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Somalia - oder die Rückkehr des Stellvertreterkrieges

Dieses Thema im Forum "Krisen, Kriege und Sanktionen" wurde erstellt von MrPalmer, 6. Januar 2007.

  1. MrPalmer

    MrPalmer Großmeister

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    Am Horn von Afrika tobt wieder ein Krieg, dessen Ausgang noch ungewiss ist.
    Und auch Somalia droht zu einen Schlachtfeld eines globalen Krieges zwischen einer islamischen Internationalen und westlichen Antiterror-Verbündeten zu werden.

    Die Parallelen zu Afghanistan und den Irak aufzeigt. Doch diesmal tritt die
    USA nur im Hintergrund auf und unterstützt seinen Partner im Anti-Terror-Kampf Äthiopien tatkräftig. Ist dies die Rückkehr der Stellvertreterkriege ?
     
  2. LStrike

    LStrike Erleuchteter

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    Beziehst du diese Frage rein auf Somalia ?

    Dass die USA in Somalia nicht direkt (mit eigenen Truppen) eingreifen liegt glaube ich an der unrühmlichen Niederlage, die sie vor Jahren dort erlitten haben und dem Hass der Menschen dort auf die USA.

    Mich erinnert das ganze irgendwie ein bisschen an den 2. Weltkrieg;
    kommt man an einer Front nicht mehr weiter, dann wird eben eine neue aufgemacht.
     
  3. dkR

    dkR Forenlegende

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    Ich find es ziemlich beruhigend, dass sogar so ein militärisches Kümmerland wie Äthiopien mit islamischen Milizen den Boden aufwischen kann.
    Das ganze halte ich für keinen Stellvertreterkrieg sondern im ureigensten Interessen Äthiopiens, keinen fanatischen Gottestaat als Nachbarn haben zu wollen.
     
  4. Laokoon

    Laokoon Erleuchteter

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    Rückkehr? Die sind doch nach Ende des kalten Krieges nicht verschwunden.

    Was für die Region gefährlicher ist ist ein hegemonialmachtstrebendes Äthiopien. Nach Kriegen mit den Anrainerstaaten und dem "abtrünnigen" Eritrea hat Äthiopien so z.B. keinen eigenen Seehafen mehr aufzuweisen, fühlt sich deshalb stark benachteiligt (auch wenn Verträge mit Eritrea über die Nutung von Häfen bestehen) und versucht seinen Einfluss so weit auszuweiten wie es nur geht. Die UNterstützung der somalischen Übergangsregierung dient auch keinem anderen Zweck. Das christlich-dominierte Äthiopien hat nicht nur Angst davor, dass seine somalischen Bevölkerungsteile den Anschluss an Somalia wollen könnten (wie im Ogaden-Konflikt -> http://www.ask1.org/gate.html?name=warhistory&file=krieg&idk=112#1 ), sondern, dass der politisch orientierte Islam auch in Äthiopien Fuß fasst. Bei knapp 40% Muslimen könnte das auch zu einem großen Problem werden. Einem mehr, denn Ähiopien hat schon genug.
    Wasser, Öl, alles wichtig und umkämpft. Dass Äthiopien, wie so viele afrikanische Staaten, ein überholtes Vielvölkerkonglomerat ist, macht es nicht besser. Zu viele Separatistengruppen.

    Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sich Äthiopien aus diesem Krieg herausgehalten hätte. In die Geschicke souveräner Staaten einzugreifen, ist nach Völkerrecht nämlich meines Wissens immernoch verboten. Und das hat Äthiopien. Klaro, der Bürgerkrieg ist erst einmal vorbei. Weniger Leid. Doch die islamischen Aber das Problem ist nicht gelöst. Und die Union islamischer Gerichte hat auch Ordnung geschaffen. Vielleicht könnte sie das ebenso, wie eine von Äthiopien mehr oder weniger abhängige Übergangsregierung. Denn Somalia ist so gut wie rein sunnitisch. Und bitte keine Diskussion über Scharia und Todesstrafe. Afrika ist nicht Europa. Vom Denken, vom Werteverständnis aus gesehen.
     
