10 euro sind wohl nicht genug........

nicolecarina

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bin befreit da chronischer befund. und es hat sich gezeigt: es ginge gar nicht anders.

aber hab ganz schön "gejubelt" am anfang der reform. finds auch jetzt noch hahnebüchend was da geht und hab mich deshalb auch noch mit meiner mutter gestritten, die mich für meine kritik als realitätsfern hinstellt.

dass medizin wie alle anderen dienstleistungen auch geld kostet, streite ich gar nicht ab. was mich wirklich stört an dem gesundheitssystem ist der umstand, dass die kassenärztliche vereinigung - eine lobby, die lebend nicht zu knacken ist wie mir insider erzählten - und krankenkasse ihre machtkämpfchen auf dem rücken des patienten austragen. so gab es vor kurzem einen todesfall, den man wirklich vors gericht bringen sollte, weil die patientin dermaßen heftig um ihre behandlungen und untersuchungen kämpfen musste, schließlich eine kur bekam aber schlussendlich doch gestorben ist. selbst ihr anwalt meinte, es sag grade so aus, als ob die kasse die entscheidungen aus kostengründen hinausgezogen hat. ist es wirklich so, dass wir ein gutgemeintes gesundheitssystem haben, dass immer zynischer wird statt die fortschritte der medizin zu nutzen?

die zehn euro sind es im regelfall wirklich nicht die mich richtig ärgern, sondern die tatsache, dass ein haufen geld da ist, der sowas von vermisswirtschaftet wird.
 

MrMister

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Und ich dachte schon, Kai will die Anti-Werbe-Gebühr schon 3 Tage nach Einführung erhöhen... Da sieht man mal, wie sehr mich die Politik verdorben hat 8O
 

Seifenigel

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MrMister schrieb:
Und ich dachte schon, Kai will die Anti-Werbe-Gebühr schon 3 Tage nach Einführung erhöhen... Da sieht man mal, wie sehr mich die Politik verdorben hat 8O


Hehe aber genau das hab ich auch gedacht :p
 

Imhotep

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So, nun ist ja einige Zeit seit dem letzten Beitrag ins Land gegangen und ich möchte mein Fazit ziehen:

Praxisgebühr = absoluter Schwachsinn!!!

Am Anfang war die Handhabung der Praxisgebühr ja in fast allen Praxen noch recht chaotisch. Einige Patienten bezahlten nicht und man vergass, Sie anzumahnen. Einige zahlten nach Quartalsende oder brachten eine Überweisung aus dem Vorquartal und es gab nochmehr Kuddelmuddel. Dies führte dann soweit, dass in einigen Praxen seitenlange Listen mit fehlenden Praxisgebühren auftauchten und man das alles irgendwie wieder hinbiegen musste. Der Verwaltungsaufwand, ausstehende Praxisgebühren oder Überweisungen "einzutreiben", bereits fertiggestellte Quartalsabrechnungen zu ändern, stand in KEINEM Verhältniss zu dem Nutzen, somit natürlich auch in keinem Verhältniss zu dem Verdienst, den ein Kassenpatient bringt. Von dem zusätzlichen Arbeitsaufwand der kassenärztlichen Vereinigungen ganz zu schweigen.

Und fast alle Praxen handeln mittlerweile gleich:

Hast Du keine 10 Euro - Tschüss
Hast Du keine Überweisung, dann zahle 10 Euro als Sicherheit oder - Tschüss

Das musste so kommen und ist auch irgendwie richtig, denn der ganze Aufwand und die Zeit, die eine Person mit dem Verwalten dieses 10-Euro-Dilemmas hat, sind schlicht und ergreifend nicht mehr tragbar. Aber den Weg, den die Humanmedizin in diesem Fall eingeschlagen hat, ist alles andere als erstrebenswert. Bürokratie steht über den Bedürfnissen der Patienten.
Und das ist alles erst der Anfang, denn weitere derartig "sinnvolle" Maßnahmen kommen noch auf uns zu. Irgendwoher muss das fehlende Geld ja kommen.

