Lebenskraft

rai69

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Hallo,

ich hatte gestern eine äußerst angenehme, aber auch anstrengende Diskussion mit einem Pfarrer zum Thema "Thermodynamik vs. (göttliche) Lebenskraft".
Dabei tauchten einige Fragen auf, die ich nicht beantworten konnte; ich würde diese gern hier zur Diskussion stellen.

1. Nach Anschauung des Pfarrers hat die Sonne eine (wörtlich) saugende Kraft, die z.B. dafür verantwortlich ist, dass Wasser in Pflanzen nach oben steigt. Der Pfarrer wußte von jemanden, der gehört hatte, dass jemand berechnet hat...
...dass die Kapillarkräfte nur bis zu einer Höhe von ca. 30 m als Erklärung herhalten können, danach wäre der Durchmesser der notwendigen (Höhen über 30 m) Kapillare kleiner als ein Wassermolekül selbst groß ist. Ich glaube nicht daran, kann es aber nicht berechnen - kann mir da bitte jemand helfen?
Spielt nicht auch die Art des Wandmaterials der Kapillare eine Rolle (hydrophil/hydrophob)?

edit: Habe gerade meinen Fehler bei der Berechnung bemerkt:

Steighöhe = (2xOberflächenspannung/cosKontaktwinkel) / DichtexErdbeschleunigungxRadius

wegen der Einheiten muss ich die Dichte als kg/cbm, den Radius dann natürlich auch als m nehmen...

daraus folgt : Kapillare mit 1 µm Radius gleich rund 30 m Steighöhe (haha, daher hat er die Zahl)

Radius Wassermolekül grob 100 pikom = 0,0001 µm - also deutlich (!!!) unter einem µm, tja , das war wohl nix, Herr Pfarrer *fg*

2. Die Temperatur im Inneren der Sonne ist lt. Pfarrer geringer als an der Oberfläche. Hm, Plasma (?) sagt mir zwar etwas, aber wie sicher ist die Bestimmung der Sonneninnentemperatur? Denn die Gegenfrage (ich bin der Meßergebnisgläubige) des Pfarrers, wenn ich ihm etwas vom Millionen Grad heißen Plasma erzähle, wird lauten, wie diese Temperatur gemessen worden ist.

3. Bringt man eine Pflanze zwischen zwei Kondensatorplatten (?) und schaltet den Strom ein, so würde man eine leuchtende Aura in exakter Wiedergabe der äußeren Form der Pflanze, sehen. Das will ich gern glauben; kriegt man sicherlich hin. Aber dann kam der "Hammer": würde ein Teil eines Blattes dieser Pflanze abgeschnitten, und diese wieder in das elektromagnetische Feld zwischen die Platten gestellt, würde sich die Form der Aura nicht verändert haben - also der fehlende Blattteil weiterhin als Aura sichtbar sein ---> ein schlagender Beweis für die "Lebenskraft".
???
Mir ist das ganz neu, aber ich will mich auch nicht einfach hinstellen, und ihn der Lüge bezichtigen. Hat jemand schon mal etwas von diesen Experimenten gehört?

Das waren die drei für mich wichtigsten Fragen; ich würde mich sehr freuen, wenn jemand dazu etwas konkretes (keine Angst vor "naturwissenschaftlichen Fremdwörtern") schreiben könnte.

Da ich nur sehr selten online sein kann, werde ich frühestens am Montag antworten können - `tschuldigung.

Danke + Grüße

Rainer
 

the_midget

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rai69 schrieb:
1. Nach Anschauung des Pfarrers hat die Sonne eine (wörtlich) saugende Kraft, die z.B. dafür verantwortlich ist, dass Wasser in Pflanzen nach oben steigt.

Meine Erinnerungen aus dem Bio LK und ein schnelles Googlen sagen mir, daß das Wasser durch Osmose in der Pflanze verteilt wird. Da braucht man keine saugende Kraft, insofern erübrigt sich die Rechnerei.

gruß

midget
 
G

Guest

Guest
Sieht dann so aus:

kirlian16.jpg
 

dkR

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Wieso leuchten auf dem Bild nur die Leitbündel? Also das, wo Wasser fließt?
 

Giacomo_S

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rai69 schrieb:
2. Die Temperatur im Inneren der Sonne ist lt. Pfarrer geringer als an der Oberfläche. Hm, Plasma (?) sagt mir zwar etwas, aber wie sicher ist die Bestimmung der Sonneninnentemperatur? Denn die Gegenfrage (ich bin der Meßergebnisgläubige) des Pfarrers, wenn ich ihm etwas vom Millionen Grad heißen Plasma erzähle, wird lauten, wie diese Temperatur gemessen worden ist.

Die Temperatur an der Oberfläche der Sonne läßt sich genau bestimmen.

