TV-Doku "Recht zu sterben"

Sedge

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Ein kranker Mann nimmt sich das Leben und wird dabei gefilmt. "Makabren Voyeurismus" und "Quotenhascherei" werfen Sterbehilfe-Gegner der britischen TV-Doku "Recht zu sterben" vor - zu Unrecht. Das Werk ist eine sensible Studie zur Alltäglichkeit des Todes, sagt Spiegel Online

Man sieht in Nahaufnahme, wie dem Patienten die tödliche Medizin gereicht wird mit den Worten, „Mr. Ewert, wenn Sie das trinken, werden Sie sterben“, wie er die Mixtur durch einen rosaroten Strohhalm trinkt und immer wieder einen Schluck Apfelsaft nimmt, um den bitteren Geschmack der Medizin zu beseitigen, wie er darum bittet, den ersten Satz von Beethovens neunter Symphonie zu hören, und wie er sanft einschläft mit der bewundernswert gefassten Ehefrau an seiner Seite. (FAZ)


Ich weis ja nicht.... braucht man das? Ist das vertretbar, einen Tod im Fernsehen zu zeigen? Oder muss man das sogar zeigen, um auf entsprechende Problematiken hinzuweisen?
 

NoToM

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Hmm, irgendwie sind die Hemmungen, Tote zu zeigen, relativ gering, jedoch das Sterben selbst ist ein grosses Tabu. Ich habe oft grosse Mühe damit zu verstehen, warum gerade die natürlichsten Dinge so tabuisiert werden aber kein empörter Aufschrei durch die Bevölkerung oder die Medien geht, wenn ein völlig nutzloser, sinnbefreiter und uninteressanter Beitrag z.B. über die Trennung von Boris Becker ausgestrahlt oder gedruckt wird.
Bei jeder Kriegsreportage oder jedem Amoklauf in den Nachrichten sterben Menschen im Hintergrund und dies wohl kaum freiwillig. Na gut, man sieht sie vielleicht nicht und sie werden nicht so "menschlich" dargestellt wie in so einer Reportage, es sind schliesslich "nur" Geiseln, Soldaten oder Opfer, aber auch die haben Namen und eine Geschichte.
Ich denke, einem erwachsenenen Mensche kann sowas durchaus zugemutet werden oder zumindest, dass er selbst entscheiden kann, ob er nicht lieber umschalten möchte.

Und, was ist wirklich makaberer, zu zeigen und zu lehren, wie man möglichst effektiv andere Menschen töted, oder zu zeigen und zu lehren, wie man möglichst friedlich und schmerzfei sein eigenes Leben beenden kann, wenn man dies wirklich möchte? Am Erstgenannten scheint sich die Masse auf jedenfall kaum zu stören...

Verrückte Welt :O_O: :wink:
 

exenter

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Es ging nicht ums Sterben

Meines Erachtens ging es bei diesen Beitrag um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zum Thema Sterbehilfe. Bei dieser Entscheidung mischt sich immer noch der Staat mit Verboten ein und beschränkt mit christlichen Moralvorstellungen die Entscheidung des Betreffenden. Jeder Idiot darf Kinder zeugen, aber wenn es ans Sterben geht will der Staat genau wissen was falsch oder richtig ist.
 

Themis

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Das die eingehende Dokumentation einer Sterbehilfe auf Empörung stößt ist sicherlich nicht verwunderlich.
Wieviele Menschen haben schon einmal einen sterbenden begleitet?
Ist halt für die meisten nichts alltägliches.
Zudem verdrängen viele Menschen das Sterben.

Sicherlich gibt es irgendwelche Sensationhascher, die sich den "Freitod" eines anderen Menschen am Fernseher reinziehen, aber unterm Strich denke ich schon, dass solche medialen Ereignisse dazu beitragen, dass das Bewußtsein für eine Leidenslinderung bei unheilbarer Erkrankung samt Qualen geschärft wird.
Z.B. ist meiner Meinung nach auch die Zahl der Menschen mit Patientenverfügungen in den letzten 2-3 Jahren gestiegen. Dazu hat sicherlich die öffentliche Diskussion in Zeitungen und im Fernsehen beigetragen.
 

Gilgamesh

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Für mich alles reine Sensiblisierung. Die Bevölkerung überaltert und wird zunehmend als Last betrachtet werden. Je näher wir uns dem Peak der geburtenschwachen Jahrgänge näheren, um so mehr wird das Tabu der Sterbehilfe aufgehoben werden. Ist für das Gesamtsystem besser, wenn Menschen freiwillig ihren Tod wählen, als das marode System weitere 10-20Jahre Lebenszeit zu belasten. Mit anderen Worten: Sterbehilfe wird bald gewollt und toleriert werden...(müssen).
Nur ne Prognose von mir.
 

Sedge

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Momentan geht ein ähnlicher Fall durch die Presse: Jade Goody.

Das Leben des britischen Big-Brother-"Stars" ist eine einzige Reality-Show. Jetzt soll (nach ihrer Krebserkrankung) sogar ihr Sterben im TV in Szene gesetzt werden. Durch den Verkauf von Exklusivrechten will Sie ihren Kindern ein gutes Leben ermöglichen.

Mittlerweiel hat das Ganze makabre Züge angenommen: Das OK!-Magazine veröffentlichte ihren Nachruf - während Sie noch lebt...
 

Themis

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Wobei dieser Fall ja offensichtlich Geldhascherei ist. Das nimmt der ganzen Diskussion ein Stück Seriösität.
 
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