  5. Winston_Smith

    Winston_Smith Forenlegende

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    Die Scharia ist überall schlecht und menschenunwürdig. Egal ob in Europa, Afrika, Asien, Amerika oder auf dem Mond.

    ws
     
  6. Laokoon

    Laokoon Erleuchteter

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    Dann lass die Somalis doch selbst herausfinden, dass das schlecht ist. Auch wenn das womöglich 100 oder 200 Jahre Scharia bedeuten könnte. Das mag hart klingen, aber "Wir" Europäer haben doch gesehen, was es bringt, anderen Völkern Systeme aufzuzwingen. Für mich ist die Scharia weniger grausam als jahrzehntelanger Bürgerkrieg, machthunrige Lobbys, die sich als "demokratisch gewählte Regierung" zu den grausamsten Diktaturen entwickeln und denen das Schicksal ihres Volkes scheiß egal ist, solange sie ihren Kaviar und ihren Jaguar in der Garage haben. Die Scharia ist wenigstens eine Art von Ordnungssystem, die jeder Einzele einigermaßen abwägen kann. Tue ich dies, geschieht mir nach islamischem Recht das. Darauf kann ein Volk sich besser einstellen als auf zugedröhnte Milizen, vergewaltigende Söldner oder "Präsidenten"söhne, die neue Schützenpanzer ausprobieren wollen.

    Und dann, nach diesen 100 Jahren, hat vielleicht eine Entwicklung eingesetzt, die zum Umdenken geführt hat, auf einem natürlichen Weg, nicht erzwungen. Vielleicht ein eigener. Nicht "westlich-demokratisch". Aber vielleicht ähnlich. Jeder muss für sich selbst erkennen, was gut ist. Erkennen. Darauf liegt der Augenmerk.

    Kein Wunder, das Afrika seinen "Demokratien" nicht vertraut. Und man komme mir jetzt nicht mit dem ach so tollen und ebenso dummen Spruch "In einer Demokratie wird jeder nur so regiert, wie er es verdient hat". Im Falle Afrikas sieht man dessen Torheit. Und "Demokratien" müssen es ja sein. Der Westen hat sie ja schließlich anerkannt. Als Demokratie. Und reibt sich die Hände, dass abhängige Regime Tonnen von Rohstoffen für Peanuts liefern.

    Die Sadisten und Verbrecher sitzen nicht in Afrika, sondern in den Machtzentren der Welt. Washington. "Brüssel". Moskau. Denn sie halten den status quo und bevormunden Afrika immernoch. In allen Bereichen.
     
  7. _Dark_

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    genau das ist ja auch ein ziemlich großes problem.. die somalis haben ja zum größten teil die milizen freudig empfangen und gefeiert, weil sie sich von ihnen ruhe und frieden, wenn auch vielleicht durch extrem harte gesetze, erhofft haben, was ihnen eine andere art der regierung nicht zu geben im stande war.
    solange es die westlichen systeme nicht schaffen, diesen leuten das selbe zu garantieren, was sie von den radikal-islamischen bekommen können, nämlich stabilität und sicherheit, werden sie sich auch nicht durchsetzen..
    das mit der scharia ist so eine sache.. ganz ehrlich: wenn die dortigen milizen keine expansionsbestrebungen haben und den rest der welt islamisieren wollen, können sie meiner meinung nach machen was sie wollen, solange sie nur die lage unter kontrolle haben und stabilität herrscht...
    besser stabilität unter der scharia als gar keine
     
  8. Winston_Smith

    Winston_Smith Forenlegende

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    @Laokoon

    *g* Ja ne, ist klar. Erstmal die Scharia ausprobieren...

    Was passiert denn, wenn dann jemand sagt: "Hey, mir gefällt das nicht. Ich würde gerne Musik hören und meine Frau soll ohne Schleier rumrennen dürfen."?

    ws
     
  9. Laokoon

    Laokoon Erleuchteter

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    Es geht um die Gesellschaft, die sich entwickeln muss. Klar, durch die Meinungsbildung des Individuums. Aber Hier wollen auch faschistoide Gruppen ein Ende der demokratischen Verhältnisse, würden Monarchisten gerne wieder einen preußischen oder welfischen König als Oberhaupt des deutschen Staates.

    Jene Person würde keine Chance haben, seine Meinung umsetzen zu können. Aber irgendwann kommt der Großteil der Individuen, kommt die Gesellschaft, ja – die Ideologie vielleicht zu der Einsicht, dass es grausam ist, jemandem die Hand abzukacken, weil er/sie ein Radio geklaut hat.

