Software die Weltmärkte bewegt

Salomon

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Hallo an alle

aus einem Artikel von SpOn

Software kann Weltmärkte bewegen
Der Vorwurf - der sich auf wochenlange FBI-Ermittlungen stützt und nun als Klage vor dem US-Bezirksgericht New York liegt - könnte dramatische Folgen haben: Mit besagter Software, die computerisierte Trades im Wert von vielen Millionen Dollar steuert, lassen sich der Staatsanwaltschaft zufolge Weltmärkte bewegen. Allein die Existenz eines solchen Programms in der Hand einer einzigen Wall-Street-Firma hat Befremden ausgelöst.
Manche sprechen übertreibend sogar schon von "Goldman-Gate", eine ungute Schlagzeile für die Großbank, die an diesem Dienstag mit ihren jüngsten Quartalsergebnissen glänzen will. Börsenkolumnist Jonathan Weil vom Wirtschaftsdienst Bloomberg nennt den fraglichen Code eine "doomsday machine" ("Weltuntergangsmaschine"): "Wenn der in die falschen Hände gerät - rette sich wer kann."
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,635682,00.html


wie soll das denn funktionieren?
Hat sich da mal jemand Gedanken darüber gemacht?
was verstehen die unter "bewegen"?


und heute les ich

Goldman Sachs verbucht Milliardengewinn

Paukenschlag an der Wall Street: Die US-Bank Goldman Sachs hat die Erwartungen übertroffen und einen Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar erzielt - trotz der weltweiten Wirtschaftskrise.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,636091,00.html


:O_O:


grosses kino?
 

willi

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Hallo Salomon

Sergej A. soll bei Goldman Sachs eine Software gestohlen haben, mit der sich die Märkte weltweit manipulieren lassen.
Was, wie bitte: Goldmann Sachs manipuliert Finanzmärkte?? Wer hätte das gedacht?
Oder noch etwas subtiler:
"Die Bank sieht die Möglichkeit, dass jemand, der dieses Programm nutzen kann, es einsetzen könnte, um die Märkte auf unfaire Weise zu manipulieren"
Zum Glück nutzt Goldmann Sachs diese Software nicht---denn das wäre ja dann wirklich fies, da unfair. :zwinker:

Laut der Anklage lassen sich mit dem Eigenhandelscode "anspruchsvolle Handelsaktionen mit Hochgeschwindigkeit und hohen Volumen auf verschiedenen Aktien- und Rohstoffmärkten" durchführen. Mit diesen Transaktionen würden jedes Jahr "viele Millionen Dollar" verdient.
http://www.ftd.de/unternehmen/finan...ammierer-kopiert-Goldman-Code/536921.html?p=2
Salomon:
wie soll das denn funktionieren?
Hat sich da mal jemand Gedanken darüber gemacht?
was verstehen die unter "bewegen"?
Goldmann und Konsorten haben, bzw. stellen die Zugänge zu den Märkten, die nätürlich Kleinanleger und kleiner Broker nicht zur Verfügung haben. Die Software ermöglicht Wissen der Märkte vor dem grossen Rest der "Kleinanleger"...

Olson z.B. hat ein System mitentwickelt das sehr sehr grob so aussieht:
Frage: Können Sie Ihren Handelsansatz beschreiben?

Olsen: Der Grundansatz ist einfach zu erklären – ähnlich wie komplexe Wetterprognosemodelle versuchen wir durch die Analyse großer Mengen an Marktdaten, die Strömungen im Markt zu analysieren und Rückschlüsse auf die Kauf- und Verkaufentscheidungen und Positionen der Marktteilnehmer machen. Stellen wir fest, dass gewisse Gruppen zu große Positionen aufgebaut haben, gehen wir Gegenpositionen ein.


Frage: Woher wissen Sie, wer zu große Positionen hat?

Olsen: Wir wissen dies nicht genau, können aber rein statistisch aus der Kursbewegung im entsprechenden Zeitfenster Rückschlüsse auf die Größe der Positionen der entsprechenden Gruppen ziehen.


Frage: Handeln Sie systematisch? Gibt es diskretionäre Elemente?

Olsen: Unser Ansatz ist völlig systematisch. Pro Währung machen wir in etwa 40 Trades pro Tag (wir handeln 20 Wechselkurse). Dies ist nur mit einem systematischen Ansatz überhaupt machbar.


Frage: Wie lange dauerte es, bis Sie diesen Ansatz entwickelten?

