Schwäbisch for Runaways

Franziskaner

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So, auf speziellen Wunsch von SimoRRR - und natürlich Norma - möchte ich hier mal anfangen, den Nordlichtern und Fischköpfen in der ask1.org Community einmal die bekanntesten Fallstricke im sprachlichen Umgang mit Süddeutschen aus dem schwäbisch-alemannischen Sprachraum nahezubringen.

Offensichtlich herrscht eine grosse Unsicherheit bei unseren nördlichen Nachbarn, wie bestimmte Aussagen zu interpretieren sind, und da wir uns ja alle dem Geist der Völkerverständigung verschrieben haben (gut, fast alle), sollen hier einige der wichtigsten Floskeln erklärt werden.

Weitere Unterstützung wird natürlich gern entgegengenommen.

So, los gehts:

Legg mi am Arsch! (Leck mich am Arsch!) - der bekannte Schwabengruss, herzlich und humorvoll wie immer begrüsst hier der Schwabe seinen lange nicht mehr gesehenen Freund, dem es offensichtlich gut ergangen ist. (Wenn der Schwabe einen leichten Vorwurf unterbringen möchte, das sich der Freund schon lange nicht mehr gemeldet hat, wird dies i.d.R. durch "Lebsch du au no?" (Lebst du auch noch?)direkt im Anschluss ausgedrückt).

Wenn man einen Schwaben verärgert hat, könnte einem ein "Dir schlag i glei d' Boiner ab, no koasch off de Schdompä hoimquaddle!" (Ich schlag dir gleich die Beine ab, dann kannst du auf den Stumpen heimkriechen) entgegenschallen. Hier ist Vorsicht geboten, die Anwendung körperlicher Gewalt ist nicht auszuschliessen. Wahrscheinlich hat der so Angesprochene eine wichtige regionale Gepflogenheit, wie z.B. die Kehrwoche, nicht beachtet und sich dann auch noch uneinsichtig gezeigt.

I schlag d'r oine an'd Battrie no! (Ich hau dir gleich eine aufs Maul) wäre ebenfalls in diese Kategorie einzuordnen. Es sei denn, der so angesprochene ist ein enger Freund oder Verwandter, dann ist das eher als freundlicher Hinweis im Sinne von "Pass lieber auf" zu verstehen.

Lidderlicher Fischkopf! (muss man das übersetzen?) - ein Kosename für alle Deutschen nördlich der Mainlinie.

Wenn'd net uff de Schtell dei Fiess unner der Arm nimmsch un guksch das fortkommsch, no koa i net dafier garandiern, das mir net glei de Gaul durchgoat! (Wenn du nicht auf der Stelle die Beine unter den Arm nimmst und zusiehst, das du wegkommst, kann ich nicht dafür garantieren, das ich nicht sofort durchdrehe) - das ist im Regelfall die allerletzte Aufforderung zur Flucht, sofern der Angesprochene selbst kein Schwabe ist (ein sog. "Neigschmeckter" Hinzugezogener). Im andern Fall heisst das, das der Angesprochene zur Befriedung der Situation gefälligst ein Glas Rotwein anzubringen habe (a Viertele).

Bekannt sind die Schwaben natürlich für ihren Erfindungsreichtum, auf den sie nicht ganz ohne Stolz verweisen, besonders wenn sie wegen ihres Dialekts gehänselt werden: "Wenn mir net 's Auto erfundä hättä, dätsch du d'r heit no d' Arsch uffm Gaul blutig schebble!" (Wenn wir nicht das Auto erfunden hätten, würdest du dir heute noch den Hintern auf dem Pferd wund scheuern).

Einzigartig auch die Fähigkeit, selbst komplexeste Sachverhalte kurz und prägnant zu beschreiben, beispielsweise die Einstein'sche Relativitätstheorie: "Wenn du dei Nas en mein Arsch schdeggsch, no han i a Nas em Arsch, un du hasch e Nas em Arsch, awwer i bin reladiev gseh besser dro!" (Wenn du deine Nase in meinen Hintern steckst, dann hab ich eine Nase im Hintern, und du hast eine Nase im Hintern, aber relativ gesehen bin ich besser dran).

