Kleine Einzelheiten zur Geschichte der Zahnmedizin

streicher

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Es ist schon sehr interessant, welche Lösungen die Menschen früher hatten, für die Zahnbehandlung, für den Zahnersatz, oder für die Hygiene. Und wer der sozusagene "Zahnarzt" war.

Mal ein paar Einwürfe:
Amalgamfüllungen werden hierzulande nicht mehr gemacht. Allerdings hatte Amalgam eine erstaunlich lange Karriere. 660 n.Chr. sollen die ersten Versuche gemacht worden sein, mit Amalgam zu füllen. Da zieht's einen die Augenbrauen hoch...
Zahnersatz? Bekannt wurde die "Etruskische Brücke" (450 v.Chr.). Saubere Zähne galten als "Visitenkarte". Zahnbehandlung soll es nachweislich seit 5000 Jahren geben. In Ägypten wurden Zähne mit Golddrähten befestigt.

Und im Mittelalter sollen Ritter "Prothesen" verwendet haben, wenn es um einen Antrag ging. Überhaupt Mittelalter: der Bader (zuständig für das Badewesen) war auch für die Zahnbehandlung zuständig. Wundbehandlung, Zahnziehen waren seine Aufgabe, wobei der Bader wohl häufig einfach die Zähne zog: deswegen galt er auch als Zahnbrecher. Der Patient wurde auf einem Stuhl festgebunden und der Zahn grob herausgerissen. Ein Patient konnte dann durchaus sein Bewusstsein verlieren.
Als Verursacher von schwarzen Löchern galt lange Zeit der Zahnwurm.

Und in Richtung Neuzeit:
George Washington hatte wohl sehr problematische Zähne: er hat eine Vollprothese gebraucht, bei Amtsantritt soll er nur noch einen Backenzahn besessen haben. So weit war man also schon im 18. Jahrhundert.

Zahnpflege soll übrigens lange Zeit Frauensache gewesen sein, bis zum 19. Jahrhundert. Hinderlich für die Männer war der Stolz.

Weitere kleine Details sind gerne gesehen...
 

haruc

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Archäologische Befunde deuten darauf hin, dass "schlechte Zähne" im Sinne von Kariesbefall ein Phänomen der Neuzeit sind (d.h. der Zeit nach der Entdeckung Amerikas). Grund hierfür ist die Einführung von relativ reinem und konzentriertem Zucker aus dem Zuckerrohr.

In Europa haben auch schon vor 1500 Menschen eine kohlenhydratreiche Diät genossen, aber zu einem deutlich sichtbaren Zahnverfall, wie er sich ab den 1500er Jahren beobachten lässt, hat das nicht geführt. Und Karies war beileibe nicht nur eine Erkrankung der Zähne. War ein Zahn befallen, konnte sich die Erkrankung auch in Form entzündlicher Prozesse auf den Schädelknochen ausbreiten - mit zum Teil tödlichen Folgen.

Passend hierzu: BBC - "Hidden Killers of the Tudor Home" mit der bezaubernden Dr. Lipscomb

Natürlich dauerte es lange, bis der Zusammenhang zwischen Zucker und Karies erkannt wurde.
 

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