"Gender gerechte Sprache" das ist so krank

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Wenn noch jemand glaubt, die letzte Rechtschreibreform wäre ein Katastrophe gewesen, der möge sich das hier mal reinziehen.

Offener Brief, verfasst von offensichtlich geisteskranken Studenten.

Kleine Kostprobe?



...Der Professor, der den Polizeieinsatz angeblich nicht gewollt hatte und alles getan haben soll diesen zu verhindern, hatte im Anschluss daran kein Problem, erneut nicht die Stimmen dixs widerständischen Studierxs1 anzuerkennen,...

...er habe den Link zum Bekenner*innenschreiben durch eine Aufforderung "von oben" löschen müssen. Dies hat uns* sehr verwundert,..

..Dixs Studierxs haben dem zugestimmt...

...Da wir* der Meinung sind, dass Rassismus_Ableismus_Genderismus-Kritik3 von allen gehört werden muss..

...Des Weiteren lässt sich die Kritik nicht auf eine einzige Meinung_Person und nicht auf einen einzigen Stand_Sitz_Liege_punkt beschränken...

..Was wir* und dixs Studierxs kritisieren, ist zum Beispiel die Re_produktion von problematischen Wörtern wie zwei Be_griffe die mit "W" und "S" beginnen, wir* aber nicht re_produzieren wollen, da diese kolonialrassistisch und somit diskriminierend für Schwarze und People of Color und gleichzeitig privilegierend für weiße Menschen sind. Sowohl Kant und Humboldt, als auch Rousseau benutzten diese Worte häufig und auch der Professor benutzte diese in der Vorlesung. Auf den Hinweis des rassistischen Hintergrunds dieser W_orte antwortete dieser mit Bagatellisierung und Verneinung des Sachverhalts...

..1Wir* haben uns* für die x-Form entschieden, um Alle anzusprechen, ohne Positionierungen auszuschließen. Das x steht für die Durchkreuzung gegenderter Personenvorstellungen.

2Wir* schreiben unser* Personal- und unsere* Possessivpronomen mit einem Sternchen, weil wir* zum Ausdruck bringen möchten, dass wir* unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Meinungen sind, als Gruppe jedoch immer konsensuell entscheiden.

3Rassismus_Ableismus_Genderismus ist ein interdependent wirkender Mechanismus aus verschiedenen Ebenen struktureller Unterdrückungsmechanismen, dem gesellschaftlich konstruierte Vorstellungen von Hautfarbe, Gesundheit, Körper, Geschlecht, Begehren und Beziehung zugrunde liegen und der so täglich Ausschlüsse, Verletzungen und Gewalt produziert.

4Diese Form fordert ableistische Annahmen von gesunden Körpern heraus, indem sie darauf hinweist, dass ein Mensch nicht sehen können muss, um Wissen zu erlangen und sich daraufhin eine Meinung bilden zu können.

5Androzentrismus setzt das Männliche und Eurozentrismus das weiße Europa als Norm..
http://pastebin.com/vYsPWMJQ

:don:
 

dkR

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Die eigentliche Frage ist doch: Wie spricht man das aus? So in echt.
 

Mr. Anderson

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Vielleicht kurz zur Erklärung: Das ist eine Gruppe, die eine Einführungsvorlesung zu Erziehungswissenschaften „kritisiert“. Der Professor hatte darin diverse Texte aus dem 18. und 19. Jahrhundert vorgestellt, die das Denken der damaligen (und teilweise heutigen) Zeit maßgeblich beeinflusst hatten. In der Vorlesung hatte der Professor schon angemerkt, dass die Ideen dieser Texte in der Form nicht mehr zeitgemäß sind und dass eine ausführliche kritische Auseinandersetzung in den Übungen zur Vorlesung stattfinden sollte. Der Gruppe war das allerdings nicht genug, und sie wollte alle möglichen Begriffe und Ideen schon während der Vorlesung kritisieren. Das hat sich dann immer weiter zugespitzt; der Professor meinte, die Gruppe würde die Vorlesung stören; die Gruppe meinte, der Professor würde Zensur betreiben und Kritik unterdrücken und bla bla etc. pp.
 

haruc

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@ dKr
Die eigentliche Frage ist doch: Wie spricht man das aus? So in echt.
Gute Frage: Gar nicht. Dazu ist es nicht gedacht. Und ich finde, dass das Bände spricht.

Diese "Verbesserungsvorschläge" beziehen sich ausschließlich auf "Sprache der Distanz" (nach Koch&Österreicher), das heißt auf detaillierte Sprache mit hohem Reflexionsniveau. Diese wird meistens, aber nicht immer (bsp. Vortrag, Predigt), durch Schrift realisiert. (Im Gegensatz zur "Sprache der Nähe", die sehr spontan, unpräzise und unreflektiert ist - meistens durch Sprache realisiert, aber nicht immer -> SMS, Chat, Privatbrief).

