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Risiko Kernkraft: Vattenfall

Dieses Thema im Forum "Ask1 Redaktion" wurde erstellt von Ask1 Redaktion, 11. März 2018.

  1. Ask1 Redaktion

    Ask1 Redaktion Geselle

    Beiträge:
    83
    Registriert seit:
    11. März 2018
    12.08.2006: Das Forentreffen von Ask1 stand an. Auf der Suche nach Hinweisen zu den Vorfällen an der Elbmasch gehörte eine Besichtigung vor Ort zum Tagesprogramm. Dabei stand vor allem das Erscheinungsbild der GKSS im Vordergrund. Unbewiesenen Informationen zufolge soll es im Bereich um GKSS und dem AKW Krümmel 1986 einen misteriösen Unfall gegeben haben. Hierbei drang radioaktives Material durch die Ventilation des Kraftwerks, das als wetterbedingte Anhäufung von Radon erklärt wurde. Besonders in 1991/1992 gab es im Bereich dieser beiden Nukleareinrichtungen an der Elbmarsch unnormal hohe Fälle von an Leukämie erkrankten Kindern. Das Forentreffen sollte dazu einen Überblick vor Ort verschaffen.

    Es war gerade Revision im von Vattenfall geführten AKW Krümmel, wie wir auch in Tischgesprächen von Menschen erfuhren, die zum Kernkraftwerk Krümmel Einblick hatten.

    Diese jährliche Routineinspektion, in der unter anderem 128 verbrauchte Brennelemente ausgetauscht wurden, dient der Überprüfung und dem Austausch von Aggregaten.
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    Revision AKW Krümmel August 2006
    Diesmal stand auch ein Ausbau der Kapazitäten auf dem Programm:
    Durch eine effizienter arbeitende Turbine wurde die Kraftwerksleistung um etwa 5% gesteigert - wohlgemerkt nicht durch andere oder mehr Brennelemente, sondern nur durch die bessere Ausnutzung des bei der Kernreaktion erzeugten Dampfes.

    Mit Stolz wird nun das AKW Krümmel als das größte Deutsche Kraftwerk gefeiert, das am 8. September 2006 wieder an das Netz geht.

    Am 10. März 2007 ging das AKW Krümmel vom Netz. Der Kraftwerksbetreiber gab an, dass es zwei defekte Brennelemente geben würde, die ausgetauscht werden müssen.
    "Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht den Angaben zufolge nicht. Die radioaktiven Abgaben lägen weit unterhalb der Grenzwerte."
    Die Aussage der Atomaufsichtsbehörde basiert auf den Angaben des Kraftwerksbetreibers und führte zur Aufforderung, alle Brennelemente einer Überprüfung zu unterziehen.
    Grund war die Angabe des Kraftwerksbetreibers, nachdem es mikroskopische Undichtigkeiten in den Hüllrohren der Brennelemente geben soll. Allerdings wird gleichfalls behauptet: "Eine Freisetzung von radioaktiven Stoffen erfolgte dadurch nicht."
    Nun entstehen mikroskopische Risse nicht von ungefähr.
    Die Hülle unterliegt einer steten Materialermüdung durch Strahlungseinwirkung als auch einen temperaturbedingten Druckaufbau innerhalb er Hülle, die die einzelnen Brennstäbe in sich birgt.
    Erwärmt sich das Brennelement, wird der Druck durch die Risse nach außen entweichen. Kühlt es wieder ab, zieht es das umgebende Wasser in sich hinein. Die Folge ist eine sogenannte Auswaschung des Brennmaterials - besonders, wenn diese Risse größer werden.
    In einem Siedewasserreaktor landen diese Auswaschungen also im Wasserbecken, in dem der Dampf zum Antrieb der Turbinen entsteht.

    Nun gab es dazu folgende Äußerung seitens des Kraftwerksbetreibers:
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    "Festgestellt wurden die Fehler anhand von Daten. Das Wasser im Reaktordruckbehälter, in dem sich die Brennelemente befänden, werde ständig in Bezug auf Temperatur und Radioaktivität gemessen. Anhand veränderter Werte sei berechnet worden, dass zwei der insgesamt 840 Brennelemente einen erhöhten Austritt innerhalb des geschlossenen Kreislaufs aufgewiesen hätten."

