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Flüchtlingsdrama vor den Toren Europas

Dieses Thema im Forum "Krisen, Kriege und Sanktionen" wurde erstellt von samhain, 8. Oktober 2005.

  1. samhain

    samhain Ehrenmitglied

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    2.976
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    @dkR

    gut- dann sollte aber auch afrika nicht weiter als selbstbedienungsladen (ressourcen) für den westen herhalten.

    ja, das denke ich allerdings auch.

    es gibt sicher viele, die über schlepper hierherkommen, aber warum bist du dir so sicher das es bei allen so ist? sind das alles "wirtschaftsflüchtlinge"? kannst du das irgendwie belegen? ist armut kein grund sein glück woanders zu versuchen? und was ist mit hunger? glaubst du wirklich, das jemand, der dem hungertod nahe ist, sich noch auf die weite reise nach europa machen kann? die sterben still hinter den sieben bergen- ab und an im fernsehen zu betrachten. zum glück, nicht? stell dir mal vor, die würden, wie auch immer, plötzlich an die türen europas klopfen. sie wären trotzdem nicht willkommen.

    warum so polemisch, wenn ich versuche das augenmerk auf die ursachen zu lenken?
    die reichen staaten haben seit jahrhunderten (nicht nur) den schwarzen kontinent ausgeplündert und sie tun es noch. sehen wir es doch mal wie es ist: von mehr als 6 milliarden menschen auf der welt genehmigt sich ein lächerlich kleiner teil davon fast alle ressourcen. der dadurch entstandene reichtum der einen ist die armut (trotz ressourcenreichtum...eigentlich ziemlich paradox) der anderen. solange alles schön an seinem platz bleibt, hat man kein problem damit, aber wehe jemand stellt diese aufteilung infrage. glaubst du wirklich, dieses ungleichgewicht lässt sich auf ewig aufrecht erhalten? ich habe das letztens in einem anderen thread schon angesprochen:

    wenn man den menschen ihre eigene lebensgrundlage entzieht und stattdessen zum reinen zulieferer degradiert, weil alles auf exportierende monokulturen angelegt ist, so das viele länder afrikas nicht mehr in der lage sind sich selber zu ernähren und auf nahrungsmittelimporte von außen angewiesen sind, dann hat das auch etwas mit uns- unserem konsumverhalten zu tun. wir wollen billig, billig, was im gegenzug bedeutet, das nicht mal mit diesem anbau von monokulturen das auskommen dort gesichert ist. mehr als 60% der afrikaner leben und arbeiten von der landwirtschaft und produzieren kaffee, kakao, baumwolle, holz, tabak, kautschuk usw. davon ist nur holz ein typisch afrikanisches produkt- die anderen wurden von den kolonialmächten eingeführt um ihren eigenen bedarf zu decken.
    afrika hat das größte mineralstofflager der welt: mehr als 30 % des weltvorkommens an diamanten, gold, uran, ... auch was nennenswerte erdölvorkommen angeht, gerät es zunehmend (je mehr sie anderenorts abnehmen) ins visier westlicher konzerne, deren regierungen sorgen politisch (und militärisch...oder glaubst du wirklich unser aller "freiheit" wird -nicht nur- am hindukusch verteidigt?) dafür, das sie sich diese ressourcen auch unter den für sie günstigsten bedingungen unter den nagel reissen können. und wie gesagt, man hat überhaupt kein problem damit, wenns zum eigenen vorteil ist, mit despoten, warlords, diktatoren aller couleur zu paktieren.ist doch auffällig, das trotz des überflusses von ressourcen aller art das bruttoinlandsprodukt in afrika pro einwohner das niedrigste der welt ist- und dort liegen 19 der 25 ärmsten länder der welt. die wanderungsbewegungen werden somit nicht ab, sondern zunehmen. da hilft keine noch so hohe mauer, tiefe gräben wie sie jetzt geplant sind. wie wird man diese mauer wohl nennen? anti-afrikanischer schutzwall?

    die haben übrigens fürwahr andere probleme, als drei tage kein dsl- die wissen größtenteils nicht mal was das ist. insofern blöder vergleich.

    im übrigen rechnet man nach einer un-studie damit, das es in nur fünf jahren, also 2010 (gar nicht mehr lange hin, gelle?) weltweit 50 millionen flüchtlinge durch zunehmende umweltkatastrophen geben wird.

