Soll man Kinder religiös erziehen ?

Neonkind

Neuling
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religiös?

also... ich bin auch eher religiös erzogen worden... ich mußte als kind zwar nie in die kirche (habe trotzdem 3 jahre freiwillig im kirchenkinderchor gesungen) ... ich denke es hat mir nicht geschadet, da mir niemalz die Autorität der kirche gelehrt wurde, sondern eben die nächstenliebe , toleranz usw...
 

Graf-Unzahl

Meister
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Im ursprünglichen Sinne des Wortes, sage ich ja, Kinder zur Religiosität erziehen, also zur Verbindung mit ihrem eigenen Urgrund, scheint mir das a und o zu sein. Zur Konfessionalität, also im Sinne eines Memkomplexes einer größeren Gruppe, niemals. Durch nichts ensteht so viel Schaden wie durch das. Kinder zur Religiosität erziehen heißt, sie gemäß ihren Anlagen zu einem gesunden Individualismus zu führen. Kinder müssen so geleitet werden, dass sie in ihrem Denken von vornherein so intakt sind, dass sie sich niemals an einer unbewussten Mobbildung beteiligen. Natürlich kann man das nur bewerkstelligen, wenn man sie mit allen vorhandenen Realitätsbereichen konfrontiert und ihnen immer die Möglichkeit gibt, abzuwägen. Denn niemand lernt Ordnung, wenn man für ihn Ordnung schafft. Das kann man nur lernen, wenn man den Freiraum hat, die Dinge selbst einzuordnen.
 

NoToM

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Gilgamesh schrieb:
Ich bin der Meinung, dass die Eltern unbedingt ihre Kinder ihrem Glauben entsprechend erziehen sollten. Man sollte nicht vergessen, dass auch Kinder jeden Alters mit Geburt, Leben und Tod konfrontiert werden.

Nun, ein Beispiel, wie man solche Fragen auch so beantworten könnte, habe ich gemacht.

Gilgamesh schrieb:
Zudem erwachen früher oder später in jedem Kind spiritulle Fragen und Gefühle, die entsprechend seiner Kultur konfliktfrei vermittelt werden müssen.

Gerade das wage ich zu bezweifeln. Die meisten Fragen entstehen doch gerade desswegen, weil das Kind irgendwann anfängt, den Glauben zu hinterfragen, Wahrheit und Lüge zu trennen bzw. zu definieren. (zB. Weihnachtmann...Osterhase...Bienchen und Blümchen...usw.)

Gilgamesh schrieb:
Zudem sollten die Eltern auch darauf achten, dass kein Hass sondern Toleranz gegenüber anderen Religionen geprädigt wird..

Mal ehrlich, was lern man als Kind in einer streng religiösen Familie über andere Religionen ? Gar nix...(woher auch) ausser vielleicht, dass es sowas auch noch gibt...

Gilgamesh schrieb:
Auch wenn man selber nicht religiös ist, sollte man Seine Kinder seiner Mutterreligion entsprechend erziehen, weil diese früher oder Später Opfer von Missionaren werden könnten. Nicht dass ich Missionierungen verurteile,aber wenn man seine Kinder nicht der eigenen religiösen Kultur näherbringt, dann tun es eben andere, womit sich das Kind in Zukunft auf eine gewissen Weise von den Eltern und deren Kultur distanzieren könnte.

Wäre das wirklich so schlimm ? Mein Kind soll Tolerant sein, frei Denken können ABER wehe, es hat eine andere Meinung als ich...war das so gemeint ? Das klingt nach finstrem Mittelalter für mich.

Gilgamesh schrieb:
Somit sehe ich Religion und Kultur eng miteinander verknüpft und man sollte jedes Kind entsprechend seiner Kultur religiös erziehen. Zumal es auch den Grundstein legt, für ethische und moralische Vorstellungen, wenn man es denn richtig macht!.