    Dem Kraftwerksbetreiber ist also ein erhöhter Strahlungswert im Siedewasserbecken aufgefallen, der nach Berechnungen eine Undichtigkeit von zwei Brennstoffelementen aufzeigte.
    Was bedeutet das? Das Siedewasserbecken, der Dampf und die neue Turbine bekamen eine Extradosis Strahlung.

    Am 16. März 2007 ging das AKW nach dem Austausch eines defekten Brennelements ans Netz. Informationen zum Verbleib kontaminierten Kühlwassers fanden sich keine - diese Kontamination (auch wenn es sich in einem sog. "geschlossenen System" abspielte) muss statt gefunden haben, wenn sie nach Angaben des Betreibers gemessen wurde.

    Am 9. Juni 2007 reichte der Temperaturunterschied des aus der Elbe verwendeten Kühlwassers nicht mehr aus, um den Reaktor ausreichend zu kühlen, da das abgeleitete Kühlwasser nicht mehr als 30°C betragen darf. Der auf 5°C geschrumpfte Temperaturunterschied zwang zur Reduktion der Kraftwerksleistung auf 80%.

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    28. Juni 2007: Das AKW Brunsbüttel wurde gegen 13:00 Uhr wegen einer "Netzstörung" zum Herunterfahren des Reaktors gezwungen. "Netzstörung" ist der Begriff, der für den Kurzschluss an der Schaltanlage von E.ON verwendet wurde, denn es heißt weiter:

    "Im Zuge von Instandhaltungsarbeiten in der E.ON-Schaltanlage am Standort Brunsbüttel kam es kurz nach 13 Uhr zu einer Störung, die zu einem Kurzschluss führte."

    An der Übergabestelle, an der der Kraftwerksstrom in das Stromnetz eingespeist werden soll, entstand der Kurzschluss mit dem Einschalten eines Wandlers, an dem vermutlich gearbeitet wurde.
    Nun war der Schwelbrand im AKW Brunsbüttel nach Aussage des Kraftwerksbetreibers keine große Sache, da er ja "nur" mit einem Handfeuerlöscher gelöscht wurde.
    Ergo wurde nach Aussage von Vattenfall das Kraftwerk vom Netz getrennt, der Reaktor herunter gefahren und damit die Anlage in einen sicheren Zustand versetzt. Dazu hieß es:
    "Beide Anlagen waren die ganze Zeit über in einem sicheren Zustand. Die Sicherheitssysteme haben wie vorgesehen funktioniert. Eine erhöhte Ableitung von Radioaktivität ist nicht aufgetreten. Es gab keine Personenschäden."

    Doch mit dieser Aussage gerät der Kraftwerksbetreiber Vattenfall unter Druck, denn einen Tag später berichten Medien, dass sich ein Steuerstab nur verzögert einfahren ließ. Durch diese Verzögerung ist es durchaus möglich, dass der Schwelbrand bei der Turbine entstand. Diese Angaben wurden durch den Sprecher von Vattenfall verifiziert.

    Betrachten wir kurz die Informationspolitik:
    Vattenfall gibt an, dass es einen Kurzschluss gab und das Kraftwerk ordnungsgemäß zum Stillstand kam. Verzögernd einfahrende Steuerstäbe, die zu einem kleinen Schwelbrand in einer Turbine führen, nennt der Kraftwerksbetreiber harmlos, wenn er aussagt:
    "Beide Anlagen waren die ganze Zeit über in einem sicheren Zustand.(...)"
    Dazu kommt, dass Abdeckungen der Dampfleitungen nach dem Herunterfahren Risse aufwiesen, die sehr wahrscheinlich durch einen Hitzestau entstehen konnten. Das nennt Vattenfall also einen "sicheren Zustand". So verwundert nicht die Entscheidung der SPD-Ministerin Schleswig-Holsteins, Gitta Trauernicht, wonach keine sicherheitstechnischen Einwände bestünden, um dem Kraftwerksbetreiber die Wiederinbetriebnahme des Standorts Brunsbüttel nicht zu ermöglichen - zwei Tage nach dem Vorfall und einer vermutlich nicht geklärten Frage, die das verzögerte Einfahren des Steuerstabs erklärt.
    Seit dem 30. Juni ist das AKW Brunsbüttel also wieder am Netz.

