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Der Fall Eva Herman und die Rolle der Frau

Dieses Thema im Forum "Ask1 Redaktion" wurde erstellt von Ask1 Redaktion, 11. März 2018.

  1. Ask1 Redaktion

    Ask1 Redaktion Geselle

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    11. März 2018
    Seit einiger Zeit nun schon sorgt die ehemalige Fernsehmoderatorin und "Tagesschau"-Sprecherin wegen der in ihren Büchern vertretenen Ansichten zur Lage der Gesellschaft für Aufsehen.

    Eva Herman: Zur Person
    Die gelernte Hotelkauffrau Eva Herman absolvierte zwischen 1983 und 1986 eine journalistische Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk in München, der eine Ausbildung zur Fernsehsprecherin bis 1988 folgte. Währenddessen moderierte sie verschiedene Sendungen für den Rundfunksender "Bayern 3" und übernahm im Bayerischen Fernsehen die Moderation von Nachrichten- und Unterhaltungssendungen.
    Ab 1988, nach ihrem Wechsel zum Norddeutschen Rundfunk nach Hamburg, moderierte sie verschiedene Sendungen für den NDR und wurde dann nach einem Casting bei Werner Veigel ins Team der Tagesschau aufgenommen; ihre erste Sendung als "Tagesschau"-Sprecherin hatte sie im August 1988. Daneben war sie in zahlreichen TV-Sendungen und -Unterhaltungsshows als Moderatorin beim NDR und ARD tätig.

    2001 veröffentlichte Herman ihren ersten Roman ("Dann kamst du"), der 2003 von Susanne Hake verfilmt wurde, zudem verfasste sie einige Sachbücher, unter anderem "Fernsehfrauen in Deutschland. Im Gespräch mit Eva Herman" (2001) und "Vom Glück des Stillens. Körpernähe und Zärtlichkeit zwischen Mutter und Kind" (2003). Im Jahre 2003 kam ihre erste CD mit dem Titel "Swing it" auf den Markt, eine Sammlung von Swingklassikern, gesungen von Eva Herman zusammen mit Bettina Tietjen, Max Raabe und Hape Kerkeling. Im gleichen Jahre wurde Herman in einer Emnid-Umfrage zur beliebtesten Nachrichtenmoderatorin Deutschlands gewählt. (1)


    Eva Herman: Privat
    Im Jahre 1983 heiratete die 1958 in Emden als Eva Feldker geborene Moderatorin und Buchautorin den Autohändler Werner Herrmann, nach der Scheidung 1988 behielt sie dessen Nachnamen, verkürzte aber die Schreibweise um je ein "r" und "n". Drei weitere Partner, von denen sie zwei ehelichte, folgten, aus ihrer dritten Ehe stammt der 1997 geborene Sohn. Sie heiratete 2005 in vierter Ehe den Hotelier Michael Bischoff. (2)


    Das Eva-Prinzip
    Bereits vor Veröffentlichung ihres Buches "Das Eva-Prinzip" sorgten die Thesen der damals 47-jährigen zur Rolle der Frau für Diskussionen. Gleichsam als Auftakt und als Vorgeschmack auf den Inhalt des Buches veröffentlichte sie ihre Ansichten u. a. in dem Magazin "Cicero"(3): Eva Herman sieht darin Mutterdasein und Selbstverwirklichung der Frau in der Arbeitswelt als konkurrierende Lebensmodelle, die von vielen Frauen nebeneinander versucht werden, jedoch ihrer Meinung nach nicht gleichzeitig wirklich erschöpfend ausgefüllt werden könnten:

    "Die Frau der unmittelbaren Gegenwart ist in aller Regel aktiv, berufstätig, selbstständig und verdient meist ihr eigenes Geld, ganz gleich, ob sie gebunden ist oder nicht. Zu ihrem selbstverständlichen Sein gehören Autonomie und als höchstes Ziel die Selbstverwirklichung. Wenn es darüber hinaus zeitlich passt und ein adäquater Partner in der Nähe ist, denkt sie eventuell auch über Kinder nach. Eventuell. Kinder sind für sie eine Option, keine Selbstverständlichkeit.
    Sollte es mit viel Glück doch zur Mutterschaft kommen, muss das Leben in genaue Zeitfenster eingeteilt und minutiös organisiert werden: Karriere und Küche werden nach Plan koordiniert, die Betreuung der Kinder arrangiert und gemanagt. Die Frau von heute ist im Stechschritt unterwegs, um die heterogenen Lebensinhalte unter einen Hut zu bringen.
    Hieraus muss unweigerlich folgern, dass sie keinem der genannten Bereiche in seinen Ansprüchen gerecht werden kann. Weder in der Karriere noch in der Küche ist die Frau voll handlungsfähig, Partner und Kind kommen ebenfalls zu kurz. Nie war Zeit kostbarer als heute - und knapper. So sehen wir die Frau der Moderne mit einem wehenden Schleier der Atemlosigkeit durch ihr Leben hetzen, und immer ist sie unzufrieden mit dem Ergebnis."
    (4)

    Die Möglichkeit, dass nicht nur die Frauenrolle von heute sich auf Familie und Selbstverwirklichung gleichermaßen erstreckt, sondern auch die moderne Männerrolle in dieser Richtung zu denken sein könnte, mit der Folge, dass sich idealerweise Mann und Frau beide Aufgaben teilen - jedoch eine horizontale, nicht "traditionellerweise" eine vertikale Teilung der Aufgaben - zieht sie nicht in Betracht. Die noch immer nicht völlige Gleichstellung der Frau mit dem Mann im Berufsalltag spricht sie an:

    "Wie weit entfernt wir von der Idealvorstellung einer in sich ruhenden Familie sind, muss ich nicht weiter erläutern. Wir alle sind im Bilde. Und was ist das Äquivalent? Von den Versprechungen der Emanzipation ist wenig geblieben außer dem fremdbestimmten Anspruch an die Frau, es gefälligst den Männern gleichzutun und Geld zu verdienen." [...] "Weit zurück liegt auch die Vorstellung der Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung durch berufliche Aktivitäten. Die Frau ist als notwendige Mitverdienerin der Familie unverzichtbarer Teil der Konsumgesellschaft geworden, Freiheit und wahre Emanzipation jedoch gibt es in den seltensten Fällen. Die Zahl der - natürlich meist kinderlosen - Führungsfrauen hat sich bei sechs bis sieben Prozent eingependelt. Mehr ist nicht drin." (4)

    Hieraus zieht sie jedoch nicht den Schluss, dass hier noch einiges zu tun wäre um die Stellung der Frau zu verbessern, sondern sieht den Weg der Gleichberechtigung der Frau gescheitert und stellt - eine These, die zu heftigen Diskussionen führte - den Sinn der Emanzipation insgesamt in Frage:

    "Der Kampf um die umfassende Gleichberechtigung im Beruf und im Privatleben kann als verloren eingeschätzt werden." [...] "Haben berufstätige Frauen von heute - zu denen ich ja auch gehöre - wirklich das Recht auf unbegrenzte Selbstverwirklichung oder war die Emanzipation ein fataler Irrtum?" (4)

    Dies untermauert sie mit archaisch anmutenden biologischen und biblischen Vorstellungen vom Wesen und von der Rolle von Mann und Frau und einem sehr simplifizierenden Bild von der Geschlechterrollen-Geschichte:

    "Betrachten wir einmal den soziologischen und biologischen Kontext. Der Mann steht in der Schöpfung als der aktive, kraftvolle, starke und beschützende Part, die Frau dagegen als der empfindsamere, mitfühlende, reinere und mütterliche Teil. In den zurückliegenden Jahrtausenden richtete die Menschheit ihre Lebensform nach dieser Aufteilung aus, die Rollen waren klar definiert." [...] "Der Mann ging zur Jagd, später zur Arbeit und sorgte für den Lebensunterhalt der Familie, die Frau kümmerte sich um das Heim, den Herd, die Kinder und stärkte ihrem Mann den Rücken durch weibliche Fähigkeiten wie Empathie, Verständnis, Vorsicht. Aus dieser Zeit stammt das volksmündliche Sprichwort, dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine kluge Frau stehe." [...] "Seit einigen Jahrzehnten verstoßen wir Frauen zunehmend gegen jene Gesetze, die das Überleben unserer menschlichen Spezies einst gesichert haben. Wir missachten sie, weil wir glauben, uns selbst verwirklichen zu müssen und mindestens genauso gut zu sein wie Männer. Durch dieses Verhalten ramponierten wir en passant auch noch das Ansehen der nicht berufstätigen Mutter, deren sozialer Status im Laufe der Emanzipationsanstrengungen immer schwächer wurde und heute kaum noch gesellschaftsfähig ist. Nur Hausfrau? Nur Mutter? Kein attraktiver Smalltalk für eine Party, und schon gar keine gesellschaftliche Reputation. ‚Ist die zu faul?’, fragt man hinter vorgehaltener Hand. ‚Oder etwa zu dumm?’ Dabei sollten sich umgekehrt die so genannten Vorzeigefrauen zur Abwechslung auf den Prüfstand stellen und sich fragen lassen, welche Ziele sie eigentlich leiten. Die ehrliche Antwort wäre: Es sind Selbstgefälligkeit und Eitelkeit. Wir Frauen sind dem Wahn verfallen, uns beweisen zu müssen, dass wir zu allem fähig sind." (4)