Da finde ich, als Kassenpatient, es echt lachhaft wie bei uns gespart wird und wir immer mehr draufzahlen, und bei den privaten Krankenkassen laaaange Zeit keiner nur den Mund aufgemacht hat, wenn Multivitamin-Brausetabletten, Make-up, Sonnenschutz und andere "wichtige" Präparate munter drauf los verordnet wurden und zum Großteil auch noch werden.

Eure Meinung hierzu?
 

Tino

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Hallo Imhotep,

schöne Zusammenfassung. Doch die Frage bleibt, was für ein Gesundheitssystem wollen wir haben und wollen wir finanzieren. Da diese Frage eben nicht mehr eine reine Frage der Humanmedizin ist, sondern vor allem eine politische sollte man sie auch als solche begreifen.

Was wollen wir?
- eine Grundversorgung (doch was da drin und nicht drin ist, da scheiden sich bestimmt schon hier im Forum die Geister)
- ein beliebter Streitpunkt: wieviel Alternativmedizin soll im System etabliert werden
- Krankenhäuser sind teuer, welche Aufgabe haben sie und welche Strukturen brauchen wir zusätzlich, wenn der Patient entlassen wird
- chronische Erkrankungen sind ein Schicksal. Welche Schicksale wollen wir wie gesellschaftlich tragen
- Kriterien nach denen wir entscheiden was gezahlt werden soll
- usw.

Nur ein paar Ideen, als Diskussionsgrundlage. Medizin sollte immer dem Wohl des Patienten dienen, doch der Satz ist schneller geschrieben, als man die Vielschichtigkeit desselben begreift.

Gruß Tino
 

Ein_Liberaler

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Wir haben uns längst entschieden - unser Gesundheitssystem soll kollektivistisch und planwirtschaftlich sein. Alles weitere sind Detailfragen, die am Scheitern des Systems nichts ändern können. Ein marktwirtschaftliches Gesundheitssystem in die Diskussion einzubringen, ist zur Zeit völlig undenkbar.
 

Imhotep

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Es wird auf jeden Fall sehr schwierig werden, eine angemessene Grundversorgung und die persönlichen Belange der Patienten in Zukunft aufrechtzuerhalten. Die Personen, die in der Medizin arbeiten werden wissen, welche Änderungen, auch finanziell, auf uns warten. Der ein oder ander mag denken: "Wenn es um Medizin geht, darf man nicht vom Geld sprechen.", aber es müsste jedem klar sein, dass neben dem Wunsch zu heilen und zu lindern, auch eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus ein Unternehmen ist, welches finanziert werden will. Es steht z.B. ein neuer EBM ins Haus (=Grundlage für die Vergütung von Leistungen durch die gesetzlichen Krankenkassen oder sonstigen Kostenträger). Das bedeutet, besonders für viele Fachärzte, ein Wegfall bestimmter Ziffern, d.h. gewisse Leistungen werden nicht mehr vergütet oder sind schon mit der Ordinationsgebühr abgegolten. Des weiteren kommt sehr sicher ein Wegfall etlicher Facharztpraxen (damit der Hausarzt wieder mehr aufgesucht wird und diese auch mehr Geld bekommen schon heute), es soll zentralisiert werden. Angeblich fällt auch die freie Arztwahl, zumindest im Facharztbereich, womöglich weg, d.h. es gibt bestimmte Ärzte(vermutlich die, die sich halten konnten oder besonders wirtschaftlich gearbeitet) haben, die man in Zukunft nur noch besuchen kann. Und da liegt klar auf der Hand, dass sich mehr als nur ein Arzt ernsthaft die Frage stellt ob sich die Behandlung von Kassenpatienten noch lohnt. Die Kürzungen in den Budgets sind teilweise so gravierend, dass eine Medizin zum Einsatz kommt, die sich zu einem Großteil nach Wirtschaftlichkeitskriterien richtet, ungeachtet des daraus resultierenden womöglich schlechteren Behandlungserfolges. Ich kenne genug Fälle, in denen ein Arzt Patienten ein billigeres, jedoch nicht so wirksames, Medikamentverordnen musste, obwohl das andere, teurere besser wäre. Sicher wird da mal eine Ausnahme gemacht, aber nicht wenige sehen sich dann mit Regressen seitens der Kven/Krankenkassen gegenüber.
Diese Aussichten machen wütend und besorgt.
Klar hätten die Ärzte früher mit ihrer Verschwendungssucht (Massage bei leichten Kreuzschmerzen, Lutschbonbons auf Kassenrezept etc.pp.) aufhören, private Krankenkassen nicht jeden Mist erstatten sollen und auch Patienten nicht ohne Nachzudenken intensives Ärztehopping betreiben sollen, aber nun ist das Kind in den Brunnen gefallen.
 