Grundlage zur Berechnung der Oberflächentemperatur ist die Schwarzkörperstrahlung: Erhitzt man einen Körper (= den Schwarzen Strahler, ein theoretisches Gebilde, welches matt schwarz ist und von kein Licht reflektiert), dann fängt der Körper irgendwann das Glühen an.

Das bedeutet, der Schwarze Strahler emittiert Licht. Wird der Körper heißer, so erhöht sich nicht nur die Intensität der abgegebenen Strahlung, sondern es verschiebt sich auch das Maxiumum der Strahlung immer weiter "nach Blau", sprich zu immer kürzeren Wellenlängen.

Die sich ergebenen Kurven Intensität auf Wellenlänge ließen sich lange nicht mathematisch beschreiben. Erst MAX PLANCK gelang dies unter der Annahme, daß Energie nicht kontinuierlich, sondern in kleinen Paketen, gequantelt abgestrahlt wird. Obwohl Max Planck damit zunächst nur eine Erklärung für den Schwarzen Strahler suchte, wurde er damit zum Begründer der Quantentheorie (auch wenn es der Kühnheit eines ALBERT EINSTEIN bedurfte, die Quantelung von Energie zum allgemeinen Prinzip zu erheben).

Aus der Wellenlängenverteilung des Sonnenlichts läßt sich somit eine Temperatur der Sonnenoberfläche mit etw 5900K berechnen. Man spricht auch von der sog. Farbtemperatur, ein Begriff, der in Farbmanagement und Druckvorstufe eine Rolle spielt.

400px-Sonne_Strahlungsintensitaet.svg.png


Für die Annahme, daß das Innere der Sonne kälter wäre als 5900K gibt es keine plausiblen Gründe. Durch die Untersuchung der Fraunhoferschen Linien des Sonnenlichts läßt sich zeigen, daß die Sonne lediglich aus Wasserstoff und Helium besteht. Es ist aber kein anderer Prozeß als die Kernfusion denkbar, der aus diesen Elementen die Temperatur an der Oberfläche erklären könnte.
 

Giacomo_S

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rai69 schrieb:
3. Bringt man eine Pflanze zwischen zwei Kondensatorplatten (?) und schaltet den Strom ein, so würde man eine leuchtende Aura in exakter Wiedergabe der äußeren Form der Pflanze, sehen. Das will ich gern glauben; kriegt man sicherlich hin. Aber dann kam der "Hammer": würde ein Teil eines Blattes dieser Pflanze abgeschnitten, und diese wieder in das elektromagnetische Feld zwischen die Platten gestellt, würde sich die Form der Aura nicht verändert haben - also der fehlende Blattteil weiterhin als Aura sichtbar sein ---> ein schlagender Beweis für die "Lebenskraft".

Gemeint ist wohl die Kirlianfotografie. Das Verfahren hat aber bisher keiner wissenschaftlichen Überprüfung standgehalten und ist daher was für Esoteriker.

Bisher gibt es keinen Beweis für eine universelle Lebenskraft.
Auch Andere die mit ähnlichen Behauptungen aufgetreten sind (Wilhelm Reich, Orgonenergie) sind widerlegt worden. Entweder handelt es sich um Meßfehler oder ungenaue Meßtechnik, oder die Ergebnisse lassen sich auch ohne Annahme einer Lebensenergie durch die anerkannte Physik erklären.
 

Giacomo_S

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rai69 schrieb:
1. Nach Anschauung des Pfarrers hat die Sonne eine (wörtlich) saugende Kraft, die z.B. dafür verantwortlich ist, dass Wasser in Pflanzen nach oben steigt. Der Pfarrer wußte von jemanden, der gehört hatte, dass jemand berechnet hat...

Es gibt weitere Prozesse geben, die in Pflanzen eine Rolle spielen, z.B. die Osmose:

Wikipedia schrieb:
Pflanzen befördern Flüssigkeiten aus dem Wurzelbereich bis in die Spitzen. Nach den Erkenntnissen eines Teams der Universität Nordarizona können Bäume nur maximal 200 Meter hoch werden, da dann der osmotische Druck zusammen mit den Kapillarkräften nicht mehr ausreicht, die Schwerkraft zu überwinden. (Quelle: Nature Vol. 428 April 2004

Quelle: Wikipedia, Osmose
 

antimagnet

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rai69 schrieb:
1. Nach Anschauung des Pfarrers hat die Sonne eine (wörtlich) saugende Kraft, die z.B. dafür verantwortlich ist, dass Wasser in Pflanzen nach oben steigt.

manchmal brauch ich etwas länger:

wenn das so wäre, dann würde ja das wasser nachts in den pflanzen runtergezogen werden. oder ned?
 