    Nicht nur die berufstätige Frau wird von ihr attackiert und ihr pauschal Selbstgefälligkeit und Eitelkeit unterstellt, auch die Männer bleiben nicht verschont, denen sie indirekt offensichtlich die Fähigkeit abspricht, sich um Kinder und häusliche Belange kümmern zu können:

    "Wer einmal den Wert häuslichen Friedens in Harmonie und Wärme kennen lernen durfte, einen Ort, der Sicherheit, Glück und Seelenfrieden gibt, weiß, wovon die Rede ist. Diesen Boden kann nur die weibliche Seite bereiten. Es ist die Frau, die in der Wahrnehmung ihres Schöpfungsauftrages die Familie zusammenhalten kann." [...]
    "Der auferlegte Zwang führt unweigerlich in die Entweiblichung der Frau und die Entmännlichung der Herrenwelt. Denn mit diesem Handeln, auch das ist nur logisch, lähmen wir jede starke Männlichkeit in unseren Partnern, die wir uns in der Tiefe unserer Seelen sehnlichst wieder herbeiwünschen."
    (4)

    Sie sieht ein Missverhältnis zwischen den Menschen ihrer Meinung nach festgeschrieben zugedachten Geschlechterrollen und der Realität in unserer heutigen modernen Gesellschaft. Dieses Missverhältnis ist ihres Erachtens für einige große Probleme verantwortlich, mit denen unsere heutige Gesellschaft ringt: der Umkehrung der Alterspyramide (der sog. "Überalterung"), dem Geburtenrückgang und dem Auseinanderbrechen von Familienstrukturen. Für all diese Probleme sieht sie an vorderster Front die Schuld bei der Emanzipation und griff in ihrem Beitrag im Magazin "Cicero" auch die Feministinnen und Frauenrechtlerinnen explizit an:

    "Wo sind sie jetzt, die Anführerinnen, die in den meisten Fällen selber niemals Kinder, geschweige denn Männer hatten? Sie wussten damals schon nicht, was das Glück bedeutet, ein Baby zu bekommen, einen liebenden Mann an der Seite zu haben und - manchmal unter größten Mühen - etwas zu erschaffen, was man den Familiensegen nennt." [...] "Heute schweigen sie schamvoll, die Kämpferinnen von einst. Vielleicht, weil sie ahnen, dass sie wesentlichen Anteil an einer verhängnisvollen Entwicklung hatten, die speziell unser Land unbrauchbar für die Zukunft macht. Wir sterben aus. Und das, weil die Rolle der Frau so lange problematisiert, diskutiert und umgeformt wurde, bis die Verunsicherung die Frauen in die Verweigerung der Mutterrolle führte - und die Männer in die Verweigerung der Versorgerrolle. Wenn die Frau zur Konkurrentin des Mannes wird, spürt er weder Bindung noch Verantwortung für sie." [...] "Es geht mir nicht um schwärmerische Familienverklärung, ich will weder Abgründe verlogener Behaglichkeit beschwören noch alte Unterdrückungsmuster. Ich spreche von einer verlorenen Welt, die unseren Vorfahren jahrtausendelang Kraft und Halt gab, die Misserfolge und Enttäuschungen auffing und eine Quelle des Glücks sein konnte. Wo ist heute die funktionierende familiäre Rückendeckung?" (4)

    Diese Thesen vertrat Herman seitdem auch in zahlreichen Interviews und heizte die Diskussion und Empörung darüber weiter an. Von Feministinnen und berufstätigen Müttern, Frauen in Politik und Wirtschaft hagelte es harsche Kritik. In Erwartung, dass die Diskussionen um ihre Thesen noch zunehmen würden, sobald ihr Buch "Das Eva-Prinzip" tatsächlich erscheint, nahm Herman daraufhin eine Auszeit von ihrer Tätigkeit als "Tagesschau"-Sprecherin, ließ der Norddeutsche Rundfunk (NDR) verlauten.

    "Frauenrolle rückwärts", schrieb die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung", "Grüße aus Urgroßmuttis Küche", meinte die "Welt am Sonntag", "ein bisschen zu viel Eva", kommentierte die "Berliner Zeitung". Herman selbst wehrte sich in der "Bild am Sonntag" dahingehend, dass viele Mails und Briefe ihr den Rücken gestärkt hätten - die "so genannte 'schweigende Mehrheit', die sonst meist nicht zu Wort kommt". Zudem zeigte sie sich "verwundert, wie viele selbst ernannte Kritiker ein Buch aburteilen, das noch gar nicht erschienen ist". (5)

    Der Verlag reagierte auf die öffentlichen Diskussionen und zog daraufhin die für den 14. September 2006 geplante Veröffentlichung des Buches sowie die zur Buchvorstellung gedachte Pressekonferenz in Berlin auf den 6. September vor. "Durch die Diskussionen über ein Buch, das noch keiner gelesen haben kann, sind wir gezwungen worden, so zu handeln", ließ der Verlagssprecher Claus Carlsberg verlauten. (5)

    In ihrem Buch "Das Eva-Prinzip. Für eine neue Weiblichkeit" wiederholt sie jedoch weitgehend ihre bereits vertretenen Forderungen, bekräftigt noch einmal ausführlich ihre bereits oben dargelegten Thesen.

    Das Thema ihres Buches beschäftigte die öffentliche Diskussion. Die geschmähten und bereits in ihrem "Cicero"-Beitrag breit angegriffenen Feministinnen traten auf den Plan:
    "Alice Schwarzer reagierte auf den Cicero-Artikel in einem Spiegel-Interview Ende Mai 2006. Zudem hatte ihre Zeitschrift Emma bereits im April 2006 geurteilt ‚Frauen sollten mit so einem Quatsch im Jahre 2006 keine Zeit mehr verlieren’ und gefordert, die ‚ARD muss sich fragen, ob ihre Tagesschau-Sprecherin mit so sexistischen Elaboraten nicht gegen die Grundsätze der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten verstößt - und die vorgeschriebene ‚Glaubwürdigkeit‘ einer Nachrichtensprecherin demontiert!’" (6)
    "In ‚Das Eva-Prinzip’ propagierte Herman derart antiquierte Geschlechterrollen, dass Alice Schwarzer schrieb, die Autorin schwanke zwischen ‚Mutterkreuz und Steinzeitkeule’. Es scheint, als wolle Herman den Feminismus und die über Jahre gewachsene Emanzipation sowie das Selbstbestimmungsrecht der modernen Frau wieder abschaffen."
    (7)

    Schwarzer schrieb daraufhin jedoch auch das kritische Buch "Die Antwort", in dem sie nicht einfach noch ein weiteres Mal in die von vielen Seiten ewig wiederholten Ansichten, Eva Herman vertrete ein veraltetes Bild von Geschlechterrollen, einstimmte, sondern stattdessen ein Update ihrer eigenen Ansichten zum Thema Geschlechterrollen darlegte.

