Ich habe Angst!!!

Leik

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Moin moin,
der fröhlich scheinenden Begrüßung zum Trotz: Es geht mir beschissen!!!

Ich musste letztes Jahr im August nach 2 Jahren (4 Semestern) mit dem studieren aufhören, da unser zweiter Sohn geboren wurde, und ich trotz Bafög und Nebenjob einfach den Unterhalt für die Familie nicht mehr finanzieren konnte (Hartz IV bekommen wir nicht, da ich schon eine Ausbildung habe). Ich habe schon vor mehreren Jahren eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann erfolgreich abgeschlossen und arbeite auch mittlerweile wieder in diesem Sektor. Ich verdiene zwar schlecht, aber immerhin, wir müssen nicht betteln gehen (Ich jammere also quasi auf hohem Niveau).
Meine Frau kann natürlich noch nicht wieder arbeiten, da Ihr damaliger Chef die Praxis während Ihrer Schwangerschaft (Gesundheitsbedingt) schließen musste, d.h. Sie könnte auch nicht einfach in Ihren Job zurück...

Angst habe ich vor der Zukunft. Alles wird teurer und wie Ihr Euch sicher denken könnt, haben wir natürlich schon aufgrund des Studiums unseren Lebensstandard komplett auf Null geschraubt. Wir sind z.B. seit Jahren nicht mehr ausgegangen, weder gemeinsam noch alleine. Unsere Stromrechnung liegt mittlerweile bei 115 Euro, Benzin könnte ich zwar sparen, aber statt 20-25 minuten pro Tag mit dem Auto zur Arbeit wäre ich dann für 20 Euro gespart knapp 1,5-2 Stunden unterwegs... (habs getetestet ) o_O

Mal ehrlich: Das kann es doch nicht sein, oder?

Im August wird uns das Elterngeld (300 Euro) gestrichen, weil der kleine 1 Jahr alt wird...meine Frau kann aber mit einem Einjährigen nicht schon wieder arbeiten gehen...
Wo bitte soll das denn hinführen? Man hat doch keine Chance mehr sich eine Zukunft aufzubauen...Urlaub brauche ich nicht. Aber es kann doch nicht sein, das die Kinder keine anständigen Geschenke zu Weihnachten oder zum Geburtstag bekommen?!?!
Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, ob und wenn welche Hilfe ich mir erwarte, aber das mal anonym loszuwerden ist auch ganz gut...
:|

Es hört sich jetzt alles sehr materiell an, ist es ja eigentlich auch, aber ich bin einfach nicht mehr glücklich mit diesem "Scheißleben"!!! Falsche Ausbildung, unglücklich im Job... ich könnt gar nich soviel essen wie ich kotzen wollt...

:cry:
 

InsularMind

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Schau Dich mal in Dänemark bzw. Skandinavien um, vor allem Schweden und Norwegen. Wenn Du Glück hast, und einen verhältnismäßig sinnvollen oder auch einfach handwerklichen Beruf, findest Du da evtl. relativ schnell eine Stelle, bei der Du neben einem lebenswürdigen Verdienst, wenn Du motiviert arbeitest, auch noch Extras bezahlt bekommst. Vielleicht Weiterbildung, vielleicht andere Ausbildung. Mit den gewöhnlichen Löhnen kann man sich bei denen auch noch das Leben leisten, obwohl es von hier aus natürlich ein wahnsinnig teures Land zu sein scheint.

Deutschland scheint mir, was den Aufbau von lebenserhaltenden Kompromissen zwischen Arbeit und Dasein angeht, schon seit einiger Zeit auf der Abwärtsleiter. Nur noch mit höchstmöglicher Qualifikation, Spitzfindigkeit, Ergebenheit zur Ellbogenmethode des sich Durchschlagens oder Beziehungen zu Leuten in wirkungskräftigen Positionen lässt es sich hier nach weiter oben kommen. Oder durch Betrügerei. Es wird uns schließlich von unseren Vorbildern so vorgelebt.