    hoffentlich bleiben die da, wo sie sind, auch wenn dann da gar nichts mehr ist...:roll:

    ach ja:

    http://www.taz.de/pt/2005/10/10/a0179.nf/text
     
  2. dkR

    dkR Forenlegende

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    Stimmt
    Muß ich nicht. Die wollen was von mir, das müssem die mir belegen. Finde ich.
    Klar, aber wenn ihre Armut anfängt meinen Wohlstand zu bedrohen, bin ich mal ein bischen Egoistisch. Sonst gibt der Klügere so lange nach bis er der Dumme ist.
    Nein, das ist ne gigantische Sauerei. Aber was bringt es denen, wenn wir die die noch jung, stark und gesund sind und somit wohl die Leute sind, die in Afrika was bewegen könnten nach Europa lassen, NACHDEM die ihr Familienvermögen kriminellen Schlepperbanden vermacht haben, (was den Lebensstandard der restlichen Sippe zu hause auch nicht erhöhen dürfte)? Dadurch wird der Hunger auch nicht weniger. Ich gestehe auch durchaus jedem zu, sein Glück zu suchen, aber sind illegale Einwanderer in Europa einer ihr völlig fremden Kultur immer bedroht durch abschiebung etc. glücklicher als zu Hause bei ihren Familien, nur weil evtl. ihr Lebenstandard etwas höher ist? Ich will das jetzt weder werten noch pauschalisieren.
    Auf die Schätzung, dass 60% aller Afrikaner HIV-positiv sind und somit durchaus eine Gefahr für Europas Gesundheit geh ich lieber garnicht ein.
    Man kann niemanden zu seinen Glück zwingen. Afrika bräuchte erstmal vernünftige Landesgrenzen, die sich auch an den Stammegrenzen orientieren und halbwegs vernünftige Politiker, die weder den Staatshaushalt auf ihr eigenes Konto umleiten, noch weiße Farmer verjagen und ihr Volk dann verhungern lassen bzw. es gleich masakrieren lassen, weils der falsche Stamm ist.
    Bitte um Entschuldigung, das war nicht sehr intelligent von mit.
    Stimmt auch. Es läuft einiges schief in der Welt. Wer halt in Europa wenig Geld hat, kauft nicht im Öko-Laden sondern bei Lidl. Das größte Problem Afrikas sehe ich in den korrupten Politikern und den Landesgrenzen. Aber das wird sich wohl nicht ändern lassen, solange genau das unseren Westlichen Lebenstandard - also auch deinen - sichert. Aber was hindert Afrika daran, höhere Rohstoffpreise zu fordern? Die Geldgier ihrer eigenen Politiker. Also weg mit denen...
    Natürlich blöder Vergleich. Das war auch Sinn der Sache. Wollte sagen, dass der Lebenstandard eines normalen Afrikaners durchaus in einem Niveau sein kann, das ein Europäer als menschenunwürdig bezeichnen würde, obwohl es für die Afrikaner ganz normal bis recht komfortabel ist.
    Willst du 50 Mio Flüchtlinge in Europa? Wer soll das bezahlen? Wo hin mit denen? Davon abgesehen, bin ich bei solchen Studien immer etwas skeptisch, ob die nicht genau das Aussagen, was der Auftraggeber der Studie hören will.
    Schön, ich glaube trotzdem nicht, dass da keiner bei der Völkerwanderung mitverdient.
     
  3. samhain

    samhain Ehrenmitglied

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    hier äußert sich jemand, der 15 jahre in europa gelebt hat (und dann wieder zurückgegangen ist), über die beweggründe hierher zu wollen:

    http://www.fastafrica.de/artikel_details.php?id=209


    im grunde genommen tun diese leute doch genau das, was einem hier von politikern und der wirtschaftslobby ständig nahegelegt wird und worauf auch diese blöde "du bist deutschland"-kampagne abzielt: sei deines glückes schmied, wachse über dich hinaus- versuche alles! nun gibt es diese leute, die sogar ihr leben riskieren, sie haben nur das pech keine europäer zu sein.

    und wie sollen sie das belegen? wie sollte jemand, der es ohne schlepper geschafft hat (wobei das nicht unbedingt das kriterium ist), das beweisen?
    und würde es etwas ändern? würde es nicht.

    sie es doch mal anders herum: unser reichtum (auf ihre kosten) sorgt schon lange für den status quo.