    "’Die Antwort’ ist ein Update in Sachen Geschlechterpolitik und es kommt darin nichts vor, worüber es nicht schon seit Jahren oder Jahrzehnten pointierte Stellungsnahmen von Schwarzer gibt: Sie argumentiert gegen die neuerdings wieder modische biologistische Festzurrung von Geschlechterrollen durch schwammige Untersuchungen zu angeblichen hormonellen oder hirnhälftigen Differenzen, gegen religiösen Fundamentalismus islamischer wie christlicher Art (und deren Allianz gegen die Gleichberechtigung von Frauen). Für das Recht auf Abtreibung als dem Recht der weiblichen Selbstbestimmung, gegen das schwer belastende deutsche Mutterbild, welches Frauen durch Schuldgefühle gängelt, für die weibliche Berufstätigkeit und Unabhängigkeit, gegen die kollektiven Schlankheitsneurosen, welche Frauen paradoxerweise gerade im Zeitalter der Emanzipation in ein neuerliches Zwangsverhältnis setzen. Und sie ist immer noch vehemente Gegnerin sowohl der Pornographie und der für sie damit zusammenhängenden Sexualisierung und Brutalisierung der Gesellschaft als auch der Legalisierung von Prostitution." (8)

    "Ausführlich erzählt sie in ‚Die Antwort’ immer wieder von der Geschichte der Frauenbewegung und der sozialen Geschlechterbeziehungen", diese historischen Beschreibungen sind ein gutes Antidot gegen Geschichtsvergessenheit und heben die Errungenschaften der Emanzipationsbewegung und deren Bedeutung hervor: "Bis 1977 herrschte in der Bundesrepublik ein Familienrecht, in dem der Ehemann die ‚gemeinsame Lebensführung’ und den Wohnort bestimmte, über das Vermögen der Frau verfügte, der Frau, welche zur Haushaltsführung verpflichtet war, die Arbeitstätigkeit verbieten und auf der ‚Erfüllung der ehelichen Pflichten’ bestehen konnte. Dagegen erscheint die heutige formaljuristische Gleichberechtigung als ein Wunder." (8)

    "Früher klang Schwarzers Kritik natürlich härter als heute, aber das Ideal ist letztlich äußerst egalitär, ja umfassend humanistisch: Mann und Frau sollen sich auf Augenhöhe begegnen und miteinander kommunizieren. Und sie sollen zuerst als Menschen, und erst danach als Männer und Frauen definiert werden." (8) "Das neue Buch von Alice Schwarzer ist ein Plädoyer für Väter mit Kindern und Mütter mit Beruf. Für gleiche Rechte und Pflichten." (9)

    "Von konservativer Seite wurde die Stellungnahme Eva Hermans teilweise mit Beifall aufgenommen." (10) Anhänger hat Eva Herman aber auch bei Frauen, die sich für ein Mutterdasein entschieden haben und in ihr ein Sprachrohr und eine Vorkämpferin für den von ihnen eingeschlagenen Lebensweg sehen. Die frauenpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Hamburg, Marita Meyer-Kainer, kommentierte am 4. September (zwei Tage vor Auslieferung des Buches an den Einzelhandel) hingegen: "Dieses Frauenbild ist für eine moderne Gesellschaft unakzeptabel und entspricht auch nicht mehr der Realität." (10)

    Die Kabarettistin Désirée Nick wehrte sich gegen die von Herman vertretenen Vorstellungen in ihrem "Contra-Buch", welches sie schlicht"Eva go home. Eine Streitschrift" nannte (11), und griff Herman auch in einem Interview im "Stern" (11. September 2007) harsch an:

    Stern: "Schreibt Eva Herman aus Überzeugung oder dient die ganze Provokation nur als PR-Maßnahme?"

    Désirée Nick: "Das spielt doch keine Rolle. Eva Herman selbst hat doch niemals ein Buch geschrieben. Vorne im Buch steht drin, dass die Bücher unter Mitarbeit von Dr. Christine Eichel, einer Journalistin, entstanden sind. Eva Herman hält doch nur ihr Gesicht hin und steckt die Prügel ein. Wer weiß, ob sie das Buch überhaupt selbst gelesen hat."

    Stern: "Also alles nur eine Inszenierung?"

    Désirée Nick: "Sie hat sicher eingeplant, durch solche Äußerungen zwei, drei Jobs zu verlieren. Aber das eigentliche Problem besteht doch darin, dass sich heutzutage jede Abnormität verkaufen lässt. Es ist für alles Platz in unserer Gesellschaft, für alles finden sich Zuhörer und Zuschauer. Frau Herman nistet in einer verdammt kleinen Nische, die Mehrheit steht doch gar nicht dahinter. Es ärgert mich sehr, dass Eva Herman für so eine Scheiße so viel Aufmerksamkeit erhält." (12)

    Da aber Schweigen zu Hermans Thesen in diesem Falle Zustimmung bedeute, fühlte sie sich aufgefordert, Hermans Thesen in ihrem Gegen-Buch zu zerpflücken. (13) Herman konterte mit unterstützenden Reaktionen in "Liebe Eva Herman! Briefe und Mails an die Autorin des Eva-Prinzips". (14)

    Neben den zahlreichen Empörungsbekundungen kam auch eine wirkliche inhaltliche Auseinandersetzung mit den von Herman in ihren provokanten Thesen angesprochenen Problemen in Gang: In der Wochenzeitung "Die Zeit" etwa nahmen prominente Frauen die Diskussion zum Anlass, Missstände in der Gleichberechtigung der Frauen mit den Männern anzuprangern und forderten einen "neuen Feminismus". Zu den Autorinnen der 15 Beiträge, die alle das Gefühl teilten, "dass es in Deutschland einen Rückschritt gibt", gehörte Hermans TV-Kollegin Anne Will. Die "Tagesthemen"-Moderatorin schrieb über eine "optische Täuschung" im TV: Frauen seien zwar auf den Bildschirmen präsent, nicht aber in den Chefetagen. (15)


    Das Prinzip Arche Noah
    Das neue Buch von Eva Herman "Das Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten müssen", das inhaltlich keine wesentlich neuen Thesen enthält, sondern sich in dem Konsens ihrer Ansichten bewegt, die sie bereits zuvor in Artikeln, Interviews und ihrem Vorgängerbuch geäußert hatte, erscheint zahnlos im Vergleich zu den Diskussionen, die um das Vorgängerbuch geführt wurden und denen, die sich an Aussagen der Autorin auf der Pressekonferenz am 6. September 2007 in Berlin, wo sie ihr neustes Buch vorstellte, entzündeten. Das Buch fragt nach den Folgen der Emanzipation und beschreibt den Zustand der Familien und der Gesellschaft aus ihrer Sicht und schließt ein Plädoyer für Gemeinsinn - einer "vergessenen Tugend" - d. h. mehr Miteinander in der Gesellschaft, (16) mit ein.

    Auch in diesem Buch kommentiert Herman die Rolle der Frau: Frauen sehnten sich nach Partnerschaft, Kindern, zu denen sie eine Beziehung aufbauen, und danach, Zeit für ihre Mitmenschen zu haben. Das alles aber seien Dinge, die ihnen die Emanzipation ausgeredet hätte, die nicht in das Bild einer selbstbestimmten, freien, emanzipierten Frau passen würden, die sich selbst verwirklicht. In der Emanzipation wollten die Frauen Freiheit, hätten sich aber wieder von ihrem neuen Ideal abhängig gemacht und seien so gesehen unfrei, vielleicht kann man Hermans Thesen so zusammenfassen. Bei der Selbstverwirklichung werde jedoch ihr Frauensein unterdrückt, denn was die Emanzipation als altmodisch ansieht, wäre gerade das: Weiblichkeit. (16) (Augenscheinlich wehrt Herman sich hierbei auch gegen ein sehr altmodisches, antiquiertes Bild der Emanzipation.) In "Das Prinzip Arche Noah" bekräftigt sie dergestalt mal wieder ihre Kritik am Feminismus und plädiert für mehr Zusammenhalt in der Familie. Voraussetzung dafür ist ihrer Meinung nach, dass Männer und Frauen zu traditionellem Rollenverständnis zurückfinden. (17)

    Bei der erwähnten Pressekonferenz zur Vorstellung ihres neusten Buches "Das Prinzip Arche Noah. Warum wir die Familie retten müssen" fielen Äußerungen, die für viel Verwirrung gesorgt haben, auch deshalb, weil anfangs nicht klar war, was sie nun genau gesagt hatte: Teilnehmern zufolge hatte Herman bei der Vorstellung ihres neuen Buches erklärt, im Dritten Reich sei "vieles sehr schlecht gewesen, zum Beispiel Adolf Hitler". Einiges sei aber auch gut gewesen, "zum Beispiel die Wertschätzung der Mutter". (17)
    So wurde Hermans Rede zwei Tage nach der Buchvorstellung im Hamburger Abendblatt vom 7. September 2007 zusammengefasst und daraufhin in zahlreichen Artikeln mehrerer Zeitungen fast identisch abgedruckt.