Wenn Du kein Problem mit dem Auswandern hättest, oder Deine Leute da auch mitmachen wollten, wäre das vielleicht eine Option. Sich auf die staatlichen Unterstützungen in D zu verlassen, kann heißen, von Allem verlassen zu sein, wenn es an vernünftige Realisierungen für eine kleine Familie geht. Vielleicht -- das ist aber nur mein Eindruck -- ist diese Demotivierungstaktik hier ein Instrument zum Ausverkauf der "unterqualifizierten" Schicht. Vielleicht hängt es auch an dem Problem, dass die da oben keine Ahnung vom Leben von denen da unten haben, sonst würden sie selbst bei minimalem sozialen Gewissen solche Einschnürungen, wie sie in dem Bereich immer wieder beklagt werden, nicht verantworten können.
 

Spacesoldier

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Jeden Tag hört man im Radio bzw. im Fernsehen, dass irgendetwas wieder teurer wird...
Aber es unternimmt niemand etwas :?!?:

Während französische und italienische Fischer die Polizisten mit Fischen bewerfen, weil sie die Dieselkosten für ihr Boot nicht mehr bezahlen können, fährt der deutsche Fischer nur noch jeden zweiten Tag raus...

Wann hat "der deutsche" verlernt, was man mit einer Mistgabel, einer Fackel und 200 Leuten hinter sich alles erreichen kann?

Ich kenne das Problem mit dem Geld übrigens ganz genau... wenn man sich am ende des Monats sagt: "Tja, 5 Tage Nudeln... besser als Wasser mit Salz..." :wink:
 

DrJones

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Also in Hessen studiert es sich ja inzwischen wieder umsonst, aber
das wird dir ja wohl auch nicht weiterhelfen.

Ich kenne mich mit so Behördenzeugs leider gar nicht aus
und weiß auch gar nicht welche Hebel du in Bewegung
setzen könntest.

Auf jeden Fall ärgere ich mich immer gewaltig über den deutschen Staat,
wenn ich Geschichten wie die deine höre.
Wenn es so ist wie Insular Mind sagt wäre das eine Möglichkeit.
Wenn Deutschland so wenig für dich tut ist es dieser Staat auch
nicht wert das man sich den Buckel für ihn krumm macht und
auch noch Steuern zahlt.

Ich kann dir und deiner Familie nur alles alles Gute wünschen!
Vielleicht weiß ja hier ausm Forum besser bescheid und
kann noch n paar gute Tipps geben.
 

JimmyBond

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spacesoldier schrieb:
Während französische und italienische Fischer die Polizisten mit Fischen bewerfen...

naja, aber was koennen die polizisten dafuer? die haben mit der politik und dem ganzen doch nichts am hut.

anderes beispiel ist, wenn irgendson depp wieder mal ne kassiererin im supermarkt anmeckert, weil die butter wieder teurer geworden ist, etc. anfangs beliess ich es bei einem kopfschuetteln. mittlerweile misch ich mich auch schonmal ein, um den deppen in seine schranken zu weisen :rocky:
 

Leik

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Erstmal Danke für die Antworten.

@Insular Mind

Über Auswandern habe ich auch schon nachgedacht. Wäre ich alleine, würde es mich auch gar nicht stören. Englisch beherrsche ich ziemlich gut, nur leider sind scheinbar im Ausland nur handwerkliche Berufe gefragt. Darüberhinaus möchte ich meine Frau und "meinen Großen" (5 Jahre) nicht aus dem gewohnten Umfeld reißen. Ich selber habe eh nur oberflächliche Bekanntschaften, aber meine Familie hat bei uns im Viertel schon "echte" Freunde. So egoistisch bin ich dann doch nicht. :wink:
Wobei, wenn Sie zustimmen würde, würde ich ernsthaft nachdenken.
Ich habe allerdings schon oft gehört: "Wer es im Heimatland zu nichts bringt, der sollte nicht auswandern, weil er es im fremden Land auch zu nichts bringt." Vllt. ist da was wahres dran, aber überprüfen kann ich es ja auch nicht. :wink:

@JimmyBond

Diejenigen die dafür verantwortlich sind, haben doch eh ausgesorgt. Die wissen gar nicht was "Zweitjob" und "Existenzminimum" wirklich bedeutet... Die gehen ja nicht mal mehr im Supermarkt einkaufen. Dann wüssten "die" nämlich, das man vor noch ein paar Jahren knappe 70 Euro für einen Familieneinkauf, vor einem Jahr knappe 80-90 Euro bezahlt hat und mittlerweile unter 125 Euro den Kühlschrank gar nicht mehr voll kriegt...