Ein_Liberaler

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Klar hätten die Ärzte früher mit ihrer Verschwendungssucht (Massage bei leichten Kreuzschmerzen, Lutschbonbons auf Kassenrezept etc.pp.) aufhören, private Krankenkassen nicht jeden Mist erstatten sollen und auch Patienten nicht ohne Nachzudenken intensives Ärztehopping betreiben sollen, aber nun ist das Kind in den Brunnen gefallen.

Was hätte das Sparen gebracht? Wäre etwa Geld für schlechte Zeiten, will sagen heute, angelegt worden? Und inwiefern trägt es zur Misere bei, wenn die privaten Kassen überflüssiges Zeug bezahlen?
 

Imhotep

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Also was dagegen tun? Welche Medizin wollen wir?

Um die Finanzlöcher zu stopfen gibt es viele Ansätze, die auch außerhalb des Gesundheitssystems anknüpfen. Ich will ein Beispiel nennen, auch wenn ich auf Kritik stoße. Der Tsunami war eine schlimme Tragödie, keine Frage. Und Solidarität, Hilfsbereitschaft ist gut und erstrebenswert. Es kamen soviel ich weiß, aus Deutschland 40 000 000 € Spenden. Diese Menschen haben das gegeben, was sie konnten oder wollten, und diese Summe ist seehr hoch, gerade, wo fast bei uns allen der Euro nicht so locker sitzt. 500 000 000 € Soforthilfe aus Deutschlands Kasse halte ich aber dennoch für, na ja, gewagt. Klar ist das super und eine Riesenhilfe für die leidenden Menschen. Wir würden uns das gleiche wünschen in der Situation (und ich fühle mich schon bissl schlecht wenn ich das jetzt kritisiere), aber etwas weniger??? Und dafür ein bisschen mehr um hier den ein oder anderen Mißstand auszubessern? Für mich ist das kein Egoismus, uns geht es ja viel besser als vielen auf dieser Welt, aber auch wir brauchen in so vielen Dinge Hilfe, denn auf Dauer werden die Unzufriedenheit und Zukunftsangst zunehmen und wir ordentlich krank. Diese 500 Mille hätten den Bock vielleicht nicht fett gemacht, aber wo es doch sonst so arg fehlt, sei es in der Arbeitswelt, Schulen, Pflegeheime etc. wird ungern ein Euro locker gemacht. Sollte ich da was übersehen oder falsch verstanden haben, bitte ich um Aufklärung oder Kritik :wink:

Die Integration von alternativen Therapieverfahren, wo es auch belegbare Erfolge gibt, die vielleicht etwas teurer sind, ist in meinen Augen sehr zu begrüßen.

