Boykottiert die Musikindustrie!

haruc

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Es gibt Subito, einen Literaturlieferdienst. Früher hat man via Formular ein Paper angefordert und bekam es postwendend per email als PDF.
Heute schicken die einen den Ausdruck per Post... dauert ne Woche.
Ja ganz am Anfang meiner Studienzeit konnte ich bei Zeitschriften noch direkt aus em Bibliothekskatalog per click den gewünschten Artikel als PDF zuschicken lassen... Is nimmer dank verschärftem Urheberrecht (vermutlich legitimiert dadurch, dass in Thailand leute illegal MP3s downloaden).

Heute muss ich für so eine "Fernleihe" eine Fehleranfällige verbuggte Website nutzen, wo ich allerhand Angaben machen muss. Dann läuft zb. in der UniBib von Bordeaux ein Mitarbeiter ins Magazin, holt den entsprechenden Band, scannt den Artikel ein und schickt den als PDF an meine Bibliothek. Die nimmt sich dann weitere 2-4 Tage Zeit um den Auszudrucken. Alles in allem nicht mal 2 Wochen gebraucht für etwas, was vor 3 Jahren nur 2 Sekunden gedauert hat. Das nenn ich mal echten Fortschritt!
 
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1.560 Prozent Tariferhöhung
Die GEMA und andere Verwertungsgesellschaften kassieren ab dem 1. Juli deutlich mehr Geld für USB-Sticks und Speicherkarten
Für welche Gegenleistung zahle ich diese Gebühren nochmal? :don:
 

haruc

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Witzigerweise bezahlt man ja auch für Smartphones, PCs, Drucker, Scanner, Cd-Brenner, DVD-Brenner, Rohlinge und externe Festplatten eine Zwangsabgabe an die GEMA, quasi als "Vorauszahlung" für eventuell theoretisch vielleicht (man weiß es nicht mit letzter Sicherheit) in Zukunft vom Käufer vorgenommene Raubkopien... Das ist vom Prinzip her etwa so, als würde man jedes Kind männlichen Geschlechts mit Erreichen der Geschlechtsreife erstmal 2-3 Jahre wegen Vergewaltigung in den Knast stecken. Weil er hätte ja theoretisch das "Werkzeug" dazu.
 

hives

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Hier noch ein Link zum Thema - es sind offenbar sogar bis zu 1.850 Prozent. Mir fehlen derzeit die Worte für eine Bewertung dieser Vorgänge.

Im einzelnen erhöht sich die Abgabe für Sticks und Karten mit einer Kapazität von bis zu vier Gigabyte von 8 bis 10 auf 91 Cent, für Sticks mit einer Kapazität über vier Gigabyte auf einen Euro und 56 Cent und für Speicherkarten mit mehr als 4 Gigabyte sogar auf einen Euro und 95 Cent.
1.850 Prozent Tariferhöhung

Jedenfalls werde ich in Zukunft auf den Kauf neuer Speichermedien weitestgehend verzichten und stattdessen vermehrt das Internet als Datenspeicher nutzen. Das habe ich mir sowieso schon halbwegs angewöhnt, da ich gerne USB-Sticks vergesse :lol:
Mal abwarten, wo die Reise noch so hingeht - meine Boykott-Liste ist im Unterhaltungsbereich durchaus erweiterbar. Bring it on!
 
G

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Zwei Drittel der Ausschüttungen an die GEMA Mitglieder (199,2 Mio €) erhielten die lediglich etwa 3.400 ordentlichen Mitglieder (darunter 506 Musikverlage, u.a. Verlage die im Besitz von Universal, Sony,Warner und EMI sind). Wie hoch der Anteil der Verlage an den 199,2 Mio € ist, das hält die GEMA geschickterweise natürlich geheim (er dürfte aber 25 – 35% betragen). Zu den ordentlichen Mitgliedern zählen u.a. Musikschaffende wie Dieter Bohlen und Stefan Raab.