Dann schalte ich nach dem Einkauf den Fernseher ein und höre das "die Steuerzahler" um Milliarden entlastet werden sollen. (das sind das 2,50 Euro mehr für mich, da ich zuwenig verdiene um überhaupt nennenswert Steuern zu zahlen). Tarifverträge (die für viele gar nicht gelten, da sie in kleinen Firmen ohne Tarifverträge arbeiten) werden ausgehandelt, in denen es Lohnsteigerungen von 1,78% gibt. Auf der anderen Seite wird Benzin aber um 2 cent pro Woche teurer (15% und mehr)...Strom und Gas ebenso...
Ich frage mich, wann ich einen Offenbarungseid leisten muss, da ich jetzt schon Angst davor habe, meine Bafög-Schulden zurückzuzahlen...

o_O
 

holo

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Hallo, Leik ... also so ganz verstehe ich den Beitrag nicht.

Nach meinem Wissensstand gibt es 300 € für zwei Jahre Elternzeit - 450 € bekommt man für ein Jahr. Dazu muss man sich halt bei Beantragung entscheiden.

Vom derzeitigen Status her - so ich das recht verstanden habe - bekommt ihr also dein Einkommen, 300 € Elterngeld und Kindergeld - womöglich noch einen Miet-Zuschuss. Hinzu kommt, dass deine Frau nicht mehr arbeiten geht.

Nun verstehe ich nicht, weshalb ihr nicht hartzen dürfen solltet.

Hartzen kann man, solange man arbeitsfähig ist.

Sollte bedeuten:
Eckregelsatz 07/2008: 351 €

Deiner Frau stehen zu: 315,90 €
Dir stehen zu: 315,90

Deine Kinder unter 15 Jahren bekommen jeweils 60% der RL, macht 2 x 210,60 €

Leistungen aus RL = 1053 €
Das Erziehungsgeld wurde nicht angerechnet - das Kindergeld und ein eventueller Wohngeldzuschuss schon.

Nun die Miete. Angemessener Wohnraum (ca. 85m² * unterdurchschnittliche Kaltmiete pro m² in deiner Region)

Kaltmiete! Dazu gab es mit 2006 und 2008 entsprechende Urteile der Sozialgerichte.

Zum Beispiel: 450 € Kalt
Nebenkosten: 250 €
Heizung: 100 € (ggf. werden Pauschalen für Warmwasser abgezogen)

Macht 800 € für die KdU und 1053 aus RL --> Bedarf der Bedarfsgemeinschaft = 1853 €

Deine Frau hat ja kein Einkommen. Liegt dein Einkommen nicht darüber, dann könnt ihr als BG natürlich hartzen gehen.

Berechnung Einkommen über den Daumen:

Freibeträge vom Brutto berechnen (Fahrtkosten zur Arbeit, Versicherungspauschale, Grundfreibetrag)

Mal ein ganz grobes Beispiel:

1800 Brutto / 1400 Netto

Grundfreibetrag von deinem Einkommen: 286 €

Angemessene, private Versicherungen, Fahrtkosten, Werbungskostenpauschale und Kraftfahrzeug-Haftpflicht: 125,33
- Grundfreibetrag Werbungskosten (100 €) = 25,33 € zu berücksichtigen.

Zu berücksichtigendes Einkommen: 1088 €

Bereinigung KdU:

800 € - 19,01 für Warmwasser = 780,99 €

Wenn also das Kindergeld noch als Einkommen Nichterwerbsfähiger immer noch eine Versicherungspauschale bekommt und das Ganze für die BG zusammen gerechnet wird, dann sollte der Gesamtbedarf der BG 514,30 € betragen.

514,30 € (geschätzt aus Leistungen nach SGB II) plus
1400 € Nettoeinkommen plus
300 € Erziehungsgeld

Macht 2214,30 €.

Kommt ihr damit nicht hin?

Übrigens: Bei eurer BG-Größe sind 84,32 € für Haushaltenergie enthalten.

Deswegen wurden bereits 19,01 € Warmwasser an die KdU angerechnet.
Der Rest stünde für Haushaltstrom zur Verfügung.

