Warum die Bundeswehr persisch lernt

agentP

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Persisch wird nun mal in Afghanistan gesprochen, auch wenn diese naheliegende Erklärung natürlich nicht so spannend ist, wie auf einen Einsatz im Iran zu spekulieren:

In Afghanistan werden etwa 49 Sprachen [12] und über 200 verschiedene Dialekte gesprochen. Von diesen wurden durch die große Ratsversammlung Loja Dschirga Persisch („Dari“) und Paschtu als offizielle Landes- und Regierungssprachen (Amtssprachen) bestätigt.
Dari (‏درى‎) – die offizielle afghanische Bezeichnung für die Ostdialekte des Persischen und abgeleitet von Fārsī-ye Darbārī, „Persisch des königlichen Hofes“ (persisch ‏دربار‎ - Darbār, „Königshof“) – ist die Mehrheitssprache[5] und seit dem Mittelalter die dominierende Verwaltungs- und Kultursprache der Region. Die literarische Schriftsprache der Persischen fungiert seit der Staatsgründung Afghanistans als Amts- und Verwaltungssprache. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Afghanistans (hauptsächlich Tadschiken, Hazara, Aimaken, aber auch sehr viele Paschtunen) spricht einen Dialekt des Persischen als Muttersprache. Persisch ist zudem die Sprache der Bevölkerung der Hauptstadt Kabul, deren Dialekt - umgangssprachlich gleichgesetzt mit Dari - nicht nur als Regierungs- und Wirtschaftssprache, sondern auch als lingua franca zwischen jenen Volksgruppen dient, die nicht eine der beiden Landessprachen als Muttersprache sprechen.[1]
http://de.wikipedia.org/wiki/Afghanistan#Sprachen
Tod und Verwundung sind Begleiter unserer Einsätze geworden, und sie werden es auch in den nächsten Jahren sein - wohl nicht nur in Afghanistan
Wir sind auch noch im Kosovo, im Mittelmeer vor der libanesischen und israelischen Küste und vor Somalia wird´s sicher auch nicht weniger.
 

Grobi

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auch wenn diese naheliegende Erklärung natürlich nicht so spannend ist, wie auf einen Einsatz im Iran zu spekulieren
Es geht mir nicht in erster Linie darum, was nun spannender ist.

Abgesehen von der Art und Weise, wie Schmidt auf die Frage reagiert, sind einige seiner Antworten schon etwas seltsam.

1. "Wenn der Satz „Der Iran ist ein sehr schönes Land“ im Sprachführer steht, dann soll das so sein. Was Sie darin lesen können oder nicht, bleibt Ihnen überlassen. Jedenfalls wird die Bundesregierung hierzu keine Stellung nehmen."

Also ein Versehen ist es demnach nicht. Und eine Erklärung bekommen wir von der Regierung auch nicht.
Auf "Wir gehören zu den UNO-Peacekeeping-Kräften" geht Schmidt erst gar nicht ein. Dies Bezeichnung trifft nämlich auf die in Afghanistan eigesetzten Soldaten nicht zu: Der Einsatz ist keine friedenssichernde Blauhelm-Mission, sondern ein sogenannter friedenserzwingender Einsatz unter Verantwortung der beteiligten Staaten. Wiki

2. "Weil es in Afghanistan Leute gibt, die als erste Sprache Persisch sprechen. Das ist zwar nicht im Norden der Fall, aber Afghanistan ist ein großes Land."

Aha, im Eisatzgebiet wird Persisch also nicht gesprochen. Ein Schelm, wer Böses denkt.

3. "Ich möchte Sie – wenn ich das noch sagen darf – bei aller Gelassenheit und mit Respekt vor Ihrem Recht, Fragen zu stellen, bitten, zu reflektieren, ob man es nicht beim Komplex der Fragestellung und bei meinen Antworten bewenden lassen sollte."

oder übersetzt: Bitte keine weiteren Fragen, ich rede mich eh schon um Kopf und Kragen.

Wir sind auch noch im Kosovo, im Mittelmeer vor der libanesischen und israelischen Küste und vor Somalia wird´s sicher auch nicht weniger.
Dort sind Tod und Verwundung allerdings nicht Begleiter unserer Soldaten geworden. Ich bezweifle auch, daß es auf diese Gebiete bezogen war. Und wenn doch, scheint Guttenberg von einer heftigen Verschlimmerung der dortigen Gefahrenlagen auszugehen. Auch nicht sehr beruhigend.