Die 54.000 nicht stimmberechtigten ‘ausserordentlichen’ GEMA Mitglieder (‘die kleinen Fische’) erhielten pro Nase im Schnitt ca 1200€ an jährlicher Ausschüttungsbeteiligung (entspricht ca 100€ monatlich). Davon ab geht eine 25€ hohe Jahresmitgliedsgebühr, eventuell anfallende Einkommenssteuer und natürlich der Arbeitsaufwand (Formulare ausfüllen), um überhaupt an den GEMA Ausschüttungen beteiligt zu werden. Der allergrößte Teil der bei der GEMA angemeldeten Musikschaffenden in Deutschland erzielt demnach mit ihrem Anteil an den GEMA Ausschüttungen kaum wirkliche Einnahmen und hat bei der GEMA absolut Null zu sagen. Die Ausschüttungen an die 54.000 ausserordentlichen Mitglieder gingen 2010 gegenüber 2009 um sage und schreibe 25% zurück.

Die Gesamtausschüttungssumme der GEMA belief sich im Jahr 2010 auf 735 Mio €.
Da die GEMA Mitglieder 299,9 Mio € der Gesamtausschüttungssumme erhalten haben und 60 Mio an andere deutsche Verwertungsgesellschaften gehen, muss der Rest an Berechtigte im Ausland abgeflossen sein. Das waren 2010 immerhin 375,1 Mio € (51,0% der Gesamtausschüttung). Das Wachstum der Geldüberweisungen an das Ausland gegenüber dem Vorjahr betrug satte 16%.
Nur 49% der GEMA Ausschüttungen verbleiben demnach bei deutschen Musikschaffenden und Musikverlagen, 51% erhalten Ausländer überwiesen, für die die GEMA stellvertretend die Vergütungen einsammelt.
http://www.oljo.de/blog/musikvideo-sperrungen-gema-youtube-hacker-legen-gema-website-lahm/
 

Simple Man

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medienboard Berlin-Brandenburg GmbH: "Auswirkungen digitaler Piraterie auf die Ökonomie von Medien" (PDF)
Untersuchung der Effekte von Urheberrechtsverletzung auf die Film-, Musik- und Games-Wirtschaft in Deutschland und der Region Berlin-Brandenburg
Durch die Digitalisierung und insbesondere das Internet sind Urheberrechtsverletzungen zu einem Massenphänomen geworden. Die vorliegende Studie untersucht den hierdurch in den Branchen Musik, Film und Games verursachten ökonomischen Schaden. Hierzu wurden zahl-reiche internationale Studien herangezogen, Prädiktoren und Modelle zur Abschätzung von volkswirtschaftlichen Verlusten entwickelt und durch Experteninterviews und Workshops mit der Praxis kontrastiert. Die zunächst für das Bundesgebiet errechneten Ergebnisse wurden zudem anhand von Marktanteilen in den jeweiligen Mediengattungen auf die Region Berlin-Brandenburg heruntergebrochen.
 

hives

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Mal kurz quergelesen und m.E. ist das Ganze irgendwie nicht sehr überzeugend. Siehe bspw. S. 34:

Auffällig ist die Tatsache, dass gerade die Umsätze derjenigen Plattformen zurückgingen, die ‚anfälliger’ für Piraterie sind.
Wie man das aus der präsentierten Grafik lesen will, ist mir vollkommen schleierhaft. Der einzige bemerkenswerte Rückgang findet m.E. bei den Handhelds ab 2008 statt, und die sind wohl sogar im Vergleich zu Konsolen nicht gerade besonders "anfällig" gegenüber Piraterie. Die "Plattformen" PC-Spiele erleben dagegen einen vergleichsweise sehr geringen Rückgang. Da wird offenkundig der Empirie mit interpretativer Gewalt eine "Theorie" übergestülpt.
Insbesondere die Ausführungen zu Substitutionsraten finde ich unterhaltsam: durch soziale Erwünschtheit u.a. verzerrte subjektive Angaben hypothetischer Art als Maßstab für die Errechnung von wirtschaftlichem Schaden zu verwenden, gaukelt m.E. eine Präzision vor, die vollkommen irreführend ist, was auch die berechneten "Substitutionsraten" zwischen 0 und 67 % schön zeigen... verwendet wird dann halt mal ein Wert, der aus einer Studie stammt, die in Deutschland durchgeführt wurde. Supi! Für DVD-Verleih bspw. 14%, eine andere rezipierte Studie sagt 0%, aber da geht es ja nur um Absichtserklärungen, die zu einer viel zu niedrigen Einschätzung der Raten führen, während man in Deutschland natürlich schon so weit ist, Daten kontrafaktisch zu erheben (kleiner Scherz am Rande).
Lesenswert ist das Ganze jedoch m.E. schon, also danke für den Link - werde es bei Gelegenheit mal genauer anschauen.
 