    Die demokratisch-aufgeklärte Gesellschaft, evtl. noch mit christlichem Attribut, hat kein Recht auf die Pachtung der perfekten Gesellschaftsform. Dann gibt es eben Kriegerkasten, Priesterkasten. Dann gibt es eben patriarchalische Gesellschaftsformen.

    Ein gutes Beispiel sogar: Unsere Gesellschaft hat sich von einer matriarchalischen (Steinzeit) in eine zutiefst patriarchalische, von Ständen geprägte Gesellschaft verwandelt (Mittelalter, weitergehende). Hättest du als „vernünftiger“ Herrsche sagen wir mal das Frankreich des 10. Jahrhunderts invasiert und wolltest eine Demokratie ohne Stände und mit allen Gleichberechtigungen für die Frau, hättest du genau solche Irritationsbildungen gefunden. Irritation im Sinne von metaphorischen Geschwüren, Ausschlag. Zuerst wären dir alle Adligen, Geistlichen, die gesamte Gildenelite an den Hals gegangen. Du hättest sie mit den neuen Machtbedingungen versöhnen müssen, sie finanziell oder wirtschaftlich anderweitig entschädigt, um Stabilität zu schaffen.. Allein um dein System einer Demokratie nach Vorbild des 20. Jhd halten zu können. Und hättest damit die Idee der Demokratie auch direkt verraten, da du sie selbst korrumpiert hast. Die USA oder Europa denken, dass Demokratie der Goldweg ist, dass es darauf ankommt HAUPTSACHE DIE DEMOKRATIE ZU ETABLIEREN. Das ist FALSCH. Ein System, dass niemand derer, die in ihm Leben versteht, dass entgegen den bisherigen Bräuchen geht und von dem man nicht weiß wie man es verwaltet, KANN nur scheitern. Was soll ich mit einem System, von dem ich nicht überzeugt bin. Entweder ich bekämpfe es, oder tue gar nichts, bin passiver Teil von ihm. Beides sind ja wohl nicht die Wege, die helfen, ein demokratisches Denken zu fördern.

    Die Westwelt denkt: Wenn die Demokratie erstmal da ist, wird sie sich schon etablieren. Auch wenn man am Anfang Zugeständnisse machen mussen. Das wird mit der Zeit schon. Wird es aber nicht, es wird nur immer schlimmer.

    Hauptsache Demokratie. Egal wie korrupt. Merkst du nicht, wie paradox das ist? Eine Demokratie, die keine ist, die nur zum Schein den Namen führt, doch eigentlich voller Gewalt und Korruption steckt, die also von Grund auf eigentlich das Gegenteil von dem ist, was sie sein soll. Die Dystopie der Utopie. Ein Negativabdruck.

    So werden sich erst recht keine demokratischen Kräfte etablieren können. Denn denen, die wirklich demokratische Ansätze haben, gehen durch das bestehende pervertierte System nämlich die Argumente aus, die anderen davon zu überzeugen... denke da mal drüber nach...
     
  10. Winston_Smith

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    @Laokoon

    Alles schön und gut. Aber Du bist meiner Meinung nach ziemlich blauäugig gegenüber der Scharia.

    Wer unter der Scharia lebt, kann und darf sich nicht weiter entwickeln. Jede Opposition gegen dieses System ist tödlich.

    Wie soll sich denn dann eine Gesellschaft aus der Scharia befreien?

    ws
     
  11. Laokoon

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    Wie hat sich Europa "befreit" ? Die Verhältnisse waren nicht minder strikt in der Vergangenheit.

     
  12. Winston_Smith

    Winston_Smith Forenlegende

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    @Laokoon

    Du möchstest also wirklich das somalische Volk erst in ein totalitäres und mörderisches System stecken, damit es die Chance hat, sich zu befreien?!

    Oder verstehe ich Dich jetzt falsch?

    ws
     
  13. Aphorismus

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    im moment in den neuronen deines kopfes
    Wenn wir uns nicht befreit hätten, dann würden wir doch immer noch unter diesen Bedingungen leben. Tun wir aber nicht. Also haben wir uns befreit. Den Prozeß dieser Befreiung bezeichnet man rückblickend als "Aufklärung".