    Der Störfall im AKW Brunsbüttel hatte - nebenher bemerkt - den gleichen Auslöser, wie im schwedischen, gleichfalls von Vattenfall betriebenen AKW Forsmark-1.
    Der Vorfall im AKW Brunsbüttel ging in den Tagesmeldungen unter, denn:

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    Trafostation AKW Krümmel
    Ein Teil der Trafostation gerät beim AKW Krümmel gegen 15:00 Uhr in Brand. Eine Verkettung von Ereignissen führt zur Abschaltung des Reaktors.
    Der Ministeriumssprecher in Kiel gibt die sicherlich von Vattenfall erhaltene Information weiter, wonach es zu einem Trafobrand kam und der Reaktor vorsorglich abgeschaltet wurde.
    Es wurde weiterhin bekannt, dass der Brand am 28. Juni gelöscht wurde - doch noch am 29. Juni wurde die Brandstelle bekämpft.
    Am 29. Juni 2007 räumt Vattenfall Europe ein, dass sich der Unfall beim AKW Brünsbüttel auf den Kraftwerksbetrieb in Krümmel ausgewirkt haben könnte. Es sei möglich, dass ein "Spannungswechsel"durch Brunsbüttel zu einem "Kurzschluss" in Krümmel geführt habe.

    Angesichts der Informationspolitik sehen wir uns diese Aussage genauer an: Ein Spannungswechsel bei Kurzschluss wäre ein Absinken der Spannung und einem Auftreten hoher Ströme an der Kurzschlussstelle gleichzusetzen, wenn ein Kernkraftwerk Brunsbüttel vom Netz geht. Die elektrischen Potenziale gleichen sich im Moment des Kurzschlusses aus - damit sinkt nun einmal die Spannung ab; damit wird sie abgebaut. Ein Absinken der Spannung sollte einem Abschalten eines Reaktors gleichzusetzen sein. Ist das ein Grund für einen Kurzschluss in einem anderen Kernkraftwerk?
    Und weshalb nur bei diesem einen Kraftwerk in Krümmel und nicht etwa beim näher gelegenen AKW in Brokdorf?
    Wieso vergehen zwei Stunden zwischen einem Kurzschluss in Brunsbüttel und einer Auswirkung auf Krümmel?

    Am 2. Juli verkündet Vattenfall, dass der Kraftwerksbetrieb in Krümmel
    wiederaufgenommen werden könne, da ja noch der zweite Transformator vorhanden sei. Nicht nur, dass Vattenfall selbst keine Unfallursache kennt - Vattenfall ist der Ansicht, dass bis zu 60% der Kraftwerksleistung über diesen einen Transformator geleitet werden könnten. Für die volle Kraftwerksleistung werden die Lasten auf beide Transformatoren verteilt, womit ein Trafo allein bei 60% Kraftwerksleistung also 20% mehr Last vertragen muss, als dass das im Normalbetrieb bei Volllast der Fall wäre.
    Wie gesagt: Vattenfall selbst kann nicht ausschließen, dass es eine Ursache gibt, die auch den zweiten Trafo in Brand setzen könnte.

    Die Gesellschaft für Reaktorsicherheit meldet sich per 3. Juli 2007 zu Wort. Die Darstellung ist nun Folgende:

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    Mit Berufung auf Informationen von Vattenfall über das zuständige Sozialministerium in Kiel wurden drei unplanmäßige Vorkommnisse im AKW Krümmel festgestellt.
    Es kam durch "unplanmäßiges Öffnen von zwei Sicherheits- und Entlastungsventilen" und dem "unplanmäßigen Ausfall einer von mehreren Reaktorspeisewasserpumpen" zu einem schnellen Druck- und Füllstandsabfall im Reaktordruckbehälter. Wie sich herauskristallisiert, sank der Füllstand in wenigen Augenblicken - womit an dieser Stelle eher eine Relation zum Begriff schnell hergestellt werden kann.

    Der Sprecher von Vattenfall gibt an: "Das waren Randerscheinungen, die keine sicherheitstechnischen Auswirkungen hatten."

    Nach Ansicht des Sozialministeriums hätte nicht der gesamte Reaktorbetrieb abgeschaltet werden müssen. Es wäre durchaus möglich, den Reaktorbetrieb mit verminderter Leistung zu gewährleisten.
    Es heißt aber auch, dass Vattenfall untersucht, weshalb der zweite Transformator abgeschaltet hat.