So, Gesellschaft, und damit ihre Normen, entsteht aber überwiegend durch soziale Interaktion. Und die vorherrschende Sprachform in solchen Situationen ist die Sprache der Nähe.

Wenn ich nun eine gesellschaftliche Revolution dadurch anstrebe, dass ich die Sprache der Distanz ändere, dann erreiche ich damit praktisch gar nichts, da diese "Verbesserungen" für den alltäglichen Sprachgebrauch völlig untauglich sind. Im Alltag geht es vor allem um effizienten Spracheinsatz, d.h. niedriger Aufwand beim "Processing" und hinreichende Präzision, so dass sich die Anwesenden die Information mit Hilfe des Kontexts dechiffrieren können. Deswegen werden solche Formen die gesprochene Alltagssprache besten/schlimmstenfalls unvollständig durchsetzen.

Mal ganz davon abgesehen, dass "Gendergerechte Sprache" zwangsläufig mit Genderdiskriminierung einher geht. Das wäre - übertragen auf ein anderes Gebiet -, als würde ich jedesmal, wenn ich zb. Herrn Rösler erwähne, dazu sagen, dass er vietnamesischer Abstammung ist.
 

hives

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haruc schrieb:
Mal ganz davon abgesehen, dass "Gendergerechte Sprache" zwangsläufig mit Genderdiskriminierung einher geht. Das wäre - übertragen auf ein anderes Gebiet -, als würde ich jedesmal, wenn ich zb. Herrn Rösler erwähne, dazu sagen, dass er vietnamesischer Abstammung ist.
Das gilt m.E. nur für die geplante Abschaffung des generischen Maskulinums - bei der Bildung von Formen, die genderneutral sind, greift das m.E. gerade nicht.
Gegen eine Neuentwicklung einer "generischen Form" hab ich eigentlich grundsätzlich gar nichts (auch wenn ich es u.a. für unnötig und ineffektiv, im konkreten Fall auch für kontraproduktiv, im besten Fall vielleicht noch für ein witziges und vermutlich weitgehend konsequenzloses Experiment halte). Mir kommt es auch teilweise durchaus so vor, dass eine weitgehend genderlose Sprache tatsächlich mit einem hohen Maß an Gleichberechtigung in den entsprechenden Gesellschaften einhergehen kann und umgekehrt (ich sag jetzt einfach mal, ohne eine große Diskussion lostreten zu wollen: Tagalog versus Arabisch).
Aber man muss das Ganze eben, wie schon mehrfach bemerkt, aussprechen können. So ist das m.E. nur Zeitvertreib. Und die Urheber fühlen sich gut und revolutionär dabei. Meinetwegen, ich muss es ja nicht lesen...

Da mir ansonsten wenig dazu einfällt:
http://en.wikipedia.org/wiki/Operation_Mindfuck
 

dkR

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haruc schrieb:
@ dKr
Die eigentliche Frage ist doch: Wie spricht man das aus? So in echt.
Gute Frage: Gar nicht. Dazu ist es nicht gedacht. Und ich finde, dass das Bände spricht.

Diese "Verbesserungsvorschläge" beziehen sich ausschließlich auf "Sprache der Distanz" (nach Koch&Österreicher), das heißt auf detaillierte Sprache mit hohem Reflexionsniveau. Diese wird meistens, aber nicht immer (bsp. Vortrag, Predigt), durch Schrift realisiert. (Im Gegensatz zur "Sprache der Nähe", die sehr spontan, unpräzise und unreflektiert ist - meistens durch Sprache realisiert, aber nicht immer -> SMS, Chat, Privatbrief).

So, Gesellschaft, und damit ihre Normen, entsteht aber überwiegend durch soziale Interaktion. Und die vorherrschende Sprachform in solchen Situationen ist die Sprache der Nähe.
Ah, Danke fuer die Erlaueterung, wieder was gelernt.

Ich finde das ausgesprochen toll. Besonders der "wandernde Unterstrich" ist von einer inhaerenten Genialitaet (siehe Leifaden "feministisches Sprachhandeln"), das begeistert mich seit ich ihn entdeckt habe.
 
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Ich hab mich immer gefragt, wie das funktioniert hat im Dritten Reich, daß die Ideologie so Stück für Stück in wenigen Jahren alles langsam durchdrungen hat.

In den letzten Jahren wird es mir allerdings immer mehr bewußt, daß wir gerade genau den selben Prozess durchmachen.

Zuerst lacht man kopfschüttelnd über offensichtliche Heißsporne und Dummköpfe - zu extrem und absurd erscheinen einem die Ideologien und Dogmen. Man tut es als Modeerscheinung ab, die bald vergessen sein wird.

Langsam erfolgt eine Gleichschaltung der Medien, und was vorher absurd erschien wird langsam Hoffähig.
Die Politik stößt irgendwann ins selbe Horn.