Olsen: Ich arbeite schon 20 Jahre daran. Schließe ich mein Studium ein, wo ich gewisse Grundideen entwickelt habe, sind es bald 30 Jahre. Anders als bei anderen Managern handelt es sich bei mir um einen ganzheitlichen Ansatz und nicht um eine Anzahl von verschieden Tradingregeln, die nicht direkt miteinander in Beziehung stehen.
http://www.godmode-trader.ch/news/?ida=682836&idc=430
Jetzt stelle sich mal vor was denn erst Goldmann entwickelt hat und das dann noch mit den perfekten Zugängen zu den Märkten.
Was bleibt: Goldmann gewinnt immer :star:
 

willi

Großmeister
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Hier noch etwas:
Einige Handelsplattformen bieten bestimmten Akteuren zudem Vorabinformationen. Flash Trading - zu deutsch Blitzhandel
weil:
Beim Flash Trading setzen Händler superschnelle Computer und komplexe Algorithmen ein, um einen winzigen Informationsvorsprung gegenüber anderen Akteuren zu nutzen. Einige Börsen, darunter Nasdaq OMX, gewähren den Händlern Einblicke in Aktienorders - Bruchteile von Sekunden, bevor der Markt die Information erhält. Ein Schlupfloch in den Vorgaben für den Handel lässt dies zu.
Wer kontrolliert:
US-Börsenaufsicht SEC prüft nun Schritte, um solche Transaktionen einzudämmen. Sie habe ihre Mitarbeiter angewiesen, "einen Ansatz zu finden, der schnell umgesetzt werden kann, um die Ungerechtigkeit zu beseitigen, die durch Flash Order entsteht", sagte SEC-Chefin Mary Schapiro
Wer ist Mary Schapiro:
Schapiro gehört seit 20 Jahren zum Establishment der amerikanischen Regulierer. Und jetzt übernimmt sie den Chefposten bei der SEC - also der Behörde, der nicht erst seit dem Madoff-Skandal eine zu große Nähe zur Wall Street vorgeworfen wird. Kein Wunder, dass ihre Wahl auf geteilte Reaktionen stößt.
http://www.ftd.de/koepfe/whoiswho/:Kopf-des-Tages-Mary-Schapiro-Eine-von-ihnen/453580.html
http://en.wikipedia.org/wiki/Mary_Schapiro
Bedenken zum Flash-Handel:
Kritiker halten den Zeitvorsprung, den die Nutznießer von Flash Trading genießen, für unfair. Sie werfen den Händlern vor, Kurse zu manipulieren, die Volatilität zu erhöhen und auf Kosten langsamerer Akteure Geld zu verdienen. Nach Berechnungen der Researchfirma Tabb strichen Hochfrequenz-Händler im vergangenen Jahr Gewinne von rund 21 Mrd. $ ein.

Die Bedenken wachsen auch, weil der Einfluss der Hochfrequenz-Händler zunimmt: Börsenbetreiber schätzen, dass eine Handvoll von ihnen inzwischen mehr als die Hälfte aller Transaktionen ausmachen. Befürworter argumentieren, die Händler seien wichtig, weil sie Liquidität schaffen.
gesicherte Anbieter(?):
Börsen wie Nasdaq OMX, Bats Global Markets und die CBOE Stock Exchange lassen Flash Trades zu, NYSE Euronext hingegen nicht.

Besonders erfolgreich ist momentan Direct Edge, eine elektronische Handelsplattform mit Sitz im Bundesstaat New Jersey. Hinter dem Unternehmen steht ein Konsortium um die Börse International Securities Exchange (ISE), Knight Capital Group, Citadel, Goldman Sachs und JP Morgan Chase. Mit einem Anteil von 31,54 Prozent ist die Deutsche-Börse-Tochter ISE der größte Anteilseigner, Knight, Citadel und Goldman halten jeweils 19,9 Prozent.

Direct Edge baut seinen Marktanteil auf Kosten anderer Handelsplätze kontinuierlich aus. Dank des Programms "Enhanced Liquidity Provider" wickelte die Plattform im Juli 11,2 Prozent aller amerikanischen Aktientransaktionen ab. Damit liegt sie auf Platz drei. Das Wachstum ist gewaltig: Nach eigenen Angaben lag es im Juni bei knapp 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
http://www.ftd.de/boersen_maerkte/a...ll-Blitzh%E4ndler-bremsen/549465.html?nv=sbar
 

willi

Großmeister
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Im eigentlichen Sinne kann beim Flash Trading nicht von einer Verschwörung gesprochen werden, die Elite der Finanzmärkte machen sich das Schlupfloch zu Nutze um früher als die "Kleinen" an Informationen zu gelangen und diese auch umzusetzen.