    Moment:
    Vattenfall gab doch einst an, dass der Reaktor nach dem Brand des ersten Transformators vorsorglich abgeschaltet wurde?
    Nun aber soll Vattenfall den zweiten Transformator untersuchen, der sich selbst abgeschaltet hat?
    Den zweiten Transformator, der noch am Tag zuvor mit 60% Kraftwerksleistung genutzt werden wollte?
    Und wenn der zweite Transformator abgeschaltet hat: Setzt nicht eine Prozedur ein, die das Kraftwerk herunterfährt, wenn es die Leistung nicht mehr an das Stromnetz abgeben kann? Vattenfall hatte doch angegeben, dass der Reaktor vorsorglich abgeschaltet wurde - das bedeutet ja wohl eher auf Befehl durch Vorgesetzte und nicht durch eine automatisch eingeleitete Notabschaltung.

    Interessant auch die weitere Aussage von der Gesellschaft für Reaktorsicherheit:
    Das Kraftwerk produzierte bei normaler Leistung, während der erste Transformator ausfiel, aber der Schutz nicht Auslöste und daher munter die Energie irgendwohin ableiten musste. Hätte die Sicherung funktioniert, wäre die Kraftwerksleistung auf 30% reduziert worden.
    Danach fiel (neben dem ersten brennenden Trafo) der zweite Transformator aus, womit sich das Kraftwerk nicht mehr aus dem selbst erzeugten Strom (der ja im Umspannwerk bezogen worden soll) versorgen konnte ... es kam ja kein Strom mehr an.

    Nun soll innerhalb von zwei bis drei Sekunden eine Umschaltung auf die Stromversorgung aus dem allgemeinen Stromnetz stattgefunden haben.
    Mit der Umschaltung sank nun plötzlich der Wasserspiegel im Reaktordruckbehälter um ein bis zwei Meter ab, weil die Speisewasserpumpe nach der Umschaltung auf das allgemeine Stromnetz nicht mehr ansprang. Bei einem kurz erfolgten Neustart sei sie "möglicherweise durch einen Fehler in der Leittechnik" dauerhaft ausgefallen.

    Es ist ein Auslösen von Sicherheitsventilen bekannt, die mit dem Ablass von Dampf die Rohrleitungen vor einem Überdruck bewahren sollen. Vier Minuten lang sollen diese Sicherheitsventile offen gewesen sein.
    Dadurch, dass damit der Druck entwich und als zu niedrig erkannt wurde, schaltete sich ein Mechanismus ein, der mit Hochdruck Wasser in den Reaktorbehälter pumpte.

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    Und nun soll auch die Aussage eines anonymen Experten für Großkraftwerke vom 2. Juli gewürdigt werden:
    Er gab an, dass Transformatoren eine Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren hätten.
    Er ging davon aus, dass die Transformatoren am AKW Krümmel zirka 23 Jahre alt seien, wobei sich allerdings die Lebensdauer eines solchen Transformators verkürzt, je öfter er plötzlichen Laständerungen oder Kurzschlüssen ausgesetzt wird. (Und das AKW Krümmel führt derzeit die Pannenstatistik in Deutschland an)

    Und so ergibt sich aus den vielen, oben zusammengetragenen Informationen ein interessantes Bild, dessen Rekonstruktionsversuch nun folgen soll:

    Mit der Revision und dem Austausch der Turbinenteile gegen effizientere Bauteile wurde die Kraftwerksleistung um 5% gesteigert.