Nur ein Beispiel: ein an schwerer Akne erkrankter Jugendlicher oder Erwachsener wird in der Regel mit lokalen oder systemischen Antibiotika behandelt. Die Medikamentenpreise dafür sind relativ niedrig, einige mit starken Nebenwirkungen behaftet. Oft (ich spreche aus fast täglicher Erfahrung) bleiben unschöne Narben, die Psyche leidet, die Krankheit flackert wieder auf-und daraus resultierende Folgebehandlungen(Psychotherapie, evtl. übernommene Narbenkorrekturen) sind deutlich höher als z.B. eine Fruchtsäurebehandlung. So ein Zyklus geht in der Regel über mind. 8 Sitzungen, hat weniger Nebenwirkungen und greift nicht nur symptomatisch(Ausnahme vielleicht Roaccutan) sondern auch an den Ursachen der Akne, die oft nicht behandelt werden wie Verhornungsstörung und zu fettige Haut. Kostenpunkt ca. 600 € für 10 Sitzungen, Preisunterschiede sind selbstreden auch hier da. Aber es könnte die Entstehung von Narben zum Großteil vermieden werden, weniger psychische Folgeerkrankungen mit den daraus entstehenden Kosten, es gibt weniger Rückfälle und jahrelang Antibiotika zu schlucken ist ja auch nicht unbedingt gesund. Hochgerechnet gäbe es da schon eine in meinen Augen beachtliche Ersparnis. Das sollte jetzt auch nur ein Beispiel sein, also kein Lobgesang auf die Fruchtsäure und es gibt auch sicher Fälle, wo man kombiniert behandelt oder ausschließlich chirurgisch-medikamentös bei sehr schweren Fällen.
Ich hab was Alternativverfahren und deren Kostenersparnis betrifft schon so aberwitzige Dinge erlebt...
Aber krieg das mal in die Köppe der Krankenkassen rein, privat ja, aber gesetzlich???
 

Imhotep

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Ein_Liberaler schrieb:
Klar hätten die Ärzte früher mit ihrer Verschwendungssucht (Massage bei leichten Kreuzschmerzen, Lutschbonbons auf Kassenrezept etc.pp.) aufhören, private Krankenkassen nicht jeden Mist erstatten sollen und auch Patienten nicht ohne Nachzudenken intensives Ärztehopping betreiben sollen, aber nun ist das Kind in den Brunnen gefallen.

Was hätte das Sparen gebracht? Wäre etwa Geld für schlechte Zeiten, will sagen heute, angelegt worden? Und inwiefern trägt es zur Misere bei, wenn die privaten Kassen überflüssiges Zeug bezahlen?

Nun ja, damals war die Situation im Gesundheitswesen ja noch etwas besser und der Budgetrahmen großzügiger. Sprich mal mit Arzthelferinnen, die schon "alte HAsen" sind. In Anbetracht der Lage heute schlagen die bei Ihren Erzählungen über die Verordnungsfreudigkeit damaliger Ärzte die Hände über dem Kopf zusammen. Für jedes Wehwechen Fango, Abgespanntheit Massage, frei käufliche Apothekenware auf Rezept u.s.w. Das über Jahre macht sich schon bemerkbar. Privatkrankenkassen waren und sind in der Kostenübernahme und Erstattung, das muss ich denen zugute halten, sinnvoller, auch alternativer Therapien oder von Medikamenten, wesentlich großzügiger. Das ist auch ok. Es hört aber dann auf, wenn gut verdienende(das sind sie in der Regel) Privatpatienten, sich jeden Pfennigartikel rezeptieren lassen und die PKV sie dann bezahlt. Seien es wie ich schon geschrieben habe, Brausetabletten, Pflaster, Sonnencreme oder sonstiges. Das ist für mich nicht wirtschaftlich. Es gab auch Zeiten, heute eingeschränkt, in denen Schönheits-OP's großzügig erstattet wurden während "normal" Versicherte mit teils gravierenden Defekten hilflos dastanden und stehen. Im Falle eines Privatversicherten appeliere ich da an die eigene Urteilsfähigkeit (Sonnenschutz auf Rezept ja oder nein?), aber da trifft auch die Ärzte eine gewisse Schuld, wenn sie solchen "Kram" verordnen. Und glaub mir, es ist Tatsache das etliche Privatpatienten überdiagnostiziert wurden und werden.
Beispiel: Ambulante präoperative Diagnostik. Diese umfasst neben dem Gespräch inkl. Anamnese etc. beim Kassenpatienten in der Regel eine Blutentnahme. Ab 40 oder bei cardio-pulmonalen Vorekrankungen(für die Laien: Patienten mit Erkrankungen der Lunge und/oder Herz) auch ein EKG und eine Lungenfunktion.
Privatpatienten jeden Alters und jeden Gesundheitszustandes (mit Ausnahme Kleinstkinder und Kiddies) kamen in diesen Genuss, notwendig oder nicht.
Ich will nicht alle Ärzte über einen Kamm scheren, um Gottes Willen, aber solche Dinge gibts und gabs und das die nicht ihren Beitrag zu dem ein oder anderen Mißstand geleistet haben, wage ich zu bezweifeln.

