Apfel
Eva hat imParadies von einemApfelbaumgepflückt
Eine verbotene Frucht namens Apfel kommt in der
Bibel nirgends vor. In der deutschen Einheitsübersetzung
heißt es nur: »Die Frau entgegnete der Schlange:
Von den Früchten der Bäume im Garten dürfen wir
essen; nur von den Früchten des Baumes, der in der
Mitte des Gartens steht, hat Gott gesagt: Davon dürft
ihr nicht essen, und daran dürft ihr nicht rühren, sonst
werdet ihr sterben.«
Wie aus diesem Baum, »der in der Mitte des Gartens
steht«, ein Apfelbaum geworden ist, weiß niemand
so genau. Der Autor dieser Bibelstelle hat sicher
kaum an einen Apfelbaum gedacht – die gab es
nämlich im Nahen Osten damals nicht. Viel wahrscheinlicher
wäre ein Feigenbaum, denn Adam und
Eva haben sich nach dem Genuß der Frucht mit Feigenblättern
zugedeckt.
Der Apfel geriet vermutlich über die Mythen der
Griechen und Kelten in die Bibel. Er galt bei diesen
Völkern als ein Symbol der Liebesgöttin, und da Sex
für gute Christen etwas Böses ist, kann der verbotene
Baumja nur ein Apfelbaumgewesen sein.
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Arbeit
»Arbeit ist köstlich«
Diese Kurzfassung einer oft zitierten Bibelstelle
kommt in Wahrheit in der Bibel nirgends vor. Zwar
heißt es in Luthers Übersetzung des 90. Psalms:
»Unser Leben währet siebenzig Jahre, und wenn's
hoch kommt, so sind's achtzig Jahre, und wenn's köstlich
gewesen ist, so ist's Mühe und Arbeit gewesen«,
aber in Wahrheit meinte der Originalautor damit
genau das Gegenteil: Wir müssen uns das ganze
Leben plagen, selbst dann noch, wenn wir es für köstlich
halten.
Neuere Bibelübersetzer sind hier weit exakter:
»Die Zahl unserer Jahre ist siebenzig Jahr, und wenn
es hochkommt, achtzig Jahr. Und ihr Gepräge ist
Mühsal und Trug.« (H.-J. Kraus, 1960); » ... und
selbst das Köstliche daran ist nur Elend und Trug«
(P. Schulz, 1978); »das Beste daran ist nur Mühsal
und Beschwer, rasch geht es vorbei, wie fliegen
dahin« (Katholische Bibelanstalt, 1980), auch die seit
1965 vorliegende korrigierte Luther-Bibel läßt an der
wahren Bedeutung dieser Bibelstelle keinen Zweifel:
»Unser Leben währet siebenzig Jahr, und wenn es
hochkommt sind es achtzig Jahre, und was daran
köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe ...«
Trotzdem ist Luthers Irrtum offenbar nicht auszu-
Das digitale Lexikon der populären Irrtümer
LexPI Bd. 1 23 Arbeit
rotten, vermutlich aus dem gleichen Grund, warum
auch viele andere Irrtümer die Jahrhunderte so unbeschadet
überleben: weil er so gut ins Weltbild – hier
das der protestantischen Arbeitsethik – paßt.
&Lit.: Katholische Bibelanstalt: Die Bibel – Altes
und Neues Testament – Einheitsübersetzung,
Freiburg 1980; Gerhard Prause: Tratschkes Lexikon
für Besserwisser, München 1986.
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Auge um Auge
Das alte Testament fordert »Auge um Auge, Zahn
um Zahn«
Diese immer wieder zur Rechtfertigung aller möglichen
Rachegelüste herangezogene Bibelstelle ist
falsch übersetzt. Eine korrekte Übersetzung wäre:
»Der Schädiger muß dem Geschädigten etwas geben,
das an die Stelle des Gliedes oder Organs tritt, das
nicht mehr seine volle Funktion erfüllen kann« (Lapide).
Diese Entschädigung wird von einem Richter
festgesetzt, mit Rache hat das nichts zu tun. Das Wort
»um« in »Auge um Auge« heißt »an Stelle von«, und
in diesemSinn, d.h. Wiedergutmachung entsprechend
dem zugefügten Schaden, wird und wurde diese Bibelstelle
von den Juden stets verstanden.
&Lit.: Pinchas Lapide: Ist die Bibel richtig übersetzt?,
Gütersloh 1989.