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Erinnert mich irgendwie an diese "Studien" der Musik,Film und Spiele-Industrie, die aus der Zahl der verkauften CD/DVD Rohlinge ihre "Verluste" hochrechneten.
 

Angel of Seven

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shechinah schrieb:
Erinnert mich irgendwie an diese "Studien" der Musik,Film und Spiele-Industrie, die aus der Zahl der verkauften CD/DVD Rohlinge ihre "Verluste" hochrechneten.
Oder sie gehen davon aus das jede "illegal" runtergeladene MP3 natürlich im Laden gekauft worden wäre und rechnen den Quatsch dann als Verlust hoch.... :p
 

Simple Man

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Warum lädt man eigentlich was runter, was man, eurer Meinung nach, gar nicht haben will?
 

haruc

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Naja, weil "runterladen" günstiger ist/war, als kaufen. Der Wille, Dinge zu besitzen ist tendenziell endlos, das zur Verfügung stehende Geld allerdings nicht.

Deswegen muss man Prioritäten setzen bei der Kaufentscheidung: Man investiert sein Geld nur in das, was einem in diesem Moment den höchsten Nutzen/Gegenwert verspricht. Das heißt nicht, dass man Sachen die man nicht kauft nicht haben will. Man kann sie sich möglicherweise nur nicht leisten, weil andere Dinge eine höhere Priorität haben.

Und gerade im Bereich Musik ists so: Es gibt im Schnitt etwa 5 Alben pro Monat, die ich gerne hätte. Aber ich hab nur Geld für 1 Album alle 6 Monate. Ergo stehen im Schnitt 2 CD-Käufen pro Jahr etwa 58 nicht getätigte Käufe gegenüber. Nicht weil ich die Lieder nicht haben will, sondern weil ich sie mir nicht leisten kann.

Joa, und die Lieder, die ich mir dann nicht kaufen kann, hör ich mir auf Youtube an.

Ich will mein Verhalten jetzt nicht übergeneralisieren, aber ich denke mal, dass das im Ansatz bei vielen recht ähnlich ist.

Viele Alben, die ich mir damals runtergeladen habe, hätte ich mir nie gekauft. Ich wollte halt nur mal reinhören und mir ne Meinung bilden. Viele CDs hab ich mir erst gekauft, nachdem ich das Album runtergeladen hatte (oder zumindest einzelne Lieder).

Ich bin der festen Überzeugung, dass das Modell "maximal Möglicher Gewinn = Verkäufe+Downloads" viele Faktoren ausblendet. Etwa die Fantreue oder sonstige emotionale Faktoren.

Das erkennt man schon daran, dass die Anzahl an illegal heruntergeladenen Liedern um ein Vielfaches größer ist, als der Rückgang der Verkäufe. Was die Musikindustrie annimmt ist, dass zu einem Zeitpunkt, an dem CDs unverschämt teuer waren, die Konsumenten plötzlich und ohne ersichtlichen Grund angefangen hätten, doppelt so viele Einheiten zu kaufen, dieser Zuwachs aber zufälligerweise exakt von der Zunahme illegaler Downloads geschluckt worden wäre... Schon sehr sehr phantasiereich. Das würde nichtmal klappen, wenn man sowas jahrelang planen würde.

Fazit: Nach dieser kurzen Reflexion kann ich zumindest aus meiner Perspektive die These, dass jeder Download ein nichtverkauftes Lied ist, nicht nachvollziehen.