Siehe auch post von Killuminati
 
W

Weinberg, Oliver

Guest
NoTom als Ausgangsfrager:

Also grundsätzlich sollte ich als Elternteil erst mal mit mir selber
abklären, welche Aspekte der Religiosität mir wirklich wichtig
sind. Wenn ich auf diese Grundlage Rituale in meinen Alltag
aufnehme, werde ich diese auch mit meinen Kindern praktizieren
(z.B. der Tischsegen, der mir persönlich wichtig geworden ist).
Wenn die Kinder merken, dass ich nur leere Hülsen vor mir
herschieben oder ohne innere Übereinstimmung zu meiner
Glaubenspraktika bin (und sie merken es...immer!), kann
ich es auch gleich lassen...

Religiosität sollte letztlich beglücken, sonst wird sie mißbraucht..
 

InsularMind

Erleuchteter
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Ich bin zwar Glaubensloser, aber finde dass man Kindern zumindest die Option bereitstellen sollte, sich über die Religionen zu informieren, wenn sie das Bedürfnis entwickeln, darüber mehr zu erfahren. Hätte ich Kinder, würde ich ihnen die Wahl lassen, für welche Religion sie sich irgendwann entscheiden, sie aber auch nicht irgendwie aktiv glaubenslos 'beeinflussen' nur weil ich das bin. Man sollte sich auch der Bewertung einer Religion als unsinniger oder besser als Andere enthalten, das sollten sich die Kinder selbst erarbeiten.
Natürlich hätte ich Probleme damit, wenn sie extremistische Interpretationen wählen, und würde versuchen ein balancierteres Feld attraktiver erscheinen zu lassen.

Für wichtig halte ich es, den Kindern keine Traumwelten für real vorzugaukeln, wie das früher gern gemacht wurde ( und wenn Du in Gefahr kommst, sprich zu Gott und der rettet dich dann ect. ) denn sowas schadet Kindern mehr als es weiterhilft, wenn sie wirklich in bedrohliche Situationen geraten, und keiner kommt der hilft. Kinder mögen vieles anders oder vereinfacht auffassen, viele vermischen Fantasiewelt mit Realität, aber sie sind nicht doof.

Eine religiöse Erziehung halte ich nicht für notwendig, da würde ich eher den Schwerpunkt auf die Ethik, oder den gesunden Umgang mit Anderen legen, die Mannigfaltigkeit der Ansichten verschiedenster Menschen darbieten, die Kinder auswählen lassen, was sie interessiert.

Als Kind hat mich die Art und Weise der schulischen, oder umfeld - zwingenden religiösen Beeinflussung sehr gestört, da mit Zwang, Einbläuen und Druck verbunden. " Du musst, weil die Anderen das auch Alle machen." hieß es da immer wieder, aber geglaubt habe ich schon vor Schulbeginn nicht wirklich, was mir da vermittelt wurde. Natürlich waren die Eltern darauf bedacht, mich nicht zwangsläufig in die Außenseiterposition wachsen zu lassen.
Für grundlegend anders als Märchen von Gebrüder Grimm befand ich die christlichen Schöpfungsideen und Geschichten nicht. Die Reaktionen auf meine Fragen waren entsprechend ruppig, wenn ich Welche stellte, für die Frage, wer Gott erschaffen habe, wurde ich ins Gesicht geschlagen, anstatt eine Antwort vom Schulpfarrer zu erhalten. Wohl verstärkte das meine Aversion gegen Religiöses nur noch weiter.
Vor einer wichtigeren Feier war ich drauf und dran von Zuhause wegzulaufen. Schon damals wünschte ich mir, aus der Kirche austreten zu können.
Wäre das Angebot von Religiösem freigestellt, ohne Zwang gewesen, wer weiß ob nicht das Interesse von alleine entstanden wäre.
Denke auch, dass man ethische und sozialem Konsens zugehörige Grundwerte ohne Religion lehren / lernen kann.
Außer vielleicht oberflächlich oder an wenigen buddhistischen und naturvölkischen Ideen zur Lebensphilosophie entstand es allerdings auch später nie.

Eine Notwendigkeit für den Hang zu einem religiös orientierten Weltbegriff oder Ähnlichem sehe ich allerdings nach wie vor nicht. Von daher wäre es schon sehr schwierig, Kindern so etwas beizubringen, wenn man es selbst nie empfunden hat.
 

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