    Das AKW Brunsbüttel kann durch einen Kurzschluss bei der Übergabe im Umspannwerk nicht mehr den produzierten Strom ableiten. In der Folge muss der Reaktorbetrieb gestoppt werden. Wie im ebenfalls von Vattenfall betriebenen, Schwedischen AKW Forsmark gab es Probleme beim Abschalten des Reaktors, wenn er plötzlich nicht mehr den produzierten Strom abgeben kann: Im AKW Brunsbüttel wurde ein Steuerelement unplanmäßig langsam in Position gebracht. In der kurzen Zeit der nicht erfolgten "Moderation" von Brennelementen produzierten in dieser kurzen Zeit diese betroffenen Brennelemente munter weiter, was offenbar zu einem unplanmäßigen Hitzestau führte. So erklären sich Risse an den Abdeckungen der Rohrleitungen. Außerdem entstand dadurch ein Schwelbrand an der mit Dampf betriebenen Turbine.
    Wenn Revisionen mehrere Wochen dauern spricht Einiges für eine unterlassene, gründliche Untersuchung, wenn von einer nicht angemessen erfolgten Prüfung der Rohrleitungen hinter der Abdeckung oder den involvierten Brennstäben ausgegangen wird. Nur zwei Tage nach diesen Vorfällen erteilt das Sozialministerium Kiel die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Produktion des AKW Brunsbüttel.

    Mit dem Ausfall des AKW Brunsbüttel müssen nun die geforderten Lasten im Stromnetz abgefangen werden. Das AKW Krümmel deckt mindestens einen Teil des Mehrbedarfs als mittlerweile leistungsstärkstes Kernkraftwerk Deutschlands. Doch mit dem Ausbau der Leistung um 5% durch die Turbinenschaufeln wurden einst weder der Reaktor selbst noch die Transformatoren verändert.

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    Nach zwei Stunden macht sich die erhöhte Last beim ersten Trafo im Kernkraftwerk Krümmel bemerkbar. Das in die Jahre gekommene Bauteil wurde durch die erhöhte Last zu sehr in Anspruch genommen und erhitzt sich.
    Der erste Transformator geriet in Brand, wobei nicht der Schutz des Trafos ausgelöst wurde. Vermutlich hätte der Schutz reagiert, wäre die Leistung plötzlich zu hoch gewesen - so handelte es sich wohl eher um einen schleichenden Prozess.
    Der Ausfall blieb daher unbemerkt und so floss die ungebremste Kraftwerksleistung nicht mehr über beide, sondern nur noch über den zweiten, verbliebenen Transformator. Dieser wurde deutlich überlastet - aber durch seine eigene Schutzschaltung geriet er nicht in Brand sondern wurde ordnungsgemäß von der Last getrennt.

    Nun steht das Kernkraftwerk Krümmel vor dem selben Problem, wie Forsmark und Brunsbüttel: Der Reaktor donnert vor sich hin und muss nun eine Vollbremsung hinlegen, weil ja die Hitze nicht mehr in Strom gewandelt werden kann.
    Dummerweise ist gerade kein Strom da, weil ja der kraftwerkseigene Strom erst in das Umspannwerk herausgeführt und von dort wieder zurück geleitet wird. Also schaltet sich die Eigenversorgung innerhalb - sagen wir mal - einer kurzen Zeit (die Angaben zu zwei bis drei Sekunden müssen ja nicht stimmen) auf das öffentliche Netz um.

    In dieser vermeintlich kurzen Zeit produziert also der Reaktor weiter Wasserdampf, der offenbar nicht mehr über die Turbine abgeleitet werden kann. Der Überdruck löst zwei Sicherheitsventile aus und sorgt für ein Entweichen des Dampfes aus dem geschlossenen Dampf-/ Kühlkreislauf.
    Ein Teil des Wassers aus dem Siedewasserbecken steckt also in einem Behälter fest, weil ja der kondensierte Dampf nicht mehr zurück gepumpt wird. Ein anderer Teil landet dort, wo er die beiden Sicherheitsventile passiert. In dieser Folge droht eine Freilegung des Reaktorkerns, da der Wasserstand nach bisherigen Angaben in wenigen Augenblicken um geschätzte ein bis zwei Meter sank.
    Nun sprang eine Pumpe an, die als Notversorgung schnell Wasser in den Reaktorkern pumpen soll.

    Hätte diese Pumpe versagt, wäre eine Kernschmelze eingetreten, denn: Nach Aussage der Gesellschaft für Reaktorsicherheit versagte nur eine der Speisewasserpumpen (es gibt also mehrere, die ganz offensichtlich entweder ebenfalls nicht funktionierten oder aber für eine Kompensation einer ausgefallenen Speisewasserpumpe nicht ausgelegt sind) und trug damit zum plötzlichen Abfall des Kühlwasserstands bei.

    Soweit zur Spekulation über den Hergang.