Kalkuliert sind wohl 4500 kW/h für euren Haushalt - das reicht also nie wirklich und ich empfehle, einen Mehrbedarf für die Kosten zur Haushaltenergie anzumelden.
Die werden das ablehnen - also bedeutet das: Klagen! Wird ohnehin Zeit, dass dieser Punkt durch ein BSG entschieden wird.
(Ich meinte Bundessozialgericht ... aber diese Dinge zwischen Bürger und Behörde haben zugegebenermaßen auch was mit Battlestar Galactica gemein *lol*)

Vorbereitende Maßnahmen:
1. Rechtsschutzversicherung inklusive Sozialrecht.
2. Auf Tacheles e.V. und anderen Seiten informieren.
3. So schnell, wie ... hartzen
4. Immer an §1 denken.

§1: Immer alles nur schriftlich oder mit einem Zeugen erledigen.


Gruß
Holo
 

Leik

Meister
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holo schrieb:
Hallo, Leik ... also so ganz verstehe ich den Beitrag nicht.

Nach meinem Wissensstand gibt es 300 € für zwei Jahre Elternzeit - 450 € bekommt man für ein Jahr. Dazu muss man sich halt bei Beantragung entscheiden.

Was Du meinst, heißt Erziehungsgeld. Das stimmte auch noch bei unserem ersten Sohn (2003), seit es Elterngeld heißt, gibt es das nur noch ein Jahr.

holo schrieb:
Vom derzeitigen Status her - so ich das recht verstanden habe - bekommt ihr also dein Einkommen, 300 € Elterngeld und Kindergeld - womöglich noch einen Miet-Zuschuss. Hinzu kommt, dass deine Frau nicht mehr arbeiten geht.

Mietzuschuss bekommen wir nicht.

holo schrieb:
Nun verstehe ich nicht, weshalb ihr nicht hartzen dürfen solltet.

Das verstehe ich auch nicht, aber ich habe ein Schreiben vom zuständigen Amt in dem sinngemäß steht: Wir bekommen kein Hartz 4, weil ich schon eine Ausbildung habe, und ich soll doch bitte mein Studium abbrechen, wenn ich dann direkt keine Arbeit finde, kann ich gerne nochmal Hartz 4 beantragen. o_O

Wenn ich Zeit und Lust hätte, würde ich Dir das Schreiben auch raussuchen, falls Du mir nicht glaubst.

holo schrieb:
Hartzen kann man, solange man arbeitsfähig ist.
Es sei denn man bekommt Bafög.

holo schrieb:
Nun die Miete. Angemessener Wohnraum (ca. 85m² * unterdurchschnittliche Kaltmiete pro m² in deiner Region)

Wir haben sogar nur 70 qm.

holo schrieb:
Zum Beispiel: 450 € Kalt
Nebenkosten: 250 €
Heizung: 100 €

Das passt.

holo schrieb:
Vorbereitende Maßnahmen:
1. Rechtsschutzversicherung inklusive Sozialrecht.
2. Auf Tacheles e.V. und anderen Seiten informieren.
3. So schnell, wie ... hartzen
4. Immer an §1 denken.

§1: Immer alles nur schriftlich oder mit einem Zeugen erledigen.

Gruß
Holo

Das ist doch mal ein Wort. :-%:

Danke. 8O
 

Hank_Gee

Geselle
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Leik schrieb:
Erstmal Danke für die Antworten.

@Insular Mind

Über Auswandern habe ich auch schon nachgedacht. Wäre ich alleine, würde es mich auch gar nicht stören. Englisch beherrsche ich ziemlich gut, nur leider sind scheinbar im Ausland nur handwerkliche Berufe gefragt. Darüberhinaus möchte ich meine Frau und "meinen Großen" (5 Jahre) nicht aus dem gewohnten Umfeld reißen. Ich selber habe eh nur oberflächliche Bekanntschaften, aber meine Familie hat bei uns im Viertel schon "echte" Freunde. So egoistisch bin ich dann doch nicht. :wink:
Wobei, wenn Sie zustimmen würde, würde ich ernsthaft nachdenken.
Ich habe allerdings schon oft gehört: "Wer es im Heimatland zu nichts bringt, der sollte nicht auswandern, weil er es im fremden Land auch zu nichts bringt." Vllt. ist da was wahres dran, aber überprüfen kann ich es ja auch nicht. :wink:

Wenn man diversen Berichten in Fernsehen, Zeitschriften und Zeitungen (jetzt nicht nur die Bild...) Glauben schenken darf, so haben manche Deutsche tatsächlich ihr berufliches Glück gefunden. So erinnere ich mich an eine Krankenschwester. Die nach England überwechselte und bereits nach kurzer Zeit in eine höhere Position aufstieg. Etwas, das - ihren eigenen Angaben zufolge - im deutschen Klinikbetrieb überhaupt nicht mehr zu erwarten war.
Steht natürlich jetzt nicht für alle - und ohne welche, bei denen die Flucht gründlich in die Hose geht, hätte sich zu den vielen Sendungen ("Mein neues Leben XXL",...) sicher nicht gleich auch noch eine gesellt, die das Ganze in der umgekehrten Richtung ("Die Rückwanderer") zeigt. Gibt eben wirklich keine Garantie, das es einem danach besser geht.

Aber noch was: Dieser "Brain-Drain" (ausgebildete Fachkräfte wandern aufgrund mangelnder Perspektiven ins Ausland ab) hält ja schon einige Jahre an. Sogar mir (als einfachem Mitarbeiter im KFZ-Wesen) wurde schon mehrfach der Vorschlag gemacht. Ein Weg, den ich angesichts der verheerenden Entwicklungen hierzulande auch gern angetreten hätte.
Nur leider sind meine Englisch-Kenntnisse wahrlich bescheiden. Und gerade mit dem Erlernen von Fremdsprachen hapert es derart, das ich notgedrungen stets nur abgewunken habe...

@JimmyBond

Diejenigen die dafür verantwortlich sind, haben doch eh ausgesorgt. Die wissen gar nicht was "Zweitjob" und "Existenzminimum" wirklich bedeutet... Die gehen ja nicht mal mehr im Supermarkt einkaufen. Dann wüssten "die" nämlich, das man vor noch ein paar Jahren knappe 70 Euro für einen Familieneinkauf, vor einem Jahr knappe 80-90 Euro bezahlt hat und mittlerweile unter 125 Euro den Kühlschrank gar nicht mehr voll kriegt...

Ganz richtig! So sorgte unlängst bei mir im "schönen" Bayernlande eine Zeitungsmeldung für eine kurze Welle der Empörung. Ministerpräsident G. Beckstein erklärte doch allen Ernstes einem Journalisten, das er vor kurzem eher zufällig mal selbst tankte. Und wie ungeheuer erstaunt er war, das der Sprit derart teuer geworden war...

Tja - das passiert halt, wenn man es immer nur Chauffeur und Leibwächtern überläßt, die überschwere Panzerlimousine aufzufüllen und nie die Rechnung dafür zu Gesicht bekommt. Oder sich damit von einem reichgedeckten Bankett zum anderen kutschieren läßt. Beziehungsweise der Hausfrau/Köchin für den Einkauf mühelos eine Summe zur Verfügung stellt, von der selbst Familien mit zwei schwer arbeitenden Elternteilen als Gesamtverdienst nur träumen können.

So bleibt dann nur das Wort ABGEHOBEN, das unsere politische Kaste bestens umschreibt. Und warum das immer so bleibt, zeigt dieser satirische Beitrag am besten:

http://www.youtube.com/watch?v=yaeJxlhzdP4

Dann schalte ich nach dem Einkauf den Fernseher ein und höre das "die Steuerzahler" um Milliarden entlastet werden sollen. (das sind das 2,50 Euro mehr für mich, da ich zuwenig verdiene um überhaupt nennenswert Steuern zu zahlen). Tarifverträge (die für viele gar nicht gelten, da sie in kleinen Firmen ohne Tarifverträge arbeiten) werden ausgehandelt, in denen es Lohnsteigerungen von 1,78% gibt. Auf der anderen Seite wird Benzin aber um 2 cent pro Woche teurer (15% und mehr)...Strom und Gas ebenso...
Ich frage mich, wann ich einen Offenbarungseid leisten muss, da ich jetzt schon Angst davor habe, meine Bafög-Schulden zurückzuzahlen...