    Drei Tage später, am 9. September 2007, beendete daraufhin der Norddeutsche Rundfunk (NDR) seine bis dato währende 20-jährige Zusammenarbeit mit Eva Herman, die noch bis zu diesem Zeitpunkt die Talkshow "Herman und Tietjen" sowie die Ratesendung "Wer hat’s gesehen?" moderiert hatte. (18)

    "Als Grund nannte der Sender ihre umstrittenen Äußerungen zur Familienpolitik in der Nazi-Zeit - laut NDR ‚nicht der erste Vorfall dieser Art’. [...] ‚Frau Hermans schriftstellerische Tätigkeit ist aus unserer Sicht nicht länger vereinbar mit ihrer Rolle als Fernsehmoderatorin und Talk-Gastgeberin’, erklärte Volker Herres, der Fernsehprogrammdirektor des NDR. ‚Dies ist nach ihren Äußerungen anlässlich einer Buchpräsentation in der vergangenen Woche deutlich geworden.’ " (19)
    "Dies sei nicht der erste Vorfall dieser Art gewesen, erklärte Herres." "Auch Frau Hermans geplanter Auftritt bei einer Unterorganisation der rechtspopulistischen FPÖ, den sie erst nach Intervention absagte, war ein solches Missverständnis."
    (20) Damals hatte Herman erklärt, hinters Licht geführt und von einem ihr nicht bekannten Veranstalter eingeladen worden zu sein. Ein Zusammenhang mit einer politischen Partei sei dabei jedoch nicht zur Sprache gekommen. (21)

    Anlässlich dieses Beinahe-Auftritts hatte der Sender die Moderatorin im März eindringlich gebeten, "alle Handlungen und Äußerungen zu unterlassen, die geeignet seien, ihr öffentliches Bild als Talk-Moderatorin und damit auch das des NDR zu beschädigen. Zugleich sei Herman darauf hingewiesen worden, dass eine klare Trennung zwischen ihrer Arbeit als Talk-Moderatorin und als Buchautorin unabdingbar sei". ‚Frau Herman steht es frei, ihren 'Mutterkreuzzug' fortzusetzen, aber mit der Rolle einer NDR-Fernsehmoderatorin ist dies nicht länger zu vereinbaren’, erklärte Herres. Ihre Äußerungen wirkten polarisierend. ‚Das Ergebnis spürt unsere Redaktion: Gäste sagen ihren Auftritt bei 'Herman und Tietjen' ab oder stehen von vornherein nicht zur Verfügung.’ Einer solchen Entwicklung könne man nicht tatenlos zusehen, sagte der Programmdirektor." (22) Gegen ihre Kündigung beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) hat Herman inzwischen Klage beim Amtsgericht Hamburg auf "Fortbestand des Beschäftigungsverhältnisses" eingereicht. Der NDR habe die Klage indes mit Gelassenheit aufgenommen, berichtete Sprecher Martin Gartzke. (23)

    "Ich bin falsch wiedergegeben worden", sagte Herman der Nachrichtenagentur dpa und präsentierte, nachdem Tage später ein Mitschnitt der fraglichen Aussage aufgetaucht war, auf ihrer Webseite einen Text, der nach ihren Angaben wiedergeben soll, was sie auf der Pressekonferenz in Berlin tatsächlich gesagt hatte: (24)

    "Wir müssen den Familien Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch 'ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde. Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war 'ne grausame Zeit, das war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft. Es durfte nichts mehr stehen bleiben...."

    Man bedaure die "Missverständnisse": es sei nie die Absicht des Verlages oder der Autorin gewesen, "in irgendeiner Weise die Ideologie des Nazi-Regimes zu verharmlosen oder sogar gutzuheißen", hieß es in einer Stellungnahme. Schlagzeilen wie "Eva Herman lobt Hitlers Familienpolitik" seien daher irreführend. "Wir fordern eindringlich dazu auf, sich mit den Inhalten des Buchs differenziert auseinanderzusetzen, statt bei Vorverurteilungen stehen zu bleiben", hieß es in einer Stellungnahme des Pendo-Verlages, der Hermans neuestes Buch verlegt. (25) "Und auch Herman selbst entschuldigte sich nach den Medienberichten über die aus ihrer Sicht aus dem Zusammenhang gerissenen ‚Halbsätze’ bei denjenigen, deren Gefühle sie verletzt haben sollte. ‚Ich habe nichts Verwerfliches gesagt - und nichts Falsches’, sagte sie, ‚durch die Pervertierung gesellschaftlicher Werte im Nationalsozialismus wurde das Ansehen der Familie abgeschafft.’" (26)

    Das Originalzitat und dessen Interpretation durch den Verlag und durch die Autorin selbst deckt sich jedoch nicht mit früheren Aussagen Hermans: Nachdem das "Hamburger Abendblatt" nach der Berliner Pressekonferenz in einem Artikel angedeutet hatte, Eva Herman heiße die Familienpolitik der Nazis gut, fragte die "Bild am Sonntag" bei der Ex-NDR-Moderatorin nach - und zitierte sie am 9. September mit folgenden Worten: "Was ich zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Werte, die ja auch vor dem Dritten Reich existiert haben, wie Familie, Kinder, und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden. Vieles, was in dieser Zeit hochgehalten wurde, wurde danach abgeschafft." (26)

    Zudem erklärte der NDR, Herman habe im Gespräch ihre in der "Bild am Sonntag" zitierte Erklärung bestätigt, wonach "Werte wie Familie, Kinder und das Mutterdasein, die auch im Dritten Reich gefördert wurden, anschließend durch die 68er abgeschafft wurden". (27)In dieser Aussage spricht Eva Herman - im Gegensatz zu dem grammatisch eher undurchsichtigen Originalzitat der Pressekonferenz - eindeutig davon, dass Werte wie Familie, Kinder und das Mutterdasein auch im Dritten Reich gefördert worden seien. Jede Beteuerung, dass sie derartiges nie gesagt habe, scheitert an dieser sogar zunächst von ihr bestätigten Aussage, die sie jedoch seit Erscheinen des Originalzitates nicht mehr anspricht.


    Zuspruch von rechts
    Die Teufel die sie rief, wird Eva Herman nun so schnell nicht wieder los:
    "Die NPD feiert sie, die DVU will für sie demonstrieren, die konservative Zentrumspartei will sie als politische Galionsfigur: Die umstrittene Ex-NDR-Moderatorin Eva Herman kann sich vor kompromittierenden Angeboten aus der rechten Ecke kaum retten." [...]
    "Seit Herman vom NDR wegen umstrittener Äußerungen zur Nazi-Zeit gefeuert wurde, in denen sie etwa
    ‚die Wertschätzung der Mutter’während der Hitler-Diktatur lobte, wird die 48-Jährige von Rechtsextremisten gefeiert. ‚Bravo, Eva’, hieß es schon vor Wochen auf der Internetseite der NPD. Herman sei für ihre ‚Standhaftigkeit gegenüber den Meinungsmachern’ zu bewundern." (28) Die DVU wollte in Hamburg unter dem Titel "Meinungsfreiheit für Eva Herman" demonstrieren. Diese wehrte sich juristisch und mit einer Unterlassungserklärung gegen eine Vereinahmung durch die DVU. (29)

    Eva Herman wurde auch für eine mögliche politische Karriere in einer rechtsgelagerten Partei umworben. "Frau Herman ist unsere Traumkandidatin für die Bürgerschaft. Ihre Stimme darf nicht verstummen", erklärte der frühere Hamburger Innensenator und Weggefährte des Rechtspopulisten Ronald Schill, Dirk Nockemann, der inzwischen an der Spitze der Hamburger Zentrumspartei steht. Herman verkörpere die Werte seiner "christlich-konservativen Familienpartei" und lasse sich nicht von der "Sprach- und Denkpolizei beeindrucken". (30) Eine Sprecherin von Eva Herman sagte, sie wolle sich nicht öffentlich zu dem Angebot der Zentrumspartei äußern. (31)


    "Unerträgliche Geschichtsklitterung"
    "Frauenpolitikerinnen begrüßten die Entscheidung des NDR. ‚Bei Eva Herman wünscht man sich selbst als Frauenrechtlerin, sie möge doch bitte heim an den Herd gehen’ sagte die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast "Bild.de". Hermans Geschichtsklitterung sei unerträglich. Die Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, Elke Ferner, erinnerte an das Schicksal jüdischer Familien und anderer Verfolgter während der NS-Zeit. Aber auch anderen Frauen ‚wurde in dieser Zeit der verquasten Mütterideologie das passive Wahlrecht genommen, sie wurden aus den Universitäten getrieben’, erklärte sie.

    Hermans Äußerungen hatten auch bei NDR-Gremienmitgliedern für Entrüstung gesorgt. NDR-Rundfunkrätin Sara-Ruth Schumann, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Oldenburg, sagte, von einer ‚intelligenten Moderatorin erwarte ich, dass sie sauber formuliert’. Für jüdische Mütter und Frauen, die mit jüdischen Männern verheiratet gewesen seien, habe das damals alles nicht gegolten. Verwaltungsratsmitglied Michael Fürst, zugleich Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Hannover, sagte: ‚Wenn sie diesen verquasten Unsinn so gesagt hat, spricht das für ein sehr schlichtes Gemüt und ist historisch unverantwortlich.’

