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Homosexualität als mittel der evolutionären limitierung

Dieses Thema im Forum "Philosophie und Grundsatzfragen" wurde erstellt von Mundwerk92, 6. Juli 2009.

  1. Mundwerk92

    Mundwerk92 Anwärter

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    Ist es möglich, dass Homosexualität ein Mechanismus zur Limitierung einer Spezies ist? Dies soll keinstenfalls die Diskriminierung fördern-noch ist es homophob gemeint. Mich würde lediglich interessieren ob an dieser Theorie etwas wahres dran sein könnte!
     
  2. antimagnet

    antimagnet Forenlegende

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    außer gott dürfte es wohl keinen geben, der einen solchen mechanismus planen und in betrieb halten könnte...
     
  3. Mundwerk92

    Mundwerk92 Anwärter

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    muss es denn gleich gott sein? es gibt doch genug mechanismen die das überleben einer spezies sichern. also warum sollte es keine geben die das gegenteil bewirken?
     
  4. haruc

    haruc Ehrenmitglied

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    Ich halte den Gedanken, dass die Evolution einen Mechanismus einbaut, um die Fortpflanzungsgeschwindigkeit einer Spezies zu limitieren für ziemlich absurd. Warum sollte es zweckmäßig sein, die möglichst rasche Verbreitung einer Art zu verhindern? Damit sie es schwerer hat, zu überleben? Wohl kaum.
    Zumal das bei solchen Arten wie dem Menschen noch aus einem anderen Grund ziemlich unsinnig wäre, da, wie eventuell bekannt sein dürfte, der Mensch sich nicht besonders schnell reproduziert, verglichen mit beinahe allen anderen Lebewesen. (Ja Wale und Elefanten mal ausgenommen...)
    Deshalb sollte es der Natur eigentlich daran gelegen sein der Ausbreitung der menschlichen Rasse möglichst keine Steine in den Weg zu legen.

    Die These, dass Homosexualität eine Art Regulator für die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Spezies Mensch darstellt, kann man sogar ins genaue Gegenteil verkehren (und dann wird das ganze sogar logisch nachvollziehbar!):

    These: Homosexualität war ursprünglich ein Beitrag dazu, das Überleben der Art zu sichern.
    Warum? Nun, betrachten wir uns die Lebensverhältnisse der damaligen Zeit: Die Nahrungsgrundlage musste weitgehend durch Jagd sichergestellt werden, ergänzt wurde der Speiseplan durch gesammelte Früchte, sofern die Jahreszeit das erlaubte. Landwirtschaft gab es damals noch nicht.

    Das alte Bild vom Mann der das Mammut erwürgt und der Frau die in der Höhle auf das Feuer aufpasst und sich um die Pimpfe kümmert ist nicht mehr ganz aktuell, aber die Befunde sprechen dafür, dass Männer den Großteil der Jägerschaft stellten, wodurch sie auch einem erheblich größeren Risiko ausgesetzt waren, auf der Jagd, durch Unfälle, Unwetter oder Krankheiten das Leben zu verlieren.
    Wenn der Ernährer einer Familie - sagen wir vom Säbelzahltiger- erwischt wird, wäre es ja ziemlich doof, wenn niemand da wäre, der an seine Stelle springen könnte. Und da kommt der schwule Bruder ins Spiel. (Sofern der nicht schon vorher hops gegangen ist)

    Etwas allgemeiner: Ein homosexueller Mann verspürt aller Wahrscheinlichkeit nach weniger die Neigung, mit einer Frau Nachwuchs zu zeugen als ein heterosexueller Mann wodurch der Homosexuelle quasi auf der Ersatzbank sitzt für den Fall dass irgendwo ein Familienvater das Zeitliche segnet.

    Irgendwann galt es dann sogar als chic, schwul zu sein. Aber das antike Griechenland ist ja bekanntlich von den Römern überrannt worden. (Wobei die Frage offen bleibt, ob "Knabenliebe" im Altertum wirklich als "homosexuell" bezeichnet werden kann, oder ob es einfach ein gesellschaftlich akzeptiertes Mittel war, gewissen Drücken nachzugeben, ohne dass die beteiligten eine sexuelle Abneigung gegenüber Frauen gehabt haben müssen.)
     
  5. antimagnet

    antimagnet Forenlegende

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    welche mechanismen meinst du denn?
     
  6. Mundwerk92

    Mundwerk92 Anwärter

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    mir würde da als erstes altruismus in den kopf kommen
    oder siehst du das anders?
     