     
  14. Laokoon

    Laokoon Erleuchteter

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    @ Aphorismus:
    Du sagst es ja selbst:
    Darauf kommt es mir an. Ein selbstständiger Prozess. Nicht durch den Westen als Förderer und unnötigen Lenker unterstützt, der von heute auf morgen innerhalb von 30 Jahren alles piccobello haben will. So wird Afrika nie selbstständig. OK, will der Westen ja auch nicht, nutzt ihm ja nichts. Pfft.

    Dann lasst Afrika doch sich selbst "befreien"! Aber lasst es, und meint nicht, ihr müsstet dabei helfen!

    @ Winston_Smith:

    Eigentlich habe ich es bei der Antwort auf Aphorismus' Kommentar ja schon gesagt: Lasst Somalia doch den Somaliern. Afrika den Afrikanern.
    Und du scheinst mir nicht wirklich zuzuhören: Demokratie ist in meist Afrika nicht minder grausamer als die Scharia. Noch schlimmer: Bürgerkrieg. Von heute auf Morgen geht im übrigen gar nichts.

    Kann es sein, dass du
    eventuell ein rosarotes Bild von Demokratie hast?

    Wer in eigenständige Prozesse pfuscht, sie behindert, darf sich nicht wundern wenn am Ende nur ein verkrüppeltes Resultat herauskommt. Europa verkrüppelt Afrika. USA verkrüppeln Afrika. Äthiopien verkrüppelt Somalia. Alles nur, um eigene Interessen zu wahren.

    Nach Jahren des Bürgerkrieges hat die Union der Islamischen Gerichte für ein Ende des unnötigen Blutvergießens gesorgt. Für ein Ende des Bürgerkrieges. Und um auf Äthiopien zurückzukommen: Ein anderer Staat hat wie gesagt nicht das Recht in innenpolitische Prozesse eines anderen souveränen Staates einzugreifen. Ob nun als Stellvertreter der Amerikaner, Europäer oder wegen eigener Interessen.

    _________________________________________


    ~Wie war das noch? liberté, égalité, fraternité?~

    Das nenne ich "liberté". Jemandem die Freiheit der eigenen Entwicklung zu nehmen. Pah!

    Das nenne ich "égalité". Jemanden nicht als gleichwertiges Gegenüber zu betrachten, sondern der Meinung zu sein, besser zu wissen, was besser für andere ist. Ihm seinen Willen, sein System aufzwingen zu wollen. Pah!

    Das nenne ich "fraternité". Jemanden in den wichtigen Entwicklungsprozessen zur Selbstständigkeit, zur Findung der eigenen Indentität zu behindern, um daraus seinen Nutzen zu ziehen. Pah!
     
  15. Winston_Smith

    Winston_Smith Forenlegende

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    Wieviele Demokratien gibt es denn in Afrika?

    Oh ja. Denn ich finde Demokartie total klasse!

    Ach ja, der Böse Western.... Afrika würde es noch viel besser gehen, würde es noch mehr mit dem Westen Handel treiben.

    Aber Du hast doch selber geschrieben: Afrika den Afrikanern. Wenn die Afrikanischen Staaten sich gegen den ismalismus zur Wehr setzen, ist das nicht ok?

    ws
     
  16. Aphorismus

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    im moment in den neuronen deines kopfes
    Das sehe ich genau so. Allerdings kann diese Art zu denken einen auch in Probleme stürzen, zum Beispiel wenn es um wirtschaftliche Fragen geht. China werden immer wieder die harten Arbeitsbedingungen und die Verstöße gegen die Menschenrechte vorgeworfen. Die chinesische Gegenargumentution in Bezug auf diese Vorwürfe ist oftmals, dass der Ursprung des Reichtums des Westens in der Kolonialzeit und der Sklaverei zu finden sei. Ohne diese beiden Faktoren wäre der Westen heute mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht so reich, wie er nun einmal im Vergleich mit dem Rest der Welt ist. Um da nicht vollkommen abzurutschen, zumindest halbwegs konkurenzfähig zu bleiben oder sogar aufzuholen, müsse China sich nun einmal wohl oder übel ähnlicher Methoden bedienen. Und immerhin führe China dabei keine Kriege, so gut wie keine Expansionspolitik (mit Ausnahmen wie Tibet) und versklave zumindest keine fremden Völker. Aus chinesischer Sicht durchaus verständlich, und so richtig entrüstet kann man da als Westler auch schlecht reagieren, wenn einem bewusst ist, dass der eigene ebenso wie der kollektive Wohlstand seine Wurzeln in derselben Art von ein paar hundert Jahre zurückliegender Ausbeutung hat.
     