Natürlich intervenieren Notenbanken auch, um die Finanzmärkte in eine gewünschte Richtung zu "manipulieren". Aktuelles Beispiel ist sicher die Schweizer Nationalbank welche eine weitere Aufwertung des Schweizer Franken gegenüber hauptsächlich dem Euro zu verhindern versucht.
Durch den Einsatz dreier unkonventioneller Massnahmen erhielt sich die SNB ihre Handlungsfähigkeit in Zeiten der Nullzinspolitik: Erhöhung der Anzahl längerfristiger Repo-Geschäfte, Käufe von Frankenobligationen privater Schuldner und Käufe von Devisen am Markt.
http://www.snb.ch/de/mmr/speeches/id/ref_20090506_tjn

Manipuliert wird das Finanzsystem aber auch vom Plunge Protection Team (PPT), findet zumindest der von mir sehr geschätzte Folker Hellmeyer:
Die entscheidende Frage ist, ob das PPT an den Märkten in unsachgemäßer Art und Weise zum Vorteil weniger elitärer Marktteilnehmer aktiv wird und damit wie ein Kartell agiert. Genau diese Aktivität lässt sich implizit nachweisen.
weil:
Wenn Sie sich den dort zusammensitzenden Verein anschauen, dann stellen Sie sehr schnell fest, dass zu den Teilnehmern im Rahmen von Konsultationen auch die „Major Market Players“ gehören.

Hank Paulson, seines Zeichens damaliger Chef der Treasury, sagte am 21. August 2007, dass das PPT tätig sei. Es sei sein Job mit den Regulierern und Marktteilnehmern zu sprechen, um sich hinsichtlich der Themen und Probleme abzusprechen und in Richtung identischer Lösungen zu arbeiten.
Freie Märkte für freie Bürger???:
Freiheitliche Systeme bestechen durch „Checks and Balances“. Hier sitzen die, die „checken“ sollen, mit denen, die „gecheckt“ werden sollen, zusammen und machen gemeinsame Sache, die zu eindeutigen Informationsvorsprüngen gegenüber den übrigen Marktteilnehmern führt. So sieht nicht die Grundlage eines freien Marktes aus, sondern die Basis, die der Manipulation Tür und Tor öffnet.
Wer betreibt denn das nette Spiel:
Üppige Liquidität mit Treasury und Fed am Tisch ist der Schlüssel. Derivate wirken mit höherer Durchschlagskraft und sind deshalb das ausgewählte Medium und es ist die „Bankenaristokratie, die das Spiel betreiben darf und sich dann für die „hart erarbeiteten“ Erfolge entsprechende Bonifikationen zugesteht.
Wie? Was? Wo?
Die gesamte Positionierung mit Leerverkäufen im Gold während der letzten Jahre ist Teil einer Handelstechnik mit dem Ziel, einige Schlüsselwerte am Aktienmarkt nach oben zu manipulieren. In der einfachsten Form funktioniert das System wie folgt. Man leiht sich für vernachlässigbar niedrige Zinsen (häufig unter 0,1%) maßgeblich bei Zentralbanken der westlichen Hemisphäre Gold und verkauft es am Markt. Damit baut man sich USD-Liquidität zu Niedrigstzinssätzen auf. Immer wenn der Aktienmarkt einen angeschlagenen Eindruck macht oder Schlüsselwerte am Aktienmarkt unter Druck kommen, treten diese Marktteilnehmer aus dem elitären Bankenkreis des ,PPT’ als aggressive Käufer auf …“
Was bleibt:
Freie Märkte sind schon klasse, oder?
Aber man kann ja immer den liberalen Tagträumereien nachhängen...
http://www.mmnews.de/index.php/200908103530/MM-News/Plunge-Protection-Team-in-Aktion.html#_edn3
Wiki:
http://en.wikipedia.org/wiki/Working_Group_on_Financial_Markets
Willi
 

Simple Man

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blog.reuters.com: "Chart of the day, HFT edition"


This astonishing GIF comes from Nanex, and shows the amount of high-frequency trading in the stock market from January 2007 to January 2012. (Which means that the Knightmare craziness of last week is not included.)

The various colors, as identified in the legend on the right, are all the different US stock exchanges. You might think there are only two stock exchanges in the US, but you’d be wrong: there are only two exchanges where stocks are listed. There are many, many more exchanges where stocks are traded.
 
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