  7. luisz

    luisz Großmeister

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    im tierreich würde mir der mechanismus einfallen bei nahrungsknappheit oder platzmangel weniger bis gar keinen nachwuchs zu bekommen.

    soll jetzt nicht als antwort auf die threadeinleitung gelten, is mir grad nur spontan auf die frage/behauptung eingefallen.

    belege habe ich jetzt keine parat, erinnere mich aber das mal gelesen zu haben und bei meinen aquarien früher war das bei manchen fischen glaube ich auch der fall. ;)

    oder täusche ich mich jetzt total.. ach ich weiss nicht mehr :?
     
  8. agentP

    agentP Forenlegende

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    Wer sagt denn überhaupt, dass Homosexualität die Fortpflanzung verhindert? In unserer Gesellschaft mag das meistens so sein, weil wir grundsätzlich kein Problem damit haben die Fortpflanzung sein zu lassen. Immerhin haben wir auch Mönche und Verhütungsmittel erfunden. Aber ich wäre vorsichtig damit, das pauschal auf unsere ganze Art zu übertragen. In Gesellschaften die da kulturell anders gestrickt sind, werden womöglich auch Homosexuelle eher mal für Nachwuchs sorgen. Wir Menschen sind da ja verhältnismässig flexibel wenn die Notwendigkeit besteht, wenn man z.B. den üblichen Schauergeschichten aus Gefängnisduschräumen glauben schenkt.
     
  9. vonderOder

    vonderOder Ehrenmitglied

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    ist da wirklich jemand der Meinung das Homosexualität eine 'Krankheit' ist die der Menschheit gefährlich werden kann? na ja, und bi-sexuelle haben wohl die größere Auswahl.

    weder das schwul noch lesbisch sein, wird das überleben der Menschheit gefährden. da gibt es andere Faktoren, die die Gefahr der Ausrottung der Menschen garantieren könnten.
     
  10. agentP

    agentP Forenlegende

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    Wer hat denn von Krankheit gesprochen?
     
  11. Mundwerk92

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    hat niemand und sollte auch niemand. zu agentP: homosexualität ist auch im tierreich verbreitet und sorgt frei ausgelebt wohl eher zu keinem nachwuchs.
     
  12. Mundwerk92

    Mundwerk92 Anwärter

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    vo gefährden ist auch keine rede.
     
  13. Ein_Liberaler

    Ein_Liberaler Forenlegende

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    Männliche Homosexualität ist für den Nachwuchs ja uninteressant, da die Weibchen der limitierende Faktor sind. Gibt es Fälle weiblicher Homosexualität im Tierreich, die die Fortpflanzung verhindert?
     
  14. agentP

    agentP Forenlegende

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    Ja? Bei welchen Tieren denn? Bonobos z.B. treiben´s ziemlich bunt, aber queer (sic!) durch den Gemüsegarten und nicht ausschliesslich gleichgeschlechtlich.
     
  15. Mundwerk92

    Mundwerk92 Anwärter

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    rennechsen der gattung Cnemidophorus, flamingos, vampier-fledermäuse, giraffen, pinguine und schafe
     
  16. Mr. Anderson

    Mr. Anderson Ehrenmitglied

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    Der Teufel steckt hier vermutlich in der Formulierung "zur Limitierung einer Spezies", weil dadurch irgendwie eine bestimmte Absicht unterstellt wird.
    Ich habe eher die Theorie, dass Homosexualität nur eine der möglichen Ausprägungen der Eigenschaften im Gesamtmodell "Mensch" ist, das sich als Gesamtkonzept als evolutionstechnisch erfolgreich erwiesen hat.
    Ob durch diese Eigenschaft jetzt irgendein konkreter evolutionstechnischer Vor- oder Nachteil erzielt wird, wage ich aber irgendwie zu bezweifeln, denn es reicht ja locker aus, wenn ca. 95% (oder wieviel auch immer es genau sind) der Exemplare einer Art zumindest auch auf das andere Geschlecht "stehen".
     
  17. agentP

    agentP Forenlegende

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    Tolles Beispiel: Diese Echsen sind eine sogenannte Weibchenart, sprich es gibt keine Männchen dieser Art. Dummerweise pflanzen sie sich trotzdem eingeschlechtlich fort.

    http://www.genderwiki.de/index.php/Geschlechterkonstruktion_in_der_Biologie

    Und bei den anderen ist es so, dass die ausschliesslich gleichgeschlechtliche Partner bevorzugen? Kann ich das nachlesen? Bei den Schafen meine ich mich zu erinnern, dass es da auch vom Angebot abhäng.
     