o_O

Den Fernseher lasse ich in letzter Zeit möglichst aus. Um meinen Blutdruck ist es ohnehin nicht zum Besten bestellt. Und wenn ich dann in einer Talkshow vorgesetzt bekomme, das ein (mir völlig unbekannter) Politiker der Grünen locker auf 100.000 Euro Einkommen pro Jahr kommt oder die ohnehin ach so geschröpften Reichen bereits für über 70 Prozent der gesamten Steuereinnahmen verantwortlich seien, rast mein Herz vor purer Freude.
Und dann wird einem noch frech in einem eingeblendeten Beitrag gezeigt, das eben genau deswegen solche Idole wie Schumi es sich dewegen lieber in der Schweiz behaglich machen...
 

holo

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Leik schrieb:
Was Du meinst, heißt Erziehungsgeld. Das stimmte auch noch bei unserem ersten Sohn (2003), seit es Elterngeld heißt, gibt es das nur noch ein Jahr.
Da reden wir von zwei Welten ... aber das ist okay. Ich schrieb ja bereits, dass ich deine Voraussetzungen noch nicht so recht einordnen konnte.

Leik schrieb:
Das verstehe ich auch nicht, aber ich habe ein Schreiben vom zuständigen Amt in dem sinngemäß steht: Wir bekommen kein Hartz 4, weil ich schon eine Ausbildung habe, und ich soll doch bitte mein Studium abbrechen, wenn ich dann direkt keine Arbeit finde, kann ich gerne nochmal Hartz 4 beantragen. o_O
Und damit ist auch der zweite Punkt geklärt. Klar. Mit Bafög ist das nicht.

Damit stellt sich dann eben die Frage, ob du dein Studium beendest oder deine Frau in eure Zukunft investiert und dich studieren und selbst arbeiten geht.
In meinem Kreis haben sich zwei Frauen entschieden, nach einem Vierteljahr wieder arbeiten zu gehen. Ist nicht schön, ist nicht erstrebenswert - aber möglich.

Wenn du also dem Arbeitsmarkt mit Studienabbruch zur Verfügung stehst, dann kannst dich auch anstellen. Das kenne ich auch so.

Aber deine Konstellation ist mir neu. Denn Frau und Kinder sind ja offenbar hilfebedürftig. Da würde ich doch glatt mal recherchieren, ob deine Familie einen Anspruch hätte und ob das nur daran fest gemacht wurde, dass du studierst. Und wenn der Verwaltungsakt unrecht war, dann kannst du versuchen, eine Neubearbeitung erzwingen - notfalls per Klage.
Dann solltest allerdings beachten, dass es ggf. auch den Weg einer Feststellungssklage (nennt sich so, wenn ich nicht irre) gibt. Dann erstellt das Gericht quasi den Bescheid gleich mit.
Hat einen entscheidenden Vorteil:
Wenn du einen Anwalt konsultierst und dieser die Arge anschreibt, dann wird sie in der Regel schnell tätig. Aber:
In diesem Fall klebst du auf den Anwaltskosten, da es ja nicht mehr zu einer Klage kommt. Das Beispiel kenne ich von Klagen wegen Untätigkeit gegen die Arge.
Wenn nun aber das Gericht gleichfalls mit der Berechnung beauftragt ist, dann muss zwangsläufig das Verfahren eröffnet werden ... und du sitzt eben nicht grundsätzlich auf den Anwaltskosten.
Nur so´n Tipp ...

Gruß
Holo
 

Zerch

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Letztendlich bringt Flucht ins Ausland auf Dauer auch nichts , da wir ein globales , statt nur ein nationales Problem haben.
 

agentP

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Auf Dauer muss es ja nix bringen, 30-40 Jahre reichen völlig, ich hab ja nicht vor ewig zu leben. :roll:
 

Leik

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@ holo

Mittlerweile ist es ja eh zu spät. Ich arbeite ja nun seit einiger Zeit wieder. Die Schulden wurden zum Ende des 4. Semesters einfach zu groß. Bafög-Schulden noch gar nicht eingerechnet...da wird ja demnächst auch ein Bescheid kommen, mit der Bitte um Rückzahlung. :why?:

Fehlinvestition muss ich das wohl nennen. :don:

Hilft ja nun auch nichts, sich zu beschweren. Aber weiter kann es so doch nicht gehen. Statt Lebensqualität mit dem Alter dazu zu gewinnen, wird es immer weniger. Am Ende steht man dann da und muss zusehen, wie man mit seiner kleinen Rente überlebt?!?!

