Congratulations, Mister Obama.

Wenig überraschend hat Barack Obama die Wahl zum 44. US-Präsidenten gegen seinen Gegner John McCain gewonnen. Und das klar: zum derzeitigen Zeitpunkt sieht es so aus, als hat Obama 338 der benötigten 270 Wahlmänner hinter sich vereint. John McCain räumte seine Niederlage relativ schnell ein und gratulierte als fairer Verlierer dem zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Infolge feierten Millionen Anhänger Obamas in Chicago, in Phoenix dagegen herrschte fast lähmendes Entsetzen. Nur sind die Republikaner da selbst Schuld, sie haben im Grunde abgewirtschaftet. Die 8 Jahre Bush-Administration waren eine zu große Hypothek – Irakkrieg, Kampf gegen den Terror, steigende Ölpreise und schließlich die Finanzkrise. Nein, der Punkt an dem sich die USA nach 8 Jahren unter republikanischer Führung befinden, kann nicht als rosig bezeichnet werden. Aber McCain, obwohl selbst unter den Republikanern ob seiner Ansichten nicht der Beliebteste, hat auch selbst Fehler gemacht. Die Wahlniederlage nur auf „den unfairen WahlkampfObamas zurückzuführen, wie es einige Anhänger seiner Partei gestern versuchten, ist albern. Es war nicht nur die vermeintlich fehlende Distanz zum Noch-Präsidenten Bush, es war sein Auftreten bei der Finanzkrise, es war der von ihm immer schmutziger geführte Wahlkampf, es war die – wenn auch vielleicht nicht von ihm allein getroffene – falsche Wahl Sarah Palins als Vizepräsidentschaftskandidatin.

Barack Obama hingegen konnte und kann die Massen begeistern. Er verspricht nicht weniger als einen Wandel, ein Ärmelhochkrempeln, er will Amerika eine neue/alte, eine bessere Richtung geben. Bleibt abzuwarten, welche seiner Versprechen er auch umsetzen kann. Die notwendigen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus haben die Demokraten – im Übrigen ein weiteres Anzeichen für die schlechte Lage der Republikaner. Selbst in normalerweise sicheren republikanischen Bundesstaaten fielen die Wahlergebnisse knapp oder sogar überraschend für die Demokraten bzw. Barack Obama aus. Es bleibt nur das etwas schale Gefühl zurück, dass Obama zuallererst mit seinem Charme, seiner Rhetorik, ja sogar mit dem Klang seiner Stimme punkten konnte, als mit einem handfesten Programm. „Yes, we can“ ist eine schöne Botschaft – was dahinter steckt, schien den Leuten aber zunächst erstmal egal, es blieb alles etwas diffus. Nur war das bei McCain nicht unbedingt anders.

Unabhängig davon feiern die Anhänger Obamas immer noch. Und mit ihnen wahrscheinlich der Großteil der restlichen Welt. Hätte die Welt heute Nacht gewählt, das Ergebnis wäre das gleiche gewesen. Oder sogar deutlicher. Und nur wenige machten einen Hehl daraus, dass sie lieber Obama haben wollten. Ich muss gestehen, dass mir das schon ein wenig auf die Nerven ging. Auf dem ZDF gab es eine Wahlsondersendung, aber es hätte wohl eher der Titel „Countdown für Obama“ gepasst. Auf SPIEGEL ONLINE gab es einen Live-Blog und der zuständige Redakteur Mathieu von Rohr machte von Anfang an darauf aufmerksam, dass er Obama bevorzugen würde, dass man auf ihn hoffen sollte. Vielleicht lag es daran, dass Obama in den Umfragen weit vorne lag, vielleicht daran, dass man auch im Rest der Welt einen Wandel wollte. Ich hätte mir trotzdem ein wenig mehr Distanz, ein wenig mehr Unabhängigkeit gewünscht. Auch wenn der US-Wahlkampf bzw. die US-Wahl glamouröser und spannender rüberkommt als der doch eher dröge Bundestagswahlkampf.

Hoffen wir, dass Barack Obama seine Versprechen halten kann. Das US-Volk hätte es jedenfalls verdient. Denn anders als hierzulande reagierte das Wahlvolk in den USA nicht mit einem Fernbleiben von der Wahl, es reagierte auch nicht mit Protestwahlen – nein, es gab stattdessen eine Rekordwahlbeteiligung. Das ist sicherlich auch Obamas Rhetorik und seinem modernen Wahlkampf geschuldet, der auch gezielt (potentielle) Neuwähler ansprach. Aber auch dem Glauben, dass man mithilfe der Demokratie eben doch einen Wandel zum Besseren herbeiführen kann. Dem Glauben, dass man aus eigener Kraft wieder zurück zum American Way of Life findet.

Mister Obama, enttäuschen Sie diese Hoffnung bitte nicht!

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