  18. Edo

    Edo Großmeister

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    Eher nicht, weil
    A: Alle Mänchen in Konkurenz zu einander stehn, da gibt es kein "Gesamtmodell".
    Desswegen prügeln sich andere Tierarten(auch manche Menschen) um Weibchen.
    Wenn dann müsste (änlich wie bei den Lemingen) bei Überpopulation und bei zu wenig Ressourcen ein Massensterben ausgelöst werden.

    Ich seh da eher ähnlichkeiten mit Pädophelie, nur ist das eine in der Gesellschaftz als abartike Krankheit oder psychische Störung gebrandmarkt und das ander hat sich als "normal" etabliert. Ich will jetzt nicht beides gleichstellen. Aber Homosexualität war bis vor 20 Jahren von Psychologen als Geisteskrankheit angesehn.

    Was ich sagen will ist das bei beiden Typen die Fortpfalnzung nicht gewährleistet ist, da sich auch Pädophile( nach Wiki) an Kindern vor der Pupertät.

     
  19. haruc

    haruc Ehrenmitglied

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    Zwischenresumee:

    1) Dass Homosexualität die Ausbreitung einer Spezies verhindern KANN dürfte klar sein - vorausgesetzt, dass es a) nicht genügend heterosexuelle Männchen gibt und b) weibchen wegen einer eventuellen homosexualität keinen Nachwuchs zeugen.

    2) Dass Homosexualität ein Mechanismus ist der die Ausbreitungsrate einer Spezies verringern soll ist in meinen Augen Unsinn.

    Würde homosexuelles Verhalten wirklich dazu beitragen, dass die Spezies nicht allzuschnell wächst, weil homosexuelle Tiere keinen Nachwuchs zeugen, dann würde ja Homosexualität - vorausgesetzt sie wird vererbt worauf z.t. einiges hindeutet - früher oder später verschwinden, weil sich das "Homo-gen" von selbst aus dem Genpool entfernt.

    Daraus kann man den Schluß ziehen, dass Homosexualität im Tierreich
    erstens nicht dazu führt, dass homosexuelle Individuuen keinen Nachwuchs zeugen und zweitens somit keinen limitierenden Faktor darstellt, sofern man annimmt, dass die Mehrheit der Homotiere sich dennoch Fortpflanzt.


    Außerdem zeigen auch Tiere ein homosexuelles Verhalten, die es gewöhnlich nicht tun.

    Daraus könnte man die Frage ableiten ob nicht auch im Menschen generell irgendwie eine Anlage liegt, sexuelle Handlungen auszuführen, bei denen keine Rücksicht auf das Geschlecht des Sexualpartners genommen wird, diese Anlage aber durch den sozialen Kontext aber irgendwie "abtrainiert" wird.

    Ich meine es gab ja mal Zeiten in denen es gang und gäbe, dass sich die Herren gegenseitig in den Po geeumelt haben. Und selbst im 17. Jahrhundert finden sich für Deutschland Schilderungen Homosexueller Handlungen, die durchaus als nicht unnormal gewesen zu sein scheinen.
    (--> Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch, Die Stelle an der die Bauern den Soldaten "den Arsch lecken" müssen oder die ständige Erwähnung von "huren und buben")
     
  20. agentP

    agentP Forenlegende

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    Wie der Liberale schon angemerkt hat sind die Männchen in Hinblick auf die Geburtenkontrolle, egal welcher Art, nicht allzu wichtig.
    Stell dir mal, stark vereinfacht, eine Population vor mit 101 Individuen und einer Tragezeit von sagen wir 1 Jahr, die immer nur ein Junges auf einmal austrägt. Sind´s nur 1 potentes Männchen und 100 Weibchen sind immer noch 100 Junge pro Jahr drin . Sind´s 100 Männchen und nur ein Weibchen, dann ist maximal ein Junges pro Jahr drin (und das Weibchen vermutlich sehr zu bedauern ;-)).

    Was den Menschen anbelangt kann man entweder vermuten Sex dient ausschliesslich der Fortpflanzung, dann ist Homosexualität nicht mehr oder weniger am Punkt vorbei wie Sex nach den Wechseljahren oder die Benutzung von Verhütungsmitteln oder jeder Sex ohne Penetration oder man geht davon aus, das Sex noch andere wichtige Aspekte hat, wie z.B. das Stärken von sozialen Bindungen, etc. dann erfüllt auch Sex der nicht der Reproduktion dient eine ebenso wichtige Funktion für das Überleben des Einzelnen oder meinetwegen der Art (wenn man noch an K. Lorenz et. al. hängt) wie z.B. der bereits genannte Altruismus. Und obwohl ich katholisch sozialisiert bin, tendiere ich eher zur zweiten Deutungslinie.