    Wer vertraut einem erfahrenen Kraftwerksbetreiber, der entweder schwammig formulierte oder falsche oder durch Unwissenheit abgegebene Statements in die Welt streut?


    Wieso will ein Kraftwerksbetreiber den Reaktor mit 60% Leistung über einen übrig gebliebenen Transformator fahren, wenn der Reaktor bei Ausfall eines Transformators zur Sicherheit auf 30% Leistung gedrosselt werden soll?

    Wer vertraut in einen Kraftwerksbetreiber, der einerseits in Effizienz und andererseits nicht in die Sicherheit für zum Beispiel einer erhöhten Kapazität gewachsene Bauteile investiert - statt dessen munter weiter mit 23 Jahre alten Transformatoren arbeitet?

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    Die Informationen in diesem Artikel entstammen allesamt dem Informationsangebot des Internets - wie kann es sein, dass diese vielen Widersprüche und Sicherheitsbedenken durch die Bevölkerung binnen weniger Tage (5.7. - 7.7.) mit hoher Wahrscheinlichkeit verstanden werden, während die zuständige Ministerin auf die Vorwürfe zum Zürückhalten von Informationen wie folgt reagiert:
    Aufgabe des Sozialministeriums ist nicht, erste Informationen des Betreibers ungeprüft weiterzugeben, sondern es gehe darum, die Bevölkerung auf der Basis eigener und durch Gutachten gestützter Fakten zu informieren.
    Nun, das bedeutet jedoch nicht, dass nicht die puren Angaben von Vattenfall weitergeleitet werden können, wenn man bedenkt, dass drei von Vattenfall betriebene Kernkraftwerke(Brunsbüttel, Forsmark, Krümmel) gleichermaßen nicht fähig waren, störungsfrei einen Reaktor bei einer Notabschaltung herunter zu fahren.
    Bedenkt man dazu die nach zwei Tagen erfolgte Freigabe des Betriebs im AKW Brunsbüttel, bei dem ein Bremsstab nicht ordnungsgemäß funktionierte, lässt das weitere Spekulationen zu.
    Am 30.06.07 hatte die für Reaktorsicherheit zuständige Ministerin Gitta Trauernicht entschieden, dass der Atomreaktor in Brunsbüttel wieder angefahren werden darf. "Es bestünden keine sicherheitstechnischen Einwände."

    Das Ministerium stützt seine Erkenntnisse schlicht auf die Vorlage von Prüfergebnissen und bemerkt selbst zunächst nicht diese vielen Widersprüche. Durch das Zurückhalten von Informationen kann es nicht eines Besseren belehrt werden. Obwohl nun auch dem Ministerium diese "Unregelmäßigkeiten" auffielen, wird nicht zum Beispiel per 3. Juli 2007 entschieden, dass das Kernkraftwerk Brunsbüttel bis zur Klärung der Vorfälle abgeschaltet wird.

    So erklärt sich die Aussage der Abgeorneten Renate Kynast, wonach dem Betreiber Vattenfall die Lizenzen zum Betrieb von Kernkraftwerken entzogen werden sollten. Ergänzt werden sollte dieser Gedanke um die Forderung des Rücktritts der Sozialministerin Schleswig-Holsteins, Gitta Trauernicht, die ganz sicher nicht zum Wohle der Bevölkerung mangels Sachkenntnis und blindem Vertrauen in Prüfberichte handelte, sofern es sich diese Ereigniskette tatsächlich derart skandalös abgespielt hat.


    Wem will man noch trauen? Einem Unternehmen, das mit Störfällen gut leben kann und bei beinahe jedem Brand behauptet: "Der Brand sei aber schnell gelöscht worden"?
    Einer Technologie, die immer noch zahlreiche Störungen an der Grenze zur Kernschmelze zeigt und nicht beherrschbar scheint?
    Einem Ministerium, das Gefahren falsch einzuschätzen droht?

    Der Ausstieg aus der Atomenergie wird wohl unumgänglich sein, womit unsere Bundeskanzlerin das Volk mit CO2-Abgaben für eine angebliche Klimakatastrophe schonen darf und statt dessen die Effizienz einiger Deutscher Kohlekraftwerke (neben einer bundesweiten Wärmedämmung von Mietshäusern) von 30% auf 90% forciert, womit das Fernwärmenetz konsequent ausgebaut werden sollte.