  17. Aphorismus

    Aphorismus Ehrenmitglied

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    im moment in den neuronen deines kopfes
    Und wie gerne würden das viele afrikanische Bauern, deren Produkte vergammeln, weil die EU sie nicht importiert, um eigene, hoch subventionierte Bauern zu schützen. Freie Marktwirtschaft sieht anders aus. So zu tun, als ob sich die Afrikaner vor uns abschotten würden, wo es doch genau andersherum ist, ist hanebüchen.
     
  18. Winston_Smith

    Winston_Smith Forenlegende

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    Paris - Im weißen FIAT UNO...
    Habe ich nie bezweifelt. Ich habe nur geschrieben, dass freier Handel eher Afrika als "uns" helfen würde. Also MEHR Handel nicht weniger.

    Abgesehen davon gibt es in Afrika genug Staaten, die einfach mal z.B. geografisch so mies liegen, dass sie einfach arm sind. Hat wenig mit "dem bösen" Westen zu tun.

    ws
     
  19. Laokoon

    Laokoon Erleuchteter

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    Such dir die Liste selber zusammen. Einige wunderschöne Beispiele:

    Die Republik Rwanda [Oh - Völkermord? Mhm...^^ ~sarkasmus~]
    Die Republik Liberia [Wie nannte man es doch gleich? Das Land der "schwarzen Apartheit?"]
    Die Republik Kenia [Mhm...Was war da nochmal...Hohe Korruption...mhm]

    Alle schimpfen sie sich demokratisch. Wobei "wir" gerne in zwei Lager unterteilen: Jene, die nach außen hin einigermaßen sauber wirken [manche mögen es auch sein], die wir anerkennen und mit denen wir also offene Geschäfte tätigen können und jene, die wir öffentlich für Greuel o.ä. anpragern und mit denen "wir" dann natürlich nur hinterücks Geschäfte machen können.

    Ist ja schön. Ich im Normalfall auch. Aber nicht da, wo sie nicht hingehört. Weil die Gesellschaft nicht bereit dazu ist. Und wer sagt, dass andere Nationen oder Völker nicht in anderen Staatsformen erfolgreicher, glücklicher werden können? Vielleicht demokratisch, vielleicht auch monarchistisch. Vielleicht eine Mischung.
    [Exkurs:]Eine gut funktionierender aufgeklärter Absolutismus könnte besser für Volk und Staat sein als eine schlecht geführte Demokratie. Nur als Denkanstoß. Bitte führe das Szenario nicht weiter aus, das geht mir zu weit off-topic und kostet nur zusätzliche Nerven.[/Exkurs]
    Vielleicht würden afrikanische Staaten eine schöne Mischung finden, wenn man sie ließe. Stattdessen wurden die Staaten des schwarzen kontinents allesamt in den Kalten Krieg hinein geboren, gezwungen, sich der einen oder der anderen Seite anzuschließen. Ist das freie Entscheidung?

    Ich weiß auch, dass der Handel nicht nur uns, sondern auch Afrika mehr Wohlstand gibt als das ohne ihn der Fall wäre. Doch können afrikanische Staaten frei Handeln? Nein. Weil wir sie abhängig von uns gemacht haben. WIR drücken IHRE Preise runter, sonst kaufen wir nämlich woanders. Also müssen sie sich wohl oder überl beugen. Zudem die von Aphorismus angesprochenen Marktbedinungen bei uns.

    Aber dass es so ist, sind wir Schuld. Wir haben den schwarzen Kontinent ausgebeutet, wir haben seine Grenzen gezogen. Haben wir dabei die Afrikaner gefragt? Haben wir dabei die ethnische Verteilung berücksichtigt? Nein! Afrika wäre vielleicht keine Weltmacht, aber ein naturgewachsener Baum, keine Staaten-Domestikation weißer Kolonialisten.