Vielleicht liege ich ja auch völlig falsch und lasse mich gern eines besseren belehren. :D
 

Ein_Liberaler

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Je nun, sparsamkeit ist letztlich ein Wert an sich, aber an der heutigen Situation würde es doch nichts ändern, wenn die Kassen früher sparsamer gewesen wären, oder? Und den Pflichtversicherten entsteht doch kein Schaden, wenn die Privatkassen mit dem Geld aasen, oder irre ich mich?
 

Imhotep

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Man kann es nicht rückgängig machen, klar. Weiß nicht wieviel es geändert hätte, aber ich denke doch, dass viele Lücken dann heute nicht so groß wären.
Man darf da aber auch nicht alles dran festmachen, klar. Denn je fortgeschrittener die Medzin oder auch andere Bereiche, desto länger leben wir ja auch. Und ältere Menschen haben nunmal häufiger Beschwerden und es werden immer mehr. Das hat mir mal einer erklärt, würde auch zu einer Kostenexplosion führen, die Vergreisung der Gesellschaft. Aber so ist es nunmal, alles hat seinen Preis, auch der Fortschritt. Und deswegen jetzt alten Menschen ärztliche Hilfe zu verweigern wäre ja das Allerletzte.
Ich frage mich nur, wie man es ändern kann? Vorschläge?
Ein befreundeter Arzt von mir hat da ne recht harte Meinung. Jeder der sich gesundheitsgefährdend verhält (so wie ich als Raucher) bekommt eine ordentliche Beitragserhöhung. Klingt zwar im ersten Moment hart, aber wenn man bedenkt, welche Kosten das Rauchen mit seinen Auswirkungen verursacht, hat er durchaus nicht ganz unrecht.

Und natürlich, Ein_Liberaler, haben die Privatversicherten (noch) keinen Nachteil durch die Großzügigkeit ihrer Krankenversicherung. Die Gesamtheit kriegt das evtl. etwas zu spüren aber auch die Privaten Krankenkassen erhöhen mittlerweile ihre Beiträge recht ordentlich, erstatten nicht mehr alles und hinterfragen den Sinn oder Unsinn diverser Ausgaben verstärkt.
Vielleicht reguliert sich ja auch alles von selbst???
 

Ein_Liberaler

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Imhotep schrieb:
Man kann es nicht rückgängig machen, klar. Weiß nicht wieviel es geändert hätte, aber ich denke doch, dass viele Lücken dann heute nicht so groß wären.

Dazu hätten ja Beitragsgelder angespart werden müssen. Ich glaube nicht, daß das jemals vorgesehen war. Meines Wissens ist die Krankenversicherung ein reines Umlagesystem - Schulden dürfen die Kassen ja eigentlich auch nicht machen.

Man darf da aber auch nicht alles dran festmachen, klar. Denn je fortgeschrittener die Medzin oder auch andere Bereiche, desto länger leben wir ja auch. Und ältere Menschen haben nunmal häufiger Beschwerden und es werden immer mehr.
Sie können aber auch immer länger arbeiten.

Das hat mir mal einer erklärt, würde auch zu einer Kostenexplosion führen, die Vergreisung der Gesellschaft. Aber so ist es nunmal, alles hat seinen Preis, auch der Fortschritt. Und deswegen jetzt alten Menschen ärztliche Hilfe zu verweigern wäre ja das Allerletzte.
Ich frage mich nur, wie man es ändern kann? Vorschläge?

