Willkommen bei Ask1.org

Hier diskutieren mehr als 10.000 User die verschiedensten Themen!
Register Now

Weihnachten, ein Nekrolog

Dieses Thema im Forum "Ask1 Redaktion" wurde erstellt von Ask1 Redaktion, 11. März 2018.

  1. Ask1 Redaktion

    Ask1 Redaktion Geselle

    Beiträge:
    83
    Registriert seit:
    11. März 2018
    Lasst uns die 4 Wochen genießen in denen man uns nur noch die Reste der Weihnachtszeit anbietet um schnell die Regale zu räumen für die Ostereier, Osterhasen und das ganze Dekogeraffel welches man unbedingt braucht um standesgemäß dieses andere ... Dings ... ää ... Fest feiern zu können. Einen höheren oder gar spirituellen Grund brauchen wir ja schon lange nicht mehr ... eigentlich ist sowas sowieso eher gefährlich, Religion führt zu Krieg, weiß doch jeder.

    Damit die ganze Sache mit dem Konsum auch in Schwung bleibt importieren wir jetzt alles, sowohl die verblödete Art "unsere" Feste zu feiern als auch andere neue Feste. So können wir denn auch noch zwischen den Festen feste Feste feiern. Bonbons zum Halloween, Blumen zum Valentines Day, blinkende Lampen und zum Himmelauffahrende halbdebile Weihnachtsmänner, was kommt als nächstes?

    Anfang November war es als ich mit meinem 2 jährigen Sohn im Baumarkt auf Weihnachtsdeko stieß. Mir entfuhr ein "Oh scheiße Weihnachten" und der Dank dafür war das mein Söhnchen der Kassiererin auch ein freundliches "Oh scheiße Weihnachten" zuwarf. Eigentlich ist es nicht DAS was ich meinem Sohn mitgeben will Weihnachten betreffend, aber es wird immer schwerer echte Weihnachtsstimmung zu erzeugen. Auch noch im November fingen meine Nachbarn und Mitmenschen an mir und allen anderen durch ordentliche, bunte und möglichst blinkende Beleuchtung ein fröhliches "Ich bin viel besinnlicher als Du" zuzurufen. Der Begriff "Lightpollution" benötigt dringend einen Deutschen Gegenbegriff.

    Dieses übermäßige und bunte Beleuchten von Häusern, Gärten, Fenstern und Straßen ist schon eine interessante Sache. Da träumt die US Amerikanische Welt vom "Idealen", Nord Europäischen Weihnachten: Kerzenschein, Schnee möglichst mit Schlitten (Kling Kling Kling), (Dings) Besinnlichkeit und vor allem diese innere Stimmung die Menschen dazu veranlasst die Familie zu lieben und das Herdfeuer Nachts nicht zu löschen. Um diese Stimmung "nachzuäffen" haben primitive Gemüter das alles in Plastik und bunten Lämpchen gegossen und so unfassbar überzeichnet das auch der dümmste die proto Weihnachtsstimmung eingehämmert bekommt ... und wir ... also was soll man sagen ... wir importieren das dann zu uns (dem Vorbild) zurück! Spitze! Man möchte weinen. Eine natürliche und innere Stimmung wird durch eine oberflächliche pseudo Stimmung ersetzt und wir machen schön mit. Naja wie ich sagte spirituell ist eh gefährlich und innere Zustände soll man sowieso nur haben wenn die zum kaufen (kaufen kaufen kaufen KREIIISCH) anregen.

    Nun gut, was solls, ignorieren wir das so gut es geht und kümmern uns um unser eigenes Inneres. Mit Kindern macht Weihnachten Spaß, keine Frage. Die Adventszeit, ein Brauch den man bis ins vierte Jahrhundert zurückverfolgen kann hat sich zwar etwas gewandelt, aber dafür machts jetzt eben noch mehr Spaß (und Spaß ist doch das worauf es ankommt). Jeden Tag ein Türchen öffnen und Naschzeugs bekommen, an den Wochenenden auf dem Weihnachstmarkt Glühwein saufen bis der Arzt kommt und natürlich erst eine, dann zwei, dann drei, dann vier Kerzen entzünden und dann Geschenke Geschenke Geschenke macht doch einfach viel viel mehr Spaß als eifriges Besuchen von Gottesdiensten und Askese. Die Leute in den frühen Jahrhunderten hatten auch wirklich keine Ahnung wie man sich anständig auf das Weihnachtsfest vorbereitet. Adventsfasten... tss nur das Gegenteil macht Sinn, natürlich haben wir trotzdem den närrischen Tag (vor der Fastenzeit) (11.11) beibehalten, saufen vor dem saufen und dann weiter saufen ... ist doch super. Dafür haben wir ja heute fast wieder die ganz alten Sitten übernommen, ist doch egal das die Vorweihnachtszeit auf so einem ollen Konzil in Trient (1545 - 1563) auf vier Wochen begrenzt wurde, die Weihnachtszeit beginnt am 11.11 wie zu ehedem, nur eben mit Kaufwahn und nicht mit Fasten.