Daß wir uns nicht mißverstehen, ich finde die Reaktion des Christian Schmidt bisher nur verdächtig. Beweisen tut sie natürlich nichts.
Allerdings denke ich, wenn wir unseren Politikern nicht blind vertrauen und bei ersten Anzeichen, daß etwas im Argen sein könnte, etwas genauer hinschauen und auch mal nachfragen, haben wir aus unserer Vergangenheit weit mehr gelernt, als wenn wir bei jeder noch so lächerlichen Gelegenheit, bei jeder Kritik an Israel oder dem Zionismus, gleich die Antisemitismus-Keule schwingen.
 

Winston_Smith

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1. "Wenn der Satz „Der Iran ist ein sehr schönes Land“ im Sprachführer steht, dann soll das so sein. Was Sie darin lesen können oder nicht, bleibt Ihnen überlassen. Jedenfalls wird die Bundesregierung hierzu keine Stellung nehmen."
Was soll die Bundesregierung denn machen? Extra Persische Sprachführer drucken lassen, in denen das Wort "Iran" nicht vorkommt?

Aha, im Eisatzgebiet wird Persisch also nicht gesprochen. Ein Schelm, wer Böses denkt.
So wie ich den Link vom agentp verstehe, ist Persisch Amtssprache in Afghanistan...

ws
 

agentP

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Aha, im Eisatzgebiet wird Persisch also nicht gesprochen

Persisch ist zudem die Sprache der Bevölkerung der Hauptstadt Kabul, deren Dialekt - umgangssprachlich gleichgesetzt mit Dari - nicht nur als Regierungs- und Wirtschaftssprache, sondern auch als lingua franca zwischen jenen Volksgruppen dient, die nicht eine der beiden Landessprachen als Muttersprache sprechen
Also nochmal: Es gibt in Afghanistan 49 Sprachen. Alle die, die nicht zufällig eine der 2 Amtssprachen sprechen, von denen eine Persisch ist, benutzen persisch um sich untereinander zu erhalten.

Welche Sprache würdest du in dem Fall als Ausländer sinnvollerweise lernen, wenn du in Afghanistan auf Verständigung angewiesen wärst?
 

Grobi

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Was soll die Bundesregierung denn machen? Extra Persische Sprachführer drucken lassen, in denen das Wort "Iran" nicht vorkommt?
Kam mir im ersten Moment auch noch nicht so verdächtig vor. Wenn dann aber gesagt wird, daß der Satz darin stehen soll, kann ich darin kein Versehen erkennen. Wenn zudem betont wird, daß man von offizieller Seite dazu nichts sagt finde ich das schon allerhand. Was wäre so schwer oder schlimm daran zu sagen, daß man sich nunmal nicht die Mühe gemacht hat, die nicht spezifisch für Afghanistan gedachten Begriffe rauszustreichen ? Immerhin sorgt das ja durchaus für Verwirrung.

So wie ich den Link vom agentp verstehe, ist Persisch Amtssprache in Afghanistan...
So wie ich Christian Schmidt verstehe, wird persisch im Einsatzgebiet nicht gesprochen.

Welche Sprache würdest du in dem Fall als Ausländer sinnvollerweise lernen, wenn du in Afghanistan auf Verständigung angewiesen wärst?
In Kabul würde ich mich wohl für persisch entscheiden, nach dem, was ich hier gerade gelernt habe. Für die restlichen vier Standorte im Norden macht das wahrscheinlich weniger Sinn.

Ihr dürft den Auftritt Schmidts natürlich gerne vollkommen anders bewerten. Für mich ist er aber mindestens ein Aufhorchen wert. Mein Vertrauen in die Aufrichtigkeit unserer Politiker ist nunmal nicht so groß wie scheinbar eures.
 

agentP

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In Kabul würde ich mich wohl für persisch entscheiden, nach dem, was ich hier gerade gelernt habe. Für die restlichen vier Standorte im Norden macht das wahrscheinlich weniger Sinn.
Nachdem du lieber ignorierst, was andere an Informationen liefern, geschweige denn auf die Idee kommst selber mal ein wenig zu "forschen" stelle ich dir die Situation gerne nochmal dar, damit du sie dann wieder ignorieren kannst.

