Sprache in Büchern

Dagmar_Krause

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Guten Tag,

ich lese wie sicherlich die meisten hier, sehr viel.
In letzter Zeit fällt mir auf, dass die Sprache in vielen Büchern immer schlechter wird.
So dass zum Beispiel die Wortauswahl immer geringer wird und die Sätze immer einfacher, so dass die Lektüre des neuen Romans von Tom Wolfe eine wahre Erleichterung für mich war.
Diese Entwicklung macht bedauerlicherweise auch nicht vor Kinderbüchern halt.
Viele dieser Bücher verfügen nur noch über einfachste Sätze, langweilige Themen und eine unlogische Handlung.
Ergeht es euch ähnlich mit dieser Ansicht?
Und was denkt ihr hat dieser Sprachverfall noch für mögliche Auswirkungen neben den schlechten Ergebnissen bei den Pisatests?

mit freundlichen Grüßen

Frl. Krause
 

agentP

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Dazu war zur Buchmesse ein Artikel im Spiegel. Leider ist er nicht frei verfügbar:

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,379946,00.html

Was mich ein wenig wundert ist, daß du das so pauschal festellst und dann einen amerikanischen Autor als Gegenbeispiel anführst. Beziehst du dich auf alle auf Deutsch erscheinenden Bücher oder meinst du nur Bücher deutscher Autoren ?
 

Malakim

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Dagmar_Krause schrieb:
Und was denkt ihr hat dieser Sprachverfall noch für mögliche Auswirkungen neben den schlechten Ergebnissen bei den Pisatests?

Ich denke die unmittelbare Folge wird ein allg. Rückgang der Künste sein. Auf Männer wie Goethe oder Mozart werden wir dann wohl länger warten müssen :roll:
 

agentP

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Ach naja. Goethe und Mozart lebten in einer Zeit des Umbruchs und waren Symbole desselben und das hat sie neben ihrem Können in solche Sphären katapultiert. Ich glaube durchaus daß es noch genug Genies gibt, nur ist es heute unverhältnismässig schwerer damit auch aufzufallen.
 

dkR

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Ist mir auch schon aufgefallen. Ich denke mal, dass die Verlage an fähigen Übersetzern und Lektoren sparen, gleichzeitig jedoch versuchen, möglichst viele Bücher auf den Markt zu werfen.
Zynisch wie ich bin, kommt mir da spontan die Idee, dass Generation Pisa mit anständigem Satzbau und Formulierungen auf nicht-Grundschulniveau evtl. überfordert sein könnte. Mal im ernst, wie viele Jugendliche lesen noch regelmäßig Bücher?
 

LStrike

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Mir persönlich ist ein Sprachverfall in deutsch sprachigen Büchern noch nicht aufgefallen. (zuletzt gelesen: Scott McBain, "Der Mastercode" und "Die Geheimloge")
Das an Qualität in den Verlagen eingespart wird, könnte ich mir durchaus vorstellen, aufgrund des großen Angebotes auf dem Büchermarkt.
Aber vielleicht ist eine einfachere Sprache, der Versuch mehr Menschen, insbesondere junge Menschen, wieder zum Lesen zu animieren.




greetz LStrike


PS: Langweiliger finde ich die aktuellen Bücher auch nicht.
 

racingrudi

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ich habe für mich mal im stillen kämmerlein überlegt, ob das lesen überhaupt derart viel dazu beiträgt, gut schreiben zu können. es gibt in meinem bekanntenkreis einige, die relativ viel lesen, doch wenn sie mal was schreiben müssen, dann muss ich mich sehr wundern, mal von einem eklatanten mangel an gefühl für die rechtschreibung komplett abgesehen. gut schreiben kann man meines erachtens nur so trainieren, indem man selbst eben viel schreibt. natürlich ist gutes lesen eine grundvoraussetzung, aber nicht mehr und nicht weniger als für viele andere dinge im leben. während meiner schulzeit hatte ich eine lehrerin, die meinen schreibstil augenscheinlich als sehr gut befand. als sie mich dann mal fragte, ob ich denn viel lesen würde, musste ich zugeben, außer der schulischen pflichtlektüre nicht mehr als die tageszeitung und montags und donnerstags den kicker zu lesen. erst war sie böse und dachte, ich wolle sie verscheißern. mich hat das aber veranlasst, mal darüber nachzudenken, inwieweit viel lesen und gutes schreiben miteinander korrelieren. das mal am rande zu meinen grundsätzlichen gedanken.

