Unerwünschte Weihnachtsgrüße – Rechte Kräfte im Rheinisch-Bergischen Kreis

Was soll ich sagen. Ich versuche kein Geschwafel daraus zu machen. Heute einmal kein hochgestochenes, blumiges Deutsch, sondern zuerst einmal eine möglichst sachliche Beschreibung. Ich bin verdammt zornig. Ist das sachlich? Nein. Mir egal, Ich bin sogar stinksauer! Die neonationalsozialistischen Schmierereien, die ich in den letzten Tagen sehen musste, gehen mir gehörig auf den Senkel!

Beim Laufen durch die Innenstadt eines Ortes im Bergischen wurde ich auf diverse Graffiti aufmerksam, die allesamt erst Anfang der letzten Woche entstanden sein konnten. Besonders die symbolträchtige Brücke, eines der Wahrzeichen der Stadt, wie auch die Seitenwände diverser Supermärkte und eine Bahnunterführung waren mit rechtsextremen Parolen beschmiert.

Untragbar – rechtsextreme Schmierereien auf Kinderkunst

Gerade die Unterführung, welche von Schulkindern liebevoll mit bunten Farben bemalt worden war, wurde durch die schwarzen und hässlichen Graffiti sehr entstellt. Direkt unter dem mit Blumen geschmückten „Willkommen in Leichlingen“ prangerte das abstoßende Symbol der Autonomen Nationalisten. An einem Supermarkt lasen die morgendlichen Kunden „Frohe Weihnachten wünschen die ANL [„Autonome Nationalisten Leichlingen“ Anm.d. Autors.]“. Auf solche Grüße können die Menschen dort wohl gerne verzichten.

Dieser Vorfall ist kein Einmaligkeit. Schon Mitte November hatten die Autonomen Rechten in Leichlingen und Umgebung für Aufsehen gesorgt. Ende November hatten sie gar ein Treffen der Partei Die Linke abgepasst und gestört. Flugblattaktionen und Beschmierungen öffentlicher Gebäude schaffen abrundend den Eindruck, dass rechte Gruppierungen im Bergischen immer mehr Zulauf haben.

Die Autonomen Nationalisten, zumindest in Leichlingen durch ihre Graffiti klar als Urheber der Beschmutzungen erkennbar, stellen unter den rechtextremen Gruppierungen insoweit eine Besonderheit dar, als dass sie sich linksextreme Taktiken angeeignet haben, um ihre ablehnungswürdigen Ziele durchzusetzen. Ähnlich wie der Schwarze Block treten sie u.a. öffentlich in einheitlich schwarzer Kleidung und Vermummung auf, um so eine gezielte Drohkulisse zu erzeugen.

Hausbesetzungen, Graffiti und die gezielte Veränderung und Schmähung von Antifa-Symbolen und die besondere Fokussierung auf die Antifa-Bewegung bzw. sind mehr oder weniger ihr Markenzeichen. Ihre Ziele sind folgendermaßen beschrieben: Sie versuchen gezielt die vorhandene Gesellschaft zu unterwandern und mit rechter Propaganda zu infizieren, ohne dass diese direkte Notiz davon nimmt, da sie durch das untypische (nicht rechts wirkende) Auftreten auf den ersten Blick nicht immer als neonazistisch erkannt werden, sondern vielleicht eher dem linken Spektrum zugeordnet werden. Ihre Sprüche sind dabei ebenso populistisch wie einfach; von „Fuck Bush!“ über „All Cops are Bastards“ bis zu fremdenfeindlichen Äußerungen, denen in diesem Text kein freier Raum eingeräumt wird.

Diese Impression von einem Besucher wie mir, der nur ab und zu einen kleinen Einblick von der rechtsrheinischen Seite erhält, wirkt sich nicht gerade positiv auf das Ansehen der Region aus. Und es scheint, als ob die ansässigen Bewohner vielerorts diese unhaltbaren Schmähungen still hinnehmen. Vielleicht sind sie es auch schon gewohnt, sind es müde, die dreckigen Parolen mit neuer Farbe zu überstreichen. Oftmals ist es für die Behörden, denen oft (vielleicht etwas manchmal zu Recht?) „Blindheit auf dem rechten Auge“ vorgeworfen wird, auch schwierig, etwas gegen den rechten Dreck zu unternehmen; der weiß nämlich genau, bis wohin seine Äußerungen und Aktionen im straffreien Raum liegen.

Wir alle müssen diesen braunen Mist endlich aus unseren Dörfern und Städten kehren. Schließlich haben Fremdenhass und menschenverachtende Hetztiraden nichts mit der Weihnachtlichen Botschaft oder den positiven Hoffnungen zu tun, die man an das neue Jahr richtet, geschweige denn mit gesundem Menschenverstand.

„Frohe Weihnachten wünschen ihre ANL“ ? – Die Pest wünsche ich solchen missratenen Existenzen im Gegenzug an den Hals! Mag Deutschland, mögen wir uns dieser krebsartigen Krankheit ein für alle Mal entledigen!

Immerhin, ein Schimmer der Hoffnung bleibt: Die Kinder der Schule haben ihrem Unmut unverzüglich Luft gemacht und ein mehrstrophiges Gedicht geschrieben, dass sie mit Tesafilm in Klarsichthüllen über die Beschmierungen „ihrer“ Bahnunterführung klebten – zumindest die nächste Generation scheint noch daran zu glauben, den Kampf gegen den braunen Sumpf gewinnen zu können und richtet die beschmutzte Fahne der Freiheit und Toleranz an ihrer zierlichen Lanze der kindlichen Unschuld neu auf. Chapot!

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