    Nicht wenn sich Äthiopien in die somalische Geschicke einmischt. Wenn Äthiopien eigene Separatisten bekämpft, kann niemand etwas sagen. Äthiopien hat aber quasi einen Präventivkrieg gegen die Union islamischer Gerichte geführt. Erster Punkt. Zweiter Punkt: Die Situation in Somalia hatte sich klar beruhigt, denn die Union hatte die Oberhand, und Ordnung in die von ihr kontrollierten Gebiete gebracht. Äthiopien hat den Krieg neu entfacht, einen fast Prozess rückgängig gemacht und so neue Spannungen geschaffen. Und falls es stimmen sollte, dass die Vereinigten Staaten von Amerika Äthiopien dazu gebracht haben könnten, diesen Krieg zu führen, dann ist es um so schlimmer. die amerikanischen Interessen am Hoorn habe ich in einem anderen Thread schon einmal mit Quelle aufgezeigt. Ich werde einmal suchen.

    Also nochmal:
    Doch, ist es. Aber nicht, wenn ein Staat einen anderen überfällt und mit den Verlierern eine Bürgerkrieges den Gewinner, der vom Volk trotz Proteste bei einigen strikten Gesetzerlässen unterstützt wurde, vertreibt. Denn dann ist dein so geliebter Wille des Volkes nämlich hintergangen worden.

    Schalte einmal die Nachrichten an. ZDF: Somalische Bürger bewerfen äthiopische Soldaten mit Steinen. Denn sie hassen ihren Nachbarn, mit dem sie eigentlich seit ihrer Unabhängigkeit laufend im Krieg waren (ich verweise einmal mehr auf das Kriegsarchiv), nicht nur, weil er ihr Land besetzt, sondern weil er ungefragt gekommen ist. Zieht Äthiopien seine Truppen ab, und würde Ä. und auch die westliche Einflusswelt Somalia sich selbst überlassen, würden wieder deine "so gehassten bösen Islamisten" die Macht übernehmen. Mit Rückhalt in der Bevölkerung, sofern die sich überhaupt noch um Politik kümmert. Die hat nämlich von Krieg die Schnauze verdammt voll.


    Und noch ein Exkurs zu Ruanda und den beiden anderen Staaten oben:

    [ironie]Oh ja. Völkermord 1994. Böse Afrikaner. War ja auch nur die Lobby um die Präsidentenwitwe, die so grausam waren und das Land in den Terror gestürzt haben. Frankreich und Beligien haben ja nicht versucht, dieses Regime zu decken. Nein. Und die USA auch nicht. Schau dir mal den Skandal um die entsprechenden UNO-Versammlungen an. Während in Ruanda knapp 800.000 Menschen starben, diskutierten die über die Klassifizierung als "Völkermord" oder nicht, da dann ein schnelleres Eingreifen "nötig" geworden wäre. Aber nein, amerikanische Interessen sind wichtiger als Tutsi-Leben.[/ironie] Zum Kotzen. Das ist eine [eine] Ausprägung westlicher Demokratie. Und die ist untragbar.
     
  20. Mother_Shabubu

    Mother_Shabubu Ehrenmitglied

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    Das andere Ende des Kreises
    Das wäre eine Möglichkeit, aber dann sollte Afrika auch so konsequent sein, für die negativen Folgen dieser Befreiung selbst die Verantwortung zu übernehmen. Bei der Gelegenheit könnten sie auch ihre Grenzen so ziehen, daß sie ihnen besser passen.
    Echte Demokratie oder das, was in Afrika aus ihr gemacht wurde? Aber vielleicht funktioniert Demokratie in Afrika deshalb nicht, weil die Bindung zum Stamm stärker ist als die Beziehung zum Staat und ein Politiker erst einmal seinen Stamm bevorzugt.

    @Aphorismus: Die Theorie, der Westen hätte seinen Wohlstand dem Kolonialismus zu verdanken, ist zwar schön einfach, aber leider falsch. Sie kann z.B. nicht erklären, warum die heute reichsten Länder nie (z. B. Norwegen oder die Schweiz) oder nur kurze Zeit Kolonien hatten. Der Westen ist durch die industrielle Revolution reich geworden, durch den Handel mit den Nachbarländern und durch allgemeine geographische Vorteile. Die Kolonien selbst haben mehr gekostet als sie eingebracht haben und waren wohl eher Prestigeobjekte als sonst etwas.

    Natürlich kann China das nicht zugeben, es ist ja schließlich einfacher, dem Westen unlautere Methoden beim Reichwerden zu unterstellen als die Probleme bei sich zu suchen.