ein weiterer punkt: es ist wie so vieles heutzutage. es gibt alles mögliche massenweise, was sich zeitweise erheblich in nachlassender qualität ausdrückt. nichts anderes ist es doch auch in der literatur. massenhaft bücher, jeder meint, etwas dem anderen per buch mitteilen zu müssen. jeder hanswurst penetriert den markt mit seinen autobiografischen ergüssen. und das schlimme: es wird trotzdem oder sogar gerade deshalb konsumiert! das ist das eigentlich erschreckende. von daher würde ich auch sagen, dass es die goethes und schillers unserer zeit einfach nicht mehr packen, ihrem eigentlichen stellenwert gerecht zu werden, weil der markt von dermaßen viel schund einfach so zugedeckt wird. es ist ja bei der musik nichts anderes: schnell produziert, schema F, kundenfreundlich, nett verpackt, ein ganzer rattenschwanz an marketing und marchandising hintendran ... die wahren musiker werden verkannt, treten in hinterhöfen vor handverlesenem publikum auf. tjo, die literatur stellt schlicht wie die musik auch ein markt dar, der mit denselben handgriffen bearbeitet wird wie klopapier und handseife. verkaufen, verkaufen, verkaufen. bohlenismus. gut ist, was kohle bringt. da spielt der satzbau im endeffekt nur noch eine ganz ganz kleine rolle. schade eigentlich, aber ... pfffüüüth, gottlob lese ich ja nicht ;-) (nur das mit der musik macht mir wirklich zu schaffen ... :( )

literarischer gruß
rg
 

agentP

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ich habe für mich mal im stillen kämmerlein überlegt, ob das lesen überhaupt derart viel dazu beiträgt
Ich denke schon. Zumindest erweitert es den Wortschatz, was ja schon mal eine wichtige Grundvoraussetzung ist. Natürlich kommt es auch dabei darauf an, was man liest.

außer der schulischen pflichtlektüre nicht mehr als die tageszeitung
Was heisst hier "nicht mehr" ? Das ist doch eine ganze Menge und vor allem die großen, überregionalen Tageszeitungen sind doch hervorragende "Vorbilder".

die wahren musiker werden verkannt, treten in hinterhöfen vor handverlesenem publikum auf.
Was ist denn ein wahrer und was ein unwahrer Musiker ? Sind ein Tom Waits oder ein Neil Young keine wahren Musiker, weil sie Säle füllen und 80 € Eintritt nehmen? Daß Künstler in Hinterhöfen ihr Dasein fristeten, ist doch nichts Neues. Ich darf an van Gogh erinnern oder an Herrmann Melville dessen Moby Dick erst gut 20 Jahre nach dem Tod des Autors überhaupt Aufmerksamkeit erhielt und heute zu den wichtigsten und bekanntesten Werken der Weltliteratur überhaupt gezählt wird. Was ich damit sagen will ist, daß imho Popularität oder wirtschaftlicher Erfolg weder im Guten noch im Schlechten ein Index für die Kunstfertigkeit des Künstlers ist.