Die beinahe überbordende Lebensfreude der Schwaben zeigt sich auch in der Art und Weise, wie sie positive Empfindungen überschwänglich zum Ausdruck bringen können. Beispielsweise ist "Isch net schlechd" (Ist nicht schlecht) die höchste Form des Lobes, die ein Schwabe vergeben kann.

Auch im Bereich der Romantik zeichnet sich die schwäbische Sprache sowohl durch Herzenswärme wie auch durch Effizienz aus: Sie: "Magsch me?" - Er: "mhm" ("Magst du mich?" - "jaja"), was ungefähr der schwäbischen Version von Romeo und Julia entspricht.

Von daher möchte ich für heute schliessen mit einem guten Ratschlag: "änn Schbätzlesdrigger un änn Muggäbadscher ghert elleweil in en ordändliche Haushald nei, sonsch koasch glei sähe, das d Hausmoa sei Alde net em Griff hätt" (Ein Spätzlesdrücker* und eine Fliegenklatsche gehört in jeden ordentlichen Haushalt, sonst sieht man sofort, das der Hausherr seine Frau nicht im Griff hat).

*Spätzlesdrücker = Ein Haushaltsgerät zur vereinfachten Herstellung schwäbischer Teigwaren.

to be continued...
 

Franziskaner

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yepp. Während mein Dialekt offensichtlich aus der "Gwä" Gruppe stammt, kommt deiner aus der "Gsi" Gruppe. Aber sprachgeschichtlich sehr nah verwandt sind die schon.
 

antimagnet

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so isches.

wa miich am meischte uufrägt, isch oier "ou" wiä in "souschwoob". chönneter nid "chunnsch au uusm schwarzwald" sägge, wiä alli andre au?

aber schöö isches einäwäg, mol n gschiite sproochführer z'erschtelle....
 

Franziskaner

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kenne dät mer scho kenne, awwer welle welle mer net elleweil... :wink:
(Können würden wir schon, aber wollen wollen wir nicht immer)
 

JimmyBond

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meine fresse klingt diese sprache lustig, ich versteh zwar kaum ein woertchen, aber dennoch sau lustig :D
 

DrJones

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Mir gugget mit di Auge, net mit di Hend!

Wörtlich: Wir schauen mit den Augen, nicht mit den Händen.
Bedeutet ungefähr das man ein bestimmtes Objekt nicht
anfassen soll sondern es lediglich betrachten soll.
Und gemeint sind natürlich nicht 'wir' sondern lediglich der
angesprochene, der z.B. wieder das ganze Obst in der
Auslage der Verkäuferin allzu genau unter die Lupe nimmt.
 

Shishachilla

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Franziskaner schrieb:
Legg mi am Arsch!
Verbesserungsvorschlag: Legg mi am Oarsch... oder nicht?
Bin zwar kein Schwob, aber versteh euch!

Hiermit will ich mich übrigens auch mal stark machen einen ähnlichen Einführungskursus für die Nordbadner Dialekt einzuführen, die sich ja nicht allzusehr unterscheiden. Wer kennt sich damit auch noch aus? Bitte alle Hände hoch, Kann ja nicht sein, dass man dieses Privileg allein de Schwohwe iwwerlesst. Mir misse jo ah gugge dass ma net zu koaz kumme! Allah, wer ah noch babble koann wie ihm de Schnawwl gwachse isch, der koann jo ä mässitsch schreiwe, donn känne ma unsan eijene Srät ereffne.
Ibrigens: Koann des sei, dass unsan Dialekt imma so bissl bschränkt sisch oahere dut, wenn oaner im Fernseh so babbelt?

greetz *gg*
 

Franziskaner

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Oarsch wär eher bayrisch...

awwer wohdeher willen so en Gelbfiesler des a wisse, hei her amol her, her. :wink:
 

Aphorismus

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Oh Gott - Schwäbisch! Gottes Sprachspiel zur Empfängnisverhütung! :lol:

Nee ehrlich... Sächsisch ginge vielleicht gerade noch, aber Schwäbisch?