    Die Sache mit dem Weihnachtsbaum ist auch die Höhe finde ich. Da wollen mich doch meine Mitmenschen zwingen bereits im frühen Dezember so einen Baum zu kaufen. Samstag vor Weihnachten ist, so der Verkäufer "alles schon läääängst ausverkauft". Was zum Teufel machen die Leute mit den Dingern? Stehen die Bäume dann schon geschmückt um Wohnzimmer herum 4 Wochen lang oder im Garten oder was? Das olle Ding fängt doch zügig an zu Nadeln und saut alles voll, zum Fest sieht so ein 4 Wochen alter Baum doch aus wie nach einer Schreckmauser. Das versteh ich nicht, sowas will man doch so spät wie möglich, am liebsten am 23.12 kaufen oder so. Für Kinder ist so ein Baum natürlich was ganz tolles! Sieht ja auch toll aus. Nur irgendwie wirds dann schwierig, wenn Anfang Januar die Straßen mit den Tannebäumen voll liegen. In Berlin ist das ein trauriger Anblick, Tagelang liegt ein toter Baum neben dem anderen ... wie erklärt man das dem Kind? Motto:

    O Tannenbaum, o Tannenbaum,

    Dein Kleid will mich was lehren:

    Die Hoffnung und Beständigkeit

    Gibt Mut und Kraft zu jeder Zeit!

    O Tannenbaum, o Tannenbaum,

    Dein Kleid will mich was lehren!

    Nun hat man es doch geschafft. Ausgesuchte Weihnachtsmärkte wo es nicht nur ums saufen und fressen geht (z.B. Deutsch-Polnischer Markt in Potsdam oder der Webermarkt ebenfalls in Potsdam), Kekse und Plätzchen backen und der ein oder andere Waldspaziergang haben so eine Art Weihnachtsstimmung aufflammen lassen. Religiöse gefühle gehören bei mir nicht zum täglichen Geschehen, aber Heiligabend geh ich gerne mal in die Kirche. Man sollte das sein lassen, wirklich. Die Pastorin hatte nichts weiter zu sagen (sinngemäß) "So nach dieser stressigen Einkaufszeit kommt Ihr nun also hier her um Euch in Stimmung bringen zu lassen" ... man möchte eigentlich sofort brüllen:"... und nichteinmal DAS bietet die Kirche einem Christen noch". Nach dieser ergreifenden Predigt folgte ein Krippenspiel. Mein Sohn brachte es auf den Punkt als er sagte "Hoffentlich ist es gleich vorbei das Doofe", die Reihen vor und hinter uns mußten dazu auch gehörig lachen. Was soll so ein Krippenspiel eigentlich? Ist es angebracht das die Hirten sich über mangelnde Anerkennung Ihres "Jobs" beklagen bevor sie auf Engel treffen oder das die Weisen aus dem Morgenland über den Mangel an Luxus auf der Reise zum Erlöser klagen? Sozialistische Gesellschaftskritik MUß man einfach überall anbringen können, am besten wenn man offensichtlich garnichts verstanden hat. Besonders beeindruckend war für mich mein 2 Jähriger Sohn, der sehr sehr ehrfürchtig in der Kirche war, das große Gebäude, die vielen Kerzen, da blieb Ihm der Mund offen stehen. Eigentlich soll so ein "Ritual" ja auch die Gefühle ansprechen ... nicht so heute, sobald das "Ritual" anfing wollte mein Sohn nur noch weg, vorbei die Ehrfurcht, vorbei irgendwelche Gefühle ausser Fluchtreflex. Wenn die von der Kirche keine Lust haben IHRE Feste sinnvoll zu feiern, dann sollen sie dicht machen, wirklich. So ein Krippenspiel von den örtlichen Kleingeistern interpretiert gehört bestenfalls ins Gemeindehaus aber sicherlich nicht in den GOTTESDIENST.

    Alles in allem denke ich das der religiöse, spirituelle Hintergrund aus diesem Fest restlos getilgt ist, gut ist das leider nicht, denn so ein entleertes Fest hinterlässt doch irgendwie einen Geschmack des verlorenen. Man sucht es doch dieses innere Gefühl welches (nicht nur) zu Weihnachten gehört, man geht ja sogar in die Kirche um noch Reste davon zu entdecken doch dort weht die christliche Leere und die komplette Verblödung. Wo also sollte man nun suchen?
    Am Ende muß man doch einmal in sein eigenes Inneres hören und das ganze äußere ignorieren um Weihnachten zu finden? Ich hoffe ich kann meinen Kindern noch eine Türchen zeigen welches dorthin führt!

    - Malakim