Die Bundeswehr ist an folgenden Standorten:

Kabul, dort wird ein persischer Dialekt gesprochen, soweit waren wir uns ja schon einig.

Kunduz ist vorwiegend von Tadschiken und Usbeken bewohnt.
Das gleiche gilt für Feyzabad.

Was sagt der professionelle Linguist dazu?


Die afghanischen Tadschiken bezeichnen sich meist als Dari-Sprecher. Umgangssprache ist ein persischer Kolonialdialekt, den man als Ostpersisch bezeichnen kann, der das afghanische Umgangspersisch (also "Dari" nach der Eigenbezeichnung) und Tadschikisch umfaßt und der der Hochsprache ähnlicher ist als die meisten Umgangssprachen im Iran.
[...]
Die Usbeken sprechen Afghanisch-Usbekisch; die Verständlichkeit mit dem übrigen Usbekischen ist etwas eingeschränkt. Viele sind zweisprachig mit Dari.
http://reese.linguist.de/Laender/afghanistan.html#kabul

Das macht für mich 3 von 4 Standorten -in Afghanistan- in denen persisch gesprochen wird. Alleine in Masar-e Scharif scheinen die Tadschiken und Usbeken nicht eindeutig die Mehrheit zu bilden, obwohl anscheinend auch da viele leben..
Übrig bleibt noch Termez in Usbekistan. Dort wäre wohl am ehesten ein russischer Sprachführer angesagt, den muss man aber vielleicht nicht erst drucken, sondern nur die Altbestände abstauben :):

Die Amtssprache ist Usbekisch. Russisch ist für den nicht Usbekisch sprechenden Reisenden immer noch die Lingua franca, mit der in Usbekistan am meisten zu erreichen ist.
http://www.uzintour.com/de/about_uzbekistan/uzbek_language/
 

erik

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Ähm, ist die Bundeswehr nicht schon seit einigen Jahren in Afghanistan?
Dafür jetzt einen persischen Sprachführer drucken zu lassen, fällt ihnen ja echt früh ein....
 

haruc

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Dafür jetzt einen persischen Sprachführer drucken zu lassen, fällt ihnen ja echt früh ein....
Na ich denk das war wohl auch (zumindest ein kleinwenig) eine politische Frage: Anfangs ging man ja (offiziell) davon aus dass der Einsatz vielleicht ein Jahr oder zwei dauern würde und man deswegen für diese Zeit mit Händen und Füßen kommunizieren könne.

Oder man hat einfach nicht damit gerechnet, dass die Afghanen kein Deutsch können und die entsprechenden Ministerien haben 8 Jahre gebraucht um davon Kenntnis zu nehmen. Vorstellbar wäre es.
 

erik

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Ich kann das auch nur aus zweiter Hand berichten, Quellen sprechen von 2003, ein Nachdruck sei 2008 erfolgt.

Das wäre dann ein Indiz für die Schublade "kalter Kaffee"

Wenn sich der Nachdruck nicht wesentlich unterscheidet.

Klingt aber so betrachtet wirklich sehr hoch gekocht.

Link
 

Stryker

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Unabhängig von dem Erscheinungsjahr dieses Sprachführers, werden die deutschen Kräfte seit Beginn des Einsatzes in Afghanistan in Farsi bzw. Dari geschult.

Es ist vollkommen üblich und notwendig, dass militärische Kräfte wichtige Ausdrücke in den vor Ort verstandenen Sprachen beherrschen.
 

Ein_Liberaler

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Eben. Und dazu gehören auch so schreckenerregende Floskeln wie, Zitat, “Keinen Schritt weiter”, “Sind Sie bewaffnet?”, “Wir müssen Sie durchsuchen”, “Gebe Sie ihre Waffen ab”.

Die braucht man schon, wenn man eine Kasernenwache stellt oder einen KFZ-Kontrollposten betreibt. Die ganzen aufgeschreckten Hühner sollten sich mal fragen, was ihnen lieber wäre - eine auf sie gerichtete Waffe und dazu unverständliches Gebrabbel in einer Sprache vom anderen Ende der Welt, oder ein halbwegs verständliches "Hände hoch! Wir müssen Sie durchsuchen!"
 
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