„Der Architekt“ tritt zurück

Nachdem Karl Rove 14 Jahre lang als Berater und Architekt der politischen Karriere von George W. Bush aktiv war, hat er nun für Ende August 2007 seinen Rücktritt vom Amt des stellvertretenden Stabschefs angekündigt – angeblich aus Rücksicht auf seine Familie. Ob Rove sich damit aus dem politischen Geschäft vollständig zurückzieht, kann bezweifelt werden, denn trotz der Misserfolge der Bush-Administration, der Enttarnung von Valerie Plame und dem Desaster im Irak gilt Rove zumindest im Bereich der Public Relations, insbesondere im Bezug auf die Mobilisierung des konservativen Teils der amerikanischen Öffentlichkeit, als absoluter Spezialist. Spekulationen über seine künftigen Tätigkeiten reichen von der Vermarktung eines weiteren texanischen Polit-Cowboys bis hin zur vermehrten Beteiligung Roves an konservativen US-Medien. Rove in der Defensive

Weniger umstritten ist die Frage, warum Rove diesen Zeitpunkt wählte, um aus der Bush-Administration auszusteigen. Angeblich hatte zuvor ein führender Republikaner mehrere demokratische Kollegen gefragt, ob sie sich etwas entspannen würden, sollte Rove sich zurückziehen. Nach der Ankündigung des Rücktritts bemühte sich u.a. Bush-Berater Ed Gillespie, die Bedeutung von Karl Rove öffentlich herunterzuspielen.

Valerie Plame, Harriet Miers, die PR-Arbeit in Bezug auf den Irak – Rove wird eine wichtige Beteiligung bei vielen Skandalen nachgesagt, die selbst von amerikanischen Konservativen kritisch betrachtet werden. In den letzten Monaten geriet er vor allem im Kontext der Entlassung von Staatsanwälten in die Schusslinie von Medien und Opposition. Aussagen vor Senat und Kongress konnte er sich bisher jedoch durch die Einmischung des Präsidenten (bzw. den Verweis auf ein sogenanntes „executive privilege“, das Aussagen, Strafverfolgung etc. zum Schutz der nationalen Sicherheit verhindern kann) erfoglreich entziehen. Angeblich haben die Demokraten ein gerichtliches Verfahren geplant, durch das sie die Bush-Vertrauten doch noch zur Aussage bringen wollen. In Bezug auf Rove steht nun u.a. der Vorwurf im Raum, er habe sich durch die Entlassungen unwilliger Staatsanwälte auf einen Wahlbetrug im Jahr 2008 vorbereitet.

The Devider

Auch von den meisten Kritikern der Bush-Administration wird nicht bezweifelt, dass Rove ein beachtliches Wissen um die US-Geschichte und speziell das Wahlverhalten in den einzelnen Distrikten besitzt und somit die besten Voraussetzungen für einen Berater mit Blick auf die öffentliche Wirkung der Regierungspolitik vorweisen kann. Ob er mit seinem Wissen Amerika eher geschadet oder genutzt hat, ist jedoch zumindest umstritten.

In The Salt Lake Tribune war zum Rücktritt Roves zu lesen: „In seinen scharfsinnigsten Momenten formte er sogar die Sprache der Politik. In Orwellscher Manier bezeichnete er Schwarz als Weiß. Sein unerbittliches Beharren, die Bush-Administration permament eine starke Öffentlichkeitsarbeit betreiben zu lassen, hat sich als bemerkenswert effektiv erwiesen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen, auch wenn die Evidenz gegen die entsprechenden Positionen überwältigend war. Glücklicherweise wird Karl Rove letztendlich noch von der Realität eingeholt.“

Im Artikel „Politische Zauberei des Beraters beschränkte sich auf das Gewinnen von Wahlen“ prognostizierte der Charlotte Observer, dass Bush nun, da es ohnehin keine Wahlen mehr für ihn geben wird, seinen Job ohne Rove besser erledigen könne. Auch Roves eigentliche Wahlkampf-Strategie wird mitunter scharf kritisiert, da sie allem Anschein nach wesentlich zur starken Polarisierung der USA beigetragen hat. Allerdings gibt es Befürchtungen, die Rove-Taktik werde die US-Politik auch weiterhin dominieren, wie u.a. Rich Lowry vor kurzem andeutete:

„Wenn ein Republikaner 2008 die Präsidentschaft gewinnen soll, muss es im Rove-Stil geschehen – ein meisterhafter, aber knapper Sieg, der unter prekären politischen Umständen errungen wird. “

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