Kennst Du den Bischof von Norwich?

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Auf einer Reise in Portugal kam ich auch in der schönen Stadt Porto vorbei. Da dachte ich so bei mir … „kauf Dir als Andenken einen guten (!) Portwein, den bekommt man hier jawohl“.

So dachte ich mir und dann ging das Problem los. Was zum Teufel ist ein „guter“ Portwein. Aus unseren Supermärkten kennt man eigentlich nur den „Tawny Port“ und neuerdings „White Port“.

Was also ist ein guter Portwein? Abends im Hotel befragte ich erst mal den Barkeeper, er solle mir einen guten(!) Port geben. Er erklärte mir das ich einen wirklich guten Port nur in der ganzen Flasche bekommen könne, er habe aber „kleine“ Flaschen. 50€ sollte so ein Port kosten … autsch, aber naja an der Bar…. ich verzichtete und zurück im Zimmer warf ich das Internet an.

Portwein ist ein „normaler“ Wein der aufgespritzt wurde (das nennt man Beneficio). Dabei wird dem noch gärenden Most Weinbrand zugegeben um die Gärung zu stoppen. Der Zeitpunkt der Zugabe des Weinbrands bestimmt die Süße des Ports. Vermutlich haben die Engländer damit mal angefangen um die schönen Duoro Rotweine auch drüben in der Karibik saufen zu können. Bei dem geschüttele auf einem Segelschiff kommt da ja sonst nur noch Essig an.

Also da gibt es erstmal 3 grobe Unterscheidungen:

Weißen Port:

Aus weißem Wein hergestellter Port.

Ruby Port:

Rubinrot bis dunkles lila. Ruby Ports werden jung abgefüllt und schmecken daher fruchtig. In dieser Kategorie finden sich die Portweine die in der Flasche viele Jahre gereift wurden (Vintage Ports).

Tawny Port:

hellere durch Fassreifung geprägte Weine (lohfarben). Dies sind Portweine die oft viele Jahre im Fass gelagert wurden.

So, also ein guter Port kann mehrlei sein. Zunächst liegt nahe das die Tawny Ports die 20, 30 oder gar 40 Jahre im Fass gereift wurden „gute“ Ports sind. Das ist auch so! Diese sind allerdings (im die Qualität zu sichern) aus mehreren Weinen verschnitten (wie bei einem Blend Whisky). Durch den verschnitt mehrere Weine ist das zwar ein guter Wein, aber auch wieder nicht soooo spannend. Ein spannender Port wäre dann wieder ein „Vintage“ Port (Ruby), der auch als König der Portweine gilt. Eine Ernte wird nach 2-3 Jahren im Fass auf Flaschen gefüllt. Nicht jedes Jahr ist ein Vintage Jahr und nicht jeder Vintage Port ist gleich gut. In der Flasche reift der Wein und erreicht erst nach Jahrzehnten seinen Geschmackshöhepunkt. (Man kann sich ja vorstellen wie das gelaufen ist, erst panschen die Briten Brandwein zum guten Rotwein um das Zeug sicher in die Neuen Länder zu bringen, dann lassen sie es Jahrzehnte im Keller liegen um dann zu merken „Hej das Zeug wird besser davon“).

Also als Andenken habe ich mir einen Burmeister 2000 Vintage Port mitgebracht (das war gerade so bezahlbar). Das Jahr 2000 war auch ein gutes Jahr. Einige Late Bottled Vintage Weine habe ich auch noch gekauft, die reifen nicht mehr nach, kommen dem Vintage aber nahe im Geschmack, wer kann schon 20 Jahre auf den Genuß warten?

Jetzt die spannende Frage? Wie macht man das richtig? Also ich meine, wer kauft heute eine Flasche Portwein und lagert die dann 15 Jahre (bei 18°C) um sie dann erst zu trinken? Es kommt mir so vor als ob es nicht viele Menschen gibt die das machen können/wollen. Ein kurzes Forschen ergab dann eine nette Seite über Sitten zum Port. Unter anderem wird Vintage Port zur Geburt/Taufe verschenkt. Das Kind bekommt dann eine Kiste Port aus dem Geburtsjahr und mit 21 kann er dann mit Papi die erste Flasche trinken und hat dann für alle runden Geburtstage was besonderes zum saufen (schick schick).

Portwein wird „Port to Port“ getrunken, das heißt der Gastgeber gießt ein Glas für den Gast zu seiner rechten und gibt dann den Decanter (oder die Flasche) weiter an die Person zu seiner Linken (usw.). Wenn der Port nach einer Weile nicht mehr weiter gegeben wird, so ist es unhöflich direkt nach der Flasche zu fragen. Stattdessen wird gefragt: „Do you know the Bishop of Norwich?“ Weiß der gefragte keine Antwort, bzw. kennt die Sitte nicht, so folgt ein Satz etwa wie: „He’s an awfully nice fellow, but he never remembers to pass the port.“

Aber ich persönlich finde es gibt gute Gelegenheiten Port zu trinken, z.B. meine Jährliche Segeltour bietet solche Momente.

 

 

 

 

 

 

 

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