    Herman dagegen verteidigte ihre Äußerungen und wies eine Rechtslastigkeit entschieden zurück. ‚Es ist völlig absurd und bösartig, mich in die rechte Ecke zu stellen’, sagte Herman der "Bild am Sonntag". Sie habe auch in ihrem Buch geschrieben, dass sie sich von allen links- und rechtsradikalen Gruppen distanziere. Auf Eva Hermans Website verweist ein Link zur Kampagne ‚Laut gegen Nazis’, im Rahmen derer sich die Autorin mit anderen bekannten Persönlichkeiten in einer Hörbuchreihe gegen Rechtsextremismus und Antisemitismus engagiert." (32)



    Auftritt beim "Forum deutscher Katholiken"
    Am Sonntag, den 7.Oktober 2007 wurde Eva Herman dann für eine Gastrede anlässlich eines Kongresses des im Jahre 2000 gegründeten "Forums Deutscher Katholiken" (einer papst- und kirchentreuen Plattform) in Fulda gefeiert. Die rund 700 Besucher hätten die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin mit tosendem Applaus bedacht, nachdem diese rund 40 Minuten lang betont hatte, wie wichtig heute Werte wie Liebe, Familie und Kinder seien. (33)

    "Zudem habe Herman sich über die öffentliche Schelte beschwert, die sie für ihre Thesen bekommen habe. Herman sagte laut "Bild-Zeitung" wörtlich: ‚Letztes Jahr hatte ich bereits ordentlich öffentlichen Gegenwind bekommen für diese Thesen, persönliche Beleidigungen waren keine Seltenheit. Alles, was nach Familie, nach Glück mit Ehepartnern und mit Kindern, nach dem weiblichen, dem Männlichen und dem Muttersein klingt, wird in unserem Land leider auffallend schnell mit Nazi-Parolen in Zusammenhang gebracht.’ " (34)

    Von den von Herman öffentlich vertretenen Thesen waren Teilnehmer wie Veranstalter des Kongresses offensichtlich begeistert: "Wir haben Eva Herman eingeladen, weil sie aus unserer Sicht zum Thema Erziehung der Familie das Richtige sagt", erläuterte Hubert Gindert, der Initiator und Vorsitzende des Forums Deutscher Katholiken, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Kinder müssten mindestens in den ersten drei Jahren von einem Elternteil betreut werden, "und es ist nur natürlich, dass dies die Mutter ist". (35)

    Der hessische Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) trat jedoch zuvor als Schirmherr des Forums zurück, um gegen die Rede der Moderatorin zu protestieren. Über die genauen Gründe seiner Absage wollte sich das Hessische Wirtschaftsministerium auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE allerdings nicht äußern. (35)

    "Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich über Herman empört. Auslöser war ihre Rede auf dem Fuldaer Katholikenkongress, wo sie Zuspruch geerntet hatte. Das breite Lob für die wegen ihrer Äußerungen zu NS-Familienpolitik umstrittenen Ex-Moderatorin bedeute ‚nicht nur ein Armutszeugnis für die Teilnehmer, sondern auch eine Ohrfeige für all diejenigen, die sich über 60 Jahre in der Aufarbeitung der Nazi-Diktatur engagiert haben’, sagte Dieter Graumann, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden. ‚Angesichts der hässlichen Häufung von kritikwürdigen Vorfällen’ erwartet der Zentralrat jetzt ein ‚klärendes Wort’ vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann. Als kritikwürdige Vorfälle bezeichnete er unter anderem die ‚wirren Vergleiche des Kölner Kardinals Joachim Meisner mit entarteter Kunst, die Ausfälle während der Israel-Reise der Bischofskonferenz im Sommer sowie den jetzigen Vorfall beim Forum Deutscher Katholiken’." (35)


    Wahrheitsfindung? - Hermans Auftritt bei Kerner
    Zwei Tage später, am Dienstag, den 9. Oktober 2007, war Eva Herman in die ZDF-Talkshow von Johannes B. Kerner eingeladen. Es war ihr erster TV-Auftritt nach ihrer Entlassung als Moderatorin beim Norddeutschen Rundfunk (NDR). Im Vorfeld ließ der Sender verlauten, dass über die umstrittenen Äußerungen bei der Buchvorstellung gesprochen werden sollte. (36) Weitere Gäste in der Sendung mit dem Thema "Rollenverteilung von Mann und Frau" waren die frühere Moderatorin Margarethe Schreinemakers, die sich zuvor bereits kritisch über Eva Hermans Thesen geäußert hatte, die "als frauenbewegt bekannte (so FAZ)" Schauspielerin Senta Berger, und Comedian Mario Barth. (36)

    Über weite Strecken der Sendung stand vor allem eines im Vordergrund: Die Klärung der Frage, was Herman, die von J. B. Kerner ein wenig provozierend als "Moderatorin, die sich ein wenig verharmlosend über die Familienpolitik im Dritten Reich geäußert hat"angekündigt wurde, mit ihrer umstrittenen Aussage bei der Buchvorstellung Anfang September diesen Jahres eigentlich gemeint hatte.

    "Der Tonbandmitschnitt dessen, was sie gesagt hat auf jener ominösen Pressekonferenz am 6. September in Berlin, wurde den Zuschauern vorgespielt und anschließend einer erschöpfenden Textkritik unterzogen - viel Ehre für eine Passage, die, wie Margarethe Schreinemakers zu Recht einwarf, vor allem ‚durcheinander und kraus’ ist". (37) Die Gesprächsrunde blieb auf die Analyse des Zitates, das auch auf Hermans Homepage zu lesen ist, fixiert; ein Historiker, Professor Doktor Wolfgang Wippermann von der Freien Universität Berlin, wurde zurate gezogen, der u.a. über die Familienpolitik während der NS-Diktatur referierte. Trotz mehrmaliger Nachfragen nahm Herman ihr Zitat nicht zurück, bestand auch darauf, dabei keinen Fehler begangen zu haben, ebenso wie sie darauf verzichtete, die Diskussion über den verworrenen Satz damit zu beenden, dass sie die zumindest mögliche Missverständlichkeit einräumte.

    "Kerners weitere Talk-Gäste Senta Berger, Mario Barth und Margarethe Schreinemakers zeigten sich während der Sendung immer wieder fassungslos angesichts der Äußerungen Hermans. ‚Das kann nicht sein, was du hier sagst’, kommentierte etwa Schreinemakers. Bislang habe sie immer gedacht, Herman habe sich nur missverständlich geäußert. ‚Du hast bis jetzt nicht gesagt, die Äußerung ist wirklich kacke gewesen’, warf Komiker Barth Herman mit drastischen Worten vor. ‚Das ist unerträglich’, meinte Schreinemakers an einer anderen Stelle. ‚Das ist auch für mich nicht leicht zu ertragen’, fügte Gastgeber Kerner hinzu." (38)

    Möglicher Grund für ihre Beteuerung, nichts falsch gemacht zu haben, und ihre Weigerung, anzuerkennen, dass ihre Aussagen zumindest missverständlich formuliert waren, wären vielleicht ihre sich dadurch möglicherweise verschlechternden Aussichten im Prozess gegen den NDR (39) oder die Befürchtung Anhänger damit zu enttäuschen.

    Ohne auf das Zitat einzugehen, stellte sie jedoch m. E. deutlich heraus, was sie hatte sagen wollen, was eine weitere Diskussion zumindest über das - ob von ihr zugegeben oder nicht - augenscheinlich sehr missglückte Zitat zum Zwecke der Ansichtsfindung eigentlich überflüssig macht:

    Sie bezieht sich auf "Werte" (im Punkte Familienbild), die in der Gesellschaft vor, während und nach dem Dritten Reich vorhanden gewesen sein sollen, jedoch von "den 68-ern" abgeschafft worden seien; der Grund für die Abschaffung dieser "Werte" liegt ihrer Ansicht nach offensichtlich darin, dass während des Dritten Reiches diese "Werte" (vermutlich von der Politik / vom Staat) missbraucht wurden und deswegen von "den 68-ern" zusammen mit zahlreichen NS-Überbleibseln "abgeschafft" wurden:

    Herman: "Also noch mal, das Original zeigt ja ganz klar, dass ich von den Werten, von den Werten sprach, die wir, also wir Menschen, schon vor dem Dritten Reich, während des Dritten Reichs und auch bei den 68ern hatten, die dann abgeschafft wurden. Ich sprach nicht von der Politik des Dritten Reiches, sondern ich sprach von den Werten der Menschen."

