Comedy in der Nach-Bush-Ära (1) – The king is dead, long live the king!

Wer die Amtszeit von George W. Bush als den Höhepunkt der politischen Satire bewundert, schwankt im Hinblick auf Obama womöglich noch immer zwischen einer gewissen politischen Hoffnung auf der einen Seite und nostalgischer Trauer über den tragischen Verlust auf der anderen. Vorbei die Zeiten, in denen man sich jeden Tag über einen neuen doofen Spruch vom US-Hauptkomiker freuen konnte – heute vergehen da unter Umständen mehrere Wochen bis zum nächsten Lapsus.

Behaupten könnte man jedoch, dass die andauernden unfreiwilligen Humoreinlagen von Bush der anspruchsvollen politischen Satire eher geschadet haben. Er machte es den Kabarettisten, Comedians und Moderatoren zu einfach. Auch Obama liefert die ein oder andere unfreiwillige Lachnummer, aber die Zeit dazwischen muss von den Satirikern mit Inhalt gefüllt werden.

Vielleicht war es eine solche Lücke, die Jon Stewart vor kurzem dazu brachte, sich im Kontext der Finanzkrise mit CNBC und speziell dem Börsenspezialisten Jim Cramer anzulegen. Als Cramer schließlich bei Stewart kleinlaut zu Gast war, fühlte man sich an den interessanten Auftritt Stewarts in der kurzzeitig später eingestellten Sendung Crossfire erinnert.

Beim bundesdeutschen Scheibenwischer hingegen, der von Mathias Richling gerade in das Comedy-offenere Format Satire-Gipfel verwandelt wird, kann möglicherweise eine umgekehrte Entwicklung befürchtet werden – was irgendwie nicht weiter verwundert, erinnert doch auch die aktuelle deutsche Politikerauswahl insgesamt eher an Bush als an Obama.

Aber die Auflockerung deutscher Kabarettsendungen ist nicht unbedingt eine schlechte Idee, wenn – ja, wenn – es nicht zu Lasten des Inhalts geht. Wird es geschickt gemacht, könnte vielleicht sogar neben den Einschaltquoten das politische Interesse der Jugend gesteigert werden. Denn US-Umfragen belegen: Zuschauer der Daily Show wissen mehr über Politik als ihre Altersgenossen. Die tatsächlichen Kausalbeziehungen lassen wir heute mal außen vor.

In der Reihe „Comedy in der Nach-Bush-Ära“ soll in Zukunft unter anderem die Satiretauglichkeit von Obama und anderen Politikern beobachtet werden. Eine weitere wiederkehrende Frage wird sein, wie sich die – häufig eher linksliberal ausgerichteten – politischen Comedy-Formate mit Obama anfreunden. The king is dead, long live the king!

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