Trasher

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Vorsicht. Pfarrer und Logik. Das ging schon damals in der Schule schief. Zumindest hat sich unserer nie wieder blicken lassen. :wink:
 

Ein_Liberaler

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Ach, das Wasser wird doch eh durch die Fliehkraft der Erdrotation bis in die Spitzen der Blätter geschleudert...
 

holo

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Da fehlt noch etwas zur Komplettierung des Weltbildes:

Das Wasser in den Blättern wird durch die Erdrotation nach außen gedrängt; aber das Wasser, das an den Blättern herunter läuft, wird tatsächlich durch die allmächtige Aura in einer Art Kondensatorfeldeffekt nach unten gezogen.
Da die Aura nur das Blatt umgibt und die Kraft einer Aura immer gleich ist, kann eine Aura nicht den Fluss des Wassers in einer anderen Aura beeinträchtigen.
So erklärt sich auch der Effekt, der uns morgens nach dem Aufwachen auf die Toilette drängt. Durch die horizontale Lage des Bettes wird die Auswirkung der erdrotationsbedingten Zentrifugalkraft begünstigt - es ist also nicht die Aura des neben dem Bett stehenden Ficus, die uns das Wasser über Nacht in die Blase zieht.

Hat nicht jemand Lust, eine neue Bibel mit einem gänzlich neuen Weltbild zu kreieren? Ich helfe gerne mit ;-)

Gruß
Holo
 

rai69

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Hallo,

danke für die Beiträge - ich glaube, am besten wäre die Diskussion wohl mit eurer online-Unterstützung durchzuführen, vor allem gefällt mir die Sache mit der Erdrotation und dem nächtlichen Austrocknen.
Naja, der Schlagfertigste war ich noch nie...
Wenn ich erst einmal eine halbe Stunde von einer salbungsvollen Stimme an der Rand eines narkoleptischen Ereignisses gedrängt wurde, fällt mir sowas eben nicht ein.

Jetzt werde ich versuchen, mich mal mit der Kirlian-Fotografie und dem morphogenetischen Feld befassen...
...wenn man erstmal einen google- und wikipedierbaren Begriff hat, wird alles leichter :).

Grüße

Rai69
 

rai69

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Hallo,

Giacomo_S schrieb:
... oder die Ergebnisse lassen sich auch ohne Annahme einer Lebensenergie durch die anerkannte Physik erklären.

genau darum geht es mir: ich gehöre nicht zur Fraktion "was ich nicht messen kann, existiert nicht", aber wenn ich etwas messen kann, bevorzuge ich die naturwissenschaftliche Erklärung bei der ich nicht erst an etwas unmessbares glauben muss, damit die Erklärung funktioniert.

Danke für den Schnellkurs in "Schwarzer Strahler"; so ähnlich hatte ich es mir schon gedacht (aus der Erinnerung des zeitfernen Physikunterrichts) - mal sehen, ob ich ihn davon "überzeugen" kann, dass die Außentemperatur ein Ergebniss der Kernschmelze im Inneren ist.

@shechinah

danke für das Bild. Das ist jetzt aber eine Aufnahme ohne dass ein Blattteil abgeschnitten wurde, oder? Gibt es Bilder mit abgeschnittenen Teilen die nachweislich(schwierig, schwierig) nicht gefälscht sind?
Kirlian-Fotografie allgemein: interessant, muss mal noch nach Informationen außerhalb von Wikipedia suchen.


Morphogenetische Felder:
Als (Synthese-) Chemiker finde ich ja vor allem die Kristallisationsexperimente-Aussage des Wiki-Artikels merkwürdig. Vielleicht umgibt mich ja ein diktatorisches Feld :), aber entweder die von mir "geschaffenen" neuen Verbindungen kristallisierten ohne Aufwand beim ersten Mal, oder blieben immer (röntgen-) amorph. Diese Aussage bezieht sich aber nur auf eine sehr spezielle Klasse metallorganischer Verbindungen, in der reinen Anorganik bzw. Organik mag das anders sein.

Allerdings sind diese Felder eine überdenkenswerte "Erklärung" für eine mir bis jetzt unbeantwortet gebliebene Frage:
Es gibt chirale Verbindungen (am bekanntesten dürfte die in der einen Form rechts- und in der anderen Form linksdrehende Milchsäure sein).
Synthetisch entstehen beide Formen immer gleich "gern", ja man muss sogar Handstände und Schlimmeres machen, um einen Überschuß einer Form, bzw. nur diese herzustellen.
In der Natur kommen aber, soweit ich es weiß, nur die linksdrehenden Formen vor - warum? Muss ich mal überdenken, ob das mit morphogenetischen Feldern widerspruchsfrei erklärbar ist.

Gruß

Rai69
 
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