Als Exilant in einer Stadt mit ausgeprägter Hinterhofkultur kann ich dir ausserdem versichern, daß der Großteil dessen, was da im Hinterhof in die Tasten oder auf die Seiten haut, besser die Treppe vom Übungsraum nie hochgekrochen wäre. Drei Akkorde und dann eine Band gründen? Immer gerne. Aber dann sollte man doch bitte wenigstens eine IDEE haben, wenn man schon kein KÖNNEN hat. :lol:
 

Dagmar_Krause

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Guten Tag,

ich bezog mich keineswegs nur auf deutsche Bücher, ich lese fast alles was ich in die Hand bekomme.
Und es fällt doch auch dass die Übersetzungen immer schlechter werden und das viele Verlage am Lektorat ordentlich sparen.
Eine Bekannte von mir erzählte mir kürzlich von einem Fall, in welchem der Übersetzer ständig das Wort "Schmunzeln" benutzte ohne jegliche Abwechslung mit grinsen, verstohlen lächln usw.
Und Kinderbücher sind oft einfach entsetzlich, das fängt schon mit den Reihen für Kinder im Grundschulalter an.
Ich persönlich vermute dass Kinder durch derartig einfache Lektüre keinerlei Anforderrung ausgesetzt sind, und diese vermutlich auch in ihrem weiteren Leben als Leser vermeiden werden.
Erstaunlich ist auch, dass Fachbücher heute Bilder enthalten müssen um für Käufer reizvoll zu erscheinen.

mit freundlichen Grüßen

Frl. Krause


Das Buch von Tom Wolfe führte ich nur auf weil es doch durchaus aus dem Sprachbrei heraussticht und überaus gut geschrieben ist (meiner Meinung nach jedenfalls).
 

antimagnet

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Dagmar_Krause

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Guten Abend,

Das mit der Typographie ist ja nicht sonderlich neu.
Times new roman ist eine Serifen Schrift was heißt, die Serifen unbewußt als Zeile angesehen wird, was das Lesen erleichtert.
Ist das kurz fassen nicht ein Bestandteil einer guten Sprache?
Wo es einfach dazu gehört, dass der Autor sich in einigen treffenden Wörtern ausdrückt und nicht eine halbe Seite benötigt um ein Gefühl auszudrücken.
Denoch muß ich sagen, dass auch lange verschachtelte Sätze einen nicht zu mißachtenden Reiz haben.
Und ich frage mich ob nicht die Reaktionen der Testpersonen auf die Schriftstücke nicht einfach ein Ausdruck der Intelligenz der Testpersonen ist.

mit freundlichen Grüßen

Frl. Krause
 

racingrudi

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agentP schrieb:
ich habe für mich mal im stillen kämmerlein überlegt, ob das lesen überhaupt derart viel dazu beiträgt
Ich denke schon. Zumindest erweitert es den Wortschatz, was ja schon mal eine wichtige Grundvoraussetzung ist. Natürlich kommt es auch dabei darauf an, was man liest.
naja, das war ja gerade das erschreckende für mich, dass manche aus meinem bekanntenkreis trotz ihres leseverhaltens einen dermaßen eingerschränkten wortschatz an den tag legen. das hat mich stutzig gemacht. empirische zahlen habe ich allerdings nicht, nur so eine selbstinszenierte mutmaßung meinerseits. und dann komme ich daher mit meinen miesen studibüchern, der beileibe weder überregionalen noch großen tageszeitung und komme zum schluss, dass mein schreibstil hauptsächlich durch aktives üben entwickelt wurde.

nur noch kurz zu dem thema "musik":
ich geb dir absolut recht. in allen punkten.

gruß
rg
 

Dynamic

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Jemand hat erwähnt die Jugend von heute lese nichts mehr. Ich als Vertreter dieser Gruppierung muss dem leider beipflichten, obwohl ich selber ein volles Bücherregal habe und oft zur Bücherei marschiere, bin ich bei meinen Altersgenossen in der starken Minderheit.

Ob das den Wortschatz beeinträchtigt?
Ja ich denke schon. Was man liest kann man wiederverwenden und das geht über den Wortschatz hinaus:
Allgemeinwissen und Phantasie sind Dinge die man durch Lesen aktiv fördert, was durch andere Medien wie Fernsehen & Co nicht geschieht.