    Herman: "Ja, weil ich hab, Moment Johannes, ich hab ja vorher gesagt, wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das ja leider mit dem Nationalsozialismus und den 68ern abgeschafft wurde. Das heißt, was vorher schon bestanden hat." (40)

    In diesem ihren Denksystem erscheint es logisch, die NS-Zeit anzusprechen, weil der in dieser Zeit betriebene Missbrauch der von ihr für wesentlich erachteten "Werte" mit der Folge der Abschaffung dieser Werte (bezüglich Familie etc.) durch die "68-er" die Ursachen für die gesellschaftliche Fehlentwicklung darstellen, deren Ausdruck der "Werte"-Verlust oder Verfall in unserer heutigen Gesellschaft ist:

    Kerner: "[...] Warum sagst du nicht, dass es ein Fehler war, überhaupt diesen NS-Vergleich in einer welchen, in welcher Form auch immer, in einer solchen Pressekonferenz, in der es darum geht ein Buch vorzustellen, zu erwähnen."

    Herman: "Ich habe es gerade gesagt, wir haben über die Ursachen gesprochen, die Frage ist gestellt worden, warum haben wir Probleme mit den Werten, warum zerfällt unsere Gesellschaft? Warum haben wir viele Scheidungen? Warum haben wir kaum noch Familien, die zusammen finden und bestehen bleiben können?"

    Kerner: "Und warum muss man Vergleiche, mit den NS-Zeiten Vergleiche machen?"

    Herman: "Gerade noch mal, wenn man die Ursachen sucht, findet man sie doch hier. Hier sind die Dinge, genau diese Dinge missbraucht worden, und danach dadurch für unbrauchbar erklärt worden." (40)

    Nichtsdestotrotz stehen ihre bekundeten Ansichten in Widerspruch zu ihrem in der Bildzeitung geäußerten - und auf Nachfrage bestätigten - Ausspruch, den sie bislang nicht zurücknahm, jedoch auch nicht wiederholte, dass nämlich Werte wie Familie und Kinder und das Muttersein, auch im Dritten Reich gefördert worden seien. Diese im Raum stehende Aussage, welche am 9. September die "Bild am Sonntag" zitierte, wurde in einer breiten Mediendiskussion zur Familienpolitik und Mutterrolle in der NS-Zeit zu recht kritisiert, in Kerners Sendung scheint jedoch unter den Diskussionsteilnehmern nur der Historiker das Zitat gekannt zu haben...

    Wippermann: "Sie haben es gesagt und auch in diesen Sachen. Sie haben die Werte gelobt. Werte wie Familie und Kinder und das Muttersein, die auch im 3. Reich gefördert wurden. Das ist ihr Zitat und das ist falsch. Das muss man einfach sagen. Das ist falsch. Ich wollte ihnen eine Brücke bauen, zu sagen: ‚Ich wollte ja nur das konservative Ideal verteidigen.’ Und sie wollten sich distanzieren von diesem rassistischen Frauenideal und von der Frauenpolitik." (40)

    In der Pressediskussion wurde diese Äußerung zu recht ebenfalls verrissen, an das Schicksal sog. "nicht-arischer", und ansonsten nicht systemkonformer Frauen und Familien, wie auch an die Gründe für die damalige "Wertschätzung" der Mütter wurde erinnert.

    Herman beklagt sich, und bekräftigte dies auch in Kerners Sendung nochmals, man könne nicht mehr für Werte wie Familie und Kinder eintreten, ohne in ein rechtes Licht gerückt zu werden. "Letztes Jahr hatte ich bereits ordentlich öffentlichen Gegenwind bekommen für diese Thesen, persönliche Beleidigungen waren keine Seltenheit. Alles, was nach Familie, nach Glück mit Ehepartnern und mit Kindern, nach dem Weiblichen, dem Männlichen und dem Muttersein klingt, wird in unserem Land leider auffallend schnell mit Nazi-Parolen in Zusammenhang gebracht", so Eva Herman bei ihrer Rede in Fulda (laut "Bild"). (41) Doch ihre bestenfalls missverständlich ausgedrückten Aussagen über die Wertschätzung der Werte Familien, Mütter und Kinder im Dritten Reich hatten einen nicht unerheblichen Anteil an einer Verbindung ihrer Thesen mit derartigem Gedankengut. Hierzu auch ein Kommentar aus der FAZ: "Doch welchen Anlass hätte ein Autor, sich bei der Präsentation seines Buches mehrfach unaufgefordert vom Dritten Reich zu distanzieren, wenn er nicht genau wüsste, dass er mit dem Feuer spielt?" (42)

    Es kam mancherorts jedoch tatsächlich auch eine Diskussion in Gang über unseren Umgang mit unserer Geschichte. Henryk M. Broder z. B. sah in Kerners Sendung eine Lehrstunde über den Zustand der deutschen Debatte über das Dritte Reich. (43)

    Es scheint, dass sich Eva Herman als das Opfer der Berichterstattung in den Medien sieht, die mit verkürzten Zitaten die Öffentlichkeit falsch informiert hätten und von denen auch die nicht verstummenden Vorwürfe stammten, die ihr nationalsozialistisches Gedankengut unterstellten, wogegen sie sich nun ständig zur Wehr setzten muss. Es erscheint nicht ganz unverständlich, wenn Herman der Presse vorwirft, oft Sätze aus dem Sinnzusammenhang zu reißen und dadurch die Tatsachen zu verdrehen. "’Ich habe gelernt, dass das, was in der Presse berichtet wird, häufig nicht stimmt’, so Hermann. Dennoch: Die wiederholte Frage, ob sie mit ihrer umstrittenen Aussage einen Fehler gemacht habe, wollte sie nicht bejahen. Herman zeigte sich gegenüber Kerners penetrantem Nachhaken erstaunlich resistent. Sie sei oft missverstanden worden, aber sich selbst gab sie nicht die Schuld daran." (44)

    Augenscheinlich gefällt es Herman jedoch in ihrer Opferrolle, in die sie sich auch selbst hineinstilisiert, wenn sie immer wieder betont, wegen ihres Einsatzes für Kinder und Familie Angriffen, auch persönlichen, ausgesetzt zu sein, ihren Job verloren zu haben, sich davon aber nicht abhalten ließe, für die ihrer Meinung nach richtige Sache zu streiten.

    Dennoch entstand im Umkreis der Vorfälle um Eva Herman und ihre Äußerungen in dieser Richtung auch eine Diskussion über Meinungsfreiheit und den Einfluss der Presse bei der gesellschaftlichen Meinungsbildung. Auch dies kam in Kerners Sendung zur Sprache:

    Kerner: "Du hast Dich darüber beschwert und die Formulierung war über die ‚gleichgeschaltete Presse’ in dieser Angelegenheit."

    Herman: "Ja."

    Kerner: "Das ist keine glückliche Wortwahl. Weil auch dieses Wort kommt aus dem Dritten Reich wie uns der Historiker sagen kann."

    Herman: "Ja, aber das hatte ja der Spiegel dann auch gleich in seiner Online-Ausgabe aufgegriffen und daraufhin musste man nur mal googeln in welchem Zusammenhang alleine der Spiegel diesen Begriff benutzt hat und man wird fündig in mehreren Zusammenhängen."(45)

    Dieser Begriff, der tatsächlich heutzutage in einer ganz anderen Bedeutung gebräuchlich ist, als im Dritten Reich - und in diesem Sinne auch von Eva Herman benutzt wurde - war Anlass für den Spiegel einen Artikel mit "Herman wehrt sich gegen Medien - mit NS-Begriffen"zu betiteln, ungeachtet der Tatsache, dass in mehreren Spiegelartikeln mit ganz anderen Themen das Wort "gleichgeschaltet" ohne schlechtes Gewissen beiläufig verwendet wird. (46) Diese Spitzfindigkeiten konterte Eva Herman in Kerners Sendung wiederum mit einem provozierenden Vergleich, den die um neue Schlagzeilen dankbare Presse prompt aufgriff:

    Herman: "Natürlich ist er [Anm.: der Begriff ‚Gleichschaltung’] da [Anm.: in der Zeitschrift ‚Spiegel’] benutzt worden. Aber es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute drauf." (47)

    Nach etwa 50 Minuten verabschiedete J. B. Kerner dann Eva Herman aus seiner Sendung, nachdem man an einem Punkt angelangt schien, an dem es in der Diskussion nicht mehr weiterging, sich die anderen Gäste nicht auf andere Diskussionsthemen umlenken ließen und Berger und Schreinemakers aus Protest gegen Hermans Vorwürfe bzw. wegen einer Diskussion, auf die sie sich nicht vorbereitet genug fühlte, gehen wollten. "Zurück blieb eine lahme Gesprächsrunde und ein Moderator, der sich im guten Gefühl der eigenen Political Correctness sonnen konnte." (48)

    In der Presse wurde dieser mit großem Interesse bedachten Sendung Kerners und der dortige Umgang mit Eva Herman unterschiedlich bewertet. Der Tenor schwankte dabei zwischen Vorführung einer schon von vorneherein Abgeurteilten (49) und ernsthaftem Versuch der Auseinandersetzung, in dessen Verlauf immer wieder versucht wurde, Eva Herman "Brücken" zu bauen, so dass sie sich erklären und die Missverständnisse rund um ihre Aussagen ausräumen konnte, die sie nicht annahm. Die Beurteilung der Art der Auseinandersetzung mit Hermans Thesen in der Sendung ("unergiebige Debatte um verdrehte Worte und Tonbandmitschnitte" (50)) füllte ebenso die Schlagzeilen wie die Behandlung der Frage nach der Meinungsfreiheit und der Rolle der Presse und der Medien bei der gesellschaftlichen Meinungsbildung.

