Landwirtschaft im Irak: Multis sichern Interessen

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US-Patente für den Irak?
Brigitte Zarzer 18.11.2004

Ein neues Gesetz sichert Gentech-Multis neue Absatzmärkte zu Lasten der heimischen Bauern
Während sich der Blick der Öffentlichkeit auf den täglichen Nachkriegshorror im Irak konzentriert, werden im Hintergrund ausgesprochen wirtschaftsfreundliche Gesetze vorbereitet. So sieht das künftige Patentrecht vor, dass Bauern kein Saatgut von der letzten Ernte zurückbehalten dürfen, wie dies eigentlich der Tradition entspricht.

[...]

Beide Ansätze landwirtschaftlicher und ökologischer Kultur sind mit der Order 81 schwer gefährdet. Das neue Patentgesetz würde den irakischen Landwirten "den Krieg erklären", wettert Grain deshalb. Generationen von kleinen Bauern im Irak hätten in einem unregulierten, quasi informellen System ausgesät. Pflanzen wurden ohne gesetzliche Einschränkungen gezüchtet und oftmals auch zwischen den Bauern ausgetauscht. Unter dem neuen Gesetz würde das praktisch verboten, kritisiert die Organisation. Das Gesetz sichert nämlich die Patentrechte von GVOs oder anderem patentierten Saatgut streng ab:

"Farmers shall be prohibited from re-using seeds of protected varieties or any variety mentioned in items 1 and 2 of paragraph (C) of Article 14 of this Chapter. "

Wer nun meint, bei GVOs sei das ohnehin üblich und man würde nur das irakische Recht auf internationalen Standard bringen, greift zu kurz. Zum einen ist anzunehmen, dass gerade über Hilfslieferungen auch GV-Saatgut ins Land gelangt, gleichzeitig aber keine strengen Auflagen zu Koexistenz und Haftungsfragen bestehen. Die Bauern, sollte sich GV-Saatgut einmal ausgekreuzt haben, wären den Patentinhabern - im Reglefall Biotech-Multis wie Monsanto oder Syngenta - ausgeliefert und müssten später vielleicht Lizenzgebühren für etwas zahlen, das sie nie haben wollten.
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/18/18835/1.html


Ein Aspekt von vielen. Aber vielleicht eine eigene Diskussion wert?





Weitere Links und Informationen zum Thema:

Iraq's new patent law: A declaration of war against farmers

by Focus on the Global South and GRAIN


Inserted into Iraq's previous patent law is a whole new chapter on Plant Variety Protection (PVP) that provides for the "protection of new varieties of plants." PVP is an intellectual property right (IPR) or a kind of patent for plant varieties which gives an exclusive monopoly right on planting material to a plant breeder who claims to have discovered or developed a new variety. So the "protection" in PVP has nothing to do with conservation, but refers to safeguarding of the commercial interests of private breeders (usually large corporations) claiming to have created the new plants.

To qualify for PVP, plant varieties must comply with the standards of the UPOV [3] Convention, which requires them be new, distinct, uniform and stable. Farmers' seeds cannot meet these criteria, making PVP-protected seeds the exclusive domain of corporations.

http://www.grain.org/articles/?id=6




When the Food and Agriculture Organisation (FAO) celebrates biodiversity on World Food Day on October 16, Iraqi farmers will be mourning its loss.

A new report [1] by GRAIN and Focus on the Global South has found that new legislation in Iraq has been carefully put in place by the US that prevents farmers from saving their seeds and effectively hands over the seed market to transnational corporations. This is a disastrous turn of events for Iraqi farmers, biodiversity and the country's food security. While political sovereignty remains an illusion, food sovereignty for the Iraqi people has been made near impossible by these new regulations.

[...]

"Most importantly, the FAO must recognise that biodiversity-rich farming and industry-led agriculture are worlds apart, and that industrial agriculture is one of the leading causes of the catastrophic decline in agricultural biodiversity that we have witnessed in recent decades. The FAO cannot hope to embrace biodiversity while holding industry's hand", he added.

http://www.grain.org/nfg/?id=253



http://www.grain.org/publications/
 

general

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Der Irak, Spielball von Militärs, radikalen Islamisten und Grosskonzernen. Leidtragende ist wie immer die Zivilbevölkerung.