Dann die ersten Kollegen und Freunde, vor allem die, die anfangs noch mitgelacht gelacht haben..

du, könntest du bitte draußen rauchen, wir machen das in der Wohnung jetzt nicht mehr... würde es dir was ausmachen in Gegenwart meines Sohnes nicht mehr Neger zu sagen, der Kindergarten - du weißt ja wie das ist.... wir haben uns jetzt auch entschieden kein Fleisch mehr zu essen und wollen bald ganz vegan leben, deshalb können wir nicht mehr zum BBQ kommen...

Irgendwann wird dann daraus Aggression und offene Feindschaft

Wenn du dreckiger Rassist nochmal das N-Wort in meiner Gegenwart benutzt,schlag ich dir deine Nazi Fresse ein....

Irgendwann lebt man als Minderheit in einem Irrenhaus, und kann nicht verstehen was da passiert ist.

Der Versuch neue Sprachregelungen hochzuziehen scheint mir dabei immer eines der ersten Alarmsignale. Wer Leute kontrollieren und manipulieren will, ist immer von Sprachregelung besessen. Von heute auf morgen gibt es plötzlich eine Reihe von Wörtern, die "man nicht mehr sagt" oder "jetzt anders sagt". Wer, und vor allem mit welchem Recht diese Liste von Wörtern bestimmt hat - und von wem er dazu berufen wurde, wird überhaupt nicht hinterfragt.

Als nächstes kommen dann Inhalte die nicht mehr an- und ausgesprochen werden dürfen (weil sich irgendeine Minderheit in ihren Gefühlen verletzt sehen könnte) - irgendwelche Zwangsmaßnahmen und Strafen usw.

Merken diese Vollpfosten eigentlich, daß sie mit beiden Armen ganz tief in der Werkzeugkiste von totalitären Regimen stecken?
 

haruc

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hives schrieb:
Das gilt m.E. nur für die geplante Abschaffung des generischen Maskulinums - bei der Bildung von Formen, die genderneutral sind, greift das m.E. gerade nicht.
Ich glaube ich habe mich etwas mißverständlich ausgedrückt. Genderneutrale Sprache ist nicht gleich Gendergerechte sprache. (Genau genommen ist sie das Gegenteil)

Bei der Gendergerechten Sprache wird im Grunde versucht, für jedes subsubsub...gender eine passende Sprachregelung zu finden. Genderneutrale Sprache zielt - wie der Name schon sagt - darauf ab, alle gender-markierten Formen in der Sprache zu umgehen.
Das eine ist also das Ignorieren (nicht wertend gemeint) von Gender, das andere die sprachliche Hervorhebung aller möglichen Gendervarianten. Und auf letzeres bezog ich mich, als ich von Diskriminierung sprach.

Diskriminierung, weil Gendergerechte Sprache bei jeder Gelegenheit sprachlich Genderunterschiede verfestigt, anstatt überwindet. Und genau darin sehen die Genderstudien die Wurzel allen Übels. Man muss sich halt klar machen, dass es im Bereich der Auseinandersetzung mit Gender grob zwei verschiedene Theorien gibt: Feminismus und Genderstudien. Beide überlappen sich in weiten Teilen (etwa den Grundannahmen), aber sie kommen im Detail (soweit ich das beurteilen kann) zu grundverschiedenen Schlüssen. Dies manifestiert sich im Gegensatz zwischen "Gendergerecht" und "Genderneutral".

Mir kommt es auch teilweise durchaus so vor, dass eine weitgehend genderlose Sprache tatsächlich mit einem hohen Maß an Gleichberechtigung in den entsprechenden Gesellschaften einhergehen kann und umgekehrt
Sicherlich, was man sprachlich nicht trennen kann, das trennt man auch im Alltag kaum (so die Grundannahme).
 

hives

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haruc schrieb:
Das eine ist also das Ignorieren (nicht wertend gemeint) von Gender, das andere die sprachliche Hervorhebung aller möglichen Gendervarianten. Und auf letzeres bezog ich mich, als ich von Diskriminierung sprach.

Diskriminierung, weil Gendergerechte Sprache bei jeder Gelegenheit sprachlich Genderunterschiede verfestigt, anstatt überwindet. Und genau darin sehen die Genderstudien die Wurzel allen Übels. Man muss sich halt klar machen, dass es im Bereich der Auseinandersetzung mit Gender grob zwei verschiedene Theorien gibt: Feminismus und Genderstudien. Beide überlappen sich in weiten Teilen (etwa den Grundannahmen), aber sie kommen im Detail (soweit ich das beurteilen kann) zu grundverschiedenen Schlüssen. Dies manifestiert sich im Gegensatz zwischen "Gendergerecht" und "Genderneutral".
Danke für die Klarstellung! Mir kam es so vor, dass es den Studierenden im OP nur (oder vor allem, ich hab mir das nicht ganz durchgelesen) um "Genderneutralität" geht, deshalb habe ich deine Diskussion von "Gendergerechtigkeit" auch darauf bezogen - mir war nicht bewusst, dass die Begriffe so eindeutig definiert sind.
 
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