    Viel Kritik ernteten von der Presse ausgerechnet die Medien der öffentlichen Information und Meinungsbildung: Es "war ein fragwürdiger Triumph des Moderators über eine angeschlagene Gegnerin, die nicht klug genug war, sich diesen Auftritt zu ersparen. Ob gewollt oder nicht: Spätestens jetzt ist Eva Herman zur Märtyrerin all jener geworden, die überzeugt davon sind, dass es in diesem Land kein Recht auf freie Rede gäbe", urteilte die FAZ (50).

    Drastischere Worte fand man in der Westfälischen Rundschau: "So weit ist es gekommen: Jetzt muss man schon Eva Herman verteidigen. Warum? Weil die Heuchelei, die Sensationsgier und die sinnentleerte Ritualisierung einer vorgeblichen politischen Korrektheit auch beim besten Willen nicht mehr zu ertragen sind. Weil der Umgang mit einer schriftstellernden Fernsehansagerin beispielhaft den Zynismus offen legt, mit der die ‚Vergangenheitsbewältigung’ in Deutschland professionalisiert worden ist. Dass sie die Empörungsmaschinerie trotzdem so stabil auf hohen Touren hält, sagt mehr über die Empörten aus als über Herman. Über einen Talkmaster, der mit einem gezielten Eklat seine Einschaltquote pflegt. Über ein Boulevardblatt, das vorne über Herman geifert und hinten historische "Liebesbriefe an den Führer" druckt. Über drittklassige Prominente, die sich mit entrüstetem Geplapper als Gutmenschen gerieren und abends wieder reinen Gewissens obszönes Trash-TV auf Kosten von Minderheiten und Minderbemittelten veranstalten dürfen. Deshalb ist der Fall Herman so ärgerlich: Weil solche Rituale immer öfter an die Stelle einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem noch heute verbreiteten Nazi-Gedankengut treten. Weil sie den grundfalschen Eindruck vermitteln, dass es Wahrheiten gebe, die man nur aus Gründen der politischen Korrektheit nicht sagen dürfe." (51)

    Wie schon bei ihren Aussagen hat Eva Herman eigenen Angaben zufolge wieder mal keinen Fehler begangen, sondern "machte Johannes B. Kerner für den Eklat in seiner Talkshow verantwortlich. Der Moderator sei ‚einfach überfordert’ gewesen, als er das Gespräch mit ihr vorzeitig beendete, behauptet die frühere "Tagesschau"-Sprecherin. Vor dem Rauswurf durch Kerner habe sie ‚die ganze Zeit vorher überlegt, ob ich selbst das Studio verlasse’, behauptet Herman in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung. ‚Aber ich befürchtete den Vorwurf, dass ich ausweichen oder mich nicht stellen würde’, wird die ehemalige "Tagesschau"-Sprecherin zitiert." (52)"Eine Rückkehr ins Fernsehen strebe sie zunächst nicht an. Dagegen werde sie ‚ganz sicher’ ein weiteres Buch schreiben. Über den Inhalt wolle sie noch nicht sprechen. ‚Aber es wird ganz sicher interessant.’" (52)

    Eine inhaltliche Diskussion über die von E. Herman mittlerweile nun in mehreren Büchern vertretenen Ansichten jedoch kam sowohl in Kerners Sendung als auch in der medialen Nachdiskussion nur ansatzweise zustande.

    Was letztlich übrig bleibt, ist wohl eine Sendung, die man wohl so schnell nicht vergessen wird, und die Medienpräsenz Eva Hermans, die für die Verkaufszahlen ihrer Bücher nicht gerade ungünstig ist. Die vorzeitige Verabschiedung von Eva Herman aus Kerners Sendung wurde in den Medien als Eklat oder Skandal gefeiert, der dem Talk-Master Traumquoten brachte. Mit einem Marktanteil von 18,1 Prozent und 2,65 Millionen Zuschauern (laut Media Control) erzielte die Sendung von J. B. Kerner die höchsten Einschaltquoten in diesem Jahr. (53)


    Nachtrag
    Jenseits von allen berechtigten Diskussionen um den Zustand unserer Gesellschaft und die Suche nach Lösungen zu Problemen wie Familie und die Situation der Kinder, sprach die Buchautorin und "SWR"-Moderatorin Thea Dorn in einem Kommentar im Spiegel (vom 9. September 2007) (54) die Problematik von Eva Hermans grundsätzlicher Vorgehens- und Argumentationsweise zynisch überspitzt an:

    Sie fragte sich dort, warum die Verantwortlichen beim NDR die publizistisch-rhetorischen Umtriebe ihrer Talk- und Quizshow-Moderatorin so geduldig mit angeschaut hätten. "Denn bereits Eva Hermans medial hochgejazzter Bestseller vom letzten Herbst, ‚Das Eva-Prinzip’, hätte genug Anlass geboten, daran zu zweifeln, dass sich seine Autorin noch im ideellen Raum einer freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegt." Ein öffentlich-rechtlicher Sender wie der NDR sollte sich "ernsthafte Sorgen machen, wenn eins seiner prominentesten ‚Gesichter’ damit beginnt, solche Hasstiraden gegen den neuzeitlichen Individualismus anzustimmen, wie sie sich durch das gesamte Eva-Prinzip ziehen." Zugespitzt wirft Dorn Herman vor: "Wer als Glücksrezept propagiert, sich von der ‚gefährlichen Vorstellung’ zu verabschieden, sein Leben in eigener Regie gestalten zu müssen, und stattdessen empfiehlt, sich in die ‚schöpfungsgewollte’ Aufteilung der Geschlechterrollen zu fügen mit dem angenehmen Ergebnis, dass dann ‚viele Entscheidungen wesentlich einfacher’ werden, ‚weil sie vorgezeichnet sind’, will keine freiheitliche, sondern eine im Kern totalitäre Gesellschaft." [...] "Zwar konnte man im letzten Herbst kaum eine Zeitung, kaum ein Magazin aufschlagen, ohne einen hämischen bis vernichtenden Kommentar zu Eva H. zu lesen: Auf den anti-freiheitlichen, totalitären Kern des ‚Eva-Prinzips’ jedoch haben nur die Allerwenigsten hingewiesen. Die schlichteste Erklärung für dieses Versäumnis mag lauten: Kaum einer hat das Buch tatsächlich gelesen. Die Frage, warum dann trotzdem alle meinten, darüber berichten zu müssen, offenbart eine der Tücken des sich immer schneller drehenden Medienkarussells: Wer nicht - oder zu spät - darüber berichtet, worüber alle berichten, fliegt vom Pferdchen." (54)


    Ein eigener Kommentar
    Themen wie Familien, die Probleme, die in unserer Gesellschaft damit verbunden sind, Kinder zu bekommen (55), wie auch die noch immer nicht völlige Gleichstellung von Frau und Mann, insbesondere im Berufsleben, sind es wert auf breiter Ebene diskutiert zu werden. Ob Eva Herman hierzu jedoch einen Beitrag leistet, bleibt m. E. fraglich. Denn nicht um konstruktive Vorschläge in der kritischen Auseinandersetzung mit derartigen Problemen und um eine Diskussion über Lösungsvorschläge geht es ihr, stattdessen rüttelt Eva Herman mit den von ihr vertretenen Thesen am heute zum Glück zumindest ideell herrschenden Konsens von der Gleichbehandlung von Mann und Frau und der Freiheit bei der Wahl einer individuellen Lebensgestaltung. Die von ihr - konsequent zu Ende gedacht - zu fordernde Umgestaltung unserer Gesellschaft wird - hoffentlich - in der notwendigen Diskussion um die tatsächlichen Probleme der Gesellschaft und bei deren Lösung keine ernsthafte Rolle spielen.

