generiert das nicht etwa mehr Geldforderungen für den Verleiher, sondern die Forderung bleibt in gleicher Höhe bestehen. Zins und Zinseszins treiben nicht unnötig die Preise hoch.
 

Ein_Liberaler

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Also... Ich zahle die Zinsen einmalig als "Prämie", und wenn ich nicht zum vereinbarten Zeitpunkt tilgen kann, wird der Kredit prolongiert, und weitere Zinsen werden nicht fällig?
 

IMplo

Großmeister
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Exakt. Unbeschadet natürlich der üblichen Sanktionen, wie Pfändung bei Nichtbezahlung, etc.

IMplo
 
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