    die frage ist doch, was sie unter den beschissenen bedingungen wirklich in ihrem land ändern könnten? wie man weiß, finden das machthaber überhaupt nicht lustig, wenn man an ihrer autorität kratzt, wenn man was verändern will, was dann ja oft genug in repression andersdenkender ausartet. und das geld, das man den schleppern in den rachen wirft, wiegt die (zumindest angenommene) aussicht auf arbeit und regelmäßige überweisungen an die familie aus. das machen nicht nur afrikaner so, das findet in vielen ländern statt und sichert vielen familien ein auskommen.

    nun ja, jeder kann sich vor aids schützen, indem er die entsprechenden vorsichtsmaßnahmen trifft. vom händeschütteln wird das nicht übertragen. ich habe letztens auch gelesen, das die aidsrate in deutschland wieder angestiegen ist, was nix mit hier lebenden afrikaner zu tun hat. das schaffen wir schon ganz allein.

    ich stimme dir zu, aber das bild wird nur komplett wenn du miteinbeziehst, das es sich oft genug um von bestimmten ausländischen kräften (ich bin im letzten post schon drauf eingegangen) protegierte machthaber handelt, marionetten, die zwar korruppt sind, die ihr volk im regen stehen lassen, aber käuflich sind und genau deswegen nichts dagegen haben, wenn sie (gut geschmiert) ausländische wirtschaftsinteressen über die interessen ihres volkes stellen.

    siehe oben...

    denkst du wirklich der westliche konzerne haben ein interesse daran faire preise (die automatisch höher wären) zu bezahlen? wo bleibt denn da die rendite? da schmiert man doch lieber weiterhin seine (vom volk ungeliebten) korrupties und kann sich sicher sein, das es mit der ausbeutung zu billigpreisen auch weiterhin läuft. das geht hand in hand- kein potentat ohne die ihn stützenden kräfte. da gebe ich das blauäugig- naiv gerne zurück.

    beispiel öl:

    http://www.diepresse.com/Artikel.aspx?channel=k&ressort=kl&id=512924


    aber ich hoffe in der tat, das die menschen, egal wo, es irgendwann schaffen sich dieser blutsauger zu entledigen.

    es geht nicht darum, ob die alle nach europa kommen, es geht darum, das diese welt letztendlich klein ist, das solche probleme letztendlich (diese erkenntnis wird dauern, aber irgendwann...nach noch mehr auseinandersetzungen, konflikten, kriegen, krisen... kommen) nicht individualisiert werden können, sondern das es sich hier um eine herausforderung handelt, die die menschheit nur gemeinsam bewältigen kann.
     
  4. dkR

    dkR Forenlegende

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    Da stimme ich dir doch einfach mal vorbehaltslos zu. Die Welt ist nicht perfekt. Wäre sie es, hätte ich auch noch ein paar Verbesserungsvorschläge anzubieten :D
    Das beziehe ich auch ein. Also weg mit denen.
    Einen Landesweiten Volksaufstand, der die Machthaber wegputzt? Sicher etwas unrealisitsch, aber immer noch die beste Hoffnung im Moment.
    Ja, der Kolonialismus war nicht nett.
    Die Konzerne? Oder die Verbraucher, die auf der Geiz-ist-Geil Welle mitreiten und möglichst viel für möglichst wenig Geld wollen, oder wollen müssen, weil sie der Meinung sind, die bräuchten alle paar Monate den neuesten Hightech Kruscht, obwohl sie sich den im Prinzip garnicht leisten können. Was meinst du was los ist, wenn die Rohstoffpreise und somit die Unterhaltungselektronik um 20% teurer werden? Was meint der Verbraucher dazu? Das heutzutage nur auf den Aktienwert geschaut wird, und die Firmen ihre soziale Verantwortung total verdrängen gehört nicht zum Thema. Is aber auch ne Sauerei.
    Ich gebe nur zu bedenken, dass diese Situtation auch deinen Lebenstandard sichert, nicht nur meinen. Hast du dich darüber beschwert, dass dein PC nicht teurer war?
    Dankend angenommen.
     
  5. samhain

    samhain Ehrenmitglied

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    sehr guter artikel von Jean Ziegler (UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung), der gleichzeitig eine abrechnung mit dem kapitalistischen system ist und die zusammenhänge zwischen flucht und den ursachen dafür sehr deutlich macht- und die sind nun mal komplexer als es stammtischredner wahrhaben wollen:

    http://www.taz.de/pt/2005/10/21/a0139.nf/text

    und

    http://www.taz.de/pt/2005/10/21/a0083.nf/text