Dynamic
 

Kendrior

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Kommt es denn wirklich so sehr darauf an, wie etwas geschrieben ist?
Wichtiger ist doch, eine Botschaft zu übermitteln ( sogar bei Schund ist irgendeine Botschaft dabei), und ich kann mir vorstellen dass heutzutage, wo niemand mehr Zeit und Geduld hat, um sich mit den Satzbaumonstern alter Tage zu beschäftigen, viele Menschen ganz froh sind etwas "leichtere" Lektüre lesen zu können, um ihren Horizont zu erweitern.
Man muss Information, wenn man sie verbreiten will, eben in eine Form pressen damit sie jeder versteht... auch wenn das vielleicht bedeutet, sie zu vereinfachen.
 

Dagmar_Krause

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Guten Tag,

ich denke es ist bei Belletristik eben schon wichtig wie etwas geschrieben ist.
Die Satzbaumonster könnennämlich auch Spaß machen.
Und eine angenehme Sprache kann doch recht viel transportieren.

nun gut das kann jeder handhaben wie er möchte.

Ich werde trotzdem stets Anhänger von Dan Brown für Idioten halten.

mit freundlichen Grüßen

Frl. Krause
 

agentP

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100 %ige Zustimmung an Frl. Krause. Natürlich ist in der Belletristik auch wichtig wie etwas geschrieben wird.
Man muß nur mal die Idee, daß nur der Inhalt zählt auf Gedichte übertragen und schon wird klar wie absurd in dem Zusammenhang dieser Gedanke ist.
 

LStrike

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@Frl. Krause
Ich werde trotzdem stets Anhänger von Dan Brown für Idioten halten.

Das ist jetzt aber nicht fair. Ich selber lese auch sehr viel. Von S.King, über H.P.Lovecraft bis Tom Clancy und auch Max Frisch. Unter anderem auch Dan Brown.
Bin ich deswegen sofort ein Idiot ??? Mir haben die Bücher gut gefallen, weil es einfach gute Geschichten (mehr auch nicht) sind.
Sprachlich sicher nicht sehr gehoben, aber trotzdem gut geschrieben.


greetz LStrike
 

Malakim

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LStrike schrieb:
Das ist jetzt aber nicht fair. Ich selber lese auch sehr viel. Von S.King, über H.P.Lovecraft bis Tom Clancy und auch Max Frisch. Unter anderem auch Dan Brown.

Nicht gerade eine Aufzählung hoher Literatur. Man muß aber auch nicht immer "Literatur" lesen.

Ich denke mal das Bücher wie die von Brown (achja ??? gute Geschichte :?:)
nur geschrieben wurden um einen Markt zu bedienen. Das hält mich im allg. davon ab soetwas zu lesen. :roll:
 

agentP

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Mir haben die Bücher gut gefallen, weil es einfach gute Geschichten (mehr auch nicht) sind.

Es gibt genug Bücher mit "guten Geschichten", die auch sprachlich hervorragend sind. Warum sollte ich mich denn mit weniger als einer Kombination aus beidem zufrieden geben ?
 

LStrike

Großmeister
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Entschuldigt bitte, dass ich kein Literatur Student bin und nunmal nicht auf Bücher wie "Faust" und konsorten stehe.
Wie gut eine Geschichte (gefallen) liegt auch oft im Auge des Betrachters.
Ich habe auch nicht behauptet, dass diese Autoren zur gehobeneren Klasse, was den Sprachstil angeht, gehören, darum geht es ja auch gar nicht.
Allerdings finde ich es etwas daneben (vielleicht sogar etwas arrogant), Menschen gleich als Idioten hinzustellen, die Bücher lesen, welche nicht gerade einen Litteraturpreis erhalten haben.


greetz LStrike


PS. Ich habe mit Absicht etwas übertrieben.
 
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