@agentP

Ewig will ich sicherlich auch nicht leben. Aber stimmt schon, 30-40 Jahre sollte es eigentlich schon bergauf gehen... 8)
Ich möchte meinen Kindern ja auch nicht nur Schulden hinterlassen.

Gruß,
Leik
 

agentP

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Hallo Leik,
das bezog sich auch ausschließlich auf die Einwände bezüglich des Auswanderns und natürlich sollte es dann bergauf gehen, um weiter dahinzudümpeln wandert man ja nicht aus. ;-)
 

Zerch

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Wie sollte es für einen egozentrischen "Bergaufmarsch" günstig sein wenn die ganze Welt bald hungern , vergiftet , oder gar den Auswirkungen eines neuen Weltkrieges unterliegen wird ?
 

Jadath

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Ich bin wahrscheinlich gleich der Arsch in diesem Thread, aber wieso man in der Lage als Student mit Frau und Kind sich auch noch ein zweites Kind zulegen muss... es ist ja nicht so, dass es keine Möglichkeiten gäbe, eine Schwangerschaft zu verhindern. Wie man sich sehenden Auges in so eine Lage bringen kann, ist mir absolut unverständlich. Das macht die Lage jetzt natürlich auch nicht besser, aber nun über alles zu jammern, wenn man es selbst verursacht hat, das finde ich schon übertrieben.

Was das Auswandern betrifft, genau das habe ich 2003 getan und wohne seit dem in England. Hier ist auch nicht alles toll, die Sozialleistungen in Deutschland sind im Vergleich zu GB noch immer Luxus, so hart das für Hartz IV-Empfänger in D klingt. Allerdings hat man 100x mehr Möglichkeiten, sich selbständig zu machen mit 1% der bürokratischen Hürden, die man in Deuschland hätte.
 

ConspirIsee

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Jadath schrieb:
Ich bin wahrscheinlich gleich der Arsch in diesem Thread, aber wieso man in der Lage als Student mit Frau und Kind sich auch noch ein zweites Kind zulegen muss...

Der gedanke kam mir auch bereits und wenns ein wunschkind war, wars ein denkbar schlechtes timing..
 

Hans_Maulwurf

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ConspirIsee schrieb:
Jadath schrieb:
Ich bin wahrscheinlich gleich der Arsch in diesem Thread, aber wieso man in der Lage als Student mit Frau und Kind sich auch noch ein zweites Kind zulegen muss...

Der gedanke kam mir auch bereits und wenns ein wunschkind war, wars ein denkbar schlechtes timing..

Da habt ihr beide sicher recht, aber:
Konfuzius schrieb:
Und tatsächlich damit habt ihr euch imho tatsächlich zum Threadarsch gekrönt. Irgendwann in seiner Kindheit sollte man gelehrnt haben Leuten die am Boden liegen nicht auch noch in die Rippen zu treten.

Oder als zitierfähiger Aphorismus:
Martin Kessel schrieb:
Es gibt Besserwisser, die niemals begreifen, daß man recht haben und ein Idiot sein kann."
 

Jadath

Lehrling
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Wo trete ich denn in die Rippen? Ich habe doch geschrieben, dass die Lage jetzt auch nicht mehr besser wird, wenn man wie ich darauf hinweist, dass ein zweites Kind in so einer Lage keine gute Idee war. Dennoch sollte man hier nicht nur bedauern und über das böse Deutschland meckern, sondern auch die Ursachen der Lage bedenken.

Leik schrieb:
Ich musste letztes Jahr im August nach 2 Jahren (4 Semestern) mit dem studieren aufhören, da unser zweiter Sohn geboren wurde, und ich trotz Bafög und Nebenjob einfach den Unterhalt für die Familie nicht mehr finanzieren konnte

Ich kann verstehen, dass er nach Rat sucht, klar. Die Situation jetzt ist ja auch nicht gut. Aber das er bei einer selbstgeschaffenen Notlage dann anfängt, über "die Verantwortlichen"zu klagen und über die Preise und quasi Deutschland allgemein, das ist unverständlich.

Ich war selbst über ein Jahr lang Sozialhilfe-Empfänger, ich weiß, wie es ist, wenn man kein Geld mehr hat, um sich Brot zu kaufen, ich hatte wochenlang keinen Strom, weil er gesperrt war. Aber verantwortlich für mein Leben und meine Lage war immer noch ICH.
 

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