Freie Marktwirtschaft plus private Wohltätigkeit.

Ein befreundeter Arzt von mir hat da ne recht harte Meinung. Jeder der sich gesundheitsgefährdend verhält (so wie ich als Raucher) bekommt eine ordentliche Beitragserhöhung. Klingt zwar im ersten Moment hart, aber wenn man bedenkt, welche Kosten das Rauchen mit seinen Auswirkungen verursacht, hat er durchaus nicht ganz unrecht.

Und dafür eine Ermäßigung bei der Rentenversicherung? Planwirtschaft wird uns nicht retten.

Und natürlich, Ein_Liberaler, haben die Privatversicherten (noch) keinen Nachteil durch die Großzügigkeit ihrer Krankenversicherung.

Doch, klar haben die einen. Alle Einzahler haben einen Nachteil von den unsinnigen Auszahlungen, was sie dazu treibt, selbst welche in Anspruch zu nehmen - und so Dinge zu kaufen, die sie eigentlich gar nicht wollen. Aber die Versicherten der gesetzlichen Kassen, die haben keinen Nachteil von der Verschwendung der Privatkassen. Schließlich zahlen sie denen keine Beiträge.
 

Lyle

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Imhotep schrieb:
Der Verwaltungsaufwand, ausstehende Praxisgebühren oder Überweisungen "einzutreiben", bereits fertiggestellte Quartalsabrechnungen zu ändern, stand in KEINEM Verhältniss zu dem Nutzen, somit natürlich auch in keinem Verhältniss zu dem Verdienst, den ein Kassenpatient bringt. Von dem zusätzlichen Arbeitsaufwand der kassenärztlichen Vereinigungen ganz zu schweigen.
Hast Du dazu auch Zahlen, die diese Aussage unterstützen? So in etwa ein Vergleich, der die zusätzlichen Mehreinnahmen der Kassen, verbunden mit den Einsparungen durch die "richtige" Arztwahl oder Verzicht auf einen Arztbesuch mit den durch den bürokratischen Aufwand entstandenen Mehrkosten vergleicht. Dabei sollten natürlich auch die Kosten durch verschleppte Krankheiten etc. berücksichtigt werden, die ja auch auf die Kassen zurückfallen, soweit das nach dieser kurzen Laufzeit schon möglich ist. Interessant wäre auch, wie drastisch sich die Praxisgebühr auf die Rentabilität der Arztpraxen auswirkt (Ich persönlich glaub zwar nicht, das das viel ausmacht, aber für jemanden der eh schon am Rande des Ruins entlangbalanciert kann auch wenig viel ausmachen)



Es wird auf jeden Fall sehr schwierig werden, eine angemessene Grundversorgung und die persönlichen Belange der Patienten in Zukunft aufrechtzuerhalten
Kommt darauf an, was Du unter einer "angemessenen Grundversorgung" verstehst. Gehört das Recht auf eine freie Arztwahl zu einer Grundversorgung? Ich bin da schon etwas skeptischer. Oder hat der von dir angesprochene Jugendliche in einer Grundversorgung das Recht auf eine Behandlung nach ästhetischen Gesichtspunkten (Vermeidung von Narben) Ich selber würde hier zwar ja sagen, aber dann kann man natürlich weiter Fragen ob auch andere kosmetische Behandlungen / Operationen zu einer Grundversorgung gehören. Da ich ebenfalls Kassenpatient bin, begeistert mich eine Einschränkung der Leistungen natürlich ebenfalls nicht, aber gerade wenn Du Südostasien erwähnt hast (zu dem Thema und gerade auch der Höhe der deutschen Hilfe gibt es übrigens einen eigenen Thread) denke ich, wir Deutschen sollten unser Anspruchsdenken auch mal überprüfen.

Die Integration von alternativen Therapieverfahren, wo es auch belegbare Erfolge gibt, die vielleicht etwas teurer sind, ist in meinen Augen sehr zu begrüßen.