Pe King! Äh.. Ha noi! :p

Sag mal Franzl, die CD "Schwäbisch für Fischköpp" Kennst du nicht zufällig? Habe den starken Verdacht, die könnte was für dich sein! :wink:

Und ganz ehrlich: Kääs-Spätzle sind der Hammer, das rehabilitiert euch! *großkotzig aus der Hauptstadt mit Fischkopp-Genen urteil*
 

Shishachilla

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Hoisch e mol, liewa Gelbfiesler als Spätzlefresser. Gnau gnumme bin isch jo sogar en Muhndspritzer, was aisch wohrschoints nix säscht! Awwer dann misst ma mit dem lokale Gedehns ofange, dann bleiwe ma liewa beim regionale. Des dumme isch bloß, wenn ma do mol en schraibfähla nei mecht, hot ma echt e problem. Weil dan versteht ma gar nix mäh!
 

Franziskaner

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An Aphorismus ist der völkerverständigende Gedanke natürlich wieder mal vorübergegangen...naja, wer auf Becks angewiesen ist... :lol:

Do welle mer mol net so sei un uff de bub a weng Ricksischt nemme...

EDIT: Du Shishachilla, kann das sein, das dein Badisch schon stark ins Pälzerische abdriftet?
 

antimagnet

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das is aweil scho fascht saarlänner platt, was du do so vunn dir gebbschdd, schischachilla...


midd säggsch gönndsch dor ooch dienn, aphorismus...


der polyglotte antimagnet :wink:
(naja, ok, saarländisch, alemannisch, säggsch, schön nach den stationen meines lebens, aber das wars dann auch schon mit meiner vielsprachigkeit. hab ich schon erwähnt, dass ich übergroßes latinum habe???)
 

gloeckle

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Aphorismus schrieb:
Oh Gott - Schwäbisch! Gottes Sprachspiel zur Empfängnisverhütung! :lol:

Nee ehrlich... Sächsisch ginge vielleicht gerade noch, aber Schwäbisch?

Hailand zack! Da goht mr doch's Messr em Sack uff!

(Verdammt! Da springt mir doch das Klappmesser in der Hosentasche auf! = Noch so ein Spruch und ich komm vorbei... ;))

chönneter nid "chunnsch au uusm schwarzwald" sägge, wiä alli andre au?

Doch, doch. Dia Leid, dia bei mir oms Eck wohnet, dia schwätzet älle so.

hab ich schon erwähnt, dass ich übergroßes latinum habe???

angeber. ich auch ;).
das schwäbische ist dem griechischen und lateinischen übrigens sehr ähnlich, viele grammatikalische feinheiten stammen noch aus diesen sprachen.
 

Mother_Shabubu

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Übergroßes Latinum? Bekommt man das nach elf Jahren Latein am Gymnasium? *gd&r*

Ich hab' nur ein normalgroßes und ein Graecum.
 

gloeckle

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Na gut, meins ist auch nur groß.
anti hats wohl zweimal gemacht und dachte, das vergrößere seinen Schein ;)

Warst du auf einem Gymnasium mit humanistischem Zug oder hast du das an der Uni gemacht?

G. habe ich auch.
 

antimagnet

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bei graecum muss ich leider passen. latinum (also das kleine) hatte ich nach der zehnten, das große nach der elften, aber ich hab mir gedacht, das machste mal noch zwei jahre weiter und zwar als lk - deshalb übergroß. vielleicht sollten wir uns aber wieder dem sprachführer widmen... :D
 

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