Grossartig wurde die Befreiung dieses Volkes angekünigt, den Diktator wollte man stürzen. Nun, ohne Diktator, gleicht das Land einem Trümmerhaufen, GIs und Islamisten liefern sich Gefechte und Selbstmordattentate sind an der Tagesordnung. Der Irak ist ein echtes Schlachtfeld.
Und wenn die Army mal gegangen ist, hat das Volk einen neuen Diktator, Monsanto oder Syngenta.
 

Gilgamesh

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Kasimir schrieb:
Wenn die Amis weg sind wird der Irak zu einen neunen Gottes Staat :evil:

Wer sagt das? Die Amis? Mach Dich nicht lächerlich! Was die Iraker wollen, ist eine repräsentative Regierung aus den eigenen Reihen und keine Import-Politiker wie aktuelle und wie auch in Afganistan!

Ich sehe schon die Zukunft vor mir! Biotechunternehmen haben ein Software-Patent auf die GEN-Strukturen von Saatgut! Im Rahmen des üblichen Konkurrenzkampfes, programmiert ein Unternehmen einen genetischen Virus, der die Saat des anderen zerstört.

Ganze Ernten fallen aus. Ein Update muß her, eine art genetische Virendefinition für das Gen-Getreide!

Jedoch kaufen die Bauern nun von der Konkurrenz, da dieser verspricht, dass alle genetsichen Sicherheitslücken seines Gen-Saates abgedichtet sind. Jedoch weit gefehlt, auch diese Erne fällt aus, weil nun auch das andere Unternehmen einen schädlichen Virus auf die Reise geschickt hat.

Während Bio-Bauern in Hochsicherheits-Gefängnissen sitzen, weil sie Patenrechte verletzt haben, verhungern Millionen von Bürgen infolge mangelnder Nahrungsmittelproduktion!

:arrow: Gilgamesh
 

Artaxerxes

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Hallo Kasimir,

Kasimir schrieb:
Wenn die Amis weg sind wird der Irak zu einen neunen Gottes Staat :evil:

dann könnte ohne weiteres passieren, vielleicht vereinigen sich dann Irak und Iran!

Allemal besser als Krieg!


Gruß Artaxerxes
 

Ein_Liberaler

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Was meint Ihr, warum der Krieg geführt wurde? Sie sagen Gott und meinen Kattun.

Aber wollen wir mal nicht zu spinnen anfangen. Oder kann uns Gilgamesh vielleicht ein paar Beispiele liefern, wo und wann in den USA Felder mit Konkurrenzprodukten vernichtet wurden? Zählt ja angeblich zum ganz normalen Konkurrenzkampf...
 

Salomon

Meister
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Sorry für OT
aber würd mich grad interessieren

aus dem link von nicolecarina
Dort züchteten die indianischen Hochkulturen aus einem wilden Gras den Mais, heute eine der wichtigsten Nutzpflanzen der Welt.

wie ham die das geschafft :?:
 

samhain

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auch an diesem beispiel zeigt sich, wozu die besetzung des irak eigentlich gedacht ist:

man schafft sich quasi eine kolonie von amerikas gnaden, setzt die ihr genehmen herrscher ein, die nur in ihrem interesse handeln (wie auch sehr gut an diesem kotzbrocken allawi zu sehen) und hat ein wunderbares testfeld um sachen per gesetz anzuordnen, die anderswo teilweise immer noch auf bitteren widerstand stoßen. so also auch mit gentechnisch verändertem saatgut.erinnert sich jemand an dieses afrikanische land (mir ist der name entfallen), dem die USA aufgrund von nahrungsmittelnappheit "großzügig" mit maislieferungen unter die arme greifen wollten?
das problem ist nur, das dieser mais gentechnisch verändert ist und dieses afrikanische land eines der wenigen von der gentechnik verschont verbliebenen ist, was für die zukunft große absatz/vermarktungschancen bedeuten würde. man lehnte also dankend ab.

im irak sieht das anders aus, da wird erst garnicht gefragt, sondern gleich nägel mit köpfen gemacht.

was hinter der massenhaften verbreitung und kontrolle von gentechnisch verändertem saatgut durch US-multis wirklich steckt, welche finsteren pläne hier mal wieder verfolgt werden, kann man in diesem artikel nachlesen.

hier ist schon seit längerem ein krieg im gange, der, ausser von den unmittelbar betroffenen, garnicht als solcher erkannt wird. die waffe ist das saatgut und das ziel die globale vorherrschaft und die kontrolle des bevölkerungswachstums, besonders in entwicklungsländern, durch die USA:

Die Saat der Zerstörung

Geopolitik mit genetisch veränderten Nahrungsmitteln
von F. William Engdahl

«Beherrsche die Energie, und du beherrschst die Nationen. Beherrsche die Nahrung, und du beherrschst die Menschen.» (Dem ehemaligen US-Aussenminister Henry Kissinger zugeschrieben)

Im Juni 2003 erklärte Präsident George W. Bush die Aufhebung eines 8jährigen Verbots der Europäischen Union für genetisch veränderte Pflanzen zu einer Angelegenheit von strategischer Priorität für die USA. Dies geschah nur wenige Tage nach der US-Besetzung von Bagdad. Das Timing war nicht zufällig. Seither ist der Widerstand innerhalb der EU gegenüber genetisch veränderten Pflanzen zerbröckelt, ebenso wie der Brasiliens und anderer Schlüsselländer für landwirtschaftliche Produkte. Ein Jahr zuvor war die Zukunft des genetisch veränderten Getreides noch unklar gewesen.

Jetzt, nach einigen Monaten und enormem Druck, sind die Strategen einer Vorherrschaft durch genetisch veränderte Pflanzen im Begriff, eine Kontrolle über die globale menschliche und tierische Nahrungsmittelkette auszuüben, wie sie nie zuvor von einer einzelnen Nation oder Macht ausgeübt wurde.

Die gegenwärtige Debatte über das Wesen der Biotechnologie und der genetischen Veränderung von Grundnahrungsmitteln wie Mais oder Sojabohnen geht am Wesentlichen vorbei. Die Umwandlung der weltweiten Landwirtschaft durch eine kleine Elite von Biotech-Firmen - in den meisten Fällen US-Firmen - hat wenig mit Firmen-Habgier zu tun. Sie hat sehr viel mehr zu tun mit Geopolitik und den Plänen einiger Leute, das Wachstum der Weltbevölkerung in den kommenden Jahrzehnten zu steuern.

Das Wesen der amerikanischen Machtpläne für die Welt basiert heute auf der Entwicklung strategischer Schlüsselpositionen, die von keiner anderen Vereinigung von Ländern herausgefordert werden können; die Planer im Pentagon nennen das «full spectrum dominance».1 Dies schliesst die globale Militärherrschaft mit ein. Es umfasst die Vorherrschaft über die begrenzten und rapide abnehmenden Erdölvorräte. Es schliesst die Steuerung der Leitwährung der Welt, des Dollars, mit ein. Und heute schliesst es zweifellos die künftige Kontrolle der weltweiten Landwirtschaft durch die Steuerung der Patente für genetisch veränderte Pflanzen und genetisch verändertes Getreide mit ein.

Halten die gegenwärtigen Tendenzen an, wird die globale Vorherrschaft der USA vor Ende des Jahrzehnts auf der Kontrolle der Nahrungsmittelversorgung eines grossen Teils unseres Planeten basieren, weit mehr als dies militärische oder sogar Energieressourcenkontrolle je vermögen. Die geopolitische Dimension dieser Zukunftsaussichten verdient eine sorgfältige Untersuchung.

...Rockefellers Kommission «Bevölkerung und die amerikanische Zukunft» schaffte die Grundlage für Henry Kissingers National Security Study Memorandum 200, NSSM 200. Ein Memorandum zur nationalen Sicherheit vom April 1974, welches das Bevölkerungswachstum in den strategisch wichtigen, rohstoffreichen Entwicklungsländern als Angelegenheit von höchster Priorität für die US-Staatssicherheit bezeichnete.

...NSSM 200 verzeichnete ausdrücklich 13 Länder als «Schlüsselländer», an denen die USA ein «spezielles politisches und strategisches Interesse» hatten. Es waren dies Indien, Pakistan, Bangladesch, Indonesien, Thailand, Nigeria, die Philippinen, die Türkei, Ägypten, Äthiopien, Mexiko, Brasilien und Kolumbien. Ihr Bevölkerungswachstum wurde laut Kissinger als besonders beunruhigend für die Staatsinteressen der USA erachtet. Bemerkenswerterweise ist jedes dieser Schlüsselländer seit 1974 wichtigen sozialen, ökonomischen und militärischen Umwälzungen unterworfen worden. Ländern, die eine von den USA verordnete Geburtenkontrolle oder ein Programm zur Reduktion des Bevölkerungswachstums ablehnten, wurde das US-Nahrungsmittelhilfeprogramm vorenthalten, selbst in Zeiten von Hungersnöten...

http://www.zeit-fragen.ch/ARCHIV/ZF_120d/T01.HTM
 
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