Hm na ja, kann schon sein, aber andererseits ist dann auch wieder die Chance vorhanden, dass hinterher wieder jemand sagt

Diese Aussichten machen wütend und besorgt.
Klar hätten die Ärzte früher mit ihrer Verschwendungssucht (Massage bei leichten Kreuzschmerzen, Lutschbonbons auf Kassenrezept etc.pp.) aufhören, private Krankenkassen nicht jeden Mist erstatten sollen und auch Patienten nicht ohne Nachzudenken intensives Ärztehopping betreiben sollen, aber nun ist das Kind in den Brunnen gefallen.


Schulmedizin und Alternative Medizin ist ja sowieso ein Thema für sich
Es hört aber dann auf, wenn gut verdienende(das sind sie in der Regel) Privatpatienten, sich jeden Pfennigartikel rezeptieren lassen und die PKV sie dann bezahlt. Seien es wie ich schon geschrieben habe, Brausetabletten, Pflaster, Sonnencreme oder sonstiges.
Dazu solltest Du auch bedenken, das Privatversichtere in der Regel auch um einiges mehr zahlen. Und dann bekommen sie eben mehr Leistung. Wenn die gesetzlichen Kassen für alle ihre Versicherten die Tarife der PKV's übernehmen würden könnten sie auch so einiges mehr leisten
 

Themis

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Hallo,

Lyle schrieb:
Dazu solltest Du auch bedenken, das Privatversichtere in der Regel auch um einiges mehr zahlen. Und dann bekommen sie eben mehr Leistung. Wenn die gesetzlichen Kassen für alle ihre Versicherten die Tarife der PKV's übernehmen würden könnten sie auch so einiges mehr leisten

Bei allem Respekt dem Prinzip der Solidarität gegenüber, die GKV sind für Besserverdienende zunächst einmal teurer, da hier ein fester Prozentsatz des Verdientem aufgebracht werden muss, während die PKV einen Festbetrag, unabhängig vom Verdienst, abverlangen.
Selbst wenn die GKV die Privaten Tarife übernehmen würden, so hätten sie nicht den selben finanziellen Spielraum. In den GKV sind Prozentual viel mehr alte Menschen Vertreten als in den PKV, da die PKV erst in den letzten 20 Jahren sich etabliert hat. Allein schon aufgrund der unglicklichen Verteilung der Alterspyramide in den GKV sind diese stärker belastet.

Und nochwas, ganz allgemein gehalten....
Alternative Medizin, wie z.B. Akkupunktur oder Homöopathie - um nur die beiden etabliertesten zu erwähnen, ist nicht teuer, wohl aber in manch einem Fall gerechtfertigt....

MfG
Themis
 

agentP

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Dazu solltest Du auch bedenken, das Privatversichtere in der Regel auch um einiges mehr zahlen. Und dann bekommen sie eben mehr Leistung. Wenn die gesetzlichen Kassen für alle ihre Versicherten die Tarife der PKV's übernehmen würden könnten sie auch so einiges mehr leisten
In einer privaten KV zahle ich ungefähr die Hälfte dessen, was ich in der gesetzlichen zahlen würde, bei gleichzeitig umfangreicheren Leistungen. Teurer ist die private nur dann, wenn Familienmitglieder mitversichert werden müssen. Alleinstehende oder DINKs fahren mit der privaten deutlich billiger.
 

Lyle

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Ich dachte, die Tarife bei den PKV'S würden auch vom Alter abhängen, so dass ältere mit höherem Krankheitsrisiko anders als bei der GKV auch mehr zahlen, oder irre ich mich da?
 

agentP

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Je später man eintritt, desto teurer der Beitrag, ähnlich wie bei der Lebensversicherung oder der privaten Rentenversicherung.
 

Lyle

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Danke schön.

Und wenn Du einmal einen bestimmten Beitrag hast, ändert der sich dann mit der Zeit, oder bleibt er konstant? (Von Inflationsausgleich etc. mal abgesehen)
 

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