Die Wahrheit liegt wohl eher in dem Bereich, dass Downloads zwar die Verkaufszahlen reduzieren, aber auf der anderen Seite auch neue Verkäufe herbeiführen können. Das genau zu quantifizieren ist wohl unmöglich und wird nur näherungsweise gelingen.

Die Behauptung der Musikindustrie, dass Downloads die alleinige Ursache ihrer Probleme seien, ist aber imho als unhaltbar zurückzuweisen. Aber aus ihrer Sicht halt bequem.
 
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Simple Man schrieb:
Warum lädt man eigentlich was runter, was man, eurer Meinung nach, gar nicht haben will?
1. Weil man kann. Oft geht das Zeugs nach dem ersten rein hören in den digitalen Mülleimer.

2. Weil man es haben will, es sich aber nicht leisten kann.

Käufe die - mangels Kaufkraft der Zielgruppe - nicht getätigt worden wären, können natürlich auch keinen Verlust darstellen.
 

Goatboy

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Schon mal einen Stand gesehen, an dem kostenlos Coca-Cola-Dosen ausgegeben wurden? Und die Traube gieriger Leute davor? Glaubt denn im Ernst irgendjemand, dass jeder dieser Leute gerade auf dem Weg war, sich eine Cola zu kaufen und nur deshalb kostenlos eine angenommen hat?
 

Telepathetic

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Rein technisch gesehen, ist ja bereits das Anhören / Ansehen von Videos im Internet ein Download. Die Statistiken auf YouTube sind allerdings wenig zuverlässig, da Videos automatisch gestartet werden, wenn deren Seite aufgerufen wird und bereits ein lediglich gestartetes Video als einmal angesehen gewertet wird. (Wen das automatische Abspielen stört, mag vielleicht das Firefox-Add-on "Flashblock" verwenden. Auch praktisch, wenn man den Tab einer Video-Seite beim Schließen des Browsers auf lassen möchte.) Man möchte ja vielleicht einfach nur die Kommentare zu einem Video lesen, ohne gleich einen Verlust mehr in einer Hochrechnung zu verursachen.

Die wenigsten Videos wandern über ein Download-Add-on auf meine Festplatte. Video-Portale könnten ihre Software so umstellen, dass offiziell zum Verkauf stehende Angebote ein Mal probegehört / -gesehen werden dürfen. Download-Add-ons werden für diese Angebote von seiten des Seitenbetreibers gesperrt. Wer kaufen möchte, kann mit Hilfe einer Suchmaschine nach einem passenden Händler suchen. Bleibt eventuell das Problem, dass Musik über die Soundkarte aufgenommen werden kann. Da kenne ich mich software-technisch zu wenig aus. Vielleicht kann eine Sperre eingebaut werden, wie man es auf manchen Webseiten mit Bildmaterial erlebt. Wer auf einem der Bilder rechtsklickt, der bemerkt, dass sich das Kontext-Menü nicht öffnen lässt. Wer also versucht, die Tonspur aufzunehmen, dessen Programm wird blockiert.
 

Simple Man

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Mother_Shabubu

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Dabei ging es doch nicht um das Singen, sondern um das Kopieren von Noten. Nach geltendem Urheberrecht ist das übrigens nur mit Zustimmung des Urhebers erlaubt (§53 UrhG), also nicht von der Kopierabgabe gedeckt, außer man schreibt die Noten ab.

http://www.mtmediaportal.de/tendenziose-berichterstattung-uber-die-gema/

Was sich seriöse Medien und Politiker dieser Tage im Bezug auf die GEMA erlauben, grenzt an Rufmord. Noch immer geht es hierbei um die Lizenzabgaben, die vorschulische Einrichtungen für das Kopieren urheberrechtlich geschützen Notenmaterials entrichten sollen. Aber da dies den Herren Journalisten an sich nicht reißerisch genug erscheint, schlagzeilt man frech mit der nachweislich falschen Behauptung, die GEMA wolle, dass Kitas für das Singen von Liedern »Gebühren«1 zahlen.
 
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