    In manchen von Eva Herman (aber natürlich auch von anderen) angesprochenen Punkten ist ihr m.E. Recht zu geben: Es ist ungerecht, dass Frauen, die sich für eine sog. "traditionelle Mutterrolle" entscheiden, heutzutage oftmals wenig angesehen sind; ihre Entscheidung ist weder verwerflich, noch ablehnenswert. Es ist heutzutage noch immer keine völlige Gleichstellung der Frauen mit den Männern im Berufsleben erreicht und es ist auch noch nicht wirklich selbstverständlich, sich als Mann ganz für eine häusliche Rolle zu entscheiden. Die Schlussfolgerungen, die Eva Herman hieraus jedoch zieht und pauschal für die Allgemeinheit einfordert, kann ich jedoch in keiner Weise teilen. Als Frau, die an die Freiheit des Einzelnen und das Recht jedes Einzelnen auf Glück und freie Wahl der Lebensgestaltung glaubt, denke ich:

    Wer sich ganz für eine häusliche Rolle entscheidet, wer sich ganz für Karriere und Verwirklichung in der Arbeitswelt entscheidet, wer sich für beides entscheidet und hierbei - in glücklichem Falle - seine Aufgaben mit einem Partner teilt, soll das Recht dazu haben, und dies sollte m.E. gelten für Frau und Mann.

    © Semiramis

    Diskussion im Forum: Eva Herman und die Nazis

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    Wikipedia, Stichwort "Eva Herman" ; "Tietjen distanziert sich von Herman" (stern, 9. Sept. 2007)
    Wikipedia, Stichwort "Eva Herman"
    Verlag zieht Eva Hermans umstrittenes Buch vor" (Dorit Koch/ DPA, 24. Aug. 2006): ; "Die Emanzipation - ein Irrtum?" (Eva Herman)
    Die Emanzipation - ein Irrtum?" (Eva Herman)
    Verlag zieht Eva Hermans umstrittenes Buch vor" (Dorit Koch/ DPA, 24. Aug. 2006)
    Wikipedia, Stichwort "Eva Herman"
    Umstrittenes Buch. Eva Hermans Kreuz mit den Müttern" (focus, Jochen Krauß)
    Update in Sachen Geschlechterpolitik. Alice Schwarzer: "Die Antwort"" (Rez. v. Catherine Newmark, 5. Juni 2007)
    Alice Schwarzer: Die Antwort (Klappentext); "Bei Alice Schwarzer kommen Männer gut weg" (Freia Peters, 27. Mai 2007)
    Wikipedia, Stichwort "Eva Herman"
    ""Sie ist eine Wiederholungstäterin". Désirée Nick über Eva Herman" (Björn Erichsen, 11. Sept. 2007)
    "Katholiken bejubeln Eva Herman" (Kölner Stadtanzeiger, 9. Okt. 2007)
    "Tietjen distanziert sich von Herman" (stern, 9. Sept. 2007)
    "Frauenrechtlerinnen begrüßen Hermans NDR-Rauswurf" (spiegel online, 9. Sept. 2007)
    "Eva Herman stellt sich den Fragen von Johannes B. Kerner" (Kölner Stadtanzeiger, 9. Okt. 2007);
    "Frauenrechtlerinnen begrüßen Hermans NDR-Rauswurf" (spiegel online, 9. Sept. 2007); "Katholiken bejubeln Eva Herman" (Kölner Stadtanzeiger, 9. Okt. 2007);
    "Reaktionen auf Hermans Entlassung. Schelte von Tietjen, Hilfe vom Verlag" (spiegel online, 10. Sept. 2007)
    "NDR feuert Eva Herman" (spiegel online, 9. Sept. 2007)
    "NDR feuert Eva Herman" (spiegel online, 9. Sept. 2007); "Reaktionen auf Hermans Entlassung. Schelte von Tietjen, Hilfe vom Verlag" (spiegel online, 10. Sept. 2007)
    "Reaktionen auf Hermans Entlassung. Schelte von Tietjen, Hilfe vom Verlag" (spiegel online, 10. Sept. 2007)
    "NDR feuert Eva Herman" (spiegel online, 9. Sept. 2007)
    "Eva Herman verklagt den NDR" (Welt, 10. Okt. 2007); "Kerner schließt Eva Herman aus Sendung aus" (10. Okt. 2007)
    "Mütter unter Hitler. Herman widerspricht sich selbst" (spiegel online, 27. Sept. 2007)
    "Reaktionen auf Hermans Entlassung. Schelte von Tietjen, Hilfe vom Verlag" (spiegel online, 10. Sept. 2007)
    "Mütter unter Hitler. Herman widerspricht sich selbst" (spiegel online, 27. Sept. 2007)
    "Frauenrechtlerinnen begrüßen Hermans NDR-Rauswurf" (spiegel online, 9. Sept. 2007)
    "Rechtsparteien buhlen um ihre Traumfrau" (spiegel online, 11. Okt. 2007)
    "Ex-Politiker der Schill-Partei will Eva Herman" (Welt, 10. Okt. 2007); "Rechtsparteien buhlen um ihre Traumfrau" (spiegel online, 11. Okt. 2007)
    "Rechtsparteien buhlen um ihre Traumfrau" (spiegel online, 11. Okt. 2007)
    "Ex-Politiker der Schill-Partei will Eva Herman" (Welt, 10. Okt. 2007)
    "Frauenrechtlerinnen begrüßen Hermans NDR-Rauswurf" (spiegel online, 9. Sept. 2007)
    "Kerner wirft Eva Herman aus seiner Sendung" (spiegel online, 10. Okt. 2007); "Rausschmiss bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann, FAZ, 10. Okt. 2007)
    "Katholiken bejubeln Eva Herman" (Kölner Stadtanzeiger, 9. Okt. 2007)
    "Kerner wirft Eva Herman aus seiner Sendung" (spiegel online, 10. Okt. 2007)
    "Eva Herman stellt sich den Fragen von Johannes B. Kerner" (Kölner Stadtanzeiger, 9. Okt. 2007); "Rausschmiss bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann, FAZ, 10. Okt. 2007)
    "Rausschmiss bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann, FAZ, 10. Okt. 2007)
    "Kerner wirft Eva Herman aus seiner Sendung" (spiegel online, 10. Okt. 2007)
    "Rausschmiss bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann, FAZ, 10. Okt. 2007)
    Eva_Hermans_Auftritt_bei_Kerner_im_Wortlaut_1.html) u. (Eva_Hermans_Auftritt_bei_Kerner_im_Wortlaut_2.html)
    "Katholiken bejubeln Eva Herman" (Kölner Stadtanzeiger, 9. Okt. 2007)
    "Rausschmiss bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann, FAZ, 10. Okt. 2007)
    "Der programmierte Eklat" (spiegel online, 10. Okt. 2007)
    "Eva und die Autobahn" (taz, 10. Okt. 2007)
    Eva_Hermans_Auftritt_bei_Kerner_im_Wortlaut_1.html) u. (Eva_Hermans_Auftritt_bei_Kerner_im_Wortlaut_2.html)
    "Eva Herman und die Nazis", S. 10 hinweist.
    Eva_Hermans_Auftritt_bei_Kerner_im_Wortlaut_1.html) u. (Eva_Hermans_Auftritt_bei_Kerner_im_Wortlaut_2.html)
    "Eva und die Autobahn" (taz, 10. Okt. 2007)
    "Der programmierte Eklat" (spiegel online, 10. Okt. 2007)
    "Rausschmiss bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann, FAZ, 10. Okt. 2007)
    "Westfälische Rundschau: Kommentar Eva Hermann" (Westfälische Rundschau, 10. Okt. 2007)
    ""ER WAR EINFACH ÜBERFORDERT". Eva Herman attackiert Kerner" (spiegel online, 16. Okt. 2007)
    "Eva und die Autobahn" (taz, 10. Okt. 2007); "Rausschmiss bei Kerner. Wie Eva Herman den Fernsehtod starb" (Jörg Thomann, FAZ, 10. Okt. 2007); dpa
    "NDR FEUERT EVA HERMAN. Endlich Zeit für Apfelkuchen" (spiegel online, 9. Sept. 2007)
    (55) Ganz anschaulich:
    Susanne Gaschke, Die Emanzipationsfalle. Karriere oder Kinder? Warum wir neue Rollenbilder brauchen (München 2006);
    Angela Voß, Ein Baby - jetzt, später oder nie? Das Dilemma der flexiblen Frau (Hamburg 2004)
    Silke Lambeck / Regine Zylka, Das große Jein. Zwanzig Frauen reden über die Kinderfrage, Berlin 2006